Die Karte kann beliebig gezoomt werden, so dass die Details besser ersichtlich sind.


Über die Grenze nach Brasilien, unserem 13. Land auf dieser Reise

Um dem starken Grenzverkehr bei Ciudad del Este / Foz de Iguacu auszuweichen, hatte uns Rene empfohlen den Umweg über Guaira in Kauf zu nehmen.

Es stellte sich dann aber heraus, dass wir sicher keine Zeit sparten, denn die Grenzformalitäten an diesem Übergang sind weit verstreut und mühsam zu finden. Zudem sind die Öffnungszeiten nicht sehr „kundenfreundlich“.

Den Ausreisestempel für Paraguay holten wir im Stadtzentrum, nahe der ehemaligen Fähranlegestelle. Die Fahrzeugpapiere wurden wir kurz vor der Grenze los. Auf der anderen Strassenseite nimmt einem der Aduana das Papier entgegen.

Noch bevor man auf die Brücke über den Rio Parana fährt kommt man an einem Kontrollpunkt vorbei. Dort fragten wir uns durch wo wir die brasilianische Einfuhrbewilligung bekommen können. Fünf vor fünf, grad noch vor Feierabend, wurde das Papier noch ausgestellt. Der Beamte leistete für uns sogar noch eine halbe Stunde extra Arbeit, vielen Dank dafür.

Für den Einreisestempel mussten wir anderntags nochmal ins Stadtzentrum von Guari, denn auch dieses Büro ist nur bis sechs Uhr, brasilianische Zeit, offen. Nach etwas warten hatten wir aber auch diesen Stempel im Pass. Nun konnten wir für 90 Tage das riesige Land Brasilien bereisen.

Geld konnten wir übrigens tatsächlich erst bei der Banco do Brasil in Foz de Iguacu beziehen.


Iguazu Wasserfälle

Eine Südamerikareise ohne diese gigantischen Wasserfälle gesehen zu haben ist wie eine Schweizerreise ohne Matterhorn Besuch…

Wir hatten uns entschieden die Wasserfälle von der Brasilianischen Seite aus zu besuchen. Wir quartierten uns unweit des Nationalparkeingangs im Camping Paudimar ein und fuhren am anderen Morgen mit dem Stadtbus zum Park. In der Eingangshalle konnten wir die Tickets mit der Kreditkarte an einem Automaten kaufen und so das Schlange stehen vermeiden. Allerdings hatte es verhältnismässig wenig Besucher und wir konnten den ersten in den Park hinein Bus besteigen. Was da an Ostern los gewesen sein musste….

Beim Hotel das Cataratas stiegen wir aus um dem Fussweg entlang der Schlucht bis hin zum „Teufelsschlund“ zu folgen. So kommt man an verschiedenen Aussichtspunkten vorbei und erhält einen ersten Eindruck der mächtigen Wasserfälle. Unzählige Coatis, kleine, niedliche Tiere mit einem buschigen Schwanz, tummeln sich am Weg, angezogen von den Besuchern welche es halt nicht immer lassen können die Tiere zu füttern. Der Höhepunkt ist dann aber schon am Ende des Trails, dort wo ein Grossteil der Wassermenge in einen Kessel stürzt. Auf dem Steg werden dann alle welche ohne Regenschutz unterwegs sind bis auf die Unterwäsche nass.

Auf die zusätzliche Bootsfahrt zum Fuss der Wasserfälle verzichteten wir, als wir gesehen haben wie nah die Schiffe an die Fälle heranfahren. Man konnte nur ahnen, wie die Passagiere eine Volldusche abbekommen. Zu sehen ist in diesem Wassernebel wohl kaum mehr als von oben und fotografieren geht schon gar nicht.

Der Bus fuhr uns danach wieder zum Ausgangspunkt zurück von wo aus wir den nahen Vogelpark noch besuchten. Der grosszügig angelegte Zoo wurde in einem natürlichen Dschungel angelegt und zeigt eine Vielzahl von Vögeln, meist in grossen, begehbaren Volieren. Noch hoffen wir natürlich, dass wir möglichst viele dieser Vögel auch noch in der Natur zu Gesicht bekommen.  

