Auf dem Dalton Highway zum Polar Meer - Juli 2016

Das Wetter passt! Mindestens zwei schöne Tage mit Temperaturen bis 30 °C bevor eine Regenfront sich breit macht. Eigentlich hätten wir einen weiteren Service und Ruhetag in Fairbanks geplant gehabt, aber bei diesem Wetterbericht wollten wir die Chance nutzen.

Die ersten 150 km nach Norden fährt man auf dem geteerten Elliot Hwy zum eigentlichen Start des Dalton Hwy. Dieser führt auf etwa 650 km nach Deadhorse, einer Ölfördereinrichtung nur ein paar Km vom Polar Meer entfernt. Erst glaubten wir mit demMotor  unseres Landcruisers stimmt was nicht. Immer wieder musste Ueli zum Teil bis in den zweiten Gang schalten, um die Hügel hochzukommen. Dann mussten wir ganz einfach feststellen, dass a.) die Strasse sehr steil angelegt ist und b.) wir 270 l Diesel, 120 l Wasser und Futter für eine Woche gebunkert hatten. Und auch mit Turbo ist ein 3.2 t schwerer Landcruiser keine Rakete.

Noch keine Stunde unterwegs kamen wir an einen Unfall. Ein Pickup war auf grader Strecke von der Strasse abgekommen und im Graben auf dem Dach gelandet. Es waren zwar schon Leute vor Ort aber der verletzte Fahrer des Unfallwagens war noch nicht versorgt worden. Myrta legte dem Mann erst mal einen Verband an und fixierte die offensichtlich gebrochenen und blutenden Finger während Ueli kurzerhand mit der Winde das Fahrzeug wieder auf die Beine stellte. Nachdem noch eine Krankenschwester eintraf und die medizinische Betreuung übernahm machten wir uns von dannen.

Einmal auf dem Dalton Hwy geht die Achterbahn munter weiter. Immer in Sichtweite der Trans Alaska Ölpipeline verläuft die Piste. Nach etwa 100 km kommt man an den Yukon. Seit wir den Fluss in Dawson das letzte Mal gesehen hatten, ist er mächtig gewachsen. Kurz danach richteten wir uns auf dem 60 Mile Campground ein. Dieser ist zwar nicht sehr schön, aber wir fanden ein nettes Plätzchen. Interessant ist der artesische Brunnen dort: Eiskaltes und herrlich schmeckendes Trinkwasser wird durch Erddruck an die Oberfläche gedrückt und steht allen frei zur Verfügung.

Bald erreichten wir den Polarkreis noch einmal. Dort trafen wir auch Marie-France und Herve mit ihrem Toyota Hilux Azalai wieder. Die Landschaft wurde zunehmend bergiger, es ging nun in die Brooks Range hinein. Vor dem eigentlichen Pass über die Berge machten wir einen Zwischenhalt in Coldfoot. Ein schön eingerichtetes Besucherzentrum  bietet Ausstellungen und Infos zur Region.

Die Querung der Brooks Range ist ein landschaftlicher Höhepunkt der Strecke. Bis auf über 1400 müM hoch windet sich die Strasse, um auf dem Atigun Pass den höchsten Punkt zu erreichen. Eigentlich hatten wir geplant dort zu übernachten in der Annahme, dass wir die Mitternachtssonne so am besten sehen konnten. Dem war nicht so, denn hohe Berge verhindern den Blick nach Norden. So fuhren wir zu den Bergen hinaus und übernachteten am Galbraith Lake. Dort blieben wir noch lange auf und freuten uns, dass wir doch noch eine Nacht ohne Sonnenuntergang erleben durften. Unsere Solaranlage lieferte auch nach Mitternacht noch Strom.

