Oahu

Der Flug mit der Hawaiian Airlines von Los Angeles nach Honolulu verlief reibungslos, ausser einem Mittagessen war aber im Ticket gar nichts inbegriffen. Keine Kopfhörer, keine Onboard Unterhaltung, keine Drinks und auch das eingecheckte Gepäckstück kostet pro Flugsegment 25 $, bzw. 15 $ wenn man sich als Vielflieger anmeldet.

Die Wege am Flughafen von Honolulu waren im Vergleich zum Los Angeles Airport erstaunlich lang, so erreichten wir zusammen mit unserem Gepäck die Ausgabe. Um den Mietwagen abzuholen mussten wir recht lange auf den Shuttlebus warten. Beim Vermieter angekommen wurde uns erst ein Auto übergeben, welches starke Vibrationen in der Lenkung aufwies. Nach Reklamation bekamen wir aber anstandslos ein anderes. Mit dem eigenen GPS gelangten wir in kurzer Zeit zu unserer Unterkunft. Diese lag nicht weit von der China Town. Die AirBnB Unterkunft war OK wenn auch etwas viele Familienmitglieder die gemeinsamen Räumlichkeiten benutzten, so dass es im Bad und am Esstisch zu Engpässen kam.

Anderntags machten wir eine Rundtour an die Nordküste. Diese ist im Winter berühmt für die riesigen Wellen. Nicht umsonst findet Anfang Dezember hier einer der grössten Surfwettbewerbe statt. Wir konnten bereits einige der Profis beim Trainieren beobachten, ziemlich eindrücklich! Ganz Oahu ist recht touristisch und für viele Feriengäste die einzige Insel die sie besuchen. Zudem leben auch von den Einheimischen mit Abstand die meisten hier. Es war deshalb nicht verwunderlich, dass der Verkehr, vor allem um Honolulu sehr dicht ist und Staus an der Tagesordnung. Schön in Hawaii ist, dass der Zugang zum Strand generell öffentlich ist, so dass man zum Teil auch in trendigen und luxuriösen Hotels den Strand nutzen kann, auch wenn man nicht dort logiert. Da könnte sich manches Land ein Beispiel nehmen, so auch die Schweiz an den Seen.

Am zweiten Tag auf Oahu fuhren wir als erstes in den Süden hinunter um in der Hanauma Bay zu schnorcheln. Die Anzahl Besucher wird dort auf Grund des Grossandrangs zum Glück beschränkt und bevor man an den Strand hinunter darf, muss man sich ein Instruktionsvideo anschauen in welchem das Naturreservat vorgestellt und die Verhaltensregeln erklärt werden. Leider war der Seegang recht hoch, so dass das Wasser etwas aufgewühlt und die Sicht dadurch etwas getrübt war. Auch die Strömungen waren dadurch recht stark. Aber trotzdem war es unglaublich, dass man schon im hüfttiefen Wasser unzählige Rifffische aus nächster Nähe beobachten kann. Aber auch am Strand selber, beziehungsweise auf den dahinter liegenden Rasen, gab es viel zu sehen. Mungos, wie die meisten Tiere von frühen Besuchern nach Hawaii gebracht, und viele Vögel kann man beobachten.

Eine Wanderung hoch zum Diamond Head verschaffte uns eine herrliche Aussicht auf den tief unter uns liegenden Waikikki Beach. Dieser erloschene Vulkankrater hat an seinem Rand eine ganze Reihe Bunker aus der Zeit des 2. Weltkriegs eingebaut. Diese hatten aber den Angriff der Japaner auf Pearl Harbour nicht abwehren können.

Anschliessend fuhren wir nach Waikikki hinunter und schlenderten dem berühmten Strand entlang. Es war offensichtlich, dass diese Gegend nach wie vor das Zentrum des Tourismus ist, Souvenirläden und Restaurants, sowie jede Art von Unterhaltung werden hier der Masse angeboten. Wir machten einen Abstecher in die im Hinterland liegenden Berge und erfreuten uns an den herrlichen Regenwäldern, sie machten ihrem Namen auch tatsächlich Ehre, denn zeitweise schüttete es wie aus Kübeln.

