Island 2021

Es hatte sich im Frühling bereits abgezeichnet, dass Island im Sommer eine Reisedestination mit einigen Vorteilen für uns werden könnte. Zum einen konnte man annehmen, dass der Besucherandrang auch dieses Jahr aufgrund der unstabilen und unvorhersehbaren COVID Entwicklung bescheidener wäre als vor der Pandemie und andererseits konnten wir als relativ früh geimpfte auf einige Privilegien hoffen.

Im Mai buchten wir ohne Probleme die Fähre von Dänemark auf die Insel, vor zwei Jahren wären die Plätze schon im Winter bereits gebucht gewesen. Es stelle sich heraus, dass Rita und Ueli, Freunde aus Luzern die wie wir einen Azalai Landcruiser fahren, ähnliche Pläne hatte, sodass wir uns entschlossen zusammen zu reisen.


Reiseroute und Etappenorte


Anreise Schweiz - Hirthals (DK)

Wir wollten uns für die lange Anfahrt zur Fähre grosszügig Zeit nehmen und auf Landstrassen anreisen. Durch den Schwarzwald zuckelten wir Richtung Norden und machten in Bad Urach einen ersten Zwischenhalt um uns das Städtchen anzuschauen und um uns die Füsse zu vertreten.

Anschliessend setzten wir die Fahrt auf meist wenig befahrenen Landstrassen fort. Immer dunkler wurde der Himmel und ein Gewitter kündigte uns an. Bei Pfahlbronn wurden wir dann davon erwischt, erst erfassten und heftige Sturmböen und bald schüttete es wie aus Kübeln. Als es dann auch noch zu hageln begann suchten wir unter einem mächtigen Baum Schutz. Bald war der Spuk vorüber aber nach kurzer Fahrt wurden wir gezwungen eine Umfahrung zu suchen, denn in einem Wald lag ein grosser Baum quer über die Strasse.

In Gaildorf richteten wir uns auf einem ruhig gelegenen Stellplatz ein und wollten eigentlich im Ort ein Restaurant zum Nachtessen finden, leider ohne Erfolg. Wie fast überall in Deutschlands Kleinstädten hatte es jede Menge Döne-r und Pizzabuden, die „richtigen“ Restaurants waren aber alle geschlossen, CORONA lässt grüssen.

Anderntags galt unser erster Halt der wunderschönen Stadt Rothenburg ob der Tauber. Die grosse und gut erhaltene Altstadt mit unzähligen Riegelbauten lädt zum Flanieren ein. Üblicherweise hätte es hier wohl auch sehr viele Besucher, gehört die Stadt doch zu den Top 10 Destinationen Deutschlands. Wir genossen den Stadtrundgang fast alleine.

Weiter ging es bis Bamberg, auch das mit einer sehenswerten Altstadt. Vor allem das Quartier am Rhein-Main-Donau Kanal ist hübsch, aber auch die uralte Kathedrale über der Stadt beeindruckt. Die grosszügigen Patrizierhäuser du Stadtpaläste zeugen vom Reichtum der Universitätsstadt. Im Kanal gelegen befindet sich das alte Rathaus mit eindrücklichen Wandmalereinen.

Gegen Abend fanden wir auf einem Hügel einen schönen Übernachtungsplatz. Ganz so ruhig wie wir erwartet hatten war es zwar dann nicht, denn bis zum Eindunkeln trafen immer wieder Leute ein die den Abend dort oben, wie wir, geniessen oder die Hunde ausführen wollten. Schlafen konnten wir aber dann ihn Ruhe.

Entlang der folgenden Tagesetappe hätten wir gerne im Nationalpark Harz eine kleine Wanderung unternommen und die Städte Goslar und Celle näher kennengelernt, aber das Wetter machte uns einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Bis auf ein paar Kilometer regnete es fast den ganzen Tag durchgehend, manchmal mehr, manchmal weniger. So landeten wir schliesslich an der Elbe nicht weit von Stade. Der Stellplatz lag zwar hinter dem Deich aber im nahen Restaurant Möwennest genossen wir einen Apero und die Aussicht auf den Fluss. Ein kurzer Spaziergang lockerte unsere untätigen Beine bevor wir uns das Nachtessen kochten.

