Nord Wales und SO England

Anglesey

Wir hatten unweit des Hafens auf einem kleinen und sehr netten Campingplatz übernachtet. Als Erstes wollten wir die Insel Anglesey erkunden. Die Insel ist durch einen ganz schmalen Meeresarm vom „Festland“ abgetrennt. Wir folgten der Nordküste und machten einen Zwischenhalt im Naturschutzgebiet Cemlyn. In einer Lagune nisteten auf zwei Inseln hunderte von Seeschwalben. Unablässig flogen sie auf das Meer hinaus und kamen bald wieder mit einem Fisch im Schnabel zurück, um ihre Jungen zu füttern. Es war ein stetes Kommen und Gehen. Auf schmalen, zum Teil einspurigen Strassen ging es weiter bis Amlwch Port einem ehemaligen Ausfuhrhafen für das in der Region abgebaute Kupfer. Der bestens geschützte Naturhafen hat heute nicht einmal mehr eine Bedeutung für die Fischerei. Entsprechend ruhig ist es auch im gleichnamigen Dorf.

Auch im weiter östlich gelegenen Moelfre ging es sehr ruhig zu und her. Nur ein paar wenige Touristen hatten sich dorthin verirrt. Quer durch die Insel fuhren wir zur Südspitze und parkten bei Pen-Lon, um eine kleine Wanderung Richtung Abermenai Point zu unternehmen. Als wir ankamen, war ein Ranger gerade dabei vier Pferde auszuladen und in die grasbewachsenen Dünen zu entlassen. Dort weiden sie, zusammen mit Kühen und Schafen, das Gras ab umso die Dünenlandschaft vor der Verbuschung zu bewahren. Die Wanderung führte durch dichtbewachsene und nicht allzu hohe Dünen hinaus zur Gezeitenebene. Bei Niedrigwasser kann man bis zum Abermanai Point gehen. Wir folgten dem Strand ein paar hundert Meter und gingen dann wieder Richtung Parkplatz. Um zu vermeiden, ein Stück der Strasse entlang gehen zu müssen, bogen wir auf halbem Weg vom Pfad ab und steuerten querfeldein den Parkplatz an. Dort begegneten wir unter andern den freigelassenen Pferden und einigen neugierigen Kühen.

Ein paar Kilometer weiter übernachteten wir auf einer Farm, zu welcher der vermutlich nordwestlichste Rebberg Europas gehört.

 

Bevor wir die Insel verliessen, wollten wir dem Ort mit dem angeblich längsten Ortnamen einen Besuch abstatten: Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch. Auf Deutsch übersetzt bedeutet der Name: „Marienkirche in einer Mulde weisser Haseln in der Nähe eines schnellen Wirbels und der Thysiliokirche bei der roten Höhle“. Nicht dass dies ein historisch bedeutsamer Ortsname wäre, nein, er wurde einzig und allein geboren, um eben als einzigartiger Name die Welt anzuziehen. Und so ist neben dem Schild am Bahnhof fast an jedem Geschäft der ganze, lange Name aufgeführt. Und es funktioniert, auch bei uns, man kommt vorbei, schiesst ein paar Bilder und gibt hoffentlich ein paar Pfund aus.

