Abschied von der Baja California

Nach einem Monat auf der Halbinsel war es nun Zeit, die Überfahrt hinüber ins eigentliche Mexico zu organisieren. Von La Paz aus gibt es zwei Optionen: Nach Mazatlan oder nach Topolabampo. Wir wollten die Region der „Barranca del Cobre“ besuchen und daher ist Topolabampo die bessere Option. Wir kauften die Tickets direkt am Hafen. Hat man einen Camper zum Verschiffen wie wir, müssen vor dem Ticketkauf das Gewicht und die Abmessungen festgestellt werden. Da kann aber gleich vor Ort erledigt werden. Zudem wird auch gleich vom Zoll geprüft, ob man die notwendige Erlaubnis zum temporären Import des Fahrzeugs bereits hat. Diese und auch die Touristenkarte der Mitreisenden sind beim Einreisen auf dem „Festland“ Mexicos erforderlich und sollte einfachheitshalber bereits an der Grenze erledigt werden. Für 5000 M$, etwa 250 CHF, kauften wir schliesslich das Ticket, inklusive Zweierkabine, Fahrzeug und uns selber. Auch eingeschlossen im Preis ist das Nachtessen, welches bei der nächtlichen Überfahrt unmittelbar nach dem Bording verfügbar ist. Wir hätten auch gleich am nächsten Tag fahren können, verschoben die Abfahrt aber auf den folgenden Samstag.

Nachdem wir den letzten Tag noch mit unseren neugewonnen Freunden am Strand von Balandra verbracht hatten, fuhren wir zur Nordspritze der Halbinsel hoch um an der Playa de Tecolote unser Nachtessen einzunehmen. Obschon Samstagabend war überhaupt nichts los in den Restaurants und wir konnten gerade noch bevor sie schlossen eine Bestellung aufgeben. Wir waren deshalb schon recht früh am Hafen, konnten aber auch bald aufs Schiff. Nur der Fahrer, darf allerdings mit seinem Fahrzeug reinfahren, alle anderen Passagiere müssen als Fussgänger an Bord.

Wir hatten eine sehr ruhige Überfahrt, einzig die eiskalte Zugluft der Klimaanlage minderte den Komfort erheblich.


El Fuerte

Bei kühlen Temperaturen aber blauem Himmel legten wir pünktlich im Hafen an und waren auch bald unterwegs ins Landesinnere. Keine zehn Minuten unterwegs wurden wir von einem Polizeiwagen der uns entgegen gekommen war gestoppt. Wie seien zu schnell gefahren, wurde uns vorgeworfen. Da der Polizist kein Radargerät dabei hatte, war uns bald klar, dass er uns einfach nur abzocken wollte denn er wusste genau dass niemand auf der vierspurigen Autobahn die vorgeschriebenen 60 Km/h einhielt. Mit uns nicht, dachten wir und stellten auf Schweizerdeutsch um und zuckten auf Fragen grundsätzlich mit den Schultern. Nach kurzer Zeit murmelte er auf Spanisch mehr zu sich selbst: „das wird kompliziert“  und liess und schliesslich springen….

Kurz vor El Fuerte hielten wir in einem Strassenrestaurant um ein verspätetes Frühstück einzunehmen. Die einfache Beiz war knallvoll mit Mexikanischen Gästen, für uns ein gutes Zeichen. Wir bestellten eine landestypische Spezialität eine „Birria“. Nein, das hat nichts mit Bier zu tun sondern ist eine würzige Rindfleischsuppe. Etwas ungewöhlich für uns aber nichtsdestotrotz fein.

Gegen Mittag erreichten wir EL Fuerte, eine nette kleine Provinzstadt, welche man als westliches Eingangstor zur „Barranca del Cobre“ bezeichnen kann. Wir quartierten uns im einzigen, aber ganz netten Campingplatz beim Hotel Bugambilias ein. Am übernächsten Tag wollten wir die Zugfahrt mit dem berühmten „El Chepe“ hinauf in die Berge machen. Den Tag dazwischen nutzten wir um ein paar Dinge zu erledigen und um das kleine Stadtzentrum zu erkunden.

 

Ursprünglich hatte die Stadt eine viel bedeutendere Rolle gehabt. Ein Fort auf einem Hügel, dieses gab der Stadt auch den Namen, beherbergt ein kleines Museum und von den Zinnen hat man eine schöne Aussicht auf die Stadt und den Rio Fuerte. Um den schön angelegten Stadtpark „Plaze del Armas“ reihen sich alte Kolonialbauten und der „Palacio Municipal“ ein eindrücklicher Backsteinbau. Viel passiert allerdings nicht hier in der Wintersaison, eher noch im Sommer, wenn man im nahen Stausee zum Fischen geht oder eben wie wir zum Kupfercanyon hoch will.


