Die verrückte Stadt Las Vegas

Die Fahrt nach Las Vegas bietet wenig landschaftliche Höhepunkte, ist aber trotz allem nicht reizlos. In Pahrump, der ersten grösseren Ortschaft in Nevada stellten wir fest, dass der Diesel markant günstiger war als wir es in Las Vegas zu erwartet hatten. Wir füllten deshalb unsere Tanks wieder einmal komplett, so dass wir für längere Zeit genügend Triebstoff hatten. In Las Vegas quartierten wir uns im Sams Town KOA Campingplatz ein, nicht weil er besonders schön, sondern günstig gelegen ist und alle Einrichtungen besitzt, welche wir für einen Servicetag benötigten: Waschmaschinen, warme Duschen und ein vernünftiges Internet, um die Website zu bearbeiten. Unser erster Tag in Vegas war ausgefüllt mit allerlei Hausarbeiten, dazwischen genossen wir das warme Wetter. Später am Abend gingen wir hinüber ins Sams Town Casino, um einen ersten Eindruck dieser nach Glücksspielen verrückten Stadt zu bekommen. Neben hunderten von Spielautomaten hatte das Casino auch Poker, Roulette und alles, was der Spieler sonst so braucht, im Angebot. Wir genehmigten uns einen Drink an einer Bar und genossen das Spektakel des Mystery Falls, einer Lasershow an einem künstlichen Wasserfall, welcher in einer Ecke des Indoorparks aufgebaut ist.

Tags darauf fuhren wir in ein riesiges Outletcenter und ergänzten unsere Garderobe mit einigen sehr günstig erstandenen Outdoorklamotten. Alle gängigen Marken sind mit einem Laden dort vertreten. Im Gegenteil zu anderen Geschäften, zeigte hier die Kasse erst mal den hohen Originalpreis an, danach werden verschiedenen Rabatte abgezogen, so dass der Betrag entsprechend schrumpft und zum Schluss den zu bezahlenden Outletpreis anzeigt. Für etwa 100 USD kauften wir so zwei Markenhosen, Funktions-T-Shirts und Socken. Zurück im Camping bereiteten wir uns vor, um uns ins Getümmel der Stadt zu stürzen. Ein Gratis Shuttlebus brachte uns ins Zentrum, von wo alle die bekannten Hotels mit ihren riesigen Casinos zu Fuss erreichbar waren. Die Menschenmassen waren für unser Empfinden unglaublich,  hatten wir uns doch in den Wochen zuvor nur ab und zu zum Einkaufen kurz in einer Stadt aufgehalten. Viele der Casinos haben eine pompöse und zugegebenermassen imposante Kulisse. Im Inneren der Gebäude sieht es jedoch immer etwa gleich aus: Hunderte, ja tausende von Geldspielautomaten und Glückspielmöglichkeiten, dazu Bars und Restaurants und immer wieder Souvenirshops. Nach dem Eindunkeln erstrahlte die Stadt im künstlichen Licht und wirkte grell und noch hektischer. Wir genehmigten uns einen Drink in einer Terrassenbar und genossen es, das Treiben zu beobachten. Peoplewatching war angesagt und es war unglaublich, was man alles zu sehen bekam. Schick gekleidete Damen neben ebenso  herausgeputzten Herren, daneben bettelnde Obdachlose und dazu all die schrillen und schrägen Typen, die den speziellen Reiz der Stadt ausmachen. Die Suche nach einem Nachtessen wurde für uns zu einem Geduldspiel. Fastfood erhielt man überall problemlos, die etwas besseren Restaurants hingegen waren ohne Reservation nur nach längerer Wartezeit zugänglich. Schliesslich genossen wir einen Luxushamburger, zwar Fastfood, aber immerhin in x Varianten erhältlich. Nach ein paar Stunden rauchte unser Kopf und wir waren froh, wieder in unser trautes Heim zurückkehren zu können. Am nächsten Abend brachte uns der Shuttlebus zur Fremont Street. Diese ist der Hauptanziehungspunkt in einer etwas weniger mondänen Gegend. Die überdachte Strasse bietet unter der Decke eine unglaubliche Show in Form einer aus Millionen von LED bestehenden, mit Musik untermalten Grafikshows. An einer Zipline schweben Touris durch die Lüfte und auf der Strasse kann man sich zusammen mit halbnackten Männern und Damen ablichten lassen. Eine riesige Menschenmenge drängte sich durch die Strasse, Livekonzerte fesselten die Besucher und überall versuchten Verkäufer Ihre Ware loszuwerden. Überteuerte Drinks in Plastikbechern serviert lockerten die Stimmung zusätzlich auf. Das Ganze ist wahrlich ein riesiges Spektakel und viele der sonst in den USA so typischen Gesetze und Regeln werden hier über Bord geworfen. Wir sind ja schon sonst keine Partytiger und nach den vielen Tagen und Wochen, die wir in abgelegenen und ruhigen Regionen verbracht hatten, dröhnte uns der Kopf bald wieder. Wir freuten uns bereits wieder auf ruhige Übernachtungsplätze und schöne Landschaften


