Die Karte kann beliebig gezoomt werden, so dass die Details besser ersichtlich sind.


Über die Grenze am Paso Sica (Chile – Argentinien) Oktober 2107

Wir hatten aus landschaftlichen Gründen den Grenzübergang am Paso Sica gewählt. Es stellte sich aber heraus, dass es sich auch aus grenztechnischen Gründen auszahlte.

Chile und Argentinien betreiben den Grenzposten zusammen in einem Gebäudekomplex auf argentinischer Seite. Das hat für den Reisenden den Vorteil, dass alle Formalitäten, also Ausreise aus Chile und die Einreise in Argentinien in einem Raum erfolgt. Da sehr wenig Verkehr über diesen Pass herrscht, sind auch die Beamten sehr hilfsbereit und sehr locker im Umgang. Wir mussten keine Formulare ausfüllen und es gab keinerlei Kosten.

Auch die übliche Lebensmittelkontrolle entfiel komplett. Ein kurzer Blick des Zollbeamten, dieser aber eher aus Neugier als Kontrolle. Eine knappe halbe Stunde und alles war erledigt.

Die Argentinier laden den Reisenden gar ein, ihr Gästehaus zu nutzen. In diesem hat es mehrere Zimmer mit Stockbetten, eine Küche und WC inklusive warme Dusche. Und das alles auch noch kostenlos, wo gibt es denn so was?


Über die Anden nach Argentinien

Nachdem wir dem Salar entlang nach Süden gefahren waren, stieg die Strasse langsam aber stetig an. In Socaire erreicht man den letzten Ort in Chile. Ausser einer kleinen, netten Kirche gibt es allerdings nicht viel zu sehen und zu tun. Man geniesst einen herrlichen Ausblick hinunter auf den Salar. Lupinen bilden einen blauen Teppich in der ansonsten kargen Landschaft.

Eine Stichstrasse führt hinauf zu den Lagunen Miscanti und Miniques. Diese erinnern einen an die Lagunen in Bolivien. Sie werden von San Pedro aus als Tagestour angeboten, entsprechend viele Leute hatte es an den Seen.

Bald danach geht die Asphaltstrasse in eine Piste über. Diese ist meist in guten Zustand und Richtung Pass trifft man immer wieder auf Bautrupps die an der Strasse arbeiten und einen auf Umleitungen schicken. Die Passstrasse wird wohl in absehbarer Zet zumindest auf der chilenischen Seit durchgehend geteert werden.

Der nächste landschaftliche Höhepunkt an der Strecke ist der Salar Tolar. Der Wind blies mit Sturmstärke über die Ebene und verschlug uns den Atem. Die herrliche Landschaft entschädigte aber längstens. Eigentlich hatten wir vorgehabt dort zu übernachten. Aber der starke Wind tobte auch an einer Stelle die normalerweise recht gut windgeschützt liegt. Da es auch noch früh war, zogen wir weiter.

Auf über 4500 m erreichten wir den Pass, dann ging es herunter zu Grenzstation welche aber noch immer auf 3800 m liegt. Dort übernachteten wir schliesslich im Windschatten des Zollgebäudes. Ein englisches Radlerpaar, wir hatten sie am Pass überholt, leistete uns Gesellschaft.

Am Morgen, die Temperatur war wieder leicht unter Null gefallen gewesen, machten wir uns auf Richtung RN52 welche vom parallel verlaufenden Paso Jama kommt. Die 50 km durch die Hochebene waren landschaftlich sehr schön und die Piste gut zu fahren. Auf der Hauptstrasse angekommen ging es noch zügiger voran, denn die Strasse ist gut ausgebaut und führt bis zum Abstieg in die Quebrada Huamahuaca meist eben über eine Hochebene. An den Salinas Grades wird in fast 4000 m Salz abgebaut. Schneeweiss blendet die Oberfläche des Salars. Der Abstieg erfolgt dann durch spektakuläre Erosionslandschaften. In allen Farben und Formen präsentiert sich das Gebirge. In unzähligen Kehren verliert man in kurzer Zeit 2000 Höhenmeter. Die Temperatur steigt dabei stetig an und als wir Purmamarca erreichten war das Thermometer auf über dreissig Grad geklettert.

Im Campingplatz lernten wir eine argentinische Jungfamilie aus Mar del Plata kennen. Wir verstanden uns auf Anhieb gut und hatten interessante Gespräche. Schliesslich ergab sich daraus die erste „Parillada“, die so berühmte argentinische Grillorgie. Wir hatten ein bescheidenes Entrecote Double gekauft, nur gerade 800 g schwer. Unsere Nachbarn kamen dann von der Metzgerei zurück mit einem Lendenstück von fast 1,5 Kg und einigen Würsten obendrauf. Zusammen mit einem guten Malbec, ein so typisches argentinisches Nachtessen.  Über eine Stunde brutzelte das Fleisch bei kleinster Glut. Perfekt auf den Punkt gebracht genossen wir schliesslich um bald neun Uhr unser Essen.  


