China Rundreise 2014

HINWEIS:

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Da mein Land Cruiser dieses Jahr wegen Umbauarbeiten nicht zur Verfügung stand für die Ferien, mussten wir Alternativen prüfen. Myrta lernt seit Jahren Chinesisch und auch mich hat das Land schon immer interessiert, deshalb fassten wir den Plan für eine Reise nach China. Als ideale Reisezeit für den Osten Chinas war der frühe Herbst gut geeignet. Eigentlich wollten wir das Datum so legen, dass wir vor dem Chinesischen Nationalfeiertag wieder ausser Landes sind, da zu dieser Zeit sehr viele Chinesen unterwegs sind. Myrta musste jedoch die Ferien um zwei Wochen verschieben, so dass dieser Plan nicht klappte. Es stellte sich am Ende aber heraus, dass dadurch bis auf ein paar wenige Hotspots keine grossen Schwierigkeiten entstanden.

Wichtig war es allerdings, Inlandflüge und Hotels möglichst früh zu buchen.

Wir beschlossen, die Reiseroute in Beijing zu starten und in Schritten nach Süden zu reisen, um von Hong Kong aus zurückzufliegen. Dies war vom Klima her gesehen sinnvoll, hatte aber den Nachteil, dass wir die beliebten Urlaubsziele Lijiang und Guilin im Bereich der chinesischen Ferien besuchten.

Peking


Samstag 13.09.                                                              Flug Zürich nach Peking                                                                            Bedeckt, kühl

 

Eigentlich hätten wir ausschlafen können, denn unser Bus fuhr erst um 10 Uhr. Wie das aber so ist unmittelbar vor einer grösseren Reise, ein bisschen angespannt ist man eben doch. Wir frühstückten erst mal gemütlich und versuchten, den Kühlschrank möglichst leer zu essen. Danach wurde das Licht gelöscht und wir machten uns auf den langen Weg ins Reich der Mitte.

Wir waren frühzeitig am Flughafen, brauchten jedoch für all die Kontrollen und Transfers einige Zeit , so dass wir kurz vor dem Einsteigen am Gate eintrafen. Erst hatten wir den Eindruck, dass der Flieger nicht sehr voll werden würde, je näher das Einsteigen aber rückte, desto mehr Passagiere tauchten auf. Am Ende war doch ein grosser Teil der Plätze besetzt. Wie bei der Swiss üblich, fielen die engen Sitzabstände einmal mehr negativ auf. Zum Glück haben wir beide eher kurze Beine, so dass wir trotz allem eine bequeme Position einnehmen konnten.

Kaum in der Luft, wurde auch schon das Mittagessen serviert. Danach war eigentlich schlafen angesagt, was jedoch in der Holzklasse nicht ganz einfach ist, wenn man es gewohnt ist, dabei die Beine zu strecken und auf der Seite zu liegen....

 

Sonntag 14.09 Beijing Jing Shan Garden Hotel. Bedeckt, warm

Um 3 Uhr China Zeit wurden wir für das Frühstück geweckt. Dadurch verstrich die Zeit, zumindest für den Moment, etwas schneller. Wir landeten pünktlich in Peking und standen schon bald an der Passkontrolle, welche zügig und ohne grosse Bürokratie von Statten ging. Um in die Stadt zu gelangen, nahmen wir uns einfachheitshalber ein Taxi. Der Fahrer hatte aber trotz vorliegender chinesischer Adresse erst mal keine Ahnung, wohin wir wollten, obschon das Hotel nur gerade 500 m von der verbotenen Stadt entfernt und direkt gegenüber vom Jing Shan Park liegt. Nachdem er sich schlau gemacht hatte, konnte es endlich los gehen in Richtung Stadtzentrum.

Am Sonntagmorgen um 6 Uhr ist auch in Beijing noch nicht sehr viel los, so dass wir zügig vorankamen und nach erneutem nachfragen in der Nähe des Hotels abgeladen wurden. Ich hatte vorab angefragt, ob wir früher einchecken könnten, was uns auch bestätigt wurde, sofern ein Zimmer frei wäre. Leider war dies nicht der Fall, wir konnten aber immerhin unser Gepäck deponieren. Um die Zeit zu vertreiben, besuchten wir den in der Nähe liegenden Jing Shan Park. Um 7 Uhr morgens war auch hier noch nicht viel los, ganz allein waren wir jedoch nicht. Für uns ungewohnt, sahen wir einige, meist ältere Leute, die ihre Thai Chi Übungen ausführten, trafen Musikanten und Sänger an, sie alle waren höchst aktiv und mit Begeisterung bei der Sache. Wir bestiegen den einzigen Hügel im Park, und genossen von einem wunderschönen Pavillon aus die Aussicht auf den Park selber und die südlich anschliessende Verbotene Stadt.

Nach einem kurzen Abstecher in eines der Hutong, die alten Wohnquartiere Pekings, spazierten wir der riesigen Stadtmauer und dem gigantischen Wassergraben entlang um die Anlage herum und gelangten so zum Zhong Hai Park. Dem gleichnamigen See folgend, konnten wir die nun immer zahlreicher werdenden Besucher bei ihren vielfältigen Aktivitäten beobachten. Zu sehen gab es Tänzer, Musikgruppen verschiedenster Ethnien, Badmintonspieler und viele weitere, die alle mit Inbrunst und Hingabe ihr Können zum Besten gaben. 

Gegen zehn Uhr kehrten wir zum Hotel zurück, wo wir unser Zimmer nun beziehen konnten. Nach der kurzen, schlaflosen Nacht im Flugzeug waren wir ziemlich geschafft und freuten uns darauf, uns ein paar Stunden aufs Ohr zu legen. Wir dösten zwar mehr als dass wir tief schliefen, erholten uns aber dennoch einigermassen. Neugier und Hunger trieben uns am Nachmittag wieder auf die Strassen. Im Hof des Hotels trafen wir auf Ann und Chuck, ein Paar aus Adelaide. Wir plauderten mit ihnen über bereits erlebtes und unsere weiteren Pläne und suchten uns anschliessend im nahen Hutong ein Restaurant für unser Nachtessen. Unter den vielen kleinen Restaurants war eines auffällig gut besetzt und zwar ausschliesslich von Chinesen, was in der Regel kein schlechtes Zeichen ist. Es stellte sich heraus, dass das Essen hier wirklich sehr gut schmeckte. Dass eines der bestellten Gerichte zu einem Grossteil aus Koriander bestand, konnten wir natürlich nicht wissen. Im Gegensatz zu mir kann Myrta den Geschmack dieses Krautes nicht ausstehen, was ihre Freude an der Mahlzeit etwas schmälerte. Trotzdem waren wir zufrieden, auch angesichts der Tatsache, dass wir für 3 verschiedene Gerichte, eine riesige Portion Reis und eine grosse Flasche Bier schliesslich 80 Yuan, etwa 13 CHF, bezahlten.

Unterdessen waren wir ziemlich müde und kehrten schon früh ins Hotel zurück

 

Montag 15.09                                                                  Beijing, Hotel Jing Shan Garden                                                                 Schön, warm

 

Wir wollten heute als erstes die verbotene Stadt besichtigen. Vom nördlichen Ausgang nahmen wir den Bus, welcher uns am Tian An Men oder Platz des Himmlischen Friedens, absetzte. Die sonst hier üblichen Menschenmassen hielten sich noch in Grenzen. Vor dem Betreten des Platzes wurden sämtliche  Besucher wie am Flughafen gescannt und durchsucht, dies sollte nicht das letzte Mal sein heute. Das riesige Areal ist im Westen begrenzt von der grossen Halle des Volkes und im Osten vom Chinesischen Nationalmuseum. Im südlichen Teil wurde nach dem Tod von Mao Zedong im Jahr 1976 ein riesiges Mausoleum errichtet, in welchem der konservierte Leichnam des Vorsitzenden aufgebahrt ist. Traurige Berühmtheit in der ganzen Welt erlangte der Tian An Men Platz vor allem durch das Massaker an mehreren tausend Chinesen nach längeren Protesten gegen die Regierung. 

Als wir uns schliesslich bis zum Eingang zur verbotenen Stadt vorgearbeitet hatten, mussten wir feststellen, dass die Sehenswürdigkeit am Montag geschlossen ist. So beschlossen wir, wenigstens einen der seitlichen Parks zu besuchen. Da jedoch auch dort der Tempel und weitere Attraktionen geschlossen waren, gab es nicht sehr viel zu sehen.

Wir gingen also zur nächst gelegenen U Bahn Station mit dem Ziel, den im Nordwesten der Stadt gelegenen Sommerpalast zu erreichen. Eine Fahrt mit der Metro quer durch die riesige Stadt kostet 2 Yuan, etwa 30 Rappen. Das System ist auch für Ausländer gut verständlich, so dass es kein Problem ist, sich zurechtzufinden.

Bevor wir den Palast besuchten, wollten wir unseren leeren Magen füllen. Zwischen der U Bahn Station und dem Osteingang lagen unzähligen Restaurants am Weg. Zuerst landeten wir in einem auf Ausländer ausgerichteten Schickimicki Restaurant, welches wir aber ohne bestellt zu haben wieder verliessen. Ein Stück weiter fanden wir ein einfaches Strassenrestaurant, welches uns besser entsprach.  

Am Eingang zum Sommerpalast kauften wir uns das Komplettticket, welches uns nicht nur Zugang zum Hauptbereich, sondern auch zu allen weiteren Sehenswürdigkeiten sicherte. In einem der vielen Gebäude konnten wir einem kurzen Konzert mit traditioneller chinesischer Musik beiwohnen. Auf einer grosszügig dekorierten Bühne spielte ein kleines Orchester, begleitet von einem riesigen Glockenspiel. Wir erklommen einen Hügel, welcher einen wunderbaren Ausblick auf den Kunming See erlaubte. Die steilen Wege reichten bereits aus, um einen Grossteil der Besucher davon abzuhalten, den Aussichtspunkt zu erklimmen. Der Abstieg auf der anderen Seite des Hügels führte zum Seeufer hinunter. Ein Höhepunkt im Sommerpalast ist eine prunkvolle, an den Hang gebaute Tempelanlage. Über steile Treppen gelangt man in immer neue Tempel und von vielen Terrassen aus ist der darunter liegende See zu sehen. Neben den unzähligen glanzvollen Gebäuden und eindrücklichen Brücken gilt der Sommerpalast als Höhepunkt der chinesischen Gartenkunst. Ganz im Norden der Anlage, liegt die direkt ans Wasser gebaute Suzhou Strasse mit lauter kleinen Läden und Handwerksbetrieben.

Wir bestiegen erneut die Metro, um zum olympischen Park zu kommen. Wir besichtigten das imposante, von den Schweizer Architekten Herzog und de Meuron konzipierte, National Stadion, das sogenannte Vogelnest, nur von aussen. Der Anblick dieses imposanten Bauwerkes lässt die Frage aufkommen, wie es möglich ist, eine so komplexe Gebäudestruktur überhaupt zu bauen. Ein von Musik begleitetes Wasserspiel vor dem Stadion liess die Chinesen fast ausflippen, obwohl Grösse und Umgebung dieses Spektakels für uns eher nüchtern wirkten. 

Mit Metro und Bus gelangten wir anschliessend zum Hotel zurück. Bevor wir uns im gemütlichen Innenhof ein Bier genehmigten, bestiegen wir im Jing Shan Park nochmals kurz den Aussichtshügel, um von oben ein paar weitere Bilder von der Verbotenen Stadt zu schiessen, denn die Wetter- und Sichtbedingungen waren bedeutend besser als am Vortag.

Kaum hatten wir es uns gemütlich gemacht, kamen die Aussies Ann und Chuck von ihrem Ausflug zur Grossen Mauer zurück. Unser Biervorrat ging bald mal zu Neige, so dass Myrta zwischendurch im Laden an der Ecke Nachschub holen musste. Wir tauschten unsere Erfahrungen des Tages aus und füllten die Zeit mit spannenden Geschichten aus dem Alltag und von unseren Reisen. Wir beschlossen, den Abend gemeinsam zu verbringen und uns von einem Taxi zum nahegelegenen Night Market fahren zu lassen. Wie erwartet, wurden dort die exotischsten Dinge zum Essen angeboten. Neben vielen anderen "Leckereien" wurden frittierte Skorpione, Seesterne oder Seeigel angeboten. Auf einer Länge von gut 300 m reihte sich Stand an Stand. Zum Teil roch es verführerisch gut, dann wieder für unsere Nasen abscheulich und penetrant. Wir konnten uns nicht entschliessen, eine der angebotenen Knabbereien im Stehen zu essen und beschlossen, das Nachtessen in einem nahen Restaurant einzunehmen. Wir bestellten vier verschiedenen Gerichte, was mehr als genug war, um satt zu werden. Ein Taxi für den Rückweg zu finden wurde zu einer kleinen Geduldsprobe, schliesslich kamen wir aber wohlbehalten ins Hotel zurück. Dort sassen wir noch lange draussen und plauderten über Gott und die Welt.

 

Dienstag 16.09                                                              Beijing, Hotel Jing Shan Garden                                                              Bedeckt, warm

 

Wir machten uns heute etwas früher auf die Socken, um möglichst bei Türöffnung am Eingang zur Verbotenen Stadt zu sein. Unser Timing war gut, aber die auch Chinesen waren bereits da. Tausende Besucher waren schon vor uns angekommen, die meisten in typischen Gruppen mit einem Fähnchen schwingenden, aus Lautsprechern plärrenden Führer voran. Nach kurzem Anstehen hatten wir unsere Tickets erstanden und liessen uns von den Menschenmassen mittreiben. Noch einmal gab es eine Sicherheitskontrolle, bevor wir die Stätte, wo bis zur Revolution 1911 die Chinesischen Kaiser lebten, durch ein imposantes Tor betreten durften. Mit dem Bau der riesigen Anlage, die als Meisterwerk der Chinesischen Architektur gilt, wurde im Jahr 1406 begonnen. Nachfolgende Dynastien erweiterten und veränderten die abgeschlossene Stadt nach ihren Vorstellungen. Je weiter man in den Komplex vordringt, desto eindrücklicher werden die Gebäude und desto näher rücken diese zusammen. Um den nordöstlichen Bezirk zu besuchen, müssen noch einmal 10 Yuan extra bezahlt werden. In diesem Bereich sind dafür die kostbarsten Schätze und die schönsten Gartenanlagen zu sehen. Die meisten Besucher, und vor allem auch viele Gruppen, betreten diesen Teil der Stadt gar nicht, so dass es dort wesentlich ruhiger zu und her geht.

Sobald man diese Gebiete verlässt, ändert sich das schlagartig wieder. Der Strom an Besuchern wälzte sich durch die Anlagen dem Ausgang am Nord Tor entgegen. Auch wir verliessen die Verbotene Stadt dort und gelangten nach nur gerade 10 Minuten Fussmarsch zum Hotel zurück.

Unterwegs wollten wir jedoch unseren Hunger stillen, denn das Frühstück hatte auch heute wieder aus einer Banane bestanden. Im Hotel angekommen, hatten wir gerade noch Gelegenheit, uns von unseren australischen Nachbarn gebührend zu verabschieden. Nach einer ausgedehnten Mittagspause machten wir uns wieder auf den Weg. Mit Bus und U Bahn gelangten wir zum Lamatempel, eine weitere „must see“ Attraktion in Beijing. Die riesige Anlage war ursprünglich als Palast des des Friedens und der Harmonie die Residenz des Prinzen Yinzhen und wurde später in einen Tempel umgewandelt. Die aus mehreren Gebäuden bestehende Anlage ist viel grosszügiger ausgeschmückt als alle Tempel, die wir bis anhin gesehen hatten. Die als grösstes und besterhaltenes Lamakloster in China geltende Anlage beherbergt eine grössere Zahl aktiver Mönche und viele der chinesischen Besucher kommen zum Beten in den Tempel. 

Die Rückfahrt nach Dongsi verlief wiederum problemlos. Als wir jedoch die U-Bahnstation über denselben Weg verlassen wollten, den wir gekommen waren, standen wir vor einem geschlossenen Ausgang und mussten auf einen anderen ausweichen. Wieder am Tageslicht, konnten wir beim besten Willen und nach langem Suchen die Strasse, in welcher unser Bus fahren würde, nicht wieder finden. Wohl oder Übel mussten wir ein Taxi nehmen, was sich ebenfalls als nicht einfach erwies, da sämtliche, bei uns vorbei kommenden Fahrzeuge besetzt waren. Schliesslich klappte es doch und mit etwas Nachhilfeunterricht beim Navigieren lud uns der Chauffeur am gewünschten Ort ab.

Durch den Hutong, wie die alten Quartiere mit ihren engen Gasse und kleinen Häusern hier genannt werden, gelangten wir zur belebten Strasse, in welcher sich Geschäfte und Restaurants aneinander reihten. Ein Restaurant fiel uns auf, das wieder gut mit chinesischen Gästen gefüllt war. Es stellte sich heraus, dass man hier spezialisiert ist auf Seafood und Fischgerichte und ausserdem für Dumplings, eine Art gedämpfte Ravioli mit unterschiedlichsten Füllungen. Wir bestellten eine Muschelsuppe und eine Portion Rindsravioli, beides schmeckte hervorragend und wurde mit einem Tsing Tao Bier heruntergespült. Mit vollem Magen, aber nicht überfressen kehrten wir ins Hotel zurück.

Am nächsten Morgen war früh Tagwacht angesagt, denn wir hatten eine Tour zur Chinesischen Mauer gebucht. Wir hofften, dass das Wetter bis dahin aufklart, denn die Landschaft, die uns erwartete, ist sicher noch viel spektakulärer anzusehen im Sonnenschein.

 

Mittwoch 17.09                                                          Beijing, Jing Shan Garden Hotel                        Hochnebel, kühl, dann sonnig, warm

 

Pünktlich standen wir an der Strasse, um auf den Tourbus zu warten. Wir hatten vor, uns an der Ecke ein paar Bananen zum Frühstück zu kaufen, aber der Laden, welcher bis in alle Nacht offen war, hatte noch geschlossen. So besorgten wir uns in einem anderen Geschäft zwei teigige, noch heisse Brote. Diese waren zu unserem Erstaunen herzhaft gewürzt und nicht etwa süss. Aus unserem Hotel war noch ein junges Paar aus Australien mit von der Partie. Wir stiegen als fast letzte zu, nur noch eine weitere Gruppe wurde abgeholt, dann ging es zur Stadt hinaus. Erst floss der Verkehr noch recht zäh, nachdem wir aber den Flughafen passiert hatten, kamen wir zügiger voran. Wir liessen die Stadt hinter uns und tauchten in das ländliche China ein. Auf schmalen Strassen ging die Fahrt nun meist durch landwirtschaftlich genutzte Gebiete. Erst kurz vor Mutianyu, dem Ziel der Reise,  wurde das Gelände erst hügelig, dann bergig. Der Bus brachte uns bis in die Nähe der Gondelbahn, zur Mauer hoch führt. Die Grosse Mauer folgt auf weiten Strecken einem Bergkamm, so dass man sonst mehrere hundert Höhenmeter aufsteigen müsste, um das Bauwerk zu erreichen. Oben angekommen, gibt es zwei Möglichkeiten für die Besichtigung. Entweder folgt man dem weniger steilen Abschnitt nach rechts oder man wendet sich nach links, wo zu Beginn ein sehr steiles Stück zu überwinden ist. Wir entschieden uns für die linke Seite. Zum Glück war es noch angenehm kühl für den Aufstieg, dafür war die Sicht durch die Hochnebel artige Bewölkung eher trüb. Das im 6. Jh. begonnene Bauwerk ist unglaublich beeindruckend. Die Mauer wird alle paar hundert Meter von einem Wachturm unterbrochen, in welchem mehrere Leute Platz fanden. Nach einigem harmlosen Auf- und Abstiegen gelangten wir an einen wirklich steilen Teil der Anlage. Die Mauer folgt, wie erwähnt, grundsätzlich dem Gelände, also der Kontur der Bergrücken. Nach einigen schweisstreibenden Stufen gelangten wir ans Ende der restaurierten Zone. Der weitere Verlauf der Mauer war zwar noch eindeutig zu erkennen und könnte auch begangen werden. Sie war jedoch ab hier ziemlich überwachsen und die gepflasterte Mauerkrone wich einem wilden Pfad. Wir drehten deshalb an dieser Stelle um. Die Sicht wechselte immer wieder, ganz klar wurde es aber leider nicht. Nachdem wir die Bergstation der Gondelbahn erreicht hatten, gingen wir noch ein kurzes Stück in die andere Richtung, um auch dort den Ausblick auf das gigantische Bauwerk zu geniessen. Am Schluss hatten wir vielleicht 2 bis 3 km der ungefähr 6700 km langen Mauer beschritten. Bedenkt man, dass die ältesten Teile über 2000 Jahre alt sind und meist durch unwegsames Gelände führen, ist es kaum vorstellbar, wie dieses Projekt überhaut realisiert werden konnte. Der von uns besichtigte Abschnitt gehört mit einem Alter von ca. 700 Jahren zu den jüngsten Teilestücken. Nach etwa 3 h traf sich unsere Gruppe wieder bei der Talstation zum Mittagessen, bevor es auf demselben Weg zurück nach Beijing ging. In der Stadt fuhr der Bus von Hotel zu Hotel, um die Leute wieder zu verteilen. So kurvten wir zum Schluss eine gute Stunde durch den zunehmend dichten Verkehr, bis auch wir abgesetzt wurden.

