Iberische Halbinsel

Wir wollten dem Frühling etwas zuvor kommen und hatten kurzfristig eine kurze Reise in den Süden, genauer Richtung iberische Halbinsel, geplant. In den ersten Tagen ging die Rechnung dann auch auf, auch wenn es meist kühl, nachts sogar empfindlich kalt wurde. Dann aber schlug das Wetter um und die sonnigen Tage wurden rar. Wegen der kühlen, oft auch regnerischen Witterung, machten wir weniger Ruhetage, unternahmen weniger Aktivitäten und auch die Tagesetappen waren eher länger als üblich.

Nichts desto trotz genossen wir es, im Landesinnern der iberischen Halbinsel meist allein unterwegs zu sein. Nur an den touristischen Hotspots wimmelte es auch in der Nebensaison schon von Besuchern. Campingplätze waren ausser in Städten und an der Küste zwar meist noch geschlossen, aber Buschcamps waren ohne Probleme zu finden.

Durch den Jura

Da wir ja keinen Zeitdruck hatten wollten wir Autobahnen grundsätzlich vermeiden und auf kleinen Landstrassen durch schöne Landschaften gondeln. Da bedeutete zwar, mehr Stunden im Auto sitzen und für den Fahrer war es oft auch etwas anstrengend, aber dafür wurden wir belohnt mit kaum Verkehr und vielen netten Überraschungen, hübsche Dörfer, eindrückliche Schluchten und vieles mehr.

Wir verliessen die Schweiz durch den welschen Jura, durchs Val de Travers. In Pontarlier machten wir einen Zwischenhalt um uns mit Lebensmitteln zu versorgen. Auch wenn wir dort in einem Supermarkt einkauften, bot dieser eine Menge regionaler Spezialitäten und der französische Jura hat in dieser Beziehung einiges zu bieten.

Ein kurzer Abstecher brachte uns zur Quelle der Loue. Nach einem Spaziergang vom Parkplatz aus erreicht man eine Felswand aus welcher eine unglaubliche Menge klares Wasser entspringt. In den umliegenden Wäldern sahen wir die ersten Narzissen blühen und auch die Wiesen zeigten erstes, zartes Grün. Einen ruhigen Übernachtungsort fanden wir bei einem Aussichtspunkt hoch über dem Ort Ornans.

 

Bevor wir anderntags weiterzogen, fuhren wir nochmals zurück nach Ornans hinunter und schlenderten durch den hübschen Ort. Das Städtchen liegt an der unterdessen schon recht stattlich angewachsenen Loue, und weil das Tal so eng ist, sind die Häuser bis ganz ans Ufer gebaut, zum Teil gar auf Stelzen.

Salines Royal

Nicht weit entfernt findet man die Salines Royal, einer eleganten Anlage in welcher zu früherer Zeit Salz abgebaut worden war. Schon in der Römerzeit war in der Gegend Salz aus Solequellen abgebaut worden. Die hufeisenförmig angelegten Gebäude sind ein UNSESCO Weltkulturerbe und beeindrucken mit ihrer ungewöhnlich aufwändigen Architektur. Die Anlage wurde im 18. Jahrhundert vom Architekten Ledoux geplant und gebaut. Da die Verarbeitung durch verdampfen sehr viel Holz benötigt wurde, wurde die Sole in Leitungen herangeführt und die Wälder drum herum nach und nach abgeholzt. Bis 1895 wurde Salz erzeugt, dann aber eingestellt, da nach dem Fallen des Salzmonopols die Anlage nicht mehr rentabel betrieben werden konnte. Heute befindet sich neben einem Museum über das Schaffen des Architekten auch eines über den Salzabbau. Zudem kann man im angegliederten Hotel auch übernachten.

Arbois und das Tal des Ain

Arbois ist ein bedeutendes Städtchen der Region, vor allem bekannt für seine Weingüter. Auch wenn der Jura vielleicht nicht eines der grossen Weinanbaugebiete Frankreichs ist, werden gute Weine produziert. Auch die Altstadt ist durchaus sehenswert. Unter anderem steht auch ein Denkmal von Louis Pasteur in einem kleinen Park. Dieser hatte nicht nur den Prozess des Pasteurisierens erfunden, sondern auch den Gärprozess des Weins geprägt. In Dole, nicht so weit entfernt, geboren, hat er viele Lebensjahre in Arbois verbracht.

 

Am Fluss Ain entlang und dann wieder durch die hüglige Landschaft mit seinen Dörfern, welche durchwegs aus schmucken Steinhäusern bestehen, ging es weiter südwärts. An einem ruhigen See fanden wir einen sonnigen Stellplatz. Einzig ein paar Sportler und Hundebesitzen kamen vorbei, am Abend waren wir dann aber für uns allein.

Marché Croix Rousse in Lyon 

Um möglichst einfach in die grosse Stadt Lyon zu gelangen, nutzen wir die Autobahn um den hektischen Stadtverkehr zu vermeiden. Ganz in der Nähe des anvisierten Marché Croix Rousse fanden wir einen Parkplatz und spazieren bald darauf über den morgendlichen Markt. Hier wurden vor allem Produkte aus der Region angeboten, sei es die bekannte Charcuterie von Lyon oder das Gemüse aus dem nahen Rhone Tal. Auch wurden bereits die ersten Spargeln und Erdbeeren aus der Provence angeboten, wir konnten nicht widerstehen. Wir deckten uns mit Lebensmitteln ein und fuhren bald wieder weiter.

Durch die Ardeche zur Tarn Schlucht

Erst folgten wir noch dem Rhone Tal, bogen dann aber bei Annonay in die westlich gelegenen Bergregionen ab. Einmal auf dem Hochplateau angelangt, öffnet sich die Landschaft und die Strassen liessen ein flottes Tempo zu. In Rosieres parkten wir im Dorfzentrum und unternahmen eine kleine Wanderung. Diese führte entlang einer stillgelegten Bahnlinie zu einem kleinen Erosionsgebiet. Dieses wird vom Tourismusbüro als das Colorado Frankreichs angepriesen, aber aus unserer Sicht ist das wohl etwas hoch gegriffen. Nun, für uns war es vor allem eine Gelegenheit uns die Füsse zu vertreten.
Am Stausee von Naussac fanden wir einen sch
önen Stellplatz am Seeufer. Es war zwar auf Grund der Höhenlage und dem Wind recht kühl, aber wir genossen die letzten Sonnenstrahlen und einen eindrücklichen Sonnenuntergang.

