Die Karte kann beliebig gezoomt werden, so dass die Details besser ersichtlich sind.
Der Flug von Basel via Istanbul nach Johannesburg war trotz des dreistündigen Aufenthaltes in Istanbul, wie immer in der Economy Klasse, lang und mühsam. Der Service an Bord war einwandfrei, aber richtig schlafen konnten wir beide nicht. In Johannesburg hatten wir noch einmal drei Stunden Zwischenhalt, bevor es mit einer kleinen Maschine nach Walvis Bay weiterging. Mit an Bord war nun auch Peter, unser Containerpartner. Er war von Budapest kommend schon etwas früher eingetroffen. Der Flughafen in Walvis Bay ist winzig und wird kaum von Touristen genutzt. Daher war es eine Frage von wenigen Minuten, bis wir die Einreiseformalitäten erledigt hatten, obwohl wir das Visum erst vor Ort beschafften. Das entsprechende Formular hatten wir, als einzige Touristen, bereits vorab ausgefüllt und waren daher als erste an der Reihe.
Der Inhaber unserer Unterkunft hatte einen Fahrer organisiert, der uns bereits erwartete. So erreichten wir bequem in einer viertel Stunde unser B&B. Wir nahmen Kontakt auf mit der Agentur, welche unseren Container in Namibia betreute, und erfuhren, dass es doch noch zu einer Verzögerung kommen würde. Das Schiff war zwar pünktlich eingetroffen, konnte jedoch erst drei Tage später die Ladung löschen. Das Entladen erfolgte schlussendlich am Freitag und am Wochenende arbeiten die Zollbehörden natürlich nicht. Am Montag kam ausserdem ein Strom- und dadurch ein Systemausfall dazu, welcher noch einmal einen Tag kostete. Nach viel Hin und Her konnten wir schliesslich am Donnerstag gegen Mittag unser Auto in Empfang nehmen.
Immerhin blieb uns so genügend Zeit, um die diversen Besorgungen in Walvis Bay zu erledigen. Wir bezahlten die Strassengebühren, welche alle Ausländer, normalerweise an einem Strassengrenzposten, bei der Einreise begleichen müssen. Wir kauften eine Haftpflichtversicherung für das Auto und erstanden eine SIM-Karte für Namibia. Es hatte sich nämlich schnell gezeigt, dass unsere Starlink Antenne, wie zu befürchten war, in Namibia tatsächlich nicht funktionierte.
Wie schon am Vorabend genossen wir ein feines Nachtessen, diesmal im nahe gelegenen Restaurant Anchors an der Waterfront. Am Mittwoch machten wir einen ausgedehnten Spaziergang der Bucht entlang und bewunderten die gepflegten Parkanlagen mit ihren unzähligen Blumen in allen Farben - der Frühling war definitiv angekommen. Von unserem Zimmer aus konnten wir bei Ebbe die Scharen von Flamingos beim Fressen beobachten. Die übrige Zeit verbrachten mit Lesen und letzten Vorbereitungen. Abends suchten wir uns ein weiteres Restaurant an der Waterfront aus. Auch diesmal wurden wir schnell fündig und staunten einmal mehr wie günstig Preise waren. Die Hauptgerichte standen mit 10-15 CHF auf der Karte, eine Flasche Rotwein in ähnlichen Preisklassen.
Nachdem wir anderntags das Auto übernommen hatten, starteten wir als Erstes zu einem Ausflug Richtung "Pelican Point". Vorbei an den vielen Becken, in welchen Salz abgebaut wird, fuhren wir weit auf die schmale, sandige Halbinsel hinaus. Links und rechts der Piste tummelten sich unzählige Flamingos, Kormorane, Möwen, Pelikane und weitere Wasservögel.
Bevor es danach weiter ging, mussten wir uns ein erstes Mal mit Lebensmitteln eindecken. Das Angebot im Supermarkt zeigte sich ähnlich reichhaltig wie wir es von der Schweiz gewohnt sind.
Nach kurzer Fahrt erreichten wir Swakopmund, so wir im Camping Alte Brücke eincheckten. Jeder Stellplatz hat hier sein eigens Dusche- und WC-Häuschen, inkl. Abwaschbecken mit warmem Wasser. In den Palmen um uns herum waren Maskenweber fleissig mit dem Nestbau beschäftigt. Wir staunten, wie schnell diese Vögel dabei vorankommen. Waren erst nur wenige Grashalme in den Palmwedeln verankert, dauerte es nicht lange und der Vogel sass in einem stabilen Kranz, welcher die Basis für das kugelförmige Nest bildet.
Während unser Land Cruiser einen grossen Service in Thimo’s Autowerkstatt verpasst bekam, besichtigten wir Swakopmund und besorgten dabei u.a. eine
lokale Gasflasche. Viele der alten Häuser im Zentrum stammen vom Anfang des 20. Jahrhunderts und sind generell in Deutscher Sprache angeschrieben. Swakopmund gilt als die deutscheste Stadt des
Landes, entsprechend trifft man immer wieder auf Deutschsprechende Menschen. Beim Stadtbummel fielen uns neben anderen Vögeln vor allem die witzigen, emsig umherlaufenden
Perlhühner auf, welche vor allem am Strand und in den Parkanlagen nach Futter suchten.
Als wir in die Garage zurückkamen, war unser Auto eben fertiggeworden. Der Mechaniker half uns noch kurz beim Anschliessen der neuen Gasflasche und gegen drei Uhr konnten wir in den Campingplatz
zurückfahren.
Nachdem nun alles erledigt war, konnte unsere Reise losgehen. Bei leider bedecktem Himmel - Nebel oder Hochnebel ist an der Küste eher die Regel als
die Ausnahme - folgten wir der Skelettküste nordwärts. Eines der vielen Schiffswracks, welche dem Küstenabschnitt ihren Namen verpassten, ist noch weitgehend intakt und dient hunderten von
Kormoranen als Rastplatz.
Beim Cape Cross besuchten wir die riesige Seelöwenkolonie. Die etwa 250‘000 Tiere, die hier leben, riecht man schon von weitem. Steigt man aus dem Auto aus, verschlägt es einem erst mal fast
den Atem. Dichtgedrängt lag Seelöwenleib an Seelöwenleib, um diese Jahreszeit vor allem Muttertiere mit Jungen. Die männlichen Seelöwen tauchen erst zur Paarungszeit im Oktober wieder
auf.
Nach Cape Cross bogen wir auf einer 4x4 Piste ins Landesinnere ab. Bald zeigte sich die Sonne und die Temperatur stieg zunehmend an. Es lohnt sich, ab und zu anzuhalten, denn die eigentlich karge Umgebung bietet viele interessante Details. Es gibt wundersame kleine, oft hübsch blühende Pflanzen und Flechten auf Steinen zu entdecken. Eine Besonderheit ist vor allem die in der Namib Wüste endemisch wachsende Welwitschia Mirabilis. Die urzeitlichen Pflanzen werden sehr alt und bestehen aus nur einem Blattpaar, welches aus einem dicken, kurzen Stamm wächst. Mit zunehmendem Alter reissen diese Blätter ein, so dass sie aussehen wie halbtote Agaven. Ihren Wasserbedarf bezieht die Pflanze über eine lange Pfahlwurzel und ein Netzwerk von oberflächennahen Wurzeln. Die Blüten erinnern an Tannzapfen, deren einzelne Samen durch Austrocknen sehr leicht werden und sich beim kleinsten Windhauch verteilen. Die Welwitschia Exemplare an der Strecke zum Messum Krater gehören zu den eindrücklichsten Namibias.
Der Messum Krater ist eine vor 130 Mio Jahren entstandener Trichter, welcher jedoch nur aus der Luft als solcher erkennbar ist. Eine fast kreisrunde Gebirgskette umschliesst dabei einen grossen, flachen Kessel. Die Piste in diesem Gebiet wies oft starkes Wellblech auf und war nach Passieren des Kraters öfter auch tief sandig. Mit einem Geländewagen ist die Strecke jedoch ohne Schwierigkeiten befahrbar.
Auf unseren Karten waren wir auf ein Pyrophyllit Mineralienvorkommen gestossen. Nach einem kleinen Umweg fanden wir tatsächlich einige Überreste der früheren Abbauaktivitäten. Vom bläulich schimmernden Mineral hingegen war nichts zu sehen. Entweder war sämtliches Material gründlich entfernt worden oder wir haben einfach nicht lange genug gesucht.
In der Amis Schlucht, auf der Südseite des Brandberg Massivs, fanden wir ein herrliches Buschcamp. Die Temperatur war unterdessen auf über dreissig Grad
angestiegen, sodass wir den eisgekühlten Gin Tonic zum Aperitif so richtig geniessen konnten. Bevor die Sonne unterging, leuchteten die umliegenden Felsen in allen erdenklichen Rottönen, was
dem Gebirgsmassiv den Namen „Brandberg“ bescherte.
Die erste Nacht in der Wildnis Namibias war extrem ruhig, jedoch erst nachdem all die vielen Vögel sich ebenfalls schlafen gelegt hatten.
Nah einer knappen halben Fahrstunde erreichten wir am folgenden Tag den "Elephant Rock". Die junge Frau, welche auch den Campingplatz betreibt, führte uns in die Felsformationen hinein, wo wir nach kurzem Fussmarsch den steinernen Elefanten entdeckten.
Unser heutiges Tagesziel war die Spitzkoppe. Wir erreichten das markante Bergmassiv, auch als Matterhorn Namibias bekannt, kurz nach Mittag. Zu dieser
Zeit waren erst wenige Campsites besetzt, sodass wir auswählen konnten, wo wir die Nacht verbringen wollten. Die einzelnen Stellplätze liegen weit auseinander, sodass der Eindruck
entsteht, allein im Busch zu campen. Da sich die Plätze nicht im voraus reservieren lassen, lohnt es sich früh vor Ort zu sein, um im weitläufigen Gelände seinen Lieblingsplatz zu finden.
Da es erneut über dreissig Grad heiss war und das Licht zum Fotografieren sowieso erst gegen Abend optimal ist, verbrachten wir den Nachmittag im Schatten. Kurz vor Sonnenuntergang stiegen
wir zum bekannten „Rock Arch“ hoch, welcher direkt über unserem Stellplatz lag. Wieder leuchteten die umliegenden Berge im Abendlicht tief rot und bildeten einen herrlichen Kontrast zu der
hellgelben Grasebene im Vordergrund und dem blauen Himmel darüber. Auch bei Sonnenaufgang, kurz nach 7 Uhr, zeigten sich die umliegenden Felsen in allen Rottönen. Während
dem Frühstück bekamen wir Besuch von drei recht zutraulichen und wunderschönen Rotringtokos. Die Vögel, welche zur Gattung der Nashornvögel gehören, haben einen grossen, gekrümmten, gelben
Schnabel und einen schlanken Körper. Aufgrund des markanten Schnabels werden die Tiere in Namibia scherzhaft als „fliegende Banane“ bezeichnet. Wir packten unsere Siebensachen
und machten uns auf den Weg zurück nach Swakopmund, in erster Linie um noch einmal einzukaufen, danach würden wir für eine gute Woche kaum noch frische Lebensmittel beschaffen können.
Nachdem wir in Swakopmund das Permit für den Naukluft National Park beschafft und sonst noch eine paar Kleinigkeiten erledigt hatten, ging es ostwärts Richtung Hinterland. Eigentlich wollten wir dem Flussbett des Swakop folgen, die Zufahrt war jedoch, entgegen unserer Karte, nicht möglich, da alles Privatland und abgesperrt war.
Wir waren daher gezwungen, einen grösseren Umweg zu fahren, um in die Gegend der Mondlandschaft und des Welwitschia Drives zu gelangen. Bei der "Mondlandschaft" handelt es sich um eine eindrückliche Erosionslandschaft in mehrheitlich dunklen Farbtönen. Die Piste wurde zunehmend ruppiger und war geprägt von übelstem Wellblech. Für die Welwitschia legten wir einen Abstecher nach Norden ein. Im Vergleich zu den bereits gesehenen Pflanzen waren diese jedoch eher klein und unspektakulär.
Zurück auf der Teerstrasse, folgten wir dieser weiter nach Osten. Nach einer Weile endete der Asphalt und ging in eine gut befahrbare, breite Piste über. Etwa fünfzig km weiter bogen wir Richtung Blutkoppe ab und fanden uns in einem weiteren schönen Camp ein. Die Stellplätze waren minimal ausgestattet, dafür war die Übernachtung im Eintrittspreis inbegriffen. Auch hier sorgte ein gutes Dutzend schwarze, sehr zutrauliche Vögel für Unterhaltung. Die auf dem Feuer grillierten Steaks waren zart und saftig, ganz im Gegensatz zum Lamm, welches wir am Abend zuvor zubereitet hatten. Ob generell Rindfleisch hier dem Lamm vorzuziehen ist, werden wir wohl noch herausfinden müssen.