Am anderen Morgen liessen wir uns vom Camping eigenen Van auf die argentinische Seite chauffieren. Schon am Eingang merkten wir, dass die Brasilianer einiges besser organisiert sind. Nur gerade einer von 6 Ticketschaltern war offen und ein Selbstbedienungsautomat steht nicht zur Verfügung. Wenigstens kann man unterdessen mit der Kreditkarte den saftigen Eintrittspreis von 500 ARS, etwa 25 CHF begleichen.

Vom Eingang marschierten wir erst mal zur Bahnstation Cataratas. Dort starten zwei Wege, einer der die Fälle von unten erleben lässt, der andere hingegen verläuft oberhalb. Beide haben ihren Reiz denn es bieten sich völlig unterschiedliche Perspektiven. Im Gegensatz zur brasilianischen Seite muss man sich hier die Aussichten „erlaufen“. Nebst den Wasserfällen hat man hier auch viel mehr Möglichkeiten die Tier- und Pflanzenwelt etwas näher zu betrachten.  Insgesamt legten wir sicher etwa 6 km zurück auch wenn wir zum Ausgangspunkt für den „Gargata del Diabolo“ die Schmalspurbahn nutzten. Auch von dort führt ein etwa 1 km langer Steg über den breiten, flachen Oberlauf des Rio Iguazu. Schliesslich standen wir am „Höllenschlund“ in welchen sich tausende von Kubikmeter Wasser pro Sekunde stürzen. Auch hier war ein Regenschutz angesagt will man nicht bis auf die Unterwäsche nass werden. Erschreckend war die Information, dass noch vor 40 Jahren das Wasser des Flusses kristallklar geflossen ist. Das grossflächige Abholzen im Quellgebiet hat die Erosion so gefördert, dass das Wasser heute die Farbe von Schokolade hat. Im Laufe des Tages sahen wir immer mehr Schmetterlinge. Sie flatterten überall herum und setzten sich auch gerne auf den Besuchern ab. Sicher mehr als ein Dutzend Arten zählten wir, von winzig kleinen bis über 10 cm grossen Exemplaren.

Um vier Uhr wurden wir am Eingang wieder abgeholt und über die Grenze zurück in den Campingplatz gefahren.

 

 

Unser Fazit und Tip:

 Auf jeden Fall beide Seiten des Parks besuchen, zu unterschiedlich sind die Aussichten und beide Orte lohnenswert.

In Brasilien ist der Morgen wegen des Lichts sicher besser, die Argentinische Seite eher der Nachmittag. Wir hatten den Eindruck, dass am Nachmittag weniger Leute anzutreffen waren als am Morgen, aber generell hatten wir das Glück auf nicht übermässig viele Besucher zu treffen. Da der Fluss zudem für die Saison aussergewöhnlich viel Wasser führte waren die Fälle sehr eindrücklich. 


In Richtung der Südküste Brasiliens

Da wir nicht geplant hatten den Süden Brasiliens später zu besuchen machten wir uns nun auf Richtung Küste. Weiterhin wurden wir begleitet von landwirtschaftlich genutzten Flächen, in erster Linie Mais und Soja. Hunderte von Kilometer hüglige Landschaft auf angenehmen 600 bis 100 müM. Immer wieder durchquert oder umfährt man kleine bis mittelgrosse Orte. Irgendwie kam uns die Gegend vor wie in Europa ausser dass es hier Vegetationsformen gibt welche man halt in Europa nicht findet.

Treze Tilias, dreizehn Linden, ist eine kleine Stadt welche von einem Österreicher gegründet worden ist. Noch immer wird im Ort die traditionell österreichische Architektur gepflegt. So hat man den Eindruck man befinde sich irgendwo im Tirol. Wir besuchten das Städtchen zufällig an einem Sonntag und wurden damit überrascht, dass fast alles geschlossen war und kaum Leute anzutreffen waren. So blieb es bei einem kurzen Rundgang durch das Zentrum. Die Landschaft in der Region erinnerte uns stark ans Schweizer Mittelland


Zufällig wählten wir einen Campingplatz zum Übernachten welcher sich direkt unter dem „Viaducto 13“ befindet. Als der Viadukt 1978 gebaut worden ist, war es zweithöchste Eisenbahnbrücke der Welt. 143 m hoch und 500 m lang quert das filigrane Bauwerk ein Tal. Gebaut wurde die Bahnstrecke von Militäreinheiten um die Getreideernte aus dem Hinterland in die Häfen zu transportieren. Schon lange wurde aber der Verkehr eingestellt.

