Grand Tour of Switzerland

Aufgrund der Corona-Pandemie sind unsere Reisepläne gewaltig über den Haufen geworfen worden. Eigentlich hatten wir vor gehabt im Sommer 2020 Grossbritanien und Irland zu besuchen, aber eben...

Nachdem der Lock-Down in der Schweiz zunehmend gelockert worden war, beschlossen wir erst mal in der Schweiz zu bleiben und unser Heimatland noch besser kennenzulernen. Klar wir beide kennen die Schweiz schon recht gut und sind immer wieder im eigenen Land unterwegs.

Nun wollten wir den Spuren der offiziellen „Grand Tour of Switzerland“ in Etappen folgen. Eben weil wir schon viele der bekannten Sehenswürdigkeiten schon besucht haben, fokussierten wir uns auf neue Dinge und wollten auch immer wieder Wanderungen unternehmen. Auch machten wir einige Abstecher von der offiziellen Route weg in Gegenden die uns interessierten.

Wenn die Wetterprognose auf längere Sicht schlecht angesagt war oder wenn zu Hause Termine und andere wichtige Dinge anstanden,  unterbrachen wir die Reise und kehrten vorübergehend zurück. In der Schweiz ist das ja nie wirklich weit, in ein bis zwei Stunden ist man meist zu Hause. 

Routeninformationen

Teil 1 - Jura - Seeland - Berner Oberland

Rheinfelden bis Laufen

Da einer der Zubringer zur „Grand Tour Route“ in Basel beginnt, war es für uns naheliegend von Rheinfelden aus diesen Abschnitt anzusteuern.

Wir fuhren allerdings direkt nach Arlesheim um dort den Dom und den schönen, vorgelagerten Platz zu besuchen. Nur zwei Minuten Autofahrt brachten uns nach Arlesheim wo wir einen Spaziergang hoch zum Goetheanum und seine Umgebung machten. Die anthroposophische Bewegung um Rudolf Steiner hat hier ein Zentrum. Am offensichtlichsten ist das an der eigenwilligen „organischen“ Architektur ersichtlich. Runde Formen und keine rechten Winkel sind dafür charakteristisch. Viele Leute in der Umgebung leben auch heute noch die Philosophie von Steiner.

Wir fuhren hoch zum Gempenturm, denn das Wetter war schön, wenn auch nicht super klar. Von oben geniesst man die Aussicht über Basel hinweg ins Elsass. Erklimmt man den nahen Aussichtsturm, kann man über di Bäume hinweg auch in den Schwarzwald sehen.

Unser nächster Halt war beim Kloster Mariastein. Die barocke Klosterkirche war zwar bereits wieder für Besucher geöffnet, die Wallfahrtskapelle hingegen war Corona bedingt noch immer geschlossen. Die Gründung der Klosteranlage geht auf eine Legende des Jahres 1442 zurück. Damals soll ein Hirtenjunge über die nahe Felsenklippe gestürzt, aber wie durch ein Wunder unverletzt geblieben sein, da er von einer Frau aufgefangen worden sei. Sein Vater war überzeugt dass es sich um die Mutter Maria gehandelt haben musste und liess aus Dankbarkeit am Ort eine Kapelle bauen. An eben dieser Stelle entwickelte sich über die Jahrhunderte eine immer grössere und bedeutendere Anlage und wurde zu einem Benediktiner Kloster.

Über den Challpass erreichten wir in wenigen Minuten das kleine Städtchen Laufen an der Birs. Früher gehörte die Region noch zum Kanton Bern. Bei der Neugründung des Kanton Jura wurde die Gegend zu einer abgelegenen Exklave des Kanton Bern und die Laufentaler entschieden sich schliesslich zum Kanton Baselland zu wechseln. Der historische Ortskern ist gut erhalten und schliesst im Westen mit dem imposanten Stadttor, dem Zeitturm, ab.