La Barranca del Cobre 

Nach einigem Überlegen und beschaffen von Meinungen hatten wir uns schliesslich dagegen entschieden mit unserem Auto in die Berge hoch zu fahren. Die Westseite der Region ist bekannt dafür, dass dort im grossen Stil Drogen angebaut werden. Entsprechend besteht eine bestimmte Gefahr, dass man diesen Leuten unbeabsichtigt in die Quere kommt und damit unter Umständen die eigene Sicherheit gefährdet sein könnte. Die verschiedenen Aussagen waren zwar sehr widersprüchlich gewesen, aber wir beschlossen trotzdem die sicherste Variante zu wählen.

Der Zug aus Los Mochis fuhr mit etwa 20 Minuten Verspätung  im Bahnhof von EL Fuerte ein. Dieser liegt etwa 6 Km von der Stadt entfernt, aber wir hatten uns ein Taxi bestellen lassen, welches und pünktlich im Campingplatz abgeholt hatte. Für die zweite Klasse, die „Economico“, kann man das Ticket im Zug kaufen, für die „Primera“ hingegen muss man entweder mindestens 72h voher online oder aber im Bahnhof von Los Mochis das Ticket beschaffen. Nachteil der Zweiten Klasse ist, dass diese nur dreimal pro Woche in jede Richtung fährt, während die erste Klasse täglich verkehrt. Wir bezahlten 750 M$ ( 35 CHF) pro Person für die einfache, achtstündige Fahrt nach Creel. Ein Ersteklasseticket kosten nahezu das doppelte. Bezüglich des Komforts besteht allerdings wenig Unterschied. Mehr Infos zum Fahrplan und den Kosten findet man hier >LINK<

Die ersten zwei Stunden zuckelt der Zug durch die meist trockene Ebenen des Tieflandes. Entlang eines riesigen Stausees wird die Landschaft zunehmend interessanter und grüner. Schliesslich beginnt der Anstieg von Meereshöhe hinauf auf 2300 müM. Dabei nutzt die Streckenführung die Täler um die Steigung zu minimieren. Immer wieder aber überwindet die Bahn steileres Gelände mit mutig angelegten Schleifen und Kehrtunnel, wie wir sie von der Gotthardstrecke in der Schweiz auch kennen. Die Landschaft wurde nun immer eindrücklicher und unberührter. Nur noch wenige kleine Dörfer lagen an der Strecke. Mit Erreichen von Divisadero ergab sich dann die einzige Möglichkeit den eigentlichen Kupferanyon zu sehen. Im kleinen Ort hielt der Zug für zwanzig Minuten um den Passagieren die eindrückliche Aussicht zu ermöglichen. Dazu musste man sich allerdings erst durch die vielen Essens- und Souvenirstände durchkämpfen. Das riesige Canyonsystem lässt sich durchaus mit dem Grand Canyon vergleichen.

Das letzte Stück bis nach Creel verläuft auf dem hügligen, von kleinen Tälern durchbrochenen Hochplateau, immer auf etwa 2300 müM.

 

 

TIP: Beschliesst man diese Zugfahrt zu machen, sollte man auf jeden Fall sicherstellen, dass man beim Hochfahren einen Sitzplatz auf der rechten Seite ergattert, denn die meiste Zeit hat man auf dieser Seite die besten Ausblicke auf die eindrückliche Landschaft. Auf dem Rückweg dann, ist die Aussicht auf der linken Seite die bessere Wahl


Creel und Umgebung

Creel ist unterdessen zum touristischen Zentrum der Region geworden. Mit fast 10000 Einwohnern in der Region ist es zudem die mit Abstand grösste Ortschaft in den Bergen. Kommt man mit dem Zug an und will etwas von der Umgebung sehen, ist man fast schon gezwungen eine Tour zu buchen. Wir machten das auch und hatten das Glück, dass der Guide neben uns keine weiteren Gäste auftreiben konnte. Mit einem Preisaufschlag würde er die Tour trotzdem machen, hatte er uns erklärt. In einem Cadillac SUV fuhr uns Gilberto schliesslich durch die Umgebung von Creel.