Wir behielten unseren Kurs Süd bei und gelangten in die Region der Tarn Schlucht. In Florac herrschte schon ziemlich ein Rummel wohl nicht zuletzt da Wochenende war. Im netten Städtchen sassen die Besucher auf den Trottoirs in den gemütlichen Restaurants an der Sonne und genossen das milde Wetter. Wir folgten dem Laufe des Tarns und gelangten in den landschaftlich eindrücklichsten Teil der Schlucht. Sainte Enemie mit seinen engen Gassen und der eindrücklichen Brücke über der Tarn luden zu einem weiteren Halt. Später fanden wir einen ruhigen Stellplatz direkt am Fluss gelegen, nicht einfach zu finden, in diesem engen Tal wo neben Fluss und Strasse kaum Platz bleibt.

Wo der Roquefort Käse her kommt

Unter dem imposanten Autobahnviadukt bei Millau vorbei gelangten wir nach Roquefort-sur-Soulzon. Den Ort kennen wohl nur wenige, aber dafür ist der dort produzierte Blauschimmelkäse weltweit berühmt. Bei Sociéte konnten wir eine Besichtigung machen, welche uns in die tief im Fels gelegenen Kavernen führte. Zehntausende der Käselaibe liegen nach dem Impfen mit dem Schimmelpilz einige Wochen bis sie dann im Kühlhaus auf die Vermarktung warten. Die Mythologie und die über 1000 jährige Geschichte des Käses wurde uns erklärt, so zum Beispiel dass nur Produkte aus dem Ort selber den Namen Roquefort tragen dürfen. Die Felswand oberhalb des schmucken Ortes ist dann auch wie ein Schweizer Käse gelöchert und bietet Platz für die gesamte Produktionsmenge von etwa 1800 t pro Jahr. Die Saison selber ist allerdings recht kurz und dauert nur gerade von April bis September da nur dann die Schafe gemelkt werden können. Eine Degustation zeigte auf, dass nicht nur der weitverbreitete, grünverpackte Käse produziert wird. Leider waren die angebotenen Stücke zu gross für unseren kleinen Kühlschrank und so verpassten wir die Möglichkeit eine der noch besseren Käsearten zu kaufen.

Costa Brava

Wir fuhren ausnahmsweise auf die Autobahn, um die spanische Grenze zu erreichen, denn auf Grund des heftigen Windes wäre eine Übernachtung an der südfranzösischen Küste wohl sehr unangenehm verlaufen. Durch Uelis Ortskenntnisse und mit Hilfe von park4night fanden wir einen herrlichen Übernachtungsplatz hoch über der Ebene von Figueres. Die Aussicht auf die Bucht von Roses und die Pyrenäen war eindrücklich. Allerdings blies auch auf der meerabgewandten Seite des Berges der berüchtigte Tramontana heftig. Der Wind rüttelte an unserem Auto und draussen Kochen war schlicht unmöglich. Der Sonnenuntergang entschädigte aber teilweise für.

Da wir ganz in der Nähe übernachtet hatten, besuchten wir das Kloster San Pere de Rodes. Die mächtige Anlage war zu früher Stunde noch geschlossen so dass wie sie nur von aussen besichtigen konnten. Auch die Aussicht auf das an der Küste unterhalb gelegene El Port de la Selva ist grandios. Den kleinen Ort besichtigten wir auf einem kurzen Spaziergang, aber der starke Wind trieb uns bald wieder in den Schutz des Campers zurück. Auch die Fahrt hinaus zum Cap Creus, dem östlichsten Punkt von Spaniens Festland, war vom Tramontana geprägt. Draussen, dem Wind ausgesetzt verschlug es einem den Atem, schon fast patagonische Verhältnisse.

Wir entschlossen uns, der Küste den Rücken zu kehren und uns den Pyrenäen entlang ins Landesinnere zu flüchten. Tatsächlich liess der Wind mehr und mehr nach und die Wetterbedingungen wurden angenehmer. Wir machten einen Versuch ein Stück des TET (Trans Euro Trail), einem Projekt ganz Europa auf Nebenstrassen und Pisten zu erkunden, zu fahren. Leider wurde uns der Einstieg durch Verbotsschilder verwehrt. Auch in Spanien wird es offenbar immer schwieriger legale Off-Road Strecken zu finden.

Naturpark San Llorenc

Nach einer wiederum kalten Nacht machten wir uns auf den Naturpark San Llorenc zu Fuss zu erkunden. Vom Besucherzentrum am Coll dEstenalles aus wanderten wir zum Kloster San Llorenc, eine sehr lohnenswerte und abwechslungsreiche Route. Vorbei an kahlen Felskuppen, durch herrliche Steineichenwälder und zuletzt steil hoch zum Kloster verlief der Weg. Vom höchsten Punkt kann man bis an die Küste und nach Barcelona sehen. Nach einer Pause machten wir uns auf den Rückweg. Auch wenn dieser derselben Strecke folgt, ergaben sich neue Perspektiven und Aussichten. Da man im Naturpark nicht campieren darf, fuhren wir noch bis in die Nähe von Montserrat und richteten uns an einem Fluss, gut vor dem wieder stärkeren Wind geschützt, ein.

Kloster Montserrat

Da wir nur eine kurze Fahrt vor uns hatten erreichten wir das Kloster Montserrat schon vor dem grossen Besucherstrom. Die riesige Anlage ist einer der grossen Besuchermagnete Spaniens. Nicht weit von Barcelona und der Costa Brava gelegen zieht sie Millionen von Besuchern an. Seit seiner Gründung vor über 1000 Jahren wurde das Kloster immer wieder ausgebaut und vergrössert. Heute ist es vor allem eine Touristenattraktion, mit Herbergen, Hotelanlagen, Shops, Museen und vielem mehr. Zwei Bahnen führen auf den Berg, denn Parkplätze für die grossen Besucherzahlen hat es am Berg selber viel zu wenig. Die Aussicht hinunter ins Tal ist eindrücklich und es gibt auch einige Wandermöglichkeiten. Zurück bei unserem Auto hatte sich der Parkplatz schon merklich gefüllt und über ein Dutzend Reisebusse hatten ihre Ladung ausgespuckt, Zeit für uns weiterzuziehen.

Durch das spanische Hinterland

Auf der Weiterreise durch das zentrale Spanien wurden wir immer wieder von der Vielfalt von Landschaften überrascht. Insbesondere die vielen kleinen Gebirgsregionen, einige gut über 2000 m hoch, passen irgendwie nicht so recht ins typische Clichée Spaniens. Spannend war auch zu beobachten wie der Wachstumsfortschritt der Flora sich immer wieder änderte. Sehr gut liess sich das an den Traubenstöcken erkennen. Von, noch nicht beschnitten, über kahl bis schon zu weit entwickeltem Blattwerk war jedes Stadion vorhanden.
Auch wenn diese Gegend von Touristen nicht stark frequentiert wird, ist das Finden von lohnenswerten Sehensw
ürdigkeiten auch per Zufall kein Problem, obschon die ganz grossen Highlights natürlich fehlen. Umso einfacher ist es aber auch einsame und schöne Übernachtungsmöglichkeiten in freier Natur zu entdecken.