 

Laufen bis Freiberge

Der Birs flussaufwärts gelangten wir nach Delemont. Die Stadt umfährt man in der Regel auf dem Weg in die Freiberge. Wir wollten mal hinter die Mauern schauen. Und es lohnt sich. Schöne Brunnen, malerische Gassen und einige historische Gebäude bietet die kompakte Altstadt. Hier ist man bereits an der deutsch-französischen  Sprachgrenze, dem „Röstigraben“, angelangt. Daher auch der deutschsprachige Stadtnamen Delsberg. Die Ursprünge der Besiedlung gehen auf die Bronzezeit zurück aber auch der Ort wird bereits im Jahre 737 erstmals erwähnt. Das heutige Erscheinungsbild ist bereits einige Jahrhunderte alt und die Stadt hat eine bewegte Geschichte, wechselte sie doch den Besitzer immer wieder. Erst 1815 wurde sie als Teil des Kantons Bern schweizerisch. Zuvor war sie unter wechselndem, französischem Einfluss gewesen.

Im äussersten Nordwestzipfel, einer wahrlich abgelegenen Gegend des Landes, liegt Pruntrut oder Französisch Porrentruy. Auch dieser Ort ist durchaus sehenswert und über der Stadt thront das mächtige Schloss. Nur knapp 7000 Einwohner hat der Ort, hat aber für die Ajoie eine wichtige Zentrumsfunktion. Im Zentrum zeugen bedeutende Bürgerhäuser vom ehemaligen Wohlstand der Besitzer.

Wir fuhren hinunter zum Doubs, einem kuriosen Fluss. Dieser entspringt in der Gegend von Mouthe und nach 453 km mündet er in die Saone, nur gerade 90 Km Luftlinie von der Quelle. An seiner östlichsten Schlaufe liegt St. Ursanne, ein Kleinod und herrlich gelegen. Es ist ein verschlafenes Städtchen nicht zuletzt weil es recht abgelegen liegt, für Schweizer Verhältnisse. Das ist wohl auch der Grund, dass die Bevölkerung seit den 1960er Jahren laufend abnimmt und unterdessen nur noch gerade so viele Einwohner hat wie 1850.

Hoch über dem Doubs erreichten wir die Freiberge mit seinen offenen Weiden und alleinstehenden Tannen. In der Gegend des Etang de la Gruère wollten wir an einem bekannten und offiziellen Ort zum Übernachten bleiben. Wir trafen auf ein Paar aus der Innerschweiz die auch wie wir mit einem Landcruiser auf Tour waren. Wir genossen ein paar Stunden und das Nachtessen zusammen und wurden dann leider von einem Gemeindevertreter weggewiesen, da der Platz nur am Wochenende zum Campen zugelassen ist. Nun, die beiden anderen fuhren zu einem Parkplatz im Nachbarkanton und wir eine paar Hundert Meter weiter und verschlauften uns beim Eindunkeln im Wald.

Freiberge – Greyerzerland

Am Morgen machten wir uns auf um kreuz und quer durch die Freiberge zu streunen. Den ersten Halt machten wir in Bellelay. Die grosse Klosteranlage ist heute eine psychiatrische Klinik nur die Kirche zeugt noch von der religiösen Bedeutung des Ortes. Gleich nebenan ist das Tête de Moine Museum, leider aber noch geschlossen wegen der Pandemie. In der Region wird der spezielle Käse hergestellt. Um ihn zu geniessen wird der Käse mit einem speziellen Hobel in schmackhafte Rosetten verarbeitet.

Die offene Landschaft mit den charakteristischen Tannen prägen die Freiberge. Immer wieder sieht man Kühe grasen oder aber die bekannten Freiberger Pferde. In Roselet besuchten wir das Pferdeasyl. Dort können alte Pferde ihren verdienten Lebensabend in herrlicher Umgebung geniessen. Unter anderem sind auch Rennpferde dort, welche ihre sportliche Karriere hinter sich haben.

Bis fast nach La Chaux-de-Fonds, der Uhrenmetropole der Schweiz, ziehen sich die Freiberge. In der Stadt, ihre nach einem verheerenden Brand wurde der Ort nach einem umfassenden Stadtplan wieder hergestellt. Die dazumal moderne Architektur wurde schliesslich 2009 mit dem UNESCO Welterbe ausgezeichnet.