In der Nacht war die Temperatur gut unter Null Grad gefallen und es wurde nur zögerlich wärmer. Nach dem Frühstück im Restaurant Veronica, übrigens sehr empfehlenswert, gingen wir zum Plaza de Creel wo wir uns mit Gilberto trafen um die Tour in die Umgebung zu Starten.

Zuerst hielten wir bei einer Wohnhöhle an in welcher sich eine alte Frau mit ihren Enkelkindern eingerichtet hatte. Unter einfachen Bedingungen, aber auch gut geschützt gegen Hitze und Kälte haust die alte Frau in der Höhle. Der nächste Halt war der Wasserfall von Cusarare. Bis auf etwa 500 m kann man auf einer rumpligen Piste an den Wasserfall heranfahren, dann geht es nur noch zu Fuss weiter. Trotz des trockenen Klimas führte der Bach gut Wasser, so dass der Wasserfall ein schönes Bild ergab. Im nahen Dorf desselben Namens besichtigten wir die Missionskirche. Die ganze Gegends wir primär von Raramuri Indianers bewohnt. Sie leben in einfachen Verhältnissen und versuchen ihr Einkommen mit schönen Handarbeiten zu bestreiten. Das Angebot besteht vor allem aus hübschen Flechtarbeiten und gewobenen Stoffen. Allerdings erscheinen die Frauen etwas unfreundlich und verschlossen, so dass man nicht den Eindruck bekommt willkommen zu sein.

Auch am Atareko See machten wir halt und wir machten einen Spaziergang dem Ufer entlang. Der See ist in weiten Föhrenwäldern gelegen und landschaftlich sehr schön. Im Sommer lädt er sicher zum Baden ein, jetzt im Januar war es empfindlich kalt.  In einem kleinen Gebiet nur ein paar Kilometer ausserhalb von Creel liegen San Ignacio, eine weitere Missionskirche und ein Gebiet mit eindrücklichen Felsformationen. Frösche und Pilze lassen sich mit etwas Fantasie erkennen.

 

Am nächsten Tag gegen Mittag bestiegen wir den „El Chepe“ wieder und fuhren zurück nach El Fuerte. Nun wussten wir, dass die rechte Seite des Zuges die bessere Aussicht versprach und genossen die Fahrt einmal mehr bei besten Wetterbedingungen. Beim Eindunkeln erreichten wir die Ebene wieder und genossen einen herrlichen Sonnenuntergang. Pünktlich erreichten wir den Bahnhof von EL Fuerte und fuhren mit einem Taxi zurück zu unserem Auto, welches wir im Campingplatz zurückgelassen hatten.


Der Küste entlang nach Süden

Wieder an der Küste, fuhren wir südwärts, Mazatlan entgegen. In einem kleinen aber feinen Campingplatz direkt am Strand machte wir Zwischenhalt und genossen das warme Wetter und das süsse Nichtstun. Dort lernten wir den Guatemaltekischen Menschenrechtskämpfer Jorge De Paz und seine Kanadische Frau kennen. Er hatte sich schon in den 80er Jahren für die Menschenrechte eingesetzt und war dadurch ins Visier der Regierung geraten und von dieser gefoltert und ins Gefängnis gesteckt worden. Seit Jahren lebt er unterdessen in Kanada kämpft aber noch immer für den Frieden und die Rechte der Menschen, bewundernswert!

Wir hatten einen schleichenden Platten eingefangen und liessen diesen Eingangs Mazatlan bei einem Reifenflicker beheben. So einfach die Werkstatt eingerichtet war, die Arbeit war einwandfrei und auch am Sonntag in einer halben Stunde behoben. Gleich nebenan konnten wir unser mobiles Solarpanel löten lassen, ein angelöteter Draht war abgebrochen gewesen. Kostenpunkt: 2 x 2.5 CHF.

In Mazatlan beschlossen wir in einem Hotel unterzukommen. Nicht weil wir in unserem rollenden Heim nicht mehr wohl wären, sondern einfach weil die Campingmöglichkeiten weit ausserhalb der Stadt liegen und erst noch mehr kosten als ein günstiges Hotel. Das Hotel Lerma liegt 10 Fussminuten vom Zentrum und bietet saubere Zimmer, gutes Internet und einen sicheren Parkplatz im Innenhof, das Ganze für 14 CHF. Von dort aus erkundeten wir die hübsche Altstadt. Rund um die Kathedrale spielt sich das Leben ab. Eine schöne Markthalle, nette Restaurants und abends dann auch noch Livemusik und Feuerwerk. Die Stadt hat viele nette Quartiere und kleine Plätze zu bieten. Dem Strand entlang nette Kneipen.


