Frankreich

Nachdem wir die Reise nach Grossbritannien und Irland wegen des Käfers zweimal verschieben mussten, ging es nun endlich los.

Aufgrund des schlechten Wetters haben wir den Start aber noch einmal um einen Tag verschoben. Der Plan war in etwa Richtung Westen bis an die Atlantikküste zu fahren und dann ein paar Tage in der Bretagne und der Normandie zu verbringen, bevor wir nach Südengland übersetzen wollten.

 

Wir verliessen die Schweiz bei Basel und fuhren erstmal zum Tanken nach St. Louis. Unterdessen hatten die Franzosen eine staatliche Preisreduktion erlassen und dadurch war der Diesel wieder etwas günstiger wie in der Schweiz. Allerdings waren die Preise natürlich noch immer einiges teuerer als noch vor ein paar Monaten.

 

Auf der Autobahn ging es bis hinter Mulhouse und dort wechselten wir auf die Landstrasse. Das Wetter klarte wie prognostiziert auf und ab Mittag war der Himmel zunehmend blau. Ein Wegweiser wies bei Ronchamp zu der bekannten Kapelle des Schweizer Architekten Corbusier hin. Wenn wir schon zufällig daran vorbei kamen, wollten wir uns das mal anschauen. Über dem Ort liegt die Kapelle auf einem Hügel. Wie wir aber gleich bemerkten, war das Gebäude wegen Renovationsarbeiten komplett eingerüstet und daher auch verhüllt. So gab es natürlich nicht viel zu sehen und deshalb zogen wir unverrichteter Dinge weiter.

Bèze

Zügig kamen wir in der flachen Landschaft voran.  Unser nächstes Ziel war der kleine Ort Bèze. Wie angekündigt, erwartete uns ein schönes mittelalterliches Dorf. An seinem Ortsrand entspringt der gleichnamige Fluss direkt aus dem Untergrund. In grosser Menge strömt das kristallklare Wasser einfach so aus dem Boden und speist den ansehnlichen Fluss. Neben den vielen guterhaltenen Häusern beeindruckte und vor allem auch die alte Schule, herrlich am Fluss gelegen. Allerdings war das Dorf wie ausgestorben und viel touristische Infrastruktur bietet der Ort auch nicht.

 

Nur ein paar Kilometer weiter suchten wir einen Platz zum Übernachten. In einem Wald, abseits von Strasse und bewohnter Gegend wurden wir fündig. Zwar begegneten wir noch einigen Leuten auf dem Feldweg in den Wald, aber danach waren wir ungestört und für uns allein. Der Stellplatz lag an einem Weiher und rundherum zwitscherten die Vögel. Wir konnten die feinen Steaks vom regionalen Charolais Rind sogar auf dem Feuer grillen. Als die Frösche beim Einnachten ein infernales Konzert starteten, dachten wir bereits, dass es wohl nichts mit einer ruhigen Nacht werden würde. Aber so schnell das Konzert eingesetzt hatte, so abrupt endete es auch wieder und es blieb die ganze Nacht auch sehr ruhig.

Dijon

Da die Stadt an unserer Route lag, und wir beim Recherchieren gesehen hatten, dass es eine schöne Markhalle gibt, machten wir einen Zwischenhalt. Nach etwas suchen fanden wir einen Parkplatz in der Nähe, mussten dann aber feststellen, dass der Markt eben nicht alle Tage durchgeführt wird. Es hatte zwar einige offene Stände, aber die meisten Plätze waren leider verlassen.
Nun, so blieb es bei einem Spaziergang durch die Fussgängerzone und wir waren überrascht wie schön der alte Stadtkern sich präsentiert.

Die Burg Guédelon

Durch den landschaftlich schönen Naturpark Morvan ging es weiter westwärts. Auch wenn die Strassen über welche uns das GPS führt oft nur schmal waren, kamen wir gut voran, nicht zuletzt, weil es kaum Verkehr hatte. So erreichten wir Mitte Nachmittag die Burganlage von Guédelon. Seit 1997 wird an dieser Burg gearbeitet, strikt ausschliesslich mit Methoden, Werkzeugen und Material wie es im Mittelalter den Handwerkern zur Verfügung stand. Unterdessen ist die Anlage weit gediehen und soll 2023 fertiggestellt sein. Nicht nur die eigentliche Baustelle ist interessant, sondern vor allem auch die verschiedenen Handwerker die um die Burg herum arbeiten sind spannend zum Beobachten. Da werden Balken behauen, Ziegel gebrannt und Schreiner wie auch Zimmerleute sind zu beobachten. Selbst die ganzen Werkzeuge werden von den Schmieden vor Ort erzeugt und unterhalten. Auch der Standort der Anlage ist alles andere als zufällig gewählt. Neben Eichenwäldern, hat es sowohl eine Lehmgrube wie auch einen Steinbruch und ein naher Bach liefert das Wasser für den Betrieb.

