Grand Tour of Switzerland

Aufgrund der Corona-Pandemie wurden unsere Reisepläne gewaltig über den Haufen geworfen. Wir hatten vor, im Sommer 2020 Grossbritannien und Irland zu besuchen, aber eben...

Als sich abzeichnete, dass der Lock-Down in der Schweiz zunehmend gelockert würde, beschlossen wir, erst mal in der Schweiz zu bleiben und unser Heimatland noch besser kennenzulernen. Auch wenn wir beide viele Gegenden der Schweiz schon besucht hatten und öfter im eigenen Land unterwegs waren, gibt es immer wieder Neues zu entdecken.

Wir wollten diesmal den Spuren der offiziellen „Grand Tour of Switzerland“ in Etappen folgen. Da uns, wie gesagt, viele der bekannten Sehenswürdigkeiten bereits bekannt waren, fokussierten wir uns auf für uns neue Dinge und wollten vor allem auch auf  Wanderungen neue Gegenden erkunden. Zudem planten wir einige Abstecher weg von der offiziellen Route, in Regionen, die uns interessierten.

Die Dauer der einzelnen Etappen liessen wir vor allem vom Wetter abhängen. War eine längere Schlechtwetterperiode angesagt oder wenn zu Hause Termine und andere wichtige Dinge anstanden, unterbrachen wir die Reise und kehrten vorübergehend zurück. In der Schweiz können wir ja jederzeit innerhalb von einer bis höchstens drei Stunden daheim sein.

Routeninformationen

Hier noch einige Fakten zu unserer Grand Tour:

  • Insgesamt waren wir während den vier Abschnitten 45 Tage unterwegs
  • Wir haben dabei 3500 Km und 66600 Hm im Auto zurückgelegt plus etwa 1000 Km für Hin- und Rückfahrten zwischen den Etappen
  • Zudem haben wir 30 Wanderungen unternommen und dabei 260 Km und 18000 Hm zu Fuss bewältigt

Ein Reiseführer für alle die es selber versuchen wollen

Für alle die selber eine "Grand Tour of Switzerland" unternehmen möchten, haben wir einen ausführlichen Reiseführer geschrieben. Die Beschreibungen gehen weit über unsere eigene Tour hinaus, denn während wir vor allem Orte besucht haben die wir selber noch nicht kannten, umfasst der Reiseführer noch viel mehr Ziele und Aktivitäten. Unten der Link auf die Startseite


Hier aber der Reisebericht unserer eigenen "Grand Tour of Switzerland":

Teil 1 - Jura - Seeland - Berner Oberland

Rheinfelden bis Laufen

Da einer der Zubringer zur „Grand Tour Route“ in Basel beginnt, war es für uns naheliegend von Rheinfelden aus diesen Abschnitt anzusteuern.

Wir fuhren allerdings direkt nach Arlesheim, um dort den Dom und den schönen, vorgelagerten Platz zu besuchen. Nur zwei Minuten Autofahrt brachten uns danach nach Dornach, wo wir einen Spaziergang zum Goetheanum und dessen Umgebung machten. Die anthroposophische Bewegung um Rudolf Steiner hat hier ein Zentrum. Am offensichtlichsten zeigt sich das an der eigenwilligen „organischen“ Architektur. Runde Formen und keine rechten Winkel sind dafür charakteristisch. Viele Leute in der Umgebung leben auch heute noch die Philosophie von Steiner.

Wir fuhren hoch zum Gempen, denn das Wetter war schön, wenn auch nicht super klar. Die Aussicht über Basel hinweg ins Elsass war dennoch beeindruckend. Erklimmt man den 28m hohen Aussichtsturm,  sieht man über die Bäume hinweg zudem bis in den Schwarzwald. 

Unseren nächsten Halt legten wir beim Kloster Mariastein ein. Die barocke Klosterkirche war zwar bereits wieder für Besucher geöffnet, die Wallfahrtskapelle, tief unterhalb der Kirche gelegen, war hingegen Corona bedingt noch immer geschlossen. Die Gründung der Klosteranlage geht auf eine Legende aus dem Jahr 1442 zurück. Damals soll ein Hirtenjunge über die nahe Felsenklippe gestürzt, aber wie durch ein Wunder unverletzt geblieben sein, da er wie es hiess, von einer Frau aufgefangen wurde. Sein Vater war überzeugt, dass es sich bei der Frau um die Mutter Maria gehandelt haben musste und er liess aus Dankbarkeit am Ort eine Kapelle bauen. An eben dieser Stelle entwickelte sich über die Jahrhunderte eine immer grössere und bedeutendere Anlage, die schliesslich zum bis heute bestehenden  Benediktiner Kloster wurde.

Über den Challpass erreichten wir in wenigen Minuten das kleine Städtchen Laufen an der Birs. Früher gehörte die Region zum Kanton Bern. Bei der Neugründung des Kantons Jura 1979 wurde die Gegend um Laufen zu einer abgelegenen Exklave des Kantons Bern, so dass die Laufentaler in einer Abstimmung entschieden, sich dem näher gelegenen Kanton Baselland anzuschliessen. Der historische Ortskern ist gut erhalten und schliesst im Westen mit dem imposanten Stadttor, dem Zeitturm, ab.

 

Laufen bis Freiberge

Der Birs flussaufwärts folgend gelangten wir nach Delémont. Diese Stadt umfährt man in der Regel auf dem Weg in die Freiberge. Wir wollten diesmal hinter die Mauern schauen, was sich durchaus lohnte. Schöne Brunnen, malerische Gassen und einige historische Gebäude tragen zum Reiz der kompakten Altstadt bei.  Dass man hier bereits an der deutsch-französischen  Sprachgrenze, dem „Röstigraben“, angelangt ist, zeigt der zweisprachige Name der Stadt, die auf deutsch Delsberg heisst. Die Ursprünge der Besiedlung gehen auf die Bronzezeit zurück, der Ort selber wird bereits im Jahre 737 erstmals erwähnt. Das heutige Erscheinungsbild ist zum Teil doch einige Jahrhunderte alt. Die Stadt erlebte eine bewegte Geschichte, wechselte doch deren Besitzer immer wieder zwischen elsässischen Herzögen, dem Bistum Basel oder französischen Herrschern, bevor sie 1815 als Teil des Kantons Bern schweizerisch wurde. 

 

Im äussersten Nordwestzipfel, einer wahrlich abgelegenen Gegend des Landes, liegt Pruntrut oder Französisch Porrentruy. Auch dieser Ort, der dominiert wird vom mächtigen Schloss, ist unbedingt sehenswert. Das Städtchen zählt nur knapp 7000 Einwohner, hat aber für die Ajoie eine wichtige Zentrumsfunktion. Im Kern des Ortes zeugen bedeutende Bürgerhäuser vom ehemaligen Wohlstand der Besitzer.

Wir fuhren hinunter zum Doubs, einem kuriosen Fluss, welcher in der Gegend von Mouthe in Frankreich entspringt und nach 453 km in die Saône mündet, und zwar nur gerade 90 km Luftlinie von der Quelle entfernt. An seiner östlichsten Schlaufe liegt St. Ursanne, ein Kleinod und mit herrlicher Lage. Das kleine, verschlafenes Städtchen liegt recht abgelegen an der Grenze zu Frankreich, wohl mit ein Grund, dass die Bevölkerung seit den 1960er Jahren laufend abnimmt und der Ort heute nur noch etwa so viele Einwohner hat wie 1850.

Hoch über dem Doubs erreichten wir die Freiberge mit ihren offenen Weiden und alleinstehenden Tannen. In der Gegend des Etang de la Gruère wollten wir an einem bekannten und offiziellen Ort zum Übernachten bleiben. Wir trafen dort auf ein Paar aus der Innerschweiz, das wie wir mit einem Land Cruiser auf Tour war. Wir richteten uns ein und genossen ein paar Stunden und das Nachtessen zusammen mit ihnen. Leider wurden wir etwas später von einem Gemeindevertreter weggewiesen, da der Platz offenbar nur am Wochenende zum Campen zugelassen ist. Die beiden Innerschweizer steuerten danach einen bewilligten Parkplatz im Nachbarkanton an und wir wechselten ebenfalls den Kanton und fanden nur wenige hundert Meter entfernt im Wald einen Übernachtungsplatz.

Freiberge – Greyerzerland

Am Morgen machten wir uns auf,  die Freiberge zu erkunden. Den ersten Halt legten wir in Bellelay ein. Die Gebäude des grossen Klosters, das den Ort prägt, werden heute als psychiatrische Klinik genutzt, nur die Kirche zeugt noch von der einstmals religiösen Bedeutung der Anlage. Unmittelbar neben dem Kloster befindet sich das Tête de Moine Museum, welches aber infolge der Pandemie noch geschlossen war. Der Tête de Moine ist eine in der  Region hergestellte Käsespezialität. Um ihn zu geniessen, wird der Käse mit einem speziellen Hobel zu schmackhafte Rosetten geschabt. Dazu wird die obere Rinde weggeschnitten, wodurch der zylindrische Käselaib entfernt einem Mönchskopf mit Tonsur gleicht, daher der Name.

Die offene Landschaft mit den charakteristischen Tannen ist typisch für die Freiberge. Immer wieder sieht man Kühe grasen oder die bekannten Freiberger Pferde über die Weiden streifen. In Le Roselet besuchten wir das Pferdeasyl, wo alte Pferde ihren verdienten Lebensabend in herrlicher Umgebung verbringen können. Die Einrichtung bietet unter anderen auch Rennpferden eine Heimat, welche für sportliche Einsätze nicht mehr fit sind.

Die Freiberge ziehen sich bis kurz vor La Chaux-de-Fonds, der Uhrenmetropole der Schweiz. Nach einem Brand im Jahr 1794 wurde die Stadt vom Architekten Perret-Gentil mit einem durchwegs rechtwinkligen Grundriss wieder aufgebaut. Die für jene Zeit moderne Architektur, die noch heute das Stadtbild prägt, wurde 2009 als UNESCO Welterbe ausgezeichnet.

Wir besuchten das internationale Uhrenmuseum, wo von der Jahrtausende alten Sanduhr bis zur Atomuhr so ziemlich alles vertreten ist, was man zur Zeitmessung nutzen kann. Einige der Ausstellungsstücke zeigen das sehr hohe Niveau der mechanischen Uhrentechnik, welche die Schweiz weltweit bekannt gemacht hat. Von einfachsten Geräten über komplizierte Uhrwerke, komplexen astronomischen Uhren bis zu prunkvollen Schmuckuhren, ist das ganze Spektrum zu sehen.

Nach der Weiterfahrt durch Le Locle, die ebenfalls für die Uhrmacherei bekannte Schwesterstadt von La Chaux-de-Fonds, erreichten wir den Doubs bei Les Brenets. Eine kurze Wanderung zum Saut du Doubs brachte uns etwas Bewegung. Von hoch oben im engen Tal gelangten wir hinunter zum Fluss und folgten diesem ein paar Minuten, bis wir den Wasserfall erreichten. Das Wasser stürzt über eine etwa 20 m hohe Felswand in die Tiefe, was Ende Frühling, wenn der Fluss reichlich Wasser führt, ziemlich spektakulär ist. In den Sommermonaten dürfte die Aussicht etwas weniger eindrücklich sein.

Nach Querung  von zwei der typischen Täler in diesem Teil des Juras konnten wir das erste Mal die Aussicht über das Mittelland in die Alpen geniessen, bevor die Fahrt hinunter nach Neuchâtel führte. Durch das Seeland, die Gemüsekammer der Schweiz, erreichten wir Murten. Der Ort ist eine der besterhaltenen Zähringerstädte der Schweiz und ist von einer immer noch intakten Ringmauer umschlossen. Von einer Terrasse, in der Nordecke der Altstadt gelegen, geniesst man die Aussicht über den Murtensee bis zum Jura.

Zwei avisierte Übernachtungsoptionen stellten sich als Flop heraus, sodass wir schliesslich bis ins Greyerzerland fuhren, um etwas für uns passendes zu finden. Am Ufer der Sarine, wie die Saane hier heisst, fanden wir ein lauschiges Plätzchen, wo wir ungestört blieben.

Greyerzerland - Simmental

Am Morgen mussten wir ein paar Minuten zurückfahren, um das Städtchen Greyerz zu besuchen. Es stellte sich heraus, dass ein Besuch in den früheren Morgenstunden nicht optimal war, denn das sonst autofreie Ortszentrum war von vielen Lieferantenfahrzeugen zugestellt, was es schwierig machte, schöne Bilder zu schiessen. Im obersten Teil des auf einem Hügelzug gelegenen Städtchens thront  das imposante Schloss Greyerz mit seinen wunderschönen Gartenanlagen und einer historischen Ausstellung. Nicht weit davon entfernt wurde ein Museum zu Ehren von HR Giger eingerichtet, in welchem viele seiner Bilder und Skulpturen zu sehen sind. Bekannt wurde der Künstler mit seinen phantasievollen und skurrilen Figuren, welche in verschiedenen Kinofilmen zur Anwendung kamen, und für die er 1980 als Mitwirkender im Film Alien mit einem Oscar ausgezeichnet wurde.

Der Weg führte uns danach erst mal Richtung Alpen. Unser Plan war, nicht wie die Grand Tour vorgab, direkt nach Saanen und ins Simmental zu fahren, sondern einen Abstecher über Col des Mosses und Col du Pillon zu machen. Beide Pässe sind nicht sehr hoch und liegen deshalb unterhalb der Baumgrenze, was massgeblich zur Schönheit dieser Gegend beiträgt. Im Gegensatz zu den hohen Alpenpässe ist die Landschaft hier saftig grün und die Strecke führt immer wieder durch Wälder. Leider stellte sich im Laufe der Fahrt heraus, dass die Strasse über den Col du Pillon nach Gsteig wegen Bauarbeiten gesperrt war. Das zwang uns zu wenden und doch den direkten Weg über Saanen zu fahren.