Ins zentrale Hochland

Auf der alten Strasse kletterten wir nun auf über 2500 müM hoch. Aber zuvor besuchten wir das kleine Städtchen Concordia. Auch hier, wie in allen Mexikanischen Orten, läuft das Leben um den zentralen Platz, meist auch begleitet von der Hauptkirche. Bei unserem Besuch war irgendein Bazar im Gange. Mütter mit ihren Kindern boten Handarbeiten und Selbergekochtes. Wir wurden freundlich aufgenommen und man bot uns von all den feinen Dingen immer wieder „Müsterli“ an. Nur ein paar Kilometer weiter, etwas abseits der Strasse befindet sich Copala. Dieses kleine Dorf hat eigentlich nicht viel zu bieten, zeigt sich aber wie wohl schon vor 100 Jahren. Kopfsteingepflasterte Strassen und ziegelgedeckte Häuser vermitteln einen ruhigen und verschlafenen Eindruck, vielleicht ist es gerade das was uns so gefiel.

Nun steigt sie Strasse aber steil an und der Landcruiser kam ganz schön ins schnaufen. Die Landschaft wird zunehmend wilder, kaum noch Häuser, nur noch kleinste Dörfer. Die tropische Vegetation des Tieflands wurde durch Föhrenwälder abgelöst und die Temperatur fiel von über 30 auf noch knapp 20°C. In einem Naturschutzgebiet fanden wir einen Übernachtungsplatz. Es wurde eine kalte Nacht, -5°C mass das Thermometer am Morgen. Nun fuhren wir durch das zentrale Hochland, meist über 2000 müM. Die Temperaturen waren zwar tagsüber angenehm, aber nachts wurde es immer recht kühl.

Eine weitere kalte Nacht verbrachten wir im National Park „Sierra de Organos“. In Mitten einer schönen Landschaft, geprägt von eindrücklichen Felsnadeln, ist ein einfacher aber schön angelegter Campingplatz eingerichtet, fast schon wie aus den USA gewohnt.


Die alten Kolonialstädte im Hochland

Bevor wir nach Zacatecas fuhren machten wir einen kurzen Halt in Sombrerete. Gross bekannt ist dieses „Pueblo Magico“ nicht, aber wir fanden es recht hübsch. Ein kurzer Spaziergang durch das verkehrsgeplagte Zentrum liess uns unsere Beine etwas vertreten.

 

Zacatecas ist eine der alten Städte, welche durch die umliegenden Silberminen zu Wohlstand gekommen war. So sind die Häuser und die Sakralbauten entsprechend reich geschmückt und auch sehr gut erhalten. Wir schlenderten durch die schmalen Gassen und über die schmucken Plätze. Viel Kunst und Kultur bietet die Stadt, Museen, Ausstellungen und Galerien. Myrta verliebte sich in eines der Kunstwerke und bevor wir Anderntags weiterfuhren, gingen wir nochmal ins Stadtzentrum hinunter, um das Werk zu erstehen. Aus Platzgründen entfernten wir den Rahmen und liessen uns das Gemälde zwischen zwei Kartons gut geschützt einpacken.


Die Ruinen von La Quemada

Wir machten einen Abstecher zu den Ruinen von „La Quemada“. Für uns waren es die ersten präkolumbianischen Spuren welche wir zu sehen bekamen. Die imposante Anlage schmiegt sich an einen Berghang und überblickt das Umland. Grosse Terrassen mit steilen Trockenmauern sind über noch steilere Treppen verbunden.Von 600 bis 900 war die Blütezeit dieser toltekischen Verteidigungsanlage. Das wichtigste Bauwerk ist eine ursprünglich überdeckte Halle von 30 x 40 m, die grösste ihrer Art in ganz Amerika. Die Überreste der 5m hohen, mächtigen Säulen und die Ummauerung sind noch zu sehen, alles andere bleibt der Fantasie des Besuchers überlassen.

 

Die Strecke führte weiterhin durch die Hochebene, trockene Halbwüste, aber auch immer wieder unterbrochen durch bewirtschaftete Felder und Viehweiden. Wir verzichteten auf die schnellen Umfahrungsstrassen und durchquerten die kleinen Städtchen auch wenn das manchmal etwas dauerte. So erhielten wir immer wieder Einblicke ins Leben der Einheimischen und entdeckten das eine oder andere Geschäft, wo wir unsere Lebensmittel aufstocken konnten. Wir staunen immer wieder wie günstig alles ist, insbesondere Gemüse und Früchte. Klar so makellos wie die Supermarktprodukte sind sie meist nicht aber geschmacklich halten sie auf jeden Fall mit.


