Vorbereitung

Wir hatten einige Wochen zuvor angefangen über eine Reise in die Antarktis zu recherchieren. Wir mussten feststellen, dass vor allem auf den kürzeren, und daher auch günstigeren Routen, nur wenig Last-Minute Angebote verfügbar waren. Die längeren Fahrten welche auch Falkland und South Georgia einschliessen, gab es mehr Plätze. Allerdings sind diese Reisen auch Last-Minute noch gut 10000 USD pro Person und dauern 19 bis 22 Tage.

Als wir uns schliesslich für die klassische 10-Tages Tour zur Antarctic Peninsula auf der „Ocean Atlantic“ entschieden hatten, mussten wir, in Ushuaia angekommen, nur noch die Rechnung begleichen. Das konnten wir zum Glück mit der Kreditkarte erledigen, auch wenn wir dazu unser Limit vorübergehend erhöhen mussten. 

In Ushuaia gibt es zwei bekannte Reiseagenturen die auf Last-Minute Angebote spezialisiert sind. Beide bieten sie dieselben Reisen zu denselben Preisen an. Etwa 10 Tage vor Reisebeginn werden die Angebote publiziert. Die Last-Minute Angebote sind in der Regel 30 – 50% günstiger als der normale Preis. Man kann sich auf ihren Newsletter setzen lassen und wird dann automatisch benachrichtigt wenn neue Angebote verfügbar werden.

Wir haben festgestellt, dass Antarctica Travel die Preise eher früher bekanntgeben kann als Freestyle Adventure Travel und man daher dort bei Angebotsknappheit einen Zeitvorsprung gewinnen kann. Am besten ist es wohl beide Agenturen zu beobachten.

Kontakt:

Antarctica Travel

San Martin 611

Ushuaia

 

www.antarcticatravel.com

mailto: lorena@antarcticatravel.com

 

Freestyle Adventure  Travel

Gobernador Paz 866

Ushuaia

 

www.freestyleadventuretravel.com

mailto: sarah@freestyleadventuretravel.com


Unsere Reise in die Antarktis


Die Ocean Atlantic wurde 1985 als RoRo Schiff gebaut und war zwischen Japan und Russland unterwegs. Später wurde sie in Russland als Casino- und Unterhaltungsschiff umgebaut aber erfolglos eingesetzt. Kürzlich wurde sie von einem dänischen Geschäftsmann  für die Albatros Expeditions gekauft und noch mal etwas modifiziert um nun als eistauglicher Polarkreuzfahrer in der Antarktis zu fahren. Knapp 200 Passagiere werden von 150 Crew, das sind Seeleute, Hotelangestellte und die Expeditionsmannschaft, betreut. Auf unserer Reise waren gut 150 Passagiere an Bord.

Die antarktische Halbinsel ragt weit aus dem Kontinent hinaus und liegt der Südspitze von Südamerika gegenüber. Nur deshalb ist es möglich Expeditionen in die Antarktis zu unternehmen. Alle anderen Landmassen der südlichen Hemisphäre sind sehr viel weiter vom südlichsten Kontinent entfernt, so dass die Anreise über eine Woche in Anspruch nehmen würde. Zudem ist die antarktische Halbinsel gesegnet mit vielen interessanten und sehenswerten Gegenden. So gehen dann auch über 90% aller Expeditionen von Ushuaia aus. Man kann unterdessen aber auch schon auf den Kontinent fliegen und dann dort an Bord eines Schiffes gehen. Solche Reisen sind aber nochmal eine Stange teurer, unter 16‘000 Dollar pro Person ist kaum etwas zu machen. Aber eben, es gibt immer Leute die haben wohl viel Geld aber keine Zeit…


Tag 1

Am ersten Tag gingen wir am Nachmittag an Bord. Nach einer Ticket und Passkontrolle konnten wir das Hafengelände betreten und zu unserem Schiff gehen. Dort war das Check-In schnell erledigt und wir bezogen unsere Kabine. Auch wenn wir die günstigste Kategorie gebucht hatten, war diese mit Privatbad und grosszügigen Betten eingerichtet.

Hanni und Mathias kamen kurz darauf auch an Bord wir hatten die Beiden Zürcher nun schon einige Male getroffen und bald erfahren, dass auch sie die Ocean Atlantic Reise gebucht hatten.