Snowdonia Nationalpark

Wir fuhren direkt zum Pen-y-Pass von wo aus wir zum höchsten Berg in Wales, zum Snowden Gipfel wandern wollten. Nun, es kam ein wenig anders als geplant! Als Erstes mussten wir feststellen, dass der Parkplatz auf dem Pass der Nachfrage bei weitem nicht gerecht wird. Zweitens kann man dort sowieso nur parken, wenn man online gebucht hat, das kostet dann die Kleinigkeit von £ 18 pro Tag! Zum Glück hatten wir kurz zuvor einen autostoppenden Wanderer mitgenommen, er erklärte uns, dass sein Auto unweit hinter dem Pass geparkt sei und wir auch dort parken könnten, wobei er uns am Ende gar sein gültiges Tages-Parkticket überliess, da er wegfuhr. Also schnürten wir die Wanderschuhe und mussten halt als Erstes wieder zum Pass hochwandern. Dort machte sich eben eine Gruppe junger Leute zum Aufbruch bereit. Anhand der Ausrüstung und der brandneuen Wanderschuhe war leicht zu erkennen, dass wandern für die meisten wohl nicht das alltägliche Hobby ist. Wir waren noch keine 500 m dem Pyg Trail entlang gegangen, als wir nach und nach von der ganzen Gruppe überholt wurden. Schnaufend und keuchend rannten sie schon fast an uns vorbei. Wir waren da bereits überzeugt, sie bald wiederzusehen. Dass es aber nach nicht einmal einer Viertelstunde soweit war, erstaunte uns dann doch. Von da an ging das Spiel mehrere Male so weiter bis wir sie schliesslich ganz abhängten, aber nur, um zur nächsten Gruppe aufzuschliessen und das Ganze ging von neuem los. Das war definitiv nicht nach unserem Geschmack und als wir uns dann noch vorstellten, wie es auf dem Gipfel zu und hergehen würde, wo dann auch noch die Leute, welche mit der Bahn hochgefahren waren dazukommen, entschieden wir uns auf den „Gipfelsturm“ zu verzichten. Auf der Höhe des höchsten Sees kürzten wir ab und stiegen über die Wiesen zum Miners Trail ab. Von dort aus wanderten wir zum Ausgangspunkt zurück. Es war auch so eine schöne Wanderung gewesen, aber im Sommer und auch noch an einem Wochenende, möchten wir gar nicht wissen wie es dort zu und hergeht. Ahh, übrigens, in der kurzen Zeit in der Region, haben wir den Rettungshelikopter dreimal gesehen…

Das nordwestliche Wales

Wir übernachteten in einem schönen Campingplatz, etwas ausserhalb von Beddgelert. Nach einem mehrheitlich sonnigen Tag, erlebten wir nach vielen Tagen wieder einmal ein paar Regentropfen, aber bevor die Sonne schliesslich unterging, war der Himmel bereits wieder blau.

An der Südküste folgten wir dieser bis Pwllheli. Wir hatten von einer eisenzeitlichen Festungsanlage nördlich von Lithfaen gelesen und wollten uns diese anschauen. Von einem Parkplatz aus wanderten wir etwa eine Stunde durch die Landschaft und bestiegen schliesslich einen Hügel, auf welchem die erstaunlich gut erhaltenen Fundamente einer Siedlung mit etwa 150 Rundhäusern aus Stein zu erkennen sind. Am besten hat man den Überblick vom Gipfel des Hügels, von wo man auch sonst eine schöne Aussicht geniesst.

 

In Caenarfon besichtigten wir die Festung, in welcher übrigens Prinz Charles von Wales gekrönt worden ist. Sehr wohnlich ist die Anlage wahrlich nicht, eher ein Labyrinth von Türmen und Gängen. Hoch und runter und immer auch wieder in kleinen Räumen endend führt die Besichtigung des Schlosses.

Wiedersehen mit einem Ex-Arbeitskollegen

Wir hatten mit einem ehemaligen Arbeitskollegen von Ueli nördlich von Manchester bei einem Pub abgemacht, um mit ihm zusammen den Abend zu verbringen. Auch er hat einen Camper und so konnten wir unbeschwert ein Bier zusammen trinken und die Nacht auf dem Parkplatz verbringen. Als wir beim „Crooke Hall Inn“ ankamen, wurden wir bereits von Andy erwartet, denn er war etwas früher als wir eingetroffen. Bei herrlichstem Wetter sassen wir im Biergarten am Leeds-Liverpool Canal zusammen und freuten uns am Wiedersehen. Das Nachtessen war typisch für einen englischen Pub und auch sehr fein. Später am Abend trat dann auf dem Parkplatz eine lokale Tanzgruppe auf, sodass wir auch noch in den Genuss englischer Folklore kamen. Als es dann im Garten zu kühl wurde, gingen wir wieder ins Lokal hinein, wo mehrere Musikanten aufspielten. Mandoline und Gitarre unterstützten die verschiedenen Sänger, einer gab sogar Balladen ohne musikalische Begleitung zum Besten. Wir hatten es wirklich gut getroffen mit dem Ort und dem richtigen Zeitpunkt und verbrachten einen vergnüglichen Abend.

Am Morgen assen wir zusammen an der Sonne das Frühstück, bevor wir uns von Andy verabschiedeten. Er hatte uns empfohlen, den Umweg über Formby zu fahren und den dortigen Strand zu besuchen. Nicht dass wir baden wollten, das überliessen wir lieber den Einheimischen, aber der Strand stellte sich tatsächlich als sehr sehenswert heraus. Wir ergatterten einen der letzten Parkplätze am Strandparkplatz und kurz darauf wurde er auch geschlossen. Zu Hunderten strömten die Leute aber weiterhin zu Fuss ans Meer. Der Sommer fand im Jahr 2022 an einem Freitag statt (Spass, nicht böse sein, liebe Engländer), denn die Temperaturen waren tatsächlich bis gegen 25 °C im Schatten angestiegen und so eine Gelegenheit sollte man sich in Grossbritannien wohl besser nicht entgehen lassen. Bis zu Phils Haus war es dann nur noch eine kurze Fahrt und wir freuten uns darauf, diesmal etwas länger zusammen zu sein.