San Miguel de Allende

Mitten in der Stadt liegt der kleine aber feine San Miguel RV Park. Nur Gehminuten vom Stadtzentrum aber in einem grossen Innenhof ruhig gelegen ist, er der ideale Ausgangspunkt die Stadt zu erkunden.

Ganz in der Nähe unserer Unterkunft findet am Samstag ein kleiner Markt statt. Feine Lebensmittel und geschmackvolle Handarbeiten werden angeboten. In einem der Restaurants kann man sich verpflegen und dabei die fröhliche, Mexikanische Livemusik geniessen. Wir erstanden Kaktusblätter und liessen uns von der Marktfrau auch gleich ein Rezept geben. Zum Nachtessen gab es dann entsprechend ein „Swiss-Mex Fusion Cuisine“ Menü: Nopales mit Bratkartoffeln mit einem währschaften Cordonbleu.

Am Sonntag ist im Stadtzentrum die Hölle los. Neben den vielen Besuchern putzen sich aber auch die Einheimischen heraus und geniesse die Sonne in und um den „Jardin Allende“. Ballonverkäufer bedienen die Kleinsten, während die Erwachsenen einen Cocktail schlürfen oder wie wir „Peoplewatching“ betreiben.

Im „Parque Benito Juarez“ fand während unseres Besuches eine Pflanzenausstellung mit unzähligen Verkaufsständen statt. Vom winzigen Kaktus bis zur fast ausgewachsenen Palme, war neben vielen Kräutern und Blumen so ziemlich alles zu sehen was da so gedeiht.

Auf dem Campingplatz hatten unterdessen die Europäer die Überzahl, drei Deutsche, Rene, ein Italiener welchen wir von Alaska kennen und wir Schweizer standen den drei Nordamerikanern gegenüber. Man trifft sich in „SMA“ einer der beliebtesten Destinationen Mexicos. , 


Rezept

Wolltest Du schon immer mal ein Gericht mit Kakusblättern ausprobieren? Nopales sind gekocht erfrischend, etwas säuerlich, in der Konsistenz etwa wie Kefen. Man kann sie übrigens auch roh essen, z.B. als Salat.

Klar, ausserhalb Mexikos oder anderen "Wüstenländern" sind Nopales nicht so einfach zu bekommen, aber vielleicht wagen ander Reisende das Experiment auch mal.

Das untenstehende Rezept eignet sich als Beilage zu aller Art gebratenem Fleisch, entsprechend grosszügiger bemessen auch als vegetarisches Hauptgericht. Mehr Bilder oben

ACHTUNG:

Das Gemüse kauft man idealerweise bereits von den sehr feinen Stacheln befreit, denn das ist eine etwas unangenehme Arbeit!!

 

 

Hier das Rezept der Marktfrau für zwei Personen:

Zutaten

2-4 Kaktusblätter ("Nopales")

2-3 Mittelgrosse, festkochende Kartoffeln

1 Mittlegrosse Zwiebel

Olivenöl

Salz und Pfeffer

 

Zubereitung

Nopales und Kartoffeln in mundgerechte Stücke schneiden, Zwiebel grob hacken.

Kartoffelwürfel und Zwiebel in grosszügig Olivenöl etwa 5 min. braten

Nopales dazugeben und etwa weitere 10 min braten (bis die Kartoffeln gar sind)

Mit Salz und Pfeffer würzen. 

 

En Guete!!!!


Guanajuato

Der einzige stadtnahe Campingplatz befindet sich oberhalb der Altstadt am Nordabhang. Auf abenteuerlich steiler Strasse gelangt man auf die kleine Terrasse. Wir liessen unser Auto dort stehen und gingen zu Fuss in die Stadt hinunter. Durch einen finsteren, etwa 600 m langen Autotunnel gelangt man ins Herz der Stadt. Ein Teil der Altstadt ist sogar autofrei und es ist deshalb sehr angenehm um die Stadt zu besichtigen. Es war einmal eine der reichsten Städte Mexicos, nicht zuletzt wegen der vielen Silberminen in der Region. Noch heute kann man anhand der prunkvollen Bürgerhäuser, den Kirchen und des Theaters diesen Wohlstand erkennen. Guanajuato ist eine Universitätsstadt und deshalb ist es nicht verwunderlich, dass es nur so von jungen Leuten wimmelt. In der schönen Markthalle genossen wir ein feines Sandwich mit Schweinebraten, für gerademal 1.2 CHF. Wir nutzten die Gelegenheit und kauften auch gleich Früchte und Gemüse ein. Steil geht der Weg dann wieder hoch zu unserem Camping. Wir genossen den milden Abend, nur die vielen, sehr vielen bellenden Hunde in der Nachbarschaft störten die Ruhe. 