 

Unten eine Zeitrafferaufnahme. Start um 22 Uhr, Ende ca, 6 Uhr Morgens. Am Morgen verschwindet die Sonne aus dem Bildausschnitt

 

Nun befanden wir uns in der Tundra, Bäume gibt es nördlich der Brooks Range keine mehr. Dem Sag River entlang erreichten wir schliesslich Deadhorse. Um ans Polarmeer zu gelangen bleibt nur die Möglichkeit sich einer Tour anzuschliessen, denn die Strassen nach Norden sind einzig den Ölfirmen zugänglich. Wir fragten nach, ob es noch Platz habe und zu unserem Erstaunen konnten wir noch für den gleichen Nachmittag buchen. Das war auch vorteilhaft, denn das Wetter war nun definitiv am kippen. Um 1400 Uhr bei unserer Ankunft zeigte das Quecksilber noch 27 °C als die Tour um 17.30 zu Ende war hatten wir noch 7 °C.

Bevor es aber soweit war machten wir noch eine Stadtrundfahrt. Containerhotels, Ölfördertürme, Werkstätten und Lagerhallen prägen den Ort, kein Zentrum, keine Einrichtungen für Auswärtige, alles nur zum Zweck der Ölförderung. Mit einem Bus karrte man uns schliesslich durch Deadhorse bis hoch zur Prudhoe Bay. Mitten in den Förderanlagen sahen wir Caribous und Gänse, die lassen sich offensichtlich nicht stören. Am Meer angekommen zogen einige der Leute kurzerhand die Badehosen an und sprangen in die eisigen Fluten. Als ob das nicht schon hart genug gewesen wäre, blies ein Sturm so stark, dass es einem fast von den Füssen holte.

Zurück beim Auto entschlossen wir uns gleich wieder den Rückweg anzutreten, denn in Deadhorse gibt es kaum einen ruhigen Platz zum Campen, Infrastruktur sowieso nicht. So fuhren wir noch etwa 50 km südwärts wobei uns die zwei Baustellen glatte zwei Stunden kosteten. Aber es lohnte sich, denn so konnten wir, bei nun einsetzendem Regen direkt am Sag River eine ruhige Nacht verbringen.

Wir hatten schon mit anhaltend schlechtem Wetter gerechnet und waren dann recht überrascht, als am Morgen nur leichte Bewölkung herrschte. So genossen wir die Fahrt zurück und wunderten uns immer wieder wie unterschiedlich der Eindruck doch war auch wenn wir auf derselben Strasse fuhren.

Nach dem Pass wurden uns Schwertransporte angekündigt welche wir kreuzen mussten. Unglaublich grosse Lasten wurden nach Deadhorse hochgekarrt, aber auch sicher 10 Tankzüge a 50000 l bringen Unmengen von Treibstoffen hoch. Paradoxerweise kostet Diesel dort oben dann mehr als doppelt so viel wie in Fairbanks und das obschon er eventuell hier für ein paar Dollar als Rohöl gefördert worden war. Da waren wir froh, dass wir genügend Treibstoff bunkern konnten um die 1600 km nach Deadhorse und zurück ohne nachtanken zu bewerkstelligen.

Schon beim Hochfahren hatten wir an einer Flussüberquerung ein schönes Buschcamp ausgemacht. Dort auf einer Kiesbank direkt am Fluss richteten wir uns ein. Brennholz in Hülle und Fülle machte es uns leicht unsere gefüllten Peperonis im Campoven zu garen. Noch hielt das Wetter aber tiefe Wolken, starker Wind und kalte Temperaturen verhiessen nichts Gutes.

 

 

Ganz früh am Morgen hörten wir dann die ersten Tropfen fallen und es sollte nicht mehr aufhören, auch nicht als wir wieder in Fairbanks eintrafen. 