Ein paar Tage mit Phil und Joan

Wir unternahmen einen Ausflug in die nähere Umgebung und besuchten das schöne Dorf Great Budworth. Der Dorfkern ist weitgehend in Takt und beherbergt eine Anzahl schöne, alte Riegelhäuser. Vor allem auch der Pub gehört zu den typischen englischen Traditionsbetrieben. Wir hatten noch nie von diesem Ort gehört, aber es zeigte sich einmal mehr, wie wertvoll Freunde sind, die ihre Umgebung gut kennen und das Wissen auch gerne weitergeben.

Dazu gehört auch der Bootlift in Anderton. Eine mehrfach umgebaute Anlage hebt die ankommenden Kanalboote etwa 20 m vom River Weaver zum Niveau des Trent&Mersey Canals. Auf diesem wurde vor allem das in der Region abgebaute Steinsalz abtransportiert. Freiwillige erklärten uns gerne die Funktion und Bedienung des Hebewerks und im angegliederten Museum konnte man sich noch weiter informieren. Die Hebevorrichtung arbeitete anfangs mit einem hydraulischen Antrieb, wurde später auf Dampf umgebaut und schliesslich elektrifiziert. Direkt am Hebewerk war ein altes Dampfboot verankert und einige ältere Herren waren beim Arbeiten. Wir kamen mit ihnen ins Gespräch und bekamen eine spontane Insiderführung. Das Boot wurde 1903 als Schlepper in Betrieb gesetzt. Zuletzt wurde er nun zum Event- und Ausflugsboot umgebaut, wobei die ganze Technik im Originalzustand verblieb. Ganz speziell war die Dampfkraft unterstützte Steuereinrichtung, quasi die Servolenkung von dazumal. Auch die Hauptmaschine läuft noch immer mit Kohle, nur dass der Heizer heute aus Gesundheitsschutzgründen mit Staubschutzmaske arbeiten muss.

 

Nicht weit entfernt sind dann auch die Überreste der Lion Salt Works zu besichtigen. Die Salzsole wurde mit Wipppumpen aus der Tiefe gefördert und das Wasser in grossen Becken verdunstet. Da die Anlage direkt am Kanal liegt, war der Abtransport einfach möglich. Um uns das Nachtessen zu verdienen, machten wir noch eine kleine Wanderung dem Kanal entlang und durch ein Naturschutzgebiet.

Der nächste Tag war dann meist bedeckt und zwischendurch fielen auch einige harmlose Tropfen vom Himmel. Das hielt uns aber nicht ab, eine ausgedehntere Wanderung zu unternehmen.

 

Wir starten beim Bickerton Poacher Pub und stiegen zum Sandstone Trail auf. Immer auf der Höhe bleibend, folgten wir diesem bis nach Bickerton. Immer wieder hatten wir Ausblicke in das umliegende Farmland. Auf einem nahen Hügel machten wir unweit einer eisenzeitlichen Siedlung Mittagsrast, viel ist aber vom „Maiden Castle“ nicht mehr zu sehen. Danach wanderten wir durch die Felder und vorbei an Pferdeweiden zurück zu unserem Auto.

Ab dem nächsten Tag waren wir bei Joan in Manchester untergebracht und wir unternahmen einen Ausflug zur nahen Quarry Bank. Der grosse Park liegt entlang dem River Bollin und lädt zum Wandern ein. Am Ende der Route besuchten wir die alte Baumwollmühle in welchem man noch heute das funktionierende, riesige Wasserrad und die alten Dampfmaschinen besichtigen kann. Der ursprüngliche Besitzer hat direkt neben der Fabrik einen schönen Garten anlegen lassen und die Arbeiter waren in einem eigenen Dorf ganz in der Nähe untergebracht.