Von unserem Camp an der Blutkoppe aus führte eine Piste ostwärts, vorbei an weiteren, schönen Übernachtungsmöglichkeiten. In der weiten Ebene waren die Tiere einfach zu sichten. Vor allem Strausse waren in grösserer Anzahl unterwegs, ausserdem zeigten sich einige Schabrackenschakale, welche jedoch immer auf Distanz blieben. Die trockenen, teils flächendeckenden Gräser erinnerten uns an wogende Weizenfelder. Wir überquerten die von Swakopmund kommende Hauptpiste, folgten jedoch weiter der Route durch die Weiten des Nationalparks. Immer wieder tauchten isolierte klein Bergmassive in allen Farben und Formen auf. An der Strecke Richtung Sesriem machten wir einen Abstecher zu einem Aussichtspunkt, welcher einen Überblick über den Kuiseb Canyon versprach. Wir erreichten den Rand der eindrücklichen Schlucht über eine sehr rumplige Piste. Die Gegend wurde generell bergiger und die Strecke wurde zu einer wahrhaftigen Berg- und Talfahrt. Da es sich um die Hauptverbindung zwischen Sesriem und Swakopmund handelt, war der Verkehr entsprechend dicht. Wir bogen jedoch bald darauf in die Naukluft Berge ab. Die Landschaft wurde abwechslungsreicher und die gut befahrbare Piste wand sich schliesslich zum Gamsbergpass auf immerhin fast 2000 müM hoch und erreichte eine weite Hochebene. Wir bogen nach wenigen Kilometern von der Hauptpiste ab Richtung Süden. Über den Spreetshoogte Pass führte die Strecke spektakulär steil hinunter in die Ebene. Auf halbem Weg übernachteten wir im Spreetshoogte Camping mit herrlicher Aussicht nach Westen. Ein Angestellter kam vorbei, um uns zu begrüssen und mit den Einrichtungen vertraut zu machen. Zudem startete er das Holzfeuer unter dem Boiler, sodass wir bald warmes Wasser für die wohlverdiente Dusche hatten. Im Schatten des Unterstandes genehmigten wir uns einen Aperitif und später wurde einmal mehr der Grill eingeheizt. Wir hatten diese ganze, wunderschön gestaltete Campinganlage für uns allein und genossen den Sonnenuntergang und später den sensationellen Sternenhimmel.
Nach kurzer Fahrt erreichten wir am nächsten Morgen Solitaire. Aus einer ursprünglichen Farm hat sich hier, Inmitten von nirgendwo, ein unterdessen weltbekannter Ort entwickelt. Die ältesten Gebäude der Siedlung stammen aus den 1950er Jahren. Heute locken ein Restaurant, ein Souvenirshop und eine Tankstelle viele Reisende an, um einen Zwischenhalt einzulegen. Einzelreisende und dutzende Tourbusse bevölkerten den Ort, so dass es zuging wie in eine Bienenstock. Die auf dem ganzen Areal stehenden alten, verrosteten Autos und Traktoren wurden zu beliebten Fotosujets.
Wir erreichten Sesriem, das Tor zum Sossusvlei, schon vor Mittag, in der Hoffnung, auch ohne Reservation einen Stellplatz zu ergattern. Im Camping ausserhalb des Parks hatten wir keine Chance, im offiziellen Camping des Nationalparks erhielten wir aber zum Glück den letzten freien Platz zugeteilt. Obschon dieser Campingplatz nichts Spezielles zu bieten hat, sind die Preise gesalzen: rund 60 CHF für zwei Personen und Auto. Zwei grosse Vorteile hat es allerdings, wenn man bereits innerhalb übernachtet: Erstens gilt der Eintritt für 24 h, das heisst, man kann am Nachmittag bereits den Park erkunden, und hat den nächsten Tag ohne zusätzliche Kosten mit dabei. Zweitens schliesst das Tor zum Innern des Nationalparks für diese Gäste eine Stunde später und öffnet am Morgen eine Stunde früher.
Als Erstes wollten wir den Sesriem Canyon erkunden, welcher nur wenige Kilometer vom Ort entfernt liegt. Die bis zu dreissig Meter tiefe, schmale Schlucht bietet um die Mittagszeit, wenn die Sonne hoch steht, die beste Beleuchtung. Nachdem zuerst noch eine ganze Busladung Leute in der Schlucht unterwegs war, verkleinerte sich die Anzahl der Besucher. rasch und wir konnten uns in Ruhe umsehen.
Den Vorteil, eine Stunde länger zur Verfügung zu haben, nutzten wir gegen Abend. Wir konnten so nämlich den Sonnenuntergang auf der ersten grossen Düne ohne Stress geniessen, während die ausserhalb Wohnenden bereits eine Viertelstunde zuvor den Park verlassen mussten. Den Platz mit Aussicht muss man sich aber hart erarbeiten, galt es doch 1,5 km und 180 Höhenmeter im weichen Sand zu bewältigen, bevor der höchste Punkt der Düne erreicht ist. Der Sonnenuntergang war zwar aufgrund des einheitlich blauen Himmels nicht sehr spektakulär, dafür wurden wir mit einer tollen Aussicht belohnt.
Kurz vor sechs Uhr morgens standen wir bereits an der Schranke, waren aber bei weitem nicht die ersten. Punkt sechs wurde der Zugang geöffnet. Die offiziell erlaubte Höchstgeschwindigkeit auf der Zufahrtsstrasse beträgt eigentlich 60 km/h, aber niemand schien sich daran zu halten. Von Beginn an bretterte der Konvoi mit über 80 km/h durch die Nacht. Es wurde überholt und gedrängelt als gäbe es kein Morgen, so dass schliesslich der Grossteil der Autos mit 90 und mehr unterwegs war. Alle wollten so schnell als möglich auf einer der hohen Dünen sitzen, um den Sonnenaufgang nicht zu verpassen. Ein fast unmögliches Unterfangen, sin des doch gute 60 km bis nur der Parkplatz von Sossusvlei erreicht ist.
Nachdem wir bei diesem Parkplatz, am Schluss über 5 km weicher, sandiger Piste, angelangt waren, starteten wir zum halbstündigen Fussmarsch Richtung Deadvlei. Bei unserer Ankunft lag die berühmte Sandfläche noch im Schatten einer hohen Düne. Eine halbe Stunde später erreichte die Sonne dann die Ebene mit ihren abgestorbenen Bäumen und bot die weitherum bekannten Fotosujets mit den roten Dünen im Hintergrund. Noch waren nur wenige Leute anzutreffen, als wir jedoch zum Parkplatz zurück gingen, strömten immer mehr Besucher in Richtung dieses magischen Ortes, um ebenfalls eines der begehrten Bilder zu schiessen.
Wir fuhren auf der Sandpiste noch ein Stück weiter und bereiteten erst mal unser Frühstück zu. Einmal mehr wurde uns bewusst, wie praktisch es ist, wenn man immer alles mit dabeihat, sei es zum Essen oder auch zum Schlafen.
Noch vor dem Mittag machten wir uns wieder auf den Weg weiter südwärts. Auf der meist guten Piste kamen wir zügig voran. Die Landschaft war zwar nicht spektakulär, aber doch interessant und abwechslungsreich. Nach einer Weile bogen wir auf die D707 ab. Diese Strecke ist explizit für ihre landschaftliche Schönheit bekannt und wir können diese Aussage nur bestätigen. Da die Piste erst kurz zuvor neu bearbeitet wurde, war die Fahrt zudem sehr angenehm und ruhig. Die Farben und Formen der Berge wechselten laufend, immer wieder entdeckten wir einzelne Oryx Antilopen und Strausse. Wir hatten geplant, im Namtip Camping zu übernachten, welcher bei unserer Ankunft aber leider bereits ausgebucht war. Das hiess, noch einmal fast eine Stunde zu fahren, und es auf der Tiras Guest Farm zu versuchen. Wir hatten Glück und bekamen das sog. Rustic Mountain Camp, einer von nur drei Stellplätzen. Der Platz liegt einsam, etwa 4,5 km von der Farm entfernt an einem Hang mit herrlicher Aussicht. Wasser war aus einem grossen Tank verfügbar und für eine warme Dusche musste, wie so oft, ein Holzfeuer angezündet werden. Die ganze Einrichtung, inkl. dem einfachen, sauberen Plumpsklo machte einen sehr gepflegten und gut unterhaltenen Eindruck. Da unser eigener Wassertank dank der hohen Temperaturen selber angenehm warmes Wasser bot, ersparten wir uns das Einheizen und nahmen eine Freiluftdusche gleich neben dem Auto. Wir genossen die herrliche Ruhe und die weite Natur an diesem einmaligen Platz. Beim Wegfahren am nächsten Morgen sahen wir zu unserer freudigen Überraschung zwei Wildhunde recht nah beim Camp. Diese Tiere sind recht selten zu beobachten und sind sehr scheu, so dass auch wir sie nur kurz und aus der Distanz sehen konnten.
Unser heutiges Tagesziel war Lüderitz, etwa drei Fahrstunden entfernt. Ab der Siedlung Aus, die wir bald erreichten, blieben noch 120 km bis zur Küste. Auf dieser Strecke waren insgesamt 1500 Höhenmeter zu überwinden. Bereits nach 20 km legten wir einen Zwischenhalt ein, um die Namib Pferde zu besuchen. Mit etwas Glück kann man in der riesigen Ebene diese einst als Hauspferde gehaltenen, heute verwilderten Tiere beobachten. Kaum von der Hautstrasse abgebogen, entdeckten wir eine Gruppe. Ueli schlich sich behutsam an und konnte Fotos aus kurzer Distanz schiessen. Kurz danach erreichten wir einen Beobachtungsposten, wo sich gegen fünfzig Pferde, darunter viele Fohlen versammelt hatten. Die Tiere erwiesen sich als recht zutraulich und zeigten keine grosse Scheu vor den Besuchern, so dass sie aus nächster Nähe betrachtet werden konnten.
Einen nächsten Halt legten wir in Kolmanskuppe ein, einer Geisterstadt aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts. Die vielen Gebäude, die zu einer ehemaligen Diamantenmine gehörten, sind in unterschiedlichem Zustand. Die meisten sind leer geräumt und dem Zerfall preisgegeben. Die Parterre Räume sind oft mit Sand angefüllt, welcher von den stetigen Winden durch Ritzen und zerbrochen Fensterscheiben unaufhaltsam hineingeweht wird.
Wir kamen mit einem jungen Paar ins Gespräch, welches sich ebenfalls in der verlassenen Siedlung umsah. Es stellte sich heraus, dass Rowan, ein Australier, und seine Partnerin Mabel aus Kolumbien, mit einem ähnlichen Land Cruiser unterwegs waren wie wir. Wir beschlossen spontan, uns bei einem Buschcamp später wieder zu treffen, um den Abend gemeinsam zu verbringen.
Erst fuhren wir aber ins Städtchen Lüderitz, um Brot zu kaufen und uns etwas umzusehen. Viel Sehenswertes bietet der Ort allerdings nicht. Das sicher berühmteste Gebäude ist die Felsenkirche aus dem Jahr 1912, auf einem Hügel gelegen, mit schöner Aussicht auf die Stadt. Wir fuhren weiter zur Grossen Bucht und kamen schliesslich zum Diaz Point. Dort erkundeten wir die schöne Küste, beobachteten in der Distanz eine Seelöwenkolonie und bewunderten die interessanten, gestreiften Felsformationen. Kurz nachdem wir uns am verabredeten Treffpunkt eingerichtet hatten, trafen auch unsere neuen Bekannten ein. Wir luden die Beiden zum Spaghetti Essen ein und Rowan und Mabel buken auf dem Feuer ein feines Brot. Wir erlebten einen gemütlichen und unterhaltsamen Abend zusammen und zogen uns erst ins Auto zurück, als es unangenehm kalt wurde.
Am folgenden Tag galt es die 1500 Höhenmeter zurück bis Aus erneut zu überwinden. In Aus angekommen, füllten wir unseren Tank und fuhren anschliessend auf einer guten Teerstrasse weiter südwärts. Die Fahrt bis Rosh Pinah dauerte etwa zwei Stunden, kurz danach richteten wir uns im Namuskluft Camping ein. Wir waren bereits früh schon eingerichtet und hatten den ganzen Nachmittag Zeit zu relaxen und darauf zu warten dass der "Donkey" angeheizt wurde, so dass wir nach einem feinen Apero eine warme Dusche geniessen konnten.
Schon kurz nach Eindunkeln wurde es wieder empfindlich kühl, nicht zuletzt, weil noch immer ein zügiger Wind wehte.
Da wir nicht sicher waren, ob am Sonntag die Grenzstation unser Carnet de Passage abstempeln würde, blieben wir einen weiteren Tag, in der Annahme, dass das Wetter direkt an der Küste noch windiger und sicher auch kühler war. Wir konnten so ein paar anfallende Dinge erledigen und hatten genügend Zeit, nachmittags einen Spaziergang durch die Umgebung zu unternehmen. Einmal mehr waren wir fasziniert über die Biodiversität in diesem doch sehr wüstenähnlichen Klima. Vor allem das nahe gelegene Trockenflussbett bot eine Vielzahl an Pflanzen und Insekten. Wir entdeckten die unterschiedlichsten Blumen, Büsche und Sukkulenten.
Die gut ausgebaute Teerstrasse verläuft bald dem Grenzfluss Orange River entlang. Immer wieder erhaschten wir einen Blick auf den Fluss, was angesichts der trockenen Landschaft zum Teil recht skurril erschien. Die ganze Region von Lüderitz bis zur Landesgrenze ist bis weit ins Innere Diamantenabbaugebiet. Da die Minengesellschaften natürlich keine unerwünschten Besucher auf ihrem Gelände dulden, ist lediglich die Hauptstrasse durch das Gebiet zugänglich, alle Pisten die von dieser abgehen sind gesperrt. Nach etwas mehr als einer Stunde Fahrzeit erreichten wir die Grenzstation zwischen Oranjemund und Alexander Bay.
Die Formalitäten, inklusive Ausstempeln des Carnets waren innert weniger Minuten erledigt. Der Verkehr über die einspurige Brücke wird eigentlich mit
einer Ampel geregelt. Wir warteten eine Weile auf das Grün, es tat sich aber nichts. Da eh kaum Verkehr herrschte, beschlossen wir nach einigen Minuten, trotzdem los zu fahren. Auf der
südafrikanischen Seite mussten als erstes die Pässe gestempelt werden. Da der Schalter unbesetzt war, machte sich die Reinigungskraft auf die Suche nach der Immigrationsbeamtin. Die
Formalitäten waren wiederum schnell erledigt und wir wurden weiter zu den Zollbehörden geschickt. Der Beamte sollte unser Carnet wieder einstempeln. Wie zuvor andere Reisende
bereits erwähnt hatten, ist dieser Übergang jedoch nicht für den Warenverkehr eingerichtet und hat daher auch den notwendigen Stempel nicht. Ueli fragte nach, ob er uns anstelle des Carnets
einen „Temporary Import Permit“ ausstellen könnte. Auch das konnte oder wollte er nicht tun, er versicherte uns aber, dass wir bei der Ausreise keinerlei Schwierigkeiten zu befürchten
hätten. Der überaus freundliche Beamte, der offenbar erfreut war, wieder einmal ausländische Touristen abfertigen zu können, verwickelte uns in ein längeres Gespräch über unsere Reise und über
das Auto. Nach einer Weile wünschte er uns eine gute Reise und viel Spass in Südafrika. Wir werden gespannt sein, ob die Ausreise dann tatsächlich so problemlos
verläuft.
