Vancouver

Eigentlich hätten wir gerne nochmal vor der Stadt im Porteau Cove Provincial Park übernachtet bevor wir uns in den Trubel der Grossstadt stürzen. Leider war dieser Camping aber wie viele andere am Meer und an beliebten Seen bereits mittags ausgebucht. So fuhren wir bis nach West Vancouver und quartierten uns im Capilano River RV Park ein. Dieser liegt unmittelbar bei der Lions Gate Bridge und ist daher eine gute Basis um ins Stadtzentrum zu gelangen.

Andern Tags marschierten wir direkt vom Camping aus über die Lions Gate Brücke in den Stanley Park und besichtigten die 4 km2 grosse Halbinsel zu Fuss. Nur ein, zwei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt wandert man durch stille, alte Wälder und geniesst immer wieder die Aussicht auf die nahe Skyline Vancouvers oder aber die Sicht aufs Meer. Eine schöne Sammlung von Totempfählen ist im Park zu besichtigen, ein eindrückliches Zeichen der kunsthandwerklichen Talente der Ureinwohner. In der Nähe des Aquariums genossen wir einen Imbiss, um dann quer über die Halbinsel an den Third Beach zu gelangen. Da wir an einem Wochenende dort waren, hatte es unzählige Leute am Sandstrand und auch auf dem Weg, welcher dem Ufer entlang führt herrschte viel Verkehr. Schliesslich beendeten wir unseren Besuch beim Prospect Point bevor wir die lange Brücke noch einmal querten.

Am Sonntag nahmen wir den Bus in die Stadt. Wir hatten uns Tagespässe für die ÖV besorgt, so dass wir unbeschränkt die Busse nutzen konnten. Wir liessen uns in der Georgia Street absetzen und schlenderten hinunter zum Canada Place. Hier fand in den 80er Jahren die Weltausstellung statt und heute wird die Anlage für Geschäfte und Unterhaltungsangebote genutzt. Auch die Kreuzfahrtschiffe legen hier an und geben der Skyline eine besondere Note.

Mit dem Bus durchquerten wir danach das Stadtzentrum um zum Granville Island zu gelangen.  Da Sonntag war, herrschte ein riesiger Trubel. Die Strassen waren verstopft mit Autos auf der Suche nach einem Parkplatz. Unzählige Läden und Restaurants laden zum Verweilen ein. Die grosse Markthalle bietet regionale und internationale Köstlichkeiten an, wenn wir nur einen grösseren Kühlschrank und Lagermöglichkeiten an Bord unseres kleinen Campers hätten!! Strassenmusikanten und Artisten hoffen auf grosszügige Spenden und die Kinder können in einem eigenen Gebäude austoben und zu guter Letzt hat es natürlich auch Spielzeuggeschäfte, so dass die Kleinen ihr Arsenal erweitern können.

 

Im Gastown Viertel, dem ältesten der Stadt, genossen wir ein feines Bier auf der Strassenterrasse eines der traditionellen Pubs  und kamen mit einem lustigen Typen ins Gespräch. Verkleidet als Cowboy, natürlich mit echtem Revolver, wenn auch nicht geladen, posiert er für ein Trinkgeld für Fotos. Lange unterhielten wir uns mit ihm über Gott, die Welt und Herrn Trump… Auf dem Weg in die China Town querte wir das wohl skurrilste Quartier Vancouvers. Hunderte von abgewrackten Menschen hängen in den Strassen rum: Drogenabhängige und Alkis, Punks und Alternative, Alt und Jung, Schwule und Transvestiten, halt alle welche in die „normale“ Gesellschaft nicht so richtig reinpassen. Unbehelligt, um nicht zu sagen ignoriert, passierten wir die am Strassenrand sitzenden Leute und kamen schliesslich in die China Town. Viel ist vom Charme nicht übriggeblieben, aber es hat sie noch die typischen, chinesischen Läden mit dem Angebot aller möglichen und unmöglichen Dinge in schreienden Farben. Wir waren hierhergekommen um, typisch chinesisch zu essen hatten aber natürlich keine Ahnung wo. So bat Ueli Myrta einen der Chinesen nach einer Empfehlung zu fragen. Sie tat das in Mandarin nur leider war der Mann wohl ein Hongkong Chinese und sprach daher kantonesisch. Aber auf Englisch klappte es dann doch noch. So landeten wir in einem Restaurant wo wir die einzigen Weissen waren und Myrta konnte ich Chinesisch zum grossen Erstaunen der Serviererin doch noch einsetzen. Ganz so gut wie in China war das Essen dann doch nicht, aber auf jeden Fall recht typisch und nicht an den Geschmack der Westler angepasst. Mit vollem Bauch suchten wir die nächste Bushaltestelle und fuhren zurück zum Campingplatz    