Auf der Karte hatten wir mehrere Themenstrassen gesehen, die Weinstrasse, die Romantische Strasse und schliesslich noch die Sinfonie der Natur Strasse. Das schien uns einen Umweg wert. Am Ende mussten wir aber einsehen, dass es sich dabei vermutlich einzig um einen Marketinggag der lokalen Tourismusindustrie handelt. Klar kamen wir an ein paar Weingütern vorbei, aber von der Romantik bekamen wir nichts mit. Das hochgelobte Gramado ist wohl ein touristischer Hotspot welcher allesmögliche zur Unterhaltung der Gäste bereithält, für unseren Geschmack war allerdings nichts dabei was uns hätte begeistern können.


Die Canyons Fortaleza und Itaimbezinho

Noch auf dem Plateau auf fast 1000 müM besuchten wir zwei eindrückliche Canyons. Den „Canion de Fortaleza erreicht man über eine Stickstrasse von Cambara do Sul aus. Am Ende der Piste kann man ein paar Hundert Meter weiter gehen und blick dann in den grössten Canyon Brasiliens. Mehrere Hundert Meter fällt das Gelände fast senkrecht ab zum Grund der Schlucht. Wasserfälle stürzen sich in die Tiefe. Erstaunlich ist die Vegetationauf der Hochebene: Grasbewuchs mit struppigem Gras dominieren das Bild. In Talsenken erstreck sich Urwald und bietet damit vielen Tieren ein Habitat.

Etwas zurück, führt eine kurze Wanderung an einem eindrücklichen Wasserfall vorbei zum Canyonrand. Noch einmal hat man die eindrückliche Aussicht hinunter in die Tiefe.


Wiedersehen mit Freunden.

Angie und Chris sind seit Anfang 2018 mit ihrem Steyr Lastwagencamper ebenfalls in Südamerika unterwegs. Wir waren immer in Kontakt geblieben und konnten nun einen Treffpunkt mit ihnen abmachen. Bei strömendem Regen trafen wir uns schliesslich an der „Barra do Ibaraquera“. Wir verbrachten dort einige Tage zusammen und genossen es wieder einmal mit Altbekannten zusammen zu sein, über vergangenes und zukünftiges zu diskutieren, zusammen zu kochen, gemeinsame Spaziergänge zu machen. Kurz, Ferien von der Reise mit Freunden.

Nach ein paar Tagen fuhren wir zusammen wieder südwärts. In kurzen Etappen reisten wir der Küste entlang. Die Beiden reisen generell viel langsamer und gemütlicher als wir, aber es tat auch uns gut, mal wieder nicht so viel zu fahren. An Stränden kennen sie schöne Übernachtungsplätze wo wir weitere Tage zusammen blieben.

Der Besuch des "Pedra do Frade" an der Küste, nur ein paar Kilometer nördlich von Laguna, lohnt sich. Wie der riesige Stein in seiner Form und an dieser Stelle entstanden sein mag, kann man sich kaum vorstellen. Wie in der Luft schwebend steht der mächtige Felsbrocken am Ufer auf einer glatten Granitfläche.


Die Fischer von Laguna

Bei der Stadt Laguna ergiesst sich ein Fluss ins Meer. Dessen Nordufer ist bekannt bei den lokalen Fischern. Sie gehen mit Wurfnetzen auf die Jagd und stehen knietief im seichten Wasser. Das Spezielle ist aber, dass sie beim Fischen von grossen Delfinen unterstützt werden. Die Tiere patrouillieren dem Ufer entlang und treiben den Fischern die Fische vor die Füsse. So kommt es, dass wenn ein Delfin unmittelbar vor den Männern auftaucht, diese wissen, dass sie nun eine gute Chance haben einen Fisch ins Netz zu bekommen. SO werfen sie dann auch synchron ihre Netze ins Wasser und tatsächlich ist der Erfolg einiges grösser als ohne Mithilfe des Delfins. Was wir nicht in Erfahrung bringen konnten, ist warum die Delfine diese Hilfestellung bieten. Ob es reiner Spieltrieb ist, oder sie selbst auch davon profitieren, blieb uns verschlossen. 

