England und Wales

Von Newhaven nach Stonehenge

Am Morgen fuhren wir wieder zum Hafen hinaus und checkten ein. Auf die Minute Pünktlich lief die Fähre um elf Uhr aus und bot uns einen letzten Blick auf die Stadt mit seinem Strand und dem dominanten Schloss.

Die vier Stunden Überfahrt verlief sehr ruhig und recht kurzweilig. Bald waren wir von Bord und die Passkontrolle hinter uns. Weitere Kontrollen fanden gar nicht erst statt.

Nun galt es sich beim Fahren erstmal sich zu konzentrieren, denn nun herrschte Linksverkehr. Auch wenn unser Landcruiser vorteilhafterweise rechts gelenkt ist, war es doch gewöhnungsbedürftig auf „der falschen Seite“ zu fahren.

Unser erster Halt galt dem „Long Man“ von Wilmington. Dabei handelt es sich um eine etwa 500 Jahre alte Zeichnung an einem Abhang. Die etwa siebzig Meter hohe Figur wurde mir weissen Kalksteinen ausgelegt und ist am besten aus der Distanz zu sehen. Die genaue Bedeutung der Figur ist nicht erklärbar und welche Funktion sie allenfalls hatte ebenso wenig.

In Alfriston besichtigten wir das kleine Dorf welches mehrere guterhaltene Häuser aus dem 13. Jh. bietet, unter anderem auf mehrere Pubs. Das Georges Inn wurde nachweislich bereit 1397 als Pub lizensiert, Grund genug im gemütlichen Garten ein erstes Bier in England zu geniessen.

Anderntags fuhren wir noch ein kleines Stück ostwärts um an der Küste den berühmten Beachy Head zu besichtigen. Die schneeweissen Kippen fallen weit über hundert Meter ab und unten im Wasser steht der rotweisse Leuchtturm.

Nur ein paar Kilometer weiter westlich lohnt sich ein weiterer Stop beim Biling Gap. Dort ist die Steilküste nur gerade ein paar Meter hoch, sodass man einen guten Zugang zum Strand hat. In beiden Richtungen kann man stundenlang dem Strand entlang wandern. Auch hat man eine schöne Aussicht auf die Seven Sisters, ein weiterer Steilküstenabschnitte mit hohen, schneeweissen Felsklippen.

In Brighton machten wir nur einen kurzen Stopp um über den über 500 m langen Pier zu spazieren. Noch war noch nicht viel los, denn der Betrieb nimmt erst nachmittags mehr Fahrt auf. An Wochenenden im Sommer ist hier allerdings dann die Hölle los.

Der Verkehr entlang der Küste war für uns sehr ungewöhnlich stark. Viel Kreisel und Ampeln machten das Vorwärtskommen etwas mühsam. Flotter ging es voran, wenn die Strasse wieder mal vierspurig verlief, aber das Autobahnfahren macht einem wiederum wenig Spass.

Porthmouth machte uns einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Eigentlich hatten wir den alten Hafen mit seinen alten Kriegs- und Segelschiffen besuchen wollen, aber eingangs der Stadt standen wir überraschend vor einem Schild, welches in einer Viertel Meile eine Umweltzone ankündigte. Diese darf man aber nur befahren, wenn man im Vorfeld online eine „Ablassgebühr“ entrichtet. Ob das so geschehen ist, wird dann konsequent mit Verkehrskameras überprüft. Wir drehten bei der nächsten Gelegenheit wieder um und können nur hoffen, dass wir nicht doch noch eine Busse bekommen, da wir sicher 200 m in die Zone eingefahren sind bevor wir wenden konnten. Wieso die Luft nun besser sein soll, wenn man eine Gebühr entrichtet ist nicht wirklich nachvollziehbar. Aber vielleicht wird das Geld ja auch zum Aufforsten am anderen Ende der Welt eingesetzt…

 

Stonehenge

Da wieder einmal ein Wochenende bevorstand, entschlossen wir und spontan, noch bis Stonehenge zu fahren und so einem allfälligen Weekendrummel zu entgehen. Am späten Nachmittag hatte es dann auch wirklich nicht mehr allzuviele Besucher. Wir konnten zum ersten Mal von unserer Mitgliedschaft bei „English Heritage“ profitieren, denn Mitglieder können sämtliche Einrichtungen kostenlos besichtigen.   

