Die Karte kann beliebig gezoomt werden, so dass die Details besser ersichtlich sind.


Ins Hochland zurück

Nun liessen wir die Küste Brasiliens endgültig hinter uns. Durch den Nationalpark „Serra dos Orgoas“ steigt die Strasse steil auf 1000 müM. Die Temperatur fiel einige Grade und Nebelfetzen hingen in den Bergen. Aber als wir beim Finger Gottes, einem schlanken Felsturm, anhielten war der Himmel wieder Blau.

Wir machten noch einen Abstecher Richtung Novo Friburgo, denn wir wollten wieder einmal guten Käse kaufen. Im Casa Suico kamen wir auf unsere Rechnung. Schweiz stämmige Auswanderer hatten 1997 eine Käserschule eingerichtet. Und dort kann man dann auch einige der Produkte kaufen. Ein kleines Museum zeigt die interessante Geschichte der Besiedung durch Schweizer im frühen 19. Jahrhundert auf. Die Dramen welches sich schon bei der Überfahrt mit den Segelschiffen abspielten, wie sich die Leute ein neues Leben einrichteten, bis hin zur Geschichte der Neuzeit erfährt man.


Die Barockstädte von Minas Gerais

Zwischen Rio de Janeiro und Belo Horizonte reihen sich eine ganze Anzahl von schönen Barockstädten. Es ist kein Zufall, dass die alten Städte mit ihren reich verzierten Häusern und Kirchen gerade in dieser Region anzutreffen sind. Der Staat Minas Gerais war ab dem 17. Jahrhundert bereits das Zentrum erfolgreicher Goldgräberei und des Edelsteinabbaus. Der damit gewonnene Reichtum ermöglichte es den Minenbesitzern in grosszügige Bauten zu investieren.

Viele dieser Orte weisen auch Heute noch schöne Stadtzentren auf. Wir legten unsere Route so, dass wir die schönsten der Städte besuchen konnten.

Sao Joao del Rei und Tiradentes

Wir quartieren uns in Tiradentes ein und erkundeten die beiden nahe beieinanderliegenden Städte von dort aus. Sao Joao ist die grössere der beiden Orte. Das historische Zentrum liegt nördlich des Flusses und lässt sich gut zu Fuss besuchen. Das ganze Quartier ist wie meist kopfsteingepflastert und die meisten der sehenswerten Strassenzüge und Gebäude befinden sich dort. Ziemlich einzigartig ist der kleine Friedhof mitten im Zentrum. Da nur für wenige Gräber Platz ist, werden diese nicht nur mehrstöckig angelegt, sondern nach fünf Jahren müssen die sterblichen Überreste bereits wieder geräumt werden. Die Kirche Sao Francisco de Assis liegt in einem Stadtteil auf der anderen Flusseite. Sie beinhaltet eine grosse Sammlung von geschnitzten Figuren welche dem begnadeten Künstler Aleijandinho, das Krüppelchen übersetzt, zugeschrieben werden. Dieser war mit etwa 40 Jahren an Lepra erkrankt wodurch er Schäden an den Armen und Händen erlitt. Er liess sich darauf die Werkzeuge fest an die Stummel schnüren und arbeitete unermüdlich weiter. Er hat in der Region unzählige Kirchen nicht nur geplant sondern eben auch massgeblich mit Figuren aus Zedernholz und Speckstein ausgestattet.

Tiradentes ist viel bescheidener und weniger pompös. Aber vielleicht macht gerade das den Ort so sympathisch und sehenswert. Am kleinen Hauptplatz sammeln sich die Kutscher und bieten Rundfahrten an. Auf einem Hügel thront die  Kirche Sao Antonio, berühmt für seine in Deutschland gebaute Orgel aus dem 18. Jahrhundert welche auch heute noch bespielt wird. In den engen Gassen findet man vor allem Restaurants, kleine Boutique Hotels und Souvenirläden die geschmackvolle Handwerksarbeiten anbieten.

Zwischen den beiden Orten verkehrt der durch eine Dampflok betriebener Zug Maria Fumaca, die rauchende Maria. Die Bahnlinie führte direkt am Campingplatz vorbei, so dass wir die Gelegenheit hatten den Zug aus nächster Nähe vorbeifahren zu sehen.