Letzte Station der Grenzformalitäten war die Polizei. Wir erwarteten, dass der Beamte mindestens einen Blick ins Fahrzeug werfen, oder dessen Papiere überprüfen wollte. Aber nein, der Mann war
total fasziniert von unseren vielen Landesflaggenklebern und schon waren wir auch mit ihm in ein längeres Gespräch verwickelt. Nachdem auch er uns eine gute Reise gewünscht
hatte, konnte unsere Fahrt nach Süden weiter gehen.
Auch auf der südafrikanischen Seite fuhren wir durch Diamantenabbaugebiet, die kostbaren Steinchen halten sich offensichtlich nicht an Landesgrenzen. Die Teerstrasse verlief meist schnurgerade und bot landschaftliche keine grosse Abwechslung. Einzig die immer wieder in allen Farben blühenden Blumen entlang der Strecke erfreuten das Auge und liessen uns hoffen, dass im Namaqua Nationalpark die Blütenpracht noch viel eindrücklicher sein würde. In Port Nooloth kauften wir fehlende Lebensmittel ein und beschafften uns auch gleich lokale Währung. Die 50 km Fahrt bis nach Kleinzee legten wir auf einer wahrhaften Rumpelpiste zurück, während der Rest bis zu unserem Etappenort Koingnaas wieder über Teer führte. Wir quartierten uns im Blue Horizon Camping ein. Da niemand vor Ort war, versuchten wir, den Eigentümer per WhatsApp und Telefon zu erreichen, jedoch erfolglos. Wir richteten uns trotzdem ein, in der Annahme, dass später jemand zum Einkassieren vorbei kommen würde. Bis zu unserer Abfahrt am nächsten Tag zeigte sich aber niemand. Da die WC-Anlage deshalb verschlossen blieb und wir keinen Strom stibitzten, hatten wir kein schlechtes Gewissen, ohne zu bezahlen weiterzufahren.
Unser Plan war, den Namaqua Nationalpark, bekannt für seine weitläufigen Blütenteppiche, von Westen her auf der ganzen Breite zu durchfahren. Die Strecke bis an die Berge war jedoch eher enttäuschend, kaum Blumen und landschaftlich recht eintönig. Nachdem wir Soebatsfontain hinter uns gelassen hatten, wurde die Umgebung abwechslungsreicher denn die Piste führte nun durch die Berge und über einen richtig steilen Pass, welcher den Land Cruiser zum Schwitzen brachte. Im Besucherzentrum angekommen, wurde uns dann leider bestätigt, dass wir etwa vier Wochen zu spät dran waren, um den Höhepunkt der Blüte zu erleben. Wir machten trotzdem eine kleine Wanderrunde durch die Umgebung und erfreuten uns an dem was vom Blumenmeer übrig geblieben war. Auch hier begeisterte uns die Artenvielfalt. Obwohl nicht mehr flächendeckend, gab es nach wie vor unzählige Pflanzen in allen Farben zu entdecken.
Die weitere Runde durch den Park liessen wir in Anbetracht der Situation aus und fuhren direkt weiter nach Springbok. Übernachten wollten wir aber nicht in der Stadt, sondern in der einige Kilometer ausserhalb gelegenen „Goegap Natural Reserve“. Im einfach eingerichteten Campingplatz mit nur neun Stellplätze waren wir die einzigen Gäste. Wir genossen die herrliche Umgebung, vor allem die Klippschliefer Kolonie in den Felsen über uns. Erst verschwanden die scheuen Tiere sofort in ihren Bauten, wenn wir uns auch nur in ihre Richtung bewegten. Ueli kletterte etwas höher und legte sich mit dem Fotoapparat auf die Lauer. Tatsächlich dauerte es nicht lange und die putzigen Fellknäuel hatten sich an ihn gewöhnt. So konnte er aus kurzer Distanz seine Bilder schiessen, wobei ihn ein Wächter genau beobachtete und bei Gefahr einen Warnpfiff ausstiess.
Am folgenden Morgen besuchten wir den Sukkulenten Garten, welcher einige Kilometer weiter im Parkinneren liegt. In einer wunderschönen Anlage wird dort eine Vielzahl der typischen heimischen Wüstenpflanzen gezeigt. Die Vielfalt an Formen und Farben der Gewächse war sehr beeindruckend. Besonders gefallen haben uns dabei die Köcherbäume, die wir in Namibias Süden noch öfters sehen werden.
In Springbok kauften wir nochmals Frischwaren ein, jedoch nur so viele, wie wir bis zum baldigen Grenzübertritt nach Namibia verbrauchen konnten. Die Einfuhrbeschränkungen für frische Lebensmittel werden dort ziemlich streng kontrolliert. In Steinkopf erhielt auch unser Land Cruiser wieder einmal Futter. Nach überqueren des Anenous Passes bogen wir auf die Piste nach Ecksteenfontein ab. Dort erkundigten wir uns über Möglichkeiten, weiter in den Richtersfeldnationalpark hinein- oder aber direkt über den Helskloof Pass an den Oranje Fluss weiterzufahren. Nach kurzer Überlegung beschlossen wir, die direkte Route zu wählen, nicht zuletzt, da wir ohnehin den ganzen Weg wieder hätten zurückfahren müssen, um nach Vioolsdrif zu gelangen.
Über rumplige und wellblechige Pisten ging es erst in die Berge. Die Auffahrt zum Helskloof Pass war harmlos, die sehr steile Abfahrt auf der Nordseite hingegen war total ausgewaschen hatte tiefe ausgefahrene Löcher. Langsam im Geländegang runterzufahren war aber kein Problem und erschien uns einfacher als in die andere Richtung. Die Piste blieb ruppig, aber die Landschaft durch das schöne Tal entschädigte uns für die Mühe. Auf die riesige Ansammlung von „Steinmannli“ entlang der Strecke waren wir im Vorfeld schon aufmerksam gemacht worden. Tatsächlich fuhren wir an hunderten aufgeschichteten "Männchen" links und rechts der Piste vorbei. Kurz vor unserem Etappenziel am Orange River sind in der Karte zwei Orte mit Petroglyphen der San eingezeichnet. Wir fanden die grossen Felsblöcke mit den Zeichnungen direkt am Weg, mussten aber feststellen, dass sich zu viele „neuzeitliche Künstler“ ebenso verewigt hatten und die eigentlich wertvollen Felszeichnungen kaum mehr zu erkennen waren.
Wir fuhren zu einem Übernachtungsplatz, welcher von Freunden 2019 entdeckt worden war. Direkt am Fluss zu campen, wie sie damals, war nicht mehr möglich, da sich inzwischen eine steile Sandbank aufgebaut hatte, die vielleicht nach unten zu überwinden gewesen wäre, nach oben schien uns jedoch eher nicht ratsam.
Der kürzeste Weg ist nicht immer auch der schnellste. Wir wollten direkt auf die Piste zurück, auf welcher wir angekommen waren. Die Spuren verliefen sich aber immer wieder und zuletzt standen wir vor einer unüberwindbaren Barriere aus Steinkörben. Schlussendlich mussten wir doch bis zu der Stelle zurückfahren, wo wir von der Hauptpiste abgebogen waren. Etwa eine Stunde später erreichten wir die Zollstation in Viooldrif. Niemand interessierte sich für irgendwelche Fahrzeugpapiere und so konnten wir, wie bei der Einreise angekündigt, problemlos ausreisen. Auf der namibischen Seite mussten wir erst an der sanitarischen Kontrolle vorbei. Dort wurde uns die angebrochene Milchpackung, notabene in Namibia gekauft, und zwei Stückchen Käse abgenommen. Die Autoreifen wurden mit irgendeiner Chemikalie besprüht und wir mussten auf einem mit derselben Sosse getränkten Teppich unsere Schuhsohlen desinfizieren. Immerhin kostet dieser Service hier nichts, im Gegensatz zu manchen lateinamerikanischen Grenzen.
Unsere Pässe waren schnell gestempelt und die Aufenthaltsbewilligung verlängert. Die Strassenbenutzungsgebühr zog der RFA noch einmal ein, obschon unsere Bewilligung eigentlich noch bis Dezember gültig wäre. Im Kleingedruckten haben wir tatsächlich gelesen, dass diese Abgabe bei jeder neuen Grenzüberquerung bezahlt werden muss. Am Zoll wurde unser Carnet wieder eingestempelt, was wir im Fahrzeug mitführten, interessierte den Beamten nicht.
In Ausserkehr kauften wir die notwendigsten Lebensmittel ein. Der Spar Supermarkt hatte ein total an die lokale Bevölkerung angepasstes Sortiment. In Anbetracht der einfachen Hütten in der Ortschaft, war es klar, dass sich hier keine Luxusgüter im Angebot befinden. So gab es weder Butter noch Rahm zu kaufen und in der Fleischtheke lagen vor allem die günstigen Stücke. Trotzdem fanden wir alles, um in den nächsten Tagen nicht verhungern zu müssen. Auf der Weiterfahrt beeindruckten uns die riesigen Weinberge, welche beidseits der Oranje Rivers bewirtschaftet werden. Wasser gibt es hier jedenfalls genug, um intensive Landwirtschaft zu betreiben.
Unser Tagesziel waren die Ai-Ais Hotsprings. Diese liegen auf nur gerade 200 müM, entsprechend waren die Temperaturen wieder auf gut dreissig Grad angestiegen. Der elegante Aussenpool bot zwar wenig Abkühlung, da das Wasser auch ungefähr Umgebungstemperatur hatte, trotzdem genossen wir das lauwarme Bad ausgiebig. Den Apero liessen wir uns auf der Terrasse des Restaurants servieren. Es waren sehr wenige Gäste anwesend, auch der Campingplatz war nur zum kleinen Teil besetzt. Da sich Ai Ais im gleichnamigen Nationalpark befindet, sind die Preise fürs Campieren gesalzen, die Übernachtung kostet 390 NAD pro Person. Immerhin ist die Anlage gepflegt und die Einrichtungen funktionierten tadellos.
In der Nacht fiel das Quecksilber nicht unter zwanzig Grad, es blieb also unangenehm warm. Bevor wir weiterfuhren, machten wir einen kurzen Spaziergang dem Fluss entlang. Die Felswände entlang des Ufers waren bevölkert von Klippschliefer Kolonien und wo Wasser vorhanden war, erfreuten grosse Schilfbestände das Auge nach den vielen Tagen durch Sand- und Steinlandschaften.
Je weiter wir nordwärts fuhren, desto mehr Wolken zogen über den Himmel. Als wir beim Fish River Canyon ankamen, zeigte sich die Sonne immer nur kurz, so dass die eindrückliche Schlucht leider meist im Schatten lag und die Farben weniger gut in Erscheinung traten. Trotz allem hatte sich der Besuch aber gelohnt, auch wenn mehrere Kilometer Wellblechpiste zurück zu legen waren, um einen Blick in den Canyon zu werfen. Zurück beim Eingang des Nationalparkes waren wir erstaunt, überall Wasserpfützen zu sehen. Offenbar war hier in der Zwischenzeit ein tüchtiger Regenschauer nieder gegangen. Insofern hatten wir doch, trotz wenig Sonne, Glück bei unserem Besuch.
Auf dem Weg nach Keetmanshoop drohten immer wieder schwarze Wolken mit Regen, wir blieben jedoch weitgehend verschont. Am Naute Damm statteten wir einer speziellen Destillerie einen Besuch ab. Diese destillieren aus den Datteln, welche in der riesigen Plantage rundherum wachsen, einen feinen Brandy, der wiederum die Basis für zwei hervorragende Gins bildet. Wir degustierten vier der gebrannten Produkte und liessen uns die Prozesse und Zutaten erklären. Der eine der beiden Gins wird mit einer violett färbenden Blüte aus Thailand verfeinert, was dem Getränkt vor allem eine exotische Farbe verleiht.
In Keetmanshoop wollten wir Brot kaufen. Ausser dem üblichen, industriellem Schaumgummibrot war jedoch nichts im Angebot, also beschlossen wir später selber zu backen. Wir fuhren noch ca. 40 km weiter nach Osten, um im Mesosaurus Fossil Camp unterzukommen. Der Besitzer hat auf seinem Land, etwa drei Kilometer von der Hauptpiste entfernt, ein einfaches Buschcamp eingerichtet, wo wir uns einen windgeschützten Platz suchten. Unsere Nachbaren waren unzählige kleine Siedelweber, eine Gattung der Webervögel, welche unglaublich grosse Gemeinschaftsnester bauen. Die Behausungen können einige Meter gross sein und werden von bis zu hundert Vögeln bewohnt. Die individuellen Eingänge der Vogelpaare sind nur von unten zugänglich und somit vor Fressfeind geschützt. Die kleinen Vögel waren überaus zutraulich, so dass wir oft aufpassen mussten, nicht auf sie zu treten.
Der Himmel war unterdessen dunkel bedeckt und es sah definitiv nach Regen aus. Darum startete Ueli rasch das Feuer und Myrta bereitete den Brotteig
zu. Wir hatten Glück und konnten sowohl das Brot als auch das Nachtessen noch vor Beginn des Regens ins Trockene bringen.