Mit dem Shuttlebus liessen wir uns zu den ca. 2.5 km entfernten Steinkreisen chauffieren. Eigentlich ist es schade, dass man das Monument nur von aussen besichtigen kann, in den Ring hinein darf man schon viele Jahre nicht mehr. Das hat aber den Vorteil, dass man von der Anlage Bilder schiessen kann, ohne dass einem immer Leute vor der Linse stehen. So kann man den etwa 3500 Jahre alten Steinkreis von allen Seiten ungestört bestaunen.         

Zurück im Visitorcenter besuchten wir auch noch die Ausstellung und das nachgebaute Dorf. Besonders eindrücklich ist der Nachbau einer Transporteinrichtung, wie man sie mutmasslich benutzt hatte, um die bis über 30 Tonnen schweren Felskolosse vom Steinbruch, der liegt fast 200 km entfernt, auf die Baustelle zu schaffen.

 

Nachdem wir noch für das Wochenende eingekauft hatten, fuhren wir in das Herz der „New Forest“ hinein und fanden in einem schönen Campingplatz einen Übernachtungsplatz. 

New Forest Nationalpark

Das herrliche Wetter lud zum Wandern ein. Wir beschlossen eine Rundwanderung direkt vom Campingplatz aus zu starten.
Direkt ausserhalb des Campingplatzes gelangten wir an den kleinen Fluss Fletchers Water. Auf einem schmalen Pfad ging es durch einen herrlichen Mischwald in welchem viele eichen, zum Teil sehr alte Bäume, dominierten. Die Blue Bells deckten den Waldboden zum Teil so dicht ab, dass er in herrlichem Blau leuchtete. Nach etwa einer Stunde gelangten wir in den Ort Lyndhurst. Dort mussten wir eine Weile der Hauptstrasse entlang gehen, bevor der Wanderweg wieder in den Wald eintauchte. Kreuz und quer ging es dahin und immer wieder begegneten wir hier anderen Wanderern und Biker. Auf einem kaum erkennbaren Weg zielten wir auf die Hauptstrasse welche wir wieder queren mussten. Hier war der Wald licht und immer wieder von grasigen Flächen unterbrochen. Es wunderte uns deshalb nicht einige der wilden Ponies beim Grasen anzutreffen. Diese Tiere gehören meist niemandem und sie leben in freier Wildbahn. Nebst den Ponies leben auch wilde Schafe, Esel und sogar Schweine im New Forest. Nach dem queren der Strasse marschierten wir durch das luxuriöse Anwesen des New Park Hotel. Auf den umliegenden Wiesen grasten dort, wie übrigens auch im und um den Campingplatz, dutzende von Hirschen. Von diesen gibt’s es mehrere Arten, welche in grossen Herden zusammenleben und das saftige Gras der grossen Wiesen geniessen.

Auf nach Cornwall

Mitten durch den New Forest fuhren wir Richtung Küste und folgten dieser im Hinterland auf gut ausgebauten Strassen.  

Um die Lulworth Cove zu besuchen, mussten wir von der Hauptstrasse auf kleine, schmale Landstrassen wechseln. Die ringförmige Bucht mit einem nur schmalen Ausgang zum Meer, zieht vor allem am Wochenende viele Besucher an. Als wir aber an den Strand kamen, waren auch wir von der herrlichen Küstenlandschaft begeistert. Nun, für uns war klar, hier würden wir wohl auch im Hochsommer nicht schwimme gehen, dazu ist uns das Wasser des Atlantik schlicht zu kalt. Die Briten hingegen, waren schon jetzt im Frühling im Wasser und genossen dieses offensichtlich.

In Weymouth legten wir einen kurzen Fotohalt ein, denn der alte Hafen ist wirklich sehr pittoresk. In der Nähe von Exmouth wollten wir das Haus „A La Ronde“ besichtigen. Als wir aber ankamen, mussten wir feststellen, dass bereits geschlossen war. Nun, wir konnten das ungewöhnliche Gebäude und die schöne Parkanlage zumindest von aussen besichtigen.