Wie jeden Tag besorgten wir uns im Laden an der Ecke ein Bier, welches wir im Innenhof des Hotel genossen, genauso wie die anschliessende Dusche im Zimmer. Zum Nachtessen suchten wir uns wieder eines der kleinen Restaurants im Quartier aus. Diesmal hielten wir gezielt nach einem mit Grill Ausschau, denn wir hatten beide Lust auf Fleisch. Die bestellten Lammkoteletts waren zwar fein, aber so schön fleischig und so viele wie das Bild auf der Speisekarte versprach, waren sie bei weitem nicht. Trotzdem wollte der Kellner den vollen Preis von 70 Yuan dafür verrechnen. Nach einer Intervention unsererseits kam er jedoch selber zur Einsicht, dass dies doch etwas zu teuer wäre. Am Ende bezahlten wir für einen Spinatsalat mit Erdnüssen, Spinatgemüse mit Ei und die kleinen Fleischstücke, inklusive einem Bier, 57 Yuan, also etwa 9 CHF.

Auf dem Heimweg hatten wir Lust auf etwas Süsses und kehrten unterwegs in einem kleinen Kaffee ein. Leider gab es nur einen Quarkkuchen im Angebot und gerade den mag ich nicht besonders. Dafür gönnten wir uns einen sehr guten Kaffee bzw. Grüntee. Schon beim Eintreten wurden wir von den zwei Hauskatzen sehr stürmisch begrüsst. Die eine kam Vollgas angerannt und sprang elegant auf den Tisch, wo sie erst mal ihre Streicheleinheiten abholte. Die Katzen schienen von klein an zum Kaffee zu gehören, denn es hingen mehrere Bilder an den Wänden, welche die beiden als junge Kätzchen zeigten.

Zurück im Hotel packten wir unsere Sachen, denn wir sollten am nächsten Morgen um 7 Uhr zum Flugplatz fahren, um nach Shanghai zu fliegen.

 

Mittwoch 18.09                                                   Shanghai, Grand Mercure Hotel                           BJ: Schön, warm; SHA: regnerisch kühl

 

Als wir an der Hauptstrasse ankamen, wartete das bestellte Taxi bereits auf uns. Durch dichten Verkehr schlängelte sich der Fahrer zur Ringroad und kam schon hier nur langsam voran. Nach der Abzweigung auf den Airport Expressway war das Vorwärtskommen noch zäher. Die Zeit verstrich und wir merkten, dass es knapp werden würde. Erst kurz vor dem Flughafen konnte der Chauffeur etwas Tempo zulegen, so dass wir um etwa 08.20 h, also knapp 40 Minuten vor dem Abflug, unser Ziel erreichten. Das Einchecken nahm ebenfalls ein paar Minuten in Anspruch, weil bei Ausländern alle Passdaten manuell eingegeben werden - Big Brother is watching us. Nachdem das Gepäck aufgegeben war, waren wir immerhin sicher, dass wir mitfliegen würden. Die Sicherheitskontrolle war ein weiteres Nadelöhr, obwohl man uns durch die Express Lane schleuste, verloren wir nochmals Zeit. Wir erreichten schliesslich kurz vor 9 Uhr das Gate, um herauszufinden, dass das Boarding noch nicht begonnen hatte. Wir waren offensichtlich nicht die einzigen gewesen, die im Stau gesteckt hatten. Nach dem Einsteigen verstrich noch einmal fast eine halbe Stunde bis wir endlich starten konnten.

Unsere Sitze befanden sich an ganz unterschiedlichen Stellen im Flugzeug. Ich kam neben einer jungen Chinesin zu sitzen, welche auf einem Businesstrip zurück nach Shanghai war. Sie sprach gutes Englisch, so dass wir eine interessante Konversation führen konnten. Das servierte Frühstück bestand aus einem Joghurtdrink, einer Art fadem Porridge und einem Schälchen rohem, eingelegtem Gemüse, alles in allem sehr fremd und für meinen Geschmack nicht geniessbar. Das beigelegte Brötchen sah schon von aussen komisch aus. Myrta hatte es probiert, um festzustellen, dass es zudem mit einer gelben Pampe gefüllt war. Prädikat: ebenfalls ungeniessbar.

In Shanghai nahmen wir unser Gepäck wieder in Empfang und machten uns danach auf zur U-Bahnstation. Mit der Metro gelangten wir zur Shanghai Railroad Station. Unser Hotel lag eigentlich in Sichtdistanz, wir mussten uns allerdings durchfragen, um auf die richtige Strassenseite zu finden. Die Lage unserer Unterkunft war perfekt, denn direkt unter dem Hotel lag eine U-Bahnstation und der Bahnhof befand sich wenige Schritte entfernt, also ideal, da wir mehrere Ausflüge mit dem Zug geplant hatten.

Wir bezogen ein elegantes Zimmer im 18. Stock, mit Aussicht auf den Bahnhofplatz. Das Hotel wirkte sehr gepflegt und bot einen gehobenen Standard zu einem Preis von 80 CHF inkl. Frühstücksbuffet. Nachdem wir uns eingerichtet hatten, assen wir in einem nahegelegenen Restaurant eine Kleinigkeit. Im Gegensatz zu den von Familien betriebenen Restaurants in unserem Quartier in Beijing waren fanden wir hier eher Restaurantketten, welche zu unglaublich günstigen Preisen ein ganz passables Essen servierten.

Da es unterdessen wieder angefangen hatte zu regnen, betraten wir eines der Shoppingcenter in der Umgebung. Es handelte sich um eine auf Elektronik und Brillen spezialisierte Mall. Dutzende von Läden boten tausende von Handyhüllen und Kabeln an. Ein ganzes Stockwerk beherbergte Fotohändler, die neben neuen Ausrüstungen auch viele Secondhand Geräte und Objektive im Angebot  hatten.

Nach der Rückkehr ins Hotel genehmigten wir uns in der Bar einen Drink. Auf einem Plakat wurde eine Happy Hour mit 2 für 1 Drink angepriesen. Als der Kellner die Rechnung brachte, waren jedoch beide Getränke verrechnet. Ich sprach ihn darauf an, und er erklärte, dass das Angebot nur für ausgewählte Drinks gelte, d.h. eigentlich nur für Bier. Da dies aber nirgends wirklich ersichtlich war, spendierte er uns schliesslich den 2. Drink. Da wir wieder einmal Lust auf einen knackigen Salat hatten, nahmen wir das Nachtessen im hoteleigenen Restaurant ein. Der bestellte Cesar Salat schmeckte uns jedenfalls ausgezeichnet und war genau das richtige für uns.

Zurück im Zimmer entspannten wir uns noch eine Weile vor dem TV mit einer spanischen Dokumentation und einem deutschen Bericht über die Apfelindustrie, bevor wir bald mal zu Bett gingen.


Shanghai

Freitag 19.09                                                                 Shanghai, Grand Mercure Hotel                                                             Regnerisch, kühl

 

Trüb und regnerisch begrüsste uns der neue Tag. Ein guter Grund, sich nochmals im Bett umzudrehen, nicht überstürzt aufzustehen und das Morgenessen noch ein wenig hinaus zu zögern. Das Frühstücksbuffet liess wenige Wünsche offen und bot sowohl eine grosse Auswahl an chinesischen Speisen als auch westliche Gerichte und Beilagen. Da sich das Wetter offensichtlich nicht in absehbarer Zeit bessern würde, entschlossen wir uns, das Shanghai Museum zu besuchen. Mit der U-Bahn gelangten wir in wenigen Minuten zum Peoples Square. Einmal der riesigen, unterirdischen Station entronnen, kamen wir unmittelbar neben dem Museum wieder ans Tageslicht.

Der imposante und moderne Bau beherbergt auf 4 Etagen eine Vielzahl an Ausstellungen über die chinesische Kultur. Nach Themen gegliedert werden Informationen geboten z. Bsp. zum über 2000 Jahre alten Münzwesen, die chinesische Porzellankunst, Verarbeitung von Jade in exklusiver Qualität bis hin zum Möbelbau. Ein halbes Stockwerk widmet sich den vielen chinesischen Ethnien. Die unterschiedlichen Kostüme aus allen Landesteilen zeigen, wie vielfältig die Chinesische Bevölkerung zusammen gesetzt ist.

Als wir das Museum verliessen, tröpfelte es zwar ein wenig, trotzdem machten wir uns zu Fuss in Richtung Südwesten auf und gelangten so ins Xintiandi Quartier. Der Distrikt besteht zum grossen Teil aus schön rekonstruierten, traditionellen Steinhäusern, die vor allem westlich angehauchte Geschäfte und Restaurants beherbergen. Eines der Gebäude im beliebten Ausgehviertel trägt den Namen Hofbräuhaus, dem starken Duft nach Sauerkraut und Bier zu Folge war offensichtlich, wohin dieses Restaurant platziert werden muss. Im Untergeschoss eines der Shoppingcenter fanden wir einen speziellen Supermarkt, welcher ausschliesslich Markenartikel aus allen Herren Länder anbietet. Myrta nutzte die Gelegenheit und kaufte sich ein Päckli Ricola für ihren kratzigen Hals.

Da es bis zur French Concession zu Fuss etwas weit war, fuhren wir zwei Stationen mit der U-Bahn. Der ehemals französische Stadtteil von Shanghai ist heute eines der bevorzugten Wohnquartiere reicher Chinesen. Dies zeigt sich an den vielen schön restaurierten Häusern aus der Zeit der Franzosen und den gediegenen Geschäften und Restaurants entlang der Platanenalleen. 

Zurück im Hotel machten wir uns frisch und fuhren anschliessend zum Shanghai Stadium. Dort, im Restaurant 9 Workshop, hatten wir uns mit drei Arbeitskollegen vom Büro Shanghai meines Arbeitgebers verabredet. Jun und Ju Gang waren bereits vor uns eingetroffen und erwarteten uns mit einer herzlichen Begrüssung am Eingang. Das Restaurant war im Stil einer Fabrikhalle aus der Zeit vor der Kulturrevolution ausgestattet. An den Wänden hingen Plakate mit Politparolen aus dieser Epoche und überall standen alte Werkzeugmaschinen herum. Die ganze Ausstattung wirkte bewusst etwas verlottert, sogar am Emailgeschirr waren Abplatzungen und Beschädigungen angebracht, so dass der Eindruck erweckt wurde, das Ganze stamme noch aus Maos Zeiten.

Bald traf auch der 3. Kollege, Liu Peng, ein. Er war wirklich überrascht, von Myrta auf Chinesisch begrüsst zu werden, war er doch der einzige, der sie nicht schon aus der Schweiz kannte. Ju Gang gab wie immer eine umfangreiche Bestellung mit sicher 15 verschiedenen Gerichten auf. Dabei durften die bei Chinesen so beliebten Hühnerfüsse genauso wenig fehlen wie die Frösche. Ich hatte das Vergnügen, ein solches Essen zu geniessen, schon zwei Jahren zuvor gehabt, für Myrta waren aber viele der bestellten Spezialitäten ziemlich neu. Da wir beide exotischen Gerichten gegenüber jedoch sehr aufgeschlossen sind, genossen wir das Menü mit grossem Vergnügen. In hervorragender Erinnerung blieben uns insbesondere die zwei Lebergerichte und ein in der Sauce gekochter Fisch. Wir hätten uns wohl nicht zugetraut, selber solche Dinge zu bestellen, freuten uns jedoch, so in den speziellen Genuss zu kommen. Während des Essens kam es im Restaurant zu einen hässlichen Streit, da sich zwei junge Damen über den Tisch gezogen fühlten. Sie behaupteten steif und fest, dass sie einen grösseren Betrag bezahlt hätten, das Personal sah dies jedoch anders. Die Damen verhielten sich in der Folge so laut und anstössig, dass die Polizei gerufen wurde. Danach kehrte wieder Ruhe ein.

Liu Peng war mit seinem Auto gekommen und verabschiedete sich vor dem Lokal von uns, die beiden anderen traten wie wir den Heimweg mit der U-Bahn an. Ich werde alle drei anlässlich von Businessbesuchen in der Schweiz bald wieder begrüssen können.

 

Samstag 20.09                                                       Shanghai, Grand Mercure Hotel                                                           Leicht bewölkt, warm

 

Entgegen der Wetterprognose war es zwar früh morgens noch neblig, es klarte jedoch bald einmal auf und wurde recht sonnig. Wir wollten daher unseren Plan umsetzen und mit dem Schnellzug nach Suzhou fahren. Erst mussten wir aber die Tickets besorgen. Laut Hinweistafel sollten wir links anstehen, obschon der entsprechende Schalter schliesslich doch rechts zu finden war. Mit dem Hin und Her verstrich einige Zeit, bis es uns schliesslich gelang, die Billete zu kaufen. Die nächsten Abfahrten waren bereits ausverkauft, so dass wir nochmals ins Hotel zurückgingen, bis dann eine gute Stunde später der gebuchte Zug startete. Innerhalb des Stadtzentrums war die Geschwindigkeit noch recht moderat, kaum lagen die dicht bebauten Quartiere jedoch hinter uns, gab der Lokführer so richtig Gas. Mit fast 300 km/h brausten wir durch die Gegend und erreichten nach einer guten halben Stunde Suzhou. Als erstes kauften wir dort gleich das Rückfahrticket, um sicher im von uns gewünschten Zug einen Platz zu bekommen.

Der alte Teil von Suzhou ist von vielen Wasserkanälen durchzogen und wird daher auch Venedig des Ostens genannt. Zudem ist die Stadt berühmt für ihre vielen Tempel und kunstvoll angelegten Gärten. Mit dem Bus gelangten wir in den Süden der Altstadt, wo wir als erstes den Konfuzius Tempel besuchten. Dieser war zwar wegen Restaurationsarbeiten geschlossen, dafür war auf dem Gelände ein riesiger Markt im Gange, auf welchem in erster Linie Schmuck angeboten wurde. Einem der Kanäle folgend erreichten wir einen der Stadtgärten. Der Pavillon der dunkelblauen Wellen zählt zwar nicht zu den grossen Parks von Suzhou, ist dafür aber weniger besucht und ruhig. Durch die Stadt streifend besuchten wir anschliessend die Zwillingspagoden. Die beiden hübschen Türme sind in einem kleinen Park mit vielen alten Steininschriften angesiedelt. Nicht weit davon entfernt liegt einer der touristischen Hotspots von Suzhou, die Ping Jiang Road. Entlang eines weiteren Kanals schlenderten wir vorbei an unzähligen Kaffees, Restaurants und Souvenirläden. Obwohl die Zone eigentlich verkehrsfrei wäre, mussten wir immer wieder Elektroscootern und Velos Platz machen, die sich in China offenbar nicht an die Verkehrsregeln halten müssen. Da Wochenende war, waren unzählige Besucher unterwegs, die meisten jedoch Einheimische. Bei einer kurzen Pause auf einer Parkbank konnten wir wieder einmal Menschen beobachten. Speziell die jungen Damen zeigten einen sehr ausgefallenen, wenn nicht gar skurrilen, Modegeschmack. Es ging in erster Linie wohl nicht darum, möglichst geschmackvoll, sondern vor allem auffällig gekleidet zu sein. In der Nähe des Zoos entdeckten wir zufällig eine Markhalle. Nicht nur die sehr exotische Gerüche waren für uns gewöhnungsbedürftig, sondern auch die vielen, aus unserer Sicht sehr aussergewöhnlichen Lebensmittel. Was es da an Tieren, Insekten, aber auch vegetarischen Exoten zu kaufen gab, war für uns schon sehr fremdartig.

Den grössten und auch sicherlich eindrucksvollsten Garten sparten wir uns für das Ende unseres Suzhou Besuchs auf. Der Garten des beschiedenen Beamten repräsentiert eindrücklich die grosse Kunst des chinesischen Garten- und Parkbaus. Dies zeigte sich auch im grossen Besucherandrang. Tausende von Menschen drängten sich in geführten Gruppen durch den Park. Die Guides liessen ohne Unterbruch einen riesen Schwall an Informationen auf die armen Touristen niederprasseln. Die Chinesen scheinen diese Art der Besichtigung aber offenbar zu mögen, denn die wenigsten besuchten den Garten wie wir, ohne Begleitung. Auch wenn wir das letzte Stück zum Bahnhof mit dem Bus zurücklegten, spürten wir unsere Füsse nach der ganzen Lauferei und waren daher froh, dass uns der Zug nur 200 m vom Hotel entfernt ausspuckte.

Nachdem wir uns etwas erholt hatten, fuhren wir frisch geduscht zum Peoples Square. Etwas nördlich davon liegt die Huanghe Road, wo unzählige Restaurants zu finden sind. Wir wählten eines aus, in welchem Hotpot, eine Art Fondue Chinoise, die Spezialität war. Wir bekamen einen Gasbrenner und einen flachen Gusstopf auf den Tisch gestellt. Zum Gemüse und Fleisch, das nach und nach in den Topf wanderte, gab es eine gehörige Portion würzige Sauce und weitere Beilagen wie Reis oder Nudeln. Um den Brenner herum wurde es mit der Zeit ziemlich warm, umso mehr schätzten wir ein kühles Tsing Tao Bier dazu.

Nach dem Essen schlenderten wir der Nanjing Road entlang Richtung Bund. Die grellen und bunten Leuchtreklamen beleuchteten die vielen tausend Fussgänger, die ebenfalls unterwegs waren. Permanent bahnte sich eines der kitschigen Touristenzüglein mit lautem Bimmeln seinen Weg durch die Menge frei. Links und rechts der Strasse lockte ein Shoppingcenter nach dem anderen. Ein ungeheurer Kommerz, dem sich weder die Chinesen noch die ausländischen Touristen entziehen konnten. Am Ende der Strasse erreichten wir den Huangpu Fluss und genossen den spektakulären Blick nach Pudong hinüber. Dieser moderne Stadtteil von Shanghai ist vor allem bei Nacht wirklich eindrücklich. In den grellsten Farben werden die unzähligen Wolkenkratzer beleuchtet. Fussballfeld grosse Leuchtwände zeigen Reklamen aus allen Branchen. Auf dem Fluss selber herrschte genauso Hochbetrieb. Restaurant- und Ausflugsboote teilten sich das Fahrwasser mit Lastkähnen aller Grössen. Bevor wir uns auf den Weg zurück ins Hotel machten, genossen wir ein letztes Bier in der Bund Brewery. Diese kleine Brauerei liegt in einer Seitenstrasse und bietet hausgemachtes, feines Bier an. Die Atmosphäre im Restaurant ist gemütlich und von der Hektik der Stadt ist nichts zu spüren. 

Todmüde nach diesem langen Tag kamen wir ins Hotel zurück. Wir hofften, dass auch am nächsten Tag die nichts gutes verheissende Wetterprognose nicht zutreffen würde.