Am Arnensee, einem Stausee auf über 1500m oberhalb Gsteig gelegen, stand eine kurze Wanderung rund um den schönen Bergsee auf dem Programm. Die Privatstrasse, welche von Feutersoey zum Arnensee führt, ist kostenpflichtig. Es lohnt sich jedoch, die bescheidenen 5 CHF zu bezahlen, denn die Landschaft ist spektakulär. Oben angekommen, waren wir erst mal überrascht, wie viele Autos bereits auf den Parkplätzen anzutreffen waren. Es stellte sich heraus, dass der See nicht nur für Wanderungen beliebt ist, sondern vor allem viele Fischer anlockt, die hier ihr Glück versuchen. Die angenehme, einfache Rundwanderung dauerte etwa eine Stunde.

 

In Gstaad wollten wir ein wenig in die Welt der High Society eintauchen. Promis haben wir zwar keine angetroffen, aber die Preise in den Schaufensterauslagen liessen erahnen, welche Klientel hier üblicherweise einkauft. Etwas beschaulicher kommt das benachbarte Saanen daher. Beide Orte haben neben den Luxushotels dank vieler alter und sehr schöner Chalets den Charme der Berner Oberländer Bergdörfer behalten.

Simmental – Meiringen

Bevor wir uns Richtung Thunersee aufmachten, fuhren wir nochmals ein paar Kilometer zurück, um am Ausgang des Diemtigtals eine Wanderung zu ustarten. Von Oey aus ist ein Weg ausgeschildert, welcher den Besucher an mehreren alten Chalets vorbei führt. Die teils über 300 Jahre alten, dunkeln Holzhäuser mit ihren Schnitzereien und Wandschriften zeugen vom Reichtum und der grossen handwerklichen Geschicklichkeit der Menschen, die seit Jahrhunderten hier leben. Für den Rückweg zum Auto wählten wir den Weg dem Fluss entlang.

Nächster Halt war Einigen am Thunersee, wo Myrta früher oft die Ferien verbrachte. Der Ort zeigte sich beinahe unverändert mit der hübschen kleinen Kirche, dem Bootssteg und sogar das Haus, das sie jeweils gemietet hatten, steht noch am See. Bis nach Spiez war es nur ein Katzensprung. Wir parkten beim Schloss und spazierten zum See hinunter. Bei Prachtwetter genossen wir das kühle Lüftchen und die herrliche Landschaft rund um den Thunersee. Das Schloss dominiert die bekannte Kulisse des Ortes, war aber wie viele andere Sehenswürdigkeiten, geschlossen.

Dem Thuner- und danach dem Brienzersee entlang erreichten wir Iseltwald, ein kleines Dorf, wunderschön auf einer Halbinsel am Südufer des Brienzersees gelegen. Der verschlafene Ort besteht nur aus ein paar wenigen Häusern und kleineren Hotels, was ihn zu einem beliebten Ziel für Ruhe suchende Feriengäste macht. 

Die Fahrt führte uns weiter Richtung Aareschlucht. Bereits ein Jahr zuvor wollten wir die eindrückliche Schlucht wieder einmal besuchen, liessen es jedoch angesichts der total überfüllten Parkplätze bleiben. Diesmal standen praktisch keine Autos vor dem Eingang,   was uns nicht mehr wunderte, als wir den Hinweis lasen, dass auch diese Attraktion infolge Corona geschlossen blieb.

 

Die Suche nach einem passenden Übernachtungsplatz stellte uns für einmal vor Probleme. Alle in Frage kommenden netten und ruhigen Plätze waren mit einer Verbotstafel "verziert" und die Campingplätze waren alle noch geschlossen, Corona sei Dank. Wir beschlossen deshalb unsere erste Etappe in Meiringen abzubrechen und nach Hause zu fahren, mit der Absicht, sobald als möglich wieder zu starten...    


Teil 2 - Berner Oberland - Emmental- Zentralschweiz - Nordschweiz

Aareschlucht -  Gurnigelpass

Die Prognosen versprachen wieder eine längere Schönwetterphase, für uns ein Grund, uns wieder auf die Reise zu machen. In knapp zwei Stunden fuhren wir über Luzern und den Brünigpass direkt zur Aareschlucht zurück.

Beide hatten wir diese imposante Schlucht bereits früher besucht, waren jedoch auch diesmal wieder beeindruckt zu sehen, was die Kraft des Wassers im Laufe der Jahrtausende zustande brachte. Ein an die senkrechten Felswände montierter, etwa 1.5 km langer Steg führt in den engen Schlund hinein. Durch den bis zu 200 m hohen, an der engsten Stelle nur etwa 2 m breiten Einschnitt sucht sich die Aare ihren Weg. Die Besucherzahlen hielten sich noch in Grenzen, was sich aber im Laufe des Sommers mit Sicherheit wieder ändern wird.

Die Giessbachfälle hoch über dem Brienzersee sind immer einen Besuch wert. Der Giessbach fällt in mehreren Stufen über 400 m in die Tiefe. An der schönsten, aussichtsreichsten Stelle wurde schon 1874, in den Anfängen des alpinen Tourismus, das elegante Grandhotel Giessbach errichtet. Erreichbar war und ist das Hotel mit einer auch heute noch funktionierenden Standseilbahn, welche vom Seeufer zum Hotel hochführt.

Dem Giessbach entlang führt ein steiler Weg immer dem Bach folgend an den einzelnen Wasserfällen vorbei. Wer gerne etwas nass wird, hat sogar die Möglichkeit, hinter einer der Kaskaden durch zu gehen.

Brienz, am gleichnamigen See gelegen, ist bekannt für seine Holzschnitzerarbeiten, aber auch für seine alten und sehr schmucken Chalets. Dem See entlang führt eine verkehrsfreie Promenade ins historische Zentrum. Die eindrücklichsten und schönsten Holzhäuser lassen sich in der Brunngasse bewundern.

Weiter dem See entlang gelangten wir nach Interlaken, welches wir aber rechts liegen liessen, denn für uns hat dieser Ort wenig zu bieten. Wir genossen die Fahrt entlang dem Nordufer des Thunersees mit Aussichten auf das Wasser und die umliegende Bergwelt. In Oberhofen wollten wir das romantische und sehenswerte Schloss besichtigen, aber wie viele andere Museen in der Schweiz war auch dieses am Montag geschlossen. Wir mussten uns also mit der Aussenansicht und dem herrlich gestalteten Schlosspark begnügen.

In Thun parkten wir beim Bahnhof und spazierten in die Altstadt. Bei der Holzbrücke am Ausfluss der Aare konnte wir einige Wellenreiter dabei beobachten, wie sei auf einer stehenden Welle mit der Strömung spielten. Dem Fluss entlang erreichten wir das historische Zentrum und stiegen zum Schloss hoch, um die Aussicht über Stadt und Thunersee zu geniessen.

 

Durch den dichten Feierabendverkehr verliessen wir das „Tor zum Berner Oberland“ und fuhren zum Gurnigelpass hoch. Auf einem Parkplatz liessen wir die Aussicht ins Mittelland und die dramatische Abendstimmung auf uns wirken, bevor wir eine ruhige Nacht verbrachten.

Gurnigelpass - Burgdorf

Noch früh am Morgen machten wir uns auf, um den Gantrisch zu umwandern. Die anstrengende, aber herrliche Wanderung bietet Aussichten in alle Richtungen. Am Gantrischseeli vorbei führte der Weg bis zum Morgetepass auf 1959 m Höhe steil bergan. Dort öffnet sich die Fernsicht auf die Berner Alpen und hinunter ins Simmental. Auf die Gipfelbesteigung verzichteten wir, denn der Weg ist recht ausgesetzt, was nicht das Lieblingsterrain von Myrta ist. Entlang der Flanke des Gantrisch erreichten wir den Leiterepass, von wo wir den Abstieg zurück Richtung Auto in Angriff nahmen.

Auf Nebenstrassen querten wir den Gantrisch Naturpark, um danach wieder in die "Zivilisation" einzutauchen. Wir parkten beim Bärengraben und spazierten durch die wohl schönste aller Schweizer Städte, die Bundeshauptstadt Bern. Bekannt für seine Lauben, so werden die gedeckten Fusswege durch die Gassen genannt, ist die Altstadt Berns weitgehend intakt erhalten geblieben. Von der Münsterterrasse aus genossen wir den Blick hinunter zur Aare und in die fernen Alpen. Vorbei am „Zytglogge“, dem berühmten Glockenturm mit dem stündlich zu bewundernden Schauspiel der mechanischen Figuren, erreichten wir den Bundesplatz vor dem Schweizer Parlamentsgebäude. Von der Bundesterrasse aus stiegen wir zur Aare hinunter ins Mattenquartier und beendeten unseren Rundgang dem Fluss entlang zurück zum Auto.

Unser nächster Übernachtungsort, der Campingplatz in Burgdorf, war nach wenigen Kilometern erreicht.

Burgdorf – Hallwilersee

Bevor wir am nächsten Morgen weiterfuhren, statteten wir der Altstadt von Burgdorf einen Besuch ab. Auch diese Stadt war, wie u.a. Bern und Murten, von den Zähringern gegründet worden. Einige der Kopfstein gepflasterten Gassen werden wie in Bern von „Lauben“ überdacht. Das bedeutendste Bauwerk des Ortes ist aber das Schloss, welches auf einem Felsen über der Stadt thront. Die ehemalige Zugbrücke wurde im Laufe der Zeit durch eine Steinbrücke ersetzt, die übrigen Teile der Burg entsprechen jedoch weitgehend der Anlage wie sie vor Jahrhunderten erbaut wurde. Zurzeit sind im grossen Schloss diverse Umbauarbeiten im Gange, unter anderem wurde hier eine Jugendherberge eingerichtet, die kürzlich eröffnet werden konnte. Nebst dem Museum stehen zudem ein Restaurant, Eventräume und ein Trauzimmer zur Verfügung, sodass die Einwohner von Burgdorf das Schloss auch tatsächlich nutzen und geniessen können.

Auf der Weiterfahrt Richtung Emmental fuhren wir hoch zur „Lueg“, einem beliebten Ausflugsziel. Vom dortigen Soldatendenkmal aus geniesst man an klaren Tagen eine grandiose Sicht aufs Emmental und die Berner Alpen. Im nahen Affoltern ist eine Schaukäserei zu besichtigen, wo die Herstellung der riesigen, bis zu 120 kg schweren Emmentaler Käse beobachtet werden kann. Auf dem gleichen Areal wurde in einem alten Holzhaus eine Alpkäserei eingerichtet, wo die kleineren Alpkäse nach traditioneller Methode auf dem offenen Feuer im Kupferkessel hergestellt werden.

Die Fahrt durchs Emmental gewährt immer wieder Blicke auf alte, mächtige Bauernhäuser wie sie für die Gegend typisch sind. In Langnau ist in einem der ältesten Holzhäuser ein Regionalmuseum eingerichtet. Das unmittelbar daneben liegende Restaurant Bären zeugt von Wohlstand und Tradition dieser Gegend.

Auf dem Weg ins Entlebuch legten wir bei Kambly in Trubschachen einen Zwischenstopp ein, um uns im Fabrikladen mit süssen und salzigen Spezialitäten einzudecken. Kambly ist ein traditionsreicher und bekannter Schweizer Hersteller von Biskuits und anderen Naschereien. 

Wir fuhren hoch nach Finsterwald, wo uns eine kurze Wanderung zum Mettelimoos führte, ein kleines Hochmoor mit der dafür typischen Vegetation, inklusive mehreren Orchideenarten. Der Rückweg  über den Schafberg gewährte uns eine schöne Aussicht auf das Napfgebiet, die Alpen und bis weit in den Jura hinein.

Die Region der Voralpen liessen wir nun hinter uns und kurvten durch das Mittelland, vorbei an mehreren kleinen Städtchen, die uns von früheren Ausflügen bereits bekannt waren. Den Ort Beromünster, auf einer Anhöhe zwischen dem Wynen- und dem Seetal gelegen,  wollten wir uns etwas näher ansehen. Zuerst besichtigten wir den etwas ausserhalb des Dorfes stehenden, heute ungenutzten Radiosendeturm. Der 215 m hohe Stahlturm war bis in die 1960er Jahre das höchste Bauwerk der Schweiz und wurde bis 2008 als starker Mittelwellensender betrieben.
Auf halbem Weg zurück nach Beromünster gibt es eine Waldkathedrale zu entdecken. Hier wurden von den Bewohnern des nahe gelegenen Stifts schon vor einigen hundert Jahren Bäume so in Reihen gepflanzt, dass diese die Form einer gigantischen Kathedrale aufweisen. Heute überdachen die unterdessen mächtigen Rosskastanien und Hagenbuchen das „Mittelschiff“ und erzeugen den Eindruck einer mächtigen, grünen Kirche.
Die wichtigste Einrichtung von Beromünster ist das grosse Chorherrenstift St. Michael, dessen Ursprünge auf das Jahr 1036 zurück gehen. Heute leben und arbeiten nur noch wenige Stiftherren in der Anlage, so dass Teile der Gebäude als Seminarräume oder Mietwohnungen genutzt werden. Mit einem der Chorherren kamen wir im Park ins Gespräch und er gab uns einen umfassenden Einblick in die Entstehung und die Geschichte des Stifts. Die zur Anlage gehörende, mehrfach renovierte Barockkirche ist reich verziert und in hervorragendem Zustand.

 

An einem schattigen Plätzchen im Wald, mit Blick auf den Hallwilersee, verbrachten wir einen ruhigen Abend und eine ungestörte Nacht.  