Vancouver Island

Von der Horseshoebay aus nahmen wir die Autofähre aufs Vancouver Island. Wir hatten uns beim Hinunterfahren erkundigt, ob wir reservieren sollten. Wenn max. eine Fähre abwarten für uns akzeptabel wäre, nicht, hat man uns geraten. Und so war es dann auch, das nächste Schiff war schon voll, aber 50 Minuten später waren wir dabei. In nur 90 Minuten erreicht man Nanaimo. Die Überfahrt ist recht kurzweilig da man immer in der Nähe des Festlandes beziehungsweise einer Insel ist. Sogar eine Biologin war an Bord, welche einen Vortrag über die Flora und Fauna der Region gab. Wir kamen gegen Abend an und wollten daher nicht mehr allzu weit fahren. Im schönen, direkt am Strand gelegenen Rathtrevor Provincial Park kamen wir leider nicht unter, der war ausgebucht. Die Einheimischen hatten halt noch immer Ferien und sie lieben es ans Wasser zu fahren, sei es ans Meer oder auch an einen See. Im nahen Englishman River Falls Provincial Park war dann aber genug Platz für uns und abgesehen vom fehlenden Strand, wir wären ja eh nicht ins Wasser gegangen, war der Campingplatz mindestens so schön.

Auf dem Weg nach Port Alberni besuchten wir die Cathedral Grove, ein Waldstück mit riesigen und uralten Bäumen, vor allem Zedern und Douglasien. Es hatte erstaunlich viele Leute, eigentlich ungewohnt, musste man doch den Wald zu Fuss erkunden und das ist in der Regel nicht des Kanadiers liebstes Hobby.

Der Plan war dann auf einer Route durch den Wald nach Norden zu fahren. Leider kamen wir nach einigen Kilometern an ein geschlossenes Tor welches unsere Weiterfahrt verhinderte. Eben war ein Sicherheitsmitarbeiter von der Patrouille zurückgekommen und dabei das Tor wieder zu schliessen. Ueli fragte ihn nach Alternativrouten. Leider keine Chance, hörten wir, denn wegen Waldbrandgefahr wurden alle Waldstrassen für den  Privatverkehr gesperrt. Im Gespräch stellte sich heraus, dass Hardy, so sein Name, ursprünglich aus Freiburg im Breisgau ist, also quasi ein Exnachbar. Er selber ist auch ein Naturliebhaber und so erhielten wir viele gute Tips fürs weitere Planen. Aber schliesslich mussten wir auf demselben Weg  zurück und entschlossen uns wieder im Englishman River Falls Camping zu übernachten.

Der Küste entlang tingelten wir tags darauf nach Norden. Unser Tagesziel waren Lorene und Lorne’s Haus in Campbell River. Wir hatten die Beiden im Glacier National Park kennengelernt und waren von ihnen eingeladen worden. Immer wieder fuhren wir zum Meer hinunter und erkundeten die Strände. Eine ganz spezielle Landschaft denn auf der anderen Seite des Meeresarmes ragen die Schneeberge hoch auf, etwas das man nicht an vielen Orten beobachten kann. Auch die Unmengen an abgeschliffenen Baumstämme am Strand sind wunderschön als Fotomotiv.

 

Gegen Abend trudelten wir schliesslich bei den neugewonnenen Freunden ein und wurden aufs herzlichste begrüsst. Zum Nachtessen gab es selbstgefangenen Lachs und dazu viel Wein, so dass wir einen fröhlichen und sehr angenehmen Abend zusammen verbrachten.


Von Walen und anderen Meeresbewohnern

Wir genossen die Tage bei unseren Freunden. Lorne besitzt ein Boot und fuhr mit uns in die Georgia Strait hinaus. Das Meer war spiegelglatt und das Wetter sonnig und warm. Besser hätten wir es nicht treffen können. Unser erster Halt galt dem Mitlenatch Island, einer kleinen Insel, welche als Tierschutzreservat ausgewiesen ist. Lorne drosselte den Motor und schon beim Anfahren sahen wir vereinzelte Robben auf den Felsen sonnen. Langsam tuckerten wir der Steilküste entlang. Kormorane sonnten sich und Möwen kreischten um die Wette. Höhepunkt waren aber die vielen Seelöwen. Die mächtigen Tiere sassen in Gruppen auf den Felsen. Immer wieder wurden Machtkämpfe ausgetragen um die Rangfolge zu bestätigen. Mit lautem Brüllen verschafften sich die alten Männchen Geheiss. Lange Zeit beobachteten wir die Tiere und konnten bis auf kurze Distanz an sie heranfahren.