 

Sonntag 21.09                                                           Shanghai, Grand Mercure Hotel                                                        Leicht bewölkt, warm

 

Wir hatten den Wecker gestellt, denn unser Zug nach Hangzhou startete bereits um halb Neun Uhr ab dem Hongqiao Bahnhof, der beim Flughafen am anderen Ende der Stadt liegt. Um diesen zu erreichen, hiess es 45 Minuten mit der U-Bahn zu fahren. Diese Bahnstation weist gigantische Masse auf und über 20 Geleise führen aus Stadt hinaus. Nach dem üblichen Sicherheitscheck und einer Ticketkontrolle wurden wir geordnet aus der Wartezone aufs Perron vorgelassen. Wir stellten fest, dass auf dem persönlichen Ticket sogar unsere Passnummer vermerkt worden war, d.h. ohne Pass kann man kein Ticket kaufen. So werden die Zugreisenden, nicht nur Touristen, sondern auch die Chinesen, vom grossen Bruder permanent überwacht. Mit zwei Zwischenstopps gelangten wir nach etwa einer Stunde zu unserem Tagesziel, das knapp 200 km von Shanghai entfernte Hangzhou. Vom Bahnhof zur Hauptattraktion in Hangzhou, dem Westsee, fuhren wir mit dem Bus. Das Verkehrschaos war aber dermassen gross, dass wir an der ersten Haltestelle wieder ausstiegen und zu Fuss weiter gingen. So erreichten wir nach etwa 20 Minuten das Ufer. Wir besorgten uns Tickets für die Ausflugsboote, mit welchen wir den See überqueren wollten. Die erste Etappe führte zur Xiao Yingzhou oder Kleine Paradies-Insel. Diese liegt mitten im See, weist vier kleine Teiche auf, welche auf einem Wegenetz durch die schönen Gartenanlagen umrundet werden können. Wie bereits am Tag zuvor in Suzhou waren auch hier sehr viele chinesische Besucher unterwegs. Auf der gegenüber liegenden Seite der Insel bestiegen wir ein kleineres Boot, das uns ans Westufer brachte. Um dem riesigen Trubel etwas auszuweichen, spazierten wir durch die Baoshi Hügel. Ein gepflasterter Weg führte durch einen schönen Wald auf eine Anhöhe. Plötzlich ertönte Operngesang irgendwo aus dem Wald. Als wir dem Gesang näher kamen, erblickten wir zwei ältere Herren, die lauthals und wunderschön westliche Opernlieder, natürlich mit chinesischem Text, von sich gaben. Als sie uns als Europäer wahrnahmen, stimmte einer zu unseren Ehren sogar die chinesische Variante von Stille Nacht, Heilige Nacht an. Wir haben öfter erlebt, dass vor allem ältere Chinesen gerne in freier Natur oder in Parks ihre Freude am Singen zelebrierten. Wir trafen auch auf dieser Wanderung noch weitere Sänger und Hobbyschauspieler an. Bei einer kleinen Felsnische entdeckten wir eine religiöse Andachtsstätte, mit einem kleinen Altar und mehreren Gottheiten ausgeschmückt. Auf dem Platz davor hatten sich Familien und Freunde zum Kartenspielen versammelt. Mit all diesen Entdeckungen und Erlebnissen mussten wir irgendwann von der Idealroute zurück zum See abgekommen sein, denn wir landeten etwas zu weit westlich in der Stadt, anstatt am Seeufer. Auf dem Weg zurück ans Wasser gelangten wir so aber durch einen weiteren Park, den Park des Gelben Drachen. Auch hier unterhielten sich die Chinesen wieder selber mit Musik, Gesang und Tanz und Ausschnitten aus Chinesischen Opern. Unterwegs wurden wir von ein paar Chinesen auf Englisch angesprochen. Sie erklärten uns, dass sich eine Gruppe von Leuten, die alle Englisch lernen, jeweils am Sonntag trifft und auf eine Gelegenheit wartet, mit westlichen Touristen ihre Sprachkenntnisse verbessern zu können. Kaum hatten wir uns von ihnen verabschiedet, wurden wir erneut, diesmal von einem 86 jährigen Bilderbuchchinesen, abgefangen. Auch er wollte uns zu seinen Freunden bringen, um mit uns zu plaudern. Es war eine lustige und kunterbunte Gruppe, eine über 80 jährige Chemie Professorin gehörte genauso dazu wie Teenager und Familienväter mit ihren Kids. Für uns war es eine lustige Erfahrung, mit ihnen zu reden und waren überrascht, wie offen diese Leute auf uns zukamen und wie unbefangen sie sich selber gaben. Man stelle sich vor, einige Basler treffen sich am Sonntag an der Schifflände und passen chinesischen Touristen ab, um mit ihnen das gelernte Chinesisch zu praktizieren.

Auf dem Rückweg zum Bahnhof verspürte Myrta Lust auf eine Baozi, eine gedämpfte Hefeteigkugel mit Füllung. Wie der Zufall so spielt, kamen wir alsbald an einem Stand vorbei, vor welchem einige Chinesen für genau diese Spezialität Schlange standen. Wir nahmen dies als gutes Zeichen, stellten uns ebenfalls in die Schlange und nach kurzem konnten wir die frischen, dampfenden Teigtaschen geniessen. Für das letzte Stück zum Bahnhof nahmen wir wieder den Bus. An der Bahnstation herrschte ein riesiges Gedränge. Dank dem durchdachten Konzept, nach welchem die Bahnreisenden gecheckt, Tickets geprüft und die Leute schliesslich zum Boarden organisiert wurden, sassen wir jedoch bereits nach wenigen Minuten im Zug auf unseren reservierten Plätzen und flogen förmlich nach Shanghai zurück.

Wir duschten kurz und genossen anschliessend noch einmal einen Cocktail in der Hotelbar. Da Sonntag war, war diesmal definitiv nix mit Happy Hour. In einem nahe gelegenen Shoppingcenter suchten wir uns danach ein Restaurant, für das Nachtessen. Zurück im Zimmer hatte ich drei Tagebücher nachzuschreiben, denn aus unerfindlichen Gründen war ein Teil des Dokumentes vom Vortag nicht gespeichert worden. Das hielt mich noch eine Weile beschäftigt.

Xian

Montag 22.09                                                                         Xian, Green Forest Hotel                                                        Bedeckt, neblig, warm

 

Heute konnten wir wieder ausschlafen, denn wir mussten erst gegen 12 Uhr zum Flughafen fahren, also genossen wir in Ruhe noch ein letztes Mal das hervorragende Frühstück im Hotel. Danach packten wir einmal mehr unsere sieben Sachen und verbrachten den Rest des Morgens mit der Planung der nächsten Etappe.

Kurz vor zwölf Uhr Checkten wir aus und gingen zur U Bahnstation. Bis zum Peoples Square brachte uns die Nr. 1, dort stiegen wir auf die 2 um. Dummerweise verpassten wir die Umsteigestelle auf den Trans Rapid, welcher direkt zum Flughafen fährt. Die U-Bahn Gesellschaft vermerkte den Umstieg nur mit einer winzig kleinen Info auf dem Streckenplan, wie wir erst später feststellten. Normalerweise wurden Umsteigemöglichkeiten in Englisch und Chinesisch angesagt. So legten wir eben die ganze Strecke bis zum Pudong Airport mit der U-Bahn zurück. Dort angekommen, waren wir erstaunt, wie wenig überall los war. Kein Gedränge, kein Anstehen, einfach nur durchschlendern bis zum Gate. Auch das Einsteigen verlief ruhig und gesittet und erst noch 15 Minuten vor der Zeit. Erst als es auf den Start zuging, informierte der Käpt’n, dass es auf Grund von grossem Verkehrsaufkommen zu einer Verspätung kommen würde. Wir starteten schliesslich wie angekündigt, etwas später, aber wir waren ja nicht in Eile. Das Mittagessen war wieder gar kein Renner. Ein Beutelchen mit irgendwelchen getrockneten Beeren oder Nüssen und ein kalter Minihotdog, der künstlich und unappetitlich aussah.

Nur 15 Minuten später als geplant, landeten wir in Xian. Mehr Zeit verloren wir allerdings bis das Gepäck endlich auf dem Rollband erschien. Für gerade mal 26 Yuan konnten wir uns mit dem Flughafen Shuttlebus in die 40 km entfernte Stadt fahren lassen, das für die gleiche Strecke Taxi kostet 100 bis 150 Yuan. Bis zur Stadtgrenze kam der Bus gut voran, dort wurde der Verkehr jedoch, wie immer in den Städten, zäher. Beim Bell Tower war Endstation und wir stiegen um auf die Metro, welche uns in 10 Minuten zum Hotel brachte. Dieses befand sich in einem Hochhaus, wo wir im 8. Stock ein Zimmer bezogen. Die Unterkunft war nicht mehr ganz so elegant wie noch in Shanghai, aber sauber und zweckmässig und zu einem Preis von nur 30 CHF darf man nicht zu viel Luxus erwarten.

Wir fuhren zurück in die Stadt zum Nachtessen. Im Muslemischen Viertel wurden wir fündig. In einer der belebten Touristengassen assen wir Nudelsuppe auf zwei Arten und dazu ein Gemüsegericht und Lammkoteletten vom Grill. Die Portionen waren wieder einmal riesig und wir mussten am Schluss einiges davon zurückgeben. Es schmeckte aber hervorragend, auch wenn für Myrtas Geschmack in der einen Suppe übertrieben viel Koriander obenauf schwamm. Wir schlenderten anschliessend durch die belebte Gasse und genossen die Stimmung und das komplett andere Ambiente. Man spürte überall sehr stark den Einfluss der muslimischen Kultur, nicht zuletzt auch daran, zum Essen kein Bier angeboten wurde. An einigen Ständen wurden mit einer ganz speziellen Technik Süssigkeiten hergestellt. Zum einen klopften jeweils zwei Männer eine süsse, klebrige Masse immer wieder flach und falteten den Teig mehrere Male wieder zusammen. Daraus wurden am Schluss Flocken abgezupft und so verkauft. Zum Andern wurde eine Zuckermasse immer wieder gestreckt, ähnlich wie die berühmten Nudeln hier, bis lange Spaghetti entstanden. Diese wurden am Ende mit gemahlenen Nüssen paniert und so zum Verkauf angeboten.

Mit der U-Bahn waren wir in wenigen Minuten wieder zurück im Hotel.

 

Dienstag 23.09                                                                  Xian, Green Forest Hotel                                                                       Kühl, regnerisch

 

Das Wetter versprach nicht allzu viel Gutes für diesen Tag, aber für den Besuch der Terrakotta Armee war das zum Glück nicht so wichtig. Ohne Frühstück gingen wir zur Bushaltestelle und fuhren erst mal zum Bahnhof. Dort fragten wir uns durch, um die Abfahrtstelle der Busse zu finden. Für 8 Yuan brachte uns dieser direkt bis zum Museum. Da es sich um eine öffentliche Buslinie handelte, hielt dieser in der Stadt noch einige Male, um weitere Passagiere aufzunehmen. Auch hier waren wir wieder die einzigen Ausländer an Bord. Die meisten Touristen besuchen die Terrakotta Armee mit einer Reisegruppe. Diese Touren wurden für 350 Yuan angeboten, wobei der Eintritt von 150 Yuan ebenfalls schon dabei war.

Vom Ticketoffice aus gelangten wir durch einen netten Park zum eigentlichen Eingang der Anlage. Als erstes besuchten wir die Halle 1. Diese ist die grösste, und zeigt mit Abstand die meisten ausgegrabenen und bereits restaurierten Krieger. Der erste Eindruck ist schon gigantisch und dies obwohl auch dort erst ein kleiner Teil der riesigen Grabanlage überhaupt freigelegt wurde. Die lebensgrossen Tonfiguren wurden seinerzeit in typischer Schlachtformation auf einem mit Tonplatten ausgelegten Boden aufgestellt. Danach wurde die ganze Armee mit Holzbohlen abgedeckt und die Grube schliesslich wieder aufgefüllt. Im Laufe der über 2000 Jahre seit der Errichtung sind diese Holzdächer eingefallen und haben die Figuren darunter begraben. Beim Ausgraben gilt es nun, diese Fragmente frei zu legen und den einzelnen Figuren zuzuordnen. Danach wird jeder Soldat wieder zusammengefügt, wenn nötig restauriert und anschliessend an den ursprünglichen Platz zurück gestellt. In Anbetracht der noch tausenden weiteren Figuren eine fast unvorstellbare Arbeit.

In den Hallen 2 und 3 waren die Arbeiten noch nicht so weit fortgeschritten. Bisher wurden die groben Erdmassen beseitigt und man hat sich bis zu den Figuren vorgetastet.

In einem Museum waren einzelne, komplett restaurierte Krieger zu bewundern. Zudem wurden zwei Modelle von Kriegswagen ausgestellt. 35 solcher Wagen zusammen mit den Pferden und Wagenführern konnten in der Grabanlage bereits lokalisiert werden. Die gesamte Armee, so weit sie heute bekannt ist, umfasst mehrere tausend Figuren, jede mit individuellen Gesichtszügen und Kostümen je nach Truppengattung.

Unterdessen hatte es zu regnen begonnen. Da die gesamte Ausstellung jedoch überdacht ist, mussten wir nur zum Wechseln zwischen den einzelnen Gebäuden raus. Als wir die Ausstellung gesehen hatten, nahmen wir in einem der unzähligen umliegenden Restaurants das Mittagessen ein. Die bekannten, handgemachten Nudeln, die Spezialität der Region, durften dabei natürlich nicht fehlen. Wieder waren die Portionen so gross, dass wir bei weitem nicht alles bewältigen konnten.

Mit dem Bus fuhren wir anschliessend nach Xian zurück. Wir hatten eine besonders geschäftstüchtige Crew erwischt. Während der ganzen Rückfahrt wurden aktiv Fahrgäste an allen möglichen und unmöglichen Stellen aufgegabelt. Dabei wurde auch mal ein kleiner Umweg in Kauf genommen. Wenn der Bus aber in Fahrt war, kannte der Chauffeur keine Hemmungen. Er kämpfte um jede Position im Verkehr und nach jeder Haltestelle ging der Kampf wieder los, die bereits einmal überholten wieder einzuholen.

Zurück im Hotel nutzten wir die Gelegenheit, eine Maschine mit schmutziger Wäsche zu waschen, da wir natürlich nicht Kleider für 4 Wochen dabei hatten. In einem nahen Supermarkt kauften wir uns Bananen für das Frühstück und nahmen mal in Augenschein, was die Chinesen an Lebensmitteln so im Angebot haben. Es schienen uns vor allem viele Fertiggerichte dabei zu sein. Wir hatten bisher generell den Eindruck, dass die Chinesen zu Hause nicht die grossen und begeisterten Köche sind, denn viele Leute holen sich an Strassenständen oder in Restaurants fertig zubereitete Mahlzeiten.

Später fuhren wir mit der U-Bahn zum Südtor der Stadtmauer und schlenderten Richtung Zentrum zurück. Eine der Strassen, lockte auf beiden Seiten mit einer Bar nach der anderen, sonst war in dieser Gegend jedoch eher wenig Interessantes zu entdecken. Wir landeten so bald wieder im Moslem Viertel und durchstöberten dieses in alle Richtungen. Da gab es überdeckte Märkte, die stark an den Orient erinnerten. In einem der vielen kleinen Restaurants produzierten Junge Männer Fladenbrote, welche an die Innenseite eines Kuppelofens geklebt und gebacken wurden. Solch ein Brot sollte Teil unseres Nachtessens werden, also setzten wir uns in diesem Lokal an einen der Tische. Die Menükarte wurde zu einer echten Herausforderung: sie enthielt keine Bilder und nebst Chinesisch war sie nur noch Arabisch geschrieben. Ein wenig auf die Nachbartische deutend und mit etwas Zeichensprache bekamen wir jedoch am Schluss was wir wollten. Der gebratene Reis mit Gewürzen und Gemüse war hervorragend und das Fladenbrot mit zwei Lammspiessen ergänzten das Nachtessen perfekt. Bier gab es auch diesmal bei den Moslems keines, dafür erhielten wir unaufgefordert einen feinen Gewürztee zum Trinken.

In der Hotelbar genossen wir zum Tagesabschluss noch ein Bier und liessen uns von westlicher Musik berieseln.


In Xian werden Süssigkeiten zum Teil noch sehr traditionell hergestellt. Die Zuckermasse wird immer wieder gestreckt, verschieden farbige Massen beigefügt und zuletzt in Bonbons geschnitten

Eine weitere Spezialität, die im Muslimviertel der Stadt hergestellt wird, ist eine Art Marzipan. Von Hand werden Nüsse mittels grosser Holzhammer immer wieder geklopft bis eine Masse entsteht. Diese wird in Stücke geschnitten verkauft.



Mittwoch 24.09                                                             Xian, Green Forest Hotel                                           Leicht bewölkt, z.T. neblig, warm

 

Da das Wetter bedeutend vielversprechender war, machten wir uns auf den Weg zum Hua Shan, einem der fünf heiligen Bergen der Taoisten. Der Verkehr war wieder einmal sehr stockend, also brachen wir den Versuch, mit dem Bus 266 zum Bahnhof zu fahren, ab und machten uns zu Fuss auf den Weg. Am Bahnhof angelangt, bestiegen wir einen der Busse, welche in die Gegend des Hua Shan fuhren. Nach etwas Wartezeit war der Bus voll und dann es konnte losgehen. Wieder quälten wir uns durch den Morgenverkehr, bis wir nach fast einer Stunde auf die Autobahn wechselten. Nun konnte der Fahrer auf der fast leeren Schnellstrasse Gas geben. Die gebührenpflichtigen Autobahnen scheinen den Leuten offenbar zu teuer zu sein. Nach etwas über 2 h war Endstation. In einem Restaurant erhielten wir Informationen über die weiteren Möglichkeiten, die wir hatten, um das Gebiet zu erkunden. Da jedoch alles nur auf Chinesisch vermittelt wurde, verstanden wir nicht sehr viel davon. Einer der Mitpassagiere sprach zum Glück etwas Englisch und half uns, die Tickets für die Gondelbahn zu kaufen. Mit ihm und seinem Freund zusammen nahmen wir ein Taxi, welches uns erst mal zum Shuttlebus brachte. Wir kauften ein Ticket für den Bus, welcher uns zur Talstation der West Peak Gondelbahn beförderte. Für diese kurze Strecke bezahlten wir 40 Yuan, also mehr als der Bus von Xian gekostet hatte. Zudem berappten wir für den Eintritt zum Hua Shan nochmal 160 Yuan, wir waren eindeutig in einer Touristenregion gelandet. Erst führte die Strasse entlang der Berge und schliesslich durch ein enges, ansteigendes Tal bis zur Gondelbahn. Die spektakulär angelegte Bahn überquerte erst einen Bergrücken, um dahinter wieder tief ins Tal abzusinken. Auf der Höhe der Kuppe, erblickten wir ein erstes Mal die Hua Shan Berge, diese unglaublich eindrücklichen, kahlen und senkrecht aufragenden Granitgipfel. Die Gondelbahn stieg nun erneut steil an den Felswänden entlang auf, und verschwand am Schluss in der aus dem Fels gehauenen Bergstation. Durch einen Tunnel gelangtem wir auf die Ostseite des West Peaks. Auf Wegen, welche aus Granitbalken oder Holzstegen gebaut sind, machten wir uns auf, Richtung North Peak. Am Anfang führte die Strecke durch schönen Wald dem Berghang entlang. Als wir den Jinsuo Pass erreichten, änderte sich die Wegführung. An den Geländern entlang der Treppen und Stege sahen wir zum ersten Mal hunderte, wenn nicht tausende von roten Wunschbändern und Vorhängeschlösser, die von den Besuchern hinterlassen wurden. Diese gaben der Umgebung einen farbigen aber auch mystischen Rahmen. Der Weg war nun des Öfteren etwas ausgesetzter, dadurch hatte man immer wieder Aussichten auf die umliegenden Gipfel. Das Wetter war zum Teil etwas neblig, dafür war das Erlebnis umso spektakulärer, wenn die Berge plötzlich sichtbar wurden. Die berühmte Blue Dragon Ridge, einer der aufregendsten Streckenabschnitte, verpassten wir zwar, aber Myrta war darüber nicht unglücklich, denn so konnten wir auf dem neueren und weniger ausgesetzten Weg weiter gehen. Die beiden Wege trafen bei einem Tempel wieder aufeinander. Von dort war es nicht mehr sehr weit bis zur North Peak Gondelbahn. Vorher kletterten wir jedoch noch auf ganz zum North Peak hoch. Auf einer exponierten Aussichtsterrasse breitete sich bei Myrta schlagartig Panik aus und sie brauchte ein paar Minuten, um sich wieder zu fassen. Bis dahin hatte sie trotz ihrer Höhenangst die ausgesetzten Pfade tapfer bezwungen, nun war aber scheinbar genug. Das Wetter änderte fast im Minutentakt, sodass die Ausblicke zwischen klarer Sicht und mystisch nebelverhangen Gipfeln wechselte. Schliesslich stiegen wir zur Bergstation der Gondelbahn ab und liessen uns bequem in einer der aus der Schweiz stammenden Kabinen zu Tal fahren. Von der Bahn aus erblickten wir immer wieder den Fussweg, welcher über hunderte von Stufen talwärts führt.