Hallwilersee – Unteriberg

Am Morgen fuhren wir auf die andere Seeseite nach Seengen, um von dort dem See entlang zum Schloss Hallwyl zu spazieren. Zu dieser Tageszeit war trotz herrlichem Wetter in den Strandbädern noch nicht viel Betrieb und die Enten watschelten ungestört auf dem Weg herum. Sogar für einen Schlossbesuch waren wir zu früh dran, denn dieses öffnet erst um 10 Uhr. Da wir die Anlage jedoch von früheren Besuchen bereits kennen, begnügten wir uns mit der Besichtigung von aussen.

Nächster Halt war Luzern. Da in der Stadt die meisten Parkplätze in Parkhäusern zu finden sind, parkt man mit einem hohen Fahrzeug am besten beim Verkehrshaus. Wir fuhren von dort mit dem Bus ins Zentrum und klapperten die klassischen Sehenswürdigkeiten ab: Löwendenkmal, Gletschergarten, Kappellbrücke etc. Die Türme der Stadtmauer und die Mauer selbst waren leider wegen Corona noch immer geschlossen. Ein Spaziergang der Reuss entlang offenbarte, wie gemütlich und beschaulich Luzern ohne die tausenden von meist asiatischen Gruppentouris sein kann. Wo sich normalerweise die Leute dichtgedrängt durch die Gassen und über die berühmte Kapellbrücke schieben, hatte es jetzt kaum Besucher. Ein Spaziergang der Seepromenade entlang brachte uns zum Verkehrshaus zurück.

Wir folgten dem Vierwaldstättersee über Küsnacht und Vitznau nach Brunnen. Die offizielle Grand Tour benutzt die Autofähre nach Beckenried, um über die Autobahn nach Flüelen zu gelangen. Wir blieben auf der Seeuferstrasse und machten von Brunnen aus einen Abstecher nach Altdorf. Auf halbem Weg spazierten wir hinunter zur Tellskapelle, die dort gebaut wurde, wo der Sage nach Wilhelm Tell nach seiner Verhaftung, während eines Föhnsturms, vom Boot geflüchtet sein soll. Vier Wandbilder zeigen wichtige Szenen der Tell Sage.
In Altdorf selber steht das berühmte Denkmal, welches ebenfalls an diese Sage erinnert, und Tell mit seinem Sohn Walterli als übergrosse Bronzeskulptur zeigt. Der dahinter liegende Turm aus dem 13. Jahrhundert ist eines der ältesten Gebäude im Kanton Uri und bietet mit seinen fast 18 m Höhe eine schöne Aussicht auf die Stadt und die umliegenden Urner Alpen.

Über die Axenstrasse ging es zurück nach Brunnen und danach über die Ibergeregg hinunter nach Iberg. Von der schmalen, steilen und kurvenreichen Bergstrasse eröffnen sich immer wieder Ausblicke zurück auf den Urnersee und die Mythen.

Oberhalb des Ortes Unteriberg kamen wir bei einem schönen Pick-Nick Platz für die Nacht unter.

Unteriberg-Andelfingen

Nur knapp eine halbe Fahrstunde trennte uns von Einsiedeln. Dem Sihlsee entlang erreichten wir den bekannten Wallfahrtsort. Direkt gegenüber der mächtigen Klosterkirche liessen wir das Auto zurück und erkundeten die riesige Anlage. Auch diese Kirche ist im Barockstil errichtet und sehr reich dekoriert. Der Hauptanziehungspunkt für die Gläubigen aus aller Welt ist die berühmte schwarze Madonna im vorderen Teil des Gotteshauses. Die Umgebung der Kirche und die Nebengebäude sind weitläufig und sehr gepflegt. Nach einem kurzen Rundgang durch die Klosteranlagen spazierten wir ins historische Zentrum von Einsiedeln, das einige weitere sehenswerte Gebäude aufweist. Das Museum der bekannten Bäckerei Goldapfel öffnet leider nur nachmittags, so dass wir für einen Besuch wieder einmal zu früh waren. In der Ausstellung würde die Jahrhunderte alte Geschichte einer bekannten, lokalen Süssigkeit, dem Schafbock, erklärt. Woher dieses uralte, bekannte Pilger Gebäck, das überhaupt nicht nach einem Schafbock aussieht, seinen Namen hat, hätten wir wohl im Museum erfahren…

Rapperswil erreichten wir nach einer kurzen Fahrt, hier einen Parkplatz zu finden erwies sich als langwieriger. Wir wollten eigentlich nur ein paar Bilder von der bekannten Stadtansicht mit ihrem markanten Schloss machen, mussten aber um die halbe Stadt herum fahren, um parken zu können. Damit wir auf der Weiterfahrt nicht durch die ganze Agglomeration am Nordufer des Zürichsees schleichen mussten, benutzten wir die Autobahn durchs Zürioberland und gelangten so quasi durch die Hintertüre zum Zoo. Da der Zooparkplatz bereits besetzt war, wurden wir zum Dolder Parkplatz umgeleitet. Dies erwies sich schlussendlich als Vorteil für uns,  denn mit der altehrwürdigen Dolderbahn und dem Tram waren wir in 20 Minuten am Hauptbahnhof von Zürich.

Durch die Bahnhofstrasse und die Altstadtquartiere beidseits der Limmat schlenderten wir durch das meist verkehrsfreie Zentrum der Stadt. Vor allem entlang der Limmat pulsiert das Leben, während es in den kleinen Seitengassen der Altstadt meist sehr ruhig zu und her geht. Wir genossen die Aussicht vom Lindenhof Park und bestaunten das grösste Kirchenuhrziffernblatt Europas an der St. Peter Kirche. Durch das Niederdorf mit seinen gemütlichen Beizen und kleinen Läden gelangten wir schliesslich an die Tramhaltestelle zurück und liessen uns bequem wieder zu unserem Auto bringen.

Wir fuhren über Land bis nach Kyburg, um dort das Schloss zu besichtigen. Die Kyburg ist eine der grössten und besterhaltenen Schlossanlagen in der Schweiz und entspricht mit seiner Art der typischen Vorstellung, die wir von einer Burg haben. Der Rundgang gibt interessante Einblicke in die Geschichte des Bauwerks und der Besitzerfamilien.

 

Langsam wurde es wieder Zeit, einen Nachtplatz zu suchen. Beim angepeilten Campingplatz, schön an der Thur gelegen, trafen wir schon wieder auf eine Auswirkung der Corona Pandemie: Ausgebucht! Bereits am Mittwoch reisen die ersten Familien zurzeit an, um sich einen Stellplatz für das Wochenende zu sichern, da man diese nicht im voraus reservieren kann. Wie uns die Dame an der Réception erklärte, wurde der Campingplatz in den vergangenen Wochen regelrecht überrannt, was sonst überhaupt nicht üblich sei. Wir wurden aber freundlicherweise zu einem nahen, ebenfalls direkt an der Thur gelegenen Waldparkplatz verwiesen, wo wir stehen konnten. Ein guter Tipp, denn nachdem die Tagesausflügler weg waren, hatten wir den Platz für uns. Kurz nach unserer Ankunft ging ein heftiges Gewitter über uns hinweg , so dass wir uns ins Auto zurückziehen mussten. Vor dem Eindunkeln fuhr ein Van mit vier ziemlich lauten Gästen vor und parkte ganz in der Nähe. Um in unsere Nachtruhe nicht gestört zu werden, zogen wir uns vorsichtshalber ans hintere Ende des Parkplatzes zurück.

Andelfingen – Nordspitze der Schweiz

Eigentlich wollten wir den jetzigen Reiseabschnitt in dieser Gegend unterbrechen und wieder eine Pause einlegen. Wir beschlossen aber, vor der Heimreise noch eine Wanderung zum nördlichsten Punkt unseres Landes zu unternehmen.

Wir fuhren dafür auf direktem Weg nach Bargen, dem schon mal nördlichsten Ort der Schweiz. Dort parkten wir und machten uns zu Fuss auf den Weg. Erst gemächlich, dann immer steiler ging es zuerst hoch zum Hohhengst auf immerhin 860 müM. Dort überquert man, ohne es überhaupt zu bemerken, die Grenze nach Deutschland. Die Route verläuft meist eher flach und im Wald. Bald gelangten wir wieder an die Grenze und folgten dieser bis zum „Schwarze Staa“ (Schwarzer Stein im Dialekt), dem nördlichsten Grenzstein mit der Nummer „593“. Dort ist ein Pick-Nick Platz eingerichtet, bei welchem ein Tisch direkt auf der Grenze steht, sodass zwei Personen in Deutschland und zwei weitere in der Schweiz sitzen können. Die Wolken hatten sich inzwischen verdichtet und bald regnete es kräftig, aber zum Glück nicht lange. Vorbei an einer 500 jährigen Eiche an einer Wegkreuzung ging es nun wieder südwärts ein Stück weit auf der Grenze und dann zurück in die Schweiz, nach Bargen hinunter.

Auf dem Heimweg legten wir nochmals einen Halt ein, auf dem Siblinger Randen. Ein kurzer Spaziergang führte uns zu einem imposanten Aussichtsturm, von welchem aus man weit ins Mittelland hinaus und in die fernen Alpen blickt. Ein Grund zu diesen Punkt zu gehen, ist die Challenge „26 Summits“. Diese beinhaltet je eine Gipfelroute zu einem Hochpunkt in jedem Schweizer Kanton. Wir hatten zuvor bereits einige dieser Punkte angelaufen und festgestellt, dass der Schaffhauser "Gipfel" quasi am Weg lag. Da wir voraussichtlich nicht so schnell wieder in diese Gegend kommen würden, nutzten wir daher die Gelegenheit.

 

Danach fuhren wir durch das Schaffhauser Weinland und das Deutsche Klettgau dem Rhein entlang nach Hause.


Teil 3 - Nordschweiz - Nordostschweiz - Graubünden - Tessin


Wieder war eine längere Schönwetterphase angesagt und wir hatten momentan keine Verpflichtungen, also starteten wir erneut auf unsere Grand Tour.

Dem Rhein entlang fuhren wir zurück ins Schaffhauserland. Wir stiegen bei den Thurauen in die Route ein. Flussabwärts von Schaffhausen aus mündet die Thur in den Rhein. Den Ufern entlang erstrecket sich das grösste Auengebiet der Schweiz. Eine kurze Rundwanderung soll dem Besucher die Vielfalt der Pflanzen- und Vogelwelt näher bringen. Wir waren am Ende allerdings eher etwas enttäuscht, da die Landschaft viele Einflüsse von Mensch und Landwirtschaft erkennen liess und wenig natürlich belassene Wälder zeigte. Zudem bekamen wir nicht mehr Vögel und Pflanzen zu sehen als auf jeder anderen Wanderung. Schön war allerdings die Aussicht auf den Zusammenfluss von Thur und Rhein. Auf Grund der Regenfälle führte die Thur  Hochwasser und war braun gefärbt, während der Rhein klar und grünlich daher kam.

In Marthalen machten wir einen Fotohalt, denn der kleine Ort bietet eine Anzahl der typischen, wunderschönen Riegelhäuser. Bis 300 Jahre alte, mächtige Gebäude säumen den Ortskern und hübsche Vorgärten mit Blumen in allen Farben säumten die Strassen. Danach war es nur ein kleiner Sprung zum Rheinfall. Wir parkten das Auto am Südufer beim Schloss Laufen und querten den Rhein über die Eisenbahnbrücke. Wir waren total überrascht von den Menschenmengen, die wir antrafen. Obwohl wir an einem sonnigen Sonntag dort waren, hatten wir in der immer noch aktuellen Corona Situation nicht mit diesem Ansturm gerechnet. Ausländische Besucher waren jedoch noch immer wenige unterwegs, und was ganz fehlte, waren die Busladungen mit Asiaten. Der grösste Wasserfall Europas ist auf jeden Fall immer wieder eine beeindruckende Attraktion. Wir verlängerten unseren Spaziergang und gingen weiter flussabwärts, um über die nächste Brücke über den Rhein wieder ans Südufer zu gelangen.

Dem Rhein entlang zum Bodensee

Wir fuhren weiter dem Rhein entlang Richtung Bodensee. In Diessenhofen schlenderten wir durch den malerischen Ort mit seiner weitgehend intakten Altstadt hinunter zum Rhein und über die Uferpromenade zur eindrücklichen Holzbrücke, welche hier die Schweiz mit Deutschland verbindet. 

Schon bevor wir Stein am Rhein erreichten, wurde uns klar, auch hier würden wir nicht die einzigen Besucher sein. Die zahlreich vorhandenen Parkplätze waren überfüllt und nur mit viel Glück ergatterten wir einen, der erst noch direkt am Eingang zur Altstadt lag. Es herrschte ein riesiger Betrieb in der Stadt, aber wieder waren es zumeist Schweizer aus allen Kantonen. Offenbar hat der Aufruf des Bundesrates, die Ferien in der Schweiz zu verbringen, gewirkt…. Die bemalten Fassaden der alten Bürgerhäuser und die Lage am Rhein machen Stein so beliebt als Destination. Am Untersee, quasi ein Anhängsel des Bodensees, bogen wir in die Hügel ab und suchten uns einen Übernachtungsplatz. Bei einer Grillstelle etwas abseits der Strasse wurden wir fündig. Bei unserer Ankunft war zwar noch ein weiterer Camper vor Ort, der junge Mann war jedoch bereits am zusammenräumen, so dass wir den Platz für uns hatten.

Am Geburtstag von Ueli’s Bruder hatten wir Patrizia und Maggi aus Tägerwilen kennengelernt. Als sie hörten, dass wir bald durch ihre Gegend reisen würden, luden sie uns ein sie zu besuchen. Zuvor wollten wir das Schloss Arenenberg besichtigen, wo im 19. Jahrhundert Nachfahren von Kaiser Napoleon gelebt hatten und welches heute als Museum besucht werden kann. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, aber die prunkvolle und farbenfrohe Ausstattung der Räume ist definitiv nicht jedermanns Sache. Die ganzen Inneneinrichtungen, samt Geschirr und Bildern ist weitgehend authentisch erhalten geblieben, so als ob die ehemaligen Bewohner gerade erst ausgezogen wären. Die Aussicht auf den Untersee und die umliegenden Parkanlagen ist überwältigend.

