Yukon - August 2016

Auf dem Alaska Highway durch die Yukon Territories

Der Grenzübertritt nach Kanada ging, wie bisher immer, sehr entspannt über die Bühne. Irgendwie fühlten wir uns auch wieder sehr willkommen, ein Gefühl, das sich beim Einreisen in die USA nicht so richtig einstellen wollte.

Der Alaska Highway war auch auf der kanadischen Seite gut ausgebaut, obschon immer wieder längere Baustellen das Vorankommen erschwerten. Der Verkehr durch die Baustellen wurde jeweils von einem sogenannten Flagman geregelt, d.h. an jedem Ende der durch Arbeiten behinderten Strecke stand eine Person mit einem Stoppschild und liess die Autos anhalten. Während der Wartezeit kamen wir mit den Leuten oft ins Gespräch, diese freuten sich über etwas Abwechslung, denn sie standen stundelang allein auf ihrem Posten. Auf der Weiterfahrt durch die Baustelle wurde man im Einbahnverkehr von einem Pilotcar gelotst, so dass niemand auf die Idee kam, zu schnell zu fahren.

Die Landschaft war in dieser Gegend sehr abwechslungsreich, denn südwestlich lagen die Viertausender der Saint Elias Mountains und immer wieder folgte die Strasse Seen und Flüssen, wodurch sich herrliche Weitblicke eröffneten. Am Kluane Lake und fanden wir einen wunderschönen Campingspot direkt am kiesigen Strand. Wir suchten den Schutz der vorhandenen Büsche, denn der Wind blies kräftig und ziemlich kühl über den See. Die Aussicht auf das Wasser und die gegenüberliegenden Berge war unvergleichlich. Nachdem wir uns eingerichtet hatten und beim Apéro sassen, trafen völlig überraschend Simon und Petra ein, die sich ebenfalls das Ufer des Kluane Lakes als Übernachtungsplatz ausgesucht hatten. Endlich konnten wir uns bei den beiden für den geschenkten Lachs erkenntlich zeigen. Bei einer Flasche Wein lernten wir uns näher kennen und verbrachten einen langen, spannenden Abend mit vielen Geschichten am Feuer und später, als der Wind immer stärker wurde in unseren Camper.

Wir fuhren nach Whitehorse hinein, der einzigen nennenswerten Stadt, die uns in erster Linie ermöglichte, unsere Vorräte zu ergänzen. Zu unserer freudigen Überraschung trafen wir Marie-France und Hervé, die beiden Franzosen, mit ihrem Hilux-Azalai nochmal an. Sie hatten seit unserem letzten Treffen am Polarkreis den Dempster Highway befahren und waren bis Inuvik gekommen, hatten dabei aber auch wenig Glück mit dem Wetter.

 

Wir wollten auf Dani und Cel, die ehemaligen Nachbarn von Ueli in Pfeffingen, etwas Boden gut machen, denn wir wussten, dass die beiden inzwischen nicht mehr weit vor uns waren. Wir fuhren also weiter bis zum Emerald Lake und suchten uns dort ein hübsches Buschcamp nur ein paar Meter vom Ufer entfernt. 


Abstecher nach Skagway und Haines

Ein absolutes Muss war der Halt an der Carcross Desert. Dieses aus Sedimenten eines Eiszeitsees entstandene Dünenfeld gilt als die kleinste Wüste der Welt. Starke und gleichbleibende Winde, die vom Lake Bennett über die Sandfelder fegen, verhindern das Ausbreiten einer Vegetation. Der Anblick und das Betreten von Sanddünen inmitten von Tannenwäldern war ein sehr spezielles Erlebnis. Entlang des Lake Bennet und über den White Pass gelangten wir an den kanadischen Grenzposten, denn unser Ziel, Skagway, liegt wieder auf Boden der USA. Die Landschaft, obschon nur knapp 1000müM gelegen, war nun karg und hochalpin. Noch bevor wir den US Grenzposten erreichten, trafen wir, quasi im Niemandsland, tatsächlich auf Dani und Cel. Es gab ein herzliches Wiedersehen, denn seit unserer Abschiedsparty in Pratteln waren wir zwar über WhatsApp ab und zu in Kontakt, hatten uns jedoch bisher nicht getroffen. Das Zusammentreffen wollten wir natürlich entsprechend feiern, deshalb fuhren wir zusammen in den Salt Flats Camping, einige Kilometer ausserhalb von Skagway.