Da an diesem Tag Thanksgiving gefeiert wurde, waren viele Restaurants und auch viele Geschäfte geschlossen, sehr ungewöhnlich in der USA sind doch Feiertage normalerweise sehr gute Umsatzbringer. Für uns bedeutete das, dass wir einige Zeit durch die Strassen der Stadt cruisen mussten bis wir schliesslich ein feines Dim Sum Restaurant fanden. Die Chinesen liessen sich offensichtlich das Geschäft nicht entgehen.

An unserem letzten Tag auf Oahu war das Wetter nochmal eine Runde unbeständiger. In der Nordwestecke der Insel, die heute unser Ziel war, besserte sich das Wetter jedoch bald. Diese Gegend ist windabgewandt und der Regen bleibt an den hohen Bergen hängen. Das Resultat ist meist sonniges Wetter und schon fast wüstenartige Vegetation. Viel gibt es aber in dieser Gegend nicht zu sehen und mit Baden oder Schnorcheln war nicht viel zu machen, da die  Brandung wie schon in den letzten Tagen sehr stark und daher für uns zu gefährlich war. Vor unserem Weiterflug nach Hawaii besuchten wir noch das Bishop Museum. In diesem altehrwürdigen Gebäude erfährt man sehr viel über die Kultur der Polynesier und die Geschichte Hawaii’s. Die Ausstellung ist allerdings etwas schwer verdaulich, denn sie kommt, verglichen mit modern ausgestatteten Museen, etwas altbacken daher. Nichts desto trotz gewinnt man einen guten Überblick über die Besiedlung des Pazifiks und insbesondere Hawaii’s.


Hawaii, The Big Island

Bei unserer Ankunft schüttete es wie aus Kübeln und die Fahrt zur nahen Unterkunft war ziemlich stressig. Dank GPS fanden wir das Haus aber ohne Probleme. Es stellte sich heraus, dass wir hier eine sehr gute Wahl getroffen hatten. Die jungen Gastgeber waren sehr offen und kommunikativ, so dass sich schnell eine gute Stimmung einstellte. Nachdem wir eingeräumt hatten, fuhren wir zurück nach Hilo und folgten der Empfehlung im Restaurant Pineapples zu Nacht zu essen.

Am ersten Tag nach unserer Ankunft blieben wir in der Nähe Hilos und erkundeten den Ostzipfel der Insel. Ein erster Besuch galt dem Lava Tree State Monument. Auf dem Gelände findet man eine ganze Reihe von Baumresten welche bei einem Lavafluss von der flüssigen Magma verbrannt wurden und als die Masse abfloss blieben hohle Baumstümpfe aus ausgehärteter Lava zurück. Bis zu einigen Metern hoch stehen nun diese Lavabäume im Regenwald. Aber auch die abwechslungsreiche Pflanzenwelt lohnte ein genaueres hinschauen. Pflanzen welche wir  Zuhause für teures Geld als Topfpflanzen kaufen, wachsen hier um ein vielfaches grösser in den Himmel. Zum Beispiel klettern die Philodendron an den mächtigen Bäumen hoch und haben riesige Blätter.

An der Küste entlang fuhren wir dann hinunter nach Kaimu. Die kleine Siedlung wurde durch einen Lavafluss im Jahr 1983 bedeckt und dadurch zerstört. Heute etwas abseits wieder aufgebaut beherbergt das Dorf eine etwas schrille Hippiekommune. Es ist eindrücklich die pechschwarze Masse zu sehen welche es von weit oben am Vulkan bis ins Meer geschafft hat und alles im Weg stehende überflutete. In der Ferne konnte man auch die Dampfwolken, verursacht durch einen aktuellen Lavafluss sehen, welcher ebenfalls bis an die Küste fliesst. Um diesen aus der Nähe zu sehen wanderten wir anderentags von der Nationalparkseite aus 8 km der Küste entlang. Während oben am Kilauea Krater das Wetter neblig war und Nieselregen die Landschaft verbarg, war es unten an der Küste ziemlich sonnig und auch bedeutend wärmer. Der kräftige Wind wühlte die See mächtig auf und verschaffte uns etwas Abkühlung. Schliesslich gelangten wir durch ein frisches Lavafeld, wo die Luft an einigen Stellen über der abkühlenden Lava immer noch flimmert, au die Nordseite des Lavastromes und das im Wissen, dass die flüssige Lava nur ein paar Meter unter unseren Füssen zum Meer fliesst. Aus Sicherheitsgründen kommt man nur auf ein paar Hundert Meter an die Stelle heran, wo die Lava ins Wasser fliesst. Immer wieder kommt es zu gewaltigen Dampfexplosionen und auch aus der Ferne kann man sehen wie das Meerwasser richtiggehend zum Kochen gebracht wird.