Quebrada de Humahuaca

Pumamarca ist bekannt für seinen „Cerro Siete Colores“, den Berg der sieben Farben. Im weichen Licht des Morgens besuchten wir die Erosionslandschaft unmittelbar hinter dem Ort. In allen Farben leuchteten die Hänge, on grün über rot zu allermöglichen Ocker- und Gelbtönen strahlten die Berge.

Wir fuhren danach die „Quebrada Humahuaco"hoch. Auch dort überall farbenfrohe Berghänge und der Talgrund saftig grün. Riesige Weiden und hohe Pappeln erfreuten unser Auge, insbesondere nach den Wochen in den kargen Hochanden.

In Tilcara besuchten wir die Markthalle und stockten unsere Lebensmittelvorräte wieder mit frischem Gemüse und Früchten auf. Humamarca war der nördlichste Punkt unseres Ausflugs. Der kleine Ort ist recht touristisch. Berühmt ist es für seine Kirche an welcher eine mechanische Statue des San Francisco pünktlich um 12 Uhr mittags erscheint und den Leuten den Segen erteilt. Tatsächlich bekreuzigten sich nicht wenige der Besucher als es soweit war, für uns etwas befremdlich, handelt es sich doch um eine Holzstatue


Salta

Wir besuchten das Zentrum von Salta mit dem Bus von unserem Campingplatz aus. Das eigentliche Zentrum ist überschaubar und auch wenn Salta angeblich zu den schönsten Städten Argentiniens zählt, waren wir am Ende nicht wirklich angetan. Rund um den Hauptplatz ist es recht nett und man findet auch ein paar alte Kolonialbauten, aber nur zwei Häuserblocks weiter herrscht das grossstadtübliche Chaos mit dichtem Verkehr und Ladengeschäften bis zum abwinken.

Die Rückfahrt zum Camping wurde dann zu einer ausgedehnten Stadtrundfahrt, denn wir stiegen genau dort wieder in den Bus wo wir ausgestiegen waren. Dieser machte dann erst eine grosse Runde bis er nach einer guten halben Stunde auf der anderen Strassenseite wieder am selben Ort war um von dort dann wirklich Richtung Camping zu fahren.


Nationalpark El Rey

Etwa 180 km südöstlich von Salta befindet sich der kleine Nationalpark „El Rey“. Den Namen hat er von der „Estancia“ welche vor Gründung des Nationalparks dort eine Rinderzucht und andere landwirtschaftlichen Aktivitäten betrieb. Eine 45 km lange Piste bringt den Besucher ins Herz des Parks. Dort wurde ein wunderschöner Campingplatz eingerichtet welchen man kostenlos nutzen darf. Wir lernten Monica und Gabriel aus Buenos Aires kennen. Sie hatten 14 Tage Zeit und hatten den langen Weg in den Nordwesten Argentiniens unter die Räder genommen. Gute 5000 km sollen es am Ende werden, erklärten sie uns. Wir genossen den Tag und den Abend mit ihnen und klar es wurde auch wieder gegrillt. Auch Gabriel beherrscht die „Parillada“ bestens und die Portionen waren noch grösser bemessen.

Am Tag darauf besuchten wir die zugänglichen Teile des Parks mit dem Auto. Als erstes fuhren wir auf einer schmalen Piste zum „Cascada Los Lobitos“. Flussotter bekamen wir zwar keine zu Gesicht und von Tapiren sahen wir nur Fussabdrücke, aber landschaftlich ist die Gegend herrlich.

Beim Rio Popayan trafen wir unsere neuen Freunde wieder. Bei der Rangerstation gibt es eigentlich (noch) keine Campingmöglichkeit, aber der Parkranger lud uns ein, neben seinem Haus zu übernachten. Ganz in der Nähe kann man ganze Schwärme grosser Fische im Fluss beobachten. Diese haben sich stark vermehrt seit das Fischen vor 17 Jahren verboten wurde. Später gingen Myrta und ich nochmal zurück zum Fluss, diesmal aber im Badezeug. Es war über dreissig Grad geworden und eine Abkühlung tat gut wenn auch das Wasser auch fast so warm war.


Nach Cafayate

Nach verlassen des Nationalparks fuhren wir auf kleinen Pisten nach Westen. Einem Fluss folgend führt die Strecke durch eine schöne Landschaft, welche uns an den Südosten der USA erinnerte. Bei einem Viehrost entdeckten wir eine Kuh, welche zwischen den Stahlprofilen feststeckte. Wir konnten ihr nicht helfen ohne noch mehr Schaden anzurichten. Etwa 20 km weiter trafen wir auf ein Bauernhaus wo wir das Problem meldeten.

Am „Dique Cabra Coral“, einem riesigen Stausee, vorbei, erreichten wir die Hauptstrasse. Danach bogen wir in die Berge ab. Auf 3200 müM erreichten wir die Passhöhe und zugleich die Grenze zum Nationalpark „Los Cardones“. Als erstes besichtigten wir das „Valle Encantada“ mit seinen Felsformationen, leider darf man dort nicht campen, es wäre ein magischer Ort. Bekannt ist der Park aber vor allem für seine unzähligen Säulenkakteen, eben den „Cardones“.