Eine weitere Wanderung hatten unsere Freunde im Macclesfield Forest geplant. Wir fuhren zur „Tegg’s Nose“ und parkten dort das Auto. Steil ging es auf einem Saumpfad ins Tal hinunter. Und dort haben wir uns tatsächlich gleich zu Beginn der Wanderung verlaufen. Wir landeten bei einem Bauernhaus. Die Besitzerin war schnell draussen und machte genauso schnell klar, dass wir auf ihrem Land nicht erwünscht wären. So mussten wir, anstatt 200 m über ihre Wiese auf die geplante Route zu gelangen, umdrehen und einen grösseren Umweg in Kauf nehmen. Nun, offensichtlich gibt es nicht nur in der Schweiz solche Leute…

An der prallen Sonne stiegen wir zum schattigen Macclesfield Forest hoch und unsere Freunde stöhnten unter der Hitze, während wir, wohl auch schwitzend, das endlich warme Wetter genossen. Wir sind uns halt die „Kälte“ nicht so gewöhnt und die Briten mögen die „Hitze“ nicht. Bei der „Forest Chapel“ stiegen wir hinunter ins Tal und gelangten zur Ranger Station, wo wir Mittagspause machten. Am untersten der drei beieinanderliegenden Stauseen vorbei, machten wir uns an den schweisstreibenden Aufstieg zur Tegg’s Nose. Zuoberst auf diesem Hügel sind noch die Überreste eines alten Steinbruchs und gleich daneben sind einige der alten, dampfbetriebenen Maschinen zu sehen. Nun war es nicht mehr weit zum Auto.

 

Das Nachtessen hatten wir uns heute wieder wohl verdient. Von Joans Haus aus ist man in einigen Gehminuten in einem Quartier voller Bars, Pubs und Restaurants. An diesem Abend war ein indisches Restaurant ausgewählt worden und wir wurden wie immer nicht enttäuscht. Ganz speziell war das von Phil und Ueli gewählte Dessert: Gajar Halwa, hat ein ganz überraschendes Aroma, ganz anders als wir es von einer auf Karotten basierenden Süssspeise erwartet hatten. Der Manager war dann auch sichtlich stolz als wir ihn nach dem Rezept fragten.

Yorkshire

Nach dem Frühstück fuhren wir zu Phils Haus zurück, wo wir unseren Landcruiser geparkt hatten. Wir packten unsere sieben Sachen und verabschiedeten uns von unserem Freund.

Ueli hatte schon seit längerem immer wieder über Facebook Kontakt mit einem Ian gehabt. Er ist, wie wir, ein begeisterter Reisender und wie Ueli auch immer wieder mit dem Motorrad unterwegs. Unterdessen hat er auch einen Landcruiser Camper in seinem Besitz. Die beiden hatten schon vor längerem abgemacht, dass wenn wir in der Gegend sind, wir uns treffen wollten. Ian hatte uns als Treffpunkt einen Campingplatz im Yorkshire Dales Nationalpark vorgeschlagen und so fuhren wir weitgehend auf Autobahnen durch den Grossraum Manchester bis an die Grenze des Nationalparks. Kurz nachdem wir eingetroffen waren, fuhr auch Ian ein. Wir verbrachten einen geselligen Abend zusammen und genossen den sonnigen Abend. Nach einem gemeinsamen Frühstück machten wir uns wieder auf den Weg. Wir hatten die Route so gelegt, dass wir die Landschaft des Nationalparks noch einmal geniessen konnten. Die vielen Täler, „Dales“ genannt, werden meist von kahlen, häufig auch felsigen Hügeln begrenzt. Nur wenige kleine Dörfer befinden sich innerhalb des Nationalparks, mehrheitlich leben die Leute von Schafzucht und zunehmend vom Tourismus. Kaum hatten wir die Grenze überschritten, wurde die Landschaft flacher und Ackerbau war vorherrschend.

 

Masham war im Reiseführer als schöne, historische Kleinstadt beschrieben, was uns dazu bewegte einen kurzen Zwischenhalt einzulegen. Wie so oft, waren aber die Strassen und Plätze mit Autos zugeparkt, sodass die schönen Fassaden der alten Häuser etwas in den Hintergrund gedrängt wurden.

Studly Park und Fountains Abbey

Einen längeren Aufenthalt machten wir hingegen bei „Studly Park“. Rund um die eindrücklichen Ruinen der „Fountains Abbey“, einem weiteren, sehr eindrücklichen Kloster, ist eine riesige Gartenanlage angelegt worden. Diese lädt zu ausgedehnten Spaziergängen ein. So kamen schliesslich einige Kilometer zusammen, bevor wir weiterfuhren. Einen weiteren Zwischenhalt machten wir in Ripol. Das mittelgrosse Städtchen bietet neben der schönen Altstadt eine überraschend grosse Kathedrale zum Besuch an. Danach fuhren wir zu einem Campingplatz, einige Dutzend Kilometer vor York.

