Irland

Pünktlich um etwa 18 Uhr erreichte die Fähre unseren Zielhafen Larne. Wir hatten einen Stellplatz einige Kilometer nördlich gewählt um die Nacht zu verbringen. Auf dem Parkplatz waren einige andere Camper bereits eingerichtet, aber es blieb genügend Platz auch für uns. Beim Kochen zog „Mütze on Tour“ an uns vorbei. Wir hatten ihn und sein Gefährt eine gute Stunde zuvor bei der Anfahrt überholt und uns gewundert, wer das ist. Nun, er wandert mit seinem Hund und dem Anhänger in ganz Europa herum. Nach einem kurzen Gespräch, er hatte sich gefreut wieder einmal Deutsch sprechen zu können, zog er weiter, denn er hatte eine Einladung zum Übernachten im nächsten Dorf.

Wir zogen nach dem Nachtessen noch kurz durch das verschlafene Dorf Glenarm. Viel Betrieb war nicht auf den Strassen, aber als wir in den Pub eintraten, wussten wir, wo die Leute steckten. Mit unserem Nachbar an der Bar hatten wir ein anregendes Gespräch und der Besitzer, wie auch die Barfrau, beteiligten sich immer wieder an den Diskussionen. An den irischen Dialekt mussten wir uns allerdings erst noch gewöhnen.

The Giant's Causeway

Unser nächstes Ziel war der Giant‘s Causeway. Am nördlichsten Punkt der nordirischen Nordküste liegt dieses eindrückliche Naturschauspiel. Durch das gleichmässige Abkühlen eines mächtigen Lavastroms sind etwa 40‘000 hexagonale Säulen entstanden. Je nach Erosionszustand erscheinen sie wie Orgelpfeifen aufragend oder aber wie ein gefliester Bodenbelag. Wie vieles in Irland gibt es eine passende Legende, nämlich die, dass ein irischer Gigant von einem schottischen Ebenbild zum Kampf herausgefordert worden ist. Um zu seinem Widersacher zu gelangen hat er den „Causeway“ gebaut.

Wir waren recht früh dort und deshalb hatte es noch kaum andere Besucher. Anstatt mit dem Shuttlebus, gingen wir zu Fuss zum etwa ein Kilometer vom Besucherzentrum gelegenen Ort. Man kann sich erstaunlicherweise frei in und auf den eindrücklichen Säulen bewegen. Immer wieder findet man neue Perspektiven. Aus dem Meer steigen die Lavaformationen hoch bis zum etwa 100 Meter hohen Kliff. Für den Rückweg wählten wir den Weg ebendieser Klippe entlang. So hatten wir noch einmal den Überblick von oben.

Bushmills und die älteste Whiskey Destillerie

In Bushmills machten wir einen Zwischenhalt um die älteste und erste offizielle Whiskey-Destillerie zu besichtigen. Da die nächste geführte Tour erst eine Stunde später geplant war, blieb uns Zeit durch den nahen Ort zu schlendern und zum Mittagessen eine Portion Fish and Chips zu geniessen.

Die Führung war dann recht unterhaltsam und man betonte mehrmals, dass eben nicht die Schotten den Whiskey erfunden haben, sondern die Iren. Beim Brennen wird in Irland, im Gegensatz zu Schottland, dreimal destilliert. Das soll das Destillat feiner machen. Zudem wird das Malz auch nie geräuchert, sodass der oft typische Torf- oder eben Rauchgeschmack grundsätzlich fehlt. Anschliessend an die Führung, durften wir im gemütlichen Restaurant noch eines der vielen Produkte degustieren.

Derry

Auf dem Weg nach Derry passiert uns dann noch ein Missgeschick. Beim Einfahren in einen Kreisel, stoppte eine Minifahrerin vor uns noch einmal und Ueli bemerkte nach einem Kontrollblick zu spät, dass sie nochmals angehalten hatte. Bumms, und schon hatte die Karosserie ein paar Beulen am Heck. Am Landcruiser war nichts passiert, dazu ist die Stossstange zu massiv gebaut. Die junge Dame war ganz verdattert, obschon ja nichts Ernsthaftes passiert war. Nachdem wir unsere Personalien hinterlassen hatten, konnten beide Parteien weiterfahren.