Auf der Fahrt um die Südspitze der Insel kamen wir noch einmal durch den Nationalpark. Das Wetter war etwas besser und so konnten wir auch den Ausbruch im Kilauea Krater beobachten, wenn auch wieder aus sehr sicherer Distanz. Die Lava spritzt hier dünnflüssig in die Höhe, auch aus rund zwei Kilometern erkennbar. Eine kurze Wanderung führt den Besucher durch einen Lavatunnel. Nach einem Ausbruch kühlt die Oberfläche zunehmend ab, während darunter die Lava noch immer flüssig ist. Versiegt der Fluss dann, passiert es zum Teil, dass die restliche Lava abfliesst und grosse Tunnels hinterlässt. Den einen kann man heute gefahrlos durchwandern. Das erschlossene Teilstück ist etwa 3 Meter im Durchmesser und hat eine Länge von ein paar Hundert Metern.

Ein weiterer Höhepunkt unserer Inselrundfahrt war der Black Sand Beach. Wie der Name schon sagt, besteht der Strand aus pechschwarzem, glänzendem Sand. Die Lavafelsen werden von der Brandung zu feinem Sand zerrieben und schliesslich am Ufer deponiert. Hier hatten wir auch das Glück einige grüne Seeschildkröten zu sehen. Die Tiere kommen gerne an diesen Strand um sich auszuruhen und lassen sich von den neugierigen Menschen nicht stören.

Bevor wir den südlichsten Punkt Hawaii’s und damit auch der ganzen USA erreichten, genossen wir feine Patisserie aus der ebenso südlichsten Bäckerei der USA. Die Südspitze der Insel hat eine ganz eigene, sehr trockene Landschaft. Der stetige Wind und die fehlenden Regenfälle trocknen die Gegend aus, so dass es eher wie in einer Wüste aussieht. An den Klippen hat es immer ein paar Fischer die der tosenden See ein paar Fische entlocken wollen. Ganz ungefährlich ist das wohl nicht denn der Wind bläst hier oft mit Orkanstärke.

Wir quartierten uns wieder in einem AirBnB ein stellten aber bald fest, dass die Unterkunft und die Gastgeberin nicht unseren Erwartungen entsprach. Ein Nachteil war, dass im Umkreis von 30 km weder Restaurants noch Einkaufsmöglichkeiten zu finden sind, so dass man jedes Mal recht weit fahren muss. Die Küche entpuppte sich zudem als schmuddelige Abstellkammer, kaum geeignet etwas zu kochen. Nun, man kann nicht jedes Mal gewinnen und beim Recherchieren muss man halt auch etwas besser aufpassen wenn man die Lage beurteilt.

Wir besuchten in der Nähe von Captain Cook, der Ort heisst tatsächlich so, die kleine „Painted Church“. Die einfach dekorierte Kirche überrascht vor allem mit einer Wandbildszene, welche der Sicht von der Axenstrasse am Vierwaldstättersee Richtung Flüelen sehr ähnlich ist. Ob diese Aussicht tatsächlich Modell für das Wandbild war konnten wir nicht in Erfahrung bringen. Unten an der Küste kann man einen heiligen Ort der Urhawaiianer besichtigen. Heute steht er unter dem Schutz des Nationalparkservices. In der Vergangenheit konnte jeder Verfolgte auf Begnadigung hoffen, wenn er es denn schaffte die Tempel hinter einer massiven Lavasteinmauer zu erreichen. Das erkannte man als Wink der Götter und dadurch wurde der Verfolgte von der Strafe verschont. Gleich daneben befinden sich ein kleiner Strand und ein Korallenriff. Nur ein paar Meter  vom Ufer kann man beim Schnorcheln eine Vielzahl von farbigen Fischen beobachten. Ohne Scheu lassen sie die Menschen bis auf Armeslänge an sich heran. Eine der vielen Arten die man sieht ist Hawaii’s Staatsfisch, der Humuhumunukunukuapua’a. Das Wasser war hier viel klarer nicht zuletzt weil diese Küste generell viel weniger windig und das Wasser daher ruhiger ist.