Bis zur Elbfähre nach Glückstadt waren es nur wenige Kilometer. Fast 60 km stromabwärts von Hamburg ist das die erste Möglichkeit die Elbe zu queren. Wir verpassten die erste Fähre denn der Andrang war zurzeit gross. Immer öfter sahen wir nur die heimeligen, schilfgedeckten Häuser entlang der Strasse. Die Landschaft blieb flach wie ein Brett nur ab und zu trafen wir auf einen Deich der aufzeigte wie die Menschen dem Meer Land abtrotzen konnten. Erst wollten wir in Husum übernachten in der Hoffnung am Abend das EM-Fussbalspiel Schweiz-Spanien in einer Bar verfolgen zu können. COVID bedingt standen aber leider die Sanitäranlagen des Stellplatzes nicht zur Verfügung und wir wollten gerne eine Dusche nehmen. Wir entschlossen  uns daher weiterzufahren und fanden einen schönen Stellplatz hinter dem Deich bei den Hamburger Halligen. Am Abend fand ein Mini Triathlon statt welcher die Athleten bei uns vorbei führte. Sie kamen auf dem Fahrrad an und liefen zur Hamburger Hallig hinaus wo sie eine kurze Schwimmstrecke im Meer absolvieren mussten. Von da ging das Ganze wieder zurück zum Start.

Am Morgen kauften wir uns das Zutrittsticket und fuhren die 4 km hinaus zur Hamburger Halligen. Auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel liegt der ehemalige Hof, heute ist es ein Restaurant, weitgehend vor steigenden Fluten sicher. Nur bei Jahrhundertsturmfluten mussten die Bewohner und ihr Vieh hinter den Deich evakuiert werden. Die ganzen Ebenen sind Teil eines Nationalparks und werden von unzähligen Gras- und Wasservögeln bevölkert.

Die Tagesetappen wurden nun zunehmend kürzer denn wir waren gut vorangekommen in den vorherigen Tagen. Immer der Westküste folgend gelangten wir an den westlichsten Grenzübergang nach Dänemark. Den Grenzübertritt bemerkte man nur aufgrund einer Hinweistafel, die Station war nicht besetzt. Rita berichtete später, dass es am Autobahnübergang weiter östlich wegen COVID Kontrollen zu stundenlangen Wartezeiten gekommen war.

Wir erreichten Thorsminde Mitte Nachmittag und richteten uns als einzige auf dem ortsnahen Stellplatz am Hafen ein. Wir genossen einen Apero in der kleinen Brauerei im Ortszentrum und auch das Nachtessen nahmen wir im Restaurant ein.

Weiter der Westküste folgend mussten wir bei Thyboron eine kurze Fähre nutzen um über einen Meeresarm zu gelangen. Wie schon an der Elbe, waren wir das erste Auto das nicht mehr auf die Fähre passte und deshalb mussten wir auf die nächste warten. Im Thy Nationalpark fuhren wir zum Strand hinunter um von dort aus eine Rundwanderung zu unternehmen. Der Pfad führt durch die alten, dichtbewachsenen Dünen. Zum Teil durch schönen Wald dann aber auch wieder durch offenes Grasland. Die Aufstiege waren zwar nicht hoch, aber im weichen Sand doch recht anstrengend. Nach eineinhalb Stunden waren wir bei Auto zurück und fuhren noch weiter bis hinter Hanstholm. Bei einem Fischweiher ist auch ein Campingplatz verfügbar, gut ausgestattet und mit grosszügigem Platzangebot.