Noch vor dem Auslaufen mussten wir uns dem Sicherheitsbriefing und einer Evakuierungsübung unterziehen. Auf den anderen Schiffen die noch im Hafen lagen ging dasselbe von Statten, denn die Schiffe dürfen erst auslaufen, wenn dieses Training erledigt ist. Als nächstes wurden die warmen Jacken an die Passagiere verteilt. Es hat sich auf allen Schiffen eingebürgert, dass alle Gäste eine solche zu Geschenk bekommen.

Durch den ruhigen Beagle Kanal fuhr das Schiff der Drake Strasse entgegen. So konnten wir das Nachtessen bei besten nautischen Bedingungen geniessen. Erst lange nachdem wir im Bett lagen wurde die See unruhiger. Wir waren nun in den unruhigsten Gewässern der Welt unterwegs. Und wurde erzählt, dass die Schiffe im letzten Dezember mit bis 17 m hohen Wellen zu kämpfen hatten. Davon bleiben wir zum Glück verschont. Die Mannschaft sprach dann auch immer wieder von optimalen Bedingungen auch wenn das Schiff trotz Stabilisatoren so stark rollte, dass unsere Sachen auf dem Tisch in der Kabine zu Boden geschleudert wurden.


Tag 2

Da wir während der Nacht in die „Drake Passage“ eingefahren waren hatten wir zunehmenden Seegang. Wir wurden aber informiert, dass es sich um eine durchaus ruhige Überfahrt handelt. Frühstücksbuffet im Restaurant war hervorragend und wir genossen dieses mit den Brumms zusammen auch wenn man etwas balancieren musste wenn man sich am Buffet bediente.  

Der Tag war dann erfüllt von Vorträgen. Erst hörten wir einer Präsentation über Seevögel zu. Danach ein weiterer, obligatorischer Vortrag der IAATO (International Assosiation of Antarctica Tour Operators) zum Verhalten der Besucher in der Antarktis. Dabie wurde klar, dass der Besuch in dieser Region sehr stark reglementiert ist und wirklich viel dafür getan wird, damit die jährlich etwa 40‘000 Besucher möglichst wenig Einfluss auf Flora und Fauna haben.

Nach dem anpassen und verstauen der Gummistiefel für die Landgänge besuchten wir die Brücke. Die Technik erscheint recht altmodisch, und im Gespräch mit dem Käptn erfuhren wir einiges über die Geschichte der „Ocean Atlantic“.

Nach dem Nachtessen mit den Brumms schauten wir uns einen interessanten Film über die Shackelton Expedition, welche anfangs 20. Jahrhundert in dieser Gegend stattgefunden hatte, an.


Tag 3

Nach dem Frühstück eine weitere obligatorische Einweisung: Das Zodiac Briefing. Es wurden die Sicherheitsmassnahmen und das Prozedere des Ein- und Aussteigens erläutert. Anschliessend mussten alle Besucher ihre Outdoorkleider und –ausrüstung zum Inspizieren und reinigen zeigen. Es wurde vor allem sichergestellt, dass niemand fremde Samen mit an Land bringt und so verschleppt.

Beim Mittagessen fuhren wir in die „South Shetland“ Inseln ein und hatten somit die „Drake Passage“ wohlbehalten und ohne Seekrankheit überstanden. In einem Vortrag zur Geologie in der Antarktis wurde uns überraschend erklärt, dass in der Antarktis auch schon mal ein subtropischen Klima geherrscht hatte. Fossilien diverser Saurierarten belegen diesen Fakt. Die durchschnittliche Erdtemperatur war damals ca. 20 °C höher als Heute!! Es gibt im Übrigen auch nach wie vor aktive Vulkane auf diesem Kontinent.

Immer mehr Seevögel begleiteten nun unser Schiff, ein weiterer Beweis dass Land nun nicht mehr weit war.

Wir erhielten Informationen über den ersten, geplanten Landgang in „Yankee Harbor“. Da die Passage so ruhig verlaufen war hatte, das Schiff das erste Ziel schneller als geplant erreicht. Es zeigte sich bereits hier dass die Ausflüge mit über 150 Leuten ziemlich strikte und enge Planung benötigen. Aufteilung der Gäste erfolgte in zwei Grossgruppen welche dann wiederum in Untergruppen aufgebrochen wurden um ein Chaos im „Mud Room“ zu verhindern. Der „Mud Room“ ist quasi die Garderobe, nahe am Ausstieg gelegen. Hier wechselt man von der Bordkleidung in die warme und wasserfeste Landausrüstung.