Ouro Preto

Als die schönste und prachtvollste der Barockstädte gilt Ouro Preto. Um den grosszügigen Praca Tiradentes gruppieren sich ringsherum eindrückliche Regierungsbauten, Kirchen und Paläste. Die Stadt erstreckt sich über mehrere Hügel und so hat man immer wieder neue Ausblicke auf die einzelnen Stadtteile. Über zwanzig Kirchen gibt es im Ort, die meisten noch gut in Schuss und weiterhin für Gottesdienste genutzt. Eigentlich hätten wir uns gerne das Mineralienmuseum angeschaut, aber leider sind die meisten Museen in der Stadt nur nachmittags offen.

Wir fuhren weiter und machten kurze Stops in Mariana und Santa Barbara. Aber nach Ouro Preto konnten sie uns nicht mehr gleich begeistern.

Sanctuario do Caraca

Mitten in der wilden Bergwelt südlich von Santa Barbara gelegen findet man das Koster Sanctuario do Caraca. Rings herum ist ein Naturschutzgebiet eingerichtet worden in welchem man schön wandern kann. Leider kann man nur im Kloster selber im Zimmer übernachten, Campingmöglichkeiten gibt es leider keine. Das hiess für uns, dass wir am späten Nachmittag wieder hinausfahren mussten. So beschränkte sich unser Besuch auf die Besichtigung der Klostergebäude und der Kirche.


Nationalpark Serra do Cipo 

Im Hinterland von Belo Horizonte, der drittgrösste Stadt Brasiliens, liegt der Serro do Cipo Nationalpark. Da die Distanzen zum Bandeirinhas Canyon und zum Farofa Wasserfall recht gross sind, haben wir Mountainbikes gemietet. Damit liessen sich die 30 Km einfacher bewältigen. Aber nach der Tour hatten wir trotzdem schwere Beine gehabt.

12 Km vom Parkeingang entfernt erreicht man den Eingang zum Canyon. Kristallklares Wasser strömt aus der Schlucht und nur wenn man bereit ist durch das kühle Nass zu schwimmen kann man in den Canyon eindringen. Wir beliessen es bei einem Blick in den Eingangsbereich. Um ans andere Ufer des Flusses zu gelangen, muss man das Bike durch das knietiefe Wasser schieben. In der Regenzeit ist diese Tour deshalb nicht machbar da der Wasserstand dann viel höher ist.

Auf dem Rückweg machten wir noch einen Abstecher zum Farofa Wasserfall. In mehreren Stufen fällt das Wasser 240 m ins Tal hinunter. Eine Pause am kühlen Pool tat unserem Hintern gut, denn wir waren nicht gewohnt auf einem schmalen Velosattel zu sitzen.


Die "Gruta Lipinha"

Die Gegend nördlich von Belo Horizonte ist bekannt für seine Höhlen. Eine davon, die Gruta Lapinha besuchten wir. Nur einen Kilometer vor der Höhle hatten wir in einem kleinen Campingplatz übernachtet. Die Besitzerin wollte uns bevor wir zur Höhle fuhren unbedingt noch das nahe Klettergebiet zeigen. Nur gerade 300 m im Wald drin hat es mehrere bis zu dreissig Meter hohe Wände. Von relativ einfachen Routen bis hin zu den allerhöchsten Schwierigkeitsgraden wird alles geboten. Aus der ganzen Welt kommen die Profis um sich hier am Felsen zu messen, erklärte unsere Führerin.

Bei der Höhle genossen wir eine Privatführung alleine mit dem Führer. Erst führte er uns durchs Museum und erklärte die wichtigsten Fakten. Unsere Portugiesisch Kenntnisse wurden auf eine harte Probe gestellt. Dann ging es in die Höhle hinein. Der zugängliche Teil ist nur ein paar Hundert Meter lang, aber die Formationen sind sehr sehenswert. Neben den klassischen Stalaktiten und versteinerter Wasserfällen sind vor allem auch die wunderschönen Sedimentgesteine einmalig schön. Sie sind durch Wasser in herrliche Formen geschliffen 


Auf in den wilden Westen

Von der Küste bis in den Pantanal sind es auf direktem Weg gute 2000 km. Da merkt man dann schon, dass Brasilien ein riesiges Land ist. Hinter Belo Horizonte ist dann auch die touristische Infrastruktur nicht mehr existent. Übernachten kann man aber kostenlos bei gut eingerichteten Tankstellen. Nun, da die LKW’s nicht mehr fuhren, siehe unten, war es auch immer ruhig und auf den Strassen ging es ohne die oft langsamen Trucks auch viel besser voran.