Der Besucherandrang war selbst jetzt in der Nebensaison und unter der Woche schon recht gross. Im Sommer wird es wie in einem Bienenhaus zu und her gehen.

Nur einige Kilometer weiter fanden wir wieder einen herrlichen Platz an einem Stausee. Es waren mehrere Stellplätze im Uferwald verfügbar, aber leider waren alle schon belegt. Wir fragten aber einen der Fischer ob wir und in der Nähe mit dazu stellen dürfen, und er sagte lächelnd, wenn wir keinen unnötigen Lärm machen würden, sei das kein Problem. So genossen wir einmal mehr einen ruhigen Abend in herrlicher Natur. Die Temperatur war unterdessen angenehm genug um bis zum Sonnenuntergang draussen zu verbringen. Erst danach wurde es kühler

Tours

Quer durch das dünnbesiedelte Hinterland Frankreichs hielten wir Kurs West. Kaum Verkehr und immer wieder kleine, hübsche Ort machte das Reisen entspannt und abwechslungsreich. In Tours kamen wir dann doch noch zu unserem Markt. Nahe am Stadtzentrum ist in einem modernen Gebäudekomplex im Erdgeschoss ein Markt eingerichtet der täglich offen ist. Dort deckten wir uns mit frischen Lebensmitteln aus der Region ein. Feines Brot, nicht einfach das übliche Baguette, Fleisch und vor allem frischer Spargel aus der Gegend landeten in der Einkaufstasche. Anschliessend machten wir erneut einen kurzen Rundgang durch die Altstadt. Wenn es auch in den kleinen Dörfern kaum Leute zu sehen gab, hier in der Stadt war einiges los

Entlang der Loire

Nun folgten wir der schon recht breiten Loire. Meist führte die Strasse direkt dem Ufer entlang, allerdings war der Fluss oft durch den Uferdamm verdeckt. Auch wenn der mächtige Fluss beidseits eingedämmt wurde, hat er viel Platz und kann sich entsprechend entfalten. Aufgrund des minimalen Gefälles bilden sich immer wieder mächtige Sandbänke und auch Inseln waren häufig entstanden. Bei Saumur, auf der anderen Flusseite, fiel uns das mächtige Schloss über der Stadt von weitem schon auf. Wir überquerten die Loire und parkten am Stadtrand. Zu Fuss spazierten wir zur mächtigen Schlossanlage hoch. Wir beliessen den Besuch bei einer Aussenansicht, wir werden wohl in Grossbritannien noch einige Burgen und Schlösser besuchen. In der Altstadt genossen wir an der Sonne einen Aperitif und fuhren anschliessend noch ein Stück weiter.

Direkt am Ufer der Loire fanden wir wieder ein schönes, ruhiges Buschcamp. Gegen Abend hörten wir auf gegenüberliegenden Uferstrasse immer wieder lärmige Motorräder, aber als es dann langsam dunkel wurde, verebbte der Lärm. Wir genossen die Spargeln und den dazugehörigen Schinken.

 

Am Atlantik angekommen

Noch waren wir ein gutes Stück von der Küste entfernt, wollten diese aber gleichentags noch erreichen. Nachdem bis anhin vor allem Viehwirtschaft und Ackerbau vorherrschte, fuhren wir nun des Öfteren durch Weinberge. Die Weine der Loire sind zwar nicht so bekannt wie Bordeaux und Burgunder, aber vor allem die Rosé der Region Loire gehören zu den Besten Frankreichs.

Bei Pornic trafen wir schliesslich auf die Küste. Das Städtchen war gut besucht und am Ortsrand war man dabei, einen grossen Rummelplatz aufzubauen. Dieser wird am Sonntag, dem 1. Mai, die Besucher noch zusätzlich anlocken. Zum ersten Mal wurde und hier bewusst gemacht, wie grosse der Ebbe und Flut Unterschied in dieser Region ist. Der ganze Hafen und alle Boote lagen auf dem Trockenen und würden bis zur Flut sicher nicht auslaufen.

Über ein mächtige Brücke gemangten wir nach St. Nazaire. Irgendwie tönte das in unseren Ohren wie St. Tropez und damit verbunden die Erwartung eines lebendigen Ferienorts. Entweder waren wir am falschen Ort gewesen oder es war doch nur eine Hafenstadt, uns hielt auf jeden Fall nicht in der Stadt und so fuhren wir weiter bis zu unserem heutigen Etappenziel: La Baul-Escoublac.

 

Da die Atlantikküste Frankreichs bekannt für Fisch und Meeresfrüchte ist, genossen wir in einem der kleinen Restaurants am Hafen ein Fischmenü. So konnten wir beide sowohl als Vor- wie Hauptspeise etwas „fischiges“ wählen und wir wurden nicht enttäuscht.

