Die Karte kann beliebig gezoomt werden, so dass die Details besser ersichtlich sind.


Auf dem Weg nach Norden

Auf dem weiteren Weg nach Norden hatten wir vorne rechts immer wieder metallische Knirsch Geräusche im Rad. Eine erste Inspektion liess vermuten, dass  beim Bremsbelagwechsel in San Martin etwas schief gelaufen war. Dann aber bremste dieses Rad einige Male unerwartet und wir befürchteten etwas Grösseres. In San Rafael gingen wir in eine Garage und dort wurde festgestellt, dass sich das äussere Radlager verabschiedet hatte. Dadurch wurde das Rad nur noch durch das innere Lager und die Bremszange geführt was zu den Symptomen geführt hatte. Nun, wir hatten es zumindest mit Glück in die nächste grössere Stadt geschafft und da wir die notwendigen Ersatzteile an Bord hatten, war die Sache nach 2 ½ h wieder in Ordnung.  

Das war nun der erste Schaden am Landcruiser seit wir vor fast 2 Jahren gestartet waren. Auf fast 90‘000 Km waren wir noch nie hängengeblieben und ausser ein paar Kleinigkeiten hatten wir bis anhin nur Servicearbeiten zu erledigen. Wir können dem Loblied über die robusten Landcruiser nur zustimmen und hoffen, dass das auch so bleiben wird.

Es wurde dann doch recht spät bis wir los konnten und die Jungs in der Garage hatten uns ermuntert zum Übernachten in den Canyon Atuel hinauszufahren. Die Landschaft sei schön  und es gäbe viele Übenachtungsmöglichkeiten. Nach gut einer halben Stunde waren dort und fanden in einem Camping Municipal beim Eindunkeln einen Stellplatz. Am Morgen fuhren wir dann noch hoch zum Staussee. Uns wunderte danach nicht mehr, dass der Fluss im Canyon nur ein verschlammtes Rinnsal war, der Stausee hatte nämlich kaum Wasser und das Wasserkraftwerk war wohl deshalb stillgelegt worden.


Die Stadt Mendoza

Auf Grund von entsprechenden Informationen waren wir überzeugt, dass bei unserer Ankunft in Mendoza die Festivitäten um das jährliche Weinfest noch in vollem Gange waren. Es stellte sich aber leider heraus, dass der fantastische Umzug nur Stunden vor unserem Eintreffen zum zweiten und letzten Mal durchgeführt worden war, schade. Nun ein Ruhetag im Camping Suizo genossen wir sowieso, insbesondere weil wir dort zum vierten Mal Karlheinz und seine kolumbianische Hündin Lisi trafen.

Andern Tags fuhr uns der Campingbesitzer in die Stadt rein und wir schauten uns im Zentrum etwas um. Uns vfiel auf, dass viele der Strassen von grossen Bäumen beschattet sind und daher auch an heissen Tagen die Temperaturen recht erträglich sind. Vom Centro Civico aus, ein modernes Bürogebäude, geniesst man den Ausblick auf die Stadt und die fernen Berge der Anden. Auch hier staunten wir wie grün die ganze Stadt eigentlich ist. Mit dem Bus fuhren wir zurück zum Campingplatz und genossen die verbleibende Zeit im Schatten der Bäume. Am Abend grillte Ueli ein schönes Rindsfilet. Die 1 ½ Kg reichten locker für uns zwei und Karlheinz als Gast.


Nationalpark Sierra de las Quijadas

Nach einigen Stunden Fahrt durch die flache Landschaft, erst waren es riesige Weinanbaugebiete, dann zunehmend Buschland ohne Zeichen von Zivilisation, erreichten wir den Nationalpark Sierra de las Quijadas. Der Park ist noch recht neu und unter Reisenden noch nicht sehr bekannt. Wir hatten bei Edgardo in einem Buch Bilder gesehen und da er an unserer Strecke nach Osten lag, war ein Zwischenstopp fast logisch.