Nach nur wenigen Kilometer erreichten wir Tägerwilen, und fanden uns rechtzeitig zum Mittagessen bei Patrizia und Maggi ein. Wir genossen die feine Pizza zusammen und hatten es lustig. Wir verabschiedeten uns bald, da die beiden als Bäcker tätig sind, wollten sie sich noch eine Weile aufs Ohr legen, bevor sie schon um Mitternacht wieder zur Arbeit müssen. Wir möchten nicht tauschen mit ihnen!

Angrenzend an Tägerwilen liegt Gottlieben, ein kleines, hübsches Dorf am Rhein, zwischen Boden- und Untersee. Wir wollten uns dort mit einer Ration Gottlieber Hüppen, einer lokalen Süssigkeit eindecken.

Langsam wurde es wieder Zeit eine Unterkunft zu beziehen. Ein Bauernhof in der Nähe bietet ein paar Stellplätze an, genau das richtige für uns. Recht naturnah und doch mit den nötigsten Einrichtungen versehen und vor allem ohne das Gedränge eines Campingplatzes, war es ein netter Ort, um die Nacht zu verbringen. Der Hof liegt hoch über dem Bodensee, weit entfernt von Nachbarn und Dörfern, also eine sichere Garantie für eine ruhige Nacht.

Vom Bodensee ins Appenzellerland

Wir fuhren weiter dem See entlang und machten in Arbon das erste Mal Halt. Das schön gelegene Städtchen hat einige hübsche Ecken zu bieten und beherbergt zudem das Saurer Museum. Dort werden Textilmaschinen und vor allem Lastwagen aus einem knappen Jahrhundert Geschichte ausgestellt. Die Marke Saurer war bekannt für ihre hochwertigen und immer innovativen Fahrzeuge. Vor allem in der Schweizer Armee kamen Generationen ihrer LKW zum Einsatz. Vor einigen Jahrzehnten musste sich aber auch diese Firma der ausländischen Konkurrenz geschlagen geben und die Tore schliessen.

In der Stadt St. Gallen war das historische Stiftsquartier unser Ziel. Wie so oft in Schweizer Städten, stellte uns auch hier die Suche nach einem Parkplatz vor eine Herausforderung, da unser Fahrzeug nicht in ein Parkhaus passt. Hat man endlich einen Platz an der Strasse gefunden, ist oft nicht nur die maximale Parkzeit eher knapp bemessen, auch die Preise sind nicht unbescheiden…

Mit unseren Raiffeisen Debit Karten konnten wir einmal mehr kostenlos die Museen besuchen. Natürlich war die berühmte Stiftsbibliothek der Höhepunkt in der ganzen Anlage. Daneben sind auch der Gewölbekeller, wo die Geschichte des Klosters erklärt wird, und die Stiftskirche selber äusserst sehenswert. Das barocke Gotteshaus ist sehr aufwändig und prachtvoll, ausgeschmückt und riesig. Der Platz vor der Kirche mit seinen sehr schönen Fassaden und Gebäuden, in welchen zahlreche Restaurants und Geschäfte untergebracht sind, lädt eigentlich zum Verweilen ein. Da jedoch wie erwähnt, die Parkdauer begrenzt war, blieb uns dafür leider nicht viel Zeit.

 

Wir verliessen St. Gallen in Richtung Appenzellerland. Der Kontrast zwischen der betriebsamen, hektischen Stadt und dem nicht weit entfernten, beschaulichen Stein im Kanton Appenzell könnte grösser nicht sein. In Stein - einem der vielen Orte dieses Namens in der Schweiz - besichtigten wir die Schaukäserei. Der Besuch ist witzig gestaltet, denn am Eingang erhält der Gast eine Schachtel, in welcher von den verschiedenen Appenzeller Käsesorten jeweils ein Stück zum Probieren zu finden ist. Auf dem Rundgang werden die Geschichte und die Eigenarten der einzelnen Käse aufgezeigt. Zudem kann von einer verglasten Galerie aus live beobachtet werden, wie der Appenzeller hergestellt wird.

In einem angrenzenden Gebäude ist das Appenzeller Brauchtumsmuseum untergebracht, wo man viel über die typischen Bräuche und Kunsthandwerke der Gegend erfährt. Unter anderem wird eine alte Stickmaschine ausgestellt und betrieben, welche ein Motiv parallel auf über hundert Stoffstücke stickt. Geführt und eingerichtet wird die Maschine von Hand, d.h. bei jedem Farbwechsel müssen sämtliche Nadeln neu eingefädelt werden. Im Gegensatz zur reinen Handarbeit können so jedoch gleichzeitig mehr als 100 Teile bestickt werden. Dank dieser Technik konnte im 19. Jahrhundert die wachsende Nachfrage nach Appenzeller Stickereien befriedigt werden.

Bevor wir den Hauptort des Kantons, Appenzell, besuchten, stellten wir sicher, dass wir auf dem angepeilten Bauernhof einen Platz zum Übernachten bekamen. Im Ort selber trafen wir erstaunlich viele Besucher an in den Strassen. Auch hier waren aber vor allem Schweizer aus allen Landesteilen unterwegs, ausländische Autos waren auf den Parkplätzen kaum anzutreffen, und die Busparkplätze blieben leer. Appenzell ist bekannt für seine farbenfrohen Häuser mit ihren schmucken Fassadenmalereien und die vielen prächtigen, alten Wirtshausschilder.

Wandern im Alpstein

Das Wetter war zwar etwas durchzogen, trotzdem wollten wir zur geplanten Wanderung aufbrechen und fuhren nach Wasserauen. Vom Parkplatz aus führte der Weg steil nach oben zum Seealp See und von dort weiter zum berühmten Berggasthaus Äscher. Wir wählten nicht die Standardroute, sondern wanderten zum Ende des Sees und nahmen den Aufstieg über die oberhalb aufragenden Felsbänder in Angriff. Ein zum Teil ausgesetzter Felsenpfad mit vielen Stufen brachte uns ganz schön ins Schwitzen. Bis zur Altenalp mussten 400 Höhenmeter überwunden werden. Danach ging es dafür recht flott dem Berg entlang zum Äscher. Im spektakulär gelegenen Restaurant , das mittlerweile weltbekannt ist,  muss man normalerweise froh sein, einen Platz zu finden. Diesmal waren die Tische dank dem nicht ganz optimalen Wetter und der Corona bedingten Abwesenheit ausländischer Gäste nur gut zur Hälfte besetzt. Wir belohnten uns nach dem anstrengenden Aufstieg mit einem feinen, noch warmen Nussgipfel. Den Plan, zu Fuss nach Wasserauen zurück zu gehen, gaben wir in Anbetracht der dunklen Wolken am Himmel auf und wanderten lediglich am Wildkirchli vorbei, durch die dahinterliegende Höhle hoch zur Ebenalp und liessen uns von der Seilbahn ins Tal fahren.

Regenwetter

Der nächste Tag entsprach ziemlich genau der Wettervorhersage. Die Wolken hingen tief, es war trüb und neblig und immer wieder regnete es. Ein Tag für Museen! Wir beeilten uns also nicht mit aufstehen, frühstückten gemütlich und fuhren anschliessend nach Urnäsch zum Brauchtumsmuseum. Auch dieses zeigt in einer interessant und aufschlussreich gestalteten Ausstellung die Vielfalt an Bräuchen, Traditionen und Kultur im Appenzellerland. Im Ort Appenzell befindet sich in einem historischen Gebäude aus dem Jahr 1560 das Museum Appenzell. Auf mehreren Etagen werden auch hier Brauchtum, alte Handwerke, Lebensweise und Wohnkultur in eindrücklicher Weise dargestellt. 

Eigentlich wären wir gerne länger in der Gegend geblieben, aber erstens war der Campingplatz für das Wochenende ausgebucht und zweitens war das Wetter nach wie vor nicht optimal zum Bergwandern. Also fuhren wir durch die hügelige Landschaft auf die Schwägalp, am Fuss des Säntis, und dann hinunter ins Toggenburg. Bei Alt St. Johann machten wir eine kurze Wanderung zu den Thurfällen. Nach dem Regenwetter der vergangenen Tage führte die Thur gewaltig Wasser, so dass die Wasserfälle ein eindrückliches Spektakel boten.

Überraschung Werdenberg

Das Städtchen Werdenberg überraschte uns sehr positiv. Die kleinste Stadt Europas und das darüber thronende Schloss sind ein Freiluftmuseum, wobei jedoch die historischen Häuser normal bewohnt werden, was dem Besucher den Eindruck eines echten mittelalterlichen Ortes vermittelt. Die Häuserfront spiegelt sich im davorliegenden See. Im so genannten Schlangenhaus ist ein Museum eingerichtet, welches die Geschichte und Entstehung des Ortes schildert und das Schloss beherbergt u.a. Gemälde und Möbel aus verschiedenen Epochen. Die Aussicht vom Schlossturm über das Rheintal bis nach Liechtenstein ist eindrücklich.

Im Ländle

Von Werdenberg aus ist es nur ein Katzensprung über den Rhein und man ist im Ausland, im Fürstentum Liechtenstein. Wir parkten im Zentrum von Vaduz und schlenderten durch die Fussgängerzone. Im gemütlichen Städtle mit vielen Restaurants und eleganten Geschäften wird vor allem auch gezeigt, dass die Liechtensteiner grossen Wert auf Architektur und Kunst legen. Überall stehen moderne Skulpturen und vor allem das vom Deutschen Architekten Hansjörg Göritz entworfene und 2008 eingeweihte neue Landtagsgebäude besticht durch seine mutige und doch sehr ins Bild passende Bauweise.

Tamina Schlucht

Unser Plan war, im Campingplatz in Bad Ragaz zu übernachten, denn wildcampen ist (fast) überall verboten in der Region. Da dieser aber bereits voll war, mussten wir uns schlussendlich doch in einer Waldlichtung einrichten.

Am Morgen fuhren wir zurück nach Bad Ragaz, um durch die Tamina Schlucht zu wandern. Da wir einmal mehr nicht ins Parkhaus passten und die Strassenparkplätze auf 2h beschränkt waren, mussten wir uns dabei mit der Expressvariante begnügen. Zu Beginn ist das Tal noch nicht sehr eindrücklich und der Wanderweg folgt der verkehrsfreien Fahrstrasse. Erst nach Erreichen des historischen Alten Bad Pfäfers, dem ältesten erhaltenen Barockbad der Schweiz aus den 1830er Jahren, dringt man in die tosende und dunkle Welt der eigentlichen Tamina Schlucht ein. Ganz schmal und fast hundert Meter tief hat sich der Fluss hier in die Felsen gefressen. Von einer Aussichtsplattform aus kann man das in der Tiefe tosende und donnernde Wasser beobachten, bevor man durch einen Tunnel zur  sprudelnden und dampfenden Thermalquelle gelangt, welche die ganzen Heilbäder in Bad Ragaz speist. Bereits vor über hundert Jahren wurde das Wasser in Holzrohren 4 km weit ins Tal geführt. Nach fast genau zwei Stunden hatten wir die 10 km zurückgelegt und fanden uns wieder beim Auto ein.

Durch die Weinberge der Bündner Herrschaft gelangten wir nach Landquart, wo wir unsere Vorräte aufstockten. Danach bogen wir ins Prättigau ab und besuchten eine eindrückliche Stahlbetonbrücke, die Saltinatobelbrücke. Zur Zeit ihres Baus um 1930 war das kühne Bauwerk von Robert Maillard eine Sensation. Kein Wunder wird sie heute als Weltkulturerbe geführt und Architekturinteressierte Besucher kommen aus aller Welt, um sie zu sehen. Eine kurze Wanderung führt auf der einen Seite zur hoch über dem Tal liegenden Brücke und auf der anderen Seite zurück, so dass die Konstruktion aus unterschiedlichen Perspektiven zu bestaunen ist.

Rundwanderung über die Grenze nach Österreich 

Unser nächstes Zwischenziel war St. Antönien, eine Walsersiedlung im Prättigau auf 1400 müM. Ausserhalb der Ortschaft, auf einem Parkplatz am hinteren Ende des Tales, übernachteten wir, um am Morgen direkt zu unserer Wanderung um die Schijenflue  starten zu können. Der Weg führte als erstes hoch zum Partnunsee. Langsam liessen wir die genutzten Alpweiden hinter uns und die Wildblumen in den Wiesen wurden immer zahlreicher. Der Aufstieg wurde zunehmend steiler und die Landschaft felsiger, bis wir schliesslich die Grenze zu Österreich erreichten. In der Tilisuna Hütte des ÖAV, wenige hundert Meter weiter, konnten wir den Durst  löschen. Frisch gestärkt wanderten wir weiter zum Gruobenpass und anschliessend zum höchsten Punkt der Tour, dem Plasseggenpass auf 2354m, wo wir die Grenze zur Schweiz wieder überquerten. Von nun an gings bergab, erst moderat über grüne Alpweiden und zum Schluss sehr steil durch ein Couloir zurück nach Partnun. Nach einer weiteren Erfrischung in einer Gartenwirtschaft erreichten wir müde, aber zufrieden unser mobiles Zuhause.

Ins Engadin

Da wir früh von der Wanderung zurück waren und die Schönwetterphase möglichst nutzen wollten, entschieden wir, am selben Tag noch bis Samnaun zu fahren. Das heisst, von St. Antönien hinunter ins Prättigau und über den Flüelapass ins Unterengadin. Die Fahrt durch das Hochtal von Zernez bis Martina zog sich erstaunlich in die Länge. In Vinadi bogen wir in die schmale Bergstrasse auf der Schweizer Seite Richtung Samnaun ab. Die steile und schmale Strecke mit engen Tunneln brachte unseren Land Cruiser ganz schön ins keuchen. Schliesslich erreichten wir aber den angepeilten Stellplatz im zollbefreiten Samnaun am frühen Abend und genossen ein wohlverdientes Feierabendbier auf 1800 müM bei angenehmen Temperaturen.