Wir besuchten das internationale Uhrenmuseum. Dort findet man von der Jahrtausende alte Sanduhr bis zur Atomuhr so ziemlich alles was man zum Zeitmessen nutzen kann. Einige der Ausstellungsstücke zeigen das sehr hohe Niveau der mechanischen Uhrentechnik welche die Schweiz weltweit bekannt gemacht hat. Seien es Komplikationen, komplexe astronomische Uhren oder prunkvolle Schmuckuhren, das ganze Spektrum ist vertreten.

Durch die Schwesterstadt Le Locle erreichten wir wieder den Doubs bei Les Brenets. Eine kurze Wanderung zum Saut du Doubs brachte etwas Bewegung in unsere Beine. Von hoch oben im engen Tal gelangt man hinunter zum Fluss und folgt diesem noch ein paar Minuten bis man am Wasserfall ankommt. Etwa 20 m stürzt das Wasser in die Tiefe, jetzt Ende Frühling führte der Fluss noch reichlich Wasser, im Sommer kann es dann ziemlich spärlich werden.

Nach Querung  von zwei der typischen Täler in diesem Teil des Juras konnten wir das erste Mal die Aussicht über das Mittelland in die Alpen geniessen, bevor es hinunter nach Neuchâtel ging. Durch das Seeland, der Gemüsekammer der Schweiz, erreichten wir Murten. Der Ort ist einer der besterhaltenen Zähringerstädte und ist von einer immer noch intakten Ringmauer umschlossen. Von einer Terrasse in der Nordecke der Altstadt geniesst man die Aussicht über den Murtensee bis zum Jura.

Zwei Übernachtungsoptionen stellten sich als Flop hinaus, sodass wir schliesslich bis ins Greyerzerland fuhren um etwas für uns passendes zu finden. Am Ufer der Sarine, wie die Saane hier heisst, fanden wir ein lauschiges Plätzchen wo wir ungestört blieben.

Greyerzerland - Simmental

Am Morgen mussten wir ein paar Minuten zurückfahren um das Städtchen Greyerz zu besuchen. Es stellte sich heraus, dass der frühmorgige Besuch nicht optimal war, denn das sonst autofreie Ortszentrum war vom Lieferantenfahrzeugen zugestellt, wahrlich nicht optimal für schöne Bilder zu schliessen. Zuoberst im Ort trifft man auf das Schloss Greyerz mit seinen wunderschönen Gartenanlagen und einer historischen Ausstellung. Gleich unten dran wurde ein Museum zu Ehren von HR Giger. Viele seiner Bilder und Skulpturen sind in einer Ausstellung zu sehen. Bekannt wurde der Künstler mit seinen phantasievollen Figuren welche in verschiedenen Kinofilmen zur Anwendung kamen.

Nun ging es erst mal in die Alpen. Der Plan war, nicht wie die Grand Tour direkt nach Saanen und ins Simmental zu fahren, sondern einen Abstecher via Col des Mosses und Pillon zu machen. Beide Pässe sind nicht sehr hoch und deshalb unter der Baumgrenze. Aber gerade das macht die Schönheit der Gegnd aus. Nicht wie die hohen Alpenpässe ist die Landschaft hier noch saftig Grün und auch Wälder bis an die Strasse. Es stellte sich dann aber heraus, dass die Col du Pillon Strasse nach Gsteig wegen Bauarbeiten gesperrt war. Das zwang uns zu wenden und doch über Saanen zu fahren.

Am Ernesee war eine kurze Wanderung um den schönen Bergsee auf dem Programm. Die Privatstrasse hoch ist kostenpflichtig, aber nur 5 CHF. Oben waren wir erst mal überrascht so viele geparkte Autos anzutreffen. Es stellte sich aber heraus, dass der See vor allem bei Fischern sehr beliebt ist. Die Rundwanderung dauert nur etwa eine Stunde, lohnt sich aber den die Landschaft ringsherum ist attraktiv.

 

In Gstaad wollten wir ein wenig High Society Feeling reinziehen. Promis haben wir nicht angetroffen aber die Preise in den Schaufensterauslagen lassen erahnen welche Klientel hier einkauft. Beschaulicher ist das benachbarte Saanen. Beide Dörfer haben neben den Luxushotels aber auch alte und sehr schöne Chalets zu bieten.