Auf einer Piste kann man einige Kilometer weit hineinfahren und von dort aus einige kurze Wanderungen unternehmen. Von verschiedenen Aussichtspunkten sieht man die eindrücklichen Felsformationen in einigen Kilometern Entfernung. Will man näher heran, geht das leider nur mit einem Führer. Uns bleibt der Park dann auch vor allem in Erinnerung, weil wir drei neue Tierarten vor die Linse bekamen. Erst einmal trafen wir auf einem der Wanderungen auf ein unglaublich gut getarntes Stabinsekt mit einem Jungen. Myrta hätte das Tier nie gesehen, hätte es sich nicht zufällig bewegt. Die Tarnung ist so genial, dass man wirklich glaubt ein dünnes Ästchen liegt am Boden. Die feinen Beine erkennt man nur wenn man genau hinschaut. Auf dem Weg zum Campingplatz entdeckten war dann drei Maras, einer Art Riesenhase, der in der Gegend scheinbar recht verbreitet ist. Als wir uns im Campingplatz eingerichtet hatten stolperte Ueli fast über eine Klapperschlange, übrigens die erste die wir auf dieser Reise überhaupt zu Gesicht bekommen haben. Erst versteckte sie sich in den Büschen schlich dann aber unerwartet und gar nicht scheu unter unserem Auto durch und verschwand schliesslich wieder in den Büschen. Im Gespräch mit dem Guardaparque stellte sich heraus, dass unsere Entdeckung alles andere als alltäglich war, er hatte auf jeden Fall noch keine gesehn.


Sierra Cordoba

Bei Merlo, einer quirligen Stadt voller Touristen, steigt eine Teerstrasse 1300 Höhenmeter hoch zu einem Pass. Von dort geniesst man die Aussicht in die riesige Ebene durch welche wir erst noch gefahren waren. Dann geht die Strasse in eine schmale Piste über Richtung La Cruz. Die kurvige Route führt durch eine karge Hochebene und gleicht einer Achterbahnfahrt. Für die 70 Kilometer bis hinunter an einen Stausee benötigten wir fast drei Stunden. Weitgehend unberührte Landschaften mit herrlichen Weitblicken entschädigten uns für die Rumplerei. Am Stausee fanden wir dann einen wunderschönen Stellplatz. Unzählige Vogelarten liessen sich beobachten. Mutterseelenallein verbrachten wir einen sehr ruhigen Abend, nur gestört durch das gelegentliche Geschnatter und Gekrächze der nachbarlichen Vögel.


La Cumbrecita

Mitten in der Sierra Cordoba haben sich europäische Auswanderer ab 1934 ein Paradies erschaffen. In der kargen Berglandschaft haben sie tausende von Bäumen gepflanzt und nach und nach eine Siedlung erbaut immer mit der Auflage, dass die Bauherren bitte eine europäische Architektur verwenden müssen. Das heutige Resultat ist sehenswert, in einer ansonsten kargen Landschaft hat sich ein dichter, vielfältiger Wald mit unzähligen Baumarten entwickelt. Ein klarer Bach durchströmt den kleinen Ort, Wanderwegen führen durch den schattigen Wald und im Ortskern haben sich Restaurants, Souvenirläden, Kleinbrauereien und Hotels angesiedelt. Den Argentiniern muss das auch sehr gefallen, denn auch ausserhalb der Saison, an einem Werktag hatte es hunderte von Besuchern. Wir waren schon vor dem Mittag da gewesen und da hatte es noch nicht allzu viele Besucher. Als wir aber wieder wegfuhren waren die Parkplätze ziemlich voll. Am Wochenende oder in der Hochsaison muss hier die Hölle los sein.


Villa General Belgrano

Die kleine Stadt lebt hauptsächlich vom Tourismus. Viele der frühen Siedler waren Deutsche oder auch aus anderen europäischen Ländern. Sie haben ihre Kultur, natürlich dem Geschmack der meist Argentinischen Besucher angepasst, zum Teil erhalten. Gut Deutsch gesprochen wird wohl kaum noch, aber die Namen der Restaurants und Geschäfte ist mehrheitlich Deutschsprachig. Für uns war es witzig auch hier die Versuche etwas europäisches Flair zu vermitteln zu sehen. Die vielen Besucher vor allem am Wochenende beweist, dass deren Geschmack getroffen wird. Die Stadt rühmt sich die Hauptstadt des Bieres in Argentinien zu sein. Ein grossaufgezogenes Oktoberfest zieht dann auch Scharen von Besuchern an. 