Wie üblich in Schweizer Touristengebieten, bezahlt man mit jeder Übernachtung, also auch auf dem Campingplatz, die Kurtaxe. In Samnaun erhält man dafür eine Gästekarte, mit welcher sämtliche Bergbahnen, der lokale Bus und sogar das Erlebnisbad kostenlos genutzt werden können.

Um von diesem Angebot zu profitieren, nutzten wir die Seilbahn hoch zum Alp Trida Sattel, mit dem Plan, von dort aus eine Rundwanderung zu machen. Wir fanden uns so nach wenigen Minuten im riesigen Skigebiet von Samnaun/Ischgl ein. Im Winter, wenn alles verschneit ist, muss die Kulisse grandios sein, jetzt im Sommer zeigte sich die Landschaft aber eher trostlos. Die Hänge sind durch die vielen Skilifte, Sesselbahnen und Skipisten dermassen verunstaltet, dass uns die Lust auf wandern schnell verging und wir wieder zur Bergstation zurück marschierten, und zurück ins Tal fuhren.  

Um trotzdem nicht ganz tatenlos zu sein, spazierten wir ins Dorf Samnaun und deckten uns dort mit diversen alkoholischen Getränken ein, was sich hier besonders lohnt, da diese weder mit Zoll noch mit MWST belastet sind. Bevor wir Samnaun am nächsten Morgen verliessen, füllten wir zudem unsere Dieseltanks für günstige 95 Rappen pro Liter auf. Bei einer Menge von 250 Litern sparten wir so gut über 100 CHF.

In den Schweizer National Park

Um zurück ins Engadin zu gelangen, fuhren wir diesmal über die besser ausgebaute Strasse auf der Österreichischen Seite. Auf dem Weg nach Zernez besuchten wir Ardez und Guarda, beides Dörfer mit schönen, alten Engadiner Häusern. Das Wetter war an diesem Tag zwar etwas durchzogen, jedoch nicht wirklich regnerisch, also gerade richtig, um ein paar der malerischen Orte im Engadin zu besuchen. Wir nutzten so auch die Gelegenheit, dem Ort und dem Schloss Tarasp einen Besuch abzustatten, um eine paar Bilder von diesem eindrücklichen Gebäude zu schiessen.

Als wir am Tag zuvor im Campingplatz von Zernez angerufen hatten, bekamen wir die Auskunft, dass der Platz voll sei. Der Campingbesitzer in Samnaun versicherte uns jedoch, dass einige seiner Gäste in den letzten Tagen dort problemlos einen Platz bekommen hatten. Wir wagten also den Versuch und konnten uns tatsächlich ohne weiteres dort einquartieren. Zu unserer Überraschung fuhren wir auf der Suche nach einem geeigneten Platz am Azalai von Schami und Rita vorbei. Nachdem wir installiert waren, trafen wir die beiden auf einen kurzen Schwatz. Schami und Rita hatten ihren Landrover kurz vor unserem Umbau mit einer Azalai Kabine ausrüsten lassen, haben in der Zwischenzeit aber auf das grössere Modell gewechselt. Ein kurzer Spaziergang führte uns in den Dorfkern von Zernez und ins dortige National Park Zentrum. In einem sehr modernen, kubischen Gebäude ist neben der Information auch eine Ausstellung zum Park untergebracht. Kurzfilme und interessante Exponate zeigen die wichtigsten Fakten zu Fauna und Flora des Schweizer National Parks auf.

Wanderung im Val Trupchun

Bereits um acht Uhr erreichten wir den Parkplatz am Eingang zum Val Trupchun, von wo aus unsere Tour startete. Wir wanderten auf dem Höhenweg ins Tal hinein und erreichten nach etwa einer Stunde die Grenze zum National Park. Plötzlich vernahmen wir den Warnruf eines Murmeltiers und trafen kurz danach auf einen Bau. Die alten Tiere verschwanden sofort in den Höhlen, während die Jungtiere unbekümmert weiter spielten und sich durch uns nicht gross stören liessen. Von einem Aussichtspunkt aus konnten wir am gegenüber liegenden Hang, hoch oben auf fast 3000 müM, zwei Rudel mit Hirschen beobachten. Im Sommer weiden die Tiere in höheren Lagen und sind deshalb meist nur aus der Distanz zu sehen. Durch den schattigen Wald erreichten wir die Brücke, die kurz vor der Alp Trupchun über den Bach Ova da Trupchun führt. Wieder hatten wir Gelegenheit, diesmal zwei erwachsene Murmeltiere aus kurzer Distanz zu beobachten. Auf der Alp selber bevölkerten weitere Murmeltierfamilien die Hänge und die Jungtiere erfreuten uns mit ihren Spielen. Die sommerlichen Alpwiesen waren übersät mit einer Vielzahl an Blumen. Nach einer kurzen Rast folgten wir auf dem Rückweg der Talsohle. Unzählige Orchideenarten und eine grosse Zahl weiterer Wildblumen liessen uns immer wieder anhalten und fotografieren. Inzwischen kamen uns auf den Wegen immer mehr Wanderer entgegen, es hatte sich also gelohnt, früh zu starten.

Edelweiss 

Für eine weitere Wanderung parkten wir das Auto beim Hotel Il Fuorn am Ofenpass und nahmen von dort den Bus nach Buffalora, nur wenige Kilometer weiter oben an der Passstrasse. Als erstes ging es steil hoch zur Alp Buffalora. Nach einer halben Stunde wandern durch Alpweiden, begleitet von Kuhglockengeläute, erreichten wir die Grenze zum National Park. Bereits zu Beginn der Wanderung hatten wir erste Edelweiss gesehen, nun aber waren sie die dominierende Blumenart. Am Fusse des Munt la Schera blühten hunderte der seltenen Wildblume. Laut einer App zur Bestimmung von Blumen und Pflanzen ist diese Gegend die einzige Region in der Schweiz, wo die einzigartigen und symbolträchtigen Edelweiss zu finden sind. Ausser der Pflanzenwelt war auch die Aussicht auf den Lago di Livigno und die Gletscher der fernen Bernina Gruppe eine wahre Augenweide. Auf der Alp la Schera legten wir Rast ein und konnten dabei erneut junge Murmeltiere beobachten. Bald erreichten wir die Baumgrenze wieder und der Wanderweg führte durch lockeren Wald steil hinunter. In dichten Heidelbeerbüschen entlang des Weges scheuchten wir ein Schneehuhn auf, das flatternd und zeternd das Weiter suchte. Wir waren über diese Begegnung wohl mindestens ebenso heftig  erschrocken wie der seltene Vogel selber. Bald erreichten wir unseren Parkplatz und konnten uns auf eine warme Dusche und einen wohlverdienten Apero freuen.

Ab ins Tessin

Da das Wochenende vor der Türe stand, war der Campingplatz mit Reservationen gefüllt und wir mussten weiter ziehen. Zudem hatte während der Nacht das Wetter umgeschlagen und am Morgen erwarteten uns wolkenverhangene Berge und immer wieder leichter Regen. Wir mussten unsere Pläne also wieder einmal ändern. Wir packten unsere Sachen und fuhren durch das Oberengadin. In Samedan parkten wir ausserhalb des Dorfes und spazierten durch den Ortskern. Auch hier trifft man nach wie vor auf einige der stattlichen und typischen Engadiner Häuser, das Zentrum beherbergt jedoch auch modernere Bauten und ist dadurch nicht mehr so einheitlich wie die kleineren Dörfern.

Bei bedecktem Himmel, aber vorerst ohne Regen führte unsere Route über den Julier Pass. Das Wetter verschlechterte sich jedoch und bald bekam der Scheibenwischer Arbeit. Unser Plan war, in der Region Flims zu übernachten um am nächsten Tag auf einer Wanderung die Rheinschlucht und den Caumasee zu besuchen. Ein Blick auf den Parkplatz in Flims liess jedoch befürchten, dass der Ansturm am bevorstehenden Wochenende enorm sein musste, denn trotz Regenwetter war dieser bereits am Freitag sehr gut besetzt. Ein Telefongespräch mit einem Freund bestätigte diese Befürchtung, denn er erzählte uns, dass am Wochenende zuvor der Zugang zum Caumasee wegen Überlastung gesperrt werden musste. Da wir zudem Mühe hatten, einen schönen Übernachtungsplatz zu finden, beschlossen wir, zum Lukmanier Pass hochzufahren, wo wir im vergangenen Jahr unweit der Alpe Stgegia einen passenden Platz entdeckt hatten. Wir richteten uns also auch diesmal unterhalb der Staumauer ein. Inzwischen hatte sich das Wetter beruhigt und wir konnten ein paar Sonnenstrahlen geniessen. Als wir nach dem Nachtessen im Auto sassen, entdeckten wir, dass keine 5 m neben unserem Standplatz ein Murmeltier seinen Bau hatte. Immer wieder streckte es seinen Kopf aus der Höhle, wagte es allerdings nicht, diese ganz zu verlassen, da ihn offenbar unsere Nähe zu sehr irritierte.

Nach einer ruhigen Nacht wurden wir am Morgen geweckt vom Gebimmel der Ziegenherde. Auch diesmal besuchten wir vor dem Wegfahren den kleinen Hofladen bei der Alpe Stgegia, um uns mit feinem Käse und Honig einzudecken.

Wanderung um den Pizzo dell’Uomo

Beim Lukmanier Hospiz parkten wir und schnürten einmal mehr unsere Wanderschuhe. Durch eine eindrückliche Landschaft wanderten wir parallel zur Passstrasse zur Alpe Gana hinunter. Von dort steigt der Wanderweg steil durch den lichten Wald hoch auf die Piano di Canali. Der relativ flache Wegverlauf über die Hochebene hielt nur kurz an, denn noch waren 300 Höhenmeter zum Passo delle Colombe zu überwinden. Auf dem Pass angelangt, legten wir beim Lago dei Campanitt eine wohlverdiente Mittagspause ein und genossen die Aussicht Richtung Ritomsee und das Bleniotal.

Über sanfte, blumengeschmückte Alpweiden stiegen wir ab, um danach den kurzen Anstieg zum Passo dell‘ Uomo in Angriff zu nehmen. Der steile und sehr steinige Abstieg hinunter zum Santa Maria See ging ganz schön in die Beine und wir waren froh, als wir schliesslich die Fahrstrasse dem See entlang erreichten. Im Restaurant auf der Passhöhe füllten wir nach der schweisstreibenden Tour unsere Flüssigkeitsreserven mit einem kühlen Getränk wieder auf, bevor wir ins Bleniotal hinunter fuhren.

Aus dem geplanten Übernachtungsplatz am Brenno, oberhalb von Biasca, wurde leider nichts, da die Zugänge zum Fluss alle gesperrt waren. Im Tal angekommen, herrschten unterdessen Temperaturen von über 30 Grad, zum ersten Mal wieder seit dem Bodensee. Von früheren Besuchen im Tessin kennt Ueli den Grotto Val d’Ambra in Personico, wo wir unter schattigen Bäumen ein kühles Bier und ein frühes Nachtessen genossen. Ganz in der Nähe fanden wir auch ein ruhiges Plätzchen zum Übernachten.

Zu Besuch in Sobrio

Wir hatten zuvor mit Giorgio, einem Cousin von Ueli, und seiner Frau Norma Kontakt aufgenommen und wurden von ihnen spontan zum Mittagessen eingeladen. Sie waren bei dem heissen Wetter in ihr Ferienhaus in Sobrio vor der Hitze „geflüchtet“. Also fuhren wir am Morgen durch die Leventina bis nach Lavorgo, von wo aus die schmale und steile Bergstrasse nach Sobrio hinauf führt. Unterwegs sammelten wir im Wald entlang der Strasse Brennholz für das geplante, abendliche Lagerfeuer, denn wir hatten uns für später mit Freunden auf dem Gotthard Pass verabredet, wo wir kühle Temperaturen erwarteten. Da der Pass über der Baumgrenze liegt, würde Brennholz dort nicht zu finden sein.

Giorgio holte uns auf der Piazza in Sobrio ab und führte uns erst mal auf einem Rundgang durch das „Dorf der Musik“. Auf Initiative eines Anwohners, haben sich im Laufe der letzten Jahre in diesem kleinen, abgelegenen Ort eine Vielzahl von musikalischen Aktivitäten entwickelt. Es werden Konzerte von jungen, talentierten Künstlern und ein Festival durchgeführt zudem wurde eine Musikakademie eingerichtet, um nur einige Beispiele zu nennen. Es konnten auch viele Prominente für die Projekte gewonnen werden. So hat die amtierende Bundespräsidentin Sommaruga das Dorf kürzlich besucht und der bekannte Tessiner Architekt Mario Botta konnte für die Realisierung eines Konzertlokals verpflichtet werden.

Mitten im Dorf waren ein paar Leute dabei, einen grossen Topf mit Risotto für eine grössere Gesellschaft zu kochen. Auch wir kamen schliesslich in den Genuss eines Safran Risottos, welchen wir uns zusammen mit Giorgios Familie im Garten mit herrlicher Aussicht auf die gegenüberliegenden Berge schmecken liessen.