Wir waren schon auf dem Weg nach Osten, als Lorne auf dem Funkkanal der Whale Watcher aufschnappte, dass um das Mitlenatch Island Orcas, also Killerwale, gesichtet worden waren. Kurzerhand drehten wir um und sahen alsbald eines der kommerziellen Schiffe. Und da waren auch schon die Wale. Die mächtigen, schwarzweissen Tiere zogen langsam nordwärts und wir konnten ihnen mühelos folgen. Sechs Tiere zählten wir, eines mindestens schien ein Junges zu sein. Lange Zeit beobachteten wir sie bis sie plötzlich abtauchten und verschwanden. Was für ein herrliches Erlebnis.

Auf einer kleinen Privatinsel, sie gehört einem Freund der Beiden, machten wir eine Rast und genossen auf der Terrasse des  Ferienhäuschens einen feinen Apero mit selbstgefangenem und -geräuchertem Lachs. Die Damen sammelten dann auch noch ein paar Austern, welche man einfach im hüfttiefen Wasser auflesen kann. Wirklich ein kleines Paradies auf welchem, so Lorne, schon viele schöne Partys gefeiert worden sind.

Auf dem Rückweg fuhren wir noch durch eine enge Schlucht in einen malerischen Naturhafen ein und bewunderten die schönen Boote und Ferienhäuser. Die ganze Gegend um Campbell River ist ein herrliches Gebiet zum Bootfahren. Unzählige Inseln und enge Kanäle kann man erkunden, aber eben, ohne Boot geht nicht viel.

Da das Wetter nach wie vor herrlich war, unternahmen wir anderntags eine Wanderung zu den Ripp Rocks. Diese Felsen lagen in der engsten Stelle des Schifffahrtskanals und waren nicht wenigen Schiffen zum Verhängnis geworden, bis man sich entschloss sie weg zu sprengen. Mit der grössten nicht-nuklearen Explosion auf Erden wurden hunderttausende von Kubikmetern Fels mit einem Schlag beseitigt und eine sichere Fahrtrinne geschaffen.

Der Wanderweg führt durch dichten Wald mit mächtigen Douglasien und Zedern bis man schliesslich über den Ripp Rocks auf einem Aussichtspunkt endet. Von dort geniesst man die weite Aussicht auf das Quadra Island und bis nach Campbell River. Wir waren froh, nicht Heute auf dem Wasser zu sein, denn ein kräftiger Wind machte den Booten auf dem Wasser schwer zu schaffen. Wir hätten unseren Bootsausflug wohl kaum geniessen können bei dem Wellengang. Das Glück bei Tierbeobachtungen blieb uns hold, denn von hoch oben konnten wir einen Buckelwal beobachten. Immer wieder tauchte er zum Luftholen auf und erfreute uns mit elegantem Schwanzwedeln beim Abtauchen. Auf dem Rückweg hielten wir bei der Painter’s Lodge, einem herrlichen Hotel mit einer wunderbarer Terrasse. Nach der Wanderung genossen wir das kühle Bier, beziehungsweise den feinen Weisswein doppelt.

 

Am Abend feierten wir gemeinsam bei einem feinen Nachtessen. Als Vorspeise gab es die selbst gejagten Austern, roh für Ueli, gegrillt für die Anderen, danach ein feines marokkanisches Tajine welches wir aus unseren Vorräten auf den Tisch zauberten. Aber wohl am meisten Anklang fanden die Caipirinhas, welche wir den beiden Freunden vorgestellt hatten. So genossen wir einen herrlichen Abend zum Abschied auch wenn wir es wohl noch lange ausgehalten hätten. Lorne und Lorene waren uns in kurzer Zeit sehr ans Herz gewachsen und ich glaube das beruht auch Gegenseitigkeit. Nun, wir hoffen die Beiden im nächsten Winter in Mexico wieder zu treffen, schön wäre es….