Stundenlang, nein, tagelang, fährt man durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Mais, Zuckerrohr, Soja und über 1000 müM auch noch Kaffee. Wo die Landschaft hügelig ist dann auch wieder Viehzucht. Der Verkehr wird immer weniger, die Städte sind immer weiter auseinander.

Als wir die Strecke befuhren waren die LKW Fahrer am Streiken. An allen neuralgischen Kreuzungen und bei Raststätten um die grösseren Ortschaften standen hunderte von LKW’s und die Fahrer protestierten friedlich gegen die kürzlich markant erhöhten Dieselpreise. PKW’s und auch wir waren nicht betroffen. Mit einem Daumen hoch liess man uns immer ohne Verzögerungen passieren. Schon über eine Woche dauerte nun der Streik und schon waren die ersten, gravierenden Auswirkungen zu sehen. Vielen Tankstellen war bereits das Benzin ausgegangen. Da die Lastwagen alle standen war Diesel noch problemlos zu bekommen. Wir füllten unsere Tanks vorsichtshalber, so dass wir nun 2000 km keine Tankstelle brauchten. Man musste davon ausgehen, dass auch die Versorgung mit anderen wichtigen Gütern nach und nach ins Stocken geraten wird.
Vor Cuiba wurden wir mal angehalten. Nicht aber um uns Schwierigkeiten zu machen, sondern weil die Leute ein Foto von uns schiessen wollten. Wir wurden dabei freundlich gefragt ob sie ihren Slogan "Ich unterstütze die LKW FAhrer" auf unser Fenster schreiben dürfen. Sogar zum Essen und Trinken lud man uns ein. Trotz dem ernsten Hintergrund der Demo artet es wie so oft in Brasilien schnell mal in ein geselliges Volksfest aus. Beim EInkauf im Supermarkt dann aber auch wieder die Auswirkungen auf die Bevölkerung: Frisches Gemüse war bereits nur noch eingeschränkt im Angebot.      


Emas Nationalpark

Auf dem weiten Weg nach Westen bietet der Abstecher zum Emas Nationalpark eine lohnenswerte Abwechslung. Der Nationalpark hat leider die Einschränkung, dass man das Innere des Parks nur mit einem Führer besuchen darf. Wir hatten versucht einen Guide zu organisieren, aber leider hat er uns schliesslich abgesagt, weil er auf Grund des LKW-Fahrer Streiks keinen Treibstoff bekam.

So blieb uns nur die Tierwelt, insbesondere die vielen Vögel, vom Campingplatz aus zu beobachten. Ein paar kleine Abstecher auf den Pisten des Parks darf man auch ohne Führer machen und vom Campingplatz im Süden des Parks kann man zum nahen, kristallklaren Fluss hinunter spazieren. Aber schon nur die Vögel in den Bäumen über unseren Schlafplätzen waren den Umweg wert.

Beim Südeingang bekamen wir vom Parkmitarbeiter eine umfassende und detaillierte Information. Er wurde dabei von seinem Zögling, einem jungen Pecari, begleitet. Das Jungtier hatte als Baby seine Mutter verloren und wird nun vom Parkranger grossgezogen und freut sich wenn es jeweils die Besucher begrüssen darf.

Wir wurden gewarnt, dass im Südcamping abends eine Pumamutter mit ihren zwei Jungen unterwegs sein könnte. Diese haben wir leider nicht gesehen, aber dafür bekamen wir Besuch von zwei Füchsen.

Beim herausfahren trafen wir dann tatsächlich auch noch auf einige Emas. Diese südamerikanische Straussenart ist ja schliesslich der Namensgeber des Nationalparks.


Pantanal Nord

Nachdem wir die restlichen paar Hundert Kilometer Richtung Pantanal hinter uns gebracht hatten, gönnten wir uns zwei Ruhetage in einem netten Campingplatz in Chapada dos Guimaraes. Eigentlich hatten wir vor gehabt, die Umgebung etwas mehr zu erkunden. Wir mussten dann aber feststellen, dass fast alle Sehenswürdigkeiten auf privaten Grund lagen und sie deshalb nur mit einer geführten Tour und oft auch teures Geld besucht werden können. Selbst im Nationalpark kann man ohne Führer nur zu einem Wasserfall gehen, alles andere sieh oben.

Um einen Wasserfall zu besuchen brauchen wir aber weder einen Führer noch möchten wir pro Person bis 10 CF dafür zahlen!!