Schliesslich fuhren wir hinunter nach Cachi auf angenehme 2300 müM. In einem kleinen Seitental soll es einen schönen Übernachtungsplatz geben, hatten wir im iOverlander erfahren. Wir mussten feststellen, dass Nadine und Patrick denselben Gedanken hatten, denn als wir ankamen hatten sich die Flizzontour bereits eingerichtet. Sie hatten unterdessen Viola, eine Freundin von Nadine, mit an Bord. Es wurde einmal mehr ein netter Abend zusammen.

Von Cachi aus führt die berühmte „Ruta 40“, mit 5000 km die längste Strasse der Welt, südwärts. Von der bolivianischen Grenze führt die Strasse bis hinunter nach Feuerland. Es wird wohl nicht das letzte Mal sein, dass wir auf dieser Strasse reisen werden.

Die Landschaft ist trocken, nur dem Fluss entlang ist es grün. Auch hier ist die Landschaft abwechslungsreich und interessant. Nur wenige kleine Dörfer säumen den Weg. Kaum Verkehr, zum Glück, denn die Piste ist sehr staubig und oftmals eng und kurvenreich. Der landschaftliche Höhepunkt ist das „Valle Flecha“. Die pfeilartigen Felsformationen haben der Gegend den Namen gegeben. Bald darauf erreicht man Cafayate, der nördliche Anfang des grössten Weinanbaugebiets Argentiniens. 


Gauchito Gil 1840 - 1878

Reist man durch Argentinien, trifft man überall am Strassenrand auf kleinere oder grössere Monumente verziert mit roten Tüchern, oft ist der ganze "Altar" mit roten Accessoirs ausstaffiert. Unsere Recherchen und Nachfragen bei Einheimischen haben uns auf die Geschichte von Gauchito Gil gebracht. 

Gauchito Gil, 1840 als armer Landarbeiter geboren, soll ein Verhältnis mit einer reichen Witwe gehabt haben, was der Familie dieser Frau nicht genehm war. Um den Problemen zu entgehen, schloss Gil sich der Armee an, desertierte jedoch, um während dem argentinischen Bürgerkrieg nicht seine eigenen Landsleute töten zu müssen. Er versteckte sich im Wald und begann, reiche Leute zu bestehlen und das Diebesgut an die arme Bevölkerung zu verteilen, wurde also eine Art argentinischer Robin Hood. Er wurde jedoch gefasst, von der Polizei gefoltert und zum Tod verurteilt. Als der Henker das Todesurteil vollstrecken wollte drohte er dem Henker, dass sein Sohn schwer krank würde, wenn er ihn tötet und dass er nur gesund würde, wenn er zu Gil beten würde. Tatsächlich erkrankte der Junge kurz darauf und in seiner Not betete der Henker zu Gil, damit er geheilt würde, was auch geschah. Damit wurde Gauchito Gil endgültig zur Legende in Argentinien. Aus Dankbarkeit errichtete der Henker für Gil, dessen Erkennungszeichen zu Lebzeiten ein roter Umhang und ein rotes Stirnband war, ein kleines Monument. 

Heute gilt Gil vor allem als eine Art Patron der Auto- und LKW-Fahrer, die beim Vorbeifahren an den roten Schreinen hupen, um Gauchito Gil zu grüssen. Jedes Jahr am 8. Januar finden zudem zu seinen Ehren an vielen Orten im Land Feste statt. 



Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Eva Schumacher (Sonntag, 05 November 2017 14:13)

    Euren Blog lesen wir mit Interesse. Wir sind momentan in Montevideo und hoffen unser Auto morgen zu bekommen. Dann soll es für 5 Monate nach Norden gehen.
    Weiterhin eine gute Reise mit vielen interessanten Erlebnissen. Wir freuen uns auf weitere Berichte.
    Eva

  • #2

    Erwin Doorenspleet (Montag, 06 November 2017 19:25)

    Hoi Ueli, schönes Bericht! Genau die Orten die du besuchst hast rundum Salta waren wir auch vor 3 Jahre! Unsere Opel Corsa 1.2 hat kaum Leistung mehr gehabt auf 4000m höhe. Jetzt weiter nach Mendoza? Iguazu ist auch so ein Ort die du eigentlich besuchen solltest!
    Wenn du irgendwann in Buenos Aires bist kann du vielleicht mal Kaffee trinken gehen bei Vero's Eltern die übrigens auch fliessend Deutsch sprechen...
    Grüsse aus Schönenbuch, Erwin

  • #3

    Marc und Dela (Montag, 20 November 2017 19:59)

    Hallo Myrta und Ueli, schöne Berichten! Gut zu lesen das es euch gut geht. Vielleicht kreuzen unsere wegen sich bald wieder, es ist lange seid unsere HZJ´s sich im Sommerwind kennengelernt haben. Wir kommen diese Woche nochmal über den Anden von Chile nach Argentinien :-) Gute Reise und vielleicht bis bald.
    Marc (NL) und Dela (DE)
    www.africacruiser.de (Location auf Homepage)