Unterdessen hatten wir von unseren Freunden erfahren, dass auch sie bereits in der Gegend waren und so trafen wir uns am Nachmittag wie zuvor abgemacht in einem Campingplatz nahe Hirthals. Wir unternahmen einen Spaziergang am nahen Strand, ins Wasser wagte sich dann aber nur Ueli (nein natürlich nicht DER Ueli, sondern unser Freund aus Luzern) Wir genossen die Gesellschaft unserer Freunde und das warme, sonnige und zudem fast windstille Wetter, dieses war sogar noch wärmer als in Rheinfelden, wie uns die Wetterapp aufzeigte.


Überfahrt nach Island

Wie verlangt waren wir zwei Stunden vor der Abfahrt am Hafen und waren überrascht, wie viele Autos bereits auf dem Parkplatz standen. Zögerlich ging es voran, denn beim Check-In wurde schon mal geprüft, wer zum Testen musste und wer, wie wir, aufgrund der Impfung ohne Test an Bord durfte. Die Beladung erfolgte pünktlich und auch das Schiff legte schliesslich pünktlich ab. Mit einem Infoblatt wurden wir angehalten, uns an Bord auf einer isländischen Webseite zu registrieren was wir bevor alle an Bord waren ohne anstehen erledigen konnten.

Die Überfahrt verlief sehr ruhig und ohne Wellengang. Solange wir noch in der Meerenge zwischen Dänemark und Norwegen unterwegs waren, sahen wir immer mal wieder ein anderes Schiff. Im offenen Meer angekommen änderte sich das und wir waren alleine unterwegs. Wir assen in der Cafeteria jeweils Frühstück und Nachtessen. Wie üblich auf Fähren eher teuer dafür nicht wirklich ein Gourmetessen. Nach der ersten Nacht passierten wir die Shetland Inseln und hatte gar kurz Telefonempfang. Am Nachmittag erreichten wir die Färöer Inseln, wo das Schiff einen Zwischenhalt einlegte. Einige gingen von Bord, andere kamen dazu. Nach nur einer Stunde waren wir wieder unterwegs. Wie schon am Vorabend konnten wir den Halbfinal in der Kabine mitverfolgen. Dänemark schied etwa so unglücklich wie schon die Schweiz im Achtelfinal aus.
Bevor wir ins Bett gingen erledigten wir eine weitere COVID Bürokratie, wir mussten bei Vertretern des isländischen Gesundheitsministeriums antragen um die Registrierung und den Impfnachweis zu präsentieren. Wir erhielten je einen grünen Zettel welcher uns die verzögerungsfreie Einreise ermöglichte.

 

Auch auf Island lief das Schiff planmässig bei schönstem Wetter ein. Bald konnten wir von Bord fahren und eine eigentliche Zollkontrolle fand schon gar nicht statt.


Islands Nordost Küste

Vom Fährhafen führte uns die Strasse steil hoch zu einem Pass. Auf der Hochebene, nur gerade 400 müM, empfingen uns meterhohe Schneefelder und eisbedeckte Seen! In Egilsstadir hielten wir um frische Lebensmittel einzukaufen. Da die Luzerner noch weitere Besorgungen erledigen mussten, fuhren wir schon mal voraus um uns später auf dem Campingplaz in Borgarfjödur wir zu treffen.

Die Fahrt folgte einem Flusstal mit viel Viehwirtschaft. An einem kultigen Selbstbedienungshäuschen hielten wir kurz an um die unterdessen weltberühmte Einrichtung zu besichtigen. Bevor die Strasse zu einem Pass hochführte, sahen wir eine erste Herde der bekannten Islandponys weiden. Danach ging es steil zum Pass hoch von wo man eine schöne Aussicht zurück geniesst.

In Borgarfjödur angekommen fuhren wir erst hinaus zu Papageientaucherkolonie am Hafen um zu sehen wann man diese wohl am besten besucht. Auch die Parkplätze für die geplante Wanderung konnten wir so bereits erkunden.