Gegen 10 Uhr abends brach das erwartete Gewitter los, und zwar heftig. Im Sekundentakt blitzte und donnerte es und die Wassermassen stürzten in beängstigendem Mass vom Himmel. Nach einer
Stunde war der Spuk vorbei und der Wind legte sich, sodass wir doch noch zu unserem Schlaf kamen. Am folgenden Morgen verzogen sich die Wolken rasch und machten wieder blauem Himmel
Platz.
Während dem Frühstück erhielten wir Besuch von einer Fuchsmanguste (Yellow Mangoose). Der hübsche kleine Nager sorgte bei den Siedelwebern für Aufregung, da diese durchaus auf seiner Speisekarte stehen könnten. Wir machten uns zu einem kurzen Spaziergang in die Umgebung auf, um die herrlichen Köcherbäume im morgendlichen Sonnenlicht zu fotografieren. Unsere Campnachbarn hatten ihre Flipflops am Abend neben der Leiter zum Dachzelt abgestellt und waren nun dabei, diese zu suchen. Der heftige Gewitterregen musste die Schlappen wohl weggespült haben. Wir beteiligten uns an der Suche und fanden einen davon etwa 50 m vom Fahrzeug entfernt, der zweite kam nicht mehr zum Vorschein.
Wir packten unsere Sachen zusammen und trafen uns mit Gert, dem Besitzer beim Office, um mit ihm zusammen eine Tour zu den Fossilienfunden zu machen. Auf das heftige Gewitter angesprochen, erklärte er uns, dass er 18 mm Niederschlag gemessen hatte und was für ein Segen für die Natur dies war. Wir fuhren einige Kilometer auf sandigen Pisten, vorbei an vielen, bereits wieder abtrocknenden Wasserläufen. Als erstes zeigte uns Gert das Grab eines Deutschen Soldaten, welcher 1904 hier von einheimischen Widerstandskämpfern erschossen worden war. Nicht weit davon entfernt wurde vor Jahren beim Strassenbau das erste Saurierfossil entdeckt. Die Untersuchung durch namhafte Paläontologen zeigte, dass es sich dabei um die ältesten Saurierfossilien Afrikas handelte. Der Mesosaurus war eine kleine, Krokodil artige Echse von weniger als einem Meter Länge. Die eindrücklichen Fundstücke zeigen deutlich und detailliert das Skelett der Tiere. Bevor Gert die Führung bei einem wunderschönen Köcherbaumbestand, umgeben von interessanten Doloritformationen beendete, kamen wir noch in Genuss eines Konzertes der "Singing Rocks". Der Besitzer schlug dazu mit einem runden Stein auf die verschieden grossen Felsblöcke und entlockte diesen wunderbare Melodien. Wir sahen uns noch eine Weile im Gelände um und fotografierten die Bäume und Felsformationen, bevor wir uns ebenfalls auf den Rückweg machten.
Unsere fleissigen Nachbarn, die Siedelweber Kolonie
Singing Rocks Mesosauros Fossil Camp
Nachdem wir in Keetmanshoop nochmals ein paar Besorgungen gemacht hatten, lagen bis Mariental noch gut 200 km Fahrt vor uns. Zu sehen gab es auf dieser flachen und eintönigen Strecke wenig. Nach der Ankunft quartierten wir uns im Bastion Farmyard ein. Ein weiterer Höhepunkt bezüglich Campinglätzen in Namibia. Die lediglich vier Stellplätze waren mit privatem Badehaus, Grill und einer schattigen Terrasse ausgestattet. Für eine warme Dusche lag Holz bereit, um den Donkey einzuheizen. Wir genossen den Luxus bei angenehmen Temperaturen.
Am folgenden Morgen wollten wir einen Gamedrive im Hardap Game Park machen. Am Tor angekommen, erfuhren wir, dass der Park an diesem Tag geschlossen
sei. Auf die Frage warum war die Antwort der Rangerin, dass sie das selbst nicht wisse. Ziemlich enttäuscht fuhren wir zurück ins Camp und verbrachten dort einen entspannten
Tag. Langweilig wurde es nicht, denn auch hier zeigten sich unglaublich viele Vogelarten in den hohen Bäumen. Der eindrücklichste war dabei sicher der farbenfrohe Glanznektarvogel, die
afrikanische Art der Kolibris. Sein vorwiegend grünes Federkleid mit der purpurroten Halskrause leuchtete im Sonnenlicht wie Edelsteine.
Gegen Abend trafen zwei weitere Fahrzeuge im Camping ein. Mit AJ aus Kapstadt kamen wir ins Gespräch. Als begeisterter Afrika Overlander konnten wir mit ihm Erfahrungen und
Tipps austauschen.
Die Strecke nach Windhoek bietet nicht allzu viel Abwechslung. Die Strasse ist aber in gutem Zustand und ausser in zwei kleinen Ortschaften konnten wir zügig durchfahren. Einen guten Lacher hatten wir, als uns ein altersschwacher Bus mit über 100 km/h überholte und wir den Slogan am Heck lasen (siehe Bild). Bereits gegen Mittag erreichten wir unser Ziel Windhoek, wo wir uns im Urban Camp einquartierten. Dieser stadtnahe Camping gewährt ausländischen Fahrzeugen einen günstigeren Tarif und bietet unter anderen Annehmlichkeiten einen Wäscheservice an. Nach drei Wochen reisen kam uns dieser Service sehr gelegen, hatte sich doch einiges an Wäsche angesammelt. Am Abend gingen wir ins nahe gelegene Joe’s Bierhaus, ein Outdoorrestaurant, welches mittlerweile Kultstatus hat. Ueli hatte schon vor ca. dreissig Jahren einmal das Vergnügen, dort zu essen und gute Erinnerung daran. Die Menükarte ist mehrheitlich fleischlastig und bietet vor allem die bekannten Wildgrilladen an. Wir wählten für uns das Namib Trio, ein Fleischspiess mit Kudu, Zebra und Springbock Filet. Das Gericht war hervorragend zubereitet und die Geschmacksunterschiede der drei Fleischsorten kamen deutlich zum Vorschein.
Am nächsten Morgen wollten wir versuchen, die Seilwinde am Land Cruiser reparieren zu lassen. Diese hatte beim letzten Einsatz versagt und in der Schweiz ist es schwierig, einen entsprechenden Fachmann zu finden. Auch hier in Windhoek stellte sich bedauerlicherweise heraus, dass die nötigen Ersatzteile nicht verfügbar waren. Es hatte sich gezeigt, dass mindestens ein Solenoid zu ersetzen wäre. Zurück im Camping kamen wir mit unserem Nachbarn näher in Kontakt. Thomas ist mit einem älteren Mercedes Sprinter, ebenfalls mit AG Kontrollschild, unterwegs. Wir hatten einen spannenden Austausch, den wir beim gemeinsamen Nachtessen im Camping eigenen Restaurant noch vertieften.
Wir blieben einen weiteren Tag in der Stadt, um uns in Windhoek etwas umzusehen. Dazu liessen wir uns per Taxi ins Zentrum fahren. Touristisch bietet die 1890 gegründete Hauptstadt Namibias allerdings nicht sehr viel. Deutlich zu erkennen ist der Deutsche Hintergrund des Landes anhand mehrerer Gebäude aus der Jahrhundertwende, also um 1900, in der typisch wilhelminischen Architektur. Daneben bieten mehrerer Museen und Galerien Einblick in die Geschichte und Kultur Namibias. Neben Kultur und Architektur interessierte uns vor allem der Besuch des Food Lovers Supermarktes. Aufgrund des reichhaltigen und frischen Angebotes war für uns klar, dass wir dort vor der Weiterreise einkaufen wollten. Für die Rückfahrt hielten wir eines der Minitaxis auf, welche auch von den Einheimischen rege benutzt werden. Anstatt 90 NAD für das elegantere Shuttletaxi bezahlten wir nur gerade 26 NAD, dafür mussten wir dem offenbar ortsunkundigen Chauffeur den Weg zum Camping erklären.
Wie beschlossen, deckten wir uns im Food Lovers grosszügig mit Lebensmitteln ein, denn für die kommenden zwei Wochen werden wir wohl höchstens kleine oder teils gar keine Einkaufsläden finden. Danach wurde es Zeit für uns, die Zivilisation hinter uns zu lassen. Bereits nach etwa einer halben Stunde Fahrzeit hatte sich der Verkehr deutlich verringert und als wir schliesslich auf die D1958 abbogen, waren wir einmal mehr alleine unterwegs. Die Strecke führte über das Khomas Plateau nach Nordwesten, immer wieder hoch und runter wie auf einer Achterbahn, auf oft steinigen Pisten durch die Berge.
Eine Rauchsäule in der Nähe der Strasse weckte unser Interesse. Beim Näherkommen sahen wir, dass diese zu einer Köhlerei gehörte. Eine aus mehreren Familien bestehende Gruppe sammelte in der Region Hartholz zusammen und verwandelte dieses nach alter Köhlertradition zu hochwertiger Holzkohle. Während wir uns den Vorgang erklären liessen, kamen die Sammler mit einer weiteren Ladung Holz zum Verarbeiten angefahren.
Nach 140 km trafen wir auf die Hauptstrasse, welche vor allem als Verbindung nach Swakopmund befahren wird. In Wilhelmstal, direkt an der B2 gelegen, steht ein Rasthaus, welches für seine Biltong Produkte berühmt ist. Auch wir deckten uns dort mit dem klassischen Trockenfleisch ein. Unterwegs füllten wir nochmals etwas Diesel nach und schlugen uns bei Usakos wieder in die Büsche. Unser Tagesziel was das private Naturreservat Ameib. Da die Temperatur wieder auf gute 35 Grad gestiegen war, nutzten wir gerne den Schatten der Bäume und das kühle Nass des Pools. Die geplante Wanderung zur Phillip's Cave verschoben wir auf die kühlen Morgenstunden.
Bereits vor dem Frühstück starteten wir am folgenden Tag. Unterwegs zum Parkplatz für die Wanderung begegneten wir einigen Antilopen und sahen unsere ersten Giraffen vom Auto aus. Wir wanderten und kraxelten eine gute halbe Stunde durch die steinige Landschaft. Der letzte Aufstieg führte über griffige Granitfelsen zur Philipp's Cave hoch. Neben einer phänomenalen Aussicht ist die Höhle vor allem bekannt für ihre Felsmalereien, insbesondere der weisse Elefant. Forscher datierten die Funde auf ca. 3300 vor Christus. Zurück beim Auto fuhren wir weiter in den Park hinein, wo verschiedene, markante Felsformationen zu entdecken sind. Der Elefantenkopf und die sog. Bulls Party sind die bekanntesten davon und über einen kurzen Fussweg erreichbar. Im morgendlichen, weichen Licht waren die Skulpturen besonders schön anzuschauen. Zurück im Camping bereiteten wir unser nun wohlverdientes Frühstück zu und fuhren anschliessend an der Westseite der Erongo Berge nach Norden, um diese dann Richtung Omaruru zu umfahren. Die Landschaft ist eindrücklich denn die Berge reichen bis über 2000 m hoch. Unseren Plan, noch einmal in diesen Bergen zu übernachten, verwarfen wir. Wir waren zeitlich recht früh dran und der angepeilte Campingplatz bot kaum Schatten, also beschlossen wir, bis nach Omaruru zu fahren und dort in einem schattigen Platz mit Pool zu übernachten. Zum Nachtessen nahmen wir unseren Omnia in Betrieb und Myrta zauberte feine, gefüllte Peperoni auf den Tisch.
Von Omaruru aus waren etwa 150 km zurückzulegen bis zu den Felszeichnungen der White Lady. Wir starteten früh, um der Tageshitze zuvorzukommen. So erreichten wir gegen halb zehn den Ausgangspunkt für die Tour, wo uns Justus, unser Führer in Empfang nahm. Zusammen mit einem holländischen Paar und Michael aus Oftringen machten wir uns auf den Weg. Justus stellte sich als fachkundiger und witziger Guide heraus und da wir eine kleine Gruppe waren, hatten wir viel Spass. Immer wieder machte uns Justus auf Pflanzen und Tiere aufmerksam, manchmal auch nur auf deren Spuren. Nach einer Stunde Fussmarsch durch ein wunderschönes Flusstal erreichten wir das Ziel. Unter einem Felsüberhang bewunderten wir die wunderschönen, gut erhaltenen Felszeichnungen, insbesondere die sog. White Lady, welcher dem Fundort ihren Namen gab. Justus erklärte uns, dass die älteren Malereien, welche nur in einer Farbe gestaltet wurden, etwa 5000 Jahre alt sind, während die mehrfarbigen vor ungefähr 3000 Jahren entstanden sein sollen. Welche Kulturen die Zeichnungen erstellt haben, ist noch immer unklar.
Wir richten uns im 10 km entfernten White Lady Camping ein. Die Temperatur war zum Glück nicht mehr ganz so hoch wie in den vergangenen Tagen, das Thermometer zeigte aber immer noch gute 30 Grad an. Wir spazierten zur auf dem gleichen Gelände gelegenen Lodge, um uns ein kaltes Bier zu genehmigen. Dort trafen wir Michael wieder, der mit uns auf der Tour war, und lernten dabei auch seine restliche Familie kennen.
Wieder starteten wir den Tag ohne Frühstück, denn die Stunden kurz nach Sonnenaufgang sind zum Fotografieren und für Tierbeobachtungen am besten. Wir fuhren zum trockenen Flussbett des Ugab und folgten diesem westwärts. Anfangs waren die Fahrspuren tiefsandig und der Land Cruiser pflügte sich richtiggehend vorwärts. Wir hatten den Luftdruck auf 1,5 bar vorne und 2 bar hinten abgesenkt, was sich nun auszahlte, denn der Toyota meisterte die Piste problemlos. Wir waren erstaunt, dass das eigentlich trockene das Flusstal immer grüner wurde und sogar mehrere Wasserdurchfahrten zu bewältigen waren. Nach einer ersten Fahrstunde suchten wir uns ein schattiges Plätzchen und legten eine Frühstückspause ein. Die Landschaft war wunderschön mit riesigen Bäume und dichtem Schilfbewuchs. Nur die erhofften Wüstenelefanten wollten sich uns nicht zeigen. Wir sahen zwar jede Menge riesige Dunghaufen, die Tiere selber hielten sich jedoch versteckt. Vor den in der Karte markierten Sümpfen verliessen wir das Flussbett über eine steile, sandige Rampe. Entlang eines steinigen Nebenflusses ging es nun südwärts, wobei einige holprige und steile Aufstiege im Geländegang zu bewältigen waren.