Um 18 Uhr wurde dann die erste Gruppe an Land geschafft. Immer 10 Leute pro Zodiac. Bevor man ins Boot gelangte wurde man mittels ID Karte ausgecheckt, so dass man an Bord immer wusste, ob jemand an oder von Bord war. Nach einem letzten Check der Ausrüstung ging man durch ein Desinfektionsbad um die Stiefel zu desinfizieren. Wir waren in  der zweiten Gruppe und machten erst mal eine Zodiac Cruise. Vorbei an einer Gruppe „Wedell Seals“, welche am Strand der geschützten Bucht lagen, kreuzten wir anschliessend hinüber zu einem mächtigen Gletscher welchem wir durch die ganze Bucht folgten. Gerade im diffusen Licht des Himmels leuchtete das Blau umso eindrücklicher.

Anschliessend landeten wir am Strand und die andere Gruppe ging auf die Cruise. Wir wurden noch einmal auf die Regeln an Land hingewiesen. Generell wird extrem viel Wert darauf gelegt, dass der Besuch in der Antarktis möglichst wenig Einfluss auf die Umwelt und die Fauna hat. Die Tourorganisatoren sind sich offensichtlich bewusst, dass nur ein nachhaltiger Schutz nicht nur die Umwelt sondern damit halt auch ihr Geschäft auf lange Zeit zu sichern ist. Zum Beispiel ist es verboten während des Landgangs irgendwo auch nur zu pinkeln. Im Falle eines Notfalles wird der Besucher zum Schiff zurück gebracht wo er sein Geschäft verrichten kann. Es stehen auch überall Leute des Expeditionsteams welche einerseits Fragen beantworten können, aber eben auch dafür sorgen, dass niemand die Abschrankungen ignoriert oder andere Regeln verletzt. Die Tiere danken es einem indem sie sich furchtlos unter die Besucher mischen.

Etwa 4000 Paare  „Gentoo“  und „Chinstrap“ Pinguine nisten an dieser Bucht. Bis hoch hinauf an die Felshänge bauen sie ihre einfachen Steinnester. Die Jungen waren schon länger auf der Welt und haben schon viel an Grösse zugelegt. Auf Grund der Färbung waren nur noch schwer von den Eltern zu unterscheiden. Der Zugang zur dichtbesiedelten Kolonie ist nicht möglich, aber einzelne Tiere watschelten ungeniert zwischen den Besuchern umher und liessen sich nicht stören.

Erst nach 8 Uhr fuhr uns das Schlauchboot zurück zum Schiff. Das Nachtessen wurde auf Grund des späten Landgangs erst um 2030 serviert. 


Tag 4

Spiegelglatt zeigte sich sie See beim Aufwachen. Das Schiff fuhr zwischen Inseln hindurch und überall trieben blauschimmernde Eisberge unterschiedlichster Grösse. Im „Foyn Harbor“ ankerten wir schliesslich und machten uns bereit für eine Zodiac Cruise. Vorbei an den Eisbergen, hinein in geschützte, von Gletschern gesäumte Buchten, tuckerten wir über das spiegelglatte Wasser. Die Nebelbänke verschlossen uns zum Teil den Blick auf die umliegenden, gletscherbedeckten Berge. Unser Bootsführer fuhr uns zu einem alten Wrack eines Walfängers, der, nachdem ein Brand ausgebrochen war, in eine geschützte Bucht geschleppt worden war. Vier Segelboote hatten an dem Wrack festgemacht und die Nacht dort verbracht. Die Schiffe waren seit einem Monat in der Region der Antarktis Halbinsel unterwegs, geführt von einem erfahrenen Skipper in einem der Boote. Das Wetter war zwar bewölkt gewesen, aber ohne Wind liessen sich die kalten Temperaturen gut aushalten.

Zurück an Bord konnte man einer Präsentation über Wildtierfotographie in der Antarktis beiwohnen oder sich halt auch bis zum Mittagessen entspannen. Während wir gemütlich assen, lichtete die Mannschaft den Anker und startete die Reise zum nahen „Danco Island“. Immer in Sicht der Küste links und rechts genossen wir eine ruhige Passage, wiederum vorbei an unzähligen Eisbergen und Gletschern.