Teruel

Teruel, unser nächster Halt, beeindruckt vor allem durch seine maurisch beeinflusste Architektur. Stadttürme mit Mosaiken und reichhaltigen Steinverzierungen sind Zeugnis der ehemaligen Besetzung durch die Mauren. Aber auch sonst ist es wiederum ein sehr gut erhaltenes Stadtzentrum voller Leben.

Das Bergdorf Albarracin

Nur eine knappe Fahrstunde weiter noch ein Höhepunkt, das kleine aber feine Städtchen Albarracin. Wiederum hoch über dem Tal kleben die alten Steinhäuser. Die Gassen sind eng und daher meist auch verkehrsfrei. Wir durchquerten das landschaftlich sehr schöne Gebirge der Serrania de Cuenca und da wir wegen der nachts zu erwartenden Kälte nicht allzu hoch oben übernachten wollten, fuhren wir in etwas tiefere Lagen gelangten. Unser Camp am Stausee von Toba war immer noch gut über 1000 müM aber wir haben ja eine Dieselstandheizung an Bord.

Die Steinformationen von Ciudad Encantada

Noch bevor die Kasse öffnete erreichten wir am andern Morgen die Ciudad Encantada, einem Gelände, welches interessante Steinformationen beherbergt. So wanderten wir erst mal zu einem nahen Aussichtspunkt und wurden mit einer Aussicht über das eben durchfahrene Tal belohnt.
Danach spazierten wir durch die eindr
ücklichen Formationen. Aber nicht nur diese sondern auch die vielen Pflanzen waren durchaus interessant.

Cuenca

Die Besichtigung der Altstadt von Cuenca erwies sich wieder einmal mehr als Herausforderung bis wir endlich einen Parkplatz für unser Gefährt gefunden hatten. Nicht dass es keine Parkmöglichkeiten gäbe, aber meist sind es halt Parkhäuser mit Höhenbeschränkungen, dabei ist unser Auto weder sehr hoch noch lang.
Nun, schliesslich fanden wir etwas direkt oberhalb der Altstadt. Zu Fuss erkundeten wir die engen Gassen, genossen die Tiefblicke und erfreuten uns an den ber
ühmten hängenden Häusern. Diese sind über die Felskante hinausgebaut, da es einfach zu wenig Baufläche gegeben hatte. Das auf einem Felsrücken gebaute ehemalige Kloster San Pablo ist heute eines der historischen Hotels und von der Altstadt her über eine Stahlbrücke erreichbar.

Durch das Land von Don Quichote

Die weitere Stecke führte uns in Richtung La Mancha. Diese Gegend ist berühmt durch die Geschichte von Don Quichote und Sancho Pansa. Die Windmühlen welche die beiden angeblich bekämpft haben sollen, kann man in Moto del Cuevo noch heute besichtigen. Leider war wieder einmal Siesta und das Museum war deshalb geschlossen. Dasselbe war uns schon zuvor in Belmonte passiert, wo wir deswegen das mächtige Schloss auch nur von aussen besichtigen konnten. In weiten Teilen Spaniens wird die Siesta auch in den kühlen Monaten konsequent eingehalten, das bedeutet das fast alles von etwa 13 bis 17 Uhr geschlossen ist. Insbesondere den Einkauf von Lebensmitteln mussten wir deshalb frühzeitig tätigen, da wir unsere Übernachtungsplätze in der Regel noch während der Siesta anfuhren und Geschäfte in der Nähe dieser kaum zu finden waren.

Die Landschaft war nun topfeben und grosse Gebiete waren dem Weinanbau gewidmet. Speziell ist in der Mancha wie die Reben dort wachsen. Traditionell sind die Rebstöcke sehr kurz geschnitten und die Zweige breiten sind beim Austrieb dem Boden entlangliegend aus. Das geht vermutlich nur deshalb, weil das Klima sehr trocken ist. Die Ernte muss aber recht mühsam sein, da die Trauben ja dann auch auf dem Boden liegen.

Die Lagunas de Ruidera

Wir waren überrascht, in Mitten dieser riesigen Ebene ein Tal anzutreffen in welchem mehrere Seen auf Stufen angeordnet sind, die Lagunas de Ruidera. Da es dort zwei offene Campingplätze gab, sind wir mehr zufällig dort gelandet, ansonsten ist es in der Gegend schwierig einen Stellplatz zu finden. Auch wenn das Wetter anderntags alles andere als freundlich war, konnten wir am Nachmittag eine kurze Wanderung fast trocken geniessen. Eigentlich wollten wir die Laguna la Lengua vom Campingplatz her umrunden, mussten dann aber feststellen dass der Wanderweg, entgegen der Karte, nicht durchgehend ist. So kehrten wir am unteren Ende des Sees auf demselben Weg zurück.

Durch das nördliche Andalusien

Um der monotonen Landschaft zu entwischen, bogen wir bei Puente de Génave in die Berge ab. Entlang eines langen Stausees windet sich die Strasse durch dichtbewaldete Berge. Aus dem tiefen Tal hinaus gelangten wir in die Gegend von Cazorla und von dort aus durchfuhren wir endlose Olivenhaine. Die Gegend scheint optimal für diese Produkte geeignet zu sein. Kein Wunder ist Spanien der mit riesigem Abstand der weltweit grösste Produzent von Olivenöl. Das Wetter war nach wie vor wechselhaft, so dass wir die Tagesetappe zusehends verlängerten. Am Ende landeten wir am Eingang zum Naturpark Sierra Magina. Dort übernachteten wir bei einem Picknick Platz. Am Morgen hatte das regnerische Wetter aufgeklart und wir beschlossen vor der Weiterfahrt eine Wanderung zu unternehmen. Dem Tal entlang gingen wir flussaufwärts und erklommen dann den westlichen Bergrücken. Oben angekommen genossen wir bald weite Ausblicke über die Umgebung und wanderten durch ausgedehnte Olivenplantagen zurück zum Auto. Wir hatten erfahren, dass wir den Naturpark auf einer kleinen Bergpiste durchfahren können. Die Gelegenheit packten wir und vertrauten unserm Navi. Bald merkten wir aber, dass die meisten Pisten, auch die Hauptpiste, gar nicht auf der Karte eingetragen war. So fuhren wir halt nach Gefühl und der meistgenutzten Strecke entlang. Bis auf über 1500 m hoch windet sich die Strecke und tief hinunter ging es wieder. Über der Baumgrenze konnten wir eine grosse Gruppe Gämse ähnlicher Tiere beobachten. Am Ende verliessen wir das Naturschutzgebiet an einer Ecke welche wir so nicht geplant gehabt hatten, wir hatten das Gebiet in seiner ganzen Länge durchfahren und kein anderes Fahrzeug begegnet.