Der Nachmittag war bereits fortgeschritten und wir mussten einen Übernachtungsplatz suchen. Etwas ausserhalb des Dartmoor Nationalparks bot sich eine Gelegenheit bei einem Pub auf der Wiese, direkt an einem Fluss, zu bleiben. Nicht nur war der Pub eine gute Gelegenheit sich ein feines Bier zu genehmigen und gleichzeitig mit den Einheimischen Gästen in Kontakt zu treten. Hier auf dem Land trifft man kaum noch auf Touristen und sowieso keine Ausländer.

Nach einer sehr ruhigen Nacht fuhren wir in den Nordteil des Dartmoor Nationalparks, wo wir eine Wanderung unternehmen wollten.          

 

 

Wanderung bei der Fingle Bridge

Bei der Fingle Bridge ist der Beginn einer abwechslungsreichen Rundwanderung. Auf dem Hunters Path ging es erst mal steil hoch auf ein Plateau. Von dort geniesst man eine schöne Aussicht hinunter in das Tal des Teign und in der Ferne auf das Hochmoor. Bald erreichten wir das Drogo Castle. Das ist deshalb speziell, weil es erst im 19 Jh. erbaut wurde. Noch heute bewohnt die Familie ein Teil des Schlosses, auch wenn dieses an den National Trust übergeben worden ist. Dieser übernimmt die Unterhaltskosten und finanziert das durch Eintritte und Mitgliederbeiträge. Die zugänglichen Räumlichkeiten sind dann auch deshalb speziell, weil zum Beispiel eine Telefonzentrale und weitere neuzeitlichere Einrichtungen zu bestaunen sind. Tief unten am Fluss hatte man schon 1926 ein Kraftwerk errichtet welches auch heute noch die Stromversorgung gewährleistet. Die Wanderung führte in der Folge hinunter zum Fluss und folgte diesem bis zur alten Fingle Bridge, wo wir wieder zu unserem Auto gelangten.

Ans Ende der Welt

Die Route führte nun mitten durch das Hochmoor im Herzen des Nationalparks. Immer wieder sah man Ponys und Schafe welche in der kargen und unbewaldeten Landschaft grasten.

Kurz vor Plymouth trafen wir wieder auf die Hauptstrasse Richtung Landsend, der westlichste Zipfel Englands. Bei Marazion übernachteten wir und profitieren am nächsten Morgen bereits zu den ersten Besuchern des St. Michael Mount zu gehören. Wie schon in Frankreich am Mont St. Michel waren es dieselben Mönche die hier auf einer ähnlich gelegenen Insel ein Kloster gründeten. Da noch wenig Betrieb herrschte, konnten wir am Vorabend die Tickets kaufen und fuhren aufgrund der hohen Ebbe mit dem Boot hinaus zur Insel. Als erstes besuchten wir den wunderbar angelegten Garten des Anwesens. Vor allem Sukkulenten wachsen in allen Farben und Grössen. Auch die Besichtigung des Schlosses war interessant. Mitglieder der ehemaligen Besitzerfamilie wohnen noch immer im Schloss. Die Kirche hier ist bedeutend bescheidener als die in der Normandie, aber trotz der schlichten Erscheinung sehr eindrücklich. Nachdem wir zurück im Camping waren, checkten wir aus und fuhren weiter westwärts.

Porthcurno ist ein kleines an und für sich unbedeutendes Dorf. Aber die wunderschöne Bucht mit einem herrlichen Sandstrand zieht auch hier viele Leute an. Aber speziell ist, dass ab hier zu Zeiten des Telegrafen die ersten Seekabel verlegt wurden. Zwischen den Weltkriegen führten nicht weniger als 14 Überseekabel von hier weg. Bereits 1870 startete hier auch das Kabel nach Indien, welches um die Südspitze Afrikas herum in die ferne Kolonie führte.

Das Minack Theatre, ganz in der Nähe, ist an einem Abhang aus dem Fels geschlagen worden und bietet für kleine Zuschauergruppen exklusive Theatervorstellungen. Dass man für den Besuch, wie an vielen anderen Orten auch, Ticket schon im Voraus online kaufen muss, blieb uns nur ein Blick aus der Ferne.