Atotonilco el Alto

In Santa Elena betreibt der Schweizer Charly Schäpper seit 25 Jahren ein Restaurant und bietet zudem ein paar Stellplätze für Camper. Unter den Overlandern ist er unterdessen gut bekannt und viele planen einen Zwischenhalt dort ein. So auch wir und kein Wunder trafen wir dort auf Paul und Rosi aus Deutschland und Christa und Kölbi aus der Ostschweiz. Wir genossen ein paar Tage in dieser Oase und liessen uns von Charly’s Küche mit Schweizer Spezialitäten verwöhnen. Durch ihn lernten wir auch Valentin kennen welcher in der Stadt eine mittelgrosse Weizenmühle leitet. Wir folgten gerne seiner Einladung zur Besichtigung der Anlage. Es war zu diesem Job wie die Jungfrau zum Kind gekommen. Über einen Freund wurde im vor vielen Jahren angeboten die marode und unrentable Mühle wieder profitabel zu machen. Ohne Branchenkenntnisse und Führungserfahrung, aber dafür mit viel Engagement dauerte es nur gerade ein Jahr bis das Geschäft wieder „lief“. Bis heute ist die Anlage eine der profitabelsten und zudem produziert er auf modernen Anlagen gute Qualität. Für Ueli war es ein wenig „wie früher“ als er berufsbedingt solche und viel andere Anlagen besuchte. Auch hier trifft man auf Messgeräte von Endress+Hauser, aber auch nicht überraschend sind Teile der Anlage von der Firma Bühler in der Schweiz ausgerüstet worden.

An einem Abend hatte Charly Freunde zu einem Zungenschmaus eingeladen. Wir Beide stellten uns zur Verfügung vor die Gesellschaft zu kochen. Zunge ist im Mexiko eine Delikatesse und überraschenderweise eines der teuersten Stücke vom Rind. Eddie, ein guter Freund Charly’s hatte diese gesponsort. Wir sorgen für das Gemüse und das Dessert. Wir hatten auf Grund unsere kürzlichen Erfahrung beschlossen, als Beilage Bratkartoffeln und Nopales (Kaktusblätter) zu machen. Wir fuhren in die Stadt und kauften die ganzen Zutaten auf dem Markt. Zudem besuchten wir einen lokalen Käseproduzenten. Dieser hatte sein Handwerk in Frankreich und der Schweiz gelernt und erzeugt etwa 25 verschiedene Käsespezialitäten aus Ziegen-, Schaf- und Kuhmilch. Wir durften alle Käse degustieren und füllten anschliessend unseren Bordkühlschrank für die nächsten Wochen. Hier die Webseite für Interessierte: www.quesart.com . Charly kochte unterdessen die Zunge in einer feinen Bouillon. Wir bereiteten dazu eine Kapernsauce. Als Dessert gab es Tarte Tatin, eine mit Apfel und eine mit Birne. Die Menüwahl schien gut gelungen zu sein, denn es wurde nicht nur alles aufgegessen sondern es gab auch Komplimente für die Küche.


Wie wird Tequila hergestellt?

Beim Durchfahren in Atotonilco haben wir uns auf einen Tip von Rene hin im Stadtbüro der Tequila Destillerie „7 Leguas“ eine Fabrikbesichtigung vereinbart. Im Gegensatz zu den vielen grossen Destillerien in der Region um Tequila ist „Tequila 7 Leguas“ ein eher kleiner Betrieb. In einer der zwei Produktionsstätten in der Stadt wird der Tequila noch hergestellt wie zu Beginn der Industrialisierung. Nur gerade etwa 1200 Liter werden pro Tag hergestellt. Marta empfing uns am Fabriktor, welches wir nicht ohne Schwierigkeiten und rumfragen gefunden hatten. Wir erhielten eine „Privatführung“ nur für uns Zwei. Kompetent und mit viel Stolz wurde uns der Prozess erklärt:

Anbau

In der ganzen Region werden die „Agave Azul Weber“ (blaue Weber Agaven) angebaut. Weber, ein Deutscher, hatte festgestellt, dass diese Art den besten Zuckergehalt aufweist, bis 25% des edlen Süssstoffs enthalten sie. Es werden dann auch nur etwa 9 Kilogramm Agavenherzen benötigt um einen Liter Tequila zu gewinnen.