Granada

Um nach Granada hineinzugelangen nutzten wir wieder einmal ein paar Kilometer Autobahn, einfach um dem hektischen Stadtverkehr möglichst auszuweichen. Auf den letzten Kilometern tauchte unvermittelt ein lautes, mechanisches Geräusch im Bereich des rechten Vorderrades auf. Erst verschwand es auch bald wieder, wurde schliesslich aber immer schlimmer ohne dass wir die Ursache ermitteln konnten. Im Stadtcamping angekommen erkundigten wir uns nach einem Mechaniker in der Nähe. Dieser kam auch gleich zu uns in den Campingplatz, konnte aber auf die schnelle nichts finden. Wir beschlossen am anderen Tag zusammen eine Probefahrt zu machen. Wie das Leben aber so spielt, war das Geräusch verschwunden und tauchte auch nicht wieder auf. Damit er seine Zeit nicht ganz unbelohnt geopfert hatte, liessen wir bei ihm den fälligen Ölwechsel machen.

Wir fuhren noch hoch zur Alhambra um zu schauen, ob wir nicht doch noch Eintrittskarten für die Besichtigung ergattern konnten, aber Fehlanzeige. Die limitierten Eintritte waren auf Wochen hinaus ausgebucht. So blieb uns nur die Altstadt und das Quartier Albaicin zu besuchen. Der Bus brachte uns bis vor die mächtige Kathedrale. Von dort aus spazierten wir dem Rio Darro entlang zum Fuss des Albaicin Quartiers. Durch enge Gassen stiegen wir hoch zum Aussichtspunkt San Nicolas. Von dort geniesst man eine umfassende Aussicht auf die Alhambra und die schneebedeckte Sierra Nevada dahinter. Auf einem sonnigen Platz genossen wir einen Drink bevor wir wieder ins Stadtzentrum hinunter gingen. Wir schlenderten noch durch die marokkanisch angehauchten Gassen um die Calle Elvira wo man tatsächlich den Eindruck gewinnt in einer Stadt Marokkos zu sein. Die vielen kleinen Läden und Restaurants sind fest in  marokkanischer Hand.

Auf nach Ronda

Nach zwei sonnigen Tagen kippte das Wetter wieder und es war kalt und regnerisch!!! Es dauerte eine ganze Weile bis wir die dichtbesiedelte Region Granadas hinter uns liessen und wiederum durch Oliven- und Weinanbaugebiete fuhren. Am Nachmittag klarte das Wetter etwas aus und wir suchten uns einen Platz zum Übernachten am Guadalhorce Stausee. Beim Versuch zu einem Stellplatz am See zu gelangen rutschen wir auf der nassen, lehmigen Piste wie ein Schlitten hinunter. Nur dank unserem Allradantrieb gelang es uns mit viel Schwung wieder zur Strasse hochzukommen. Die Erdbrocken flogen in alle Richtungen und wir hinterliessen breite Schmutzspuren auf der Fahrbahn, Glück gehabt. Schliesslich wurden wir aber doch noch fündig uns fanden einen windgeschützten Platz mit schöner Aussicht über den See.

Wir erreichten Ronda nach einer kurzen Fahrt. Auf dem Weg vom Parkplatz zur Altstadt wurden wir einmal mehr von einem heftigen Regenguss überrascht. In einer Bar suchten wir Zuflucht und warteten den kurzen Schauer ab. Als erstes besuchten wir die älteste Stierkampfarena Spaniens. In den Katakomben sind viele der prächtigen Torero Kostüme ausgestellt und man erfährt einiges über die legendären Stierkämpfer des Landes. Danach spazierten wir über die mächtige Brücke, welche die Schlucht zwischen den beiden Stadtteilen überspannt, in den älteren Teil der Stadt. Wir waren überrascht wie viele Besucher trotz des misslichen Wetters den Weg nach Ronda gefunden hatten.
Durch die Berge s
üdlich von Ronda fuhren wir Richtung Küste weiter. Kleine Dörfer kleben an den steilen Berghängen, tiefe Täler und wolkenverhangene Berge säumten die Strecke.

Die britische Exklave Gibraltar

Unser Ziel war Gibraltar, aber einiger Kilometer ausserhalb kam das bekannte Geräusch am Vorderrad wieder, diesmal gar stärker und bleibend. Nachdem Ueli die Freilaufnabe zugeschaltet hatte war Ruhe, aber irgendetwas schien nicht in Ordnung zu sein. Unsere Hoffnung war, Gibraltar ohne Folgeschäden zu erreichen, denn die dortige Toyota Vertretung liefert tausende Landcruiser an die UN, das Rote Kreuz und andere NGOs weltweit und ist bekannt für ihre Fachkompetenz bezüglich unseres Modells. Nur war Wochenende und wir mussten so oder so bis Montag abwarten. Wir richteten uns am Wohnmobilstellplatz am Jachthafen von La Linea ein denn in Gibraltar selber gibt es kaum Übernachtungsmöglichkeiten.
Am Sonntag machten wir einen Ausflug zur S
üdspitze der Halbinsel. Quer über die Landepiste des Flughafens gelangten wir zur britischen Exklave. Beim Leuchtturm tobte einmal mehr ein heftiger Wind und machte den Aufenthalt unangenehm. Wie an vielen Stellen sind auch hier alte Geschützstellungen zu sehen, welche aufzeigen, dass die von den Briten erlangte Herrschaft über diese an und für sich wertlose Halbinsel schwer verteidigt werden musste. Der strategische Vorteil die Meerenge von Gibraltar zu beherrschen schien den Preis wert gewesen zu sein.
Wir fuhren zum Naturpark hoch um den Felsen von Gibraltar zu
erwandern. Alternativ kann man nur mit einem Taxi oder einer gebuchten Tour hochfahren. Eine interessante und spezielle Vegetation hat sich am windumtobten Felsen eingenistet und die wohl bekannteste Sehenswürdigkeit sind die wildlebenden Berberaffen. So richtig wild sind sie zwar nicht mehr denn sie haben sich fast zu sehr an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt. Nach einem schweisstreibenden Anstieg über eine Treppe erreichten wir den Grat des Berges. Dies eröffnete uns eine umfassende Aussicht über die Stadt und bis hinüber zum nahen Marokko. Wir hatten Glück gehabt mit dem Regen, denn erst als wir schon wieder im Auto sassen, begann es erneut zu regnen. Eigentlich hatten wir noch geplant die Altstadt Gibraltars zu erkunden, aber die Suche nach einer Parkmöglichkeit blieb erfolglos.
Am Montagmorgen fuhren wir wie geplant nochmal zur
ück nach Gibraltar um bei Toyota vorzusprechen nur um festzustellen, dass sie keine Reparaturwerkstatt betreiben. Aber der Spezialist vom technischen Telefonsupport nahm sich unser an und nachdem Ueli ihm die Symptome geschildert hatte, gab er Entwarnung. Das töne danach als sei die Freilaufnabe etwas zu wenig leichtgängig. Ausbauen, zerlegen und neu fetten sollte das Problem lösen, kaputtgehen könne auf jeden Fall nichts. Entwarnung also und Erleichterung.