Im Valley of Fire

 

Nur eine gute Stunde ausserhalb von Las Vegas liegt der Valley of Fire State Park. Unsere erste Etappe nach dem Trubel in dieser verrückten Stadt war daher kurz. Mitten in der Halbwüste trifft man überraschend auf ein Gebiet mit tiefroten Felsformationen. Die rote Sandsteinschicht wurde an verschiedenen Stellen hochgefaltet und bildete so dieses Naturspektakel. Der Campingplatz wurde so gestaltet, dass jeder seine kleine Nische mitten in dieser faszinierenden Welt der roten Felsen findet. Eine Wanderung führte uns durch die Felsformationen im Norden des Parks und liess uns die Ruhe und die wunderschöne Landschaft geniessen. Auf dem Weg zu einem Aussichtpunkt entdeckte Myrta zwei Desert Bighornsheep, welche wir  aus kurzer Distanz fotografieren konnten. Nach der Besichtigung der eindrücklichsten Sehenswürdigkeiten des Parks genossen wir das warme Wetter in unserer schönen Campsite. Die Solardusche hatte sich innert Kürze so stark aufgeheizt, dass wir kaltes Wasser beimischen mussten, da die herrschenden Temperaturen keine heisse Dusche erforderten.


Zion National Park

Nur ein paar Fahrstunden nordöstlich lag unser nächstes Ziel, der Zion National Park. Auf dem Weg dorthin wurden wir von einer Highway Patrol gestoppt. Wir waren erst mal überrascht, waren wir uns doch keines Fehlers bewusst. Nach einer üblichen Ausweiskontrolle, trat der Beifahrer an unser Fenster und begrüsste uns lachend auf Schweizerdeutsch. Er lebt in der Gegend und ist Mitglied bei der Feuerwehr, wodurch er die Möglichkeit hatte,  eine Highway Patrol zu begleiten. Er war natürlich überrascht, ein Auto mit Schweizer Kontrollschildern anzutreffen und bat den Polizisten, uns anzuhalten. Unsere anfängliche Nervosität legte sich also schnell und wir hatten ein nettes Gespräch mit den beiden. Mit Handschlag wurden wir verabschiedet und konnten unseren Weg fortsetzen.

Im Zion Park angekommen, waren wir erstmal geschockt von der Menge Leute. Die Parkplätze waren alle besetzt und der Park konnte nur mit dem Gratisshuttlebus besuchet werden. Die Campingplätze waren natürlich ebenfalls alle voll, so dass wir gezwungen waren, wieder zurückzufahren. 20 km ausserhalb fanden wir ein ruhiges Buschcamp an einem Bach. Die Region ausserhalb des Nationalparks steht unter der Regie des Bureau of Land Management. Ein Grundsatz in den Regeln dieser Behörde, wie übrigens auch der National Forests, lautet, dass die Besucher auf diesem Land überall campieren dürfen. Wir nutzten diese Möglichkeit oft und gerne und fanden so immer wieder schöne Plätzchen zum Übernachten.