Im Übrigen ist auch das historische Zentrum von Laguna durchaus sehenswert. Es stehen noch viele alte Gebäude, meist liebevoll und in bunten Farben restauriert


Urubice, Barasiliens Sibirien

Auf über 1000 müM liegt das kleine Städtchen Urubici. Durch diese, für brasilianische Verhältnisse, hohe Lage kann es im Winter in der Gegend nicht nur recht kalt werden, sondern sogar schneien. Das zieht dann unzählige Brasilianer aus dem tropischen Norden an, damit sie einmal im Leben echten Schnee sehen und fühlen können. Die Rekordkälte wurde 1996 mit -17°C registriert, aber das ist die grosse Ausnahme.

Um zum Hochplateau zu gelangen steigt die Strasse von Meereshöhe durch die „Serra do Rio do Rastro“ bis auf fast 1500 m hoch. Der tropische Urwald weicht zunehmend den Araukarienwäldern. Ein Aussichtspunkt gibt den Blick frei auf die Bergstrasse welche sich in Spitzkehren steil nach oben windet.

Urubici selber wird geprägt durch seine eigensinnig gestaltete Kirche. Ansonsten ist es ein kleines Städtchen mit einer gewissen Zentrumsfunktion. In der Umgebung lassen sich einige schöne Wasserfälle erkunden. Der landschaftliche Höhepunkt, der „“Morro do Igreja“ blieb uns leider verschlossen, da die Zugangsstrasse wegen Bauarbeiten vorübergehend gesperrt war. Von diesem Berg hat man bei gutem Wetter, welches aber oft nicht mitspielt, nicht nur eine grossartige Aussicht auf die Küstenebene, sondern auch auf eine Felsformation mit einem grossen Loch drin.

Wir mussten uns mit dem Besuch des Wasserfalls „Cachoeiro Véu de Noiva“ , welcher an der Zugangsstrasse liegt begnügen.

Wir fuhren anschliessend noch zum Abbruch des Plateaus bei „Serro do Corvo Branco“, von wo aus sich die Strasse in Serpentinen in die Küstenebene hinunterschlängelt. 90 m tief musste der Sandsteinfels aus dem Berg geschnitten werden um die Strasse bauen zu können. Die Strecke ist ein beliebtes Ausflugsziel und so war es nicht verwunderlich, dass am sich am Wochenende viel Besucher ein Stelldichein gaben


Blumenau, ein bisschen Deutschland in Brasilien

Durch Jura ähnliche Landschaft machten wir uns nach Blumenau. Diese, für Schweizerverhältnisse, Grossstadt ist bekannt für seine Deutschen Wurzeln. Jedes Jahr findet dann auch das dreiwöchige Oktoberfest statt, das grösste seiner Art nach München. Bis zu 90‘000 Tausend Tagesbesucher überschwemmen dann das Gelände des Festes, alles ist ausgebucht und die Stadt platzt aus allen Nähten.

Über Chris und Angie hatten wir den Kontakt zu Viviane und Fernando gefunden. Die Beiden jungen Leute betreiben eine kleine Möbelfabrik welche moderne, meist kubische Kleinmöbel nach Mass herstellt. Viviane macht das Design und Fernando leitet die Produktion mit den fünf Angestellten. Schade, dass wir ihre Dienste für unseren Neuanfang in der Schweiz nicht nutzen können.

Die Beiden zeigten uns den touristischen Teil Blumenaus. In der „Vila Germanica“ genossen wir zusammen eines der vielen Biere die in der Region in Kleinbrauereien erzeugt werden. Auch wenn die Anlage für unsere Begriffe schon etwas an das Disneyland erinnert, ist es doch ganz nett gemacht.

Danach fuhren sie uns an das Ende eines kleinen Tales wo wir uns, gar nicht so weit von der Stadt entfernt, im naturbelassenen Dschungel wiederfanden.  Zurück in der Stadt genossen wir schliesslich ein gemeinsames Nachtessen in einem trendigen Restaurant.