Nun wir lernten im Campingplatz eine ganz nette brasilianische Familie kennen. Die Eltern waren auch schon länger unterwegs gewesen und machten nun einen dreimonatigen Trip in Brasilien selben. Wir hatten eine gute Zeit zusammen und an einem der Abende machten wir gemeinsam ein Pizzafestival welches allen gut gefallen hat.

Vom Hochplateau auf fast 1000 müM ging es dann steil hinunter ins heisse Cuiaba. Dort füllten wir unseren Kühlschrank nochmal auf, denn anschliessend gings es endlich in den Pantanal. Bis über Pontone hinaus ist die Strasse noch geteert, aber dann beginnt die 150 km lange „Transpantaneira“.  Die Piste war in gutem Zustand und auch die vielen Brücken waren meist sogar betoniert. Schon am Eingangstor sahen wir das erste Krokodil, eigentlich ein Kaiman. Vögel sassen auf den Bäumen und kreuzten unseren Weg. Tausende und viele Gattungen sind zu sehen, genauso wie wir es erwartet hatten Hinter Pixaim wurde die Piste dann etwas rustikaler und die Brücken waren nun aus Holz. Bei der Mittagspause hielt ein Landcruiser mit Aargauer Kennzeichen. Werner und Maggie aus Erlinsbach hatten uns gesehen und angehalten. Sie erzählten uns, dass die Piste nach Porto Jofre auf den letzten 20 Km wegen Bauarbeiten unpassierbar sei und sie deshalb umgekehrt seien..

Das waren schlechte Nachrichten, denn wir mussten bereits am anderen Tag am Mittag dort sein um auf das gebuchte Schiff zu verladen.

Zum Glück stellte sich dann aber heraus, dass die Piste unterdessen wieder offen war. Die letzten Kilometer waren dann tatsächlich noch etwas ruppig aber die Schlammlöcher waren gefüllt worden und nur ein paar tiefen Fahrspuren hätten ein Auto ohne genügend Bodenfreiheit gestoppt. Wir kamen ohne Problem durch und erreichten die Anlegestelle nach einer Übernachtung auf der Strecke zeitig.

Wir machten es uns gemütlich und konnten eine Gruppe Hyazinth Aras beim Fressen beobachten. Aus sonst gab es viel zu beobachten. Um 12 Uhr war noch nirgends ein Schiff in Sicht und gegen Abends fuhren wir mal zum Jaguar Camp um dort ins Internet zu gelangen. Ein Angestellter half uns sogar telefonischen Kontakt zum Chef des Schiffes in Corumba herzustellen. Es stellte sich heraus, dass der Lastkahn wegen starkem Wind in der Nacht hatte festmachen müssen. Neue Ankunftszeit sei gegen Abend.

Um 19 Uhr klopfte es bei uns am Fenster und ein Mannschaftsmitglied der „Laura Vicuna“ informierte uns, dass sie am andern Flussufer festgemacht haben und uns am Morgen um 5 Uhr abholen werden.


Eine Schifffahrt die ist lustig....

Pünktlich wurden wir durch den Motorenlärm des Beiboots geweckt. Die Mannschaft räumte die Boote am Anleger aus dem Weg und schon kam auch das Lastschiff an. Innert Minuten war alles zum Beladen vorbereitet. Über zwei Holzplanken manövrierte Ueli den Landcruiser auf das Ladedeck hinunter. In einer Ecke war Platz geschaffen worden für unseren Camper.

Noch in völliger Dunkelheit legten wir schliesslich ab und tuckerten flussabwärts. Da unser Auto am anderen Ende des Pontons geladen worden war, hörten wir im Auto ausser dem Plätschern des Wassers nichts. In unzähligen Schlaufen ging es den Rio Cuiaba hinunter. Meist ist der Fluss etwa 150 m breit und von Urwald gesäumt. Von Zeit zu Zeit kommt man an einer einfachen „Fazenda“ vorbei. Die Leute leben in erster Linie vom Fischfang. Die Mannschaft übernimmt denn auch Teil des Handelswegs der Fische. Immer wieder macht das Beiboot einen Ausflug ans Ufer um den lokalen Fischfang entgegen zu nehmen und an Bord in einer Kühltruhe zu lagern. Auch Fischer kamen längsseits um ihren Fang abzuliefern

Noch vor dem Zusammenfluss mit dem Rio Paraguay verlief die Fahrt entlang der Südgrenze des Nationalparks Pantanal. Ausser einer Ansammlung von Gebäuden in welcher die Verwaltung sitzt, ändert sich an der Landschaft nicht viel. Der Park ist kaum besucht, denn die Anfahrt von überall her ist einige Hundert Kilometer auf dem Fluss.