Am frühen Morgen hofften wir, doch noch im Nationalpark unterzukommen, leider vergebens. Bereits vor neun Uhr waren sämtliche Campingplätze wieder ausgebucht. Wir parkten das Auto deshalb beim Visitor Center und liessen uns vom Bus ans Ende der Strasse fahren. Von dort starteten wir unsere erste kurze Wanderung in den Zion Canyon hinein. Am Ende des Wanderwegs könnte man im Bachbett weiter in die Engstelle hineingehen, was jedoch bedeutet, dass man nasse Füsse bekommt. Da es im schattigen Tal eher kühl  und das Wasser mehr als erfrischend war, überliessen wir diesen Spass anderen und unternahmen einen Spaziergang zum Weeping Rock. Das aus dem Stein austretende Wasser formt einen dichten hängenden Garten und tropft dann über die Felswand hinunter. Unterdessen hatte sich der Himmel aufgeklart und als wir die Wanderung zu den Emerald Pools starteten, brannte die Sonne kräftig auf uns nieder. Wie schon an allen andern Hotspots des National Parks waren auch auf dieser kurzen Wanderung sehr viele Leute unterwegs. Die Landschaft ist zwar grandios, aber in Anbetracht des Gedränges konnten wir diese nicht richtig geniessen. Wir verliessen das Haupt Tal des  National Parks ostwärts. Die Strasse, welche aus dem Park hinaus führt, gewährte uns noch einmal herrliche Ausblicke zurück auf den Canyon. Nach dem Durchfahren eines Tunnels erwartete uns eine völlig andere, aber mindestens ebenso spektakuläre Landschaft. Erodierte, farbige Felslandschaften konkurrieren mit dem tiefblauem Himmel und knallgelben und roten Laubbäumen. Zwar war unser Aufenthalt im Zion National Park kürzer ausgefallen als wir geplant hatten, war aber trotz allem ein landschaftlicher Höhepunkt.


Der Nordrand des Grand Canyons

Auf Neben- und Waldstrassen gelangten wir an den Nordrand des Grand Canyons. Auch ausserhalb des National Parks, im Kaibab National Forest, ist es möglich bis an den Canyonrand heranzufahren. Wir übernachteten beim Crazy Jug Aussichtspunkt ganz alleine und nur 20 m vom Canyon Rand entfernt. Den Sonnenuntergang konnten wir so quasi vom Wohnzimmer aus geniessen. Ueli stand früh auf, um den Sonnenaufgang zu fotografieren. Myrta fühlte sich so nah am Abgrund nicht wirklich wohl und beobachtete die aufgehende Sonne aus sicherer Entfernung. Auf Waldstrassen fuhren wir in den National Park und ergatterten mit viel Glück einen Platz im North Rim Campground. An den schwieriger zugänglichen Nordrand der Schlucht kommen wesentlich weniger Besucher als an den einfacher zu erreichenden Südrand. Wir besuchten die verschiedenen Aussichtpunkte und liessen den grandiosen Blick in den riesigen, 1800 m tiefen Canyon auf uns wirken. Am eindrücklichsten ist die Aussicht vom Cape Royal aus. Dort gelangt man über eine schmale Felsbrücke zu einer Plattform, welche einen Blick bis hinunter zum Colorado River ermöglicht und ein Panorama von fast 360° bietet.


Ein Juwel der Natur, die White Pocket

Über eine anfänglich gute, später jedoch sehr sandige Strecke, gelangten wir zu der White Pocket. Mitten in der Wüste des Vermillion Cliff National Monument liegt dieses Juwel. Ein Gebiet von ungefähr 2 mal 1 km ist übersät mit unglaublichen Felsskulpturen. Weisse, rote und gelbe Sandsteingebilde in allen erdenklichen Formen lassen sich erkunden. Meter für Meter bietet die Landschaft immer wieder ein komplett anderes Bild. Diese beeindruckende Gegend  war zweifellos einer der grössten, landschaftlichen Höhepunkte unserer bisherigen Reise. Noch ist die Region nicht sehr bekannt und nur mit einem Geländewagen erreichbar. Es gibt deshalb noch praktisch keine Einschränkungen und es ist dank der kleinen Anzahl Besucher möglich, sich frei zu bewegen und zu campieren. Dies wird sich sicher ändern, sobald auch dieses Gebiet erschlossen und allen zugänglich gemacht werden wird.


