Wieder in Mexiko

Der Grenzübertritt verlief ziemlich entspannt insbesondere auch, weil für unser Auto keine Formalitäten zu machen waren, da wir ja mit der 10-jährigen RV Bewilligung Reisen. Als erstes wurden wir nach frischen Lebensmitteln an Bord befragt. Ueli zeigte der Beamten drei Bananen welche konfisziert wurden, beziehungsweise wir assen sie an Ort und Stelle und lieferten die Schalen ab. Nach diesem Zugeständnis wurden wir nicht weiter befragt oder untersucht, so dass wir die verbleibenden Lebensmittel dann doch noch einführten.

 Für uns selber mussten wir erneut eine Touristenkarte ausfüllen und vor Ort auch gleich die Gebühr von je 500 M$ beim Bajercito Schalter bezahlen. Ohne Probleme erhielten wir auch wieder 180 Tage Aufenthaltsbewilligung. Bevor wir aber ins Land hinein fahren durften, wurde auch hier unser Auto „desinfektiert“, ein paar Spritzer der Chemikalie kosten dann 95 M$.

Da wir aus Belize nur noch wenig Lebensmittel mitgebracht hatten, fuhren wir erst mal zu einem Supermarkt um einzukaufen. Wir erfreuten uns am viel grösseren Angebot und den markant günstigeren Preisen. Danach richteten wir uns für ein paar Tage im einzigen Campingplatz in Chetumal ein. Auch hier trafen wir andere Overlander, diesmal aus Holland und Frankreich. 


Die Ruinen von Kohunlich und Laguna Bacalar

Auf dem Weg an die Laguna Bacalar haben wir einen Abstecher zu den Ruinen von Kuhunlich gemacht. Diese werden weniger häufig besucht, da sie doch schon ziemlich von der Riviera Maya entfernt liegen. Sie liegen mitten im Urwald und umfassen einige Pyramiden, ehemalige Wohnkomplexe und ein Spielfeld. Am bekanntesten ist die Pyramide der Masken, welche links und rechts des Treppenaufgangs grosse Maskenreliefs aufweist. Um diese vor weiterer Verwitterung zu schützen, sind sie von einem Palmblätterdach geschützt. 

Da wir am Osterwochenende an der Laguna Bacalar ankamen, waren die üblichen Campingplätze hoffnungslos überlaufen und auch in Bacalar selber herrschte Hochbetrieb. So fuhren wir zum Nordende der Lagune und übernachteten ganz alleine im Camping Laguna Azul. Das ist ein einfacher Campingplatz ohne Strom und weit entfernt vom nächsten Ort und daher offenbar für ein langes Osterwochende nicht attraktiv für die Einheimischen.


Die Kolonialstadt Valladolid

Durch die flache Landschaft fuhren wir nach Valladolid. Am Nachmittag spazierten wir ins Stadtzentrum und schauten uns die Altstadt an. Farbige Häuser, fast ausnahmslos einstöckig säumen die Kopfsteinpflasterstrassen in den Quartieren. Nur um den zentralen Zoccolo findet man pompösere Gebäude. Wir erstanden eine handgeknüpfte Hängematte aus Baumwoll-Sisal, wie wir bald erfahren mussten eher selten erhältlich, da die meisten aus Nylon hergestellt werden.

In einem der schönen Restaurants am Platz assen wir unser Nachtessen im schattigen Innenhof. Wir wählten ein typisches Mayamenü, mariniertes, dünngeschnittenes Schweinefleisch mit Einem Pürree aus getrockneten Tomaten und Bohnen.

In der Dämmerung belebte sich der Hauptplatz zunehmend. Eine lokale Tanztruppe führte traditionelle Volkstänze auf. Die Herren ganz in weiss, die Damen in mehrstufigen weissen Röcken mit farbigen Blumenstickereien. Es war erstaunlich, dass die Tänzer fast durchwegs recht Junge Leute waren, welche offensichtlich Spass daran haben die Traditionen weiterleben zu lassen. Zwei Clowns involvierten das Publikum in ihre Show. Die „Freiwilligen“ wurden zur Belustigung der Zuschauer zu allerlei mehr oder weniger peinlichen Einlagen motiviert. Erstaunlich zu was die ansonsten eher zurückhaltenden Mexikaner bereit waren.


Die Cenoten Yucatans

Auf unserer Rundreise über die Halbinsel Yucatan haben wir immer wieder sogenannte Cenoten angesteuert um uns im kühlen Wasser zu erfrischen. Grosse Gebiete der Gegend sind wie unterirdische Schwämme und enthalten nur wenige Meter unter der Erde gewaltige Mengen von kristallklarem Trinkwasser. Aber es gibt auch welche an der Oberfläche. Meist entstanden durch das einstürzen des Bodens in eine der vielen Kavernen.