Eskimo und Indianer Olympiade in Fairbanks - July 2016

Ueli hatte diese Veranstaltung schon in den Achtziger Jahren einmal besucht und da sie in den kommenden Tagen wieder stattfinden würde beschlossen wir, bis dahin zu den Chena Hotsprings zu fahren. Das Wetter war noch immer regnerisch und kalt, aber genau richtig für ein entspannendes Bad in den heissen Quellen. In einer guten Stunde erreichten wir den Badeort. In einem von grossen Granitblöcken umrahmten Naturpool wärmten wir unsere Knochen im 40°C warmen Wasser auf.

Abends assen wir im angeschlossenen Restaurant wobei zu sagen ist, dass unsere Küche nicht nur mehr Abwechslung als die Speisekarte garantiert, sondern in der Regel auch mindestens so gut schmeckt.

Zurück in Fairbanks hatten wir erst mal noch eine Bastelstunde. Die hintere Türe hatte uns bei starkem Regen immer wieder Überschwemmungen beschert  und da der Dalten Highway  grösstenteils eine bei Regen schlammige Piste ist, war halt kein sauberes Regenwasser eingedrungen. So kauften wir die notwendigen Dichtungen und Ueli montierte alles im Campingplatz.

Am nächsten Tag ging es nun los mit den „World Eskimo and Indian Olympics“. Gut, die Sportler und alle anderen Teilnehmer kamen ausschliesslich aus Alaska und sowohl die Teilnehmerzahl wie auch die Zuschauerzahlen waren sehr bescheiden.

Tagsüber fanden erst mal Ausscheidungswettkämpfe statt. Die Sportarten leiten sich meist von Fähigkeiten ab, welche die Jäger benötigen um erfolgreich zu sein. Aber andere waren auch einfach nur skurril. Ein spezieller Dreisprung soll an das Springen von Eisscholle zu Eisscholle erinnern. Froschhüpfen aus kniender Stellung braucht man aber genau so wenig im täglichen Leben wie das Erreichen eines hängenden Lederballs wobei man auf der andern Hand balanciert  ohne dass aber die Füsse und Beine den Boden berühren dürfen.

Abends kamen wir zur Eröffnungsfeier zurück. Diese stand vor allem im Fokus der Kriegsveteranen, welche Standingovations vom Publikum bekamen um sich dann vorzustellen wo und wie lange sie  gedient hatten. Für uns unverständlich wie man die Leute nach 50 Jahren noch für die Teilnahme am Vietnamkrieg  so inbrünstig lobte und ehrte.

Höhepunkt war dann das „Blanket Tossing“. Dreissig starke Männer aus dem Publikum katapultierten dabei junge Mädchen auf einem grossen Ledertuch bis 10 m in die Luft und fingen sie dann auch wieder auf.

 

Aber auch Tanzgruppen traten auf und zeigten traditionelle Tänze, welche von einer Jury bewertet wurden.  Spätabends gingen wir ins Camp zurück, es regnete immer noch….

Videos der verschiedenen Disziplinen

Scheren 3-Sprung

Einhand Griff

Froschsprung

Eskimo Trampolin



Der Südwesten Alaskas - Juli 2016

Wir brachen wieder einmal unsere Zelte ab um zum Denali Nationalpark zu fahren. Dieser befindet sich etwa auf halber Strecke zwischen Fairbanks und Anchorage. Das Wetter versprach allerdings nach wie vor nichts Gutes. Als wir dann kurz nach Mittag ankamen mussten erst mal feststellen, dass alle Campingplätze ausgebucht waren. Auch die Busse, die einzige Möglichkeit tiefer in den Park zu gelangen, waren schon weitgehend ausgebucht. Das hätte bedeutet, zum Übernachten ausserhalb des Parks einen teuren und nicht sehr einladenden Privatcamping zu suchen und ob man bei dem Regenwetter und den tiefhängenden Wolken im Shuttlebus überhaupt etwas hätte sehen  können war mehr als fraglich. So besuchten wir das Visitorcenter und zogen weiter.