Nachdem wir die kurvenreiche Strasse von Sobrio nach Lavorgo hinunter wieder hinter uns hatten, keuchte unser Camper bald die Gotthardpassstrasse hoch. Wir wählten die kopfsteingepflasterte Tremola Route. In unzähligen Kehren windet sich die holprige Strasse hoch durch das Tremola Tal. Als wir die Passhöhe schon fast erreicht hatten, kam uns die berühmte, von Pferden gezogene Postkutsche entgegen, früher das offizielle Verkehrsmittel über den Pass. Heute lässt eine Kutschenfahrt über den Gotthard Touristen in längst vergangene Zeiten eintauchen. Auf der Gotthard Passhöhe war Betrieb wie an einem Volksfest. Die Parkplätze waren voll belegt und die Leute drängten sich um Souvenirshops und Restaurants beim Hospiz. Wir fuhren zum geplanten Übernachtungsplatz und stellten erfreut fest, dass dieser noch nicht belegt war. Abseits des ganzen Trubels richteten wir uns schon mal ein und warteten, bis auch Ueli und Rita eintrafen, mit denen wir uns hier verabredet hatten.

Bald konnten wir sie begrüssen und auf das Wiedersehen anstossen. Das mitgebrachte Feuerholz wärmte zuerst unsere Grilladen und danach uns selber, denn sobald die Sonne untergegangen war, sank die Temperatur merklich, was auf einer Höhe von fast 2000m kein Wunder war.

Wanderung zu den Seen im Gotthardgebiet

Ueli hatte von Giorgio den Tipp für eine Rundwanderung bekommen, welche wir nun zusammen mit unseren Freunden machen wollten. Unsere Autos standen weit unterhalb des Wanderweges. Um einen langen Umweg der Strasse entlang zu vermeiden, stiegen wir direkt hoch durch das Gelände. Nach fast einer halben Stunde schweisstreibendem Aufstieg erreichten wir schliesslich den Weg und die eigentliche Wanderung konnte beginnen. Der besondere Reiz dieser Route liegt darin, dass man an mehreren Bergseen vorbeikommt. Nach einem ersten Aufstieg erreichten wir den Lago d’Orsino. Über einen kleinen Pass gelangten wir bald an den Lago d’Orsirora, wo wir unsere Mittagspause machten. Noch einmal mussten wir etwas aufsteigen, bevor wir die Laghi della Valletta zu sehen bekamen. Bald darauf waren wir am höchsten Punkt der Route auf fast 2500 müM angelangt. Die Aussicht auf den Stausee Lago di Lucendro und die Gotthard Passhöhe belohnten uns für den Aufstieg. Steil ging es anschliessend bergab zum Lucendro See. Die Strecke auf der Fahrstrasse dem Ufer entlang war danach einfach und erholsam. So konnten wir etwas ausgeruht den Abstieg durch das unwegsame Gelände zurück zu unseren Fahrzeugen in Angriff nehmen.

Zum Nachtessen wurden wir von unseren beiden Freunden zu einem weiteren Risotto eingeladen, welches sich durchaus mit dem der Tessiner Verwandtschaft messen konnte.

Der nächste Morgen war wiederum sonnig und blauer Himmel erwartete uns. Wir hatten bereits zuvor beschlossen, unsere Grand Tour hier wieder zu unterbrechen. Im südlichen Tessin und im Wallis, die nächsten Regionen, die wir besuchen wollten, war jetzt während der Sommerferien zu viel los. Da viele Schweizer im eigenen Land ihre Ferien verbringen, wurde sogar in den Nachrichten berichtet, dass Orte wie das Verzasca Tal völlig überlaufen waren und an ein Unterkommen auf den Campingplätzen im Tessin schon gar nicht zu denken war. 

Wir verabschiedeten uns also von Ueli und Rita und machten uns auf den Heimweg. Unsere nächste Etappe werden wir wohl erst im September starten, wenn die Hauptferienzeit vorüber ist.


Teil 4 - Tessin - Wallis - Westschweiz - Jura

Wie geplant machten wir uns anfangs September wieder auf die Grand Tour. Das Wetter versprach Gutes für die nächsten Tage und wir stellten bald fest, dass der grösste Rummel definitiv vorbei war. Wir fuhren also auf direktem Weg ins Sotto Ceneri und richteten uns im kleinen Campingplatz bei Meride ein.

 

Monte San Giorgio

Der Berg und seine Umgebung sind ein weiteres UNESCO Weltkulturerbe und der Hauptgrund warum wir uns in Meride eingerichtet hatten. Oberhalb des Nachbardorfs Tremona liegen auf einem Bergrücken die Überreste einer Jungsteinzeitlichen Siedlung, gerade richtig um nach der Autobahnfahrt die Beine noch etwas zu bewegen. Laut den Informationstafeln soll die Siedlung schon vor 4000 Jahren bewohnt gewesen sein, die noch bestehenden Ruinen stammen jedoch aus dem Mittelalter. Die vorhandenen Mauerreste weisen darauf hin, dass hier ein beeindruckendes Dorf in strategisch optimaler Lage gewesen sein muss. Im Infocenter in Tremona werden 3D-Brillen vermieten, dank derer die Anlage in virtueller Realität erlebt werden kann (siehe auch den Film unten). Wir nahmen den Rückweg hinunter nach Meride in Angriff und besuchten dort das Fossilien Museum, in welchem die schönsten Fundstücke vom Monte San Giorgio zu sehen sind. Die Ausstellung zeigt auch die interessante Geologie des Berges auf, die so bedeutend ist, dass die Gegend zum UNESCO Weltkulturerbe erhoben wurde.

Anderntags bestiegen wir den Monte San Giorgio und starteten dazu direkt vom Campingplatz aus. Ein alter und meist sehr steiler Erschliessungsweg führte uns über 600 Höhenmeter hoch zum Gipfel. Oben angelangt, genossen wir die grandiose Aussicht auf den Luganer See und in die Alpen, bis hin zum Mont Blanc. Nach einer  ausgiebigen Pause stiegen wir zur Alpe di Brusino ab, wo wir im gemütlichen Grotto unter uralten Kastanienbäumen einkehrten. Von dort aus ging es weiter meist bergab durch schönen Mischwald. Mitten im Wald stiessen wir auf eine der Ausgrabungsstellen, wo unzählige Fossilien frei gelegt worden waren. Kurz vor Meride erreichten wir eine Aussichtsterrasse, welche die Sicht auf eine Felswand ermöglicht, die einen Einblick in die vielschichtige Geologie des Berges eindrücklich zeigt.

Unterwegs im Mendrisiotto

Bevor wir uns nach Norden wandten, wollten wir den südlichsten Zipfel der Schweiz etwas erkunden. Erst einmal fuhren wir nach Bruzella und folgten von dort dem Valle di Muggio zu Fuss bergwärts. Bald erreichten wir die am Fluss Breggia gelegene alte Mühle von Bruzella. Da sie an diesem Tag geschlossen war, stand das grosse Wasserrad still und wir konnten nur von aussen einen Augenschein nehmen. An zwei Tagen pro Woche wird hier aber nach wie vor vor allem Mais zu feinem Polentamehl gemahlen.

Wir folgten dem Wanderweg bis Muggio und kehren von dort mit dem Bus nach Bruzella zurück.

Als nächstes Stand ein Besuch am südlichsten Punkt der Schweiz auf dem Programm. Dieser liegt oberhalb von Chiasso auf dem Gebiet der Gemeinde Pedrinate, von wo aus man den Grenzstein in einer guten halben Stunde zu Fuss erreichen kann. Wir waren sehr überrascht, dass die Grenze zu Italien mit einem hohen Metallzaun gesichert ist. Der Zaun war offenbar von den Italienern errichtet worden, denn er steht eindeutig auf italienischem Boden. Heute scheint dieser jedoch keine Bedeutung mehr zu haben, denn überall klaffen Lücken und die Metallpfosten rosten vor sich hin.

Der südlichste Grenzstein selber wird durch eine Komikfigur markiert und ein Rastplatz lädt zum Verweilen ein. Vorbei am wohl ebenfalls südlichsten Rebberg der Schweiz gelangten wir zurück zum Auto.

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt

Um in die Gegend des Monte Tamaro zu gelangen wählten wir die Route über Luino in Italien, was zwar nicht ganz den Regeln der Grand Tour of Switzerland entspricht. Die Fahrt am Südufer des Luganer Sees entlang reizte uns jedoch mehr und zudem konnten wir so die Gelegenheit nutzen, in Italien Lebensmittel einzukaufen. Nach einem kurzen Stück dem Lago Maggiore entlang führte die Strasse hoch zum Lago Delio, auf der Route nach Indemini. Dort fanden wir unterhalb der Staumauer ein ruhiges Übernachtungsplätzchen.

Am Morgen starteten wir früh, denn wir wollten von der Alpe di Neggia aus den Monte Tamaro besteigen und danach weiter zur Alpe Foppa wandern. Als wir allerdings wieder auf die Route nach Indemini trafen, erblickten wir eine Informationstafel, die anzeigte, dass die Strasse wegen Bauarbeiten gesperrt sei. Das hätte bedeutet, dass wir wieder hinunter an den Lago Maggiore und dann von Vira aus an den Ausgangspunkt fahren müssten. Luftlinie wären gerade mal sechs Kilometer dazwischen gelegen, durch die Baustelle wären daraus jedoch zwei Stunden Fahrzeit geworden, sodass wir für die lange Wanderung ziemlich spät dran gewesen wären. Wir änderten also unseren Plan, und fuhren direkt in Maggia Tal.

Wanderung durchs Val Bavona

Unser Timing passte für einmal optimal, denn wir parkierten in Bignasco und erwischten den nächsten Bus, welcher uns nach San Carlo ans obere Ende des Val Bavona brachte.

Von dort wanderten wir talwärts, immer wieder an schön restaurierten Rustici vorbei und durch schattige Wälder. Vor allem der malerische Ort Foroglio mit seinem mächtigen Wasserfall als Hintergrund ist sehr sehenswert. Weiter Richtung Bignasco verlässt der Wanderweg den Fluss und man steigt weit hoch durch die Kastanienwälder, vorbei an mehreren Unterständen, in welchen das Vieh Schutz fand. Unter Ausnutzung der riesigen Felsblöcke, mussten nur einige Steinmauern hochgezogen werden und schon war ein Stall gebaut. Auf den letzten Kilometern verdichteten sich die Gewitterwolken wie vorausgesagt und zeitweise fielen erste Tropfen. Mit etwas Beeilung erreichten wir das Auto jedoch trocken. Wir fuhren hoch nach Peccia und genehmigten uns im herrlich gelegenen Grotto Pozzasc erst mal ein kühles Bier und einen Tessiner Teller. Weiter hinten im Valle di Peccia fanden wir bei nun tatsächlich einsetzendem Regen Unterschlupf in einem Camping.

Weiter ins Wallis

Der nächste Morgen empfing uns mit einer tief hängenden Wolkenschicht. Bevor wir das Maggia Tal verliessen, machten wir einen Abstecher ins Bergdorf Mogno, um dort die moderne und äusserst sehenswerte Kapelle San Giovanni Battista zu besichtigen. Nachdem eine Lawine im Jahr 1986 die alte Kirche und einen Teil des Ortes zerstört hatte, wurde nach langen Planungen und Diskussionen der bekannte Tessiner Architekt Mario Botta beauftragt, ein neues Gotteshaus zu bauen. Dieses konnte 1996 eingeweiht werden und lockt seither zahlreiche Besucher ins Dorf. 

Wir schlugen anschliessend den direkten Weg nach Airolo ein, jedoch nicht ohne dort in einen der regulären Staus auf der Gotthardstrecke zu geraten. Wir bogen in Richtung Nufenen Pass ab und folgten dabei dem Bedretto Tal. Noch waren die Berge wolkenverhangen, aber es zeigten sich erste blaue Löcher in der Wolkendecke. Auf der Passhöhe war es bereits sonnig und der Blick hinunter ins Wallis versprach gutes Wetter.

Nach der Fahrt durch das Goms, vorbei an vielen schönen Dörfern erreichten wir Ernen. Auf einem Spaziergang durch dieses typische Walliser Dorf mit seinen dunklen, alten, blumengeschmückten Holzhäusern und der eindrücklichen Kirche boten sich viele wunderbare Fotomotive an. Einige Kilometer weiter, in Binn, richteten wir uns auf dem Campingplatz ein.

Unterwegs als Strahler

Das Binntal ist weltberühmt für seine Vielfalt an Mineralien. Über 150 Arten wurden hier bisher entdeckt, etwa 30 davon kommen sogar nur in dieser Region vor. Wir gingen zu Fuss hoch zu einer Abbaustelle, wo Geologen nach wie vor in den Berg vordringen und immer wieder Kostbarkeiten zu Tage fördern. Im Abraum darf sich der Besucher selber als „Strahler“, so der Fachbegriff für die Mineralienjäger,  betätigen. Grosse Funde haben wir hier nicht gemacht, dafür aber auf dem Rückweg im Wald zwei wunderschöne Steinpilze entdeckt, welche unser Nachtessen kulinarisch aufwerteten.

Auf nach Zermatt

Die Wetterprognose für die nächsten Tage war perfekt, um die Hochalpen zu erleben. Unterwegs Richtung Zermatt legten wir in Naters einen Zwischenhalt ein, um dort das berühmte Beinhaus zu besichtigen. Hunderte von Schädel- und anderen Knochen wurden säuberlich aufgeschichtet und auf Gestellen aufbewahrt. Errichtet wurde die Stätte im Jahr 1514 und mittlerweile warten gegen 30'000 Schädel auf ihre Auferstehung.

Die beiden Gemeinden Naters und Brig sind in den vergangenen Jahrzehnten massiv gewachsen und zu einer zusammenhängenden Agglomeration verschmolzen. Das wohl bekannteste Gebäude in Brig ist der Stockalper Palast. Kaspar Stockalper, ein reicher und erfolgreicher Unternehmer und Politiker, liess das Schloss zwischen 1651 bis 1671 erbauen. Heute beherbergt der Palast das Rathaus und ein Museum und der schöne Schlosshof wird für Konzerte und Aufführungen genutzt.