Wanderung bei Landsend

Wir erreichten schliesslich Lansend, den westlichsten Punkt Englands. Wir quartierten uns im Landsend Camping ein und starteten eine schöne Rundwanderung. Sie führte uns vom Camping hinunter an die Sennen Cove. Von dort folgten wir dem Coast Trail bis Landsend, dort wo sich die Touristen auch jetzt schon in grosser Zahl tummelten. Wir genehmigten uns eine Cornish Pasty. Die mit Fleisch und Gemüse gefüllte Pastete reichte für uns beide bestens. Frisch gestärkt folgten wir der Küste weiter bis zum Nanjizal Beach wo wir uns ins Landesinnere wandten und mitten durch die Felder zum Campingplatz zurückgingen.

Der Norden von Cornwall

In der Nacht kam Regen und heftiger Wind auf und am Morgen erwartete uns ein trüber, nasser Tag. Einige Kilometer nördlich machten wir einen Abstecher zu den Überresten der Levant Mines. Die ganze Region war in der Vergangenheit bekannt für die Zinnminen. Überall sind noch heute Ruinen desr Zeit zu sehen. Bei dem grusligen Wetter bestaunten wir die Gebäude aus dem geschützten Auto.

Wegen des Wetters fuhren wir zügig nordwärts. Gegen Mittag hörte der Regen wie prognostiziert auf und kurz bevor wir das Tagesziel an der Küste erreichten riss der Himmel auf und bald genossen wir wieder Sonne und blauen Himmel. Einzog der Wind und die kühlen Temperaturen erinnerten und daran, das wir an der englischen Küste waren.

In Watermouth wählten wir den Watermouth Valley Camping und machten einen Spaziergang zum Hafen und dem nahen Schloss.

Abends hatte Myrta zum zweiten Mal chinesisch Unterricht, mit einigen Unterbrechungen funktionierte der Unterricht sogar über das Handynetz.

 

Wir folgten der Nordseite der riesigen Halbinsel welche den südwestlichen Zipfel England bildet. Das Küstenstädtchen Lynton liegt hoch über dem Strand und durch eine Standseilbahn mit dem unten liegenden Schwesterort Lynmouth verbunden. Beide Orte besitzen einen weitgehend intakten Ortskern mit schwarz weissen Riegelbauten. Wir hatten einen Moment nicht aufgepasst und waren einfach blind dem GPS gefolgt, welches uns, anstatt auf der Küstenstrassen zu bleiben, weit ins Landesinnere schickte. Das war weiter nicht schlimm, dafür kamen wir etwas besser vorn, da die Strecke weniger kurvenreich war.

Bath

Ein nächstes Zwischenziel war Bath. Schon einige Kilometer vor dem Zentrum wurde man darauf hingewiesen, dass eine „Clean Air Zone“ vor uns lag. Diesmal hatten wir aber genügend Zeit und Optionen um noch vorher einen Parkplatz zu suchen und von dort mit dem Bus in die Stadt zu fahren.

Bath ist eine alte Römerstadt, aber nur noch wenige Überbleibsel sind erhalten. Ansonsten weist das Zentrum grosszügige Strassen und eine Fussgängerzone auf, wo man ohne Stress die reichen Bürgerhäuser bewundern kann. Die Fassaden sind meist aus hellen Natursteinen erstellt, was den Gebäuden einen modernen Anstrich verpasst. Am Fluss Avon liegt ein herrlicher grüner Park und eine alte Steinbrücke führt über das Gewässer.

Süd Wales

Da es in der Gegend wenig Übernachtungsoptionen gibt, wollen wir noch bis nach Wales weiterfahren. Beim Umfahren von Bristol wurde der Verkehr recht hektisch. Der Grund war, dass die vielen Mamis in ihren Autos um die Schulen herum die Strassen so zu geparkt hatten, dass der Verkehr nur noch einspurig zirkulieren konnte. Das führte dann zwangsläufig in mehreren Ortschaften zu Staus. Nun, schliesslich schafften wir es noch über die mächtige Brücke, welche den Meeresarm bei Bristol überwindet. Wir hatten eigentlich wieder bei einem ruhig gelegenen Pub übernachten wollen, aber es stellte sich heraus, dass er geschlossen war. Dasselbe passierte uns bei einem zweiten Pub den wir anfuhren. Schliesslich landeten wir auf einem schönen Campingplatz. Da es unterdessen recht spät geworden war und das Wetter auch eher ungemütlich, beschlossen wir zu einem nahegelegenen Pup zu spazieren und dort das Nachtessen einzunehmen. Da der Campingbesitzer zu gleichen Zeit wegfuhr, bot er uns an, uns mitzunehmen und beim Restaurant abzusetzen. Wir wählten beide die klassischen „Fish and Chips“ und wurden nicht enttäuscht. Der halbstündige Fussmarsch zurück zum Camping half die Kalorien zu verbrennen.