Wir hatten den Beiden zu ihrem Abschied vor der Reise einen Fonduegutschein geschenkt, den sie nun bei uns einlösen konnten. Ein Fondue war bei der immer noch recht kühlen Witterung ohnehin das passende Menu. Mangels Caquelon und Rechaud, soviel Luxus hatten wir nicht dabei, erwärmten wir die Käsemischung in einer normalen Campingpfanne, was den Genuss des Fondues in keiner Weise schmälerte. Den Weisswein und das Brot hatten wir tags zuvor bereits besorgt, im Wissen, dass wir die beiden nächstens treffen würden.

Der kleine Ort Skagway spielte beim Goldrausch am Klondike River eine wichtige Rolle, denn über diesen Hafen war ein Grossteil der Goldgräber von Seattle herkommend eingereist. Hier begann für die Abenteurer der beschwerliche Fussmarsch über den Chilkoot Pass Richtung Yukon. Die Royal Canadian Mounted Police überprüfte jeden, der sich auf den Weg machen wollte, ob er die vorgeschriebene Menge an Vorräten dabeihatte, um zu verhindern, dass die Leute unterwegs verhungerten. Das bedeutete, dass jeder mehrere Male den steilen Pass voll beladen erklimmen musste, bis er die notwendige Menge Lebensmittel zum Bennet Lake geschafft hatte. Viele der hoffnungsvoll gestarteten Männer scheiterten bereits an dieser Hürde.

Am Hafen von Skagway erkundigten wir uns nach einer Fährpassage in Richtung Haines, da wir in der Gegenrichtung keine Chance auf einen Platz gehabt hatten. Diesmal klappte es und wir konnten für den nächsten Tag eine Überfahrt buchen. Da Cel und Dani planten, denselben Weg zurück zu fahren, den wir gekommen waren, trennten sich unsere Wege bereits wieder.

Gegen Mittag trafen wir am Hafen ein und konnten mit etwas Verspätung an Bord fahren. Die kleine Fähre war mit über dreissig Knoten zügig unterwegs durch den schmalen Fjord, so dass Skagway und die vier Kreuzfahrtschiffe, welche zurzeit im Hafen lagen, rasch aus unseren Blicken verschwanden. Bald kam der Hafen von Haines in Sicht und bereits nach einer Stunde hatten wir wieder festen Boden unter den Füssen. Einem breiten Fluss entlang schlängelte sich die Strasse in Richtung Berge und der kanadischen Grenzstation entgegen. Der junge Beamte, der an der Zollabfertigung Dienst hatte, war mehr an unserem Auto und unseren Reiseplänen interessiert als daran, was wir allenfalls zu verzollen hatten. In Kanada einzureisen war definitiv entspannt und locker, was uns das Land umso sympathischer machte. Die Landschaft wurde mit zunehmender Höhe alpin und entsprechend karg, aber sehr eindrücklich.

Die Nacht verbrachten wir am Million Dollar Fall, wo wir trotz dem vielversprechenden Namen allerdings keine einzige Dollarnote vorfanden. Kurz nach dem Start anderntags machten wir einen Abstecher zu einem aufgegebenen Handelsposten aus der Goldgräberzeit. Viel war vom Dalton Post nicht mehr zu sehen, dafür entdeckten wir einen wunderschönen Campspot direkt am Fluss, den wir uns nicht entgehen lassen wollten, obwohl wir erste wenige Kilometer gefahren waren. In unmittelbarer Nähe entdeckten wir drei Weisskopfadler auf einem Baum, die auf die Lachse warteten, welche zu dieser Jahreszeit den Fluss zu ihren Laichplätze hoch schwammen. In Haines Junction trafen wir erneut auf den Alaska Highway und erreichten bald danach wieder Whitehorse. Auch diesmal legten wir einen reinen Service Stopp in der Stadt ein, um Wäsche und Auto zu waschen, einzukaufen und zu tanken.



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