Cordoba

Wie eigentlich immer, liessen wir unseren Camper ausserhalb zurück und fuhren mit dem Bus ins Stadtzentrum. Die Besitzerin des Campingplatzes hatte uns noch gewarnt, dass am Sonntag so ziemlich alles in Cordoba geschlossen sei. Nun, wir dachten dabei, dass wir ja eh nicht zum Shoppen in die Stadt fahren würden. Schliesslich war es dann aber so dass eigentlich gar nichts offen war und wir so ziemlich die einzigen Leute in den Strassen waren. Zudem war die halbe Fussgängerzone eine riesige Baustelle und wir empfanden das Stadtzentrum ziemlich vermüllt und wenig sehenswertem. Wir schlenderten in der Folge kreuz und quer durch die Innenstadt um nach knapp zwei Stunden wieder im Bus zurück zu sitzen. Ich glaube auch bei Hochbetrieb an einem Werktag, die Stadt hätte uns wohl trotzdem nicht beeindruckt….


Cañada de Gomez

Noch nie gehört? Nun, bevor wir die Familie Cabrera im Tierra del Fuego Nationalpark kennengelernt haben wir auch nicht. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Sie waren in ihren Ferien mit ihrem selbstausgebauten Wohnmobil über 3000 Km südwärts nach Patagonien gefahren. Als wir nun auf dem Weg Richtung Brasilien in der Nähe waren, meldeten wir uns wie abgemacht bei ihnen. Wir wurden eingeladen ein paar Tage mit ihnen zu verbringen. Sie bewohnen in der mittelgrossen Stadt Cañada de Gomez ein kleines Häuschen aber fanden trotzdem einen grosszügigen Schlafplatz für uns indem die Eltern ins Kinderzimmer zogen, die Kids bei Tante und Onkel in der Nachbarschaft untergebracht wurden und uns das elterliche Schlafzimmer zur Verfügung gestellt wurde.

Was wir in den nächsten Tagen in der Obhut der Cabreras erleben durften war ein weiteres, unglaubliches Beispiel der argentinischen Gastfreundschaft. Bald kannte auch die Nachbarschaft uns und unser Auto, nicht zuletzt auch weil Silvio und sein Freund Juan-Carlos uns mit den Medien in Verbindung brachten. Eines Morgens wurden wir vom Lokalradio zu einem Live Interview eingeladen. Danach kam eine Reporterin einer kleinen Fernsehstation vorbei und machte eine Reportage mit uns und  schliesslich fuhren wir zusammen mit Santiago, einem Jugendfreund Silvio’s, in die Felder hinaus und drehten eine Reportage über uns und unsere Reise. Santiago hat eine eigene, schon mehrfach preisgekrönte Fernsehsendung welche über so ziemlich alles berichtet was sich um Abenteuer, Reisen und Motorsport dreht. Sie wird zweimal im Monat auf nationaler Ebene ausgestrahlt.. Am Ende wurde der Dreh selber noch zu einem kleinen Abenteuer, denn im Staub der Feldwege riss ein grosser Felsblock die Ölwanne an Santiago‘s Auto auf. Er liess sich aber dadurch nicht von seinem Vorhaben abbringen und erst als die Szenen im Kasten waren, hängten wir seinen Wagen an den Landcruiser und schleppten ihn bis zu sich nach Hause ab.

Vanesas Onkel Osmar hatte uns bei einem Nachtessen zwei seiner selbst in Handarbeit hergestellten Messer gezeigt. Das wollten wir uns gerne etwas genauer ansehen und er zeigte uns seine kleine Werkstatt. Von überall her sucht er sich sein Rohmaterial zusammen. Holzstücke, Horn und Knochen für die Handgriffe und Stahl aus den unterschiedlichsten Quellen. Alte Macheten, verbrauchte Stahlscheiben von Landwirtschaftsmaschinen und alte Klingen, alles verarbeitet er mit einfachen Werkzeugen,aber viel Geschickt und Passion zu neuen Messern in allen Grössen und für verschiedenste Verwendungszwecke. Er hatte sich diesem Handwerk verschrieben nachdem er bei einem Unfall ein Bein verloren hatte und dadurch seiner damaligen Arbeit nicht mehr nachkommen konnte. Dass er die neue Beschäftigung mit Herzblut betreibt,sieht man spätestens wenn er einem seine Messersammlung zeigt. Für jedes Messer gibt es eine Geschichte, sei es die spezielle Herstellerfirma oder ein einfaches, aber traditionell hergestelltes Einzelstück. Als er uns erzählte wie er das erste Mal eine Klinge aus Damast Stahl zu sehen bekam, hatte er Tränen der Rührung in den Augen. Schliesslich schenkte er uns grosszügig zwei seiner Schmuckstücke, was uns wiederum sehr berührte.