Grand Staircase of Escalante National Monument

Nördlich des Vermillion Cliff  erstreckt sich ein weiteres Naturschutzgebiet: Das Grand Staircase of Escalante National Monument. Dieses wird ebenfalls vom Bureau of Land Management verwaltet und ist deshalb bedeutend weniger erschlossen und auch mit viel weniger Regeln und Geboten belegt. Wir durchfuhren die Region von Süd nach Nord auf der Cottonwood Canyon Road. Schon entlang dieser Piste gibt es einige Sehenswürdigkeiten. Ein geplanter Abstecher zu den sogenannten Wahweap Hoodoos, imposante Felsnadeln mit einer Steinkappe, entpuppte sich als Sackgasse. Die in unserer Beschreibung erwähnte Zufahrtspiste  war offenbar inzwischen gesperrt worden.

Unseren nächsten Stopp legten wir beim Hackberry Canyon ein. Im oft knöcheltiefen Wasser des Bachbettes watend wanderten wir den Canyon stromaufwärts. Das Laub der Aspen leuchtete goldgelb und bot einen unglaublichen Kontrast zum blauen Himmel und den farbigen Felsen. Auch hier trafen wir kaum auf andere Leute. Nur wenig nördlich des Canyons fanden wir ein hübsches Plätzchen zum Übernachten. Für einmal waren wir in auf nur gerade 1400 müM und so blieb die Temperatur auch nach dem Eindunkeln angenehm warm. Der fast volle Mond tauchte die Felsen über unserem Nachtlager in ein gespenstisches Licht.

 

Nach ein paar Kilometern unterbrachen wir die Weiterfahrt beim Grosvenor Arch, einem riesigen, von der Erosion geformten Sandsteinbogen. Hoch über uns spannte sich der Doppelbogen vor tiefblauem Himmel. Entlang der Skutumpah Road wollten wir unsere ersten Slotcanyons erkunden. Mit Hilfe unseres Reiseführers fanden wir den Eingang zur Bull Valley Gorge ohne Schwierigkeiten. Der Weg führte uns in die schmale Felsspalte hinein. Teils über Stufen kraxelten wir immer weiter in den Canyon bis zu einer Stelle, wo ein Fixseil zum Abseilen angebracht war. Da wir nicht wussten, welche Schwierigkeiten der weitere Verlauf noch bieten würde, entschlossen wir uns umzukehren, so lange dies noch ohne Probleme möglich war. Dieses Abenteuer war definitiv eine Nummer zu schwierig für den Anfang. Nur ein paar Kilometer weiter nördlich befindet sich der Willis Creek Canyon. Dieser Slotcanyon war einfach zu begehen, deshalb aber nicht weniger eindrücklich. Meist war der Boden feinkiesig und der Bach führte nur wenig Wasser. Immer wieder verengte sich die Schlucht und die Wände leuchteten in Gold und Schwarz. Wir genossen diese Wanderung, auch wenn sie nicht das grosse Abenteuer bot. Im Ostteil des National Monuments warteten weitere Slotcanyons darauf, von uns erkundet zu werden.


Bryce Canyon National Park         

Wir hatten im wunderschönen Kodachrome State Park übernachtet. Nach einigen Tagen im Busch war die warme Dusche sehr willkommen. In Cannonville wollten wir unsere Vorräte aufstocken, fanden jedoch nicht eine einzige Einkaufsmöglichkeit in diesem Ort. In Tropic gab es wenigstens einen kleinen General Store, welcher aber vor allem bei den frischen Lebensmitteln ein sehr bescheidenes Angebot aufwies. Wein konnten wir weder hier noch in Bryce Canyon City kaufen. Diese Station entpuppte sich als reine Touristeneinrichtung mit Hotel, Souvenirläden, RV Park und Tankstelle. Der winzige Liquorstore hatte nur Flaschenweine anzubieten, was für uns eher unpraktisch war.