Die Andalusische Südküste

Der Südküste entlang fuhren wir nach Cadiz und machten dort einen kleinen Spaziergang durch die schöne Altstadt. Auf einer Halbinsel gelegen und von einer eindrücklichen Stadtmauer umschlossen liegt der alte Stadtteil. Um die Kathedrale war man daran Tribünen für die kommenden Osterprozessionen aufzubauen. Ein Kreuzfahrtschiff war vor Anker und seine Passagiere belagerten die Stadt. So herrschte ein grosses Gedränge und die Restaurants waren gestossen voll.
Wir fuhren durch die fruchtbaren Ebenen und gelangten schliesslich nach Sanlucar de Barrameda. Die Stadt liegt am Rio Gadalquivir, kurz bevor sich dieser ins Meer ergiesst. In einer Dokumentationssendung hatten wir von dem Ort geh
ört und insbesondere auch von einem guten Fischrestaurant. Dort nahmen wir dann auch ein spätes Mittagessen ein und wurden nicht enttäuscht. Der Kellner hatte einen kompletten Fisch für uns beide empfohlen und es stellte sich als sehr gute Wahl heraus. Danach liessen wir uns auch noch eine Garage in der Nähe empfehlen. Wir fuhren hin um zu schauen ob man für uns Zeit hat. Wir konnten am nächsten morgen früh einen Termin vereinbaren um das Problem an der Nabe zu lösen. Gleichzeitig würde man auch noch das überfällige Abschmieren und das routinemässige Rotieren der Räder übernehmen.

Sevilla

Unser nächstes Ziel war Sevilla, einem weiteren Höhepunkt andalusischen Städtebaus. Wir parkten das Auto erstmal auf einem nahen Stellplatz, zwar alles andere als schön aber praktisch gelegen für uns. Mit dem Bus fuhren wir ins Zentrum und informierten uns erstmal beim Touristenbüro. Die Besichtigung des Alcazars erwies sich aufgrund der Besuchermassen als schwierig. Auf Tip an der Info gingen wir in ein nahes Restaurant und buchten unsere Eintritte Online für ein Zeitfenster nur ein Stunde später. Dadurch ersparten wir uns, in der gut zweihundert Meter langen Schlange anzustehen. So konnten wir gemütlich einen Bummel durch das attraktive Quartier Santa Cruz zu unternehmen. In den engen Gassen findet man unzählige nette Bars und Restaurants, kleine Läden und Souvenirshops, halt alles was der Besucher sich so wünscht Wir besorgten uns bei der Gelegenheit auch gleich Tickets für eine Flamenco Show, auch eines der Dinge die man erleben sollte wenn man schon mal hier ist
Ein paar Minuten vor der Zeit reihten wir uns vor dem Eingang zum Alcazar ein und konnten bald darauf eintreten. Diese maurische Palastanlage entsch
ädigte uns etwas für den verpassten Besuch der Alhambra in Granada. Prächtige Säle flächendeckend ausgeschmückt mit Mosaiken, Schnitzereien und Stuckaturen, schöne Innenhöfe mit Wasserspielen und nicht zuletzt die grosszügigen  Parkanlagen waren ein wirklich einzigartiges Erlebnis. Nicht nur maurische Elemente gab es zu bestaunen, denn nachdem die Araber wieder vertrieben worden waren, nutzten die Spanier die Anlage und bauten sie auch immer weiter in ihrem Stil aus.

Da wir uns in den unübersichtlichen Gassen noch verliefen, kamen wir gerade noch rechtzeitig zum Casa de las Guitaras wo die Tanzvorführung stattfand. Im kleinen Keller haben nur gerade etwa 30 Besucher Platz. Die Künstler bestanden aus einem Gitarristen, einem Sänger und einer Flamencotänzerin. Wir wurden in die Kultur dieser andalusischen Tradition eingeführt und bekamen einen Querschnitt der verschiedenen Stile zu sehen. Es war eindrücklich zu sehen wie viel Kraft und Emotion in den  Darbietungen enthalten waren und das kam auch recht gut herüber,
Anschliessend assen wir in einem nahen Restaurant und es war gut dass wir am Nachmittag einen Tisch reserviert hatten, denn die Tische waren gut besetzt und sp
äter mussten Gäste gar abgewiesen werden. Das Essen war gut und der Kellner witzig und kompetent. Alles in allem ein ausgefüllter und interessanter Tag in Sevilla.

Der Süden Portugals

Die Fahrt bis zur portugiesischen Grenze war ereignislos und unspektakulär. Auch die Fahrt der Küste entlang stellte sich als wenig spannend heraus, nicht zuletzt weil die Strasse nie in Sichtweite der Küste verläuft. Weiter im Landesinnern war die Landschaft hügelig und das Grün des Frühlings allgegenwärtig. Überall spross und blühte es.
In Albufeira machten wir einen Zwischenhalt und waren
überrascht von den vielen Touristen, meist Engländern wie wir hörten. Die Algarve Küste entpuppte sich als ein riesiges Feriendorf, kilometerlang fährt man durch Ferienhaussiedlungen und Appartementanlagen. Von der Küste sieht man kaum etwas und wenn ist auch die weitgehen zugebaut.
Trotzdem fanden wir einen herrlichen Stellplatz im Gr
ünen unmittelbar über der Steilküste. Wir konnten Seevögel beobachten und an der Wasserlinie sehen wie die Ausflugsboote in die riesige Höhle einfuhren. Diese ist mit einem Blowhole verbunden, aber da die Brandung nur schwach war, konnten wir das Spektakel leider nicht beobachten.

 

Wir besuchten den südwestlichsten Punkt des Kontinents, das Cabo San Vicente mit seinem rotweissen Leuchtturm. Ganz in der Nähe ist ein Mekka der Wellenreiter welche sich weder vom kalten Atlantikwasser noch vom stürmischen Wind von ihrem Sport abhalten liessen. Bevor wir uns weiter nordwärts aufmachten besuchten wir die Festungsanlage von Sagres. Diese bietet architektonisch nicht sehr viel, hingegen ist die angrenzende Halbinsel mit seiner einzigartigen Vegetation sehenswert. 