Seine Frau betreibt einen kleinen Laden im Quartier. Wir staunten nicht nur immer wieder was es in diesen Tante Emma Läden alles zu kaufen gibt sondern auch wie viele Kunden es nach wie vor vorziehen in diesen Tiendas einzukaufen. Wir konnten das Kommen und Gehen aus nächster Nähe beobachten, denn der Laden ist im angebauten Nachbarhaus.

Wir lernten durch die Cabreras auch Juan-Carlos kennen. Sein selbstgebautes Wohnmobil basiert auf einem 54 jährigen Mercedes Überlandbus. Mit viel Geschickt und Liebe hat er das riesige Ding um und Ausgebaut. Er scheut sich nicht mit seinem Liebling raue Pisten zu fahren, langsam zwar wie er sagt, aber ohne Angst und Scheu.

Früh morgens, wenn Myrta noch schlief, begleitete Ueli Silvio zu seiner Werkstatt. Bevor er diese aber um acht Uhr öffnet gönnt er sich einen Kaffee in einer der Bars im Stadtzentrum. Dort treffen sich immer dieselben Leute bevor es zur Arbeit geht. Silvios Freunde zeigten reges Interesse an uns und unserer Reise und nachdem wir in der lokalen Presse vorgestellt worden waren, wurde unser Auto immer wieder erkannt und auch gegenüber unseren Gastgebern nachgefragt ob das nun die berühmte „Tortuga“ sein. Es war wirklich schön mitzuerleben wie man hier in der Provinz draussen noch miteinander lebt. Man kennt sich, man lädt sich gegenseitig zum Essen ein und vor allem, man nimmt sich noch Zeit miteinander zu reden.

Ja es stimmt, für den Reisenden hat Cañada de Gomez nicht allzu viel zu bieten. Hat man aber nur einen Freund dort, wird man von der Stadt und seinen Bewohnern herzlich und mit offenen Armen empfangen. Ueli musste seine Halskette wieder einmal reparieren lassen. Er landete auf Empfehlung von Silvio bei einem Schweizer Auswanderer in dritter Generation. Klar wurde bald über unsere Reise aber auch seine Herkunft diskutiert. Wie noch einige Andere in der Gegend, stammt seine Familie aus Mendrisio im Schweizer Tessin. Beim Abholen der des Schmuckstücks wollte er nichts wissen von Bezahlung: „Un regalo de un Cañadanese“ war sein Kommentar. Wir mussten unser Trinkwasservorrat auffüllen. Als die Besitzerin der Trinkwasserfabrik unseren Camper sah, diesen auch gerne besichtigen durfte und schliesslich auch unsere Geschichte kannte, wurden uns die 40 Liter Trinkwasser geschenkt. Silvio, der uns hingebracht hatte, musste hingegen seine 20 Liter Flasche ganz normal bezahlen ;-)

Hund Manchita und Katze Marco unserer Freunde, zwei wahre  Spielkamaraden

Hier der Link zur Reportage welche wir mit Santiago Taverna für seine Fernsehsendung "Sala de Maquinas 360°"gemacht haben



Predelta Nationalpark

Unsere Freunde, die Familie Cabrera hatte uns noch bis nach Victoria begleitet. In einem Fischrestaurant genossen wir die letzten Stunden mit unseren Gastgebern der letzten Tage. Die Fische aus dem Parana schmecken fein und sind auch bei den Einheimischen bekannt und beliebt.