Im Bryce Canyon National Park sicherten wir uns erst  mal einen Stellplatz im Camping. Danach steuerten wir auf der Parkstrasse die verschiedenen Aussichtspunkte an. Ganz hinten, beim Rainbow Point, begegneten wir den beiden französischen Paaren wieder, welche wir bereits in Watson Lake angetroffen hatten. Beide sind wie wir mit einer Azalai Kabine unterwegs. Alain ebenfalls mit einem Landcruiser, während sein Freund einen Iveco als Basisfahrzeug  hat. Wir unterhielten uns mit Ihnen und tauschten Erlebnisse und Erfahrungen aus, danach machten wir uns auf den Rückweg. Beim Sunset Point unternahmen wir eine Wanderung hinunter in das Labyrinth der Felsformationen. Mitten drin zu sein ist eine ganz andere Erfahrung, als die Felsen aus der Vogelperspektive und aus der Distanz zu betrachten. Der Weg führte uns in Serpentinen einen engen Couloir hinunter zum Fuss der Erosionslandschaft. Zwischen den Säulen schlängelt sich der Pfad, bis man wieder den steilen Anstieg zurück zum Aussichtspunkt in Angriff nehmen muss.

Schon vor Sonnenuntergang wurde es empfindlich kalt, was nicht weiter verwunderlich war, da der Campingplatz immerhin auf fast 2500 müM lag. In der Nacht fiel das Quecksilber unter null Grad, so dass wir am Morgen wieder einmal unsere Heizung anwerfen mussten, um bei angenehmer Temperatur frühstücken zu können.

Bevor wir den Park verliessen, unternahmen wir noch einmal eine ausgedehnte Wanderung durch das Fairyland im Nordosten des Nationalparks. Zuerst führte der Weg vom Rand hinunter zu den herrlichen Erosionslandschaften. Die immergrünen Nadelbäume, die Felsnadeln in allen Farbschattierungen und der knallblaue Himmel ergaben ein herrliches Bild. Zudem war das Licht am frühen Morgen noch viel wärmer und brachte die sonst schon eindrücklichen Felsen richtiggehend zum Leuchten. Am tiefsten Punkt der Route kamen wir an der Tower Bridge vorbei, einem Doppelturm mit einer Felsbrücke verbunden, die wie der Name erahnen lässt, an  die originale Tower Bridge in London erinnert. Nach 3h waren wir zurück beim Auto.  Beim nahe gelegenen Hotel legten wir einen Halt ein, um dort das öffentliche WLAN zu nutzen, die E-Mails zu checken und die Webseite auf den neusten Stand zu bringen. Danach verliessen wir den National Park und fuhren noch einmal in das Grand Staircase of Escalante National Monument zurück.


Grand Staircase of Escalante National Monument

Östlich von Escalante bogen wir auf die Hole in the Rock Road ab, um weiter in die Gegend vorzudringen, welche eine grosse Anzahl von Slotcanyons bietet. Da der Tag schon etwas fortgeschritten war, richteten wir uns abseits der Piste in einem schönen Buschcamp ein. Wir waren beim Apéro, als ein alter Hilux angefahren kam und es stellte sich heraus, dass es sich um Alexandra und Guillaume aus Kanada handelte. Wir hatten die Beiden schon am Salmon Glacier in Alaska und dann wieder in Vancouver auf dem Campingplatz getroffen, waren jedoch nicht näher Kontakt gekommen. Das wollten wir nun nachholen, deshalb luden wir die beiden nach dem Nachtessen zu uns ein. Während ein paar gemütlicher Stunden wurden Geschichten erzählt und viele Tips und Erfahrungen ausgetauscht.