Simmental – Meiringen

Bevor wir uns Richtung Thunersee aufmachten, fuhren wir nochmal ein paar Kilometer zurück um am Ausgang des Diemtigtals eine Wanderung zu unternehmen. Von Oey aus ist ein Weg ausgeschildert welcher den Besucher am mehreren alten Chalets vorbei führt. Eines ist schönes wie das andere. Bis über 300 Jahre alt sind die dunkeln Holzhäuser mit ihren Schnitzereien und Wandschriften. Für den Rückweg zum Auto wählten wir den Weg dem Fluss entlang.

Nächster Halt war Einigen wo Myrta früher oft die Ferien verbracht hatte. Offenbar hat sich nicht viel verändert, denn sie erkannte viele der Orte wieder, inklusive das Haus das sie jeweils gemietet hatten. Bis nach Spiez war es nur ein Katzensprung. Wir parkten beim Schloss und Spazierten zum See hinunter. Bei Prachtwetter genossen wir das kühle Lüftchen und die schöne Aussicht auf den See. Das Schloss bildet die bekannte Kulisse des Ortes, war aber geschlossen.

Dem Thuner und danach dem Brienzer See entlang erreichten wir Iseltwald, ein kleines Dorf am Südufer des Brienzer Sees. Der verschlafene Ort hat nur ein paar Häuser, fast allesamt aus dunklem Holz, und ist vor allem wunderschön gelegen. Kaum einer realisiert beim Vorbeifahren auf der Autobahn was er verpasst.

Wir wollten noch die Aareschlucht besuchen. Beim letzten Versuch vor einem Jahr hatten wir umgedreht, da alle Parkplätze überfüllt gewesen waren. Nun, diesmal war die Schlucht wegen Corona noch geschlossen, kein Wunder fanden wir den Parkplatz diesmal leer vor.

 

Die Suche nach einem passenden Übernachtungsplatz stellte uns für einmal vor Probleme. Alle netten und ruhigen Plätze schienen verboten zu sein und die Campingplätze alle noch geschlossen, Corona sein Dank. Wir beschlossen deshalb unsere erste Etappe in Meiringen abzubrechen und nach Hause zu fahren. Wir kommen aber bald wieder…..   


Teil 2 - Berner Oberland - Emmental- Zentralschweiz - Nordschweiz

Aareschlucht -  Gurnigelpass

Die Wetterprognose versprach wieder eine längere Schönwetterphase, für uns Grund uns wieder auf die Reise zu machen. In knapp zwei Stunden fuhren wir über Luzern und den Brünigpass direkt zur Aareschlucht zurück.

Beide hatten wir diese eindrückliche Schlucht schon zuvor besucht, aber es ist immer wieder ein Erlebnis die Kraft des Wassers zu erleben. Ein an die senkrechten Felswände montierter, etwa 1.5 km langer Steg führt in den engen Schlund hinein. Durch den bis 200 m hohen, aber auch bis 2 m schmalen Einschnitt zwängt sich die Aare. Noch hatte es wenig Besucher, aber das wird sich wohl bald wieder ändern.

Wir wollten den Giessbachfällen noch einen kurzen Besuch abstatten. Von hoch über dem Brienzersee stürzt sich der Giessbach in mehreren  Kaskaden hinunter. An der schönsten, aussichtsreichsten Stelle wurde schon 1874, in den Anfängen des alpinen Tourismus, das elegante Grandhotel Giessbach errichtet. Erreichbar war und ist das Hotel mit einer auch heute noch funktionierenden Standseilbahn, welche vom Seeufer zum Hotel hochführt.

Dem Giessbach entlang führt ein steiler Weg nah am Wasser entlang hoch an den einzelnen Wasserfällen entlang. Bei einem kann man gar hinter dem Wasserfall durchgehen.