 Eigentlich haben wir den unbekannten Predelta Nationalpark nur besucht, weil er an unserem Weg lag und wir dort eine Übernachtungsmöglichkeit fanden. Der Park liegt an einem Seitenarm des Parana und ist nur an einem Punkt zugänglich. Will man weiter in die Flusslandschaft vordringen, muss man auf ein Boot umsteigen. Nach den vielen, für Ausländer oft sehr teuren Nationalparks, waren wir positiv überrascht, dass wir weder einen Eintritt noch für das Campieren etwas bezahlen mussten.

Wir machten am Abend noch eine kurze Wanderung um uns die Füsse etwas zu vertreten. Da Sonntag war hatte es noch recht viele Tagesbesucher, aber der Parkranger hatte uns bei der Ankunft schon prophezeit, dass wir wohl die Einzigen wären die über Nacht bleiben. So war es dann auch, kurz vor Sonnenuntergang verzogen sich die letzten Besucher und wir genossen eine sehr ruhige Nacht, nur begleitet von den Rufen der nachtaktiven Tiere. Als es ruhig geworden war, zeigte sich auch ein Capybara, eine Art Riesenmeerschwein. Das etwa ein Meter lange Tier lebt im und ums Wasser und lebt vegetarisch. Wir sollten in der Folge noch viele zu sehen bekommen, freuten uns aber wie immer wenn wir eine neue Tierart kennenlernen dürfen.


Ibéra Nationalpark

Eigentlich ist dieser 7000 km2 grosse Nationalpark ein kompliziertes Gebilde von mehreren, einzelnen Parks und privaten Naturresevaten. Noch immer ist man daran das Gebilde zu einer Einheit zu vereinen. Der Zugang zu diesem extensiven Sumpfgebiet ist nur an wenigen Punkten möglich. Wir entschlossen uns beim weniger bekannten Parque San Nicolas, auf der Nordwestseite des Gebietes, reinzufahren. Etwa 30 Km Sandpiste führt von der Kleinstadt San Miguel in die topfebene Landschaft hinaus. Erst hat es noch Landwirtschaft und Nutzwälder, dann aber ist das Gebiet immer natürlicher. Schliesslich erreichten wir den Campingplatz. Es stellte sich heraus, dass dieser Teil des Nationalparks von Douglas Tompkins, dem North Face Gründer, wie auch weitere Gebiete erst privat unter Schutz gestellt worden war. Erst vor einem Jahr wurde er an die argentinische Nationalpark Administration übergeben.

Beim Hineinfahren begann es wie aus Kübeln zu regnen und wir waren froh, dass die Piste sandig und nicht lehmig ist. Die Piste verläuft auf einem Damm mit Wassergräben auf beiden Seiten. Hoch spritzte das Wasser aus den tiefen Fahrrinnen auf und die Scheibenwischer liefen auf Hochtouren. Zwei Krokodile und viele Capybaras mussten uns auf der Piste Platz machen damit wir vorbeifahren konnten.

Am anderen Morgen dann die Überraschung: Strahlend blauer Himmel und ein angenehmer Wind. Eine ganz andere Landschaft erwartete uns. Wir nutzten die Gelegenheit und machten erst mal eine Wanderung durch die Umgebung des Campingplatzes. Durch die flache Landschaft führt ein grasiger Weg vorbei an Waldinseln und kleinen Teichen. Der Weg war wegen den kürzlichen Regenfällen oft bis knietief unter Wasser aber wir waren in unseren Tevas unterwegs und daher bestens gerüstet.

Am Mittag fuhren wir noch sieben Kilometer weiter hinaus zum Puerto Carumbola. Dieser liegt an einer grossen Lagune. Schon die Fahrt war ein grossartiges Erlebnis. Kaum zum Camping heraus konnten wir Krokodile beobachten welche ein totes Capybara ins Wasser zerrten. So wie es aussah war das Tier aber eher an Altersschwäche als an einem Krokodilangriff gestorben. Krokodile können allenfalls ganz jungen Capybaras zur Gefahr werden. Von denen sahen wir an der Piste dann auch Hunderte. Nur widerwillig liessen sich von dieser vertreiben. Unzählige Vogelarten konnten wir beobachten und sogar ein paar „Venada de las Pampas“, eine scheu Rehart, bekamen wir zu Gesicht. Am Ende der Piste machten wir eine längere Pause und genossen es den Tieren zuzuschauen. Vor allem die Capybara zeigten sich gar nicht scheu und hatten offensichtlich grosses Interesse an unserem Landcruiser.