Der Küste entlang fuhren wir noch bis Kailua-Kona. Dieser Ort, neben Hilo der einzig grössere auf Hawaii, ist das Zentrum des Tourismus. Da die Westseite der Insel viel sonniger und trockener ist und zudem einige sehr schöne Strände aufweist, ist es nicht überraschend die beliebteste Gegend um Badeferien zu machen. Das bringt mit sich, dass das Angebot auf diese Klientel abgestimmt ist: Souvenirläden, Restaurants und aller Gattung „Abenteuer“ werden entsprechend angeboten.

Da uns die Unterkunft gar nicht behagte, beschlossen wir einen Tag vorzeitig nach Hilo zurückzufahren. Zum Glück kamen wir auch wieder bei Jake und Andrea unter. Die Fahrt zurück nach Hilo fiel dann weitgehend ins Wasser. Bis Kona war das Wetter noch trocken und warm. Als wir aber in die Berge bei Waimea hochfuhren, stellte sich uns eine schwarze Wolkenwand entgegen. Es schüttete dann bis kurz vor unserem Ziel.

Wir nisteten uns wieder bei Jake und Andrea ein und stellten bald fest, dass im ganzen Haus kein Strom vorhanden war. Es stellte sich heraus, dass die Vormieterin ihr Konto geschlossen hatte ohne dass Jake genug Zeit hatte den Anschluss umzumelden. Wir hatten trotzdem einen netten Abend zusammen, halt bei Kerzenlicht. Damit wir trotzdem wenigstes kochen konnten, fuhr Jake in die Stadt und kaufte einen Campinggaskocher. Wir kochten ihnen ein Fischcurry so dass sie trotz Stress und Ärger wenigstens ein feines Nachtessen geniessen konnten.

Am Morgen war der Himmel verhangen und es schüttete den ganzen Vormittag heftig. Wir konnten uns beim Nachbarn ins ungesicherte WiFi einloggen und bis die Batterien der Tablets leer waren im Internet surfen. Nach dem Mittag kamen die beiden Gastgeber aus der Schule zurück und wir konnten uns gebührend bedanken und verabschieden. Aus AirBnB Gastgebern sind in wenigen Tagen Freunde geworden. Auf dem Weg zum Flughafen besichtigten wir in der Stadt noch das Discovery Center, ein attraktives Museum, in welchem man ausführlich und interessant dargestellt Informationen über das Meer um die Hawaiianischen Inseln und den Archipel nordwestlich davon bekommt.

 

Bei nach wie vor starker Bewölkung aber immerhin ohne Regen hopsten wir weiter auf die Insel Maui. Über dem Mauna Kea konnten wir aus dem Flugzeugfenster den glühend roten Himmel des Sonnenuntergangs beobachten bevor es Nacht wurde.

Video  - Lavafluss ins Meer


Maui

Unser erster Ausflug galt dem westlichen Teil der Insel. Im Zentrum der grossen, zerklüfteten  Halbinsel liegt der rund 1800 m hohe Puu Kuki. Die Strasse führt direkt am Meer entlang rundherum. Von einem Aussichtspunkt konnten wir in der Ferne Buckelwale beobachten. Diese kommen im Winter vom kalten Alaska hierher und zu kalben. Lahaina, eine Touristenhochburg an der sonnigen und trockenen Westküste war unser nächstes Ziel. Auch hier herrschen im alten Zentrum die typischen Läden für die vielen Besucher vor. Die Hotls liegen alle der Küste entlang aber auch hier bleiben die Strände der Öffentlichkeit zugänglich. Die Nordspritze ist dann eine Steilküste aus schwarzen Lavafelsen. Eine kurze Wanderung führte uns zu einem „Blowhole“. Dort pressen die hohen Wellen das Wasser in riesigen Fontänen und lauten fauchen durch einen Tunnel nach oben, ein Spektakel. Die Strasse wurde nun zunehmend schmaler und oft nur noch einspurig. Viel Verkehr hatte es aber zum Glück nicht.