Lissabon

Auch auf der Küstenstrasse nach Lissabon bekommt man das Meer leider nie zu sehen. Landwirtschaft und Korkeichenwälder sowie einige Hügel bieten die einzige Abwechslung. Wir überquerten den Rio Tajo auf der eindrücklichen, der Golden Gate Bridge nicht unähnlichen Hängebrücke und gelangten so nach Lissabon. Der Küste entlang fuhren wir zum westlichsten Punkt des europäischen Festlands, zum Cabo da Roca. Eine hohe Felsklippe mit einem weiteren Leuchtturm, eigentlich nichts herausragendes, aber eben der westlichste Punkt Europas zieht Besucher an. Sintra liessen wir aus, denn da wieder einmal Wochenende war, war die Stadt so verstopft dass kaum ein Durchkommen war geschweige denn Parkplätze frei waren. Wir fuhren deshalb direkt zum Stadtcamping in Lissabon und richteten uns dort ein.

Auch hier konnten wir das Auto stehen lassen und mit dem Bus direkt ins historische Zentrum fahren. Dabei wurde auch offensichtlich wie gross die Gegensätze zwischen reich und arm, schön und heruntergekommen sind. Das Zentrum ist bis auf ein paar renovationsbedürftige Gebäude schön herausgeputzt, aber nur ein paar Strassenzüge weiter offenbart sich, das Portugal zu den ärmeren Mitgliedsstaaten der EU gehört. Wir flanierten durch die Innenstadt und bewunderten die prachtvollen Paläste und Regierungsgebäude. In den Strassen herrschte emsiges Treiben, auch hier hatten gar mehrere Kreuzfahrer ihre Ladung ausgespukt. Wohl ein Segen für die vielen Restaurants und Geschäfte, eher ein wenig to much für uns Einzelreisende.

Die Extremadura

Unsere nächste Etappe führte uns zurück nach Spanien. Nach einem Grosseinkauf im Supermarkt überquerten wir die breite Bucht oberhalb Lissabons auf der kilometerlangen Vasco da Gama Brücke. Die Landschaft bot nicht viel Abwechslung bis kurz vor der Grenze wo wir die Serra de San Memede überquerten. Nach der flachen Landschaft boten die fast tausend Meter hohen Berge etwas Abwechslung. Wir fanden einen schönen Übernachtungsplatz an einem Fluss. Es war wieder einmal sonnig und warm, so dass wir die Natur auch geniessen konnten. In der direkten Umgebung gab es viel zu entdecken, denn der Frühling hatte auch hier Einzug gehalten.

Bei Alcantara wurden wir von einer eindrücklichen Römerbrücke überrascht. Das imposante Bauwerk ist seit  rund 2000 Jahren im Gebrauch und kann auch den heutigen Schwerverkehr bewältigen. Erstaunlich die Breite von fast 10 Metern wenn man bedenkt, dass beim Bau kaum mehr als Ochsenkarren unterwegs waren. Hoch über dem Tajo überspannt die Brücke die 180 m breite Schlucht.

Wir hatten von einem ortkundigen Freund den Tip bekommen, die Sierra de Francia zu besuchen. Das Gebirge liegt im Grenzgebiet zwischen den Provinzen Extremadura und Castilla y Leon. Besonders eindrücklich ist die Flusschlaufe des Rio Melero. Von einem Aussichtspunkt aus kann man den 180° Bogen gut einsehen. Wir fuhren anschliessend an den Fluss hinunter um dort an einem schöngelegenen Ort zu übernachten. In den Bergen überraschte uns das Bergdorf La Alberca mit seiner einzigartigen Architektur. Das lebendige Dorf beherbergt viele kleine Spezialitätenläden, wo man regionale Produkte kaufen kann. Durchwegs alle Gebäude sind gepflegt und sie werden nicht durch ein einziges modernes Gebäude gestört, schon fast wie im Freiluftmuseum Ballenberg.

Salamanca und Picos de Europa

Die Universitätsstadt Salamanca war unser nächstes Ziel. Die mächtigen Gebäude, die prunkvollen Kirchen und die breiten Gassen zeugen vom Reichtum dieser Stadt. Ganze Strassenzüge werden von schulischen Einrichtungen gesäumt, allesamt in alten, historischen Gebäuden.
Wir packten die Gelegenheit wieder g
ünstig zu Tanken und in einem grossen Supermarkt unsere Lebensmittelvorräte zu ergänzen. Bei der Gelegenheit trafen wir wieder einmal einen anderen Azalai Camper, mit seinen französischen Besitzern. Sie besassen das Auto erst seit kurzem und waren auf ihrer Jungfernfahrt Richtung Marokko.

Nach etwas herumirren, die GPS Karte war überhaupt nicht aktuell in dieser Gegend, fanden wir schliesslich den angepeilten Übernachtungsplatz, einmal mehr an einem der vielen Stauseen. Direkt über uns waren die Ruinen eines mittelalterlichen Kastells. Ein Spaziergang offenbarte, dass vor der mächtigen Anlage nicht mehr viel mehr als ein paar Mauerreste übrig geblieben sind.

Durch weiterhin eintönige, landwirtschaftlich genutzte Landschaft reisten wir unserem Tagesziel, den Picos de Europa entgegen. Das Gebirge liegt im Hinterland der nördlichen Atlantikküste und hat Berggipfel die bis über 2500 m hoch ragen. Nachdem wir einen ersten Pass im Vorgebirge überquert hatten gelangten wir an den Stausee von Riano. Von dort stieg die Strasse noch einmal auf 1500 m an um dann in den Talkessel von Posada de Valdeon hinunterzuführen. Auch hier war wieder interessant die Vegetation auf den unterschiedlichen Höhenlagen zu beobachten. Oben noch alles kahl, unten bereits saftige Wiesen und die ersten Frühlingsblumen. Eigentlich wären wir gerne noch einen Tag länger in der Region geblieben, denn es gibt unzählige Wandermöglichkeiten, aber am Morgen zeigte sich das Wetter einmal mehr regnerisch und die Wolken hingen tief hinunter. Die Aussichten für die folgenden Tage versprachen dann auch noch Schnee bis in tiefe Lagen
Die Fahrt an die Küste war dann entsprechend durchzogen auch wenn sich die Landschaft eindrücklich und abwechslungsreich zeigte. Aber eben, wenn alles nass und grau ist, wirkt auch eine schöne Umgebung oft etwas trostlos.