Wir waren beide seit ewigen Zeiten nicht mehr in Zermatt, ein guter Grund also, dort einen Zwischenhalt einzulegen. Zermatt als autofreier Ort ist mit dem eigenen Fahrzeug nicht erreichbar, spätestens ab Täsch muss auf den Zug  umgestiegen werden. Wir richteten uns deshalb im Camping bei Randa ein. Direkt vom Camping aus werden Shuttlebusse angeboten, welche bis zum Ortseingang von Zermatt fahren und sogar preisgünstiger sind als der Zug. Bereits um halb elf waren wir eingerichtet und konnten somit den Bus um 11 Uhr problemlos erreichen.

Die Gornergrat Bahnen warben mit einer Aktion, sämtliche Personen, die während dem CORONA Lock-Down Geburtstag hatten, kostenlos zu befördern. Wir erfüllten beide diese Voraussetzung und kamen tatsächlich in den Genuss einer Gratisfahrt auf den Gornergrat, welche normalerweise über 100 CHF pro Person kostet. Wir waren natürlich nicht die einzigen, die von diesem grosszügigen Angebot Gebrauch machen wollten und so füllten sich die Züge schnell.

Bei strahlendem Sonnenschein liessen wir uns von der im Jahr 1898 eröffneten Zahnradbahn bis auf über 3000 müM bringen. Oben angekommen, genossen wir eines der wohl grossartigsten Panoramen der Welt. Dank den perfekten Wetterbedingungen war der Blick frei auf mehrere Viertausender, allen voran auf „DEN Berg“, das Matterhorn und eine einmalige Gletscherwelt.

Anstatt den ganzen Weg wieder mit der Bahn zurück zu legen, wanderten wir ein Stück dem Grat entlang, um die Aussicht auf den imposanten Gornergletscher und die Dufourspitze zu geniessen. Danach stiegen wir nach Rotenboden ab und machten einen Abstecher zum Riffelsee. Immer das Matterhorn vor Augen dehnten wir die Wanderung bis zur Station Riffelberg aus, um von dort mit der Bahn zurück nach Zermatt zu fahren.

Für den nächsten Tag hatten wir ursprünglich einen zweiten Fussmarsch in der Gegend des Gornergrats geplant. Nachdem wir jedoch festgestellt hatten, wie karg und steinig die Landschaft oberhalb der Baumgrenze ist, änderten wir unsere Absichten. Wir liessen uns zwar wieder nach Zermatt fahren, wählten diesmal aber die Standseilbahn nach Sunnegga hoch. Von dort aus führt der Europaweg meist der Baumgrenze entlang in Richtung Grächen. Auf dieser Strecke waren immer wieder eindrückliche Ausblicke hinunter ins Mattertal möglich und sobald man sich umdrehte, lag das Matterhorn im Blickfeld. Ohne grosse Höhenunterschiede zu bewältigen, erreichten wir die Täschalp, wo weitere Viertausender ein grandioses Panorama bildeten. Während der Mittagsrast liessen wir ein letztes Mal den Blick über den „schönsten (sicher aber berühmtesten) Berg der Welt“ schweifen . Bald kamen wir zur Wegkreuzung, wo wir den Europaweg verliessen, um den Abstieg von rund 600 Metern zum Talgrund in Angriff zu nehmen. Untern angekommen, war es nicht mehr weit bis zum Campingplatz zurück.

Lötschental

Nach einer guten Stunde Fahrt erreichten wir am Morgen die Fafleralp, am Ende des Lötschentals gelegen. Von dort aus wollten wir zur Anenhütte hochwandern, um den Blick auf den Anen- und den Langgletscher zu geniessen. Der Aufstieg führte vorbei am Guggisee und weiter über Alpwiesen und durch felsiges Gelände immer höher Richtung Anenhütte. Im Endanstieg zum Berggasthaus trafen wir, nicht ganz unerwartet, auf Iris und Stephan, mit denen wir über Internet in Kontakt standen. Wir hatten ihren Azalai Camper auf dem Parkplatz in der Fafleralp entdeckt und wussten daher, dass sie irgendwo hier unterwegs sein mussten. Da wir sie zuvor noch nie persönlich getroffen hatten, war es jedoch schwierig, sie unter den anderen Wanderern zu erkennen. Die beiden hatten unsere Tour ebenso verfolgt und ahnten, dass wir in der Gegend sein mussten. Offenbar waren ihnen unsere Gesichter aber aus den Interneteintragungen bekannt, denn sie sprachen uns beim Kreuzen an. Da sie bereits wieder auf dem Rückweg waren und ihre weiteren Pläne nicht mit unseren übereinstimmten, blieb es bei einem kurzen Schwatz am Wegesrand.

Bei der Anenhütte, einem modernen und autark funktionierenden Berggasthaus aus dem Jahr 2007, legten wir eine Mittagsrast ein und besuchten den unweit der Hütte liegenden Anensee. Über die mächtige Seitenmoräne des Langgletschers stiegen wir danach steil zur Lonza, dem Entwässerungsfluss des Gletschers, ab und folgten dem Bach talwärts. Am Grundsee, etwas oberhalb der Fafleralp gelegen, ruhten wir uns noch einmal kurz aus und erreichten dann nach wenigen Minuten den Parkplatz.

Durch das Rhonetal mit Abstechern

Nach wenigen Kilometern der Rhone entlang abwärts, bogen wir ins Val d‘Anniviers ab, um weit hinten im Tal Grimentz, eines der schönsten Walliser Dörfer zu besuchen. Schon die Fahrt war beeindruckend, denn im vorderen Teil des Tales verläuft die Strasse hoch über einer tiefen Schlucht.

In Grimentz angekommen, parkierten wir unterhalb des autofreien Dorfkerns und spazierten durch die engen Gassen, vorbei an den fast schwarzen Holzhäusern, allesamt mit leuchtend roten Geranien geschmückt. Mitten im Ort stehen am Dorfbach eine alte, funktionsfähige Säge und eine Mühle, beide mit Wasser betrieben.

Auch dem nächsten nach Süden abbiegenden Tal, dem Val d'Hérens, wollten wir einen Besuch abstatten. Eine der Attraktionen in diesem Tal sind die Pyramides d'Euseigne. Kurz vor dem Ort Euseigne ragen interessante Erosionsformationen aus der bewaldeten Gegend. 10 - 15 m hohe Erdhügel, Rückstände ehemaliger Gletscher, bilden eine Art Talsperre, die nicht zu übersehen ist. Hüte, bestehend aus grossen Felsblöcken verhinderten die Erosion des bröckligen Gesteins, so dass im Laufe der Zeit schlanke Säulen entstanden, die wie überdimensionierte Pilze aussehen.

Von Euseigne aus führt die Strasse direkt ins Val d‘Hérémence, an dessen Ende die lange Zeit als höchste Staumauer der Welt geltende Grand Dixence steht. Schon bevor dieses kühne Bauwerk errichtet wurde, bestand am gleichen Ort eine wesentlich weniger hohe Staumauer. Der Aufschwung nach dem 2. Weltkrieg machte klar, dass der Stromverbrauch in der Schweiz ansteigen würde. In den 1950er Jahren wurde mit dem Bau der neuen Mauer mit einer Höhe von 285 m begonnen. Bei voller Last können die nachgeschalteten Kraftwerke heute 20% des landesweiten Strombedarfs abdecken.

In Sion oder deutsch Sitten, dem Hauptort des Kantons Wallis, legten wir einen kurzen Halt ein, um zur alten Basilika von Valeria aus dem 12./13. Jahrhundert hoch zu steigen. Diese liegt auf einem der Burghügel oberhalb der Stadt und gewährt einen schönen Blick auf die Altstadt, die gegenüberliegende Ruine der Burg Tourbillon und die Rebberge des Rhonetals. In der Altstadt selber fällt vor allem die Kathedrale Notre-Dame-du-Glarier  aus dem 15. Jahrhundert mit ihrem romanischen Turm aus dem 12. Jahrhundert auf. In den Gassen herrschte emsiges Treiben und die Leute genossen das warme Wetter in den zahlreichen Gartenwirtschaften.

Als wir nach dem Einkaufen zum Auto zurückkamen, stellten wir fest, dass der rechte Seitenspiegel abgebrochen war und auf dem Boden lag. Unser Parknachbar war eben dabei wegzufahren und Ueli klopfte an seine Scheibe, um zu fragen, ob ihm allenfalls dieses Missgeschick passiert war. Er verneinte dies unwirsch und mache sich rasch davon. Wir hatten zwar die Nummer des Fahrzeuges notiert, mussten jedoch nach Rücksprache mit der Polizei einsehen, dass mangels Beweisen wohl keine Chance bestehen würde, den mutmasslichen Verursacher zur Verantwortung zu ziehen. Da hatten wir eben einfach Pech gehabt.

Wir fuhren weiter bis Savièse, wo hoch über dem Rhonetal ein Standplatz für Camper zur Verfügung steht.

Entlang der Suone Torrent Neuf

Am Morgen starteten wir vom Übernachtungsplatz aus zu der abenteuerlichen Wanderung entlang eines der alten Bewässerungskanäle. Nach dem Aufstieg zur Suone, wie die Kanäle im deutschsprachigen Wallis heissen, während sie im Französisch sprechenden Teil Bisse genannt werden, folgten wir der Wasserleitung durch den schattigen Wald. Anfangs führte der Kanal noch Wasser, lag danach aber über weite Strecken trocken, da die ursprüngliche Führung an exponierten Felswänden unterbrochen war. An vier Stellen mussten steile und unpassierbare Abschnitte über Hängebrücken umgangen werden, eine echte Herausforderung für Myrta, die nicht schwindelfrei ist. Im letzten Teilstück war der Kanal wieder intakt und führte hier auch wieder Wasser. Am Ende des Wanderwegs wartete ein kleines Restaurant, wo wir uns eine Pause gönnten, bevor wir den Rückweg in Angriff nahmen. Es begegneten uns nun wesentlich mehr Leute als auf dem Hinweg, den wir fast allein bestritten.

Die Bisses von Nendaz

Unsere nächste Etappe war sehr kurz. Sie führte uns lediglich nach Sion hinunter und auf der anderen Talseite wieder hoch nach Nendaz auf über 1000 müM. Dort parkierten wir und wanderten der Bisse du Milieu entlang Richtung Planchouet. Nach etwa 6 km erreichten wir den Punkt, wo das Wasser vom Bach La Printse abgezweigt und im Kanal Nendaz zugeführt wird.

Nach einem kurzen Aufstieg dem Bach entlang erreichten wir die Bisse Vieux, die für die Bewässerung der höher liegenden Wiesen und Obstkulturen angelegt wurde. Der Wanderweg dieser Suone entlang führte durch schattige Tannenwälder zurück nach Nendaz. Unterwegs fanden zwei schöne Steinpilze den Weg in unseren Rucksack

Martigny

Eigentlich wollten wir die alte Römerstadt auf direktem Weg anfahren. In Saxon fiel Ueli jedoch ein Wegweiser zum Col du Lein ins Auge. Er hatte schon von diesem Pass gehört, also wollten wir die Gelegenheit nutzen, diesen Übergang zu befahren. Eine schmale und sehr steile Strasse führte erst durch Aprikosenplantagen und Rebberge auf fast 1700 müM hoch und gewährte immer wieder Ausblicke ins stetig tiefer verlaufende Rhonetal. Oben angekommen, überraschte uns die Landschaft mit einem lichten Lärchenwald und einem kleinen, idyllischen See. Der Parkplatz auf der Passhöhe hätte sich als herrlicher Übernachtungsplatz angeboten, aber es war noch zu früh, um die Tagesetappe bereits zu beenden. Wir fuhren weiter über den Col du Tronc und dann wiederum steil hinunter nach Martigny.

Dort besichtigten wir die Bernhardiner Hundezucht im Barryland. Die grossen Hunde hatten wohl angesichts der sommerlichen Temperaturen keine grosse Lust auf Aktivität und genossen lieber schlafend oder dösend ihr geruhsames Leben. Die Geschichte der Rasse und deren Aufgabe bei den Mönchen auf dem Grossen Sankt Bernhard Pass wird im angeschlossenen Museum dargestellt. Auch über die Entwicklung des Passes selber erfährt man viel Wissenswertes. Ein Teil der Ausstellung ist der vielseitigen Vermarktung des Bernhardiners weltweit gewidmet. Wir staunten, wie viele unterschiedliche Produkte mit dem sympathischen Hund beworben wurden und auch heute noch werden.

Ein Spaziergang zum nahe gelegenen, römischen Amphitheater erinnerte uns daran, dass Martigny in der Römerzeit eine bedeutende Garnisonsstadt war. Ein Rundgang durch die eher gemächliche und unspektakuläre Altstadt rundete unseren Besuch in Martigny ab. 

Gorge du Trient

Wenige Fahrminuten nach Martigny zweigt die enge Schlucht von Trient von der Strasse ab. An die vertikalen Wände montierte Stege ermöglichen es dem Besucher, einige hundert Meter in den schmalen Graben vorzudringen.

Durch die Rebberge des französisch sprechenden Teils des Kantons Wallis gelangten wir nach Aigle, dem grössten und bekanntesten Weindorf der Region. Da wieder einmal Montag war, war das Museum im schönen Schloss aus dem 13./14. Jahrhundert geschlossen. Auch von aussen ist das eindrückliche Gebäude aber sehr sehenswert und bietet wunderbare Fotomotive. Ein Rundgang durch die kleine, feine Altstadt von Aigle mit ihren schmalen Gässchen war ebenfalls durchaus lohnenswert.

Wir setzten unsere Fahrt fort bis ans Ende des Rhonetals und bogen bei Villeneuve auf eine Strasse ab, die uns auf über 1000 Meter hoch über den Genfersee brachte. Unterhalb des Pic Nic Platzes, wo wir übernachteten, bot sich eine grandiose Aussicht über den Genfersee. Wir kamen in den Genuss eines stimmungsvollen Sonnenunterganges. Nach dem Eindunkeln konnte Ueli zudem ein paar wunderschöne Nachtaufnahmen schiessen.