Guérande

Ganz in der Nähe unseres Übernachtungsortes liegen die grossen Salinen von Guérande. Über eine schmale Strasse fuhren wir mitten durch die Bassins in welchen das wertvolle Salz gewonnen wird. Jetzt im Frühling war das Wetter noch zu kühl als dass viel Wasser verdunsten konnte. Trotzdem sahen wir überall Leute die an den Schlammdämmen zwischen den Becken arbeiteten. Den Lohn ihrer Arbeit werden sie aber erst ab Sommer wieder ernten können.         

Unweit der Salinen liegt die namensgebende Stadt Guérande selber. Wir machten einen kurzen Spaziergang durch den mittelalterlichen Altstadtkern welcher durchgängig von einer mächtigen Stadtmauer umgeben ist. Nur an den wenigen Stadttoren gelangt man auch heute noch ins Innere. Früh am Morge war noch nicht viel los. Einige wenige nahmen den Morgenkaffee im Strassenkaffee ein, Besucher hatte es noch wenige.

Aurey

Über Landstrassen fuhren wir nun quer durch die Landschaft. Verkehr hatte es selten viel aber vorwärts kommt man trotzdem nicht sonderlich gut, da in den Dörfern fast überall mehrere „Topes“, so werden die verkehrsverlangsamenden Buckel in Mexiko genannt, die Geschwindigkeit auf 30 km/h bremsten.

Schliesslich erreichten wir Aurey, ein Städtchen welches lohnt sich die Füsse etwas zu vertreten. Auch hier lagen die Boote im Hafen aufgrund der Ebbe auf dem Trockenen. Die Strassenrestaurants ware um die Mittagszeit gut besucht, schliesslich war Sonntag und erst noch 1.Mai, in Frankreich ein Feiertag.

Loriont

Diese Stadt ist berühmt als Starthafen verschiedener Langstrecken Segelbootregatten. Die bekannteste ist wohl die Vendée Globe welche Non-Stop um die Welt führt. Wohl nicht zuletzt deshalb haben einige der besten Teams eine Niederlassung im Hafen von Loriont und einige der Boote kann man in der Regel im Wasser liegen sehen. Am eindrücklichsten waren die Trimarane, welche unglaubliche Dimensionen aufweisen.

Gleich nebenan sind die U-Boot Bunker der Deutschen Marine aus dem zweiten Weltkrieg zu sehen. Die riesigen Betonkolosse boten den U-Booten im Hafen Schutz vor Fliegerangriffen und Artillerie Beschuss. Zum Teil konnten die Boote direkt einfahren und hinter ihnen wurden die meterdicken Panzertore geschossen, oder aber die Boote wurden auf Wagen ins geschützte Trockendock gezogen.

Den westlichsten Zipfel der Bretagne schnitten wir ab und übernachteten dann auch in Mitten dieser grossen Halbinsel irgendwo im nirgendwo. Unsere Nachbarn waren ein paar neugierige Rinder, die zum Glück aber keine Glocken trugen, sodass wir in absoluter Ruhe die Nacht geniessen konnten. Nun, so ganz ruhig war es dann doch nicht, denn immer wieder hörten wir Regen auf unser Dach prasseln…

Der Wald von Huegoat

Eine halbstündige Fahrt brachte uns nach Huegoat. In der Gegend gibt es einige schöne Wanderungen und eine davon wollten wir machen. Das Wetter war noch immer trübe, aber es regnete nach der nassen Nacht nicht mehr. Da der Weg meist im dichten Wald verläuft, hatte das Wetter wenig Bedeutung. Die meiste Zeit verläuft der Wanderweg entlang alter Kanäle. Diese wurden zur Versorgung der nahen Blei und Silber Mine verwendet. Nur noch einer ist heute noch im Gebrauch und dieser speist ein kleines Wasserkraftwerk.

Der Weg führte schliesslich am Standort der Mine vorbei, wobei nichtmehr viel zu sehen ist. Der schönste Abschnitt war dann der letzte Teil der Wanderung, welcher am Flüsschen Argent in den Ort zurückführt. Die riesigen, rundgeschliffenen und moosbewachsenen Felsen dominierten die Landschaft. Das frische Grün des Frühlings leuchtete im ansonsten dunkeln Tal. Nach 12 km und gut drei Stunden erreichten wir unser Auto wieder

Mont Saint Michel

Eine lange Fahrt brachte uns noch am selben Tag nach Mont Saint Michel. Das hereinfahren zum Campingplatz erwies sich als etwas umständlich. Es wurde erwartet, dass man per Mail reserviert und darauf wird einem ein Zugangscode übermittelt, welcher die Barriere öffnet. Telefonisch war der Platz nicht erreichbar, sodass Myrta zu Fuss hinging und den Code an Ueli an der Schranke per Whatsapp übermittelte. Nun, schliesslich klappte alles und wir quartierten uns im Camping ein.