Nach etwa acht Jahren werden die Pflanzen geerntet. Die spitzen und harten Blätter werden auf dem Feld mit messerscharfen Hacken abgeschlagen bis nur noch das ananasähnliche Herz übrig bleibt. Eine Knochenarbeit. Die Früchte sind normal 10 -30 Kg schwer, Rekordgrösse war mal 110 Kg.

Kochen

Zuerst werden die Agavenherzen mit rasierklingenscharfen, grossen Hacken geviertelt und in grosse Öfen eingeschichtet. Dort werden sie mittels Dampf zwei Tage gekocht und dann einen weiteren Tag abgekühlt

Pressen

In der alten Anlage werden die Früchte gehäckselt und dann in einer Mühle mit einem schweren Steinrad gepresst. Angetrieben wird die Mühle von zwei Maultieren welche in einer Grube langsam im Kreis laufen und immer wieder anhalten damit der Arbeiter die Fasern unter den Stein fördern kann. Bis der Saft so gewonnen ist, dauert es etwa 1 ½ h. In der moderneren Anlage wird dieser Vorgang in einer mechanischen Häckselmaschine mit anschliessender Mehrfachpressung erledigt. Dabei wird durch Beigabe von Wasser noch mehr des wertvollen Agavenzuckers ausgeschwemmt.

Destillieren

In archaischen Kupferblasen wird der Tequila in kleinen Chargen destilliert. Wie in allen Destillerieprozessen wird der Vor- und Nachlauf verworfen, nur der mittlere Teil kann verwendet werden. Guter Tequila wird zweimal destilliert, das heisst das erst gewonnene Destillat wird anschliessend gleich noch einmal destilliert.

Je nach gewünschten Produkt wird der Tequila anschliessend direkt abgefüllt oder aber in Fässern noch gelagert.

Bei „Tequila 7 Leguas“, der Name der 1952 gegründeten Marke wurde vom Pferd des berühmten mexikanischen Revolutionsführer Pancho Villa inspiriert, wird der traditionell produzierte Tequila mit dem modern produzierten gemischt umso eine ein ausbalanciertes, feines Aroma zu erzeugen. Als Abschluss der Tour, überreichte man uns Beiden je eine kleine Flasche des edlen Getränks als Geschenk.  


Am Lago Chapala

Nur ein paar Dutzenden Kilometer südwestlich liegt der grösste See Mexicos der Lago Chapala. Das war unser nächstes Ziel, aber bevor wir den See erreichten fuhren wir kilometerweise durch Erbeerfelder wo die Ernte in vollem Gang war. In der Nähe einer Gruppe Erntearbeiter hielten wir an und fragten ob wir Erbeeren kaufen konnten. „Wieviel wollt ihr denn“ fragte man uns. „Einhalbes Kilo würde uns schon reichen“ war unsere Antwort. Nun, während wir mit den Leuten über ihre Arbeit diskutierten und ihnen auch sagten, dass vielleicht sogar ihre Erdbeeren in die Schweiz exportiert werden, füllte einer etwa 3 Kilo Erdbeeren in eine Tragtasche. Wir wollten protestieren, denn so viel konnten wir ja gar nicht verwenden. Man lachte uns aber nur aus und als wir bezahlen wollten, lachten sie nur noch lauter und wünschten uns eine gute Reise….

Am Südufer trafen wir zufällig auf ein Schild welches uns zu einer Pelikan Kolonie bei Petatan wies. Wir machten den kurzen Abstecher und freuten uns einmal mehr über die Flugkünste dieser anmutigen Vögel. Zu Hunderten schwammen sie auf dem Wasser und kaum das jemand ein paar Fischreste ins Wasser warf schwamm die ganze Bande synchron hin und balgte sich um die Beute.