Am Genfer See

Unser Übernachtungsplatz lag zwar direkt oberhalb vom Schloss Chillon. Um dort hinzukommen, mussten wir aber erst einige Kilometer Bergstrasse hinunter zum See bewältigen.

Wir gehörten zu den ersten Besuchern und konnten so das Schloss, dessen Ursprünge auf das 11. Jahrhundert zurückgehen, in aller Ruhe durchstreifen. Vom Keller, der einerseits als Weinlager andererseits aber auch als Gefängnis diente, bis hoch unter das Dach des mächtigen Bergfrieds erkundeten wir die imposante und weitläufige Anlage. Die Lage der Burg auf einer Felsinsel im See und mit der eindrücklichen Bergkulisse im Hintergrund ist einmalig und eines der beliebtesten Fotomotive der Westschweiz. 

In Montreux besuchten wir die Musikstudios, in welchen Freddie Mercury und die Queen viele ihrer Songs aufgenommen hatten. Das als Museum dienende Studio zeigt eine Vielzahl an Erinnerungsstücken, wie Handnotizen oder einige der extravaganten Bühnenkostüme bis hin zu einem kompletten Schlagzeug der Band. Im ganzen Raum sind Kopfhörer angebracht, in denen die berühmten Musikstücke zu hören sind und im eigentlichen Aufnahmeraum werden Konzertausschnitte in Quadrophonie Qualität abgespielt. In Filmen gezeigte Interviews mit ehemaligen Queen Musikern bringen die langjährige, enge Verbindung der Gruppe zu Montreux zum Ausdruck. Mit einer  Bronzestatue von Freddie Mercury am Ufer des Sees ehrt Montreux das Andenken an den legendären Sänger. 

Durch die Rebberge des Lavaux, vorbei an den Chateaus und Winzerdörfern, erreichten wir Lausanne. Noch am Nachmittag besuchten wir das Olympische Museum. Dieses liegt an bester Lage am Seeufer und zeigt auf mehreren Stockwerken die Geschichte der Spiele und unzählige Original Utensilien von vielen Athleten aus allen Sportarten. In Filmeinspielungen werden die pompösen Eröffnungsfeiern stolz präsentiert. Der Trend der letzten Jahrzehnte, hin zu immer mehr Pomp und immer noch grösseren Anlagen kommt dabei klar zu Tage und verdeutlicht den Widerspruch zu den ehemaligen Grundsätzen der Olympiade. Stand früher die sportliche Leistung auch von Athleten aus weniger erfolgreichen Nationen im Vordergrund, sind es heute zunehmend die glamourösen Eröffnungsfeiern und die grössenwahnsinnigen Anlagen, die im Mittelpunkt stehen.

Am nächsten Morgen fuhren wir mit dem Bus in die schöne Altstadt von Lausanne und erkundeten diese  auf einem ausgedehnten Spaziergang. Am Nachmittag setzten wir die Reise dem Genfer See entlang fort und besuchten einige der hübschen Städtchen und Dörfer, die an der Route lagen. Vor allem Morges, direkt am See gelegen und Aubonne, etwas zurückversetzt, lohnen einen Zwischenhalt.

Kurz vor Vevey besichtigten wir den riesigen Gemüsegarten beim Schloss Prangins. Darin wachsen viele alte, heute fast vergessene Gemüse und Kräuter. Es ist erstaunlich, welche Vielfalt im Gemüsesortiment eigentlich möglich wäre, während uns im Laden immer nur angeboten wird, was sich gut transportieren und lagern lässt. Es wäre wünschenswert, anstelle der möglichst immer gleich grossen und gleich aussehenden Ware, wieder natürliche Sorten mit Geschmack angeboten zu bekommen.

Die kleine Altstadt von Nyon erweckte in uns den Eindruck, dass es dem Ort wirtschaftlich nicht sehr gut geht. Viele der alten Gebäude stehen leer und verlottern, vereinzelt sind jedoch Restaurationsarbeiten im Gang und es ist zu hoffen, dass der eigentlich schöne Ortskern erhalten werden kann.

Da es in der Stadt Genf keine gescheiten Übernachtungsmöglichkeiten für Camper gibt, verliessen wir unser kleines Land für eine Nacht und kamen in einem Campingplatz in Frankreich, nur wenige Kilometer von Genf entfernt, unter.

Die Stadt Genf

Wir kannten bisher beide die Stadt nur vom Vorbeifahren und wollten sie deshalb etwas näher in Augenschein nehmen. Wir parkierten ausserhalb, beim Bahnhof von Les Tuileries und waren mit dem Zug in wenigen Minuten mitten in Genf. Praktischerweise sind im Parkplatzticket zwei Tageskarten für den ÖV inbegriffen, die für beliebige Bus- und Bahnlinien in der ganzen Region eingesetzt werden können.

Das Zentrum der Stadt liegt am Ausfluss der Rhone aus dem Genfersee. Das Wahrzeichen Genfs, der von weitem sichtbare Jet d’Eau, schiesst seine Wassersäule über 100 m in die Höhe. Der kräftige Wind verwehte das hoch gespritzte Wasser und die Sonne liess im Wasserschleier einen Regenbogen in allen Farben erscheinen. 

Im Park entlang des südlichen Ufers wachsen herrliche, alte Bäume, unter anderen auch eine mächtige Sequoia. Ebenfalls dort zu finden ist die farbenfrohe Blumenuhr.

Durch die teure Einkaufsmeile der Stadt gelangten wir ins historische Zentrum. Wir waren überrascht, wie gross und gut erhalten diese ist. Auch wenn die Gebäude zum Teil nicht sehr alt sind, zeigen diese mit ihrer Grösse und den aufwändig verzierten Fassaden den Wohlstand der Stadt deutlich. Dass Genf Mittelpunkt des Calvinismus war und ist, zeigt sich vor allem auch in der Kathedrale, deren Ursprünge auf das 11./12. Jahrhundert zurück gehen. Diese kommt gemäss den Regeln der Reformation relativ schmucklos daher.

Zum La Dole, einem der höchsten Juragipfel

Vom warmen Genfer Seeufer fuhren wir durch die Landwirtschaftszone am Fusse des Juras hoch zum La Dole, einem der höchsten Juragipfel. Direkt unterhalb liegt das gemütliche Bergrestaurant La Barillette. Von dessen Terrasse aus geniesst man einen herrlichen Ausblick über den Genfer See und in die Alpen. Die Sicht war zwar am Tag unseres Besuchs nicht sehr klar, wir genossen aber trotzdem unseren Apéro. Danach richteten wir uns im hinteren Teil des Wanderparkplatzes unterhalb vom Chalet La Dole ein. Auf der Feuerstelle grillten wir zwei feinen Entrecotes und genossen eine sehr ruhige Nacht.

Als wir zu der kurzen Wanderung zum La Dole starteten, waren noch nicht viele andere Leute unterwegs. Wir stiegen zur westlichen Flanke hoch und sahen in einem lichten Tannenwald eine Gruppe von mindestens zehn Gämsen, welche dort mit ihren Jungtieren friedlich grasten. Ein junges Männchen fühlte sich von uns überhaupt nicht gestört und liess uns bis auf wenige Meter an sich herantreten, bevor es gemütlich davonging.

Auf dem Gipfel bei der riesigen Radarstation angekommen, mussten wir feststellen, dass der Blick auf die Berge durch den Morgennebel in den tieferen Lagen und die dunstige Atmosphäre nicht optimal war. Zudem mussten wir direkt ins Sonnenlicht schauen, was der Sicht nie zuträglich ist. Wir konnten also den Mont Blanc und die übrigen Alpengipfel nur mit Mühe erkennen. Über den Grat, mit Ausblick Richtung Frankreich, ging es abwärts zum Col de Porte und von dort durch die Weiden zurück zu unserem Auto. Schon vor Mittag starteten wir auf Nebenstrassen zum Lac de Joux.

Vallorbe und Umgebung

Am Lac de Joux, dem grössten See im Jura auf Schweizer Seite, legten wir eine kurze Mittagspause ein und fuhren danach hinunter zu den Grottes de Vallorbe. Das ganze Gebiet ist eine ausgedehnte Karstlandschaft, was zur Bildung von grossen Höhlensystemen geführt hat. Dies erklärt auch, weshalb der Lac de Joux keinen Ausfluss hat, sondern unterirdisch abfliesst und erst beim Höhleneingang wieder ans Tageslicht tritt.

Der Weg durch die Höhlen von Vallorbe ist abwechslungsreich und beeindruckend. Er führt durch mehrere Kammern mit schönen Tropfsteinformationen und Blicken in verzweigte Nebengänge. Ein lautes Rauschen kündigt einen Wasserlauf an und tatsächlich führt der Steg über einen wilden Bach, der durch enge Tunnel und über Stufen in der Tiefe seinen Weg sucht. Fast am Ende der Rundtour erreicht man eine riesige Halle, die so genannte Kathedrale, die mit Musik beschallt wird, um die herrlicher Akustik geniessen zu können.

Bevor man die Höhe verlässt, hat man Gelegenheit, eine eindrückliche Mineraliensammlung zu bewundern. In mehreren dunklen Nebenkammern des Höhlensystems werden Kostbarkeiten aus der ganzen Welt in beleuchteten Vitrinen zur Schau gestellt. Auch ein Whiskeybrenner und eine Käserei nutzen das konstant kühle Klima im Berginnern, um ihre Produkte reifen zu lassen.

Wir besuchten das Dorf und das Kloster Romainmôtier ganz in der Nähe. Erste Spuren und Aufzeichnungen eines Klosters sollen bis ins 5. Jahrhundert zurück reichen. Die heutige Klosterkirche wurde im 11. Jahrhundert erbaut und hat die Zeit bis heute beinahe unverändert überstanden. Sie gilt als eines der ältesten Gebäude der Schweiz im romanischen Stil. Die gut erhaltene Anlage beeindruckt mit vielen Nebengebäuden und einem herrlichen Innenhof. Auch neben dem Kloster weist der kleine Ort Rômainmotier  eine Vielzahl an historischen Bauten im Dorfkern auf, einige davon werden derzeit restauriert.

Die Festung Pré-Giroud

Am folgenden Morgen stand der Besuch einer Festung aus dem zweiten Weltkrieg auf dem Programm. Die eindrückliche Anlage hatte die Aufgabe, den Einmarsch der Wehrmacht, welche tatsächlich längere Zeit die Grenzstation bei Vallorbe besetzt hielt, zu verhindern. Ein ausgeklügeltes Netz von Tunneln und unterirdischen Einrichtungen am Gegenhang zum Col de Jougne war in nur zwei Jahren Bauzeit errichtet worden. Bestückt war die Festung mit Kanonen, Panzerabwehrwaffen und Maschinengewehr Ständen und einer Mannschaft von 130 bis 200 Mann. Die ganze Anlage ist weitgehend intakt und originalgetreu ausgestattet, sodass man sich das Leben der Soldaten auch heute noch gut vorstellen kann. Erstaunlich sind die vielen Details, an welche beim Bau und bei der Einrichtung damals gedacht wurde: Unter anderem sollten mit Stahlblech ausgekleidete Geschützstellungen verhindern, dass bei Einschlägen Staub von der Decke fiel, Sand, Zement und Bausteine wurden bei den Stellungen gelagert, damit bei Schäden eine schnelle Reparatur möglich war, die gesamten Elektroschränke und Beleuchtungen waren erschütterungssicher montiert usw. Tief im Inneren der Anlage befindet sich die Kaserne, in welcher alle notwendigen Einrichtungen wie Schlafräume, Küche, Hospital, Zahnarzt und Werkstätten untergebracht sind. Die Besatzung wäre in der Lage gewesen, 2 Monate zu überleben, ohne auch nur einmal an die Oberfläche zu kommen. Glücklicherweise wurde jedoch nie ein einziger Schuss auf die Festung abgefeuert. 1944 wurden die Deutschen von der Grenze vertrieben und die Amerikaner übernahmen, bis der Krieg schliesslich beendet wurde.

Auf dem Heimweg

In der Nacht hatte das Wetter umgeschlagen und es war am Morgen regnerisch und nebelverhangen. Für die Besichtigung der Festung spielte das keine Rolle, für weitere Aktivitäten im Freien waren die Umstände jedoch nicht ideal. Wir liessen uns aber trotz allem Zeit auf unserer Fahrt durch den westlichen Teil des Juras. Den geplanten Besuch der Asphalt Minen im Val de Travers strichen wir vom Programm, denn es war wieder einmal Wochenende und der Parkplatz bereits entsprechend voll. Wir werden diese Besichtigung zu einem späteren Zeitpunkt bei einem Tagesausflug nachholen.

Die Wettervorhersage war für die folgende Woche sah nicht vielversprechend aus und zudem ist uns die Gegend auf dem letzten Stück bis nach Hause bereits recht gut bekannt, also beschlossen wir von Neuchâtel aus, also genau dort, wo wir auf die offizielle Grand Tour of Switzerland Route getroffen waren, direkt nach Rheinfelden zu fahren.

Wettermässig dürfen wir uns allerdings überhaupt nicht beklagen, denn während den gut zwei Wochen auf diesem Abschnitt hatten wir  bis auf ein nächtliches Gewitter im Maggia Tal und dem Nieselregen am letzten Tag nur herrlichen Sonnenschein und Temperaturen bis über dreissig Grad.


Kommentare: 1
  • #1

    Phillip Stoor (Sonntag, 02 August 2020 09:28)

    Probably the most picturesque, compact, & accessible country in the world. Beautifully photographed & described by you. You & "La Tortuga have certainly "gasped & wheezed" over, & through, a super Swiss "Grand Tour".