Als wir auf den Rio Paraguay trafen sah man im Westen grössere Berge mit kahlen Felsflanken. Bald darauf dämmerte es, aber unser Käpten fuhr auch bei absoluter Dunkelheit unbekümmert weiter.

Beim ersten Tageslicht erwachten wir. Wir waren noch bis spät unterwegs gewesen und schon als wir schliefen, machte das Boot für einige Stunden am bewaldeten Ufer fest.

Bald waren wir wieder unterwegs und das Schiff bog nach Nordwesten in einen Seitenarm ein. Es stellte sich heraus, dass hier die angekündgten Rinder an Bord genommen werden sollten. Der Ponton wurde abgekoppelt und seitwärts am Ufer vertäut. Alles wurde für das Laden vorbereitet.  Dann hiess es warten…

Zwischendurch wurde uns vom Koch ein Mittagessen serviert. Es gab, wie konnte es anders sein, frischen Flussfisch und Reis. Erst am Nachmittag ertönten dann die Rufe der Gauchos und die 130 Kühe kamen auch schon angestürmt. Sie wurden in einen Pferch getrieben und von dort dann ohne Verzögerung in 12er Gruppen durch den Beladesteg getrieben. Anfangs waren die Tiere noch sehr unruhig, aber dann gewöhnten sie sich an die neue Situation.

Aus den angesagten 6 Stunden bis Curumba wurden schliesslich deren 9. Wieder fuhren wir in die Nacht hinein und wir hatten ein mulmiges Gefühl dabei. Der Himmel war bedeckt und am Ufer kaum einmal ein Licht zu sehen. Der Chef schien sich seiner Sache allerdings sicher und fuhr ohne Licht und Zögern den Fluss hinunter. Es war schon gegen 10 Uhr nachts als die Lichter von Corumba den Himmel weit sichtbar rot leuchten liessen. Aber erst kurz vor Mitternacht legte das Schiff am Ufer an, dort wo am Morgen die Tiere von Bord geschafft werden sollten. Wir verbrachten eine letzte Nacht auf dem Schiff, nun halt mit 130 zusätzlichen Nachbarn. Immer wieder rumpelten die Kühe auf dem Stahldeck und beruhigten sich danach aber immer wieder.

Bei Tagesanbruch wurde die Mannschaft aktiv und bereitete die Entladung vor. Wie schon beim Laden wurden das Vieh Gruppenweise von Bord gelassen. Es brauchte immer nur ein Tier um den Weg zu finden und schon stürzen die Anderen hinter diesem nach. Ob sie auch so schnell und zielstrebig von Bord gegangen wären, hätten sie gewusst wo es schliesslich hin ging?

Nachdem der erste Teil der Ladung gelöscht war, begann die Mannschaft das Deck zu säubern und wir fuhren zurück in die Stadt. Dort zwängte sich unser Boot zwischen andere Lastkähne um an die Rampe zu gelangen an welcher schliesslich auch wir von Bord gingen.

 

Lust bekommen das Abenteuer auch zu wagen?

Nun, dazu kontaktiert man Capitao Lopez via Whattsapp auf der Nummer +55 67 9605 7270 und gibt ihm den Wunschtermin bekannt. Daraufhin wird er prüfen wann die am besten passende Passage erfolgt. Man kann natürlich von Nord nach Süd oder eben wie wir von Porto Jofre nach Corumba fahren. Wie lange die Fahrt dauert hängt davon ab in welche Richtung es geht und wo noch zusätzlich Ladung aufgenommen bzw. gelöscht werden muss. Man muss aber grundsätzlich mindestens mit 30 h rechnen, es kann aber auch mal 3 Tage dauern. Man braucht also etwas Geduld und Flexibilität. Uns kostete der Spass 900 USD nicht zuletzt auch weil das Schiff leer nach Porto Jofre fahren musste um uns abzuholen. Erst am Ende der Rückfahrt kamen dann die Rinder noch dazu. Im Preis inbegriffen ist übrigens die Verpflegung aus der Bordküche. Diese ist einfach aber schmackhaft. Ein Luxuskreuzfahrer ist das Schiff sicher nicht aber immerhin hat es getrennte WC’s für Männlein und Weiblein ;-)

Teuer wirst du nun denken! Stimmt aber wenn man Nord und Süd Pantanal besuchen will und sich das Boot nicht will oder kann, bedeutet das eine Fahrstrecke aussen rum von ca. 1500 Km. Dabei muss man in der Regel etwa 500 Km auch noch auf derselben Strecke wieder zurück fahren….. Wenn sich mehrere Fahrzeuge zusammen tun kann man sicher auch was am Preis machen. 