Weiter nordwärts

Bei der Ilha Sao Francisco do Sul trafen wir wieder auf die Küste. Im sympathischen Camping Tony quartierten wir uns ein. Als wir anderntags das Fort „Marechal Luz“ besuchten, staunten wir nicht schlecht als wir dort Marc und Dela zum dritten Mail auf dieser Reise trafen. Kurzentschlossen kamen sie auch in den selben Camping und wir genossen die Zeit zusammen. Sie brachten es gar fertig uns zum Baden am nahen Strand zu bewegen. Tony, der Campbesitzer, verwöhnte uns jeden Tag zur Mittagsstunde mit einem brasilianischen Drink, etwas früh zwar, aber ablehnen konnten wir ja auch schlecht.

Bei der Weiterfahrt besuchten wir das nahe Städtchen Sao Francisco do Sul. Um den alten Hafen gruppieren sich einige alte Gebäude und auch die umliegenden Strassenzüge sind weitgehend erhalten. Um nach Norden weiterzukommen muss man erst mal eine Fähre benutzen. Danach zuckelten wir der Küste entlang nordwärts. 

Einen Abstecher machten wir dann zum abgelegenen Dorf Guaraquecaba. 80 Km rumplige Piste muss man erdulden bis man am Ende der Piste im kleinen Dorf angelangt ist. Ein kurzer Zwischenstop in Antonina, einem sympatischen Städtchen am Meer sorgte für einen angenehmen Unterbruch der Fahrt. Einige der alten Gebäude verrotten langsam im feuchtwarmen Klima, aber viel sind auch liebevoll restauriert worden. Nach gut zwei Stunden Holperfahrt erreichten wir schliesslich Guaraquecaba. Ausser an Wochenenden läuft hier fast nichts. Einige Besucher kommen nach einer mehrstündigen Bootsfahrt von Paranagua herüber, aber viele sind es nicht. Viel zu sehen und zu tun gibt es dann auch nicht. Wir fuhren ein paar Kilometer zurück und quartierten uns nahe dem Naturschutzgebiet „Salto Morato“ bei einer Familie im Garten ein. Die einfache Campingeinrichtung wird von Dino und seiner Frau geführt. Dino führte uns zu einem schönen Teich mitten im Dschungel wo wir uns schön abkühlen konnten. Abends sassen wir zusammen am Lagerfeuer und radebrechten mit ihnen auf eine Art „Portuganisch“, einer Mischung aus Portugiesisch und vor allem Spanisch. Sie luden uns zur Brasilianischen Version von Glühwein ein, etwas ungewohnt bei 30°C, aber doch fein. Sie zeigten uns auch wie man Palmherzen, das schmackhafte Innere eines bestimmten Palmenstamms im Feuer röstet und dann geniesst.

Am Morgen fuhren wir in den Naturpark hinein und wanderten zum „Salto Morato“. 200 m stürzt das Wasser in die Tiefe mitten im Dschungel, mit einer unglaublichen Artenvielfalt. Danach hiess es die Rumpelpiste wieder zurückzufahren.

In Porto de Cima, einem kleinen Dorf, machten wir einen Tag „Ferien“. Am Sonntag war noch die Hölle los, denn der nahe Fluss zog die Leute aus dem nahen Curitiba an wie das Licht die Motten. Aber Abends waren wir dann fast allein auf dem Campingplatz. Wir lernten unsere Nachbarn, ein junges brasilianisches Paar, näher kennen und verbrachten den nächsten Tag mit ihnen. Baden im Fluss und der abendliche Besuch der Messe im nahen Morretes war angesagt. Dort genossen wir ein paar brasilianische Spezialitäten und löschten den Durst mit Fassbier aus einer kleinen Brauerei

Über die „Estrada de Graciosa“, einer kurvigen, kopfsteingepflasterten Bergstrasse, gelangten wir nach Curitiba hoch. Durch dichten atlantischen Dschungel windet sich die schmale Strasse hoch bis auf 1000 müM. Im Campingplatz trafen wir zum zweiten Mal auf Sabine und Ulrich mit ihrem handlichen MAN Truck. Curitiba gilt trotz der Grösse als Stadt mit hohem Lebensstandard. Viele Parkanlagen, ein gutfunktionierendes und billiges ÖV Netz und ein hohes Umweltbewusstsein haben zu  diesem Ruf beigetragen. Ein Spaziergang durchs Zentrum offenbart einige schöne Ecken und schön restaurierte Gebäude. 