Brienz, am gleichnamigen See, ist bekannt für seine Holzschnitzerarbeiten, aber auch für seine alten und sehr schmucken Chalets. Dem See entlang führt eine verkehrsfreie Promenade bis zum historischen Zentrum. In der Brunngasse kann man die eindrücklichsten Holzhäuser bewundern.

Weiter dem See entlang gelangten wir nach Interlaken welches wir aber rechts liegen liessen, denn für uns hat dieser Ort wenig zu bieten. Schön dann auch die Fahrt entlang dem Nordufer des Thunersees. In Oberhofen wollten wir das Schloss besichtigen, aber wie so viele Museen in der Schweiz ist auch dieses am Montag geschlossen. Wir mussten uns also mit der Aussenansicht und dem herrlich gestalteten Schlosspark begnügen.

In Thun parkten wir beim Bahnhof und spazierten in die Altstadt. Bei der Holzbrücke am Ausfluss der Aare konnte wir die Wellenreiter dabei beobachten wie sei auf einer stehenden Wellen mit der Strömung spielten. Dem Fluss entlang erreichten wir das historische Zentrum und stiegen zu Schloss hoch um die Aussicht über Stadt und Thunersee zu geniessen.

 

Durch den dichten Feierabendverkehr verliessen wir das „Tor zum Berner Oberland“ und fuhren zum Gurnigelpass hoch. Auf einem Parkplatz genossen wir die Aussicht ins Mittelland und die dramatische Abendstimmung bevor wir eine ruhige Nacht verbrachten.

Gurnigelpass - Burgdorf

Noch früh am Morgen machten wir uns auf um den Gantrisch zu umwandern. Das ist eine herrliche Wanderung mit Aussichten in alle Richtungen. Bis zum Morgetepass ging es am Gantrischesseli vorbei steil hoch. Dort öffnet sich die Fernsicht auf die Berner Alpen und hinunter ins Simmental. Auf die Gipfelbesteigung verzichteten wir, denn der Weg ist recht ausgesetzt, nicht das Lieblingsterrain von Myrta. Dem Gantrisch entlang erreichten wir den Leiterepass von wo es zurück zum Auto ging.

Auf Nebenstrassen querten wir den Gantrisch Naturpark um dann wieder in die Zivilisation einzutauchen. Wir parkten beim Bärengraben und spazierten durch die wohl schönste aller Schweizer Städte, die Bundeshauptstadt Bern. Bekannt für seine Lauben, so werden die gedeckten Fusswege durch die Gassen benannt, ist die Altstadt Berns weitgehend intakt erhalten geblieben. Von der Münsterterrasse genossen wir den Blick hinunter zur Aare und in die fernen Alpen. Vorbei an der „Zytglogge“, ein berühmter Glockenturm mit stündlichem Schauspiel der mechanischen Figuren, erreichten wir den Bundesplatz vor dem Schweizer Parlamentsgebäude. Von der Bundesterrasse aus stiegen wir zur Aare hinunter und gingen durch das Mattenquartier zum Auto zurück.

Bis zu unserem Nächtigungsplatz auf dem Campingplatz in Burgdorf war es nun nur noch ein Katzensprung.

Burgdorf – Hallwilersee

Bevor wir am Morgen weiterfuhren, besuchten wir die nahe Altstadt von Burgdorf. Auch diese Stadt wurde, wie Bern und Murten, von den Zähringern gegründet. Einige der Kopfstein gepflasterten Gassen werden wie in Bern von „Lauben“ flankiert. Das bedeutendste Bauwerk ist aber das Schloss welches auf einem Fels Kopf über der Stadt thront. Die Zugbrücke ist heute durch eine Steinbrücke ersetzt, aber ansonsten kann man sich gut vorstellen wie sich die Anlage damals zeigte. Zurzeit wird die grosse Schlossanlage zu einer weitgehenden Umnutzung umgebaut. So ist zum Beispiel eine Jugendherberge eingerichtet worden. Nebst dem Museum sind aber auch ein Restaurant, Eventräume und ein Trauzimmer zur Verfügung, sodass die Einwohner tatsächlich das Schloss nutzen und geniessen können.