Nachdem wir uns von den beiden Kanadiern verabschiedet hatten, fuhren wir nochmals etwa 40 km nach Süden zum Ausgangspunkt der Wanderung zum Peek-a-Boo und dem Spooky Canyon. Wir parkierten das Auto am Ende einer 4x4 Piste und stiegen erst mal in einen sogenannten Wash, ein tiefes Trockenflussbett, ab. Um in den Peek-a-Boo Canyon zu gelangen, galt es, vorerst etwa 5 m über die Sandsteinfelsen hoch zu steigen. Myrta mit ihren kurzen Beinen musste an diesem Hindernis bereits kapitulieren, so dass Ueli allein in den engen Slotcanyon kletterte. Dieser ist an einigen Stellen so schmal, dass ein Vorwärtskommen nur seitwärts möglich ist. In engen Windungen führte der Weg immer tiefer in die Schlucht hinein. Die Sandsteinbögen und schmalen Löcher  im Peek-a-Boo sind einzigartig.

Zurück an der Sonne, suchten wir wieder gemeinsam den Eingang zum Spooky Canyon. Von aussen ist dieser auf den ersten Blick kaum erkennbar. Der Zugang war diesmal ohne grosse Kraxlerei möglich, aber nach nur wenigen Metern wurde der Spalt so eng, dass wir uns auch hier nur seitwärts durchzwängen konnten. Schon ein kleiner Bierbauch würde reichen, um stecken zu bleiben. Wir hörten Stimmen und bald kamen uns drei Personen entgegen. An einer etwas breiteren Stelle kreuzten wir uns, wobei einer der Drei grinsend bemerkte, dass Dolly Parton wohl keine Chance hätte, hier voran zu kommen. Nach ein paar weiteren Metern galt  doch ein paar Stufen zu überwinden, welche jedoch aber kein allzu grosses Hindernis darstellten. An einigen Stellen fiel kaum Licht ein, an anderen hingegen trafen Sonnenstrahlen bis auf den Grund des Canyons, was zu ständig wechselnden Farben von braun und violett bis zu warmen Ockertönen führte.

Auf dem Rückweg zur Hauptstrasse besuchten wir den Devils Garden. Dabei handelt es sich um ein kleines, aber feines Gebiet mit Sandstein Skulpturen. Mit etwas Phantasie konnten wir Zwerge, Eidechsen und viele weiter Figuren erkennen und waren einmal mehr überrascht, in wie vielen Farben und Formen Steine in Utah in Erscheinung treten.


Capitol Reef National Park

Nachdem wir im wunderschönen Calf Creek State Park übernachtet hatten, fuhren wir dem Highway 12 entlang weiter nach Norden. Bis fast auf 3000 m hoch wand sich die Strasse  durch ständig wechselnde Landschaften. Die eindrückliche und einmalige Umgebung, die wir durchfuhren, hätte Potential für einige weitere National Parks.

 

Im Visitor Center angekommen, erfuhren wir, dass trotz der frühen Stunde der Campingplatz bereits ausgebucht war. Grund dafür war ein langes Wochenende in Utah, was dazu führte, dass viele Einheimische einen Ausflug in die National Parks unternahmen. Für uns bedeutete das, dass wir uns mit einem Tagesbesuch begnügen mussten. Wir fuhren bis ans Ende der Aussichtsstrasse in die Capitol Gorge hinein und gingen zu Fuss weitere 2 km in den Canyon hinein. Die Schlucht wurde immer enger und bald erreichte die Sonne trotz Mittagszeit den Talboden nicht mehr. Als sich der Canyon wieder etwas ausweitete, konnten wir seitlich zu Wasserlöchern hoch klettern, welche auch nach längerer Trockenzeit noch mit Wasser gefüllt sind. Auf dem Rückweg kamen wir an verschiedenen Stellen vorbei, wo wir indianische Petroglyphen (Felszeichnungen) besichtigen konnten. Kurz nach Verlassen des Parks fanden wir einen schönen Übernachtungsplatz auf BLM Land direkt am Fremont River. Land im Besitz des Staates wird oft vom entweder vom  National Forest Service oder aber vom Bureau of Land Management (BLM) verwaltet. Beide Administrationen erlauben es, auf diesem Land wild zu campieren. Es gilt zwar, ein paar einfache Regeln einzuhalten, trotzdem geniesst man  sehr viele Freiheiten. Im Westen der USA ist über die Hälfte der Landfläche im Besitz der öffentlichen Hand und so bietet sich oft die Möglichkeit, in einem der einfach eingerichteten, aber meist schön gelegenen Campingplätzen oder eben abseits, wo immer man Lust hat, zu übernachten.