Rhonndda Heritage Park

Im Rhonndda Heritage Park wird einem die Geschichte des Kohlenbergbaus näher gebracht. Kohle hatte die Region reich gemacht, gut, wenigstens die Besitzer der Minen. Die Arbeitsbedingungen der Minenarbeiter war sicher kein Zuckerschlecken gewesen, das zeigten die Geschichten und Bilder im Museum deutlich. Den Höhepunkt erreichte die kohlenreiche Gegend zwischen 1840 und 1925. Als dann 1990 die letzte Kohlengrube ihre Tore für immer schloss, ging es mit der ganzen Region wirtschaftlich bergab. Bis heute hat sich die Region nicht wieder vollständig erholt.

Brecon Beacons Nationalpark

Durch den Brecon Beacons Nationalpark führte unsere Route weiter nordwärts. Im Zentrum des Parks machten wir einen Zwischenhalt und schnürten die Wanderschuhe. In der Gegend befinden sich mehrere Wasserfälle, welche durch einen Rundwanderweg erschlossen sind. Schon kurz nach dem steilen Abstieg vom Hochplateau trafen wir auf den ersten Wasserfall. Auch der Wald war, wie schon oft in Grossbritannien, sehr naturbelassen. So ist die Artenvielfalt von Bäumen, Pflanzen und vor allem auch Vögeln erstaunlich hoch. Beim einen Wasserfall kann man sogar hinter dem Fall durchgehen ohne nass zu werden.

Powis Castle

Wir haben für diese Reise sowohl beim „National Trust“ wie auch beim „English Heritage“ eine Jahresmitgliedschaft erstanden. Diese beiden Organisationen betreiben Hunderte von historischen und natürlichen Sehenswürdigkeiten, welche wir als Mitglieder kostenlos besuchten konnten. Das lohnt sich schnell einmal, sind doch die Eintrittspreise meist recht happig. Zudem zahlt man ohne Mitgliedschaft oft auch noch 2 bis 4 £ für den Parkplatz.

Nun, beim Schloss Powis konnten wir einmal mehr profitieren und genossen den Besuch der Räumlichkeiten und der grosszügigen Gartenanlagen. Das Schloss wurde bereits um 1200 gebaut und immer wieder aus und umgebaut. Ganz speziell sind die uralten Eiben im Garten, welche zum Teil wie Wolken äusserst exakt geschnitten werden.

 

Llangollen und Umgebung

Bei der Anfahrt von Llangollen gerieten wir in einen zeitraubenden Stau. Aufgrund einer Baustelle und recht viel Verkehr brauchten wir für die letzten zwei Kilometer beinahe eine Stunde. Dafür hatten wir bei der Parkplatzsuche Glück und parkten ganz in der Nähe der alten Brücke über den „Dee“. Am Bahnhof machte sich eben ein alter Dampfzug abfahrbereit. Im kleinen Ort schlenderten Hunderte Touristen durch die Strassen und genossen das sonnige Wetter. Unweit von Llangollen kann man eine Kuriosität besichtigen.

Pontsysylite Aqueduct

Bei Trevor überquert der Shropshir Unsion Canal das Tal des Dee auf einem mächtigen Aquadukt. Das Bauwerk ist über 300 m lang und fast 40 m hoch. Die „Narrow Boats“ können so auf dem Kanal weiterfahren und das Tal des Dee problemlos überwinden. Wir spazieren dem Kanal entlang bis zur Brücke und bewunderten die teils sehr schön restaurieren „Narrow Boats“. Diese sind in den Abmessungen genau auf die üblichen Kanalbreiten adaptiert, sodass sie die schmalen Schleusen befahren können.