Nun ging es Richtung Emmental. Erst mal hoch zur „Lueg“. Vom Soldatendenkmal geniesst man an klaren Tagen eine grandiose Sicht aufs Emmental und die Berner Alpen. Im nahen Affoltern ist eine Schaukäserei zu besichtigen, wo einem gezeigt wird wie die riesigen Emmentaler Käse, sie sind bis 120 kg schwer, hergestellt werden. Gleich nebenan ist in einem alten Holzhaus zudem eine Alpkäserei eingerichtet. Dort werden die kleineren Alpkäse nach traditioneller Methode auf dem offenen Feuer im Kupferkessel hergestellt.

Die Fahrt durchs Emmental gewährt immer wieder Blicke auf alte, mächtige Bauernhäuser wie sie in der Gegend typisch sind. In Langnau ist in einem der ältesten Holzhäuser ein Regionalmuseum eingerichtet. In der Nachbarschaft zeugt das Restaurant Bären von Wohlstand und Tradition.

Auf dem Weg ins Entlebuch machten wir bei Kambly einen Zwischenstopp um Süsses und Salziges im Fabrikladen einzukaufen. Kambly ist in der Schweiz eine bekannte Marke weil dort einige der traditionellen Biskuits hergestellt werden.

Wir fuhren hoch nach Finsterwald und machten eine kurze Wanderung zum Mettelimoos. Das ist ein kleines Hochmoor mit der typischen Vegetation inklusive mehrere Orchideenarten. Der Weg führt aber auch hoch zum Schafberg von wo man eine schöne Aussicht auf das Napfgebiet, die Alpen und nach hinten in den Jura geniesst.

Das Gebiet der Voralpen liessen wir nun hinter uns und kurvten durch das Mittelland vorbei an kleinen Städtchen die wir aber alle schon gut kannten. Beromünster hingegen kannten wir Beide nur vom gelegentlichen durchfahren. Drum wollten wir uns den Ort etwas genauer anschauen. Etwas ausserhalb steht noch immer der heute ungenutzte Radiosendeturm. Der 215 m hohe Stahlturm war bis in die 1960er Jahre das höchste Bauwerk der Schweiz und wurde   bis 2008 als starker Mittelwellensender betrieben.
Auf halbem Weg nach Beromünster kann man eine Waldkathedrale entdecken. Von den Insassen des nahen Stifts wurden hier schon vor einigen Hundert Jahren Bäume in Reihen gepflanzt welche die Form einer gigantischen Kathedrale aufweisen. Heute überdachen die unterdessen mächtigen Rosskastanien und Hagenbuchen das „Mittelschiff“ und erzeugen den Eindrucke einer mächtigen, grünen Kirche.
Die wichtigste Einrichtung von Beromünster ist aber die grosse Stiftanlage St. Michael. Nur noch wenige Stiftherren leben heute in der Anlage, welche aber trotzdem in Form von Mietwohnungen genutzt werden. Einer ebendieser Chorherren sprach uns im Park an und gab uns einen umfassenden Einblick in Entstehung und Geschichte des Stifts. Die Barockkirche ist reich verziert und in hervorragendem Zustand.

 

Über dem Hallwilersee haben wir schliesslich ein schattiges Plätzchen im Wald gefunden wo wir den Abend und die Nacht ungestört verbrachten.

Hallwilersee – Unteriberg

Am Morgen fuhren wir auf die andere Seeseite nach Seengen um von dort am See entlang zum Schloss Hallwyl zu spazieren. Früh am Morgen war auch in den Strandbädern noch nicht viel Betrieb und die Enten watschelten ungestört auf dem weg herum. Wir waren sogar zu früh für den Schlossbesuch, denn dieses macht erst um 10 Uhr auf. Wir kennen das Innere und beliessen es daher bei einem Fotohalt von Aussen.

Nächster Halt: Luzern. Mit hohen Fahrzeugen parkt man am besten beim Verkehrshaus. Wir nahmen den Bus ins Zentrum und klapperten die klassischen Sehenswürdigkeiten ab: Löwendenkmal, Gletschergarten… Die Türme der Stadtmauer und die Mauer selbst waren leider wegen Corona noch immer geschlossen. Ein Spaziergang der Reuss entlang offenbarte wie Luzern ohne die tausende von meist asiatischen Gruppentouris ausschaut. Wo normalerweise die Leute dichtgedrängt durch die Gassen und über die Kapellbrücke schieben, hatte es zurzeit kaum Besucher. Der Seepromenade entlang gelangten wir wieder zum Verkehrshaus zurück.