Insgesamt soll es über zehntausend Cenoten geben, aber nur ein paar Hundert davon sind öffentlich zugänglich. Einige sind kostenlos zugänglich die meisten kosten 30-100 M$ pro Person nur wenn man an der Maya Küste Cenoten besuchen möchte wird kräftig zugelangt. An den abgelegenen Orten kann man häufig auch übernachten und das hat dann den Vorteil, dass man Abends und Morgens die Cenote fast sicher alleine geniessen kann.

Die verschiedenen Cenoten haben alle ihre Reize, sei es weil sie in einer speziell schönen Höhle liegen oder aber wie die „Carwash“ Cenote ein kristallklarer Oberflächensee mit einem weitverzweigten Höhlensystem welches abenteuerlustige Taucher anzieht.


Die Flamingos an der Nordküste

Wir fuhren weiter nach Norden um an die Nordküste der Yucatanhalbinsel zu gelangen. Noch immer war die Landschaft flach und auch ziemlich trocken. Wir peilten erst mal San Felipe an da dies scheinbar ein beliebter Badeort ist. Allerdings stellte sich heraus dass die Badestrände allesamt auf der vorgelagerten Halbinsel lagen und nur mit einem Boot erreichbar sind. Da Dorf selber ist auch nur eine Ansammlung von Restaurants und Ferienhäusern und campieren kann man auch nirgends. So fuhren wir weiter ins östlich gelegene Rio Lagartas. Dort kamen wir bei einem Balnearia, einem öffentlichen Badepool, unter. Da wir am Osterwochende eintrafen war die Hölle los und im eigentlich schönen Süsswasserpool erinnerte das Wasser eher an Milchkaffee. Bis spät in den Abend genossen die Einheimischen die Freitage und assen und tranken zusammen. Wir hingegen bleiben über Nacht auch wenn wir erst spät unsere Ruhe geniessen konnten. Erst am anderen Morgen, unterdessen waren wir alleine dort, zeigte sich die Schönheit.

Das Naturschutzgebiet an der Nordküste ist bekannt für seine Flamingokolonien. Je nach Jahreszeit waren diese hier oder aber an der Westküste der Yucatan Halbinsel. Wir fuhren auf einer Piste der Küste entlang. Links das Meer mit unberührten, kilometerlangen Stränden, rechts die flachen Lagunen in welchen Salz abgebaut wird. Dort fanden wir auch einzelne Flamingos und weiter Richtung El Cuyo dann eine Kolonie mit sicher mehr als Tausend Vögeln. Die Piste wurde nun zunehmend schmaler war aber gut zu befahren. El Cuyo ist noch einmal ein kleiner Badeort aber uns gefiel es nicht genug um dort zu bleiben, wir sind definitiv keine Strandliebhaber.


Besuch aus der Schweiz

Wir hatten bereits vor Monaten den Besuch von Myrtas Sohn und seinen zwei Kindern organisiert. Wir hatten ein Appartement im Playa del Carmen gemietet und machten mit unseren Besuchern von dort aus Ausflüge. Unter anderem waren die Ruinen von Coba und Tulum Ziele. Wir kombinierten diese dann aber auch immer mit dem Besuch eines Strands oder einer Cenote. Abends kochten wir entweder selber und genossen die mexikanische Küche in einem der nahen Restaurants. Die zwei Wochen gingen wie im Flug vorbei und schon bald waren wir wieder in unserer kleinen Einzimmerwohnung unterwegs. 


Die Ruinen von Chichen Itza

Dies sind die meistbesuchten Ruinen aus pre-kulumbianischer Zeit in ganz Mexico. Dies vor allem weil sie in Tagesausflugdistanz des Massentourismus an der Küste liegen. Wir übernachteten in unmittelbarer Nähe und konnten deshalb bereits mit den ersten Besuchern um acht Uhr in die Anlage. Ein zusätzlicher Vorteil war natürlich, dass die Temperatur noch einigermassen angenehm war.