Um den Ostteil der Insel zu erkunden benötigt man einen ganzen Tag. Zwar ist die gesamte Strecke nur etwa 180 Km, aber die Strasse bis nach Hana ist so schmal und kurvenreich, dass man allein für diese 80 Km etwa 3h benötigt. Dazu kommt, dass die Landschaft immer wieder zu Abstechern und Stopp verleitet. Die Nordostseite der Insel erhält die meisten Niederschläge, so dass die Vegetation entsprechend üppig ist. Die Wanderwege aber sind halt dann auch schlammig und rutschig. Wir unternahmen die kurzen Wanderungen in den Teva Sandalen, so dass wir am Ende Schuhe und Füsse abspülen konnten. An dieser Strasse befindet es hinter Hana einen Teil des Haleakala National Parks. Auf kurzen Wanderungen kann man sowohl die schwarze Lavalandschaft an der Küste wie auch das tief eingeschnittene Tal mit seinen Wasserfällen erkunden.

Danach wird die Strasse vorübergehend noch rumpliger und bleibt sehr schmal. Die Küstenlandschaft bleibt aber spektakulär, bis sie dann im Regenschatten des Haleakala Vulkans immer trockener wird und in magere Weiden übergeht. Dann wird die Strasse wieder besser du zweispurig, so dann man zügig zurück in die Zivilisation gelangt.

Ein Höhepunkt unseres Maui Aufenthalts war sicher der Besuch des Haleakala Vulkans. Von Meereshöhe fährt man hoch bis zum Gipfel des Vulkans auf über 3000 m. Dort geniesst man eine 360° Rundumsicht, so das Wetter mitspielt. Auch eine astronomische Beobachtungsstation mit mehreren Teleskopen ist dort angesiedelt. Aber die Dimensionen und die vielfältige Landschaft und Flora des mächtigen Vulkans erkennt man wohl erst richtig, wenn man sich in den Krater selbst begibt. Schon über 200 Jahre hat es auf Maui keine Vulkanaktivität mehr gegeben, so dass es absolut sicher ist in den Krater abzusteigen. Über 900 m geht es hinunter in einen riesigen Kessel in welchem man mehreren Minivulkankratern begegnet. Zum Teil wandert man durch Aschefelder, dann wieder durch zerklüftete Lavafelder. Ganz erstaunlich ist die Vielzahl von Pflanzen welche in dieser unwirklichen Umgebung einen Platz gefunden haben. Woher das „Silversword“ (Silberschwert) seinen Namen hat ist leicht ersichtlich, hunderte von säbelartigen Blättern leuchten silbern wenn die Sonne darauf scheint. Mit dem Wetter hatten wir Glück, denn den grössten Teil der Wanderung konnten wir bei leichter Bewölkung und immer wieder eindringenden, dramatisch wirkenden Nebelschwaden geniessen. Am Nordende des Kraters ist der Rand wegerodiert, so dass dort tiefliegende Wolken in den Krater eindringen können. Entsprechend regenet es hier häufiger und die Vegetation ist viel üppiger als im Zentrum des Kratters. Sogar die „Nene“, eine endemische Gansgattung, trifft man hier an. Als wir den steilen Anstieg zurück zum Kraterrand unter die Füsse nahmen, begann es aus dem nunmehr dichten Nebel zu nieseln und kurz vor Ende begann es zu schütten. Nach fast 20 Km und 5 ½ h erreichten wir die Strasse wieder. Dort machten wir Autostopp und schon das zweite Auto erbarmte sich unser. In wenigen Minuten wurden wir bei unserem Mietwagen abgesetzt.