Im Baskenland

Erst in Bilbao machten wir einen kurzen Zwischenhalt um einen Blick auf das architektonisch einzigartige Guggenheim Museum zu werfen. Mit etwas Glück ergatterten wir einen Parkplatz nur einige Schritte entfernt. Das Museum wurde vom amerikanischen Architekten Gehry und wurde in nur vier Jahren gebaut. Die Gebäudehüllen bestehen aus über 33000 Titanblechteilen, wobei jedes eine einzigartige Form hat und weder flach noch rechtwinklig geformt ist, eine unglaublich komplexe Struktur und wohl auch ein Albtraum für die Baufirma. Das Ergebnis ist allerdings wirklich beeindruckend und auch die Umgebung ist stimmig mit einbezogen. Die Lage am Fluss, vor dem Hintergrund der historischen Altstadtgebäude ermöglicht ein weites, offenes Blickfeld, so dass der Besucher die Anlage von allen Seiten bewundern kann. Das Museum ist heute die wichtigste und bekannteste Sehenswürdigkeit der Region.

Der baskischen Küste entlang, nun häufiger direkt am Meer, gelangten wir nach San Sebastian, oder wie die Basken die Stadt nennen, nach Donostia. Auch hier wieder Jubel Trubel, noch immer genossen die Spanier die Semana Santa, die Osterwoche. Wir fuhren die schmale, kurvenreiche Strasse zum Monte Ideldo hoch obschon diese eigentlich für Wohnmobile gesperrt ist. Oben, wo man an der Barriere die Maut bezahlen soll, wurden wir aber dann doch zurückgeschickt. Offensichtlich werden auch am helllichten Tag grundsätzlich keine Fahrzeuge in welchen man auch schlafen kann toleriert. Nun denn, wenden und demselben Weg zurück. Die Aussicht auf die herrliche Bucht konnten wir aber trotzdem noch geniessen.
Auf kleinen Bergstrassen fuhren wir durch die s
üdlichen Vorgebire der Westpyrenäen. Kaum Verkehr und eine eindrücklich, dünnbesiedelte Landschaft war ein krasser Kontrast zu der nahen, hektischen Grossstadt. Mitten im Grünen auf über 1000 m gelegen fanden wir einen ruhigen Platz zu schlafen. Nun, so ruhig war es dann doch nicht, denn der nahe Bergbach rauschte unüberhörbar.

In den Pyenäen

Unser nächstes Ziel war der Ordesa Nationalpark, mitten in den Pyrenäen gelegen. Als wir Torla, das Eingangstor zum Park, erreichten war das Wetter noch recht sonnig und wir spazierten vom Campingplatz ins Dorf zurück um dieses etwas eingehender zu erkunden. Der Dorfkern zeigt sich einmal mehr gut erhalten und mit seinen engen Gassen recht gemütlich. Hier in den Bergen hatte es nicht massenhaft Besucher, die Campingbesitzerin hatte uns beim Einchecken bereits gesagt, dass es für die Spanier noch zu kalt sei.
Auch wenn sich der Himmel am anderen Morgen bedeckt zeigte, regnete es immerhin nicht. Wir marschierten ins Dorf zur
ück und bestiegen den (obligatorischen) Shuttlebus welcher die Besucher nach Pradero hochfährt. Von dort aus kann man weiter ins Hochtal hineinwandern und gelangt so zu verschiedenen Wasserfällen. Da sich das Wetter einigermassen hielt, entschlossen wir uns, nach Torla zurück zu wandern. Es entpuppte sich als gute Wahl denn die Route ist abwechslungsreich und führt meist dem Rio Arazas entlang. Nach Verlassen des Nationalparks führte der Weg dann hoch über dem Talgrund hinunter nach Torla.

Meist der Ruta National N-260 folgend fuhren wir weiter den spanischen Pyrenäen entlang. Die Landschaft blieb interessant und der Verkehr war leicht, sodass wir die Fahrt geniessen konnten. In La Seu dUrgell nutzten wir wieder einmal einen WoMo Stellplatz. Nicht wirklich etwas Attraktives zum Campen, aber in diesem Fall nahe am Ortszentrum, trotzdem ruhig und mit viel Platz. Wir machten einen Spaziergang ins Zentrum um festzustellen, dass auch Spanien offenbar den Ostermontag als Feiertag genoss. Daher waren ausser den Blumenläden quasi alle Geschäfte geschlossen und selbst Bars und Restaurants waren nicht geöffnet. So erschien uns die Stadt denn auch wie ausgestorben.

Wir hatten bewusst vermieden, am Osterwochenende nach Andorra hineinzufahren, denn schon an einem normalen Weekend ist dort die Verkehrshölle los. Grund dafür ist, dass sowohl die Spanier von Süden wie die Franzosen von Norden zum Einkaufen in den zollfreien Zwergstaat kommen. Da fast die ganzen Orte im Nord-Süd verlaufenden Haupt Tal liegen, wird es schon bei mässigen Besucherandrang schnell mal eng. Wir waren morgens früh dran und konnten so in aller Ruhe unsere Lebensmittel und Weinvorräte aufstocken und dann natürlich auch noch unsere Dieseltanks mit kostengünstigem Treibstoff füllen. Dieser ist dann auch nochmal ein paar Cents günstiger als in Spanien. Zudem hatten wir im Supermarkt noch einen 4% Gutschein erhalten. Dadurch konnten wir für etwa für CHF1.20 unsere Fässer füllen. Das Rivercenter bietet sich zum Einkaufen an, denn es hat ein riesen Angebot und eben auch eine günstige Tankstelle und sogar noch kostenlose Wohnmobilstellplätze. Da das Einkaufszentrum etwas ausserhalb liegt ist auch parken kein Problem.
Wir folgten dem Tal und stiegen immer h
öher hinauf bis wir auf 2500 müM den Pas de la Casa überschritten. Dies ist übrigens der höchste aller Pyrenänpässe und trotzdem ganzjährig offen. Um ein paar Minuten zu sparen hätten wir zudem den kostenpflichtigen Scheiteltunnel nutzen können, aber wir bevorzugten die Fahrt durch die nach wie vor tiefverschneiten Skigebiete. Vor der französisch-andorranischen Grenze bemerkten wir dann eine kilometerlange Autoschlange, alles Franzosen auf dem Weg ins Einkaufsparadies.

Südfrankreich

Nach und nach kam der Frühling zurück denn wir gelangten wieder fast auf Meereshöhe hinunter. Trotz stürmischem Wind machten wir einen Spaziergang durch Castelnaudry. Der kleine Ort liegt am Canal du Midi und ist ein bekannter Ausgangspunkt um diesen per Hausboot zu erkunden. Am Ortsrand liegt auch eine dreistufige Schleusenanlage um den Höhenunterschied ins Hafenbecken zu überwinden.