Chirk Castle

Ganz in der Nähe besuchten wir zu guter Letzt noch das Schloss Chirk. In einer riesigen Parkanlage trohnt dieses Schloss auf einem Hügel. Einige der Innenräume sind authentisch ausgestattet und vermitteln einen Eindruck wie die Schlossherrschaften im 19. Jahrhundert hier gelebt haben.

Bei Freunden eingeladen

Nun hatten wir für den Tag mehr als genug Kultur und Architektur reingezogen und machten uns auf nach Warrington. Dort waren wir von Phil, einem ehemaligen Arbeitskollegen von Ueli eingeladen worden. Ueli hatte aber noch immer die alte Wohnadresse in seinen Kontakten und landeten deshalb wohl an der richtigen Adresse, nur hatte der Besitzer unterdessen gewechselt und Phil war, zum Glück, nur einige Kilometer weiter in ein anderes Haus gezogen. Ein fetter BMW vor dem Haus hatte Ueli stutzig werden lassen. Ein Telefon mit Phil schaffte schliesslich Klarheit.

Das Wiedersehen mit Joan und Phil nach doch unterdessen einigen Jahren war herzlich und wir genossen die Gesellschaft der Beiden. Sie verwöhnten uns mit einer feinen Lachspastete und einer guten Flasche Wein. Es spät gingen wir schliesslich schlafen und das in einem eigenen Zimmer mit einem überbreiten Bett.

Phil Tochter war am Sonntag bei einem Halbmarathon in Chester am Start. Zusammen mit unseren Freunden fuhren wir deshalb nach Chester um Kate beim Zieleinlauf anzufeuern. Uns blieb noch Zeot um einen ersten Eindruck von der eindrücklichen Altstadt zu gewinnen. Nach etwa einer halben Stunde lief Kate im Ziel ein und machte einen recht frischen Eindruck. Nachdem sie sich mit ihrem Mann zum Duschen und Umziehen zurückgezogen hatten, besuchten wir die eindrückliche Kathedrale. Wir betraten die Kirche gerade als der Gottesdienst sich seinem Ende näherte und gelangten daher noch in den Genuss der mächtigen Orgel. Im angeschlossenen Kaffee genehmigten wir uns eine Erfrischung. Da zu den Scones Kaffee nicht stilecht ist, bestellten wir Tee. Danach umrundeten wir die Altstadt auf der durchgängig erhaltenen Stadtmauer. Von dort ober genossen wir nicht nur die Aussichten in die Umgebung, sondern erhaschten auch immer wieder Blicke in die Gärten und Hinterhöfe der Liegenschaften innerhalb der Mauer.

Da Ueli’s Geburtstag auf diesen Sonntag gefallen war, lud er unsere Gastgeber wir auch Rick und Carol, Freunde von Phil, die aber auch Ueli kennt, zu einem Nachtessen in einem indischen Restaurant ein. Im relativ lauten Umfeld, am Nachbartisch war eine grössere Gruppe am Essen, war es für uns recht schwierig, Ricks ausgeprägten, lokalen Dialekt zu verstehen. Wir gewöhnten uns aber zunehmend daran und verstanden schliesslich das Meiste.

Da Phil und Joan am Montag für einige Tage selber verreisen wollten zogen wir weiter, aber wenn wir von Irland zurückkommen werden wir hoffentlich noch etwas mehr Zeit miteinander verbringen können.

Lake District

Nachdem es am Sonntag in Chester schön und warm gewesen war, hatte das Wetter über Nacht umgeschlagen. Es regnete immer wieder und die Wolken hingen tief über dem Land. Wir fuhren deshalb auf der Autobahn nordwärts in den Lake District. Am Coniston Water, einem der vielen Seen, richteten wir uns in einem schön gelegenen Campingplatz ein und erfreuten uns an einigen Sonnenstrahlen. Ein Spaziergang zum Seeufer eröffnete den Blick über das von Hügeln umrundete Gewässer. Ein altes Dampfschiff tuckerte an uns vorbei und hinterliess eine lange Dampffahne. Auch hier hatte es wieder unerschrockene Engländer, die sich ein Bad im kühlen See nicht nehmen liessen.

Am anderen Morgen war das Wetter zwar nicht perfekt, aber immerhin regnete es nicht und auch die Sonne liess sich immer wieder blicken. Auf einer schmalen und vor allen sehr steilen Strasse fuhren wir über den Wrynose und den Hardknott Pass nach Boot. Bis 30% Steigung liessen unseren Cruiser für einmal hart arbeiten. Nur noch im ersten Gang liessen sich die steilsten Abschnitte bewältigen.