Wir spürten die Wanderung ganz schön in den Knochen und Muskeln und erholten uns daher am Ulea Beach an der sonnigen Südküste. Nick, unser Gastgeben, hatte uns diesen Tip gegeben. Auch dort kann man in mitten der Luxushotels parken und den Strand geniessen. Wir fanden eine schöne, schattige Ecke am Rand der Bucht, ganz für uns allein. Entlang einer Felshalbinsel kann man wunderbar schnorcheln. Schöne Korallen und viele Fische gibt es in wenigen Metern Tiefe zu bestaunen.

Am Abend hatte uns Nick eingeladen an der Sunsetcruise auf der Ali’i Nui, er ist auf diesem wunderschönen Katamaran der Kapitän, eingeladen. Normalerweise kostet dieser Luxustrip 140 USD pro Person, dafür wird man dann aber von einer professionellen Crew verwöhnt. Essen und Trinken ist dann auch im Preis inbegriffen. Unsere Kosten beschränkten sich schliesslich auf ein grosszügiges Trinkgeld für die Crew. Erst hoffte der Skipper, dass wir unter Segel den Sonnuntergang geniessen könnten. Kaum vom Ufer weggefahren schlief aber der Wind ein. Wir genossen die schöne Stimmung, die feinen Drinks und das gute Essen an Bord. Aus der Ferne konnten wir sogar ein paar Buckelwale sichten und als der Skipper ein Hydrofon ins Wasser absenkte konnten wir über Lautsprecher die Gesänge der mächtigen Tiere hören. Nach zwei Stunden erreichten wir den Hafen wieder und fuhren zurück zur Unterkunft. Die Crew musste noch das Boot in Ordnung bringen, denn schon früh am nächsten Morgen war dieses bereits wieder im Einsatz.

 

Schon war es wieder Zeit die Insel zu wechseln. Bei regnerischem Wetter fiel uns das etwas leichter. Auf dem Weg zum Flughafen gaben wir noch die beiden kleinen Pakete mit Geschenken für Myrta’s Grosskindern auf. Obschon wir ja nur Kleinigkeiten verschickten, mussten wir den ganzen Formularkram ausfüllen, so dass uns die Zeit langsam davon rannte. Ziemlich knapp erreichten wir den Flughafen aber wegen der Baustellen mussten wir noch einmal eine Ehrenrunde drehen bevor wir den Wagen abgeben und  mit dem Shuttlebus zum Terminal fahren konnten. Einchecken und die Sicherheitskontrolle verlief aber reibungslos, so dass wir noch zeitig zum Gate kamen. Der Flug war kurz, die Aussicht Null. 


Kauai

Wir erreichten unsere Airbnb Unterkunft gegen 14 Uhr, eigentlich zu früh zum Einchecken. Das Zimmer war aber bereits geräumt und Brian, der Besitzer sah kein Problem darin das Zimmer früher zu beziehen. Die Betten mussten wir zwar selber beziehen, aber dadurch ist die Unterkunft auch verhältnismässig günstig. Nun da wir gesehen hatten wie die Küche eingerichtet ist, fuhren wir anschliessend zurück in nahe Kapaa um Lebensmittel einzukaufen. Wie überall auf Hawaii sind diese auch in den üblichen Supermarktketten doch markant teurer verglichen mit dem Festland. Aber das gilt natürlich noch deutlicher für Restaurants.