Als wir zum Camping zurückkamen, waren die Luzerner auch bereits eingetroffen und wir richteten uns ein. Ein Spaziergang durch den Ort und hoch zum nahen Alfaborg Hügel verschaffte uns einen Überblick auf die nahe Umgebung, War es den ganzen Tag sonnig gewesen, drückte gegen Abend eine dichter Nebel von Meer herein und es wurde schnell ungemütlich.

Anderntags fuhren wir zusammen zum Hafen hinaus und liessen ein Fahrzeug beim Ziel der heutigen Wanderung. Bevor wir aber starteten, besuchten wir die Papageintaucher. Diese sind die Besucher offensichtlich gewohnt, denn sie halten sich auch sehr nahe an den Holzstegen für die Besucher auf. Ein ständiges Kommen und gehen herrschte in der Kolonie wo bis zu 5000 Paare brüten. Auch andere Seevögel, vor allem Möwen, brüten auf dem grasigen Felskopf. Einzig das Fotografieren der landenden Vögel ist sehr schwierig, denn die Tiere sind sehr schnell und nicht gerade gross.

Ein paar hundert Meter zurück liessen wir auch das zweite Auto stehen und stiegen steil zu einem Pass hoch. Die Vegetation war erstaunlich abwechslungsreich. Viele Blumen blühten am Weg. Wir kamen ganz schön ins Schwitzen, denn auch an diesem Tag war das Wetter sonnig und recht warm. Vom Pass sah man das erste Mal die Bucht Brunavik, unserem ersten Ziel. Der Abstieg war steil und rutschig, aber wir erreichten den Strand schliesslich ohne Schwierigkeiten. Wir machten eine ausgedehnte Mittagspause bevor wir einem Bach aufwärtsfolgend bis zu einer 4x4 Piste hochstiegen. Ausser ein paar wenigen Schafen war das grüne Tal sehr einsam. Auf der Piste stiegen wir noch einmal zu einem Pass hoch von welchem wir zum Ziel der Wanderung abstiegen.

11 km / 700 Hm / 4h

Um auf die Strasse Richtung Vopnafjördur zu gelangen, mussten wir erst wieder ein gutes Stück zurückfahren und über einige kleine Pisten zur Ringroad gelangen. Danach ging es auf der anderen Flussseite wieder Richtung Meer. Direkt am Fluss fanden wir ein Buschcamp und genossen einen Apero zusammen. Aber auch heute wurde es am Abend bald kühl und wir zogen uns ins warme Auto zurück.

Als wir das Meer bei nebligem Wetter erreichten stieg die Piste steil hoch zu einem Pass auf 650 müM. Kurz vor der Passhöhe gelangten wir über den Nebel und genossen dem Blich hinunter auf das flauschige Nebelmeer. Aber auch auf der anderen Seite dauerte es nicht lange bis wir wieder in den Nebel eintauchten.

 

Ein Abstecher führte uns zum Museumsbauernhof Bustarfell. Der grosse, verschachtelte Gebäudekomplex ist komplett möbliert und enthält unzählige Artefakte aus der Vergangenheit. Wie früher üblich die die Dächer grasbedeckt und die Gebäudewände sind teilweise aus Torfziegeln aufgebaut.

Nördlich von Vopnafjördur besuchten wir ein Thermalbad und genossen das warme Wasser. Ein Hot Tub bietet 40 Grad warmes Thermalwasser und gleich daneben kann man sich in einem eisigen Trog bei 5 Grad abkühlen. Auch das Schwimmbecken hat angenehme 33 Grad. Eine gute Stunde vergnügten wir uns im Bad bevor es uns weiter zog.

Die gut ausgebaute Teerrstrasse führte in der Folge durch relativ flache Hügellandschaft nach Pörshöfn. Ein paar Kilometer vorher besuchten wir die älteste Kirche auf Island. Das schmucke Gotteshaus ist umgeben von einem gepflegten und immer noch genutzten Friedhof. Die Grabmäler zeigten auf, dass viele Verstorbene sehr alt geworden sind, offenbar eine gesunde [UL1] Umgebung.