In Curitiba feierten wir dann auch unser zweijähriges Reisejubiläum bei einem Glas brasilianischem Schaumwein, mit „Chocolate“ dem übergewichtigen Campinghund und den vielen Zwerghühner des Platzes….


Sao Paulo, die Megacity Brasilien’s

Die Anfahrt von der Küste hoch nach Sao Paulo ist eindrücklich. Eine Autobahn, welche hauptsächlich aus Brücken und Tunneln besteht, windet sich die steilen, urwaldbewachsenen Hänge hoch bis auf fast 1000 müM. Die Temperatur ist dann auch einige Grade kühler als unten am Meer.

Über 20 Millionen Einwohner soll die Agglomeration unterdessen haben. Damit ist es nicht nur die grösste Stadt Brasiliens sondern auch die drittgrösste der Welt. Wir hatten uns in einem Airbnb Zimmer einquartiert. Wie es sich herausstelle eine hervorragende Wahl. In einem schönen und gediegenen Haus wurden wir sehr freundlich empfangen. Da das Haus in einem ruhigen und sicheren Quartier von Santo Andre liegt war es auch kein Problem das Auto auf der Wiese gleich neben dem Haus zu parken. Nur gerade 12 CHF/Nacht hatte das Zimmer gekostet. Dass damit auch noch gleich Frühstück und Nachtessen mit der Familie inbegriffen war hatten wir allerdings nicht erwartet. Generell wurden wir wie gute Freunde behandelt und um uns die 20 Minuten Busfahrt zum Bahnhof zu sparen fuhr uns die Gastgeberin kurzerhand hin.

Mit Zug und Metro fuhren wir ins Stadtzentrum von Sao Paulo und machten dort einen Bummel durch die Innenstadt. Die Metro spuckte uns bei der Kathedrale Sé aus. In der mächtigen Kirche fand gerade ein Gottesdienst statt und sie war bis auf den letzten Platz besetzt! Unzählige Messediener kümmerten sich um die Gläubigen und wer Bedarf hatte konnte seine Sünden auch gleich in einem der Beichtstühle loswerden. Das war übrigens an einem Samstagmorgen….

Am schmucken „Teatro Municipal“ gingen wir weiter durch die lebhafte Fussgängerzone zur „Praca do Republica“. In der kleinen, grünen Oase fand auch ein kleiner Kunsthandwerksmarkt statt. Das traditionelle Samstagsmittagessen, die Brasilianische Spezialität „Feijoada“, nahmen wir in einem kleinen, unscheinbaren Restaurant ein. Eine Portion bestand aus einem Topf mit Bohnen und gekochten Trockenfleisch und einer Platte mit Schweinskotletten, feiner Wurst, knusprig frittiertem Speck, Gemüse und Reis. Die eine Portion war dann aber auch für uns Beide viel zu viel.

Wir empfanden Sao Paulo eigentlich ganz nett und mit übersichtlichem Zentrum. Die vielen Obdachlosen die überall herumlagen und schliefen, liessen aber auch erahnen, dass hinter den Kulissen doch auch einiges im Argen liegt.

Am Sonntag Morgen besuchten wir den Markt im Quartier. Das Angebot ist frisch und vielfältig und offenbar waren wir nicht die Einzigen die davon begeistert waren. Viele Bewohner des Quartiers decken sich dort mit frischem Gemüse und Früchten ein. Auch wir kauften unseren Bedarf hier ein und genossen wieder einmal das Treiben auf dem Markt: Die laut anpreisenden Verkäufer, die farbenfrohen Stände, die feinen Gerüche und die fröhlichen Menschen.