Auch in Montolieu machten wir noch einen kurzen Halt. Das kleine Dorf ist bekannt für seine unzähligen Buchläden, ein echtes Kuriosum in Anbetracht der ländlichen Lage und der unbedeutenden Grösse des Ortes. Auch schien uns, dass Engländer sich hier sehr wohlfühlen müssen, denn wir hörten allenthalben Bewohner in Englischer Sprache miteinander sprechen.

Nun waren wir definitiv in der grossen Ebene angelangt, welche die nördliche Begrenzung des Mittelmeers bildet. Wein soweit das Auge reicht, die bekannte Weinregion von Languedoc-Roussilon. Auf dem Weg nach Saintes Maries de la Mer wollten wir der Küste folgen. In Sete entpuppte sich das als grosser Fehler. Hier staute sich der Verkehr auf der Küstenstrasse und es ging kaum mehr voran. Nachdem wir eine halbe Stunde im Stau gestanden waren, umfuhren wir diesen mit Hilfe des GPS durch enge Wohnquartiere.

Wir erreichten unser Tagesziel schliesslich trotzdem schon am frühen Nachmittag. Wir stellten den Camper im stadtnahen Campingplatz ab und gingen zu Fuss ins Zentrum. Am Strand entlang blies der Wind derart heftig, dass wir vom Sand richtiggehend sandgestrahlt wurden. Erst in den engen Gassen der Altstadt liess der Wind etwas nach. Wir bekamen mit, dass in Kürze in der Stierkampfarena ein Wettkampf stattfinden würde. Die Stierkämpfe gehen hier völlig unblutig vonstattengehen, so kauften wir uns Tickets und waren gespannt was da auf uns zukam. Nun, das Ziel hier ist, dass junge Männer den Stier provozieren um ihn zu bewegen sie zu verfolgen. Auf der nicht ungefährliche Flucht lassen sie das sportliche Tier so nah an sich herankommen, dass sie an der Stirn des Stiers befestigte Quasten abreissen können. Die wagemutigen Männer werden dafür mit Bargeldgeschenken belohnt. Mehrere Stiere wurden in der Folge in die Arena gelassen, einige übersprangen immer wieder die recht hohe Palisade und mussten immer wieder in die Arena zurückgeleitet werden. Die Männer zeigten wagemutige Manöver um den spitzen Hörnern der Stiere zu entgehen und sprangen behände über die Holzeinfassung der Arena.

Anschliessend genossen wir einen Apéro in einer der vielen Gartenrestaurants. Sobald die Sonne aber tiefer stand, wurde es in den Gassen kühl und wir suchten uns ein Restaurant für ein frühes Nachtessen.

Auf Landstrassen nach Hause

Durch den Naturpark der Camargue gondelten wir Richtung Marseille. Der Wind war nach wie vor sehr heftig und beim Aussteigen musste man höllisch aufpassen, dass einem die Türe nicht aus der Hand gerissen wurde. Wohl nicht zuletzt wegen diesem Wind war auch von der Vogelwelt nicht allzu viel zu sehen. Auf dem Aussichtshügel bei den Salinen von Giraud  wurden wir fast davon geweht und wir waren schnell wieder im schützenden Auto.

Da wir schon mal in der Nähe waren, fuhren wir nach Martigues um bei den Azalai Herstellern hereinzuschauen. Die Firma hatte unsere Camperkabine gebaut und wir waren gespannt wie das Ganze so vor sich geht. Yannick erklärte sich spontan bereit uns die Fabrikhallen zu zeigen und wir konnten so einen Einblick bekommen wir der Herstellungsprozess abläuft. Vom Formen der einzelnen Polyesterkomponenten bis hin zur Endreinigung eines fertigen Fahrzeugs konnten wir die Schritte verfolgen. Er erklärte uns auch was an Reparaturen und nachträglichen Anpassungen möglich ist. Eines der ersten Fahrzeuge war dann auch in der Werkstatt um ein moderneres Aufstelldach zu bekommen und generell nach 15 Jahren und 300000 km Reisen etwas aufgemöbelt zu werden. Bis 3 Fahrzeuge pro Monat können die 15 Mitarbeiter aufbauen. Schon gegen 250 Kabinen sind seit 2003 gebaut worden. Uns hat es imponiert und einmal mehr bestätigt, dass wir uns für das richtige Produkt entscheiden haben.

Durch die riesigen Industrieanlagen um Marseille herum fuhren wir auf der Autobahn das Rhone Tal hoch. Aber schon bei Carpentras verliessen wir diese wieder und wechselten auf die Landstrasse. Beim Anfahren des geplanten Übernachtungsplatzes führte uns das GPS wieder einmal ins Schilf. Die Wegbeschreibung führte uns nämlich zum Einstieg eines Singletrails, gerademal breit genüg um mit einem Enduro Motorrad hochzufahren. Nach einigem manuellen Navigieren landeten wir auf einer kleinen Waldstrasse mit tiefen Wasserlöchern, wir waren wieder einmal froh in einem Geländeauto unterwegs zu sein. Im etwas windgeschützten Wald richteten wir uns ein. Während dem Kochen draussen setzte heftiger Regen ein und Ueli musste mit der Pfanne ins Innere flüchten. Generell war es wieder ziemlich garstig geworden und wir waren froh im geheizten Trockenen zu sitzen.

Bei etwas besseren Wetterbedingungen fuhren wir auf kleinen Landstrassen zwischen dem Rhone Tal und der Route Napoleon nach Norden. Kleine Orte, schöne Landschaft und kaum Verkehr. Wir hatten es ja auch nicht eilig und genossen das dahingondeln. Immer wieder wurden wir von schönen Landschaften überrascht. Interessante Gesteinsformationen mit prähistorischen Versteinerungen, Passstrassen mit neuschneebedeckten Wiesen, enge Schluchten, immer wieder etwas Neues tauchte auf. Hoch über dem Lac du Bourget fanden wir einen netten Platz für die Nacht und nur weil eine Gruppe Gleitschirmpiloten mit ihren Schirmen auf dem Rücken bei uns vorbeikamen, realisierten wir, dass wir in der Nähe ihres Startplatzes standen. Wir folgten ihnen und konnten beobachten wie Flugschüler unter Funkanweisung ihres Lehrers hier wohl ihre ersten Flüge absolvierten. Wir genossen zudem eine grandiose Aussicht und die letzten Sonnenstrahlen des Tages.

Unsere letzte Etappe führte uns schliesslich hinunter nach Bellgarde und dann von Genf auf der Schweizer Autobahn nach Hause