Unten angekommen, mussten wir feststellen, dass die 40 Yuan für den Shuttlebus nur einen Weg abdeckten. Für die Rückfahrt wollten sie nochmals 20 Yuan extra. Der Touristenmagnet Hua Sha bietet sicher ein unglaubliches Erlebnis, das man sich jedoch grosszügig bezahlen lässt. Nachdem wir die erste Haltestelle erreicht hatten, stiegen wir in ein Taxi, welches uns zum Ausgangspunkt für die Xian Busse brachte.

Im nächstmöglich Bus waren nur noch wenige Plätze frei. Damit wir trotzdem zwei Sitze nebeneinander bekamen, wurde eine andere Passagierin kurzerhand umplatziert und schon ging es los, zurück Richtung Xian. Obwohl auch dieser Busfahrer alle Register zog, um möglichst schnell vorwärts zu kommen, dauerte die Fahrt über zweieinhalb Stunden. Das Wetter in der Stadt war wolkenlos, nur ein Dunstschleier trübte die Sonne wie meist.

Im Hotel schauten wir erst mal nach unserer gewaschenen Wäsche und stellten uns anschliessend unter die Dusche. Heute beschlossen wir, in der näheren Umgebung essen zu gehen. Vorher aber genossen wir bei Sonnenuntergang den Apéro in der Hotelbar. Gleich neben dem Hotel fanden wir ein einfaches, aber wie es sich herausstellte, sehr passables Restaurant. Für gerade mal 45 Yuan erhielten wir eine grosse Schüssel feinste Nudelsuppe mit Rindfleisch, je ein kleines Schälchen mit geschnittenem Siedfleisch und eines mit Gemüse. Dazu tranken wir eine grosse Flasche Tsing Tao Bier. Zum Dessert gingen wir zu einer Patisserie, die auch gleich um die Ecke lag. Myrta wählte eine Art Cookie und ich einen Hefegipfel. Beides war sehr frisch und schmeckte wunderbar, so dass wir für das Frühstück am nächsten Tag gleich nochmal zwei Hefegipfel kauften.

Lijiang, Dali, Kunming

Donnerstag 25.09                                  Lijiang, Secret Garden Guest House                            Xian: dunstig, warm; Lijiang: Regen, kühl

 

Um acht Uhr machten wir uns auf den Weg zum Flughafen. Die erste Metro war so voll, dass nicht einmal mehr die Chinesen einstiegen. Wir quetschten uns also in die nächste und waren froh, dass wir nur zwei Stationen fahren mussten. Beim Drum Tower stellten wir uns in die lange Schlange mit Leuten, die ebenfalls auf den Flughafenbus wollten. Um den Ansturm zu bewältigen, fuhr ein Bus nach dem andern vor, so dass wir doch recht schnell an der Reihe waren. Wir erreichten in nur gerade 45 Minuten den Flughafen, also in der halben Zeit, verglichen mit dem Ankunftstag. Es herrschte bedeutend mehr Betrieb am Flughafen. Trotzdem kamen zügig durchs Check-in und die Sicherheitskontrolle, nur um am Gate festzustellen, dass unser Flug auf unbestimmte Zeit verspätet war. Solche Ansagen bedeuten normalerweise nichts Gutes. Nach etwa einer Stunde wurde informiert, dass es um drei Uhr, also mit 4 h Verspätung losgehen sollte. Wir hatten also noch viel Zeit, durch die Abflughalle zu schlendern und bei Burger King einen Whopper zu verdrücken. Zufällig trafen wir eine Mitpassagierin, die uns sagte, dass der Flug bereits zum Boarding bereit sei. Wir hatten davon nichts mitbekommen, denn weder wurde unser Flug auf den Anzeigetafeln weitergeführt, noch gab es eine Lautsprecherdurchsage. Als wir wieder am Gate auftauchten, war der Warteraum leer und ein Bus mit wenigen Passagieren wartete auf uns. Es stellte sich aber heraus, dass wir nicht die einzigen waren, die nicht mitgekriegt hatten, dass es losgehen soll. Daher verstrich nochmals eine gute Viertelstunde bis alle an Bord waren. Mit 3 h Verspätung startete die Maschine schliesslich. Obwohl unsere erste Erfahrung mit der Sichuan Airlines nicht sehr positiv ausgefallen war, verbesserte sich diese mit einer Verpflegung, die für einmal ganz OK war, sogar ein Bier wurde uns dazu serviert. Das Flugzeug selber, ein Airbus, war zudem gut in Schuss und hinterliess einen gepflegten und sauberen Eindruck.

Der Anflug auf Lijiang liess bereits vermuten, dass das Wetter nicht gerade einladend sein würde. Durch ein paar Löcher in den Wolken erhaschten wir zwar immer wieder einen Blick auf die grüne Berglandschaft und viele, zum Teil grosse Flüsse. Der Landeanflug erfolgte jedoch bei starkem Regen.

Der Airport Bus brachte uns ins Stadtzentrum und von dort wollten wir ein Taxi zum Hotel nehmen. Bei diesem Regen wollten natürlich alle ein Taxi und so standen wir längere Zeit vergebens im Regen am Strassenrand. Myrta erkundigte sich, ob es eine Buslinie gibt, die uns bis in die Nähe des Hotels bringen würde. Wir bestiegen also den uns empfohlenen 11er und hofften, so an unser Ziel zu kommen. An Bord wurde uns von anderen Einheimischen bestätigt, dass dies richtig sei und sie zeigten uns an, wo wir aussteigen und wie weitergehen müssten. Wir folgten den vagen Instruktionen und landeten klitschnass am Ende einer Strasse. Da weit und breit noch kein Hotel in Sicht war, fragten wir einen Polizisten nochmals nach dem Weg. Nach seiner Aussage stimmte zwar die Richtung, aber es blieben noch 20 Minuten zu Fuss über einen Hügel, um die angegebene Adresse zu erreichen. Da wir keine Lust hatten, noch länger im Regen herum zu wandern, bat ich ihn für uns im Hotel anzurufen, um herauszufinden, welches der einfachste Weg war. Helen von der Réception erklärte ihm, dass er uns mit einem Taxi zu einem bestimmten Punkt schicken solle, wo sie uns dann abholen würde. Er trat kurzerhand auf die Strasse und hielt das nächste Taxi an. Dieses war schon besetzt, beim Zweiten klappte es jedoch. Tatsächlich tauchte Helen kurz nach unserem Eintreffen am verabredeten Ort auf und begleitete uns ins Guesthouse. Dort gab es erst mal einen feinen Tee, nach traditioneller Art zelebriert. Das Hotel war in einem der alten Häuser in der berühmten Altstadt von Lijiang untergebracht und unser Zimmer war sehr nett hergerichtet. Da sie selber für die Bezahlung keinen Kreditkartenleser hatte, begleitete uns Helen zu zwei befreundeten Geschäften, in der Hoffnung , dass wir dort mit der Karte bezahlen könnten. Leider klappte dies nicht, so dass wir am Schluss doch mit Bargeld die Rechnung begleichen mussten.

Im Zimmer zurück, hängten wir unser ganzes nasses Zeug auf und machten und zum Nachtessen fertig. Wir suchten uns ein nettes Restaurant in der Umgebung. Obwohl es unterdessen bereits neun Uhr geworden war und viele Lokale bereit am schliessen waren, konnten wir doch noch etwas passendes finden. Wie alle Gebäude in der Altstadt, war auch das Restaurant wunderschön rustikal gebaut und eingerichtet. Das Gebäude war jedoch ziemlich offen gebaut, so dass wir die kühlen Temperaturen zu spüren bekamen. Lijiang liegt an den südöstlichen Ausläufern des Himalaja auf über 2000 m, dadurch kühlt es bei regnerischem Wetter schnell empfindlich ab. 

Bald waren wir wieder im Guesthouse zurück und machten uns für die Nacht bereit.

 

Freitag 26.09                Lijiang, Secret Garden Guesthouse             Morgens leicht bewölkt, kühl, zunehmend bewölkt und Regen

 

Das Wetter war heute bedeutend freundlicher und wir wollten dies ausnützen. Gegen neun Uhr machten wir uns auf den Weg in die Altstadt. Den mal engen, mal breiten, gepflasterten Strassen und Gassen folgend, gelangten wir auf den Market Square. Dort verdrückten wir unser Frühstück, das heute mal wieder nur aus einer Banane bestand. Die teils über 800 jährige Altstadt Lijiangs ist wunderbar erhalten, auch wenn unterdessen die historischen Gebäude ausschliesslich Souvenirshops und Restaurants beherbergen. Aufgrund der Berichte in den Reiseführern rechneten wir mit Menschenmassen, die sich durch die Gassen drängen, da Lijiang auch bei den Chinesen eine beliebte Destination ist. An diesem Tag hielt sich die Anzahl Leute jedoch in Grenzen, was uns sehr entgegenkam. Am Nordende der Altstadt stand ein grosses Doppelwasserrad an einem der Kanäle, rundum geschmückt mit unzähligen Blumen. Nicht nur dort, sondern in der ganzen Altstadt fielen die wunderschönen Blumenrabatten auf, welche der Saison entsprechend mit Dahlien und Chrysanthemen bepflanzt waren. Der sehr gepflegte Ort wurde nicht ohne Grund 1997 in die Liste der UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen. Wir nutzten unseren Spaziergang durch Lijiang unter anderem, um Zugtickets nach Dali zu besorgen, also suchten nach einem Ticketverkäufer und erledigten das. Für die bevorstehende zweistündige Bahnfahrt mussten wir pro Person nur gerade 6 CHF bezahlen.

Immer wieder folgten wir kleinen und grösseren Kanälen, welche die Stadt von Nord nach Süd durchströmen. Rund um einen Platz angeordnet fanden wir unzählige Essenstände, von welchen man sich etwas kaufen und an den Tischen essen konnte. Wir entschieden uns für ein sehr schmackhaftes Pilzgericht. Verschiedene Arten frischer Pilze wurden zusammen mit Gemüse und Gewürzen auf einer grossen heissen Platte portionenweise frisch zubereitetet. Natürlich hätten wir auch Maden und Käfer oder andere für uns eher ungewöhnliche Dinge auswählen können, aber wir wollten es ja mit der Neugier nicht übertreiben..

Nach der ersten grossen Runde stiegen wir vom Marktplatz zum Löwenhügel hoch, von wo man einen guten Blick auf die Altstadt werfen kann. Am Südende der Altstadt trafen wir zufällig auf einen grossen Markt, wo die unterschiedlichsten Gemüse und Früchte, aber auch exotischere Dinge angepriesen wurden. Wir staunten einmal mehr über die Grösse und Qualität des angebotenen Gemüses. Nachdem es wieder angefangen hatte zu regnen, legten wir einen kurzen Zwischenstopp im Hotel ein. Danach besuchten wir den White Horse Dragon Pool, ein dreistufiges Becken, welches von einer ergiebigen Quelle gespeist wird. In einem nahen Park konnten wir alte Herren beobachten, welche ihre Singvögel in Käfigen in die Bäume hingen und sich dann am Vogelgesang erfreuten. Als wir auf einer anderen Route wieder am Marktplatz vorbei kamen, brach ein Gewitter mit starkem Regen los. Wir flüchteten in eine Bar im 1. Stock eines der Gebäude. Von dort aus konnten wir das Wetterspektakel bequem im Trockenen bei einem Tsing Tao Bier beobachten. Nachdem Myrta dem Livemusiker, der die Gäste unterhielt, applaudiert hatte, kam dieser in der Pause zu uns an den Tisch, um etwas zu plaudern. Es war interessant zu erfahren, welche Träume er für sein künftiges Leben hatte. Wie er uns erzählte, würde es seine Mutter am liebsten sehen, dass er eine Staatsstelle und damit Sicherheit findet, während er lieber Musik machen und das Leben geniessen würde. Wer sich schlussendlich durchsetzen wird, haben wir nicht erfahren, aber wir wissen, dass die Eltern in China sehr viel Einfluss auf das Leben ihrer Kinder nehmen.

Als der Regen nachliess und nach Kurzem sogar die Sonne wieder zum Vorschein kam, machten wir uns auf den Rückweg. Zum Nachtessen suchten wir in ein Restaurant auf, welches sich auf Hot Pot, dem eigentlichen Fondue Chinoise, spezialisiert hatte. Wir wurden an einen Tisch geführt, in dessen Mitte eine grosse Specksteinschale eingelassen war. Am Boden des Topfes war ein Ventil eingebaut, durch welches aus einer zentralen Versorgung Dampf eingeblasen werden konnte. Als erstes wurde die Schale mit Dampf sterilisiert und mit einem sauberen Tuch ausgerieben. Danach brachte die Bedienung in einer Schüssel Hühnerbrühe mit Poulet Stücken drin, und auf einem tragbaren Gestell wurden die ganzen weiteren Zutaten an den Tisch gebracht. Wieder war eine grosse Auswahl an Pilzen dabei, zudem verschiedenes Fleisch und Gemüse. Als erstes wurde dann alles ausser den Gemüsen in den Sud geworfen und eine Eieruhr auf 19 Minuten gestellt. Der Topf wurde mit einem geflochtenen Hut abgedeckt und der Dampfhahn aufgedreht. Nun hiess es geduldig warten. Nachdem die Uhr sich gemeldet hatte, war das Essen bereit. Wir fischten wahlweise Zutaten aus der Brühe oder schöpften zwischendurch Suppe in eine kleine Schale und trank diese ohne Löffel. Alles schmeckte ausgezeichnet, aber die Menge war einmal mehr viel zu viel für uns. Als wir schon bald satt waren, wurde zudem noch eine Schüssel mit Reis aufgetischt. Schon während dem Essen hatte es immer wieder zum Teil kräftig geregnet. Wir warteten eine kurze Regenpause ab, um ins Hotel zu eilen, welches zum Glück nur ein paar Minuten entfernt lag.

 

Samstag 27.09                                        Lijiang, Secret Garden Guest House                           Leicht bewölkt, warm, dann bedeckt, kühl

 

Heute wollten wir zwei Orte ein paar Kilometer nördlich von Lijiang besuchen,  Shuhe und Baisha, beides relativ authentische Dörfer der Naxi und Bai Minderheiten. Nach Shuhe konnten wir mit dem Bus Nr. 11 bis etwa 1 km an die Altstadt heranfahren. Das letzte Stück legten wir zu Fuss zurück. Die kleine Altstadt von Shuhe gilt nebst Lijiang als die schönste in der Gegend. Auch hier ist die ganze Stadt von Kanälen durchzogen, welche nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch heute noch die Bewohner mit Wasser versorgen. Die Strassen sind hier bedeutend breiter ausgelegt, was der ganzen Stadt einen viel offeneren Charakter verleiht. Zwar gab es auch hier überall Souvenirshops und Restaurants, daneben aber auch viele normal bewohnte Häuser. Nicht alle Quartiere wiesen konsequent historische Gebäude auf, wir sahen auch viele neuere, aber dennoch einigermassen stilgerechte Häuser. Durch einen kleinen Gemüsemarkt gelangten wir über den Fluss in ein aussenliegendes Quartier. Wir folgten dem Fluss aufwärts, an einigen kristallklaren Teichen vorbei, in welchen sich die unterschiedlichsten Fische tummelten. Zurück im alten Zentrum schlenderten wir weiter durch die Gassen und liessen die Bilder auf uns wirken. Auffallend in Shuhe waren die vielen Pferde, welche man zum Reiten mieten konnte oder die vor Pferdefuhrwerke gespannt waren, meist um Touristen herumzuführen. Baisha liegt nur wenige Kilometer von Shuhe entfernt, deshalb wollten wir ein Taxi nehmen. Keiner der bereitstehenden Fahrer schien jedoch Interesse zu haben, uns zu befördern.  Offenbar war der Auftrag zu wenig lukrativ, sie boten uns lediglich an, die Fahrt für pauschal 50 Yuan zu übernehmen. Wir verzichteten auf ihre Dienste und marschierten die 500 m bis zur Busstation zurück, von wo wir für 1 Yuan/Person nach Baisha kamen. Die Gegend, durch die wir fuhren, war nun sehr ländlich, ringsherum sahen wir Felder, vorwiegend mit Mais bepflanzt. Der Blick auf die bis zu 5500 m hohen Berge im Norden blieb uns vergönnt, denn dichte Wolken verdeckten die Gipfel. Auch die Talsohle, auf der wir uns bewegten, liegt bereits auf einer Höhe von 2300 m. Umso erstaunlicher war es, überall in der Gegend Granatäpfel und Pfirsiche, vereinzelt sogar Bananenstauden wachsen zu sehen.

In Baisha besichtigten wir zuerst die Tempelanlagen, welche unter anderem bekannt sind für die alten Fresken. Die ganze Anlage war viel weniger aufgemotzt und erschien uns deshalb wesentlich authentischer als die restaurierten, farbigen Tempel die wir bis anhin besichtigt hatten. Nachdem wir die ganze Anlage durchquert hatten, landeten wir direkt im Dorfzentrum von Baisha. Zur Zeit unseres Besuchs waren die meisten Strassen eine Riesenbaustelle. Offenbar wurden im ganzen Ort die ursprünglichen Pflastersteine wieder eingebaut. In ein zwei Jahren dürfte das Dorf sich wohl ähnlich herausgeputzt präsentieren wie Shuhe. Im Reiseführerhatten wir einen Eintrag über den Kräuterdoktor Ho gelesen, der in Baisha leben soll. Tatsächlich fanden wir das Haus des 92 Jährigen und auch ihn selbst. Der einstmals in der ganzen Welt berühmte Heiler lebt heute vor allem von seinen Erinnerungen, denn die ganze Fassade seines Hauses war mit Zeitungsausschnitten aus aller Herren Länder geschmückt. Wir unterhielten uns eine Weile mit dem Mann und erfuhren, dass seine traditionelle chinesische Heilkunst vorwiegend auf Kräuterbasis beruht, dass er daneben aber ebenso grossen Wert auf einem gesunden Lebenswandel legt. Bei ihm schien die Methode jedenfalls erfolgreich zu sein, denn für seine 92 Jahre machte Doktor Ho einen gesunden und vitalen Eindruck. 

Wir hatten anschliessend Gelegenheit, in einer Stickereischule reinzuschauen, wo junge Mädchen die traditionelle Seidenstickerei lernen konnten. Eine der Lehrerinnen führte uns die Technik vor und zeigte uns einige der Werke. Wir waren unglaublich beeindruckt von den Leistungen der Meisterstickerinnen. Eine der erfahrensten übt diese Kunst bereits seit 37 Jahren aus. Sie zeigten uns Bilder, in denen bis zu 200 Arbeitstage steckten, bei den grössten Stickereien ist nicht einmal bekannt, wie lange daran gearbeitet worden war. Aus der Distanz erschienen die hochklassigen Werke wie dreidimensionale Fotos. Erst bei der Betrachtung aus kurzer Distanz vermag man die einzelnen Stiche überhaupt zu erkennen. Wie uns erklärt wurde, werden die normalen Seidenfäden zum Sticken weiter aufgeteilt. Während die Anfängerinnen den Faden nur halbieren, arbeiten Meisterinnen mit einem 64stel Faden, also viel dünner als ein Haar und von Auge kaum mehr zu erkennen. Die Besten Stickerinnen können die Fäden sogar in über 200 Einzelfäden aufteilen.