Wanderung von Boot aus


Wir parkten in Boot und machten uns zu Fuss auf den Weg zum Eel Tarn, einem kleinen Bergsee umrundet von kahlen Bergen. Wir folten dem Talgrund und stiegen stetig auf bis wir oberhalb des Sees die Aussicht Richtung Scafell Pike haten. Der ist mit fast 1000 m einer der höchsten Gipfel Englands, leider hingen die Wolken zu tief um die Spitze sehen zu können. Auf dem Rückweg über die Bergrücken kamen wir an drei Steinkreisen vorbei, welche wie Stonehenge etwa 3000 Jahre alt sein sollen. Zurück in Boot führte der Wanderweg an einer alten Mühle vorbei über eine noch ältere Steinbrücke zu unserem Auto zurück.

Auf dem Weg nach Schottland

Nur etwa 2 km entfernt liegt der Bahnhof von Dalegarth wo die Miniaturdampf bahn von Ravenglass, am Meer liegend, kommend seine Endstation hat. Da sich ein Zug für die Rückreise startklar machte, konnten wir die Eisenbahn aus nächster Nähe begutachten. An der gut einen Meter hohen Dampflock waren mehrere Waggons angekoppelt, inklusive einem luxuriösen Wagen mit Tischen, in welchem ein älteres Paar ein Pick-Nic mit Champagner und regionalen Spezialitäten serviert bekam.

Wir fuhren ebenfalls ans Meer nach Ravenglass um herauszufinden, dass der Ort selber für uns nicht viel zu bieten hat. Unser nächster Stop war der See Wast Water, wunderschön in einem Seitental gelegen. Dort wo die Strasse endet, liegt ein altes Hotel und vom Parkplatz wird der Scafell Pike gerne in Angriff genommen.

Zurück auf der Hauptstrasse umfuhren wir den Lake District auf der Nordseite und schauten gegen Abend nach einem Übernachtungsplatz. Wir mussten noch ein ganzes Stück fahren, bis wir einmal mehr auf einer Farm einen für und passenden Campingplatz fanden. Bald nach Ankunft begann es immer wieder zu regnen, begleitet von kräftigem Wind, welcher sich auch in der Nacht nie ganz legte.

Anderntags war es nicht weit bis nach Carlisle. Da das Schloss erst um zehn Uhr öffnete, machten wir erst einen Spaziergang durch die Altstadt. Gross ist diese nicht, aber die Kathedrale war einmal mehr beeindruckend. Insbesondere die Orgel war speziell, denn so grosse Basspfeifen hatten wir noch nicht gesehen. Dass das Instrument auf entsprechend tönt, erlebten wir selber, denn der Organist war während unseres Besuchs am Spielen. Das Spektrum der Töne und das Volumen waren gewaltig anzuhören.

Ein nächster Halt galt der nahen Klosteranlage Lanercost. Zwar ist die Kirche, wie viele andere in der Gegend bei der Reformation zerstört worden, aber auch die Ruinen waren noch immer sehenswert. In derselben Gegend trafen wir dann auch auf den Hadrian‘s Wall. Diese römische Befestigungsmauer zieht sich auf über 150 km quer durch die britische Insel. Entlang dieser Linie versuchten die Römer die Barbaren im Norden zurückzuhalten. Eine mächtige Mauer und immer wieder Wachtürme und Forts wurden von den Truppen besetzt gehalten. Einige Abschnitte des Bauwerks sind auch heute noch teilweise erhalten und die Fundamente einiger Forts sind ausgegraben worden. Dem ganzen Hadrian’s Wall entlang verläuft eine touristische Route sowie ein Wanderweg. Wir waren mit Mathias und Hanni im Kontakt getreten, weil wir wussten, dass auch sie wie wir Grossbritannien und Irland bereisten. Wie sich herausstellte, waren sie nur eine halbe Stunde von uns entfernt, sodass wir zu ihnen hinfuhren und auf demselben Campingplatz übernachteten. Wir genossen einen angenehmen Abend zusammen und machten ab uns am andern Tag in Edinburgh wiederzutreffen.



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