Moab und Canyonlands National Park

Wie bereits erwähnt, waren an diesem langen Wochenende mehr Leute unterwegs als üblich. So war es auch in Moab schwierig, einen Campingplatz in Reichweite des Ortes zu ergattern. Zum Glück hatten wir ein paar Tage zuvor einen Tip für eine Campingmöglichkeit erhalten und dank diesem kamen wir im privat geführten Kane Springs Campground unter, kein Traumplatz aber in praktischer Distanz zu Moab.

Von dort starteten wir einen Tagesausflug zum Island in the Sky, einem Teil des Canyonlands National Park. Als Zufahrt wählten wir den spektakulären Shafer Trail, eine 4x4 Strecke, welche auf den letzten Kilometern in einer steilen Felswand angelegt ist. Myrta wurde es nicht nur einmal etwas mulmig, denn am Pistenrand fiel die Wand teils  fast senkrecht in die Tiefe. Wir hatten geplant, eine Bewilligung für den White Rim Trail zu besorgen. Aufgrund des in Moab stattfindenden Jeep Jamboree und der generell herrschenden Hochsaison waren die limitierten Bewilligungen auf mindestens eine Woche hinaus vergeben.

 

Dazu kam, dass sich Ueli beim Dieselvorrat verschätzt hatte. Der Treibstoff  wurde so knapp, dass wir einige Sehenswürdigkeiten im National Park auslassen mussten, im nicht unterwegs liegen  zu bleiben.


Arches National Park

Der letzte National Park in Utah sollte noch einmal ein Höhepunkt werden. Wir starteten früh morgens und fuhren direkt zum Ausgangspunkt der Wanderung durch den Devils Garden.  Ein breiter Pfad führte uns  zum Landscape Arch, einem delikaten und sehr langen Steinbogen.  Danach wurde der Wanderweg schmal und oft waren kleinere Kletterpartien notwendig, um voran zu kommem. Auf mehreren Abstechern von der Hauptroute gelangten wir zu weiteren eindrücklichen Steinbögen. Der  am weitesten entfernte Double-O-Arch erhielt seinen Namen von zwei grossen, übereinanderliegenden Löchern im Fels. Der Rückweg führte uns durch ein Gewirr von Sandsteinrippen und schmalen Passagen.

Zurück beim Auto fuhren wir zur Wolfe Ranch, dem Startpunkt zum Wanderweg Richtung Delicate Arch. Gut 200 Höhenmeter waren zu überwinden bevor wir den eindrücklichsten aller Bögen im Park erblickten. Zum Abschluss des Tages im Arches National Park machten wir einen letzten Abstecher zu den Windows. Eine kurzer Wanderung führte uns vom Parkplatz aus zu den zwei Steinbögen, welche sich eher als grosse Löcher oder eben Fenster im Fels erwiesen.

 

Die einzelnen Wanderungen zusammengerechnet ergaben an diesem ausgefüllten Tag über 20 km und 600 Höhenmeter. Da hier der Campingplatz auf Monate hinaus ausgebucht war, mussten wir wohl oder übel den Park zum Übernachten verlassen. Am Colorado River fanden wir ohne Probleme einen einfachen, aber wunderschönen BLM Campingplatz. Wir lernten dort ein interessantes Paar aus New York kennen. Die Beiden waren in ihrer fahrbaren Kaffeerösterei unterwegs, einem rustikal aufgebauten Anhänger, einem Blockhaus nicht unähnlich. Vor dem Start zu diesem Trip hatte Marc kurzerhand ein Bett eingebaut. Ihre Reise führte sie in 6 Wochen von New York nach Kalifornien und wieder zurück. Den Kaffee röstete er in einem modifizierten Gasgrill, in welchen er anstelle des Drehspiesses einen Metallzylinder aus Lochblech eingebaut hatte. Zum Abschied schenkten sie uns eine Kostprobe ihres feinen, frisch gerösteten Kaffees.



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