Am Morgen gingen wir zu Fuss die gut zwei Kilometer hinaus zur Insel des Mont Saint Michel. Da wir recht früh dran waren, hatte es nur sehr wenige Leute und wir konnten die kleine Insel mit seinen schmalen Gassen wie auch die Klosteranlage besichtigen. Witzig war, dass am Ticketschalter eine total vergilbte Papiernotiz hing auf welcher darauf hingewiesen wurde, dass „heute“ wegen technischer Probleme nicht mit Kreditkarte bezahlt werden könne.

Die verwinkelte Anlage wirkte auf uns düster und sie ist auch sehr verwinkelt. Unglaublich sind die riesigen Ausmasse, wenn man bedenkt, dass jeder einzelne Stein beim Bauen über 100 m hoch gebuckelt werden musste und das, nachdem er von weit her transportiert und von Hand behauen worden war. Als wir nach etwa einer Stunde unsere Besichtigung beendet hatten, waren wir überrascht, wie die Menschenmassen zugenommen hatten. Lange Schlangen hatten sich beim Ticketschalter gebildet und unten am Eingang zur Insel drängten sich Hunderte Besucher.

 

TIP

Wenn man im Camping direkt am Weg zur Insel übernachtet, kann man morgens schon früh starten. Den Camping sollte man im Voraus bereits kontaktieren, um den Zutrittscode zu erhalten. Neben dem Campingpreis von 22 Euro fällt beim Hinausfahren noch eine „Barrieregebühr“ von 9 Euro an.

Alternativ kann man im Camper auch auf dem Parkplatz übernachten, allerdings ohne Infrastruktur, für ca. 12 Euro/24 h. Vom Parkplatz fährt der Shuttlebus zur Insel (nicht im Parkingpreis enthalten)

Die Normandie

Meist auf Landstrassen schnitten wir die Halbinsel auf welcher die Hafenstadt Cherbourg liegt ab und fuhren an die Strände, wo 1944 die Invasion der Alliierten stattfand. Die verschiedenen Armeen haben an den Standorten Gedenkstätten und Museen eingerichtet. Vor allem bei den Klippen von La Pointe du Hoc sind auch noch Überbleibsel der Bunker und Geschützstände zu sehen. Es war ein Kraftakt, begleitet von vielen Opfern, bis die US Ranger die Deutschen Stellungen schliesslich einnehmen und die Stellung sichern konnten. An den geschichtsträchtigen, weiteren Stränden wo die Truppen landeten, ist ausser den Gedenkstätten nicht mehr viel zu sehen. Mehrere Museen entlang der Küste dokumentieren mit Filmen und Militaria die grosse Schlacht, welche schliesslich den Anfang des Endes des Zweiten Weltkrieges bedeutete.

Weil es sich so ergab, übernachteten wir in Honfleur. Wie sich herausstellte, ist das ein ganz nettes Städtchen. Um den alten Hafen reihen sich Restaurants und Läden und in den engen Seitengassen findet man uralte Fachwerkhäuser. In einer Bar versuchten wir den in der Normandie so bekannten Cidre, den Apfelwein. Dieser wird oft wie Wein angeboten und neben den Produkten aus der Industrie findet man auch kleine Manufakturen die Cidre im kleinen Massstab produzieren.

An der Küste bei Étretat unternahmen wir eine kleine Wanderung, um die bekannten Steilküste der Region zu besuchen. Die geschichteten, weissen Felsen ragen gegen Hundert Meter hoch. Einige der Formationen weisen Tunnel und Löcher auf. Die Landschaft ist sehr eindrücklich und einen Besuch wert. Im Dorf kauften wir bei einem Fischer kauften wir zwei feine „Sole“, ein delikater Plattfisch. Erst am Morgen sei der Fisch frisch gefangen worden, aber zu unserer Überraschung empfahl uns der Mann, die „Sole“ erst in zwei Tagen zu kochen, er sein dann noch viel feiner, zu frisch hingegen werde er gerne hart beim Braten.

 

Erst hatten wir geplant, die Fähre von Calais nach Dover zu nehmen. In Dieppe erkundigten wir uns am Hafen nach Fahrplan und Verfügbarkeit. Da wir bereits am nächsten Morgen ohne Probleme Platz hatten, entschlossen wir uns, in der Nähe zu übernachten und die Fähre nach Newhaven zu nehmen. Im schönen Campingplatz „La Source“, ein paar Kilometer südöstlich des Stadtzentrums, genossen wir einen ruhigen Nachmittag und Abend.