Kurz nach Mittag wurden wir von Ueli’s ehemaligem Arbeitskollegen Andre und seiner Frau Luana abgeholt. Zusammen fuhren wir zum „Mercado Municipal“. In einer grossen Jugendstilhalle wird alles an Esswaren angeboten war man so braucht. An den Ständen wurden uns immer wieder Früchte aber auch „Cachaca“ zum Probieren angeboten. Schliesslich genossen wir das wohl typischste Mittagessen das Sao Paulo zu bieten hat: Eines der gigantischen Mortadella Sandwiches. 300 g Mortadella fein geschnitten und gewärmt wird auf Wunsch noch mit geschmolzenem Käse in ein Brötchen gequetscht und warm serviert. Ein Kunst ist es dann dieses Monster überhaupt zu essen,  entlang der ein Big Mac ist nämlich harmlos dagegen. Der nächste Halt war dann das Asiatenviertel an der Avenida da Libertade. Auch dort herrschte am Sonntag Hochbetrieb und auf einem weiteren Markt gab es einiges an nützlichem und weniger nützlichem zu kaufen. Ein weiterer Halt galt dem  „Parque do Ibarapuera“. Die Gestaltung und einige der Gebäude sind dem bekannten Architekten Oscar Niemeyer zu verdanken. Der Betonkünstler hat auch hier bemerkenswerte Gebäude geschaffen. Filigrane Überdachungen und ein Iglu ähnliches Gebäude aber dann auch ein aussen simples, innen aber elegant gestaltetes Auditorium zeugen von seinem Können.

Als wir schliesslich in die Wohnung unserer Freunde fahren wollten, streikte die Batterie. Ein Anruf bei der Versicherung und nur gerade 10 Minuten später tauchte eine Motorradpatroullie auf und startete das Auto mit einer Starthilfebatterie. So einen Service gibt es vermutlich nicht an vielen Orten dieser Welt. Witzig war auch, dass der Mechaniker für mehrere Gesellschaften im Einsatz ist. Je nach Kunde wechselt er dann die Plakate am Motorrad und seine Oberkleidung.

Den Tag liessen wir schliesslich bei einem feinen Risotto und interessanten Gesprächen ausklingen.


Wieder der Küste entlang: Costa Verde

 Über die alte Strasse fuhren wir wieder an die Küste hinunter. Man fährt immer wieder an schönen Buchten mit Sandstränden vorbei. Für Leute die das Meer gern haben wohl ein Paradies. Campingmöglichkeiten hat es aber an der Costa Verde nicht so viele.

Wir machten in Parati einen Zwischenhalt. Das kleine Städtchen hat eine guterhaltene Altstadt. Das ganze Zentrum  besteht ausschliesslich aus alten Kolonialhäusern. Mehrere schmucke Kirchen und viele Restaurants laden zum Verweilen ein. Die Strassen sind durchwegs mit Kopfsteinen gepflastert. Der Campingplatz etwa 3 km nördlich des Ortes hat uns gut gefallen und daher bleiben wir noch einen Extra Tag. Dort sahen wir auch zum ersten Mal die kleinen  Weissbüschelaffen. Morgens und abends turnten sie über unseren Köpfen in den Bäumen ohne auch nur einmal auf den Boden herunter zu kommen.

Nun folgte die landschaftlich schönste Strecke welche sich bis vor Itaguai erstreckt. Mitten in der herrlichen Küstenlandschaft mit ihrer vorgelagerten Inseln fährt man aber auch am einzigen Atomkraftwerk Brasiliens vorbei.


Rio de Janeiro

Da es in der nahen Umgebung von Rio keine Campingplätze gibt hatten wir ein Airbnb Zimmer gebucht. Dieses kostete uns wiederum weniger als ein durchschnittlicher Campingplatz. Nur gerade 150 m vom Strand von Copacabana entfernt hatte wir sogar die Möglichkeit unseren Landcruiser vor dem Haus zu parken.

Noch am Ankunftstag spazierten wir zum „Forte Duque Caxias“. Das Fort ist mit einigen grosskalibrigen Haubitzen bestück welche bis 1992 die Bucht von Rio de Janeiro beschützt hatte. Noch heute ist der Hügel im Besitz der Armee aber für Besucher zugänglich. Von oben hat man die wohl beste Aussicht auf den Strand von Copacabana und gegenüber liegt der Zuckerhut vor einem.