Schliesslich trafen wir auf die D 2303, welche uns zum Ugab Rhino Sanctuary führte. Nashörner gibt es in dieser Gegend leider schon länger keine. Eine kleine Ausstellung gab Aufschluss über das Verschwinden der Tiere. Zwischen 1960 und 1980 ist der Bestand schwarzer Nashörner durch Wilderei und blindwütige Abschüsse von etwa 100‘000 auf gerade mal 3‘000 Exemplare geschrumpft. Jeder wollte mit dem Horn der Tiere, welchem die Asiaten Wunderdinge zuschreiben, sein Geld machen. Inzwischen hat sich der Bestand bei etwa 3‘500 Tieren eingependelt, welche trotz Schutzmassnahmen auch heute nicht ganz vor Wilderei geschützt sind.
Der weitere Verlauf der Piste war sehr steinig und dadurch langsam zu befahren, immerhin entschädigte die wunderschöne Landschaft für das Gerumpel. Erst durch enge Schluchten, später über weizengelbe Ebenen führte die Strecke in Richtung Huab Fluss. Mitten in der Steinwüste trafen wir auf eine mit dichtem Grün bewachsene Wasserstelle. Angeblich soll es in dieser sonst trostlosen Gegend Nashörner geben, welche das Wasserloch benutzen. Als Beweis sahen wir tatsächlich Fussabdrücke der Tiere, die sich selber jedoch nicht zeigen wollten. Ein steiler Abstieg brachte uns hinunter zum Flussbett des Huab. Unsere Piste verlief allerdings nicht unten im Flussbett, sondern am Südufer über der Hochwasserlinie. In engen Kurven schlängelte sich die Strecke durch die Büsche und Dünen, und das Auto geriet dabei immer wieder in abenteuerliche Schräglagen. Für uns kein Problem, aber wir wollten uns nicht vorstellen, mit einem Truck auf dieser Piste unterwegs zu sein. Ein heftig blasender Rückenwind wirbelte ständig den mehlfeinen Bulldust auf. Durch das langsame Fahrtempo war dieser schneller unterwegs als wir und hüllte somit das ganze Fahrzeug ein. Die Sicht war dann gleich null, so dass Ueli jeweils anhalten musste, bis sich der Staub gelegt hatte und die Piste wieder sichtbar wurde.
In einem Teil des Flussbetts, wo hohe Seitenwände den Wind etwas abhielten, richteten wir uns für die Nacht ein. Trotz der geschützten Stelle konnten wir aber weder draussen sitzen noch kochen. Immer wieder wirbelten Böen den Staub auf, bis sich gegen Abend der Wind etwas legte. In der Zwischenzeit war immerhin die Temperatur innerhalb einer Stunde von 32 auf angenehme 19 Grad gefallen.
Die Nacht war einmal mehr sehr ruhig und diesmal auch angenehm kühl verlaufen. Wir folgten dem Flussbett weiter, hatten aber auch am folgenden Tag leider kein Glück mit Elefantensichtungen. Als wir schliesslich auf die Hautpiste Richtung Norden trafen, bemerkten wir in ca. 100 m Distanz einen Land Cruiser mit Safarigästen. Wir wollten natürlich wissen, was es zu beobachten gab und näherten uns. Und siehe da, wir hatten sie doch noch gefunden: die Wüstenelefanten. Mit grosser Freude beobachteten wir die aus einer ganzen Familie bestehende Gruppe. Aus der Nähe betrachtet, fiel dabei auf, dass diese Elefanten doch bedeutend kleiner sind als ihre Artgenossen, welche in fruchtbareren Gegenden ansässig sind.
Auf der C39 bretterten weiter wir nordwärts. In Palmwag, einer kleinen Ansiedlung mit Lodge und Tankstelle, füllten wir die beiden Tanks des Land Cruisers bis zum Rand. So hatten wir genug Treibstoff, um bis hoch zum Kunene Fluss und anschliessend bis zur nächsten sicheren Tankstelle in Opuwo zu gelangen. Die 270 l Diesel reichen dafür längstens und erlauben sogar den einen oder anderen Abstecher. Im Ort Warmquelle versuchten wir, Brot und Eier zu bekommen, was sich jedoch im Nordwesten Namibias, abseits der Hauptrouten als recht schwierig erwies. Die Regale in den Kleinstsupermärkten waren, wenn nicht komplett leer, höchstens mit Trockenwaren und anderen Basislebensmitteln bestückt, hingegen fehlten alkoholische Getränke nirgends, wenn auch in bescheidener Auswahl. Da die Temperatur inzwischen auf brütend heisse 42 Grad angestiegen war, beschlossen wir, einen frühen Stopp an den Ongongo Wasserfällen einzulegen. Mit einem Preis von 400 NAD pro Person für die Übernachtung gehört er, mit Ausnahme der bekanntesten Nationalparkcampings, wohl zu den teuersten aller Campingplätze in Namibia. Immerhin erhielten wir für den Preis einen schattigen Stellplatz direkt am Bach, inklusive Konzert der vielen Vogelarten in den Bäumen. Der grösste Bonus jedoch war der kristallklare, natürliche Pool unterhalb des Ongongo Wasserfalls, welcher bei der Hitze eine herrliche Abkühlung bot. Um unser Frühstück zu sichern, machten wir trotz der hohen Temperaturen ein Feuer und buken im Gusstopf unser eigenes Brot.
In Sesfontain fanden wir am folgenden Tag endlich einen Laden, welcher uns Eier verkaufte. Kurz nach dem Ort fuhren wir Richtung Hoanib River. Erst mussten wir uns erneut durch eine Ebene mit furchtbaren Bulldust Löchern kämpfen. Bis über die Haube wirbelte der mehlfeine Staub, so dass das Auto immer wieder in einer dichten Wolke verschwand. Trotz eingeschränkter Sicht konnten wir drei Giraffen am Wegrand beobachten. Sobald wir das eigentliche, sandige Flussbett erreichten, wurde die Fahrt bedeutend angenehmer. Am Gate angekommen, mussten wir die Gebühr für die Durchfahrt begleichen. Diese beträgt 100 NAD pro Person und 150 NAD für das Auto, bleibt man über Nacht in der Concession, kommen weitere 50 NAD pro Person dazu, dafür darf man im Busch an definierten Stellen campieren. Da wir nach dem Flusstal nach Norden fahren würden, wurden wir als Tagesbesucher eingestuft.
Wir kreuzten ein Paar aus Deutschland, welches uns berichtete, dass sie Elefanten gesehen hatten. Auf der Fahrt westwärts durch das abwechslungsreiche Flussbett fuhren wurde unsere Geduld jedoch erneut auf die Probe gestellt. Nach einer Weile kamen uns zwei Autos mit Franzosen entgegen, die uns versicherten, dass wir etwa einen Kilometer weiter auf eine Elefantengruppe treffen sollten. Tatsächlich waren dort mehrere Mütter mit ihren Babys am Ausruhen und liessen sich durch uns in keiner Weise stören. Bald darauf entdeckten wir eine weitere Gruppe, welche eben aus den dichten Büschen ins sandige Flussbett gekommen waren. Zu unserer grossen Freude schlossen wir bald danach zu einer dritten Elefantenfamilie auf, welche gemütlichen Schrittes flussabwärts unterwegs waren. Ohne diese herrlichen Tiere zu stören konnten wir sie aus kürzester Distanz beobachten und fotografieren.
Bevor wir das Flusstal verliessen, trafen wir an einem künstlichen Wasserloch auf eine ganze Sippe von Pavianen. Waren die Affen bisher immer sofort geflüchtet, wenn wir anhielten, liess sich diese Gruppe durch uns überhaupt nicht stören und wir konnten sie in aller Ruhe beobachten. Der Hoanib überquerte kurz darauf die Grenze zum Skeletton Nationalpark, welcher jedoch nur mit einer geführten Tour betreten werden kann. Unsere Route führte nun mehrheitlich nach Norden, mit dem Ziel Purros Canyon. Der Hoarusib Fluss, welcher den Canyon bildet, beherbergt ebenfalls einige Herden von Wüstenelefanten. Ein Abstecher zu einem Aussichtspunkt gewährte ein Panorama, welches bis fast ans Meer reichte. Sanddünen und eine weite Steinwüste beherrschten das Bild. Obwohl die Piste nach Norden kaum befahren wird, ist meist in einem erbärmlichen Zustand. Das Wellblech rüttelte nicht nur am Auto, sondern auch an unseren Nerven. Das Gedröhne und das Gerüttel waren äusserst anstrengend und ermüdend. An einem Punkt stellte sich eine angebliche Umfahrung einer besonders ätzenden Stelle als Abzweigung heraus. Erst als die Piste definitiv nicht mehr auf die Hauptroute zurückführte, erkannten wir den Fehler. Das Gelände war zum Glück offen genug, um querfeldein zur Hauptpiste zurück zu gelangen.
Zu unserer grossen Überraschung trafen wir unvermittelt auf einen der ungefähr 30 "Lone Men of Kaokoland" am Pistenrand. Diese wunderschönen und berührenden Skulpturen, aus lokalen Steinen und Draht gefertigt, können entlang der abgelegenen Pisten im ganzen Kaokoveld entdeckt werden. Die Figuren stellen immer Menschen in unterschiedlichen Posen dar, hier eine Dreiergruppe am Feuer sitzend. Jede der Skulpturen, deren Schöpfer unbekannt ist, trägt eine Nummer und einen kurzen Hinweis zu seiner Bedeutung, wie z.Bsp. "der Denker", der "hängende Mann", der "Betende" etc. Wie viele der Figuren bisher aufgestellt wurden, ist nicht bekannt, wir hofften aber, noch einigen von ihnen zu begegnen.
Wir trafen etwa in der Mitte des Purros Canyon auf das Flusstal. Landschaftlich erschien es uns nicht ganz so reizvoll wie die bisher besuchten, erstaunt waren wir jedoch, dass im ganzen Tal tatsächlich Wasser floss. Da es aber immer nur wenig war, erwiesen sich die vielen Flussdurchquerungen als völlig problemlos, da der Boden fest war. Obschon wir ohne weiteres die wenigen Kilometer bis Purros geschafft hätten, bevorzugten wir ein Buschcamp im schönen Canyon. Im nachmittäglichen Schatten einer Felswand fanden wir ein nettes Plätzchen an einem Teich. Der Sand nahe des Wassers war weicher als erwartet und plötzlich steckte der Land Cruiser fest. Mit ein paar unterlegten Steinen befreiten wir den Camper und suchten danach einen Platz mit festerem Untergrund. Nach den über 40 Grad Temperatur am Vortag, war es hier angenehm kühl und dank etwas Wind in der Dämmerung mussten wir sogar einen Pulli anziehen. Mach mehreren Tagen mit weit über 30 Grad waren wir die kühlere Temperatur natürlich nicht mehr gewohnt. Ein Guide mit einer Safarigruppe legte bei uns einen kurzen Halt ein und warnte uns vor einer Löwin, welche tags zuvor ganz in der Nähe gesichtet worden war. Die installierte Wildkamera zeigte am nächsten Morgen jedoch keinerlei Besucher.
Bald erreichten wir das Dorf Purros, bestehend aus einigen verstreuten Häusern, einem kleinen Laden und das war es dann auch schon. Wir hatten einige Mühe, den Verlauf der Hauptstrasse aus dem Ort heraus zu finden. Später stellten wir fest, dass die Karte nicht aktuell war, da die Strasse verlegt worden war.
Die Piste nach Norden war alles andere als angenehm zu fahren. Immer wieder wies diese hässliches Wellblech auf, welches oft nicht umfahren werden konnte. Andere Abschnitte waren dafür problemlos mit 80 km/h zu befahren. Die Landschaft bestand vor allem aus kargen Steinwüsten und grossen Kiesebenen.
Abwechslung boten drei weitere „Lone Men“ Skulpturen, die so platziert waren, dass wir sie vom Auto aus erkennen konnten. Bei der Abzweigung von der Hauptpiste trafen wir auf einen grossen Polizei- oder Militärposten. Ueli wollte sich dort über die Pistenverhältnisse und Streckenmöglichkeiten erkundigen. Leider stellte sich heraus, dass der befragte Soldat offensichtlich keine Ahnung hatte, in welchem Zustand der weitere Verlauf Strasse war. Wir bedankten uns freundlich und mussten eben selber sehen, was auf uns zukam. Die letzten Kilometer zum Marble Camp waren wiederum recht mühsam zu fahren; noch mehr Wellblech und ein paar sehr steinige Abschnitte. Nochmals trafen wir auf einen „Lone Man" , der diesmal mit gepacktem Bündel unterwegs zu sein schien. Das Marble Camp erwies sich als einfach, aber aufgeräumt und mit freundlichem Personal. Der Übernachtungsort entpuppte sich zudem als Vogelparadies. In den Bäumen flatterte und zwitscherte es unentwegt. Wir zählten locker mehr als zehn Arten, ohne uns weit zu bewegen. Wir blieben die einzigen Gäste. Laut Registrierungen hatten die letzten Camper fünf Tagen zuvor die Nacht hier verbracht.