Wir folgten dem Vierwaldstättersee über Küsnacht und Vitznau nach Brunnen. Die offizielle Grand Tour benutzt die Autofähre nach Beckenried um über die Autobahn nach Flüelen zu gelangen. Wir blieben auf der Seeuferstrasse und von Brunnen machten wir einen Abstecher nach Altdorf. Auf halbem Weg spazierten wir hinunter zur Tellskapelle, sie wurde dort gebaut wo der Sage nach Wilhelm Tell nach seiner Verhaftung, während eines Föhn Sturms, vom Boot geflüchtet sein soll. Vier Wandbilder zeigen wichtige Szenen der Tell Sage.
In Altdorf steht ein Denkmal welches an eben diese Sage erinnert. Tell mit seinem Sohn Walterli steht dort als übergrosse Bronzeskulptur. Im Turm dahinter ist eine Ausstellung zu sehen und von ganz oben hat man eine schöne Aussicht auf die Stadt.

Auf demselben Weg ging es nun über die Axenstrasse zurück nach Brunnen und dann über die Ibergeregg. Von der schmalen, steilen und kurvenreichen Bergstrasse hat man immer wieder Ausblicke zurück auf den Urnersee und die Mythen und von der Passhöhe schliesslich hinunter nach Iberg.

Über dem Ort Unteriberg kamen wir bei einem schönen Pick-Nick Platz für die Nacht unter.

Unteriberg-Andelfingen

Nur knapp eine halbe Fahrstunde trennte uns von Einsiedeln. Um und über den Sihlsee erreichten wir den bekannten Wallfahrtsort. Direkt gegenüber der mächtigen Klosterkirche liessen wir das Auto zurück und erkundeten die riesige Anlage. Auch diese Kirche ist im Barockstil sehr reich dekoriert. Der Hauptanziehungspunkt der Gläubigen ist die schwarze Madonna im vorderen Teil des Gotteshauses. Die Parkanlagen um die Nebengebäude sind weitläufig und sehr gepflegt. Nach einem kurzen Rundgang durch die Klosteranlagen gingen wir ins historische Zentrum von Einsiedeln das auch einige sehenswerte Gebäude aufweist. Das Museum der bekannten Bäckerei Goldapfel ist leider nur nachmittags offen, wieder waren wir zu früh gekommen. Dort wird die Jahrhunderte alte Geschichte einer bekannten, lokalen Süssigkeit, dem Schafbock erklärt. Das uralt bekannte Pilger Gebäck sieht zwar gar nicht aus wir ein Schafbock, woher der Name kommt hätten wir wohl im Museum erfahren…

Hinunter nach Rapperwil war nur eine kurze Fahrt, einen Parkplatz zu finden schon etwas schwieriger. Wir wollten eigentlich nur ein paar Bilder von der bekannten Stadtansicht mit ihren markanten Schloss machen mussten aber um die halbe Stadt fahren um parken zu können. Um nicht durch die ganze Agglomeration am Nordufer des Zürichsees schleichen zu müssen, nahmen wir die Autobahn durch Zürioberland und gelangten so quasi durch die Hintertür zum Zoo. Dort wollten wir das Auto stehen lassen, wurden aber zum Dolder Parkplatz umgeleitet, da der Parkplatz beim Zoo bereits besetzt war. Für uns kein Problem, denn mit der altehrwürdigen Dolderbahn und dem Tram ist man in 20 Minuten am Hauptbahnhof.

Durch die Bahnhofstrasse und die Altstadtquartiere beidseits der Limmat schlenderten wir durch das meist verkehrsfreie Zentrum Zürichs. Vor allem entlang der Limmat pulsiert das Leben in den kleinen Seitengassen der Altstadt ist es meist sehr ruhig. Wir genossen die Aussicht vom Lindenhof Park und bestaunten das grösste Kirchenuhrziffernblatt Europas an der St. Peter Kirche. Durch das Niederdorf gelangten wir schliesslich an die Tramhaltestelle zurück und machten uns auf den Weg zurück zum Dolder.