York

Daher waren wir am anderen Morgen schon recht früh in York und schlenderten durch die historische Altstadt. Erst dem Fluss Ouse entlang, welcher beidseits dicht bebaut ist, aber doch grosszügig Platz für einen Fussweg lässt, gelangten wir ins Zentrum. Vor allem die Gassen um "Shambles“ zeigen den Charme der Altstadt, wenn auch heute meist Läden und Restaurants in den Gebäuden untergebracht sind. Am Ende landeten wir automatisch bei der riesigen Kathedrale. Die £ 15 Eintrittsgebühr fanden wir dann aber doch etwas zu teuer, nur um eine weitere der vielen eindrücklichen Kathedralen Grossbritanniens auch von innen zu besichtigen, auch wenn sie berühmt ist für die angeblich grössten Bleiglasfenster der Welt. Um uns einen letzten Überblick über die Stadt zu verschaffen, stiegen wir zum Schloss hoch. Auch dort ist der Eintritt teuer, aber es war einmal mehr eine English Heritage Liegenschaft, sodass wir als Mitglieder kostenlos eintreten konnten. Viel gibt es in diesem eigenartigen Gebäude nicht zu sehen, eigentlich ist es ein hohler Zylinder mit sehr dicken Mauern in welchen einige kleine, kahle Räume untergebracht sind. Aber eben, die Aussicht vom höchsten Punkt ist eindrücklich.

Lincoln

Auf dem Weg nach Süden kamen wir fast automatisch an einer weiteren schönen Stadt vorbei. Lincoln ist bedeutend weniger bekannt wie York, aber wir fanden die Stadt eigentlich noch fast schöner. Auch Lincoln hat eine sehr eindrückliche Kathedrale und zudem einige gut erhaltene Strassenzüge. Nach einer ziemlich langen Fahrt erreichten wir schliesslich die Ostküste, wo wir eine weitere Nacht verbrachten. 

Die Küste von Norfolk

Anderntags fuhren wir an die „Norfolk Coast“ einem weitläufigen Naturschutzgebiet unter dem Management des National Trust. Bei einem Informationsbüro liessen wir uns über die Wandermöglichkeiten beraten. An und für sich führt auf der ganzen Länge der Küste ein Wanderweg entlang. Um einen Teil davon zu bewandern, nahmen wir den Bus von Morsten nach Cley und starteten von dort die Wanderung zurück zum Auto. Zuerst schauten wir uns aber in Cley etwas um. Vor allem bekannt ist der Ort für seine guterhaltene Windmühle, die heute ein schön angelegtes B&B ist. Auf guten Wegen führt der Wanderweg hinter den Stränden durch das Feuchtgebiet. Je nach Saison trifft man dort auf unzählige Vogelarten. Jetzt im Frühsommer war allerdings nicht sehr viel Betrieb. Wir mussten einen weiten Bogen ins Landesinnere gehen und kamen dadurch am Dorf „Blakeney“ vorbei. Dort herrschte Hochbetrieb, denn es hat dort einige Restaurants und Pubs und viele Leute waren mit Krabbenfischen beschäftigt. Die kleinen Krebse wurden mithilfe eines Köders in einem Stoffbeutel gefangen, später aber wieder freigelassen. Die Leute hatten offenbar Spass damit, wir konnten das nicht wirklich nachvollziehen. Nach etwa 10 km waren wir wieder beim Auto zurück und machten uns auf, weiter nach Süden.

Norwich

Auch Norwich überraschte uns positiv. Uns war die Stadt nicht bekannt gewesen, aber da sie am Weg lag, machten wir einen Zwischenhalt. Auch hier wieder eine mächtige Kathedrale, fast schon eine Stadt in der Stadt. Immerhin nahm das Gelände früher einen Fünftel der Fläche innerhalb der Stadtmauer ein. Der hochgepriesene, permanente Markt hingegen, konnte uns nicht überzeugen.