Bevor wir auf der Insel Danco landeten, ging es auf eine Zodiac Cruise. Wir hatten schon vom Schiff aus in der Ferne Wale gesehen und es dauerte nicht lange und wir sahen drei Buckelwale in der Nähe. Zwar durften wir nicht allzu nah heran fahren, aber nachdem der Bootsführer den Motor abgestellt hatte trieben wir immer näher an die mächtigen Tiere heran. Sie bewegten sich wenig denn sie waren offensichtlich am Ausruhen. Man nennt diesen Zustand auch „logging“, da sie wie treibende Baumstämme aussehen. Gentoo Pinguine aus der nahen Kolonie schwammen im ruhigen Wasser um unser Boot und in der Distanz sahen wir auch noch Minky Wale, eine relativ kleine Art mit bräunlicher Färbung.

Nach der Landung auf dem Danco Island, erklommen wir den steilen Hügel an welchem die Pinguine ihre Kolonie eingerichtet haben. Wir fragten uns warum die Tiere sich die Mühe machen so hoch oben zu brüten und den langen, steilen Weg zum Wasser und wieder zurück in Kauf zu nehmen. Die Antwort ist einfach und logisch: Die höheren Hügel sind nach dem Winter zuerst schneefrei und für die erfolgreiche Reproduktion der Vögel ist es wichtig, dass sie so früh wie möglich mit dem Brüten beginnen können. Man konnte beobachten wie die Eltern mit Futter vom Meer zurückkamen und den mühsamen Weg hinauf zu ihren Jungen unternahmen. Die Aussicht auf die grosse Bucht war gigantisch.


Tag 5

Wir waren Heute die ersten die an Land fuhren. Wir landeten auf einer kleinen Insel gegenüber der „Port Lockroy Station“. Dort befinden sich mehrere Skelette von Walen und eine grössere Gentoo Pinguin Kolonie. Die Tiere waren sehr zutraulich und watschelten ungeniert zwischen uns Besuchern durch und beäugten diese scheinbar neugierig. Die Jungen waren schon weit entwickelt und sie werden im März ihre ersten Schwimmversuche wagen. Erst müssen sie aber noch ihre flauschigen Kinderfedern ersetzen durch das wasserdichte Federkleid der Erwachsenen.

Wir wurden dann übergesetzt zur Forschungsstation. Heute ist sie nicht mehr in Betrieb sondern wurde zu einem Museum ausgebaut. Man bekommt einen guten Eindruck wie die Forscher in dieser unwirtlichen Region gelebt haben müssen. Ursprünglich von den Engländern errichtet, sollte sie ihre Gebietsansprüche in der Antarktis markieren. Bis in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde sie schliesslich als Forschungsstation betrieben, dann aber aufgegeben. Dreissig Jahre später wurde England von den Mitgliedstaaten der „Antarctica Treaty“ vor die Wahl gestellt, die Anlagen zurückzubauen oder aber zu restaurieren. Man entschloss sich darauf, ein historisches Monument zu gestalten. Heute werden die Gebäude in den Sommermonaten von einer Besatzung betreut und ein Postamt und ein Souvenirladen hilft die Operation zu finanzieren.   

Nach einem fast windstillen Morgen erlebten wir Stunden später im „Neumayr Canal“, einem schmalen von hohen Bergen eingefassten Fjord einen heftigen Sturm mit Winden bis 80 km/h. Das verzögerte unsere Reise zum „Cuverville Island“ etwas. Dort angekommen zerschlugen sich die Hoffnungen auf einen Landgang. Noch immer blies der Wind mit bis zu 30 Knoten, zu viel um die Sicherheit zu garantieren. So musste das erste Mal ein Landgang gestrichen werden.


Tag 6

Noch während des Frühstücks erreichten wir die Paradise Bay, einer von Gletschern gesäumten gut geschützten Bucht. Trotz leichtem Regen stiegen wir in die Schlauchboote und wurden zu der nahen, argentinischen Station Brown gefahren. Im Gegensatz zu Gestern ist diese Einrichtung eine nach wie vor in Betrieb stehende Forschungsstation der Argentinier. Für uns war sie allerdings nicht zugänglich und die Besatzung liess sich auch nicht blicken. Über ein steiles Schneefeld stiegen wir hoch und konnten dann auf dem Hosenboden hinuntersausen. Auch hier wohnen, wenn auch nicht sehr viele, Gentoo Pinguine.