Kapaa liegt etwa in der Mitte der Ostküste und ist daher ein guter Ausgangspunkt um die Insel zu erkunden. Als erstes machten wir einen Ausflug an die Nordküste. Wir fuhren direkt an das Ende der Strasse, denn im Gegensatz zu Hawaii und Maui führt auf Kauai keine Strasse ganz um die Insel herum. Am Ke’e Beach beginnt auch der Wanderweg der Na Pali Küste entlang. Dieser Abschnitt der Insel gilt als der landschaftlich spektakulärste. Da es aber in den letzten Tagen zum Teil kräftig geregnet hatte, war der Weg schlammig und daher rutschig, im steilen Gelände zu heikel für uns. Wir unternahmen einen Spaziergang dem Strand entlang und sahen eine Mönchsrobbe (Monk Seal) im Sand liegen. Erst dachten wir sie sei tot an den Strand gespült worden, aber als wir näher gingen stellten wir fest, dass das Tier zum Ausruhen dort lag und sich von den Strandbesuchern in keiner Weise stören liess. Von dieser Art soll es angeblich nur noch etwa 1200 Tiere geben, davon leben wiederum nur gerade 100 Tiere im Bereich der Hawaiianischen Hauptinseln. Da sie üblicherweise auf vorgelagerten Felsinseln hausen, ist es schon ein riesiger Zufall dieses Tier überhaupt in der Natur zu sehen.

Im Vergleich zu den andern Inseln ist Kauai nur wenig besiedelt und auch die Ferienanlagen sind nicht so dicht angelegt. Die Strände sind kaum besucht und auch wieder gut zugänglich. Aber auch hier waren die Brandung und die Strömungen stark, was das Baden trotz „Lifeguards“ riskant macht. Die Landschaft ist sehr grün mit üppiger Vegetation, nicht ohne Grund wird die Insel auch „Garden Island“ benannt. Auch Tarofelder sind recht verbreitet. Dieses stärkehaltige Wurzelgemüse wurde von den Polynesiern auf die Inseln gebracht und bildetete lange die Nahrungsgrundlage im ganzen Pazifikraum. Einen Abstecher machten wir zum Lilaue Leuchtturm. Dieser steht auf einem windumtosten Felsvorsprung in einem Wildreservat. Auf dem Rückweg zur Hauptstrasse stärkten wir und bei einem der vielen „Food Trucks“, einer Spezialität auf Hawaii. Bei diesen kann man gut und relativ günstig essen und die Qualität wie auch die Auswahl ist oft besser als in den üblichen Fastfood Restaurants.

Anderntags machten wir eine kleine Runde in der Umgebung von Kapaa. Auf kleinen Strassen fuhren wir durchs Hinterland der Stadt. Vorbei am Opeaka’a Wasserfall gelangten wir dort zurück auf die Hauptstrasse wo sich der Wailua River ins Meer ergiesst. War sahen, dass auf dem Fluss Kanurennen im Gange waren und parkten das Auto in der Nähe. Die einheimischen Zuschauer am Ufer feuerten ihre Favoriten lautstark an. Immer sechs Ruderer waren in einen der Kanus welche mit einem Ausleger ausgestattet sind. Die Rennen erstreckten sich über mehrere Kilometer und die stärksten zwei  Mannschaften setzten sich bald ab und lieferten sich ein Kopf an Kopf Rennen. Mit viel Geschrei und Applaus der vielen Zuschauer wurden sie am Ende belohnt.

Lihue bietet für Besucher nicht sehr viel ist aber das kommerzielle Zentrum und die grösste Stadt der Insel. Nördlich davon fuhren wir zum Hanamaulu Beach hinunter wo wir Fischer beim Netzfischen vom Ufer aus beobachten konnten. Aber auch ein Seevogel tauchte unermüdlich aus grosser Höhe ins Wasser, scheinbar erfolglos, denn immer wieder kam er zurück und versuchte es erneut. Am Lydgate Beach hat man mit einem Damm aus Lavafelsen einen natürlichen, grossen Pool abgetrennt. Dadurch kann man dort auch bei hohem Seegang gefahrlos schwimmen und schnorcheln. Erstaunlich auch hier wieder wie viele Fische man beim Schnorcheln sieht.