Das Wetter wollte einfach nicht besser werden und die Aussichten waren alles andere als rosig. In Anchorage hielt uns ausser einem Camping mit Dusche nicht viel. Zu unserer Überraschung war das Wetter am nächsten Tag gar nicht mal so schlecht. Es war und blieb den ganzen Tag trocken und die Wolken waren recht hoch. Wir fuhren erst mal zum Wasserflugzeugplatz hinaus und beobachteten wie die Wasserflugzeuge im Minutentakt starteten und landeten. Hunderte dieser Flugzeuge sind rund um einen See vertäut.

Zudem kamen wir immerhin in den Genuss auf der Fahrt am Turnagain Arm entlang eine schöne Aussicht auf die umliegenden Berge zu erhaschen. Eine kurze Wanderung brachte uns nahe an den Byron Gletscher heran und in den Flüssen konnten wir die ersten aufsteigenden Lachse aus nächster Nähe beobachten.

Wir genossen die Gunst der Stunde und fuhren nach Hope hinaus wo wir mit viel Glück den letzten Campingstellplatz erhielten. Eine weitere Wanderung führte dem Südufer des Turnagain Arms entlang durch einen abwechslungsreichen Wald mit einigen schönen Ausblicken auf den Meeresarm. Da dort auch eine grosse Ebbe/Flut Differenz auftritt lagen zum Zeitpunkt grosse Flächen trocken.

Der nächste Tag war dann wieder verregnet, aber wir hatten immerhin das Glück, die Wanderung zum Exit Gletscher im Trockenen machen zu können. Zurück beim Auto prasselte der Regen bereits wieder aufs Dach.

In Seward hatten wir das Glück eine Gruppe von Seeottern vom Ufer aus beobachten zu können. Gemütlich auf dem Rücken liegend liessen sie sich treiben. Da geschah dann auch ein grösseres Missgeschick: Ueli hatte die Fotokamera auf die Motorhaube gelegt, um mit dem Feldstecher die Tiere besser beobachten zu können. Als wir weiterfuhren, rumpelte es plötzlich und wir sahen das gute Stück über die Seite der Haube auf die Strasse poltern. Resultat: Objektiv Totalschaden, Kamera zum Glück unversehrt.

Wir wollten noch nicht aufgeben und fuhren tags darauf weiter auf die Kenai Halbinsel hinaus. Als aber der Regen immer anhaltender wurde, je näher wir der Westküste kamen, suchten wir ein WiFi um die Wetterprognose einzuholen. Diese war für die nächsten 7 Tage gleichbleibend schlecht. Genug ist genug, nach nunmehr 10 Tagen Regenwetter mit nur wenigen trockenen Stunden beschlossen wir Alaska den Rücken zu kehren und drehten Richtung Kanada.

Abends im Camp noch eine angenehme Überraschung. Ein junges Paar näherte sich unserem Auto und wir dachten schon es seien wieder Neugierige die mehr über unseren Camper erfahren wollten. Es stellte sich heraus, dass Simon und Petra aus der Schweiz uns einzig zwei überschüssige, frische Lachsfilets schenken wollten. Da konnten wir uns nur nett bedanken und weg waren sie wieder.

 

In Anchorage, konnten wir uns Ersatz für das zerstörte Objektiv besorgen und fuhren weiter Richtung kanadische Grenze. In der Tetlin Wildlife Refuge kamen wir in einem schönen Campingplatz am Deadman Lake unter. Abends hörten wir uns einen Vortrag einer alten Indianerdame an, welche uns an ihrer Lebensgeschichte teilhaben liess. Da der Vater früh verstorben war, wuchs sie mit ihrer Mutter und den Geschwistern in der Wildnis auf  und lernte so das Leben und Überleben unter einfachsten Bedingungen kennen. Aber auch die Traditionen, Sprache und Kultur wurden ihr vermittelt und so gibt sie dieses Wissen auch heute noch als 70-jährige an die Jungen und eben auch an interessierte Aussenstehende weiter.



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