Auf der kleinen Halbinsel Raudanes unternahmen wir eine kurze Wanderung [UL2] der Steilküste entlang. Neben eindrücklichen Felsformationen waren die unzähligen Seevögel interessant zu beobachten. Auch hier hatte es wieder Papageientaucher, aber auch verschiedene Möwen und Enten brüteten in den Felsen. Hohe Felstürme mit Löchern und Brücken waren zu bewundern.

Es war unterdessen schon spät geworden, nicht dass man Angst haben musste von der Dunkelheit überrascht zu werden, und so suchten wir entlang einer Piste einen Schlafplatz. An einem See wurden wir bald fündig. Der Wind hatte etwas aufgefrischt sodass es nur im Windschatten der Fahrzeuge angenehm war. Wir setzten einmal mehr unseren neuen Omnia ein und kochten eine feine Mousakka.

Der Wind hatte in der Nacht gedreht und uns von hinten die kalte Luft ins Auto gedrückt. Dadurch war es innen wie aussen nur gerade 13°C beim Aufstehen. Die Sonne drückte bereits durch aber es blieb erst mal unangenehm kalt und windig. Ein paar Kilometer Piste und wir erreichten die Teerstrasse kurz vor Raufarhöfn. Etwas ausserhalb des Ortes hat ein kreativer Bauer aus mächtigen Steinblöcken eine Art Stonehenge Kreis aufgebaut. Entsprechend wurde das moderne Monument wohl Arctic Henge benannt. Auf einem Hügel sind die Steinpyramiden angeordnet, am Fusse des flachen Hügels blühte ein grosses Feld mit Lupinen.

Auf recht guten Pisten umrundeten wir die Halbinsel Melrakkasletta. Immer wieder führte die Strasse über Erdwälle von Insel zu Insel. Ausser vereinzelten Höfen war die vielseitige Vogelwelt, das einzige Lebenszeichen. Gerademal ein Auto begegnete uns auf dieser Strecke. Für kurze Zeit drohte der Himmel mit schwarzen Wolken und für ein paar Minuten nieselte es ganz leicht, bald war der Spuk aber wieder vorbei und die Sonne zeigte sich wie immer bisher. In Kopasker erreichten wir die Teerstrasse wieder. Witzig war in diesem Ort, dass nebst einem öffentlichen WC eine kostenlose Autowaschstelle eingerichtet ist. Wir nutzten die Gelegenheit und spülten den angesammelten Staub, ja Staub, kein Schlamm. Von den Autos.

Kurz darauf bot ich die Gelegenheit die Füsse zu vertreten. Ein kurzer Weg führte über eine Wiese zu einem felsigen Hügel. Über einen steilen, rutschigen Pfad erklommen wir den Hügel auf welchem das Grab eines mystischen Norwegers liegt. Dieser soll nach einem Verbrechen von Norwegen hierher geflüchtet sein und sich versteckt haben, eine weitere der unzähligen isländischen Sagen und Mythen. Nun, vom Grab sind einzig ein paar angeordnete Steinbalken zusehen, aber die Aussicht aufs war den Aufstieg wert gewesen.

Bald darauf erreichten wir den Jökulsargljufur Nationalpark wo wir uns im hübsch angelegten Campingplatz einrichteten. Da es noch früher Nachmittag war, blieb uns viel Zeit für die kurze Wanderung auf die nahen Klippen. Wie ein Schiff ragt eine Felszunge zwischen zwei Tälern aus der Ebene. Die Oberfläche des Plateaus weist eine interessante Flora auf und man wundert sich oft, wie es den Pflanzen überhaupt gelingt hier zu gedeihen. An der südlichen Spitze hat man einen herrlichen Ausblick auf den hufeisenförmigen Talkessel mit seinen senkrechten Lavaklippen.

Wir genossen den sonnigen und sehr milden Abend bis spät. Als wir um halb elf zu Bett gingen war es noch immer 17°C!