Wir parkten das Auto ausserhalb des Zentrums und machten einen Spaziergang durch die Altstadt. Am bekanntesten ist wohl die Mauer, welche die Protestanten und Katholiken in der Vergangenheit abgetrennt hatte. Noch ist dieser Konflikt der Religionen noch nicht endgültig begraben und es braucht wohl nicht viel, bis er wieder ausbricht.

 

In der Umgebung fanden wir auf die Schnelle keinen für uns passenden Übernachtungsplatz und so fuhren wir noch etwa eine halbe Stunde nach Süden und richteten uns schliesslich an einem kleinen See ein. Wir hatten uns erst richtig eingerichtet, als ein Camper sich direkt vor uns stellte. Erst waren wir etwas sauer, hatte es doch genügend Alternativen. Der Fahrer stellte dann aber klar, dass er nur kurz mit einem Freund und dem Sohn fischen wollte und dann wieder wegfahren würde. Das stellte sich dann als Glücksfall heraus, denn die einzige, schön grosse Braunforelle schenkte er uns schliesslich. Wir hatten interessante Gespräche zusammen und wir merkten, dass die Iren generell sehr kommunikative Leute sind. Noch hatte es einige Besucher am See, Fischer, Spaziergänger und Jetskifahrer, aber die verschwanden dann später, sodass wir unsere Ruhe hatten.

Donegal

Über Nacht hatte das schöne Wetter umgeschlagen. Der Himmel war mehrheitlich bedeckt und trüb. Zum Glück regnete es nicht auch noch. Die Fahrt an die Küste von Donegal war dann entsprechend nicht so eindrücklich. Auch die Fahrt entlang der Küste, sie wäre an und für sich landschaftlich sehr schön, wurde etwas getrübt. Beim hübschen Küstenort Bundoran bogen wir ins Landerinnere ab um am Logh Melvin einen etwas windgeschützten Ort zum Übernachten anzufahren. Unser einziger Nachbar war ein Zürcher Wohnmobil!

Entlang der irischen Westküste

Wir folgten der Westküste und machten auch immer wieder einen lohnenswerten Abstecher auf eine der vielen Halbinseln. Nach einem Zwischenhalt in Galway, einer umtriebigen kleinen Stadt, fuhren wir noch weiter bis Doolin. Der Wind hatte an Stärke zugelegt und so waren wir froh, dass wir im Campingplatz dicht an einer hohen Hecke etwas Schutz fanden. Am Abend gingen wir in den nahen Pub in der Hoffnung, dass Live Musik gespielt wird. Daraus wurde zwar nichts, aber wie immer in Pubs, hatten wir einen unterhaltsamen Abend.

Das Wetter hatte sich markant gebessert, aber es war recht kalt und vor allem hatte der Wind stark zugelegt. Trotzdem genossen wir die Fahrt auch wenn es einem bei einem Fotohalt die Türe aus der Hand riss. Eine kurze Fähre über die lange Bucht des Shannon verkürzte unsere Fahrt markant. Bei Tralee machten wir einen erneuten Abstecher auf eine Halbinsel hinaus. Über einen steilen und schmalen Pass, er war unmittelbar vor der letzten Steigung mit max. 1.8 m zulässiger Breite signalisiert, gelangten wir nach Dingle. Bei einem Spaziergang durch den Ortskern konnten wir die Füsse wieder einmal vertreten. Ein Freund hatte uns den Typ gegeben, am Inch Beach zu übernachten. Der Wind blies aber dermassen stark, dass selbst das Fotografieren zum Abenteuer wurde. Wir suchten uns deshalb ein im Wald gut windgeschütztes Buschcamp.