Zurück nach Lijiang nahmen wir wieder den Bus und liessen uns ein paar hundert Meter vom Hotel entfernt absetzen. Auf dem Rückweg zum Zimmer wollten wir unsere leeren Mägen mit einer Nudelsuppe füllen. Einmal mehr staunten wir, dass wir für eine grosse Portion Suppe, die wieder für beide ausreichte, und ein grosses Bier 22 Yuan, also etwa 3.50 CHF, bezahlen mussten. Wie oftmals in China liegen riesige Preisunterschiede zwischen sehr ähnlichen Dingen. Zum Beispiel das Taxi für 5 km 50 Yuan, der Bus für die gleiche Strecke 1 Yuan, ein feines Hot Pot Menü im gehobeneren Restaurant 200 Yuan, ein einfaches Mittagessen im Strassenrestaurant 20 Yuan, beides  schmackhaft und gut.

Nach einer Rast im Zimmer machten wir uns bereit für das Abendessen. Für das Bier zum Apero setzten wir uns in eine Bar in der Nähe des Hotels und fanden dann nicht weit davon entfernt ein nettes Restaurant. In den vergangenen Tagen hatten wir das grosse Angebot an Pilzgerichten ausgekostet, diesmal wollten wir eine weitere Spezialität der Region probieren, nämlich Yak Fleisch. Dazu bestellten wir ein weiteres Gericht mit Poulet und etwas Reis. Alles schmeckte uns wieder hervorragend gut. Zum Verdauen schlenderten wir weiter in die Altstadt Lijiangs hinein. Je näher wir dem Zentrum kamen, desto dichter wurden die Menschenmassen. In der Dunkelheit gewannen wir einen komplett anderen Eindruck der Stadt. Nebst den zum Teil grellen Ladenbeleuchtungen waren die Gassen mit warmem Licht beleuchtet, also keineswegs kitschig, sondern richtig romantisch und gemütlich. Einzig als wir vom grossen Wasserrad aus dem Kanal folgten, drehten wir fast durch. Auf einer langen Strecke befanden sich links und rechts des Wassers Restaurants und Bars, welche alle sehr laute Live Musik spielten, viele mit Discobeleuchtung allem Drum und Dran. Blitzende Lichter, grellfarbige Scheinwerfer und Lasershows, inklusive Rauchmaschinen, wohin wir blickten. Der Lärm und das Gedränge waren unglaublich. Die Chinesen schienen den Trubel zu schätzen, denn Lokale mit weniger lauter Musik waren praktisch leer. Für uns war dies definitiv zu viel Spektakel, und wir waren froh, wieder in weniger laute Gassen eintauchen zu können. Wir waren an diesem ganzen Tag vom Regen verschont geblieben und auf dem Rückweg funkelten gar die Sterne am Himmel.

 

Sonntag 28.09                                                                              Dali, China Old Story Inn                                                                Schön, warm

 

Sicherheitshalber hatten wir den Wecker gestellt, denn wir mussten den Zug nach Dali erwischen. Zum Frühstück gab es eine feine Mango, welche wir am Tag zuvor auf dem Markt gekauft hatten. Am Rande der Fussgängerzone bestiegen wir einen Minivan, welcher uns zum Bahnhof brachte. Die Bahnstation schien ziemlich neu zu sein und war für die paar wenigen Züge, die nach Lijiang und weiter nach Kunming verkehren, sehr grosszügig gebaut. Nachdem sich das Wetter nun von seiner besten Seite zeigte, hatten wir von hier aus das erste Mal Ausblick auf die Schneeberge, welche sich nördlich der Stadt bis auf über 5000 m erheben. Eine halbe Stunde vor Abfahrt wurde der Zugang zum Perron geöffnet und die Leute strömten zum Zug und nahmen ihre Sitzplätze ein. Unsere reservierten Plätze lagen zwar nebeneinander, hatten jedoch den Gang dazwischen. Wir konnten die Sitze aber mit einer Gruppe von Reisenden tauschen, so dass wir am Ende beide einen Fensterplatz besetzten und sogar die beiden Plätze neben uns frei blieben.

Der Zug setzte sich pünktlich, aber langsam in Bewegung, bis er nach einer ganzen Weile endlich die Reisegeschwindigkeit erreicht hatte. Die Fahrt ging durch ländliche Gegenden mit kleinen Dörfern südwärts. Mehrere, zum Teil einige Kilometer lange Tunnel wurden durchquert, bis wir das 400 Höhenmeter tiefer gelegene Niveau von Dali erreichten. Auf den letzten Kilometern führte die Strecke dem Erhai See entlang, welcher über 40 km lang und der 7. grösste Süsswassersee Chinas ist. Die Fahrt war recht kurzweilig und nach gut zwei Stunden erreichten wir unser Ziel, die Stadt Dali.

Vor dem Bahnhof bot sich der Fahrer eines Minivans an, uns für 60 Yuan, also ca. 9 CHF, in die Altstadt von Dali zu fahren, welche etwa 15 km nördlich liegt. Wir fuhren durch die äusserst moderne und geschäftige Neustadt, vorbei an einigen bemerkenswerten Gebäude, unter anderem auch erstaunlich hohen, neu gebauten Wolkenkratzern. Nach einer halben Stunde waren wir fast am Ziel. Obschon wir dem Fahrer den Hotelnamen und die Adresse auf Chinesisch gezeigt hatten, fuhr er direkt zum Südtor der Altstadt. Ich wusste jedoch, dass das Hotel 300 m südlich davon liegen sollte. Der Chauffeur hatte offenbar nur "Südtor" und "300 m" gelesen und angenommen, wir seien in der autofreien Altstadt untergebracht. Nachdem wir interveniert hatten, las er die Beschreibung nochmals genauer und lachte dann über sich selbst, da er das Hotel sehr wohl kannte und auch direkt vor das Haus fahren konnte.

Beim Einchecken fragten wir nach, ob wir unseren Aufenthalt um einen Tag verlängern könnten, da wir auf den vorangegangene E-Mail Verkehr  keine klare Antwort erhalten hatten. Zum Glück klappte es nun doch und wir bekamen das Zimmer sogar zum selben, übrigens sehr günstigen Preis. Dieses Hotel erfüllte die gemachten Versprechen absolut, und zu unserer Überraschung erhielten wir sogar Frühstücksgutscheine, mit denen wir nicht gerechnet hatten. Das Zimmer stellte sich ebenfalls als sauber und gut ausgestattet heraus, und das für nur gerade 23 CHF, also die Hälfte des Guesthouses in Lijiang, mit dem wir in Punkto Sauberkeit und Service nicht sehr zufrieden waren. Nachdem wir unsere Sachen verstaut hatten, machten wir uns auf den Weg in die Altstadt. Da wir unterdessen den Hotelaufenthalt in Kunming definitiv um einen Tag gekürzt hatten, wollten wir nun als erstes die Bahntickets dorthin kaufen. Die 7 stündige Fahrt mit dem Bummelzug kostete 64 Yuan, im teureren Schnellzug hatten wir keinen Platz gefunden.

Die historische Altstadt von Dali mit seiner zum Teil erhaltenen Stadtmauer und den 4 Toren an jeder Ecke der quadratisch angelegten Stadt ist zwar sehr touristisch, aber wunderbar erhalten. Den ganzen Nachmittag schlenderten wir kreuz und quer durch den Ort. Wie bereits die nördlicher liegenden Städte wird auch Dali von Wasserkanäle durchzogen, die gesäumt sind von unzähligen historischen Gebäuden, welche grossenteils von Läden und Restaurants besetzt sind. 

Auf dem Weg zurück in die Unterkunft kauften wir uns ein grosses Bier, welches wir im Gartenpavillon des wunderschönen Innenhofes genossen.

Nachdem wir uns frisch gemacht hatten, gingen wir zurück in die Stadt zum Essen. Wir hatten am Nachmittag ein Restaurant entdeckt, welches von einem Engländer geführt wird und jeden Sonntagabend einen englischen Rindsbraten mit all den typischen Beilagen anbot. Nachdem wir nun zwei Wochen lang ausschliesslich chinesisch gegessen hatten, wollten wir uns diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Es stellte sich heraus, dass das Menü tatsächlich sehr originalgetreu daher kam und zudem mit 45 Yuan, inklusive einem grossen Bier oder einem Glas Wein, sehr günstig war. Auf jeden Fall hat es gut geschmeckt und wir wurden sehr satt davon.

 

Montag 29.09                                                                        Dali, China Old Story Inn                                                                          Schön, warm

 

Das Frühstück war, wie zu erwarten, sehr chinesisch. Es gab primär Nudelsuppe und die war zudem ziemlich scharf für morgens früh. Interessant war, dass es keinen Tee, sondern Kaffee gab. Dieser war zwar etwas schwach und mit Sojamilch gemischt, aber eigentlich ganz OK. Ganz in der Nähe des Hotels hatten wir einen Velovermieter entdeckt, der uns mit zwei Mountainbikes ausstattete, mit denen wir ein Stück dem See entlang fahren wollten. An der Stadtmauer vorbei gelangten wir zur Strasse, welche einige Kilometer zum See herunter führte. Wir besuchten als erstes die Anlegestelle, wo die Ausflugsboote zu den Rundfahrten auf dem See starteten. Danach ging es durch Reis- und Gemüsefelder nordwärts. Die Reisernte war in vollem Gange. Mit der Sichel wurde der Reis bündelweise geschnitten und noch im Feld mit einer einfachen Maschine gedroschen. Das Stroh wurde zu hübschen Bündeln gebunden und der Strasse entlang zum Trocknen hingestellt. Auch der Reis selber wurde auf der Fahrbahn an der Sonne ausgelegt. Bald folgte die Strasse direkt dem Seeufer. Ausser Fahrrädern, meist mit Touristen, gab es kaum Verkehr, so dass wir sehr entspannt fahren und die Landschaft geniessen konnten. Immer wieder kamen wir durch kleine Dörfer oder konnten den Bauern bei der Arbeit in den Feldern zuschauen. Eine ungewohnt ruhige und friedliche Atmosphäre nach all den Städten, die wir bisher besucht hatten. Nach etwa 25 km drehten wir im Dorf Jiangshang wieder um. Obschon die Strasse eigentlich flach verlief, war der Rückweg etwas anstrengender, denn wir mussten zum Teil gegen den Wind ankommen. In einem der Dörfer machten wir Mittagsrast und assen eine Portion gebratenen Reis. Für die Bestellung brauchten wir keine Menükarte, man suchte sich die Zutaten, die in Körben und im Kühlschrank bereitstanden, einfach aus, worauf diese in die Küche gelangten und zubereitet wurden. Die Portionen waren auch hier wieder mehr als reichlich.

Frisch gestärkt und etwas ausgeruht nahmen wir die restlichen Kilometer in Angriff. Das letzte Stück nach Dali stieg die Strasse leicht bergan, was uns nach fast 50 km in den Beinen doch etwas zu schaffen machte. Müde und durchgeschwitzt brachten wir die Velos zurück und waren froh, uns im Hotel frisch zu machen und etwas auszuruhen.

Für das Nachtessen wollten wir diesmal ein Restaurant in unserem Quartier aussuchen. In der Nähe des Südtors hatten wir einige einfache Lokale entdeckt, welche uns einen guten Eindruck gemacht hatten. Diese schienen zwar nicht ganz so elegant zu sein wie in der Altstadt, uns überzeugte vor allem, dass Gemüse, Pilze aber auch Fische direkt vor den Restaurants ausgestellt waren, so dass man sich von der Frische der Zutaten ein Bild machen konnte. Wir entschlossen uns, frischen Fisch aus dem See und Flusskrebse zu essen. Die noch lebenden Tiere wurden unmittelbar vor dem Kochen getötet und ausgenommen. Dazu suchten wir uns verschiedene Gemüse aus und schon wurde der Wok in der Miniküche angeheizt. Frischer konnte ein Essen wohl nicht auf den Tisch kommen. Der Fisch wurde in einer Brühe am Stück gegart und mit etwas Kräutern serviert. Die Krebse wurden mit Frühlingszwiebeln im Wok zubereitet, ebenso die beiden Gemüsegerichte. Als es ums Zahlen ging, bemerkte ich, dass ich vergessen hatte, das Portemonnaie aufzufüllen. Zum Glück lag das Hotel nicht weit weg, um Geld nachzutanken.

Danach schlenderten wir durch die Altstadt auf der Suche nach einem Bäcker, um ein Dessert zu kaufen. Bis anhin waren wir noch nie enttäuscht worden und auch heute schmeckte das Gebäck fein, nicht zu süss, frisch und aromatisch. Zum Ausklang des Abends gingen wir zum Engländer ins Bad Monkey zurück und wollten das selbstgebraute Bier probieren. Ich bestellte ein Amber Ale, aber es kam ein sehr dunkles Bier, das scheusslich und sauer schmeckte. Da Amber normalerweise nicht so schwarz sein sollte, war fragte ich beim Kellner nach und er bestätigte, dass es sich um ein Schwarzbier handle. Er tauschte es gegen ein Amber um, aber dieses war genau so sauer. Wir liessen das Bier stehen und machten uns etwas enttäuscht auf den Weg ins Hotel.

 

Dienstag 30.09                                                                     Dali, China Old Story Inn                                                          Leicht bewölkt, warm

 

Heute war wandern angesagt. Nach dem Frühstück marschierten wir zum West Tor, mit dem Ziel zum Zhonghe Tempel hoch zu gehen und von dort der Jade Belt Road, einem Wanderweg, entlang dem Bergzug Zhonghe Shan, zu folgen. Früher existierte ein Sessellift, der die Besucher in die Cangshan Berge beförderte, dieser war jedoch schon längere Zeit ausser Betrieb. Wir hatten gelesen, dass statt dessen einen Pfad geben sollte, der dem Sessellift entlang nach oben führt, stellten aber bald fest, dass die ganzen Informationen diesbezüglich ziemlich vage waren und suchten nach einer Alternative. Ein Tuk Tuk brachte uns zur Talstation der Gantong Gondelbahn, mit welcher wir zum Quingbi Stream hoch fahren konnten. Die gleichnamige Schlucht ist gleichzeitig der Endpunkt der Jade Belt Road, und somit Ausgangspunkt für unsere Wanderung. Zuerst wollten wir jedoch die nähere Umgebung der Bergstation erkunden. Über eine lange Treppe gelangten wir zu einer Aussichtsplattform mit imposantem Ausblick in die Schlucht. Der anschliessende Weg führte weiter hinunter und erlaubte es, ein Stück weit in den Canyon hinein zu gehen. Wieder oben angekommen, beschlossen wir, der Jade Belt Road ein paar Kilometer zu folgen, dann auf demselben Weg zurück zu gehen und mit der Bahn zurück ins Tal zu fahren. Der gut zwei Meter breite Plattenweg, die sog. Jade Belt Road, führte immer auf derselben Höhe, d.h. auf ungefähr auf 2600 müM, dem Hang entlang. Wann immer ein Bach einen tiefen Einschnitt in den Berg gegraben hatte, mussten wir weit in den Einschnitt hinein und auf der anderen Seite wieder zur Bergflanke vor gehen. Immer wieder hatten wir fantastische Ausblicke auf den Erhai See, wobei die Sicht anfangs noch etwas dunstig, später aber zunehmend klarer war. Nach etwa einer Stunde kamen wir unterhalb der Zwischenstation der neuesten Bahn vorbei. Diese führt in zwei Sektionen bis auf fast 4000 m hoch. Wir hatten auf dem Ticket für den Naturpark gesehen, dass es auf der Höhe von Dali einen offiziellen Abstieg vom Cangshan Gebirge geben sollte. Eine Polizistin, die wir auf ihrer Patrouille antrafen, bestätigte dies, also änderten wir unseren Plan erneut und wanderten weiter. Die Vegetation entlang des Wegs war sehr vielfältig und erstaunlich viele Wildblumen blühten, obwohl bereits Ende September war. Die Führung des Wanderweges war oft sehr spektakulär und zum Teil in die vertikalen Felswände geschlagen. Wir unterquerten die neue Gondelbahn und gelangten bald einmal zur ersten Abstiegsmöglichkeit. Die Polizistin hatte uns aber empfohlen, dort noch etwas weiter zu gehen und erst den nächsten Weg zu nutzen. Vor dem Abstieg wollten wir aber eine an der Strecke signalisierte Höhle besichtigen. Nachdem wir jedoch bereits etwa 100 Höhenmeter aufgestiegen waren und noch immer keine Höhle in Sicht war, drehten wir wieder um, denn wir hatten keine Informationen, wie weit entfernt diese überhaupt lag. Wir nahmen also den direkten Weg hinunter in Tal in Angriff. Die vielen Pilze, die wir überall am Weg sahen, erklärten uns, weshalb in dieser Gegend um diese Jahreszeit so viele davon auf dem Markt und in den Restaurants angeboten wurden. Unterwegs kamen wir an vielen Grabmalen vorbei, welche einzeln und verstreut überall im Wald anzutreffen waren. Hunderte von Treppenstufen später erreichten wir den Fuss des Berges bei der Talstation der neuen Gondelbahn. Den langen Weg durch die Stadt zu unserem Hotel sparten wir uns und bestiegen wieder ein Tuk Tuk. Irgendwie hatte der Fahrer nicht wirklich kapiert, wohin wir zu fahren wünschten, denn er wollte uns bereits in der Nähe des West Tores ausladen. Nachdem wir ihn nicht dazu bewegen konnten, bis zum Hotel zu weiter zu fahren, bezahlte ich ihm auch nur einen Teil des vereinbarten Preises und wir legten den Rest zu Fuss zurück.

Im selben Restaurant, in welchem wir am Vortag das Nachessen eingenommen hatten, bestellten wir uns eine Portion Nudeln mit Fleisch und Gemüse. Dazu eine kaltes Dali Bier, bevor wir frisch gestärkt die letzten 300 m zum Hotel in Angriff nahmen.

Gegen sechs Uhr machten wir uns auf, um in der Altstadt ein paar Lebensmittel für die am nächsten Tag bevorstehende Zugfahrt zu kaufen. In einer Bäckerei erstanden wir Süssgebäcke, in einem Minisupermarkt Servietten und Knabbereien und an der Strasse ein paar frische Früchte. Danach gönnten wir uns einen Apéro, um anschliessend ein Restaurant fürs Nachtessen zu suchen. Dies war nicht weiter schwierig, denn an der Strasse lag eines neben dem anderen. Wir sollten auch diesmal nicht enttäuscht werden. Ein Gemüsegericht, eines mit Rind und eines mit Huhn hatten wir bereits bestellt, als wir Lust bekamen, ebenfalls den aufgehängten Rohschinken zu probieren. Mit Händen und Füssen und zuletzt mit Hilfe eines Nachbarn, der Englisch sprach, fanden wir heraus, was wir bestellen mussten, um den Schinken zu erhalten. Überraschenderweise wurde uns dieser nämlich nicht kalt, sondern zusammen mit Ziegenfrischkäse und Gemüse übereinander geschichtet und gedämpft serviert. Alles schmeckte wieder hervorragend, einzig das Rindfleisch war etwas zäh. Da Fleisch aber generell sehr klein und fein geschnitten wird, war auch das nicht wirklich ein Problem. Beim bezahlen merkten wir, dass das nachbestellte Gericht nicht auf der Rechnung war und wir erinnerten die Kellnerin daran. Das Nachtessen belief sich ohne den Schinken auf 92 Yuan. Da ich gesehen hatte, dass das Schinkengericht 58 Yuan kostete, gab ich ihr 150 Yuan und wir verliessen das Restaurant, während sie mit dem Handy noch am addieren war. Bereits auf der Strasse kam sie hinter uns her gerannt und gab uns 35 Yuan Rückgeld. Keine Ahnung wer von uns beiden nun falsch gerechnet hatte, auf jeden Fall beliessen wir es dabei und schlenderten gemütlich zum Hotel zurück.