 

Nach einigem Suchen fanden wir in einem grossen Waldgebiet bei Thedford ein schönes Buschcamp in einer Lichtung. Die Zufahrt benötigt definitiv gute Bodenfreiheit, den die sandige Piste war von tiefen Wellen übersät. Erst als wir bereits eingerichtet waren, bemerkten wir, dass wir nur etwa 100 m von einer Bahnlinie entfernt standen. Wir hatten aber Glück, dass die Bahnangestellten noch immer streikten, denn erst gegen 9 Uhr am nächsten Morgen kam schliesslich der erste Zug vorbei.

Wicken Fen

Unser nächstes Ziel waren die „Wicken Fen“. Dort findet man das letzte kleine Feuchtgebiet, wie es vor der Industrialisierung in grossen Teilen Mittelenglands üblich war. Die Moore wurden dann aber flächendeckend trockengelegt und so landwirtschaftlich nutzbar gemacht. Dabei ist es aber auch zu skurrilen Zwischenfällen gekommen. Durch das Trockenlegen hat sich die Oberfläche zum Teil abgesenkt und dadurch wurden Flussläufe so weit verändert, dass sie wiederum ganze Landstriche überfluteten. Diese wurden in der Folge mithilfe von Wind getriebenen Pumpen entwässert. Richtig erfolgreich funktionierte das aber erst, als man Dampfmaschinen einsetzen konnte.

Um einen Eindruck der Landschaft zu erhalten, unternahmen wir eine Wanderung. Eine reichhaltige Flora und viele Vogelarten haben sich in der Region erhalten, sodass es immer wieder etwas zu sehen gab.

 

Als nächstes Ziel wäre Cambridge auf unserem Plan gestanden. Die Stadt war aber dermassen überlaufen, dass wir keine Chance hatten einen Parkplatz zu finden. Als wir schliesslich einen Park&Ride Parkplatz im Süden ansteuerten, um von dort mit dem Bus in die Stadt zurückzufahren, mussten wir feststellen, dass alle Parkplätze eine 2 m Höhenbegrenzung hatten. Nun, dann halt nicht…

Imperial War Museum in Duxford

Nachdem wir wieder einmal auf einem Farmcamping übernachtet hatten, fuhren wir zu nahe gelegenen „Imperial War Museum“ bei Duxford. Dort ist eine der grössten Militärflugzeugausstellung Europas zu besichtigen. Ein Grossteil der Flugzeuge ist aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Aber es steht auch eine Concorde dort, welche man von aussen und innen bestaunen kann. Die Maschine in diesem Museum war die dritte, welche gebaut worden war. Sie hat dabei nie kommerziell Passagiere befördert, sondern war eine der Maschinen welche einzig und alleine gebaut worden war, um die unzähligen Testflüge zu absolvieren, da der Flieger ja in ganz neue Dimensionen vorgestossen war. Unter anderem war ein Geigerzähler eingebaut, um aufzuzeichnen, welchen Strahlendosen die Passagiere ausgesetzt sein würden.

 

Aber auch sonst ist das Museum mit vielen sehr exklusiven Flugzeugmodellen gespickt. Im hinteren Teil des riesigen Areals ist auch noch das „American Air Museum“ untergebracht. Dort sind unter anderen legendären Maschinen eine B52 und ein „Black Bird“, dem noch immer schnellsten, bemannten Flugzeug, wenn auch nur wenig schneller als die Concorde! Da das Flugfeld während dem Zweiten Weltkrieg eine entscheidende Rolle für Bomberangriffe und der Verteidigung Englands gegen deutsche Luftangriffe gespielt hatte, ist die damalige Einsatzzentrale nach wie vor intakt. Mit einem nachgestellten Kommentar eines typischen Tages kann man sich ein Bild davon machen, wie die Anlage damals funktionierte.

Die Umgebung von Dover

Da für uns auf dem Weg nach Dover keine wichtigen Sehenswürdigkeiten lagen, machten wir eine recht lange Etappe und fuhren bis an die Küste. Einzig im kleinen Dorf Finchingfield machten wir einen kurzen Halt. Der Ort versprach lauf Reiseführer viel, wir fanden aber, der Umweg hat sich kaum gelohnt.

Nach einem letzten Einkauf in Dover verbrachten wir die Nacht nur ein paar Kilometer ausserhalb der Hafenstadt.

 

Wir hatten die Fähre auf den Nachmittag des folgenden Tags reserviert und hatten so genügend Zeit, eine kleine Wanderung den Kreidefelsen entlang zu unternehmen und das „Dover Castle" zu besichtigen. Die Fähre brachte uns schliesslich klassisch, das heisst ohne Schnellboot oder Tunnel, in 90 Minuten nach Calais.



Kommentare: 0