Strahlender Sonnenschein und angenehme Temperaturen liessen uns draussen im T-Shirt frühstücken. Anschliessend unternahmen wir eine weitere, bedeutend längere Wanderung über die Westseite des Tales. Auch hier überraschte uns die vielseitige Landschaft. Nachdem wir oberhalb des Sees am Ende des Talkessels angelangt waren, führte der Pfad nach Osten weiter. Mitten auf der Hochebene tauchten kleine, dunkelsandige Dünen auf. Die Formenvielfalt war interessant. Auch Vögel begleiteten uns auf dem weiteren Weg. Vor allem ein Goldregenpfeifer und ein Regenbrachvogel bleiben längere Zeit in der Nähe und unterhielten uns mit ihrem Gesang.

Als wir an den Klippen über dem Fluss Jökulsa a Fjöllum ankamen, genossen wir eine Mittagsrast mit bester Aussicht hinunter auf den tosenden Fluss. Der Rückweg führte uns durch niederen Birkenwald und vorbei an saftigen Wiesen hinunter in die Ebene und zurück zu unserem Camp.

 

Auf der Weiterfahrt machten wir den ersten Halt am Dettifoss, dem mächtigsten aller Wasserfälle auf Island und dem grössten ganz Europas. Die tosenden, grauen Wassermassen stürzen in einen schmalen Schlund und die Gischt verpasst dem Besucher je nach Windrichtung eine heftige Dusche. Von verschiedenen Aussichtspunkten aus lässt sich das Spektakel beobachten. Zum Fotografieren sind die Morgenstunden aber leider nicht ideal, denn man blickt immer in die Sonne. Ein paar Hundert Meter flussaufwärts kann man einen weiteren Wasserfall besuchen, den Selfoss. Bei diesem fällt das Wasser breit gefächert in vielen Einzelfällen über die Felsstufe, nicht ganz so eindrücklich, aber durchaus auch sehenswert.

Islands zentraler Norden

Nach wenigen Kilometern erreichten wir die Ringstrasse. Der Wegweiser zeigte auf, dass wir nach nur 166 Km wieder am Fährhafen wären, wir hatten allerdings bis anhin über 500 Km zurückgelegt.

Ein kurzer Abstecher nach Norden führte uns am ältesten geothermischen Kraftwerk vorbei zum Kratersee Viti. Der knallblaue, fast kreisrunde See liegt in einem erloschenen Krater und bildet einen krassen Farbkontrast zu den grauschwarzen Lavaaschehügel drum herum.

Unweit liegt auch ein relativ neues Lavafeld welches man auf einer 5 Km langen Rundwanderung erkunden kann. Von einem Aussichtspunkt erkennt man wie weit sich das riesige Lavafeld ausdehnt. Überall tritt Dampf aus Spalten und Löchern und an einigen Stellen haben sich auch Schwefelablagerungen angesammelt. Schroffe Lavabrocken wechselten sich ab mit Elefantenhaut ähnlichen Oberflächen. Erste Flechten besiedeln die 1984 entstandenen Lavafelder als erstes, aber schon folgen auch erste Blumen.

Zurück an der Ringstrasse kann man ein weiteres geothermisches Areal erkunden, den Namafjall. Neben ausgedehnten, vielfarbigen Schwefelablagerungen trifft man hier vor allem auf viele Schlammtöpfe. Je nach Viskosität des Schlammes blubbern sie nervös und hektisch oder aber bilden zähflüssige Blasen die in klebrigen Eruptionen platzen. Seit wir in Island gelandet sind ist das übrigens die erste Gegend wo es überall etwas mehr Besucher hat. Nicht das es überlaufen gewesen wäre, aber nach den weniger besuchten Regionen ist es uns doch aufgefallen.

Am Myvatn, dem Mückensee, quartierten wir uns schliesslich in einem Campingplatz ein. Das Wetter war zwar noch immer meist sonnig, aber ein kühler und kräftiger Wind zwang uns in den Windschatten des Autos um den Apéro zu geniessen.