Auf der Zodiac Cruise durch die Bucht gab es aber noch einiges zu entdecken. In den Felsen beobachten wir eine grössere Kolonie mit „Blue Eyed Shacks“, einer Kormoranart, in welcher eine grössere Anzahl Küken zu sehen waren. Bis zu drei Eier legen die Vögel und nun, da sie schon fast flügge sind, sind sie auch schon fast so gross wie die Eltern. Auf einigen der Eisberge konnten wir „Krabeater Seals“ beim Ausruhen sehen, auch diese Tiere liessen sich von uns nicht stören.

Beim Ausfahren aus der Bucht kamen wir an einem grossen Kreuzfahrer vorbei. Da das Schiff aber weit über 500 Passagiere an Bord hat, sind Landausflüge für die Gäste nicht möglich. Die Passagiere müssen sich mit dem Betrachten der imposanten Landschaft begnügen.

Das Schiff machte sich auf, den südlichsten Punkt unserer Reise zu erreichen. Durch den landschaftlichen Höhepunkt, den „Lamaire Canal“ musste der Kapitän die Geschwindigkeit reduzieren. Bis auf 1,5 Km schrumpfte die Breite zusammen. Der schmale Durchgang ist gesäumt von vergletscherten, hohen Bergen deren Gipfel wir aber leider nicht sehen konnten, denn die Wolken hingen recht tief hinunter.

Kaum hatten wir die Schmalstelle hinter uns ankerte das Schiff im „Port Charbot“. Gegenüber des Landeplatzes ist eine Bucht welche man „Iceberg Graveyard“ nennt. Durch diesen Eisbergfriedhof machten wir eine weitere Exkursion im Schlauchboot. Die weiss-blauen Eisberge schimmerten magisch im grauen Wetter. Einer der unzähligen Eisberge bestand aus drei delikaten sicher 20 m hohen Bögen. Unglaublich dass solche Formen überhaupt entstehen können. Der Hotelmanager und seine Leute erwarten uns in einer ruhigen Bucht und servierten heisse Schokolade mit Baileys ins Schlauchboot. Anschliessend querten wir die Bucht zum eigentlichen Landeplatz. Die Schneefelder leuchteten in Grün und Rot, hervorgerufen durch Schneealgen. In verschiedenen Kolonien nisten hier alle drei Arten Pinguine die in der nördlichen Antarktis vorkommen: die verbreiteten „Gentoo“, die „Chinstrap“ und die seltenen „Adelie“ Pinguine. Von den letzteren sahen wir auch hier nur eine Handvoll.

Es war hier wo wir die einigen Seeelefanten zu Gesicht bekamen. Da es sich zudem um Jungtiere handelte, fehlte der ansonsten so typische „Rüssel“. Trotzdem aber ganz schöne Kaliber, mehrere hundert Kilogramm schwer. Wir kamen spät auf das Schiff zurück und gingen nach einer kurzen Dusche gleich zum Nachtessen.


Tag 7

Der Himmel war verhangen und ohne den Schutz der vielen Inseln entlang der Antarktischen Halbinsel rollte das Schiff kräftig. Wir waren schon am Vorabend gewarnt worden, dass die Fahrt unruhig werden wird.

Da wir erst gegen Mittag in der „Deception Bay“ einliefen, konnten wir für einmal ausschlafen und wir gingen erst gegen neun Uhr zum Frühstück. Der Himmel war verhangen und ohne den Schutz der vielen Inseln entlang der Antarktischen Halbinsel rollte das Schiff kräftig. Die Deception Bay ist eigentlich ein versunkener Vulkankrater mit einigen Kilometern Durchmesser. Die Einfahrt ist schmal und das Schiff manövrierte sich in die fast kreisrunde Bucht hinein. Der Wind blies nach wie vor mit über 40 Knoten und an eine Landung war nicht zu denken. Da es auch das Schiff selber vom starken Wind abgetrieben wurde, entschied der Kapitän dass wir die Bay wieder verlassen müssen.

Unsere Expeditionsleiterin entwickelte kurzentschlossen einen Alternativplan und versprach uns für den späten Nachmittag einen weiteren Versuch an anderer Stelle. Vor dem Hannah Point angekommen, heulte der Sturm nach wie vor. Auf dem Aussichtsdeck konnte man fast nicht auf den eigenen Beinen stehen und es war offensichtlich, dass es nicht möglich sein würde, die Schlauchboote abzusetzen. Das Wetter hatte aufgeklart und der blendend weisse Gletscher und die dahinterliegenden Berg leuchteten in der Sonne. Das war unsere letzte Chance für einen Landgang gewesen. Nun machte sich das Schiff in Richtung Drake Passage auf. An Bord wurde es nun wieder unruhiger, denn der Schutz der Inselwelt fehlte.