Unser nächstes Ziel war der Kunene Fluss, welcher die Grenze zu Angola bildet. Zuvor machten wir aber noch einen Abstecher zum Marmorsteinbruch, welcher dem Camping seinen Namen gab. Noch immer liegen haufenweise herrlich weisse, grosse Marmorblöcke in der Landschaft. Wenn man bedenkt, dass die Kundschaft für Marmor wohl hunderte Kilometer übler Piste entfernt ist, wunderten wir uns nicht, dass der Abbau eingestellt worden war. In der näheren Umgebung werden die Häuser mit Wellblech und Holzstecken gebaut, so dass Marmortreppen wohl kaum Absatz finden. Immerhin wurden ein paar Blöcke in der Nähe des Campings als luxuriöser Hochwasserschutz ins Bachbett verlegt.
Die ersten dreissig Kilometer bis zum sogenannten Roidrom, dem roten Fass, beinhalten den berühmt berüchtigten Roidrom oder Joubert Pass. Die Anfahrt zu diesem „Pièce de Résistance“ war meist holprig und steinig, aber fahrtechnisch kein Problem. Der erste steile Anstieg zum Pass hatte es jedoch in sich. Die schmale Piste ist ausgewaschen und oft abhängend. Allerdings schlägt der menschliche „Popometer“ schon Alarm, wenn das Fahrzeug noch längst nicht am kippen ist. Es gilt aber auf jeden Fall darauf zu achten, wo die Räder platziert werden, um einen Kick zu vermeiden, welcher im schlimmsten Fall das Auto zum Überschlagen bringen kann. Der Toyota und der Chauffeur meisterten die Steigung bravourös. Bei der Fahrt Richtung Tal musste Myrta doch mal kurz aussteigen, um sicherzustellen, dass Ueli maximal rechts fahren konnte, damit die Karosserie beim Eintauchen in ein unvermeidbares Loch nicht an den Felsen streifte. Auch das gelang glücklicherweise ohne Schäden.
Beim Roidrom, dem roten Fass, angekommen, legten wir einen kurzen Halt ein, um die ausgestellten Kunsthandwerksarbeiten der hier lebenden Himba Frauen zu begutachten. Bald tauchte eine der jungen Frauen aus der nahen Siedlung auf, um uns zu begrüssen. Leider fanden wir keine gemeinsame Sprache, um uns zu verständigen. Mit Händen und Füssen sowie viel Lachen und Kichern konnte Myrta am Schluss zwei schöne, handgefertigte Armbänder erstehen. Bezahlt haben wir diese mit Lebensmitteln, denn der nächste Einkaufsladen war für die Leute in der Gegend nicht einfach zu erreichen. Alles was sie nicht selber produzieren können oder was ihnen ihre Tiere liefern, wie Zucker, Salz, Mehl und Reis, ist deshalb willkommenes Tauschmittel.
Wir setzten unsere Fahrt nach Norden fort, indem wir die Berge auf der Westseite im Marienflusstal umfuhren. Nach etwa 4 h erreichten wir das Camp Syncro am Kunene Fluss. Kurz zuvor waren wir noch einmal einem der „Lone Men" begegnet, welcher wiederum markant auf einem Felsen platziert war. Im Camp wurden wir freundlich begrüsst und konnten uns im Schatten der grossen Bäume, direkt am Fluss einrichten, wodurch die Hitze durchaus erträglich war. Weshalb wir ermahnt wurden, im Fluss nicht zu schwimmen, entdeckten wir rasch selber: Ein Krokodil lag direkt unterhalb unseres Stellplatzes auf der Lauer. Nach einer Weile rollte ein weiterer Land Cruiser ins Camp. Wir erkannten die beiden Deutschen, Petra und Lars, welche wir am Eingang zum Huanib River gekreuzt hatten.
Wir beschlossen, einen weiteren Tag zu bleiben und machten nachmittags einen Ausflug zu den etwa 7 km flussabwärts gelegenen Stromschnellen des Kunene. Die Fahrt stellte sich als eine zünftige Offroadstrecke heraus, sodass wir die Untersetzung rege benutzen mussten. Von einem Aussichtspunkt aus hatten wir einen tollen Ausblick auf die gefächerten Flussarme und die vielen kleinen Wasserfälle. Da das Terrain rundherum felsig ist und steil vom Fluss her ansteigt, gibt es direkt am Ufer kaum mehr Baumbewuchs. So bot das grüngraue Wasserband in der Landschaft ohne Vegetation einen recht skurrilen Anblick.
Roidrom Pass
Der Film unten zeigt Ausschnitte von der Fahrt über den Roidrom (Joubert) Pass im Kaokoveld, im Nordwesten Namibias. Für die 24 km benötigten wir gut eine Stunde, wobei nur etwa drei Kilometer der Strecke technisch anspruchsvoll sind. Die Route ist nur geeignet für 4x4 Fahrzeuge mit Untersetzungen, robusten Reifen und sehr guter Bodenfreiheit. Unerfahrene Fahrer sollten besser zusammen mit einem zweiten Autos unterwegs sein für den Fall, dass etwas schiefgeht. Für grosse Fahrzeuge ist die Strecke nicht geeignet, da es an einigen Stellen recht eng ist.
Für den Rückweg wählten wir eine Route, welche die Berge und den Roidrom Pass östlich umfährt. Die Piste war in einem bedeutend besseren Zustand, sodass die Fahrt entsprechend angenehm war. Die Strecke ist zwar etwas länger, dafür kamen wir bedeutend schneller voran. Eine Mischung aus sandigem Wellblech und steinigem Untergrund waren charakteristisch für diese Route. Einen schwierigen Pass beinhaltete die Fahrt nicht, einige rumplige Aufstiege liessen sich jedoch auch hier nicht vermeiden.
Um nach Opuwo zu gelangen, hatten wir eine Route über kleine Pisten gewählt, welche nördlich der Hauptstrasse verläuft. Wir kamen anfangs recht zügig voran und erreichten einen markanten, im Reiseführer erwähnten Baobab, einen Affenbrotbaum, bereits kurz nach Mittag. Dies wäre eine der möglichen Übernachtungsvarianten gewesen. Wir waren aber zu früh dran und zudem bot der Baum trotz seiner immensen Grösse keinen Schatten, da Blättern die in der Krone erst später, während der Regenzeit spriessen. Die Landschaft war abwechslungsreich, das Vorankommen wurde jedoch aufgrund der kurvigen und zunehmend auch steinigen Piste langsamer. Nach einigen Kilometern standen wir vor einem ersten heftigen Anstieg. Schwieriger als der Roidrom Pass war dieser zwar nicht, dafür aber bedeutend länger. Im ersten oder zweiten Geländegang kämpfte sich der Land Cruiser bergan. Vorübergehend stieg dabei sogar die Kühlwassertemperatur über das Normale hinaus an. Nach einigen hundert Metern Anstieg war die erste Hürde geschafft. Es sollte noch eine weitere folgen, danach waren die schwierigsten Stellen geschafft. Im Gegensatz zum Roidrom Pass hatte hier niemand Steine in die ausgefahrenen Löcher gelegt, entsprechen schaukelten wir hin und her beim Hochfahren. Die Abfahrt war verhältnismässig einfach, allerdings gerieten wir ein paarmal in arge Schräglage. Nachdem wir bereits hofften, das schlimmste hinter uns zu haben, mussten wir noch einmal einen schmalen, stark ausgewaschenen Hohlweg überwinden, bevor wir in der Ebene ankamen, wo das Gelände entsprechend flach wurde. Auch hier kamen wir jedoch nur mit 15–25 km/h vorwärts, da immer wieder scharfkantige Steinbänder im Weg lagen. Nach einer Weile entschieden wir uns, einen Übernachtungsplatz zu suchen. An einem trockenen Flusslauf fanden wir einen schattenspendenden Baum, wo wir uns einrichteten. Schon bald bemerkten wir, dass wir offenbar an einer „Viehautobahn“ geparkt hatten. Erst trottete eine Schafherde links an uns vorbei und später eine Ziegenherde auf der anderen Seite. Es dauerte nicht lange, bis wir auch Besuch der Leute erhielten, die Ihre Tiere von der Weide in ihre nahe gelegene Siedlung zurück trieben. Leider konnten wir uns auch mit diesen durchaus freundlichen nicht unterhalten, da niemand von ihnen Englisch sprach und wir ihrer Sprache nicht mächtig waren.
Nachdem auch noch die Esel auf dem Weg nach Hause an uns vorbei galoppiert waren, kehrte Ruhe ein und wir erlebten einmal mehr eine äusserst ruhige Nacht.
Wir waren noch nicht richtig wach, als wir bereits wieder Stimmen in der Nähe des Autos hörten. Die Tiere wurden wieder auf die Weide getrieben. Eine der Frauen näherte sich und erklärte mit Gebärden, dass sie Schmerzen am Bein habe. Äusserlich konnten wir keinen Grund für die Schmerzen sehen. Um trotzdem behilflich zu sein, boten wir ihr eine harmlose Salbe an, die sie sich einreiben konnte. Die Frau schien damit zufrieden, denn sie strahlte uns dankbar an und zog von Dannen.
Da alle paar Minuten Menschen und Tiere an unserem Auto vorbei marschierten, fuhren wir für unsere Morgentoilette einige Kilometer weiter an einen ruhigeren Ort. Bald danach erreichten wir die sogenannte „Hauptstrasse" D3703, welche jedoch trotz der Bezeichnung bis nach Etanga kaum besser zu befahren als die Pisten am Vortag. Umso grösser war die Überraschung, dass nach dem kleinen Ort die Strasse nicht nur viel breiter war, sie war auch frisch planiert und der Grader noch dabei, die letzten Kilometer zu bearbeiten. Obschon immer wieder unbefestigte Flussbetten zu queren waren, erreichten wir Opuwo nach gut zwei Fahrstunden. Einkaufen war wieder einmal angesagt. Zu unserer Enttäuschung war die angepeilte Bäckerei nicht mehr in Betrieb und auch der Spar Supermarkt hatte unterdessen die Türen geschlossen. Immerhin fanden wir einen OK Supermarkt, wo wir die notwendigsten Dinge beschaffen konnten. Etwa 5 km ausserhalb des Ortes richteten wir uns einmal mehr in einem Camping mit privater Dusche/WC und einem Pool ein, alles sehr willkommen bei 36 Grad. Auch hier zwitscherten und flatterten Vögel aller Arten in den schattenspendenden Bäumen. Bevor wir anderntags weiter reisten, konnten wir hier unseren Wassertank mit richtig gutem Trinkwasser füllen, welches aus einer eigenen Grundwasserbohrung stammt.
Video vom Marble Camp via D3703 nach Opuwo
Die Bilder zeigen den anspruchsvollsten Teil der Strecke vom Marble Camp via D3703 nach Opuwo. Für 80 km brauchten wir etwa 4h !
NB: Auch wenn es im Video danach aussieht, wir fahren solche Strecken nicht zu schnell ! Die Aufnahmen sind weitwinklig gefilmt, wodurch die Geschwindigkeit höher erscheint.
Nochmals Lebensmittel einkaufen, etwas Diesel nachfüllen und schon waren wir wieder unterwegs nach Norden. Unser erster Halt galt dem Mungunda Living Museum. Wir waren auf unserer Route durch das Kaokoveld an vielen Siedlungen der Himba, dem halbnomadisch lebenden Hirtenvolk, vorbeigekommen. Obwohl uns die Lebensweise und die Gebräuche dieses Urvolkes sehr interessierten, wollten wir nicht einfach in eines der Dörfer hineinfahren und uns ungefragt umsehen. Wir hätten selber auch keine Freude, wenn sich fremde Leute in unseren Häusern oder Gärten aufhalten. Ausserdem wäre es schwierig gewesen, mit diesen Menschen zu kommunizieren, da nur sehr wenige überhaupt Englisch sprechen. Wir hatten deshalb beschlossen, eines der sog. Lebenden Museen, von denen es mehrere gibt in Namibia, zu besuchen. Die Einrichtung Mungunda ist vergleichbar mit dem Ballenberg in der Schweiz und bietet Einblick in die Traditionen der Himba. Wir wurden von Jimmy, einem jungen Mann aus dem Dorf, empfangen, der unser Führer und Übersetzer war. Das Dorf ist rund um den Viehpferch im Zentrum angeordnet und besteht aus mehreren der typischen, Iglu-artigen Gebäuden. Das Gerüst der Häuser wird aus Ästen aufgebaut, welche komplett mit einer Mischung aus Kuhdung und Lehm verputzt werden. Fenster gibt es keine, um Schlangen und andere unliebsame Gäste draussen zu halten. Jimmy erklärte uns ausführlich die Lebensweise und die sozialen Strukturen der Gemeinschaft. Die anwesenden Frauen zeigten uns ihre typischen Handwerkskünste und luden uns ein, die Häuser von innen zu besichtigen. Dank Jimmy's Übersetzung war es den Frauen möglich, auch uns Fragen zu stellen. Dadurch entstand für uns nicht der Eindruck einer Vorführung, es entstand viel mehr ein Austausch zwischen zwei Kulturen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Zum Abschluss unseres Besuchs - laut Gästebucheintrag waren wir die ersten Besucher seit fünf Tagen - zeigten uns die Frauen einen ihrer Tänze. Die Gruppe stand im Halbkreis und sang und klatschte, während abwechselnd eine ihren Solotanz hinlegte. Die Begeisterung der Frauen war so ansteckend, dass zum Schluss auch sämtliche Kinder des Dorfes mit tanzten und klatschten. Wir verliessen das Dorf mit dem Gefühl, einen ehrlichen Einblick in das Leben dieser Menschen gewonnen zu haben und und wir hatten nicht den Eindruck, dass sich die Beteiligten des Dorfes als Vorführobjekte fühlten. Als kleines Dankeschön liessen wir einen Teil unserer extra für Geschenke gekauften Lebensmittel zurück, denn auch hier ist der nächste Laden weit entfernt.