 

Das Abenteuer ist aber eigentlich unbezahlbar. Es bietet eine einzigartige Gelegenheit etwas hinter die Kulissen des Pantanal zu sehen. Wie der Handel funktioniert, wie die Leute Leben, man sieht unberührte Landschaften, wie die Rinder zum Schlachthof gelangen und mit Glück auch mal einen Jaguar... . 


Pantanal Süd

Eigentlich hatten wir vor gehabt, die  „Estrada do Parque" zu fahren. Diese Piste ist das Gegenstück zur „Transpantaneira“ im Norden. Wir hatten schon im Vorfeld gehört, dass die Fähre bis Juli nicht in Betrieb sein soll. Auch hatten andere Reisende bereits berichtet, dass im Ostteil der Strecke viel Wasser auf der Strasse sei.

Nun, wir mussten feststellen, dass das alles auch so stimmt. Im Westteil war das Wasser sogar so tief, dass ein Durchkommen gar nicht erst möglich war. Und eben, an der Fähre hätten wir eh umdrehen müssen.

Nun, der Abstecher in die Strecke hinein hat sich für uns auf jeden Fall gelohnt. Warum? Wir haben doch tatsächlich am helllichten Tag einen der seltenen Riesenameisenbären gesehen!!. Später, schon auf der Teerstrasse entdeckte dann Myrta auch noch einen ausgewachsenen Tapir und eine Sumpfhirschkuh.

Einzig auf den Nieselregen welcher die Lateritpiste aufgeweicht hatte, hätten wir gerne auch verzichtet. Auf nur 20 Km hat das nämlich dazu geführt, dass unser Auto wieder einmal so richtig schlammverspritzt war. Sieht zwar immer cool aus, aber praktisch ist es nicht wirklich wenn man im und ums Auto rum leben muss.

Und ein bisschen Herzklopfen haben uns die langen Wasserdurchfahrten auch noch verursacht…..   


Refugio Canaa, ein paradiesischer Ort

Wir hatten den Tip von Julio erhalten. Er schwärmte von diesem Campingplatz am Ende eines kleinen Tales am Rio Salobra gelegen. Also bogen wir ein paar Kilometer südlich von Bodoquena von der MS178 ab und folgten der Beschilderung. Nach 20 km Piste durch den Dschungel erreichten wir den Ort. Schon der erste Eindruck war hervorragend. Es erwarteten uns hochwertige Einrichtungen, ein eigener Unterstand mit Grill, Abwaschbecken, einem Gaskocher, Licht und Strom. Die WC und Duschen waren nicht nur sauber, sondern auch diese schön gestaltet und erbaut. Wow!! Das hatten wir in Südamerika nun noch nie gesehen, ausser vielleicht in den Campingplätzen von Douglas Tomkins.

Wir wurden freundlich willkommen geheissen und herumgeführt um die Einrichtungen zu zeigen. Schliesslich wurden wir auch noch mit Esmeralda, einem schönen Hyazinth Ara, bekannt gemacht. Sie liebt es einem auf dem Arm zu sitzen. Nur wird sie mit der Zeit doch etwas schwer will aber nur ungern wieder runter.

Im schön angelegten Park leben viele Vögel, Pfauen, Truthähne, Enten, Perlhühner. Aber auch wilde Vögel hat es zu Hauf. Aras, Papageien, Tukane und vor allem ein zutrauliches Paar Emas welche immer wieder bei uns reinschauten.

Leider war das Wetter noch immer kalt und verhangen, so dass uns das Baden im kristallklaren Fluss nicht so richtig reizte. Wäre das Wetter nur wieder so heiss gewesen wie noch vor ein paar Tagen, wir wären wohl nicht schon nach zwei Tagen weiter gezogen.

Wir machten einen Spaziergang noch weiter das Tal hinauf. Nach gut einem Kilometer eröffnet sich die Aussicht auf einen schönen Wasserfall, den „Cachoeira Boca de Onca“. Etwas weiter dem Fluss entlang gab es dann auch noch einen kleinen Wasserfall zu sehen.

Wir genossen die Zeit in dieser Oase und können sie nur 



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