 

Mittwoch 01.10                                                         Kunming, Enjoying International Hotel                                           Leicht bewölkt, warm

 

Heute mussten wir wieder etwas früher aus den Federn, denn wir sollten schon vor 9 Uhr am Bahnhof sein. Wir hatten deshalb den Wecker gestellt und fassten bereits um halb acht unsere Nudelsuppe. Da das bestellte Taxi um 10 nach Acht noch immer nicht aufgetaucht war, brachte man uns mit einem Hotel Van zum Süd Tor, wo immer Taxis bereit standen. Der Fahrer kannte offenbar einige Schleichwege, denn wir kamen gut durch den morgendlichen Verkehr und erreichten den Bahnhof rechtzeitig. Unsere reservierten Sitzplätze befanden sich in einem der vielen Schlafwagen. Jedes Abteil war mit 6 Betten, jeweils drei übereinander, oder aber mit 8 Sitzplätze ausgestattet. Wir mussten das Abteil nur mit zwei jungen Männern teilen, so dass wir bequem Platz hatten. Bald nach der Abfahrt zog ich mich in den ersten Stock zurück und machte es mir auf dem Bett liegend bequem. Es dauerte allerdings nicht lange, bis mich die Schaffnerin von dort wieder hinunter schickte. Offenbar durfte man das Bett nur benutzen, wenn man auch fürs Liegen bezahlt hatte. Zu Beginn zuckelte der Zug langsam durch die hügelige Landschaft und hielt schon bald ein erstes Mal an. Die Schnellzüge an diesem Tag waren alle schon ausgebucht gewesen, daher mussten wir wohl oder übel einen Bummler buchen. Die Fahrzeit verlängerte sich dadurch von etwa 4 auf lange 7 Stunden. Wir hatten aber keine Eile, denn dieser Tag war sowieso für die Zugfahrt reserviert. Ich verbrachte die meiste Zeit mit lesen, während Myrta gerne immer wieder die vorbeiziehende Landschaft bewunderte. Meist fuhren wir durch dünn besiedeltes Gebiet, allenfalls mit kleinen, alten Dörfern, umgeben von Weiden und Feldern, meist Reis- oder Maisfelder, aber immer wieder wurde auch Gemüse angebaut. Als wir in Chuxiong, einer mittelgrossen Stadt in der Provinz Yunnan, eintrafen, warteten hunderte von Passagieren auf den Zug. Diszipliniert in Einerkolonne vor dem jeweiligen Einstiegsort aufgestellt, warteten die Leute bis der Zug anhielt. Dann kam Leben in die Bude. Auch unser Abteil wurde nun voll besetzt, sodass wir uns nicht mehr breit machen konnten. Unterdessen blieben jedoch nur noch gute zwei Stunden, bis wir unser Ziel, Kunming, erreichten. Es war nun offensichtlich, dass sehr viele Chinesen auf Grund des Nationalfeiertags unterwegs waren. Im Bahnhof von Kunming strömten jedenfalls tausende dem Ausgang entgegen. Obschon wir wussten, dass unser Hotel nicht weit von Bahnhof entfernt lag, wollten wir ein Taxi nehmen, da wir den genauen Weg nicht kannten. Keines der Taxis wollte uns aber mitnehmen, den Grund dafür konnten wir nicht herausfinden. Wir charterten also kurzerhand wieder ein Tuk Tuk. Mit uns und all unserem Gepäck zusammen war die Kiste ganz schön gefüllt. Bereits nach 200 oder 300 m Fahrt begann sich der Fahrer nach unserem Hotel umzusehen. Da dieses aber etwas von der Strasse zurück lag, fuhr er erst ein paar Mal daran vorbei.

Wir checkten ein und mussten gleich feststellen, dass man uns ein Raucherzimmer gegeben hatte, das entsprechend unangenehm roch. Wir versuchten, ein anderes zu bekommen, aber scheinbar waren alle bereits belegt.

Um zu sehen, wo wir gelandet waren, machten wir einen Spaziergang in der näheren Umgebung. Zum ersten Mal seit wir in China waren, fiel uns auf, dass hier die Strassen und Häuser überall etwas schmuddelig und unsauber waren. Einmal um den grossen Block gegangen, drehten wir wieder um und trafen zufällig auf ein nettes Restaurant, welches uns sofort sympathisch war. Auf der Terrasse tranken wir erst mal ein Bier und versprachen, zum Nachtessen wieder zu kommen.

Da die aufgelegte Speisekarte ausschliesslich in Chinesisch war und vom Personal niemand Englisch sprach, nahmen wir eine Menükarte mit ins Hotel, um diese in Ruhe zu studieren und herauszufinden, was angeboten wurde. Dies stellte sich aber trotz Übersetzungshilfe als gar nicht einfach heraus und Myrta konnte nur die gängigen und allgemeinen Ausdrücke, nicht aber die Details, verstehen.

Also entschlossen wir uns, am Abend einfach auf gut Glück zu bestellen. Wir kreuzten auf der riesigen Menükarte an, was wir wünschten und übergaben diese dem Kellner. Das Restaurant war unterdessen gut gefüllt und wir waren an einem der wenigen freien Tische, eine riesige, runde Tafel, platziert worden. Als erstes wurde uns eine Brühe mit Schweinefleischstücken serviert, die ganz gut schmeckte, auch wenn sie ein bisschen zu wenig heiss war. Danach kam eine Portion feingeschnittenes Rindfleisch mit Gemüse, ziemlich scharf und etwas säuerlich, aber auch gut. Serviert wurde dieses Gericht in einem Stück Bambusholz, welches der Länge nach halbiert worden war. Als drittes Gericht erhielten wir gegrillte Schweinefüsschen, auch sehr schmackhaft, obwohl etwas wenig Fleisch dran war. Wir hatten während dem Essen beobachtet, dass ein Begrüssungskomitee, bestehend aus zwei jungen Frauen und einem jungen Mann in der traditionellen Tracht, an anderen Tischen ein Willkommensständchen gegeben hatten. Nun war unser Tisch an der Reihe. Sie begrüssten uns mit kräftiger und hoher Stimme mit einem lokalen Lied und prosteten uns am Schluss zu. Wir freuten uns sehr über diese unerwartete Geste. Nach dem Essen genossen wir nochmals ein Bier auf der Terrasse und konnten dabei beobachten, wie jeder Gast beim Verlassend des Lokals persönlich und freundlich verabschiedet wurde. Ein wirklich empfehlenswertes Restaurant.


Guilin

Donnerstag 2.10.                                                                              Guilin, 68 Hotel                                                      Bedeckt, regnerisch, warm

 

Ein weiterer Transfertag stand uns bevor. Der Flug nach Guilin startete allerdings erst am Nachmittag, so dass wir ausschlafen und den Morgen gemütlich angehen konnten. Zum Frühstück verspeisten wir die Reste unserer Verpflegung von der Zugfahrt am Vortag, dazu kochten wir uns einen Tee. In China gehören ein Wasserkocher  und Teebeutel zur Standardausrüstung in jedem Hotelzimmer. Während der Nacht hatte es geregnet und der Himmel war auch am Vormittag noch bedeckt. Bisher hatten wir mit dem Wetter meist insofern Glück, dass schlechte Bedingungen unsere Pläne nicht gross störten. Den restlichen Teil des Morgens verbrachten wir damit, unsere  nächsten Schritte zu planen, ich las in meinem Buch weiter und Myrta machte sich auf, um in der Umgebung ein paar Mitbringsel zu shoppen.

Kurz nach eins packten wir unsere sieben Sachen, checkten aus und gingen zu Fuss die 200 m bis zum Bahnhof. Von dort startet der Airport Bus, der uns in einer guten halben Stunde an den Flughafen brachte. Auch auf dieser Strecke zeigte sich wieder wie extrem die Städte in China und somit auch Kunming am wachsen waren. Ganze Quartiere mit hohen Wohnsilos waren im Bau oder kürzlich fertiggestellt worden. Wir trafen frühzeitig am Airport ein und bewunderten das moderne und futuristisch anmutende Flughafen Gebäude. Die Konstruktion mit ihren eleganten Bögen und goldfarbenen Tragstrukturen beeindruckte uns sehr. Auch das Wasserspiel vor dem Terminal, welches zu klassischer Musik seine vielen Düsen steuerte, konnte sich sehen lassen. So schön diese Hallen jedoch waren, funktionell konnte der Flughafen nicht wirklich glänzen. Sämtliche Passagiere, welche alle ebenerdig ankamen, mussten als erstes mit einem Lift auf die Abflugebene gebracht werden, was Zeit brauchte, und auch die Signalisationen waren nicht immer optimal.

Wir erreichten das Gate etwa 30 Minuten vor der Einstiegszeit und stellten fest, dass weder der Flieger noch irgendwelches Personal zu sehen war. Kam dazu, dass unser Flug auf der Anzeigetafel gar nicht erschien. Wir befürchteten schon, dasselbe wie in Xian zu erleben und stundenlang ohne Informationen abwarten zu müssen. Dann endlich dockte doch eine Maschine vor unserem Gate an, Personal erschien und tatsächlich konnte der Flug am Schluss fast pünktlich starten.

Bereits beim Landeanflug wurde klar, dass das Wetter auch in Guilin sich nicht von der besten Seite zeigte. Es war bedeckt und wolkenverhangen wie schon in Kunming. Trotz der eingeschränkten Sicht konnten wir aber schon aus der Luft einen ersten Eindruck der berühmten Landschaft Guilins erhaschen. Alles war grün und überall ragten Bergkegel aus der Ebene. Wir waren fast die letzten Passagiere an Bord des Busses, welcher uns in die Stadt fahren sollte. Im Zentrum angekommen, wechselten wir auf einen lokalen Bus. Dieser fuhr im Zick Zack durch die Stadt und immer mehr Passagiere drängten sich in den Doppeldecker. Unterdessen war es dunkel geworden und wir hatten Schwierigkeiten zu erkennen, wann wir die beschriebene Station erreichten. Myrta sprach mit dem Chauffeur und nach einigen Diskussionen schien er begriffen zu haben, wo wir aussteigen mussten. Wir behielten unsere Plätze direkt neben dem Fahrer, so dass er uns sagen konnte, als wir an unserer Haltestelle ankamen. Vom gebuchten Hotel war hier aber weit und breit nichts zu sehen und als wir uns durchfragen wollten, konnte uns niemand weiterhelfen. Ein Motorradtaxifahrer rief für uns im Hotel an und erklärte dann, dass wir etwa eine halbe Stunde zurückgehen müssten, um zu unserer Unterkunft zu gelangen. Da wir dazu keine Lust hatten, riefen wir ein Taxi, welches den Weg in zwei Minuten schaffte. Wir sahen schnell, wo das Problem mit der Haltestelle gelegen hatte, denn wegen einer grossen Baustelle konnte der Bus nicht die übliche Route nutzen und genau die Strecke, an welcher das Hotel liegt, wurde umfahren. Schliesslich erreichten wir fast zwei ein halb Stunden nach der Landung unser Ziel doch noch. Das Hotel lag ein paar Kilometer nördlich des Zentrums in einer schmalen Seitengasse. Der Empfangsbereich machte auf uns keinen sehr heimeligen Eindruck, aber die Unterkunft selber war OK und unser Zimmer zwar klein, aber sauber. Die junge Frau an der Rezeption war auf jeden Fall sehr freundlich und hilfsbereit und sprach ganz gut Englisch. 

Nachdem wir ausgepackt hatten, spazierten wir durch das angrenzende Quartier, auf der Suche nach einem Lokal für das Nachtessen. Die Gegend war überhaupt nicht touristisch und bot daher nur die typischen kleinen Strassenrestaurants. Auch wenn diese für unsere Begriffe nicht immer sehr verlockend aussahen, das Essen war bisher immer gut und daran änderte sich auch an diesem Abend nichts. Ziemlich müde vom langen und anstrengenden Tag fielen wir danach ins Bett.

 

Freitag 3.10.                                                                    Guilin, 68 Hotel                 Morgen: bedeckt Nachmittag: zunehmend schön, heiss

 

Wir hatten gut geschlafen und das erste Mal seit wir in China waren, waren wir froh über die Klimaanlage im Zimmer. Guilin liegt nur noch auf 400 müM und zudem südlicher als alle anderen Orte, die wir bis anhin besucht hatten. Das Frühstück beschränkte sich wieder einmal auf ein paar kleine, aber heimische, Bananen welche viel aromatischer schmeckten als die schönen, grossen Importdinger, die wir zu Hause kaufen können.

Mit dem 100er Bus gelangten wir ins Stadtzentrum. Obwohl diese Linie auf direktem Weg dorthin fährt, dauerte die Fahrt über eine halbe Stunde.

Wir umrundeten als erstes den östlichsten der vier Seen von Guilin, den Zedern-See, in dessen Mitte auf einer kleinen Insel die Mond- und die Sonnenpagode stehen. Der schmale Weg dem Ufer entlang führte durch eine schöne Grünanlage und gab immer wieder den Blick frei auf die beiden Pagoden. Wir schlenderten weiter westwärts, vorbei an mehreren hübschen Brücken, wovon eine sogar aus Glas gebaut war. Bei einer Schleusenanlage, die die weiteren, etwas tiefer liegenden Seen verband, überquerten wir das Gewässer und gingen zum Ausgangspunkt zurück. Von dort steuerten wir das eigentliche Stadtzentrum an und assen in einem Restaurant eine Kleinigkeit, das heisst, eine Portion Nudeln mit Fleisch und Gemüse, die uns wieder beide gut satt werden liess.

Danach änderten wir die Richtung, um an den Li River zu gelangen. Auf dem Fluss herrschte reger Schiffsverkehr. Wie auf einem Faden aufgereiht tuckerte ein Ausflugsboot nach dem andern flussauf- und -abwärts.

Wir überquerten den Fluss und waren nicht mehr weit zum Seven Stars Park entfernt. Die Tickets für diese Attraktion hatten wir schon im Hotel gekauft, denn dort erhielten wir auf allen Ausflügen und Eintritten einen Rabatt. Nun mussten wir diese nur noch abholen. Beim Seven Stars Park handelt es sich um eine der ältesten touristischen Einrichtungen Chinas, welche lange, bevor auch Ausländer das Land der Mitte besuchten, eingerichtet worden war. Da die Chinesen nach wie vor Ferien hatten, waren ziemlich viele Leute unterwegs. Der Park bot nebst den landschaftlichen Reizen und der schönen Lage vor allem auch viel Unterhaltung, allerdings eher auf die einheimischen Touristen zugeschnitten. Uns machte vor allem das Beobachten der anderen Besucher grossen Spass, denn da gab es manche aussergewöhnliche Figuren zu beobachten. Das Wetter wurde zunehmend sonniger und somit stieg die Temperatur auf gut über 30 °C. Im Schatten und mit etwas Wind war es noch recht angenehm, an der prallen Sonne hingegen kamen wir ganz schön ins Schwitzen. Wir waren nach den eher kühlen Gegenden zuvor die Wärme auch einfach noch nicht gewöhnt. Wir sehnten uns jedenfalls bald nach einer erfrischenden Dusche. Die Busse waren wieder sehr gut besetzt und mit Klimaanlagen waren sie nicht ausgestattet oder wenn, dann waren sie zu schwach, um gegen die Hitze anzukommen. Total durchgeschwitzt erreichten wir schliesslich das Hotel. 

Gegen sieben Uhr gingen wir wieder auf die Suche nach einem Restaurant, jedoch in die entgegengesetzte Richtung. Wir fanden nichts passendes, also drehten wir um und setzten uns wieder ins selbe Strassenrestaurant wie am Abend zuvor. Es war auch diesmal nicht schwierig, wieder etwas feines auszuwählen und zu geniessen. Wir staunten immer wieder, was die Chinesischen Köche und Köchinnen mit einfachsten Einrichtungen und wenigen Zutaten auf den Tisch zaubern. Wir bestellten nach dem Essen ein weiteres Bier und genossen es, an diesem lauen Abend das Treiben auf der Strasse und auf dem Trottoir zu beobachten.

Für den nächsten Tag hatten wir einen Ausflug zu den nördlich gelegenen, weltberühmten Reisterrassen gebucht. Wir waren gespannt, was uns erwartete..

 

Samstag 4.10                                                              Guilin, 68 Hotel                

Morgens leicht bewölkt, warm, dann zunehmend wolkig und in den Bergen Regen, in Guilin schön, warm

 

Der Tag fing nicht wirklich gut an, denn um 10 vor sieben läutete das Telefon und wir wurden informiert, dass wir bereits um halb acht am Treffpunkt sein sollten. Innert 15 Minuten waren wir auf dem Weg und erreichten den vereinbarten Ort 10 Minuten vor der Zeit. Der Tourbus liess dann allerdings 40 Minuten auf sich warten. Mit uns zusammen an Bord waren neben den ganzen Chinesischen Touristen 5 französische Studenten, welche in Shanghai ein Jahr studierten und im selben Hotel wohnten.

Kaum waren wir eingestiegen, laberte uns die Reiseleiterin auf Chinesisch mit Infos voll. Dass jemand so lange und ohne Unterbruch reden kann, hatte ich bis jetzt noch nie erlebt. Nach gut eineinhalb Stunden erreichten wir das Touristenzentrum, wo wir in einen kleineren Bus umsteigen mussten. Hier wurden wir nun mit aller Härte daran erinnert, dass in China Ferienzeit war. Wir warteten eine geschlagene Stunde, bis wir nur in den Bus wechseln konnten. Zudem wurde uns eröffnet, dass wir nicht wie geplant auf eigene Faust unterwegs sein könnten, sondern uns der Gruppe anschliessen müssten. Ausserdem sollten wir Tickets für eine Folkloreshow kaufen, die uns jedoch überhaupt nicht interessierte. Das hiess dann eben, dass wir draussen warten mussten, bis die anderen die Vorführung gesehen hatten. Während der 30 Minuten hatten wir Gelegenheit, uns im Dorf Huangluo umzusehen. Der Ort ist berühmt für die Frauen mit den längsten Haaren der Welt. Nach einer mehrere hundert Jahre alten Tradition schneiden diese Frauen Ihre Haare ab dem 18. Lebensjahr nicht mehr. Diese wachsen bis zu 2 m lang und werden zu kunstvollen Frisuren hochgesteckt. Wir kamen auf unserem Rundgang auch ohne die Show mit den lebenslustigen Menschen in Kontakt, und machten Spässe mit den zumeist älteren Damen, die vor den Häusern Souvenirs verkauften. 

Auf einer steilen, schmalen Strasse fuhr uns der Bus anschliessend ins Dorf Ping‘an. Da die PKW Parkplätze vor dem Dorf bereits voll waren, kam es zu einem Rückstau, in welchem auch unser Bus gefangen war. Wir konnten das Fahrzeug jedoch verlassen, um den letzten Kilometer bis ins Dorf zu Fuss zurück zu legen. 

Wir hatten nach der Erfahrung im Touristenzentrum ja mit ziemlich vielen Leuten gerechnet, das Gedränge im unteren Teil des Ortes übertraf unsere Vorstellung aber ganz klar. Die Reiseleiterin wollte noch immer, dass wir bei der Gruppe bleiben sollten, da sie behauptete, nicht genau sagen zu können, wann der Bus zurückfahre. Als sie uns dann zudem praktisch nötigen wollte, in einem von ihr bestimmten Restaurant zu essen, platzte mir der Kragen. Ich teilte ihr mit, dass wir um 4 Uhr beim  Dorfeingang sein würden, genauso wie es uns versprochen worden war. Darauf hin lenkte sie ein und liess uns unseren eigenen Weg gehen. Während die Gruppe ihr Mittagessen serviert bekam, und die Dame vermutlich Kommission kassierte, stiegen wir durchs Dorf hoch und waren froh, sie los zu sein. Von oberhalb des Ortes sahen wir zum ersten Mal auf die weiter unten liegenden Reisterrassen, was für ein wundervoller Anblick! Die Felder waren vor etwa 700 Jahren angelegt worden und sind seither weitgehend unverändert in Gebrauch. Je höher wir gelangten, desto weniger Besucher trafen wir an und als wir vom höchsten Punkt aus, auf gleicher Höhe bleibend, durch die Felder streiften, waren wir fast alleine unterwegs. Genau so hatten wir uns den Ausflug vorgestellt. Nach einer Weile stiegen wir über viele Treppenstufen ins Dorf hinunter, wo wir uns auf einer ruhigen Terrasse ein Bierchen gönnten. Gegen vier Uhr trafen wir beim Eingang ein, wo die Reiseleiterin ihre Gruppe sammeln wollte. Einige Chinesen aus der Gruppe waren etwas spät dran, aber vor allem war die nette Reiseleiterin verschwunden und wir hatten keine Ahnung was läuft. Plötzlich tauchte sie ganz hektisch wieder auf, um uns abzuholen. Die blöde Kuh hatte es schlicht vergessen, uns mitzuteilen, dass die Busse nach wie vor wegen Stau nicht hochfahren konnten und wir wieder der Strasse entlang zurückgehen mussten, um in den Bus einzusteigen.