Auf gut ausgebauter Piste brauchten wir noch gut zwei Stunden bis zu den Epupa Falls. Wir besichtigten die imposanten, etwa 40m hohen Wasserfälle, welche in eine enge, schwarze Schlucht stürzen. Im Epupa Camp, etwas flussaufwärts gelegen, kamen wir für die Nacht unter. Die Plätze in diesem Camp sind weniger eng als in den drei direkt an den Wasserfällen gelegenen und vor allem auch ruhiger als nahe am tosenden Wasser. Auch hier bot ein Pool die willkommene Abkühlung und eine Bar inkl. Terrasse mit Blick über den Kunene nach Angola lud zum Aperitif ein.
Bevor wir Epupa am Morgen verliessen, kauften wir bei der einzigen und sehr guten Bäckerei einige der feinen, frischen Brötchen. Die Angolanerin, welche den
Laden betreibt, ist unterdessen eine Bekanntheit unter Reisenden.
Die Piste dem Kunene entlang nach Osten ist abwechslungsreich und bietet immer wieder Ausblicke auf den Fluss und den grünen Gürtel mit den riesigen Bäumen. Oft erinnerte die
Strassenführung an eine Achterbahn, führte sie doch immer wieder steil hinunter zum trockenen Bachbett und auf der anderen Seite genauso steil wieder hoch. Unterwegs kreuzten wir einen alten
Mercedes Rundhauber LKW. Bei einem kurzen Schwatz am Strassenrand stellte sich heraus, dass der Fahrer, entgegen dem Deutschen Kontrollschild, ein Schweizer war. Patrick, aus dem
Appenzellerland war mit seiner asiatische Partnerin schon längere Zeit in Afrika unterwegs. Gegen Ende der geplanten Strecke führte die Piste vom Fluss weg, durch eher flaches Gelände.
Wir hatten eigentlich vorgesehen, nochmals am Fluss zu übernachten, waren jedoch schon kurz nach Mittag am Ziel und die Temperatur war inzwischen erneut auf 40 Grad gestiegen. Wir
änderten deshalb unseren Plan und fuhren auf guter Teerstrasse 300 km weiter bis nach Kamanjab, wo wir uns im Oppi-Koppi Rest Camp einquartierten. Dort zeigte das Thermometer nur noch
erträgliche 35 Grad an. Wie alle Europäischen Overlander genossen wir kostenlose Übernachtungen in diesem gut geführten Campingplatz mit Bar, Restaurant und Pool. Unsere direkten Nachbarn
waren ein Straussenpaar, welche recht zutraulich waren. Das Männchen versuchte mit seinen Balztänzen auf Tuchfühlung zu gehen, während wir dem gefährlich aussehenden Schnabel lieber nicht zu
nahe kamen. Abends gönnten wir uns im Restaurant eine feine Pizza, welche so reichhaltig ausfiel, dass eine für uns beide mehr als genug gewesen wäre. Während der Nacht kühlte es bald
auf angenehme Temperatur ab und wir erwachten morgens bei 15 Grad.
Bereits zu Hause wären die Beläge der Handbremse fällig für einen Wechsel gewesen, ich wollte die recht knifflige Arbeit jedoch nicht selbst ausführen. Der Service in Swakopmund hätte dafür nochmals einen Tag länger gedauert, weshalb wir darauf verzichteten. Unterdessen hatte die Handbremse aber kaum mehr Wirkung und das Problem musste vom Tisch. Bei der Falkenberg Garage von Lars, einem weiteren deutschstämmigen Mechaniker, war der Land Cruiser gut aufgehoben und die Arbeit bald erledigt. Auf das Überhitzen des Motors in den vergangenen Tagen angesprochen, fand er heraus, dass die Viscokupplung des Lüfters nicht mehr korrekt funktionierte. Da er das Ersatzteil über Nacht besorgen konnte, stand am folgenden Tag ein weiterer Besuch in der Garage an, damit auch dieses Problem behoben werden konnte.
Unsere ursprüngliche Planung für den Etosha Nationalpark war, vom Galton Gate aus, dem westlichsten Zugangstor, den Park nach Osten zu durchqueren. Lars, den wir am Kunene getroffen hatten, informierten uns jedoch, dass der Westteil ziemlich stark unter den kürzlichen Buschfeuern gelitten hatte und dass zudem die Piste bis nach Okaukuejo oft viel Wellblech aufwies. Da wir zudem keine Reservation hatten, um im einzigen, kleinen Campingplatz im Westen zu übernachten, beschlossen wir, Plan B zu aktivieren. Nachdem die Viscokupplung eingebaut war, fuhren wir von Kamanjab aus noch bis vor das Anderson Gate und übernachtetem im Etosha Trading Post Camping, etwa 6 km vor dem Parkeingang. So konnten wir frühmorgens zu unserer ersten Runde im Etosha Nationalpark starten. An der Reception von Okaukuojo bezahlten wir den Tageseintritt und erkundigten uns gleichzeitig nach einem freien Stellplatz. Sie rieten uns, diesbezüglich später am Nachmittag nochmals nachzufragen. Wir befuhren als erstes die Pisten westlich von Okaukuojo bis zum Wasserloch bei Ozonjuitji m’Bari. Dort trafen wir tatsächlich auf die ersten Spuren des Buschfeuers. Unser erster Eindruck war, dass die Brände in den Medien sehr dramatisiert dargestellt worden waren. Wir sahen zwar, dass das trockene Gras abgebrannt war, Büsche und Bäume hingegen wurden nicht beschädigt. Das Feuer schien mit hoher Geschwindigkeit, aber nur für kurze Dauer, über die Fläche gerast zu sein. Wir gingen davon aus, dass alle Tiere, die laufen oder sich unter der Erdoberfläche in Sicherheit bringen können, das Feuer unbeschadet überlebt haben. An den angefahrenen Wasserlöchern herrschte zum Teil reger Betrieb, während wir unterwegs nur wenigen Tieren begegneten. Schön zu sehen war, dass einige Springböcke bereits wieder das frisch austreibende Gras in den verbrannten Flächen abknabberten.
Wir kehrten nach einem Abstecher bis zum grossen Salzseeufer bei Okondeka zurück nach Okaukuojo. Wir hatten Glück mit dem Übernachtungsplatz und konnten uns in der Overflow Area einrichten. Zufällig trafen wir dort einmal mehr auf die Familie aus Aarau, welche wir schon in Windhoek und im Oppi Koppi als Campnachbarn hatten. Gegen Abend besuchten wir das zum Camping gehörende Wasserloch und konnten dort die ersten Elefanten und sogar Nashörner beobachten. Generell herrschte Hochbetrieb an der Tränke. Es war interessant zu beobachten, wie die einzelnen Tierarten nacheinander eintrafen und, nachdem sie ihren Durst gestillt hatten, wieder abzogen. Einzig wenn Elefanten zugegen waren, hielten sich die anderen Tiere im Hintergrund.
Den zweiten Tag verbrachten wir vorwiegend an den Wasserlöchern auf dem Weg nach Halali, wo wir kurzfristig einen Stellplatz hatten buchen können. Immer wieder entdeckten wir neue Tierarten und konnten etliche Vogelarten beobachten, darunter auch den eher seltenen Kampfadler, ein stattlicher, eindrücklicher Raubvogel.
In Halali wurde uns ein Stellplatz zugeteilt, welcher, wie alle andern, wenig Schatten bot und auf staubigem Untergrund lag. Auch hier hatte man in der Nähe ein Wasserloch angelegt, wo bald zwei halbwüchsige Nashörner auftauchten. Beide versuchten erst mal, den Chef zu markieren. Nachdem sie sich eingehend beschnuppert und geschubst hatten, verliessen sie die Szene gemeinsam als beste Freunde.
Der dritte Tag brachte uns schliesslich in den Ostteil des Etosha. Höhepunkt des Tages war eindeutig die Löwin, welche wenige Meter neben dem Auto im Schatten eines Baumes lag. Sie liess sich von den wartenden Fahrzeugen überhaupt nicht stören und blieb entspannt liegen, während die Fotografen ausgiebig knipsten.
Die Fahrt rund um die Fisher Pan war anfangs recht ereignislos, erst am Nordwestufer wurde es spannend mit vielen Giraffen, Zebraherden und verschiedenen Antilopenarten. Auch an den beiden letzten Wasserlöchern gaben sich einige Tiere ein Stelldichein.
Wir verliessen den Park und fuhren nach Tsuneb, um bei der nach wie vor herrschenden Hitze im Kupferquelle Resort den Luxus schattiger Bäume und eines Olympia würdigen Swimmingpools zu geniessen.
Der Besuch des Hoba Meteoriten stellte sich als wahre Abzocke heraus. Um einen Blick auf den 60 Tonnen schweren Block aus dem Weltall zu werfen, sollten wir 250 NAD, also 12 CHF, pro „internationale“ Person bezahlen. Dies entsprach etwa dem Preis für zwei Tageseintritte in den Etosha NP. Einheimische Besucher bekommen das Ticket für 60 NAD, was unserer Ansicht angemessen wäre. Ausser dem Meteoriten und einer kleinen Ausstellung bietet der Ort nichts. Wir verzichteten auf den Besuch und empfahlen dem Kassierer, mit seinem Chef über vernünftigere Preise für Ausländer zu diskutieren.
Am selben Tag erlebten wir eine zweite Enttäuschung im angepeilten Living Museum der San. Wir besichtigten erst den dazu gehörenden Campingplatz, welcher sich als ungepflegt zeigte, zudem funktionierten die Duschen nicht. Im eigentlichen Dorf waren unglaublich viele Leute zugegen, die alle etwas von uns wollten, so dass wir schnell einen eher negativen Eindruck bekamen. Der Guide, der auf uns zukam, zeigte uns als erstes gleich die Preisliste mit allen Aktivitäten, die sie anboten. Wirklich Auskunft geben, was uns erwartet, konnte aber niemand. Jedenfalls machte es keine rechte Lust, das Dorf zu besuchen, zumal es wieder 38 Grad heiss war und die Tour etwa 2 h dauern sollte. Wir beschlossen darum auch hier, weiter zu fahren.
Wir hatten eine 4x4 Strecke, welche Ueli auf seiner Motorradtour vor vielen Jahren bereits befahren hatte, auf dem Plan. Über diese konnten wir uns die 80 km zurück zur Teerstrasse ersparen. Nach einigen Kilometern bogen wir daher nach Norden ab. Die Piste war anfänglich breit und gut im Schuss, wurde aber nach und nach immer schmaler und sandiger. Schliesslich waren wir noch mit einer Geschwindigkeit von etwa 40 km/h unterwegs. Immer wieder musste Myrta aussteigen und ein Viehgatter öffnen. Hier waren die Parzellen offensichtlich bedeutend kleiner als die riesigen Farmen der Weissen. Die ansonsten schöne Strecke führte durch herrlich grüne Landschaften und immer wieder vorbei an kleinen Siedlungen. Gegen fünf Uhr suchten wir uns einen Übernachtungsplatz etwas abseits der Piste. Wir wurden bald fündig und platzierten uns unter schattigen Bäumen. Nach einer Weile kam ein Paar vorbei und grüsste uns im Vorbeigehen. Wir sprachen sie an und erfuhren, dass sie im Ort ganz in der Nähe wohnen. Wir baten sie um Erlaubnis, hier zu übernachten und wurden dazu herzliche willkommen geheissen.
Am Morgen kam die übliche Kuhherde vorbei und starrte uns irritiert an. Offensichtlich hatten wir in ihrem Revier übernachtet. Der Himmel war an diesem Vormittag bewölkt und zweimal fielen tatsächlich einige Regentropfen, die jedoch nicht einmal ausreichten, um die Windschutzscheibe durchgehend nass zu machen. Nachdem wir anfänglich dieselbe sandige Piste befuhren wie tags zuvor, landeten wir nach einigen Kilometern auf einer breiten, auf unserer Karte nicht eingezeichneten Piste. Diese war teilweise stark von Wellblech geprägt und führte im Gegensatz zur vorherigen Strecke pfeilgerade durch die Landschaft. Die letzten 50 km bis Rundu waren recht rumplig und nicht angenehm zu fahren. Die Besiedlung wurde nun immer dichter, erst lagen grössere Dörfer an der Strecke und kurz vor der Stadt war die Gegend fast durchgehend überbaut. Dass Rundu die zweitgrösste Stadt Namibias ist, merkten wir vor allem am dichten Verkehr und den tausenden Menschen überall. Wir suchten mehrere Geschäfte auf, um Ersatz für unseren liegengelassenen Türvorleger zu finden, leider ohne Erfolg. Immerhin konnten wir Brot kaufen. Danach liessen wir uns am Okavango Fluss im Savuti Campingplatz nieder. Dieses kleine Camp liegt direkt am Fluss, welcher wieder die Grenze zu Angola bildet, und unter schattigen Bäumen, ein wichtiger Vorteil bei dem nach wie vor heissen Wetter. Auch hier konnten wir wieder unzählige Vögel beobachten, darunter viele neue Arten.
Dieselbe Stiftung, welche das von uns besuchte Himba Museum initiiert hatte, ist auch zuständig für das Mbunza Living Museum. Das Dorf befand sich nur gerade 5 Fahrminuten von unserem Campingplatz entfernt. Das Wetter meinte es gut mit uns, denn es war bedeutend kühler als am Vortag. Wir wurden von einem der Führer in Empfang genommen und über den Stamm der Mbunza, einer Bantu Volksgruppe, informiert. Danach führte er uns durch das Dorf, wo vor allem die unterschiedlichen Kunsthandwerke demonstriert wurden. Meist junge Frauen, aber auch einige Männer, zeigten uns, wie sie Matten und Schalen flechten, Messer schmieden, Musikinstrumente herstellen und vieles mehr. Am Flussufer, im seichten Wasser wurde demonstriert, wie man mit einfachen Reusen Fische fangen kann. Mehrere Frauen standen im Wasser, die Reusen bereithaltend, andere scheuchten die Fische in ihre Richtung. Die ausbeute heute war mit ein paar kleinen Fischen und einem Frosch eher bescheiden. Zum Abschluss der Führung wurden wir mit traditionellen Tänzen, untermalt von einigen Perkussionsinstrumenten und Gesang, unterhalten.