Den nächsten Tag verbrachten wir im Zentrum von Rio. Mit dem Bus fuhren wir bis Gloria und erkundeten von dort aus die Gegend. Mit dem alten Tram zuckelten wir hoch ins Quartier Santa Terese und gingen dann auf den schmalen Strassen zu Fuss wieder den Hügel hinunter. Neben dem „Parque dos Ruinas“, man kann dort eine alte Villa die nie fertiggestellt worden war besichtigen ist vor allem die Treppe „Escadinhas Santa Teresa“ sehenswert. An der Stirnseite der Stufen sind roten Kacheln und phantasievolle Einzelstücke eingefügt. Betrachtet man die Treppe von oben ist sie gar nicht so eindrücklich. Schaut man aber von untern kommen die farbigen Stufen herrlich zur Geltung. Natürlich müssen die Leute auch dort ihre Selfies machen und stehen dafür auch gerne Schlange bis sie dran sind.

Durch das kommt man unteranderem auch am „Teatro Municipal“ vorbei. Das eindrückliche Bauwerk ist fein renoviert und seine goldenen Verzierungen glänzen in der Sonne. Auch direkt am Meer stehen unzählige Prachtbauten, viele davon beherbergen Regierungsabteilungen, Gerichte und Marineeinrichtungen. Zurück zu unserem Zimmer nahmen wir die moderne U-Bahn. Für 1.5 CHF kann man durch die ganze Stadt reisen.

Von Copacabana kann man mit Kleinbussen des Nationalparkservices direkt hochfahren zur Christus Statue auf dem Gipfel des „Corcovado“. Das ist zwar nicht ganz so stilecht wie wenn man mit der Zahnradbahn hochfährt aber erstens muss man nicht erst noch zur Talstation anreisen und kann sich das Schlange stehen auch gleich schenken.

Auf dem Ticket ist dann auch gleich ersichtlich in welchem Zeitfenster man den Bus für die zweite Etappe nehmen kann. Es ist aber so abgestimmt, dass man ohne Wartezeit von Besucherzentrum gleich hochfahren kann. Insgesamt kostet der Spass etwa 20 CHF pro Person. Darin enthalten ist die Hin- und Rückfahrt ab Copacabana zur Christos Statue hoch. Auf Grund der vielen Berichte die wir im Vorfeld gelesen hatten, erwarteten wir ein Riesenandrang. Umso mehr waren wir dann überrascht, dass sich die Besuchermassen zur Mittagszeit bei unserer Ankunft in Grenzen hielten. Das Wetter war uns auch recht gut gesinnt. Es war zwar nicht super klar und es zogen auch immer wieder Wolken und Nebelfetzen durch die Landschaft, aber wir hatten eine gute Sicht auf die unter uns liegende Stadt. Wir waren uns schnell einig, dass in Bezug auf die Lage und Landschaft wohl nur noch Hong Kong in derselben Liga spielt. In unzähligen Buchten drängen sich die einzelnen Quartiere, abgetrennt voneinander durch die urwaldbewachsenen Felskegel. Das 360° Panorama ist grandios. Zum Schmunzeln brachten uns die Selfie geilen Besucher. Auf den von Pirelli gesponsorten Gummimatten lagen sie auf dem Rücken und passten ihre bescheiden Wenigkeit ins Bild mit der über ihnen stehenden Christusstaue. Wem das zu kompliziert ist, der kann auch gerne die Dienste eines Profifotografen in Anspruch nehmen. Dieser positioniert den Kunden dann genau so, dass dann Bilder entstehen welche die Hände des Besuchers und die der Statue vereinigen lassen….

Bevor wir die Stadt verliessen, liessen wir uns auch noch zur zweiten ganz grossen Attraktion Rio’s hochfahren: Dem Zuckehut. Das war auch gleichzeitig an Ueli’s Geburtstag. Es wird nicht vielen Leuten gegönnt sein an einem Geburtstag auf diesem herrlichen Aussichtspunkt zu stehen. Da wir die erste Gondel erreichten waren wir auch fast alleine da oben. Obschon nur 400 m hoch hat man den Eindruck direkt über der Stadt zu stehen. Auf der einen Seite wieder Copacobana, in der Mitte im Hintergrund die Christus Statue und vor sich die ganze Stadt zu Füssen. Und das bei strahlend blauem Himmel!!



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