Da die Wetterprognose für den folgenden Tag recht gut gewesen war, machten wir uns auf, den Waimea Canyon zu besuchen. Dieser gewaltige Canyon erstreckt sich von den höchsten Bergen, hier immerhin 1500 m hoch, bis hinunter an die Südküste. Steil geht die Strasse hoch und am Ende steht man über 1000 m hoch über der Na Pali Küste. Nur für einen kurzen Augenblick erhaschten wir die Aussicht auf die grandiose Landschaft und schon deckte der Nebel die Sicht wieder zu. Als wir aber später die Aussichtspunkte anfuhren welche Sicht auf dem Waimea Canyon gewähren, hatte sich das Wetter aufgeklart. Kein Wunder wird diese mächtige Schlucht als „Grand Canyon des Pazifiks“ bezeichnet. Tief unten verläuft der Fluss und der Talboden ist entsprechend üppig bewachsen. Gespeist wir der Fluss durch einen hohen Wasserfall. Die Flanken der Schlucht sind hingegen nur spärlich bewachsen, so dass die rote Erde einen starken, farblichen Kontrast darstellt. Einige wilde Ziegen kletterten geschickt in den steilen Abgründen, Nachfahren der Tiere, welche von den ersten westlichen Entdeckern als Fleischvorrat für Schiffsbrüchige ausgesetzt worden waren.

An der Südküste besuchten wir das „Spouting Horn“, wieder eine der Stellen wo die heftige Brandung kraftvoll durchschiesst und mit einem fauchen in die Höhe spritzt. So richtig eindrücklich war es dann aber doch nicht, denn dafür war der Wellengang zu gering. Am Abend gingen wir ins Sam’s Ocean View Restaurant zum Nachtessen. Von der Terrasse geniesst man den Blick aufs Meer bei einem feinen Cocktail. Auch das Essen war hervorragend.

Auf dem letzten Campingplatz vor Los Angeles hatten wir Eric kennengelernt. Als er erfuhr, dass wir nach Kauai reisen werden, hat er uns einen Besuch auf einer exklusiven Kaffeeplantage organisiert. Diese lag nur ein paar Kilometer von unserer Unterkunft entfernt. Da der Besitzer Les für zwei Monate auf dem Festland weilte, zeigte uns der Manager Tai den kleinen Betrieb. Dieser hat zwei primäre  Standbeine, einerseits eine kleine Kaffeeplantage und andererseits mehrere Tabakfelder in der Umgebung. Der Kaffee ist biologisch produziert und durch die kleinen Mengen und die aufwändige Handarbeit kostet ein Pfund des edlen Produkts 40 USD. Es wird aber vor allem auch Kaffee vom Big Island und auch aus dem Ausland zugekauft und auf der Plantage geröstet. Tai war dann auch am rösten mehrerer Aufträge und konnte deshalb nicht mit uns durch die Plantage gehen. Der Tabak wird geerntet und dann nach Nicaragua verschifft um dort zu exklusiven Zigarren verarbeitet zu werden. Auf Hawaii mangelt es an qualifiziertem Personal um die Zigarren lokal rollen zu können.

Wir verbrachten den Nachmittag wiederum am Strand und gingen zum Apero zurück ins Zimmer. Auf der Terrasse genossen wir ein kühles, Hawaiianisches Bier, es ist nämlich überhaupt nicht korrekt wenn man glaubt, es gäbe dort keines, wie einem das alte Schunkellied glauben machen will. Als Angewöhnung an unser nächstes Reiseland assen wir in einem mexikanischen Restaurant zu Nacht. Ein Familienbetrieb welcher gute, mexikanische Spezialitäten auf den Tisch bringt. Die Bedienung freute sich über unsere Bemühungen mit ihr spanisch zu kommunizieren. Auf jeden Fall bekamen wir was wir wollten, ein gutes Omen für die Weiterreise nach Mexiko.

 

An unserem letzten Tag auf Hawaii hiess es früh aufstehen, denn unser Flug nach Honolulu startete bereits um 06:20 Uhr. Nach nur einer halben Stunde Flugzeit landeten wir wieder. Eine gute Stunde später ging es weiter nach Los Angeles wo wir unseren Camper unbeschadet wieder in Empfang nehmen konnten. Wir hatten im Joshua Tree Nationalpark Debbie und Steve kennengelernt und waren von ihnen eingeladen worden, sie nach unserer Rückkehr zu besuchen. Vom Hotel, wo das Auto während unserer Abwesenheit geparkt war, erreichten wir ihr Haus trotz Rushhour in weniger als einer Stunde und genossen ein feines Nachtessen und die nette Gesellschaft.



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