Wir versuchten am nächsten Tag noch einmal einen Türvorleger zu finden, wieder ohne Erfolg. Wir suchten verschiedene Supermärkte, auf, welche zwar recht gross und zahlreich waren, jedoch alle mit einem bescheidenen Angebot. Die Fahrt nach Divundu war ereignislos und geprägt von einem sehr starken Seitenwind. Dieser hatte immerhin den Vorteil, dass er uns kühlere Luft brachte. Nach den heissen Tagen zuvor waren die nur noch 28 Grad eine wahre Wohltat. Wir checkten im Shametu Resort ein und erfreuten uns einmal mehr an einer luxuriösen Einrichtung. Keine sichtbaren Nachbarn, ein privates WC/Dusche Gebäude, diesmal sogar mit Frottierwäsche. Dazu eine überdachte Outdoorküche mit Abwaschmöglichkeit, natürlich mit heissem Wasser. Die Anlage selber war traumhaft gelegen und bot eine Terrassenbar direkt am Kavango River.
Am Morgen starteten wir zu einem Gamedrive im nahen Bwadwata Nationalpark. Die Strecke verlief meist direkt am Ufer des Kavango wo sich die Tiere gerne versammeln. Wir entdeckten erneut mehrere Spezies, die wir bisher kaum zu Gesicht bekamen, wie etwa die lustigen Warzenschweine und wieder viele neue Vogelarten. Affen erfreuten uns mit ihren Spielen und eine grosse Gruppe Geier tat sich an einem Tierkadaver gütlich. Der Westteil des Parks war, bis auf ein Wasserloch, das wir anfahren konnten, leider nicht zugänglich. Eine Gruppe von mächtigen Elefanten hatten die Tränke besetzt, während die Paviane und die kleineren Vervet Äffchen sich mit dem Überlaufteich begnügen mussten.
Nach der Rückkehr zum Campingplatz bemerkte Ueli, dass mit der Starterbatterie etwas nicht stimmte. Er musste feststellen, dass diese, vermutlich nicht zuletzt wegen der hohen Temperaturen, überhitzt hatte und Säuredämpfe entströmten. Er fuhr kurzerhand nach Divundu und wurde tatsächlich fündig. Eine halbe Stunde später und 100 CHF ärmer, dafür mit neuer Batterie, war er wieder im Camp. Warum nach dem Einbau die Hupe nicht mehr funktionierte und das Radio sich nicht mehr abstellen liess, blieb vorerst ein Geheimnis.
Als wir am nächsten Morgen losfahren wollten, sprang der Motor nicht an. Nachdem Ueli keine Ursache finden konnte und in Anbetracht der elektrischen Probleme, die sich am Vortag gezeigt hatten, musste die Ursache wohl beim elektrischen System liegen. Dieses ist bei unserem Land Cruiser eigentlich sehr einfach gestrickt, trotzdem konnte keine logische Erklärung gefunden werden. Beim Suchen des Fehlers stellte sich wenigstens heraus, dass die Hupe nur deshalb nicht mehr funktionierte, weil beim Einbau der neuen Batterie aus Versehen ein Stecker rausgefallen war. Nun konnten wir wieder hupen, aber der Motor lief noch immer nicht. Mit Hilfe der Damen an der Rezeption organisierte Ueli einen Mechaniker, welcher alsbald auftauchte. Auch er suchte den Fehler zu Beginn bei der Elektrik, stiess dann aber darauf, dass die Dieselzufuhr Luft enthielt. Nachdem diese entlüftet war, sprang der Motor wieder an, als ob nichts gewesen wäre. Warum nach hunderttausenden von Kilometern plötzlich Luft in der Treibstoffzufuhr auftauchte, blieb ein weiteres Mysterium. Immerhin waren wir wieder mobil und kümmerten uns nicht weiter um dieses Geheimnis der Technik.
Wir durchfuhren den schmalsten Teil des Caprivi Zipfels, ein schmaler, zu Namibia gehörender Landstreifen zwischen Angola im Norden und Botswana im Süden. Bei Kongola bogen wir nach Süden ab, um den Mudumu Nationalpark zu erreichen. Am Gate bezahlten wir den Eintrittspreis und liessen uns die Route durch den Westteil des Nationalparks erklären, wo der uns zugeteilte Standplatz für die Übernachtung lag. Einen ersten Halt legten wir am Hippo Pool ein, wo sich eine grosse Gruppe Flusspferde in einem der verbliebenen Wasserlöcher versammelt hatte. Weiter Richtung Süden trafen wir immer wieder auf grosse Elefantenherden. Am Ufer lagen überall Krokodile in der Sonne, diese verschwanden jedoch blitzartig im Wasser, sobald wir auftauchten. Auf zum Teil tiefsandigen Pisten erreichten wir unser Camp, herrlich, einige hundert Meter vom Nachbarplatz entfernt gelegen. Der wunderschöne Ort bietet keinerlei Infrastruktur, es handelt sich eigentlich um ein legales Buschcamp. Die Wasserlöcher waren aufgrund der Jahreszeit weitgehend ausgetrocknet, trotzdem konnten wir unzählige Vogelarten, darunter auch mehrere Fischadler, beobachten. Eine grosse Gruppe Elefanten kam für ein abendliches Bad vorbei. Die Gnuherde traute sich hingegen aus unerklärlichen Gründen nie ganz ans Wasser, sondern flüchtete zweimal panisch, ohne erkenntlichen Grund. Die wiederum hohen Temperaturen waren sogar im Schatten recht belastend, nicht einmal nachts kühlte es merklich ab, so dass das Thermometer am frühen Morgen noch immer 23 Grad anzeigte.
Wir verliessen den Nationalpark und fuhren zur Grenze, um nach Botswana einzureisen.
Am Grenzübergang waren nur wenige andere Fahrzeuge anzutreffen, deshalb dauerten die Formalitäten nicht lange. Für die Ausreise liessen wir in Namibia das Carnet und die Pässe stempeln, um gleich danach über die Brücke an die Grenze zu Botswana zu fahren. Auch dort war die Bürokratie schnell erledigt. Der Posten, welcher sicherstellen sollte, dass keine frischen Lebensmittel eingeführt werden, winkte uns durch, die Pässe wurden gestempelt und zum Schluss 445 Pula Strassenbenutzungsgebühr eingezogen. Das Carnet erwähnten wir hier schon gar nicht und keiner der Zöllner interessierte sich im geringsten für unser Auto. Uns sollte es recht sein.
Grenzformalitäten
Verschifft man das eigene Fahrzeug nach Namibia (oder auch Südafrika), benötigt man ein „Carnet de Passage“ welches man beim TCS beschaffen kann. Das Verschiffen lohnt sich für Reisen ab ca. 3 Monaten.
Personen aus westeuropäischen Ländern erhalten normalerweise bei der Einreise eine Aufenthaltsberechtigung für 90 Tage. Das benötigte Visum kann man vorgängig online beschaffen oder auch erst bei der Einreise kaufen. Es kostet pro Person ca. 80 CHF online, etwa 20 CHF mehr an der Grenze. Auf jeden Fall sollte man sich vorgängig schlau machen, was für die eigene Staatsangehörigkeit gilt und wie sich die Regeln allenfalls verändern.
Ist man pensioniert und will oft und länger in Südafrika reisen, lohnt es sich unter Umständen ein „Pensioner Visa“ zu beantragen. Mit diesem Visum ist man gleichberechtigt mit einer Person, welche in Südafrika resident ist. Das hat den Vorteil, dass man von den viel günstigeren Preisen für Einheimische, z. B. in Nationalparks, profitieren kann. Und das nicht nur in Südafrika selbst, sondern als „SADC-Resident“ auch in Botswana und Namibia. Details siehe auf der Südafrika Seite.
Bei JEDER Einreise mir einem im Ausland zugelassenen Fahrzeug, muss man eine Strassenbenutzungsgebühr entrichten. Diese beträgt etwa 25 CHF und ist drei Monate gültig. Verlässt man Namibia auch nur kurz, wird der Betrag bei der Einreise erneut fällig.
Camping
Im Vergleich mit Europa sind die Campingplätze viel günstiger und oft sogar luxuriös eingerichtet. Das heisst nicht unbedingt, dass grosse Rahmenprogramme
und Unterhaltung geboten werden. Der Luxus ist eher darin zu finden, dass die Stellplätze grosszügig und oft weit verteilt sind. Grosse Anlagen sind eher selten, solche mit wenigen Plätzen dafür
die Regel. Einzig gutes Internet ist die Ausnahme, da sollte man sich selber helfen können (siehe Kapitel Telefon und Internet)
In den meisten Regionen sind Campingplätze einfach zu finden. In touristischen Regionen ist das Angebot grösser, wenn auch etwas teurer. In der Regel bekommt man einen Stellplatz ab ca. 200 NAD
(10 CHF) pro Person, im Durchschnitt für 250 NAD. Oft werden Stellplätze mit privatem WC/Dusche und Stromanschluss angeboten, wobei auch diese Plätze nicht zwingend teuer sein müssen. Übermässig
teuer sind in erster Linie die Campingplätze in den beliebten Nationalparks, wenn auch ohne entsprechenden Gegenwert (namentlich Etosha und Sossousvlei), man bezahlt vor allem für die
Lage. Trotzdem sind diese oft lange im Voraus ausgebucht.
Wildcampen ist grundsätzlich verboten in Namibia. In der Regel ist es ohnehin schwierig, wild zu campen, sei es, weil meist beidseitig der Strassen Zäune stehen oder aber abgehende, kleine Pisten zwangsläufig auf Privatgrund führen. In den Wüstenregionen des Nordens ist es eher möglich, ein passendes Buschcamp zu finden und in abgelegenen Regionen wie im Kaokoveld sogar oft die einzige Möglichkeit überhaupt zu campen.
Um Camping Optionen zu finden ist die iOverlander App am besten geeignet
Nationalparks
Die Eintrittsgebühren sind unterschiedlich, abhängig vom Park, welchen man besucht. Insbesondere Sossousvlei und Etoscha sind mit etwa 30 CHF pro Person und Tag ziemlich teuer. Übernachtet man im Park, muss der Eintritt für zwei Tage bezahlt werden, unabhängig davon wann man ein- und ausreist.
Telefon und Internet
Am kostengünstigsten ist es, eine lokale SIM-Karte zu besorgen. Eine solche kann man fast überall leicht erstehen und einrichten. Alternativ kann auch eine
internationale eSIM dienen. Der Vorteil ist, dass diese bereits im Vorfeld online gekauft werden kann. Je nach Anbieter kann die eSIM für mehrere Länder verwendet werden. Die Kosten
dafür sind sicher höher, aber immer noch günstiger als Roaming mit der Heim-SIM. Da die Abdeckung mit schnellem Internet auf grössere Ortschaften beschränkt ist, kann man sich leider oft
nicht auf eine vernünftige Verbindung verlassen. Das heisst zwangsläufig auch, dass man grosse Datenvolumen in der Regel gar nicht aufbrauchen kann. Wir hatten 25 GB für 30 Tage
gekauft und davon schliesslich nicht mal 10 GB verwenden können. Nächtigt man vorwiegend in grösseren Orten, mag das anders sein, da dort mit einem vernünftigen Netz gerechnet werden kann.
In Namibia funktioniert übrigens Starlink NICHT (Stand 2025).
Treibstoff
Tankstellen sind in bewohnten Regionen meist in kurzen Abständen zu finden. Im Nordwesten Namibias hingegen sind Tankstellen dünn gesät. Für einen Abstecher an den Kunene im Kaokoveld ist ein Treibstoffvorrat für etwa 1000 km erforderlich. Zudem muss man bedenken, dass der Verbrauch, vor allem bei Benzinautos, markant höher sein wird als auf Teerstrassen. Diesel und Benzin sind in der Regel verfügbar, Diesel (ca. 1.10 CHF im 2025) ist etwas teurer als Benzin, die Preise sind staatlich festgelegt, sodass es keine Rolle spielt, wo man tankt.
Lebensmittel
In jeder Ortschaft mit über ein paar Tausend Einwohnern finden sich oft mehrere Supermärkte. Die verbreitetsten sind: SPAR, Shoprite, Choppies, Checkers. Das Warenangebot passt sich der jeweiligen Umgebung an. Je nach Kaufkraft der Bewohner sind eher kostengünstige Lebensmittel, oft in Grosspackungen verfügbar. Teurere Fleischstücke, Milchprodukte, Brot und Aufschnitt (Schinken, Salami, etc.) sind, wenn überhaupt, nur wenige im Angebot. Brot ist vorwiegend als Industrie „Schaumstoffbrot“ erhältlich, auch wenn eine Hausbäckerei vorhanden ist, sind „europäische Brotsorten“ kaum zu erwarten. In den „deutschen Städten“ wie Walvis Bay, Swakopmund und Windhoek, ist es kein Problem, typisch deutsche Lebensmittel (Brot, Wurst und Käse) im Supermarkt zu finden. Auf dem Land, in kleinen Dörfern, ist es hingegen schwierig, ein grösseres Sortiment zu finden, dies betrifft vor allem das Angebot an Frischwaren. Im Kaokoveld war es sogar fast unmöglich, auch nur Eier zu kaufen, Frischfleisch, Früchte und Gemüse gab es praktisch gar nicht.

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Catherine (Montag, 29 September 2025 20:12)
Vielen herzlichen Dank für euren Reise Bericht und die tollen Fotos.
Liebe Grüsse Catherine
Phil (Dienstag, 11 November 2025 20:25)
What a great journal! Lots of description, pictures, & little anecdotes. You must spend hours writing. What did surprise me was how quickly you could get a mechanic & parts. There is no deaerator in the fuel-line, only a water filter. I can imagine a low fuel level, steep inclines, heat, & bouncing around could suck in vapour bubbles. Keep going, taking beautiful pictures, & keep writing