Gegen Abend wurde der sogenannte „Polar Plunch“ abgehalten. Dabei geht es darum, einen Sprung ins eiskalte Wasser des Polarmeeres zu wagen. Das hätte man eigentlich von Strand aus machen wollen, aber da die Landgänge gestrichen werden mussten, füllte man den Pool und die entschlossenen Masochisten konnten sich dort profilieren. Wir hingegen zogen es vor uns in der Sauna aufzuheizen.

Der Abend war gefüllte mit einem Vortrag über die Rolle der Menschen in der Antarktis, von den ersten Entdeckern bis zum Beginn des Tourismus in dieser Region. Es ist eigentlich erstaunlich, dass die Eroberung des kalten Kontinents erst Anfang 20. Jahrhundert richtig losging. Immer wieder stiessen Expeditionen aus unterschiedlichen Ländern in den Süden vor. Auch der Südpol wurde von Amundsen erst 1911 zum ersten Mal erreicht, Scott, der Amerikaner war zwei Wochen spätr auch dort und musste feststellen, das er das Rennen verloren hatte.


Tag 8.

Die Fahrt durch die Drake Passage wird auch gerne als „Drake Lake“ bezeichnet, das dann wenn die See ausnahmsweise mal ruhig sein sollte (kaum jemand kann aber davon berichten). Üblicher ist hingegen der „Drake Shake“, nämlich dann wenn es wie fast immer starken Wellengang hat. Im Dezember 2017 zum Beispiel hatte es auf einigen Überfahrten Wellen bis 17 m Höhe. Da konnte die Küchenmannschaft wohl eine ziemlich ruhige Kugel schieben.

Nun gab es logischerweise keine Landausflüge mehr, aber das Expeditionsteam organisierte weitere Vorträge und Filme zum Thema Antarktis und hielt so die Passagiere beschäftigt.

Wir waren den ganzen Tag auf offener See. Auch auf der Rückfahrt Richtung Ushuaia war der Seegang für diese Region moderat. Das Wetter war nach wie vor wechselhaft, auch nicht wirklich eine Überraschung.

Viel gab es nicht mehr zu tun und wir verbrachten viel Zeit in der Kabine mit lesen, schreiben und Bilder bearbeiten. 

Nach dem Nachtessen veranstaltete das Expeditions Team einen Quizabend. In Gruppen aufgeteilt galt es 50 Fragen zur Reise zu beantworten. Unser Schweizer Team belegte schliesslich den guten vierten Rang.


Tag 9

In der Nacht war es zum Teil recht unruhig gewesen. Unsere Kabine lag ziemlich nahe am Bug und so konnten wir die Wellen an den Rumpf schlagen hören. Die Bullaugen mussten aus Sicherheitsgründen mit dem Panzerdeckel verschlossen bleiben, da  nicht ausgeschlossen werden konnte, dass Wellen bis zu der Bullaugen hochschlagen.

Nach dem Frühstück fuhren wir am berüchtigten Kap Hoorn vorbei. Der Kapitän hatte bei der dort stationierten, chilenischen Zollbesatzung die Bewilligung erhalten bis auf drei Seemeilen an die Insel heranzufahren. So konnten wir einen Blick auf das umtoste Eiland werfen auch wenn die Sicht nebelverhangen war.

Unten ein Zusammenschnitt einiger Sequenzen von unserem Antarktik Trip


Tag 10

Dieser ist schnell erzählt, denn das Schiff legte morgens um 7 Uhr bereits in Ushuaia an und um 8 Uhr waren wir bereits wieder an Land. 



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Kommentare: 2
  • #1

    Karlheinz (Sonntag, 04 Februar 2018 04:04)

    Ein tolles Erlebnis. Gute Bilder und ein lustiges(Pinguin Sequenzen**)Video, bildhafter Text.

  • #2

    Edith (Montag, 05 Februar 2018 18:20)

    Wir haben Ihr Auto in Ushuaia gesehen.
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    Noch schöne Reise und viel Wetterglück!