Wir fuhren übers Land bis nach Kyburg, um dort das Schloss zu besichtigen. Es ist eine der grössten und besterhaltenen Schlossanlagen in der Schweiz und entspricht irgendwie der typischen Vorstellung einer Burg. Der Rundgang offenbart die Geschichte des Bauwerks und auch die der Besitzerfamilien.

 

Langsam wurde es wieder Zeit einen Nachtplatz zu suchen. Beim angepeilten Campingplatz, schön an der Thur gelegen, trafen wir schon wieder auf eine Auswirkung der Corona Pandemie: Ausgebucht! Schon am Mittwoch kämen die ersten Familien zurzeit, um sich einen Stellplatz für das Wochenende zu sichern, denn reservieren kann man nicht. Man erklärte uns, dass der Campingplatz in den vergangenen Wochen regelrecht überrannt worden sei, ein bisher unbekanntes Phänomen. Wir wurden aber freundlicherweise zu einem nahen Waldparkplatz, auch an der Thur, verwiesen wo wir stehen könnten. Das war ein guter Tipp, denn wir waren bald die Einzigen auf dem Platz. Kurz nach unserer Ankunft ging ein Gewitter über uns hinweg und wir mussten uns ins Auto zurückziehen. Erst beim Eindunkeln kam noch ein Van mit vier ziemlich lauten Gästen und parkten ganz in der Nähe. Um unsere Ruhe zu bewahren, zogen wir uns ans hintere Ende des Parkplatzes zurück du hatten dann auch tatsächlich eine weitere, ruhige Nacht.

Andelfingen – Nordspitze der Schweiz

Eigentlich wollten wir den jetzigen Reiseabschnitt in dieser Gegend unterbrechen und wieder eine Pause einlegen. Wir beschlossen aber, vor der Heimreise noch eine Wanderung zum nördlichsten Punkt unseres Landes zu unternehmen.

Wir fuhren dafür auf dem direkten Weg nach Bargen, dem schon mal nördlichste Ort der Schweiz. Dort parkten wir und machten uns zu Fuss auf den Weg. Erst gemächlich, dann immer steiler ging es erst mal hoch zum Hohhengst auf immerhin 860 müM. Dort überquert man, ohne es überhaupt zu bemerken, die Grenze nach Deutschland. Die Route verläuft meist eher flach und im Wald. Bald gelangten wir wieder an die Grenze und folgten dieser bis zum „Schwarze Staa“ (Schwarzer Stein im Dialekt), dem nördlichsten Grenzstein mit der Nummer „593“. Dort ist ein Pick-Nick Platz eingerichtet bei welchem ein Tisch direkt auf der Grenze steht, sodass zwei Personen in Deutschland und zwei weitere in der Schweiz sitzen können. Die Wolken hatten sich verdichtet und bald regnete es kräftig, aber zum Glück nicht lange. Vorbei an einer 500 jährigen Eiche an einer Wegkreuzung ging es nun wieder südwärts ein Stück auf der Grenze und dann zurück in die Schweiz, nach Bargen hinunter.

Auf dem Heimweg machten wir noch einen Halt auf dem Siblinger Randen. Ein kurzer Spaziergang führt einem zu einem imposanten Aussichtsturm, von welchem aus man weit ins Mittelland hinaus und in die fernen Alpen blickt. Ein Grund zu diesen Punkt zu gehen ist die Challenge „26 Summits“. Diese beinhaltet je eine Gipfelroute zu einem Hochpunkt in jedem Schweizer Kanton. Wir hatten bereits einige angelaufen und festgestellt, dass der Schaffhauser Hochpunkt quasi am Weg lag und wir vermutlich nicht gleich wieder in diese Gegend kommen würden.

 

Danach fuhren wir durch das Schaffhauser Weinland und das Deutsche Klettgau dem Rhein entlang nach Hause.


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