The Ring of Kerry

Wir hatten vom „Ring of Kerry“ gehört, dass es eine der landschaftlich schönsten Strecken in Irland handeln soll. Die Route führt einmal mehr um eine Halbinsel herum. Am Ende fanden wir, dass vor allem die Strecke durch den Killarnay National Park sehr schön war, die Küstenstrasse selber war nicht anders als schon weiter nördlich. Aber die Passstrasse durch den Nationalpark war wirklich schön und auch das Gebiet am Muckross Lake hat uns gut gefallen. Dichte Wälder und einige Wasserfälle und dazu die Ausblicke auf die Seen und in die Berge sind generell sehr eindrücklich.

Cork

Dann hatten wir für den Moment genug Landschaft gesehen und machten uns auf nach Cork. Mangels eines Campingplatzes in Stadtnähe parkten wir auf dem Parkplatz der Kathedrale mitten in der Stadt. Wir machten von dort aus eine Stadtbesichtigung. Der attraktivste Teil der Altstadt liegt um die Oliver Plunkett Street. Dort und in den anschliessenden Gassen findet man die meisten Pubs, Bars und Restaurants. Neben dem English Market, einer schönen, alten Markthalle, kann man vor allem einige Museen und historische Gebäude besichtigen. Das liessen wir aber bleiben und stärkten uns nach dem Spaziergang in einem Pub und später assen wir im Restaurant Raven zu Nacht.

Auf nach Dublin

Auf dem Weg nach Dublin machten wir hinter Waterford einen Abstecher zur Ruine der Dunbrody Abbey. Diese ist wie viele andere weitgehend zerfallen, aber doch sehr fotogen und einen Besuch wert. Eigentlich wären wir gerne noch in den „Irish National Heritage Park“ gegangen. Das Freiluftmuseum gibt einem einen Eindruck darüber, wie man früher in Irland gelebt hat. Wir kamen an einem Wochenende vorbei und alle Parkplätze waren hoffnungslos überfüllt und auf dem Gelände tummelten sich hunderte von Besuchern. Wie schon öfters sind Wochenenden für Individualreisende meist nicht vorteilhaft.

Wir hatten vorgehabt, im Wicklow Mountains National Park zu übernachten und allenfalls noch eine Wanderung zu machen. Wie sich aber herausstellte, waren die Campoptionen sehr eingeschränkt und die angefahrenen Buschcamps waren alle entweder nicht mehr zugänglich oder zu nah an der Strasse für unseren Geschmack. So beschränkte sich der Besuch der landschaftlich eindrücklichen Region auf die Fahrt mitten durch. Die unerwartet lange Tagesetappe endete schliesslich in einem Campingplatz südlich von Dublin. Wir hatten keine Lust noch mit dem Bus in die Stadt zu fahren und liessen den Abend ruhig angehen.

 

Dublin

Um am Morgen in die Stadt hineinzufahren bedurfte einiges an Geduld, nicht zuletzt, weil das Navi uns auf einer „speziellen“ Route hin führte. Ueli hatte vergessen das Gerät umzustellen und so wurden wir auf kürzestem aber halt bei weiten nicht schnellsten Weg ins Zentrum gelotst. Wir parkten in der Nähe von Temple Bar und spazierten durch das Quartier. Allerdings ist der Morgen definitiv nicht die beste Zeit um Dublin zu besuchen, denn auch hier sind die Hauptattraktionen die vielen Bars und Pubs in welchen natürlich vor allem am Abend Betrieb herrscht. Nun, wir sind beide sowieso nicht die Stadtmenschen, deshalb waren wir nicht allzu enttäuscht.

Am Nachmittag fuhren wir zum Fährhafen hinaus um die Fähre nach Holyhead zu nehmen. Wie schon die Fähre von Schottland nach Nordirland, war auch diese 2h Route übermässig teuer verglichen mit allen anderen Fähren die wir schon genutzt hatten. Dafür kamen wir in den Genuss im Dutyfree Shop einigermassen günstig Alkohol kaufen zu können.

 

Überrascht hat uns dann aber schon, dass wir beim Entladen weder Pass- noch Fahrzeugkontrolle über uns ergehen lassen mussten. Wir konnten, wie auch die LKWs, zum Hafen hinausfahren. 



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