Bevor wir zur Wanderung zum Hverfjall Vulkan starteten, fuhren wir noch zu den nahgelegenen Höhlen von Grjótagjá hin. In einem Lavafeld entstanden diese Höhlen und füllten sich in der Folge mit warmem Wasser. Als in der Nähe vor ein paar Jahren ein weiterer Vulkan ausbrach wurde das Wasser so heiss, dass man nicht mehr darin baden konnte. Auch ist das Gewölbe stark einsturzgefährdet, sodass es auch unsicher ist.

Nur einige Kilometer weiter parkten wir beim Dimmuborgir Lavafeld, um von dort aus zum Vulkankrater Hverfjall zu wandern. Erst bewunderten wir aber auf dem Weg die Lavatürme die sich beim Erkalten des Lavastroms gebildet hatten. Beim Fusse des Vukans angekommen, starteten wir den steilen Anstieg. Die lose Asche machten das gehen nicht einfach, aber nach kurzer Zeit standen wir am Kraterrand und genossen den Ausblick auf den Krater und den nahen Myvatn, den Mückensee. Auf demselben Weg ging es zurück zum Auto.

Schon am Morgen war es bedeckt gewesen und nun drohte das erste Mal Regen. Wir hielten noch einige Male entlang des Sees und bewunderten die Vogelwelt und die Vulkan-geschaffene Landschaft. Bei der Weiterfahrt begann es dann aber tatsächlich zu regnen. Der Zwischenhalt beim Godafoss war dann auch etwas trübe, aber nichtsdestotrotz eindrücklich.

In Akureyri konnten wir wieder gross einkaufen. Ein kurzer Rundgang durch die Fussgängerzone vermittelte uns einen kleinen Eindruck der Stadt. Neben einigen Museen bot uns die Stadt nicht allzuviel und so machten wir uns auf den Weg nach Raudanes, ca. 30 km nördlich von Akureyri. Wir wollten dort übernachten und anderntags eine Waltour unternehmen. Als wir ankamen, waren wir total überrascht von den vielen Campern auf dem Campingplatz und den vielen Besuchern im Ort. Erst dachten wir es sei ein Festival im Gange, eine Nachfrage bei einem Isländer offenbarte dann aber, dass eine Riesenkarawane von isländischen Wohnmobilisten den Ort für ein Treffen auserkoren hatten. Wir entschlossen uns daher nach Dalvik weiterzufahren, denn auch dort hat es einen Campingplatz und werden Waltouren angeboten.

Das Wetter klarte am nächsten Morgen bald auf, aber der Wind hatte stark aufgefrischt. Wir beschlossen die Nachmittagstour zu buchen, da der Wind sich abschwächen sollte. Das stellte sich schliesslich als guter Entscheid heraus, denn es wurde zunehmend wärmer und auch weniger windig.

Um ein Uhr trafen wir uns beim Büro und liessen uns in wetterfeste Overalls einkleiden. Mit einer halben Stunde Verspätung stachen wir auf dem alten, umgebauten Fischkutter in See. Um zum Eingang des Fjords zu gelangen, dauerte es eine gute Stunde. Dann begann der Käptn nach Walen zu suchen und wurde auch bald fündig. Es waren zwar erst mal nur Zwergwale auf grosse Distanz aber bis wir zurückfuhren, hatten wir einige Zwerg- aber auch Buckelwale gesichtet und konnten sie zum Teil aus recht kurzer Distanz beobachten. Einige der Wale tauchten dann auch ab und zeigten und die Schwarzflosse eindrücklich.

Auf dem Rückweg gab es noch eine kleine Erfrischung. Da die Fahrt verspätet begann und auch etwas länger als normal dauerte, wurde es fünf bis wir wieder im Hafen waren. Wir beschlossen deshalb noch eine Nacht zu bleiben.