Südwestküste Vancouver Island

Wetterbedingt hatten wir beschlossen nicht weiter in den Norden von Vancouver Island zu fahren. Für die ganze folgende Woche war Regenwetter angesagt, während die Prognose für den Süden der Insel bedeutend besser ausschaute. So fuhren wir einmal mehr nach Port Alberni und von dort auf Waldstrassen Richtung Küste. Es hatte auf der Strecke Richtung Port Renfrew erstaunlich viel Verkehr und der ständige Staub machte die Fahrt nicht sehr erfreulich. Landschaftlich war es auch kein Höhepunkt, denn immer wieder durchquerten wir kahlgeschlagenen Wald und sonst waren halt links und rechts nur Bäume zu sehen. Erst am Lake Cowichan hatte man wieder eine Aussicht. Einige schön gelegene Campingplätze laden dort zum Verweilen ein, aber wir wollten noch etwas weiter fahren. Etwa 15 km vor Port Renfrew, am Lizard Lake, übernachteten wir schliesslich.

Ein kurzer Abstecher zum Botanical Beach stellte sich als sehr lohnenswert heraus. Auf einer Rundwanderung durch den Regenwald gelangt man an die Küste hinunter. In den Buchten liegen Unmengen von Treibholz. Zum Teil sind sie von schwarzen Felsen geprägt dann wieder hat es feinkiesige Strände. Sehr interessant ist es die vielen kleinen Tümpel, welche die Ebbe zurücklässt zu erforschen. Muscheln und Krebse, aber auch farbige Anemonen findet man im klaren Wasser.  

Nach Jordan River ist die Küste wieder stark bewohnt und je näher wir Victoria kamen desto dichter und hektischer wurde der Verkehr. Da war uns die Ruhe im Goldstream Provincial Park gerade recht. 


Victoria

Bevor wir in die Stadt hinein fuhren, besuchten wir das Fort Rodd. Die Befestigungsanlagen wurden schon Ende des 19. Jahrhunderts gebaut um die Westküste gegen Eindringlinge zu verteidigen. Vor allem aber im 2. Weltkrieg befürchtete man die Invasion der japanischen Armee. Schlussendlich wurden die Kanonen aber nie im Ernstfall abgefeuert.

In der Stadt stellten wir das Auto in der Nähe der Fähre ab und erkundeten das Zentrum zu Fuss. Victoria ist bekannt für seine Blumen und Parks. Rund um den Inner Harbour sind die meisten Sehenswürdigkeiten angesiedelt und daher auch gut zu Fuss erreichbar. Im Hafen lagen alte Segelschiffe neben riesigen Luxusjachten und im Hintergrund das alte Parlamentsgebäude. Von der China Town ist auch in Victoria nicht viel übrig geblieben. Ausser einem pompösen Eingangstor sind nicht viele Überbleibsel des ältesten Chinesenviertels geblieben.

Der Government Street, einer schicken Einkaufsmeile, entlang gingen wir zurück und schauten uns die Totempfähle neben dem BC Museum an. Einige der geschnitzten Stämme sind recht alt, aber es werden auch immer wieder neue hergestellt. Um den Laurel Point herum verläuft ein schöner Fussweg welcher an der Fishermans Wharf endet. Gross ist die Fischereiflotte nicht mehr aber die ebenfalls dort liegenden Hausboote sind sehenswert. In allen Farben und Formen haben sich dort ein paar Alternative niedergelassen und ihre teils skurrilen Behausungen ziehen viele Besucher an.

 

Gegen Abend suchten wir ein nettes Lokal auf und genehmigten uns ein feines, lokal gebrautes Bier. Für das Nachtessen wählten wir ein indisches Restaurant welches ein grosszügiges Buffet anbietet, so dass man von allem ein wenig schnausen kann. Ueli entdeckte in der Bar eine Flasche Aperol und fragte den Kellner welche Drinks sie damit mixen. Da ihnen der Barman kürzlich davongelaufen war, wusste niemand so richtig was anzufangen und so gaben wir ihnen das Rezept für einen Aperol Spritz und genehmigten uns auch gleich einen. Wir kamen ins Gespräch mit zwei Jungs an der Bar, welche uns dann empfahlen die Strassenseite zu wechseln um in der Bar „The Guild“ noch einen zu schnappen. Einer der Beiden war dort angestellt und verbrachte seinen freien Abend doch auch gerne dort. So trafen wir uns in dieser Bar wieder und hatten einen netten Abend zusammen. Wir probierten ein paar Drinks und einige lokale Biere und so wurden wir die letzten Kanadadollar am letzten Abend ohne Probleme los. Wir gingen zum Auto zurück und parkierten dieses auf dem Gelände der Fähre wo wir auch die Nacht verbrachten. Gut geschlafen haben wir allerdings Beide nicht denn dafür war es uns doch viel zu laut.  



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