Die ganze Anlage ist nicht sehr weitläufig aber man benötigt schliesslich doch gute zwei Stunden um die wichtigsten Gebäude zu besichtigen. Daneben befinden sich auch noch mehrere offene Cenoten auf dem Areal. Diese wurden nicht nur zur Wasserversorgung der damaligen Stadt benutzt sondern es gibt auch Hinweise dafür, dass man dort auch dem Wassergott Opfergebracht hatte.  Auch die Ruinen eines astronomischen Observatoriums sind zu bestaunen. Auch ohne optische Beobachtungsgeräte konnte man damit wichtige astrologische Konstellationen beobachten. Diese waren in der Religion und vermutlich auch für die Landwirtschaft von grosser Bedeutung gewesen


Izamal

Das kleine Städtchen Izamal ist ein weiteres „Pueblo Magico“ und wird auch goldene Stadt genannt. Dies weil quasi alle Häuser im der Kernzone in einem warmen Gelb gestrichen sind. Dominiert wird die Altstadt von der riesigen Klosteranlage welche auf einer alten Maya Pyramide errichtet worden war, eine Praxis welche die Spanier gerne anwendeten. Auch die grösste Pyramide Yucatans kann man mitten in der Stadt besuchen. Sie ist zwar nicht ganz so perfekt rekonstruiert wie andere aber die Lage mitten im bebauten Gebiet macht sie besonders.


Hazienda Sontuta de Peon

Auf dieser Hazienda wurde von ca. 1850 – 1950 Sisal angepflanzt. Bevor sie nach dem Untergang der Industrie, billige und langlebige Kunstfasern hatten die Sisalfasern verdrängt, in Ruinen verfiel kaufte ein deutschstämmiger Idealist der Peon Familie ab und restaurierte die ganzen Anlagen stilvoll und Heute ist sie ein lebendiges Zeugnis der regionalen Industrie.

Nur einige wenige Grossgrundbesitzer hatten die bereits bei den Mayas bekannten Sisalfasern als Alternative zum noch teureren Hanf angebaut. Allesamt wurden sie steinreich. Die Peon Familie zum Beispiel besass alleine 14 Haziendas mit zehntausenden von Pflanzen. Diese brauchen 7 Jahre bis man jeweils zweimal sieben Blätter pro Jahr ernten kann. Nach etwa 25 Jahren ist die Pflanze dann verbraucht.

Der ganze Herstellungsprozess wird auf einer Führung dargestellt. Noch immer produziert man ein paar Tonnen pro Jahr aber primär um dem Freiluftmuseum Leben einzuhauchen. Interessant ist auch, dass man nie mehr als nur die Fasern produziert hatte. Seile und Matten wurden erst im Empfängerland hergestellt. Der Name Sisal hat übrigens mit der Pflanze nichts zu tun. Die Fasern wurden ausschliesslich über den Hafen Sisal ausgeführt und die Ballen hatten dann auch immer den Aufdruck Sisal. So bekam das Produkt schliesslich den Namen des Abgang Hafens. Um die Herstellung der Endprodukte aber aufzuzeigen, hat man zeitgenössische Seilflechtmaschinen und Webmaschinen zusammengetragen und kann nun diese Herstellungsschritte auch eindrücklich demonstrieren. Mit einem von einem Maultier gezogenen Wagen werden die Besucher schliesslich durch die Agavenfelder zu einer Cenote gefahren wo man sich unterirdisch abkühlen kann.


Die Ruinen von Uxmal

Uxmal gehört zu den grösseren und wichtigeren Ruinen der Maya Kultur. Da sie weit genug weg vom Massentourismus der Riviera Maya ist, halten sich die Besuchermassen in Grenzen. Die wichtigsten Bauwerke sind weitgehend rekonstruiert worden und zeichnen sich vor allem durch die reichhaltigen Relieffassaden aus. Aber auch eine grosse und eindrückliche Pyramide kann man bestaunen. Die Eigenart dieser sind die gerundeten Kanten, einmalig in der Maya Architektur. Auch hier waren die Temperaturen weit über dreissig Grad und man war froh dass die Umgebung viele schattenspendende Bäume aufweist. Das Hochkraxeln auf die eines der höchsten Bauwerke ist dann aber eine schweisstreibende Angelegenheit. Wir waren am Nachmittag dort, also dann wenn die Temperaturen am höchsten sind, aber eben man kann es sich nicht immer optimal aussuchen.


Campeche

Auf dem weiteren Weg nach Süden machten wir einen kurzen Zwischenhalt in Campeche. Die kleine aber feine Innenstadt ist ein weiteres UNO Weltkulturdenkmal Mexicos. Der Kern der Stadt wird bestimmt durch die farbigen Fassaden der Kolonialbauten. In weichen Pastellfarben zeigen sich die Strassenzüge nur unterbrochen vom baumbestandenen Hauptplatz vor der Kathedrale. 38°C zeigte das Thermometer am Schatten, und davon war zur Mittagszeit wenig zur Verfügung. So war unser Besuch von kurzer Dauer und wir waren froh wieder im klimatisierten Auto sitzen zu können. 


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