Auf dem Rückweg machten wir eine weitere kurze Wanderung zu einem Teich. Auch dort leben viele Wasservögel und sogar ein Eisvogel zeigte sich uns.

Ein weiterer Zugang zum Herzen des Nationalparks bietet das „Portal Cambyretá“. Auch hier muss man erst 30 Km Sandpiste bewältigen um zum Nationalpark zu gelangen. Auch dieser Teil gehörte einst Tomkins. Der Campingplatz ist wunderschön hat aber zwei Probleme: 1.) Da die Zugangspiste über Privatland führt, haben die Besitzer durchgesetzt, dass nur Tagesbesucher ihre Strasse nutzen dürfen, das heisst der wunderschöne Campingplatz wurde in den drei Jahren noch nie zum Übernachten benutzt. 2.) Wie alle ehemaligen Campingplätze von Tompkins darf man mit einem Camper nicht auf das Gelände sondern muss auch dem Autoparkplatz übernachten. Nur Zelte sind erlaubt.

Für uns hiess es, dass wir die Wanderung durch die Umgebung und die Fahrt ans Ende der Piste machen durften, dann den Park aber wieder verlassen mussten. Nun auf der Fahrt hatten wir dann ein riesiges Glück, denn wir sahen eine Anakonda. Mit etwa 2.5 Metern Länge war sie zwar noch klein, aber wir waren trotzdem sehr beeindruckt. Gemütlich überquerte sie die Piste und verschwand elegant im Wasser des nahen Teiches. Auch Krokodile und noch viel mehr Vögel und Capybaras gab es zu sehen. Wir fühlten uns wie in einem Zoo, aber eben ohne Käfig und Zäune halt. Es schien eh der Tag der Schlangen für uns zu sein, denn auf dem Rundweg durch eine der Waldinseln, trafen wir noch auf eine Baumschlange. Das elegante, schlanke Reptil verharrte auf Kopfhöhe genau dort wo wir durch mussten. Myrta hatte sie noch nicht einmal gesehen, aber Ueli, der einen höllischen Respekt vor Schlangen hat, sah sie frühzeitig. 

 

 

Da der wunderschöne Campingplatz Monte Rey aus politischen Gründen seit seinem Bau vor drei Jahren nicht zum Übernachten benutzt werden darf, mussten wir den Park auf die Nacht verlassen. Am Rio Parana kamen wir schliesslich in einem privaten Camping unter. An und für sich nicht speziell schön, da schon in die Jahre gekommen,  hatten wir wieder mal interessante, tierische Nachbarn. In der Dunkelheit machte sich eine fette Kröte das Kunstlicht zu  Nutzen und jagte erfolgreich Insekten. Am nächsten Morgen bekamen wir dann noch Besuch von einem Affen.    

Ein Video zeigt die Vielfalt an Tieren und das Leben der Capybara, einer wasserliebenden Art Riesenmeerschwein in der Sumpflandschaft des Iberá Nationalparks



Die Ruinen von San Ignacio Mini

Am Rande des gleichnamigen Dorfes befinden sich die grössten Jesuitenruinen der Region. Die Gebäude sind zwar nicht sehr gut erhalten, aber die Ausmasse der Anlage sind beeindruckend. Über 8000 Einwohner soll die Mission einst gehabt haben, die meisten davon indigene Bewohner der Region. Anfangs des 18. Jahrhunderts haben sich die Jesuiten hier festgesetzt und ihre Missionen aufgebaut. Als sie dann aber anfingen eine eigene Armee aufzubauen um die herrschenden Spanier zu bekämpfen wurden sie nach nur 60 Jahren von diesen vertrieben.



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Kommentare: 2
  • #1

    Wildi Ursula (Samstag, 24 März 2018 11:14)

    Die Natur ist schon etwas wunderbares. Geniesst es noch. Wie lange seit ihr noch unterwegs ?

  • #2

    Reto Huber (Sonntag, 25 März 2018 19:07)

    Ich Danke euch für die immer Super Berichte und die Fotos. Schön euch zu kennen