Unten im Tal sahen wir, dass noch unzählige PKWs darauf warteten, nach Ping'an fahren zu können, diese wurden unterdessen jedoch von der Polizei bereits dort zurückgehalten.

Wieder im grossen Bus angekommen, gestaltete sich die Rückfahrt recht mühsam. Es hatte natürlich erst mal viel Verkehr und dann begann es auch noch zu Regnen. Der Hammer war aber, als die Reiseleiterin kurz vor Guilin auch noch eine lautstarke Verkaufsshow für Parfum abzog. Endlich in der Stadt angekommen, hielt der Bus irgendwo an und alle stiegen aus. Unsere liebste Reiseleiterin hatte beschlossen, dass von hier aus jeder mit dem öffentlichen Bus ins Hotel zurückfahren könne.

Wir waren einfach nur froh, nach gut drei stündigen Rückfahrt endlich aussteigen zu können und gingen ins nächst beste Restaurant, um etwas zu essen. Wir hatten ausser ein paar Bananen und Zwiebelweggli noch nichts zu uns genommen. Das Essen war wieder OK, wenn auch nicht berauschend. Danach sprangen wir in den nächsten Bus und liessen uns ins Hotel kutschieren.

 

Sonntag 5.10.                                                                                        Guilin, 68 Hotel                                                             Leicht bewölkt, heiss

 

Auch für diesen Tag hatten wir eine begleitete Tour gebucht, um die Flusslandschaft entlang des Li Rivers zu entdecken. Mit einem Van des Hotels wurden wir und einige weitere Hotelgäste zu einem Sammelpunkt im Stadtzentrum, und von dort mit einem grösseren Bus zum Yangdi Pier gefahren. Zwar schwatzte die Reiseleiterin auch wieder viel zu viel, aber wenigsten nicht ganz so laut wie die vom Vortag und vor allem übersetzte sie das Gesagte immer wieder. Am Fluss angekommen, wurden wir in Vierergruppen auf pseudo Bambusboote verfrachtet. Diese bestanden aus einer Reihe von dicken PVC Rohren, welche eine Plattform bildeten. Im hinteren Teil war ein kleiner Motor mit einer Schraube an einem langen Schaft angebracht. Auf diesem Boot ging es erst mal Fluss abwärts. Neben uns waren hunderte von solchen Flossen unterwegs, und immer wieder kamen auch grössere Ausflugsboote von Guilin her den Fluss herunter. Da das Wasser oft nur einen halben Meter tief war, mussten auch diese grösseren Schiffe speziell konstruiert sein. Einerseits hatten sie einen absolut flachen Boden und andererseits einen Jetantrieb, welcher Wasser am Bauch ansaugt und hinten als kräftigen Strahl ausstösst.

Die Landschaft war trotz des Gewusels auf dem Wasser unbeschreiblich schön und sehr eindrücklich. Links und rechts türmten sich die typischen, bewachsenen Karstkegel auf und formen eine Landschaft, die so wohl einmalig ist auf der Welt ist. Nach fast einer Stunde drehten wir wieder um und gelangten an den Ausgangspunkt zurück.

Von dort wurden wir in ein Dorf am Yulong River gefahren. Es war geplant, uns nach Yangshuo zu bringen, wo die Tour offiziell zu Ende gewesen und man mit dem öffentlichen Bus nach Guilin zurück gelangt wäre. Es wurde uns aber unterwegs eine Erweiterung der gebuchten Tour angeboten, welche für uns auch Sinn machte. So konnten wir uns nach einem kurzen Mittagessen nochmals auf eine Bootsfahrt freuen. Diesmal wurden aber richtige Bambusboote eingesetzt, auf welchen jeweils nur zwei Personen Platz fanden. Gemütlich stakte unser Bootsführer flussaufwärts, wo wir einer Demonstration der für diese Gegend bekannten Kormoranfischerei beiwohnten. Die Männer richten die Vögel in drei Jahren dazu ab, für sie zu fischen. Damit die Kormorane die Beute nicht gleich selber schlucken, wird ihnen  eine Schnur um den Hals gebunden. Der Fischer warf einen Fisch ins Wasser, worauf der Kormoran ein paar Sekunden untertauchte und die Beute an die Oberfläche brachte. Bis 50 Kilogramm Fisch soll ein guter Vogel am Tag fangen, wurde uns gesagt.

Unter der über 600 Jahre alten Drachen Brücke durch ging die Fahrt nun flussabwärts. Das schmale, kippelige Boot überwand dabei sogar zwei kleine Staustufen, wo es, wenn man die Füsse nicht rechtzeitig anhob, nasse Schuhe gab. Um dieses Spektakel festzuhalten, wurden an dieser Stelle alle Touristen fotografiert und die Bilder von den geschäftstüchtigen Fotografen am Ende der Tour ausgedruckt und verkauft.

Auch hier war die umgebende Landschaft wieder sehr schön, obwohl man nicht mehr ganz so nahe an den Bergkegeln vorbei fuhr. Auf der Rückfahrt wurden die Stufen im Fluss auf einem motorisierten Förderband überwunden, was etwas weniger spektakulär war, aber trotzdem nicht ohne Wasserdusche ablief. Bei der warmen Witterung war dies jedoch mehr als willkommen.

Zurück im Dorf sollten wir zusätzlich in den Genuss einer Wasserbüffelshow kommen. Diese bestand darin, dass ein Bauer seinen Büffel vorbei brachte und jedem Tourist eine Handvoll Maisstroh überreichte, welche dem mächtigen Tier verfüttert werden konnte. Wir amüsierten uns, dass sowas grossartig als Show angepriesen wurde, aber immerhin konnten wir so eines dieser landwirtschaftlichen Multitalent aus nächster Nähe sehen.

Bevor es weiter ging, kamen wir mit einem jungen Tahitianer ins Gespräch, welcher ein Jahr lang Asien bereisen wollte. Der sehr sympathische, ruhige Mann war wohl einer von ganz wenigen Menschen aus dem kleinen Südseeparadies, denen man als Reisende  begegnete. Jedenfalls war es höchst interessant, mit ihm Erfahrungen auszutauschen.

Unser nächster Stopp war in Yangshuo, wo nochmals einige Teilnehmer abgesetzt wurden. Wir hatten den Eindruck, dass dieser beliebte Touristenort als Stadt ausser Souvenirläden nicht all zu viel zu bieten hat. Die Lage hingegen, inmitten der Karstlandschaft ist wunderschön und faszinierend.

Auf der Rückfahrt trafen wir überraschend wieder auf den Bus, welcher die Leute, die die Ergänzungstour nicht mitgemacht hatten, nach Yangshuo gebracht hatte. Er stand mit einer Panne am Strassenrand. Mit der Hilfe und dem Einsatz der Werkzeuge unseres Fahrers bekamen sie den Bus nach kurzer Zeit wieder zum Laufen. Wir eilten nun auf direktem Weg Guilin entgegen. Bis an den Stadtrand kamen wir zügig voran, nicht zuletzt auch, weil der Chauffeur keine Gelegenheit zum Überholen ausliess. Gegenverkehr war dabei kein Hindernis, jedenfalls nicht solange dieser sich irgendwie in Sicherheit bringen konnte. Es wurde rechts und links überholt was das Zeug hielt. Von der Stadtgrenze bis ins Zentrum war allerdings Schluss mit der Geschwindigkeit, und die restliche Fahrt dauerte über eine Stunde.

Wir liessen uns am Nightmarket absetzen. Dieser war noch im Aufbau, als wir eintrafen. Wir wollten aber eh noch etwas essen und suchten uns ein Restaurant aus, welches auf der Strasse Tische anbot. Da gerade keiner für uns frei war, wurde kurzerhand noch ein zusätzlicher Tisch herausgebracht. Während des Essens kamen wir, besser gesagt Myrta, mit den Tischnachbarn ins Gespräch. Sie waren Leute aus Guilin selber und es entwickelte sich ein fröhliches hin und her. Natürlich mussten wir mit ihnen anstossen und eine weitere   Flasche wurde bestellt und gemeinsam geleert.

Die Beleuchtung des Sees mitten in der Stadt war überall angepriesen worden und wir wollten das Spektakel natürlich auch sehen. Es stellte sich heraus, dass für unsere Begriffe alles sehr farbig war, so wie die Chinesen es eben mögen. Leider waren auch viele der Scheinwerfer etwas ungeschickt angebracht, sodass man immer von irgendwoher geblendet wurde.

Durchs Zentrum schlendernd wollten wir die Hauptstrasse erreichen, um dort den Bus zurück zum Hotel zu nehmen. Der Nachtmarkt war mittlerweile in vollem Gang. Überall wurden Waren angeboten, meist Dinge die niemand wirklich braucht. Es waren aber auch kleine Hundewelpen im Angebot. Als ich sah, wie eine der Verkäuferinnen ihre viel zu jungen Welpen behandelte, platzte mir der Kragen. Ich versuchte zu intervenieren, aber natürlich erfolglos, im Gegenteil, mein Eingreifen sorgte für allgemeines Unverständnis. Die Frau hatte sich über die kleinen Hunde aufgeregt, weil diese die angebotenen Pouletknochen verweigerten. Eine für uns unverständliche Dummheit würde ich glauben.

Im Bus herrschte einmal mehr ein dichtes Gedränge und wir waren froh, dass gegen Ende unserer Fahrt mehr und mehr Leute ausstiegen und wir wieder etwas Luft bekamen.


Hong Kong

Montag 6.10                                                                 Hong Kong, Super Inn                                                                        Schön, warm, dunstig

 

Zum Frühstück gingen wir in ein Strassenrestaurant in der Nähe. Dort hatten sie einen Steamer in Betrieb, in welchem auf einem Blech Rührei mit Reisstärke, Gemüse und Gewürzen zu einer dünnen Omelette gedämpft wurde. Wir bestellten auch eine Portion davon, aber ohne Reisstärke und nicht verrührten Eiern. Daraus resultierte eine Art poschierte Spiegeleier, die gar nicht schlecht schmeckten. Anschliessend besuchten wir nochmals den Markt, über den wir bereits am Vorabend geschlendert waren, um zu schauen was am Tag abläuft. Wir hatten den Eindruck, dass tagsüber nicht viel mehr Betrieb herrschte als abends. Ich entdeckte einen Schuhmacher, den wir fragten, ob er meine Sandalen leimen könnte. Natürlich konnte er, aber nicht nur das, er nähte die Sohle bei beiden Schuhen fachmännisch und von Hand nach. Für die ganze Arbeit verlangte er 10 Yuan und es sah aus, als ob diese Sandalen nun für immer halten würden.

Den restlichen Morgen verbrachten wir mit der Planung der weiteren Reise und mit Packen. Um zwei Uhr checkten wir aus und liessen uns zum Flughafen fahren. Da der Verkehr nicht dicht war und der Fahrer alle Schleichwege zu kennen schien, waren wir in weniger als einer Stunde am Airport. Unser nächstes Ziel, Hong Kong, wird in China als Ausland betrachtet, daher erfolgte hier quasi ein Grenzübertritt. Alles lief sehr entspannt und ohne langes Anstehen ab, denn nur gerade 6 internationale Flüge verlassen Guilin pro Tag. Das Flugzeug war halb leer und startete sogar vor der geplanten Zeit. Der australische Kapitän brachte uns in etwas mehr als einer Stunde sicher nach Hong Kong. Mit etwas Verzögerung wegen Flugzeugverkehr auf dem Rollfeld brachte uns ein Bus zum Terminal. Die Einreise war eine Sache von Minuten. Ebenso schnell hatten wir die Octopus Karten gekauft, welche die Nutzung sämtlicher Transportmittel in Hong Kong ermöglichten. Innert Minuten waren wir im Airport Express Zug in Richtung Stadtzentrum unterwegs. Mit hoher Geschwindigkeit erreichten wir Kowloon, wo wir in den kostenlosen Hotel Shuttlebus umstiegen. Überall standen Leute, die uns bei Bedarf ihre Hilfe anboten, so war es kein Problem sich zurechtzufinden. Der Bus lud uns direkt hinter dem berühmten Peninsula Hotel ab, und nur etwa 150 m davon entfernt lag unsere Unterkunft.

Das Hotel entpuppte sich, wie angekündigt, als ein paar kleine Zimmer im 7. Stock eines Hochhauses. Die Rezeption befand sich auf dem Gang, von wo man direkt ins Zimmer gelangte. Dieses war in der Tat winzig, aber sauber und funktionell ausgestattet.

Wir erkundeten die Umgebung und suchten uns ein Restaurant für das Nachtessen. Wir entschieden uns für das Outback Steakhouse. Nach drei Wochen mehrheitlich vegetarischer Küche hatten wir Lust auf Fleisch. Ein kleiner, feiner Salat als Vorspeise, dann das Steak mit Beilagen und dazu eine Flasche Rotwein, wir genossen es.

Wir waren auf dem Weg zur Uferpromenade, um die Skyline Hong Kongs bei Nacht zu bewundern, als wir auf Duc Dat Li, einen Arbeitskollegen aus der Schweiz, trafen. Wieder einer dieser unglaublichen Zufälle, jemanden unter all den vielen Menschen, die sich hier bewegten, zu kennen. Er war in Hong Kong, um an der Asian Marketing Conference teilzunehmen und war im Kowloon Hotel, 100 m von uns entfernt, untergebracht. Nach etwas Smalltalk verabredeten wir uns für den nächsten Tag zum Mittagessen. Er wollte uns die Dim Sum, die berühmt sind in der Küche Hong Kongs, näher bringen.

Am Wasser angelangt, waren wir überwältigt von der gigantischen Skyline dieser Stadt. Diese war zwar nicht so farbig und protzig wie Pudong in Shanghai, aber noch grösser und daher imposanter. Auf dem Walk of Fame, einer Kopie der entsprechenden Sterne in Beverly Hills, aber hier mit uns unbekannten, asiatischen Grössen, schlenderten wir dem Ufer entlang und genossen die Atmosphäre.

Zurück im Hotel checkten wir wieder einmal die Mails, auch Facebook war wieder erreichbar und sämtliche Google Produkte funktionieren wieder einwandfrei. Daran merkten wir eindeutig, dass wir nicht mehr in China waren.

 

Dienstag 7.10                                                                         Hong Kong, Super Inn                                                             Schön, dunstig, heiss

 

Zum Frühstück gab es etwas Süsses aus der nahen Bäckerei. Seit wir in Hong Kong waren, war es wieder viel normaler und einfacher, auch westliche Lebensmittel kaufen zu können. Im angrenzenden Kowloon Park setzten wir uns auf eine Bank und liessen uns in der Ruhe und Kühle des Parks unser Frühstück schmecken. Wir stellten fest, dass es in diesem Park auch einen öffentlichen Swimming Pool gab, für den Fall, dass es noch heisser werden sollte und wir eine Abkühlung benötigten.

Wir erforschten die nähere Umgebung und trafen uns später wie abgemacht mit Duc Dat zum Mittagessen. Nicht weit vom Hotel entfernt kannte er ein Restaurant, welches er für gute Dim Sum empfehlen konnte. Eine Kellnerin kam mit einem Wagen voller Bambuskörbchen an den Tisch und wir wählten die gewünschten Teigtaschen aus den verschiedenen Variationen aus. Duc Dat bestellte zudem ein paar Hühnerfüsse und zum Abschluss eine feine Ente. Nach dem Essen verabschiedete er sich von uns, denn er musste sich für die Konferenz Richtung Macau aufmachen. Wir querten den Victoria Harbour mit der legendären Star Ferry nach Hong Kong Island. In Mitten der riesigen Hochhäuser kamen wir uns ganz schön klein vor. Bevor wir uns aufmachten, durch die Häuserschluchten zu bummeln, machten wir uns an den Ferry Terminals schlau, wie wir Morgen am besten zum Lamma Island kommen würden.

In diesem Stadtquartier fanden zum Zeitpunkt unseres Aufenthaltes immer wieder Proteste gegen die Pläne von Festlandchina statt. Die Chinesische Regierung wollte immer mehr von Hong Kongs Unabhängigkeit einschränken und ihre eigenen Leute in der Stadtregierung platzieren. Dagegen wehrten sich vor allem viele junge Menschen und blockierten mit ihren Aktionen ganze Strassenzüge. Das Ganze schien jedoch recht friedlich abzulaufen und eine grössere Polizei Präsenz war nicht ersichtlich. Nach einem ausgiebigen Spaziergang durch diesen Teil Hong Kongs kehrten wir mit der U-Bahn nach Kowloon zurück. Auf dem Rückweg zum Hotel suchten wir einen weiteren Fotoladen auf, um uns über die Preise für Kameras ein Bild zu machen. Wir stellten schnell fest, dass die Angebote hier tatsächlich bis zu 20 Prozent günstiger waren als anderswo. Nachdem eigentlich alle Details für den Kauf geklärt waren und der Deal kurz vor dem Abschluss stand, empfahl mir der Verkäufer plötzlich, anstatt des original Nikon Objektivs ein Tamron zu kaufen. Um mich vom Vorteil zu überzeugen, knipste er erst Bilder mit dem Nikon und anschliessend mit dem Tamron. Erstaunlicherweise waren erstere viel schlechter belichtet. Das ergab für mich keinen Sinn. Erst als er mir das Tamron Objektiv für fast 1500 CHF anbot, läuteten bei mir alle Alarmglocken, denn normalerweise ist Tamron merklich günstiger als Nikon. Da ich keine Vergleichspreise zur Hand hatte, bat ich ihn, kurz sein Internet nutzen zu können. Er behauptete, der Laden verfüge über keinen Internetanschluss und das nachdem er mir zuvor Infos auf der Nikon Website gezeigt hatte. Wir brachen die Verhandlungen ab und gingen zurück ins Hotel, wo sich meine Bedenken bestätigten: Das Tamron war in der Schweiz für 600 CHF zu haben, also 200 CHF weniger als das Nikon. Ich hatte den Verkäufer gewarnt, dass er mich als Kunden vergessen könnte, wenn sich mein Verdacht bestätigen sollte. Ich liess diesen Laden also links liegen und war froh, nicht auf den Handel eingegangen zu sein. Nur wenige Meter weiter betrat ich ein weiteres Geschäft und fragte nach den Preisen. Ohne grosses Hin und Her wurde mir hier die gewünschte Ausrüstung sogar noch günstiger angeboten. Ich fragte den Verkäufer ob er mir zusätzlich eine Nikon 1 zur Ansicht bestellen könnte, welche ich bei Gefallen ebenfalls kaufen würde. Auch darauf ging er ohne weiteres ein. Wir vereinbarten, dass wir uns am nächsten Tag nochmals melden und dann entscheiden, was ich kaufen werde.

Vor dem Nachtessen wollten wir uns ein Bier genehmigen. Dabei stellten wir fest, dass dieses in den Bars oft sogar einiges teurer war als in der Schweiz, nicht zuletzt auch, weil vor allem europäische Importbiere angeboten wurden. Ich hatte keine Lust, in Hong Kong für ein Heineken 8 CHF zu bezahlen. Schliesslich fanden wir doch ein gutes, lokales Tsing Tao Bier zu einem vernünftigeren Preis, und wir konnten die Happy Hour geniessen. Zum Nachtessen wählten wir ein Spaghetti Restaurant, wo zu unserem Erstaunen nicht wenige Gäste ein Käsefondue assen. Wir bestellten uns ganz normale und erstaunlich gute Spaghetti Bolognaise und einen Salat dazu.