Bevor wir wieder hinunter an die Küste fuhren, legten wir am Westufer des Sees einen Ruhetag ein. Im hübschen „Roca Azul“ Campingplatz trafen wir dann auch wieder mal auf andere Reisende aus Europa. Mit ihnen teilten wir dann auch gerne die vielen geschenkten Erdbeeren, den immer noch beträchtlichen Rest pürierten wir und lagerten ihn in unserem Minitiefkühlfach.Lago Chapala

Nur ein paar Dutzenden Kilometer südwestlich liegt der grösste See Mexicos der Lago Chapala. Das war unser nächstes Ziel, aber bevor wir den See erreichten fuhren wir kilometerweise durch Erbeerfelder wo die Ernte in vollem Gang war. In der Nähe einer Gruppe Erntearbeiter hielten wir an und fragten ob wir Erbeeren kaufen konnten. „Wieviel wollt ihr denn“ fragte man uns. „Einhalbes Kilo würde uns schon reichen“ war unsere Antwort. Nun, während wir mit den Leuten über ihre Arbeit diskutierten und ihnen auch sagten, dass vielleicht sogar ihre Erdbeeren in die Schweiz exportiert werden, füllte einer etwa 3 Kilo Erdbeeren in eine Tragtasche. Wir wollten protestieren, denn so viel konnten wir ja gar nicht verwenden. Man lachte uns aber nur aus und als wir bezahlen wollten, lachten sie nur noch lauter und wünschten uns eine gute Reise….

Am Südufer trafen wir zufällig auf ein Schild welches uns zu einer Pelikan Kolonie bei Petatan wies. Wir machten den kurzen Abstecher und freuten uns einmal mehr über die Flugkünste dieser anmutigen Vögel. Zu Hunderten schwammen sie auf dem Wasser und kaum das jemand ein paar Fischreste ins Wasser warf schwamm die ganze Bande synchron hin und balgte sich um die Beute.

Bevor wir wieder hinunter an die Küste fuhren, legten wir am Westufer des Sees einen Ruhetag ein. Im hübschen „Roca Azul“ Campingplatz trafen wir dann auch wieder mal auf andere Reisende aus Europa. Mit ihnen teilten wir dann auch gerne die vielen geschenkten Erdbeeren, den immer noch beträchtlichen Rest pürierten wir und lagerten ihn in unserem Minitiefkühlfach.

So elegant die Pelikane beim Fliegen aussehen, umso lustiger schauen sie bei der Landung aus


Zurück an die Pazifikküste

Nach den eher kühlen Nächten auf dem Hochplateau freuten wir uns wieder ans Meer zu fahren und die viel wärmeren Temperaturen zu geniessen. Quer durch die Berge fuhren wir durch herrliche Landschaften. Bis auf 2000 m hoch mussten wir noch einmal bis sich die Strasse schliesslich auf Meereshöhe absenkte.

In Sayulita traf uns das warme Klima dann doch ziemlich. Fast 36°C und auch in der Nacht blieb die Temperatur über 20°C.Bei einem Spaziergang am Strand begegneten wir überraschend auf zwei "Landsleute": Dabei handelte es sich allerdings um zwei schöne St. Berhardiener Hunde eines mexikanischen Besitzers. Auf der einen Seite genossen wir den touristischen Rummel nach den vielen Abenden ohne Nachbarn, aber länger würden wir es hier nicht aushalten. In Puerto Vallarta machten wir für einmal bei einem Toyota Händler einen Teilservice, die Diesel- und Ölfilter mussten wir allerdings selber beistellen, da Diesellandcruiser nicht nach Mexico importiert worden sind.

Südlich von „PV“ wollten wir einen Abstecher an die wenig entwickelte Küste machen. Auf einer schmalen Teerstrasse ging es bei El Tuito nach Westen. Schliesslich ging es nur noch über eine schmale Dschungelpiste weiter. An der Küste wurden wir dann aber enttäuscht. Der angepeilte Camping wollte uns nur auf einem staubigen Parkplatz stehen lassen, obwohl keine Menschenseele ausser uns dort war und direkt am Strand eigentlich eine schöne Stellmöglichkeit  vorhanden wäre. Zudem wollte man dafür eine viel zu hohen Preis, so dass wir es vorzogen nach einer Alternative zu suchen. Das GPS leitete uns dann nicht der Küstenpiste entlang sondern wieder durch den Dschungel auf die Hauptstrasse zurück. Das stellte sich dann als kleines Abenteuer herausstellte. Die schmale Piste war oft ausgewaschen und zugewachsen und die grosse Bodenfreiheit des Landcruisers zahlte sich wieder einmal aus. Gut 1 ½ h brauchten wir für die 35 Kilometer bis wir wieder auf der Hauptstrasse landeten.

 

Entlang der Küste machten wir dann noch an einigen Orten halt und genossen die Strände. 



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Kommentare: 1
  • #1

    Christine M. (Mittwoch, 01 Februar 2017 20:46)

    Es ist einfach immer wieder spannend, eure Reiseberichte zu lesen und immer "garniert" mit schönen Fotos.