 

Mittwoch 8.10.                                                                        Hong Kong, Super Inn                                                                              Schön, heiss

       

Um 8:35 wollten wir die Fähre nach Lamma Island erreichen. Wir liessen uns also frühzeitig von der Star Ferry übersetzen, so dass uns noch gemütlich Zeit zum Frühstücken blieb. Danach brachte uns die Fähre in einer knappen halben Stunde um die Westseite von Hong Kong Island herum zum Fischerdorf Sok Kwu Wan auf Lamma Island. Direkt von der Anlagestelle aus startete ein Fussweg, welcher in einem knapp 2 stündigen Marsch die östliche Halbinsel umrundete und zurück an den Ausgangspunkt führte. Auf der Nordseite führte der Weg durch üppige, subtropische Vegetation und erlaubte immer wieder Ausblicke auf die darunter liegende Küste. Ein kurzer Abstecher brachte uns hinunter nach Mot Tat, einen kleinen Ort mit einem schmalen Strand und einem Restaurant. Die meisten Häuser schienen unbewohnt zu sein, wurden aber eventuell als Wochenenddomizil genutzt. In weiteren kleinen Ortschaften, die am Weg lagen, waren überall gepflegte, kleine Gärten mit Obstbäume, vor allem Papayas und Bananen, anzutreffen. Vor Tung O gelangten wir wieder an einen Strand, bevor wir, anfangs noch angenehm im Schatten, später an der prallen Sonne, zu einem Pass aufstiegen. Oben angekommen bot ein Aussichtspunkt mit einem Pavillon einen grandiosen Ausblick über die Insel und zurück nach Hong Kong. Der Abstieg zurück nach Sok Kwu Wan war steil und mit vielen Stufen ausgestattet. Im Fischerdorf angelangt, schlenderten wir durch den Ort, was jedoch schnell passiert war, denn das Dorf besteht an der Wasserfront ausschliesslich aus einer Reihe von Restaurants. Hier konnte man sich alles bestellen, was das Meer so her gibt. In Tanks und Aquarien wurden die Fische und Meeresfrüchte zwischengelagert, um dann wirklich frisch auf dem Teller zu landen.

Da es fürs Mittagessen noch zu früh war, wollten wir erst unsere Wanderung beenden. Die Route führte nämlich noch weiter bis Yung Shue Wan. Um eine Bucht herum erreichten wir den Abzweiger hinunter zum Lo Sho Beach. Dort angelangt, waren wir überrascht, dort Rettungsschwimmer, Umkleidekabinen und Duschen anzutreffen. Alles war sehr gepflegt und sauber und ausser uns waren nur gerade 3 Leute am Strand. Wir genossen die Pause und die Abkühlung im klaren Wasser, das mit gut 25° für uns genau die richtige Temperatur hatte.

Weiter der Küste entlang gelangten wir schliesslich an die Endstation, Yung Shue Wan. Wir hatten gehofft, hier ein ähnlich gutes Angebot an Fischrestaurants zu finden wie in Sok Kwu Wan, aber dem war leider nicht so. Da wir mittlerweile wirklich Hunger hatten, assen wir eben ein etwas überteuertes ein Gericht, welches offensichtlich mit Tiefkühlprodukten zubereitet war.

Die Fähre bracht uns zurück nach Hong Kong Central, wo wir mit der Star Ferry nach Kowloon übersetzten.

Auf dem Rückweg ins Hotel holte ich meine neue Nikon Kamera ab und machte mich im Zimmer gleich ein wenig mit der Ausrüstung vertraut. Nach einer Dusche und einer kurzen Rast fuhren wir mit der Metro zwei Stationen nach Norden und suchten den Temple Street Night Market. Da wir dafür noch etwas früh waren gingen, wir erst zum Nachtessen. Heute stand wieder chinesische Küche auf dem Plan, denn andere Restaurants gab es in dieser Gegend nicht. Der Markt bot so ziemlich alles, was man nicht braucht. Vor allem lag viel billiger Kitsch in den Auslagen, für uns jedenfalls war nichts dabei, was es sich zu kaufen lohnte. Witzig waren allenfalls die vielen Stände mit Wahrsagern, die offensichtlich von den Chinesen sehr gerne besucht wurden, denn bei den Beliebten standen sie sogar Schlange.

Mit dem Bus fuhren wir der Nathan Road entlang zurück zum Hotel

 

Donnerstag 9.10.                                      Hong Kong, Super Inn                                    Schön, heiss, am Mittag vorübergehend bewölkt

 

Am heutigen Tag wollten wir den Dragon Back Trail wandern. Dazu mussten wir erst mit der Metro nach Shau Kei Wan fahren. Wir waren während der Rushhour unterwegs, was dazu führte, dass wir bereits in der Tsim Sha Tsui Station einen Zug abwarten mussten, da so viel Gedränge herrschte. Beim Umsteigen in der Admirality Station war der Andrang noch grösser und wir mussten über 10 Minuten warten, bis wir einsteigen konnten. Dies obschon 30 Sekunden nach Abfahrt des ersten Zuges bereits der nächste einfuhr. Nach drei vier Stationen leerte sich der Zug aber schnell wieder und als wir in Shau Kei Wan ankamen, war er fast leer. Wir stiegen in den Bus nach Shek O um und waren nach wenigen Kilometern im Grünen. Oberhalb des Dorfes To Tei Wan startete die Wanderung, erst steil bergauf durch dichten Bambus und später durch Wald. Als wir den Höhenzug Dragon Back erreicht hatten, erblickten wir unter uns den Ort Shek O, von wo uns später der Bus wieder zurück in die Stadt bringen würde. Der Wanderweg folgte nun der Krete bis hinauf zum Shek O Peak, 284 m über dem Meer. Beim Abstieg auf der Westflanke wurde der Wald wieder dichter und subtropisch, während oben auf der Krete lediglich eng wachsendes, aber nicht sehr hohes Gebüsch anzutreffen war. Myrta erlebte unterwegs eine Schrecksekunde, als sie beinahe auf eine gut 10 cm grosse Spinne trat, die unbeweglich auf dem Weg lag. Als sie diese mit einem Stock anstupste, war sie alles andere als tot, sie stieg flink am eigenen Faden hoch und verschwand in den Bäumen.

Bald trafen wir auf eine betonierte Waldstrasse, welcher wir folgten, um danach auf einem schmalen Pfad zur Big Wave Bay abzusteigen. Dort liessen wir es uns nicht nehmen, in die Fluten des Chinesischen Meers einzutauchen, um unseren Schweiss abzuspülen. Nach einem kühlen Bier fuhren wir mit einem Taxi nach Shek O, wo wir in einem Restaurant ein feines spätes Mittagessen genossen. Von dort brachte uns der Bus zurück an die Metro Linie. Die Züge waren zum Glück noch nicht zu stark überfüllt, so dass wir rasch und bequem im Hotel ankamen.

Später fuhren wir mit der Metro nach Mong Kok, um den Ladiesmarket zu besuchen. Man sagt, dass Ladies dort alles finden, was sie so brauchen. Das wollten wir natürlich überprüfen, auch wenn Myrta vielleicht nicht die typische Shoppingqueen ist. Sie suchte vor allem Winterschals für ihre Jungs zu Hause und wurde bei den ersten paar Stände bereits fündig. Auch ein passendes Mitbringsel für Mayla war bald einmal in der Tasche. Neben allerlei Nützlichem gab es auch hier wieder viele Dinge, die man eigentlich gar nicht braucht. Vielleicht macht ja genau dies den Unterschied zwischen Einkaufen und Shoppen aus?

Für das Nachtessen suchten wir uns diesmal ein vietnamesisches Restaurant aus. Die Küche dieses Landes scheint viel Ähnlichkeit mit der chinesischen oder auch thailändischen zu haben. Auf jeden Fall schmeckte das Essen auch hier wieder hervorragend.

Ich wollte mir noch eine Tasche für die neue Kamera kaufen. In den Kamerageschäften wurde interessanterweise kaum Zubehör angeboten. Einer der Verkäufer riet uns jedoch, es in der Sim City, einer Shoppingmall mit vielen kleinen Läden, welche sich auf Zubehör spezialisiert haben, zu versuchen. Bald hatte ich dort tatsächlich eine passende Tasche gefunden. Der breiten und stark befahrenen Nathan Road folgend legten wir sicher nochmals 3-4 Kilometer zurück, bis wir unser Hotel erreichten. Damit hatte sich unser Laufpensum an diesem Tag wieder auf sicher 15 Kilometer summiert.. 

 

Freitag 11.10                                                                   Flug Hong Kong nach Zürich                                                                         Schön, heiss

 

Da wir Heute nur noch den Victoria Peak auf dem Programm hatten und zuvor lediglich noch packen und aus checken mussten, waren wir für einmal nicht so früh unterwegs.

Ein weiteres Mal überquerten wir mit der Star Ferry den Hafen. Bevor wir uns zum Peak Tram begaben, wollten wir die bekannten Rolltreppen besichtigen, welche in mehreren Etappen von Central weit an den Berghang hinauf führen. Als wir ankamen, stellten wir aber fest, dass die Treppen noch von oben nach unten fuhren. Die Rolltreppen sind so gesteuert, dass bis 10 Uhr, wenn viele Leute in die Stadt runter wollen, die Fahrtrichtung bergab geht und erst danach bergauf. Wir hätten also erst die vielen Stufen neben der Rolltreppe hochgehen müssen, um anschliessend runter zu fahren. Wenn wir Pech gehabt hätten, wären wir erst oben angekommen, nachdem die Fahrtrichtung bereits gewechselt hätte. Wir liessen es also bei der Besichtigung bleiben und machten uns auf den Weg zum Peak Tram. Dank der Octopus Karte mussten wir kein Ticket kaufen und waren bereits mit der nächsten Bahn unterwegs nach oben. Bereits im Jahr 1888 wurde die erste Standseilbahn zum Victoria Peak eröffnet, damals noch mit Dampf betrieben. Nach gut 100 Jahren wurde die Bahn von der Schweizer Firma Von Roll komplett überholt, die Schienen neu gebaut und mit neue Wagen ausgerüstet. Nach knapp 5 Minuten Fahrzeit stiegen wir  hoch über Hong Kong  aus. Während der Fahrt war von der Umgebung nicht viel zu sehen, aber die rumplige und zum Teil sehr steile Strecke war auf jeden Fall eindrucksvoll.

Oben angekommen, wurden die Besucher erst mal durch einen riesigen Souvenirmarkt geschleust. Dass dabei der Ausgang eher schlecht markiert war, ist wohl nicht ganz zufällig.

Endlich draussen, erklommen wir den eigentlichen Gipfel des Victoria Peak, welcher über eine steile Teerstrasse gut hundert Meter über der Bergstation erreicht war. Die Aussicht nach Süden auf Lamma Island und auch nach Westen waren grandios, auf die spektakuläre Sicht auf Hong Kong selber mussten wir noch etwas warten.

Erst als wir auf dem Spazierweg rund um den Peak unterwegs waren, kamen wir in den Genuss der erwarteten Ausblicke. Der etwa einstündige Spaziergang führte durch schönen, schattigen Wald ohne grosse Höhendifferenzen rund um den Peak. Abgesehen von einer organisierten Veranstaltung mit mehreren hundert Teilnehmenden, trafen wir kaum andere Leute an. Die meisten Besucher schienen zufrieden damit, mit der Bahn hochzufahren, Souvenirs zu shoppen, ein paar Bilder zu schiessen und wieder runter zu fahren.

Nach einer Mittagspause und einem letzten Blick auf die Stadt unter uns bestiegen auch wir wieder die Tram.

Unten angekommen, besuchten wir den Hong Kong Park. Besonders interessant war dort die riesige, begehbare Voliere. Auf dem Rundgang durch das Gehege begegneten wir dutzenden von Vogelarten, die wir zum Teil aus nächster Nähe beobachten konnten. Der ganze Park ist wunderschön gestaltet und bildet eine richtige Oase in dieser quirligen und lauten Stadt. Wir suchten unseren Weg zurück nach Central und genossen ein kühles Bier im Schatten der Bäume, bevor wir mit der Fähre nach Kowloon zurückfuhren. Myrta wollte gerne nochmal in den Laden zurück, in welchem sie am Abend zuvor zwei Outdoor Blusen erstanden hatte. Sie war sich unterdessen reuig, nicht auch die dazu passenden Hosen gekauft zu haben. Da wir sowieso noch Zeit übrig hatten, fuhren wir mit dem Bus an die entsprechende Adresse. Auf dem Rückweg zum Hotel gab auch ich nochmal eine paar HK Dollars aus, denn die Nikon 1 war unterdessen im Fotoladen angekommen und sollte meine Ausrüstung komplettieren.

Im Hotel durften wir eines der Zimmer nutzen, um nochmals zu duschen. Danach packten wir endgültig unsere sieben Sachen und suchten noch einmal das feine Restaurant auf, in welches uns Duc Dat geführt hatte. Eigentlich hatten wir Lust auf Seafood, da wir ja die beste Gelegenheit dazu auf Lamma Island verpasst hatten, aber fast 200 CHF für beide auszugeben, war uns dann doch etwas zu viel. Wir bestellten statt dessen auch diesmal eine Auswahl der hervorragenden Dim Sum, was ja ebenfalls eine typische Spezialität Hong Kongs ist.

Mit dem Airport Shuttle liessen wir uns zur Kowloon Train Station fahren. Dort konnten wir nicht nur ohne anstehen einchecken, sondern wurden auch gleich unsere Octopus Karten wieder los. Der Airport Express war fast leer, genauso wie die Check-in Schalter und Security Checks am Flughafen. Wir wunderten uns, wo sich die ganzen übrigen Passagiere dieses riesigen Flughafens alle aufhielten.

Die letzten HK Dollars wandelten wir in Bier, drei kleine chinesische Kochbücher und drei Rochers um. Am Schluss blieben 1,5 Dollar übrig, also hatten wir den Geldwechsel gut geplant.

Das Boarding begann etwas später als geplant, trotzdem konnten wir pünktlich starten. Als der Käpt’n sich auf Englisch aus dem Cockpit meldete, konnte ich mir ein Grinsen nicht verkneifen, denn man hörte nach dem ersten Satz bereits, dass uns ein Landsmann begrüsste. Der Flug nach Zürich dauerte 12 ½ h. Wir beide konnten in der unbequemen Sitzposition kaum schlafen und waren heilfroh, als der Flieger bei regnerischem und kühlem Wetter frühmorgens pünktlich in der Schweiz landete.


Gedanken, Ideen, Fakten

Internet

Auch in kleineren und einfachen Hotels ist mehr oder weniger schnelles Internet via WLAN vorhanden. Zum Teil auch nur Kabel gebundenes LAN.

Google Produkte sind in China nicht oder nur beschränkt nutzbar. Zum Beispiel Google Maps, oder der Google Play Store funktionierten nicht. Auch die Suchmaschine selber ist gesperrt.

Ebenfalls nicht zugänglich ist Facebook. Ich hatte auch den Eindruck, dass je nach Webseite, welche aufgerufen wurde, das Netz sehr langsam reagierte. Das könnte darauf hindeuten, dass der Verkehr überwacht wird, das gilt zum Beispiel auch für westliche Medien wie Zeitungen.

Essen

Während der ganzen Zeit hatten wir beide keine nennenswerten Verdauungsstörungen und das obschon wir häufig in ganz einfachen Restaurants an der Strasse gegessen haben. Die Vielfalt der Speisen ist für unsere Bergriffe unermesslich gross. Ein gutes Restaurant hat auch mal mehrere hundert Gerichte auf der Menükarte.

In den Grossstädten und in besseren Restaurants ist häufig eine englische Beschreibung angefügt. Die Übersetzungen setzen aber zum Teil ein gutes Vorstellungsvermögen voraus. In kleinen Restaurants und ausserhalb der gängigen Touristenzentren ist aber Schluss damit. Wenn überhaupt, gibt es nur noch chinesisch geschriebene Menükarten. Verhungern muss man aber deswegen noch lange nicht. Oft werden die verfügbaren, und meist sehr frischen Zutaten, sei es Gemüse, Fleisch oder auch jegliches Getier ausgestellt. Man zeigt dem Personal was man gerne hätte, worauf aus den Zutaten meist etwas Feines gezaubert wird. Alternativ schaut was der Nachbar auf dem Teller hat und bestellt entsprechend. Dabei kann es schon vorkommen, dass auch mal ein Frosch serviert wird, hat man die psychologische Hürde einmal überwunden, wird man feststellen, dass das gar nicht schlecht schmeckt.

Die Preise sind für die Speisen, welche Europäer meist bestellen, recht günstig. Für 5 bis 10 CHF pro Person erhält man auch in Restaurants mit mittlerem Standard eine feine Mahlzeit, inklusiv einem Bier. Eine grosse Schüssel reichhaltige Nudelsuppe oder ein sonstiges einfaches Gericht erhält man fast überall für weniger als zwei Franken, und die Portionen sind so gross, dass auch zwei Personen davon satt werden.

Trinken

Wasser, gekühlt oder nicht, ist immer und überall, an jeder Strassenecke, erhältlich. Halbliter Flaschen kosten zwischen einem und drei Yuan, also 15 bis 50 Rappen. An einem sehr touristischen Ort kann’s auch mal 10 Yuan kosten.

Bier ist fast in jedem kleinen Tante Emma Laden zu haben. Grosse Flaschen ab 4 bis 8 Yuan. In Restaurants je nach Kategorie 10 bis 30 Yuan. In Bars kann auch eine kleine Flasche mal 40 Yuan kosten, noch teuer wird’s, wenn man unbedingt ein ausländisches Fabrikbier trinken will.

Wir haben das Tsing Tao Bier als Favoriten erkoren. Es gibt Biere mit unterschiedlichem Alkoholgehalt. Dieser ist in Grad Proof (°P) angegeben, dividiert durch zwei erhält man die Angabe in Prozent. Z.B. 10 Grad Proof entsprechen 5 Prozent Alkohol.

Coke oder Pepsi werden ebenfalls überall angeboten. Achtung, Coke versteht hier niemand, also immer Coca Cola bestellen. Auf Süssgetränke haben wir grundsätzlich verzichtet. Einerseits schmeckt uns Bier oder Wasser besser und andererseits ist vieles davon seeehr süss und seeehr chemisch.

Auch Wein wird häufig angeboten, ist aber recht teuer, da er meist aus dem Ausland importiert wird.

Hunde

Ja, wir haben in Guilin tatsächlich einmal Hundefleisch auf der Speisekarte gesehen. Es scheint aber entgegen westlicher Meinung nicht die Regel zu sein, dass Chinesen ihre Hunde essen.

In Städten mit Fussgängerzonen, also dort wo die Tiere eine grössere Überlebenschance haben, sieht man sehr viele streunende Hunde. Diese sehen aber recht gesund aus und sind harmlos. Ansonsten werden Hunde verhätschelt und wie Kinder behandelt. Mit Pullovern oder Mäntelchen und allerlei anderem Schnickschnack verziert, werden die meist kleinen Hündchen stolz ausgeführt. Hundeerziehung scheint allerdings ein Fremdwort zu sein. Ich habe keinen Hund gesehen der auch nur ansatzweise gehorcht hätte. Da der Robidog noch nicht in China angekommen ist, muss man entsprechend auf die Strasse oder das Trottoir achten, wenn man durch die Städte schlendert.

Anders sieht es beim Verkauf von Tieren aus. Dort herrschen aus westlicher Sicht unhaltbare Zustände. Die Welpen werden viel zu jung von den Müttern weggenommen und dann in kleinen Käfigen wie irgendeine Ware zum Verkauf angeboten. Ich musste beobachten, wie kleine, nur wenige Wochen alte Welpen, herumgeworfen wurden wie ein Sack Kartoffeln. Die Verkäuferin war sogar darüber verärgert, dass die Kleinen abgenagte Pouletknochen als Nahrung verweigerten. Aus unserer Sicht ist das Tierquälerei, und wir können nicht begreifen, dass Tiere für viele Chinesen keine Lebewesen, sondern Ware sind.

Geld

Zahlen mit Kreditkarten ist meist nur in teuren Markenläden und besseren Hotels/Restaurants der Grossstädte möglich. In anderen Gegenden und Geschäften funktionieren ausländische Karten oft nicht. Daher sollte man genügend Bargeld bereithalten. Offiziell darf man pro Person 6000 Yuan einführen. Diese kann man in der Schweiz bei der Bank bestellen und so gebührenfrei wechseln. Bargeldbezug mit Maestro oder Kreditkarte funktioniert meistens, vielfach jedoch nur bei grossen, internationalen Banken (Bank of China, HSBC)

Zugtickets kann man nur mit Bargeld oder mit Chinesischer Kreditkarte (grosse Bahnhöfe) kaufen und immer mit Vorweisen des Passes.

Deshalb immer frühzeitig wechseln und wenn möglich in grösseren Städten.


Unten steht das ganze Reisetagebuch als pdf Datei zum Downloaden zur Verfügung

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