Reisebericht Balkan und Türkei

Nachdem wir den Sommer in der Schweiz verbracht hatten, wollten wir uns noch einmal auf die Reise begeben. In Anbetracht des fortgeschrittenen Sommer bot sich ein Reiseziel im Süden an. In der Türkei soll es auch Ende Oktober noch angenehm warm sein, also erkoren wir diese Gegend als unser Ziel. Da die Hauptsaison  (angeblich) vorbei  war wollten wir gemütlich durch den Balkan nach Süden Reisen und die eingekehrte Ruhe nach dem Sturm geniessen. 

Aber schon im Südtirol wurde uns vor Augen geführt, dass die strikte Abtrennung der Hoch- von der Nebensaison keine Gültigkeit mehr hat. Auch weitere touristische Hotspots waren zum Teil noch immer ziemlich überlaufen, wie musste es dort wohl in der Ferienzeit zu und her gehen?? 

In der Folge stellte sich aber heraus, dass wir wohl doch die beste Reisezeit getroffen hatten. Noch waren die allermeisten Campingplätze offen, das Wetter war warm und sonnig, aber abgesehen von einigen wenigen Hotspots trafen wir zunehmend weniger Touristen und Reisende an. Erst als wir zurück in Italien angekommen waren, holte uns der Winter schliesslich ein und  und trieb uns ,entgegen unserem Plan, schneller als gedacht heim in die gute, warme Stube.

 

Routendaten

  • Fast zwei Monate unterwegs gewesen.
  • 11500 Km zurückgelegt, ausser in der Schweiz und Italien, quasi keine Autobahn gefahren
  • Insgesamt 135 000 Höhenmeter hinauf und wieder hinunter.
  • Durchschnittsgeschwindigkeit in Fahrt 50 Km/h, es ist eben wirklich eine "Tortuga", unser Camper ;-)

Übernachtungsplätze


Italien

Südtirol und Dolomiten

Eigentlich wollten wir am 1. September starten, aber der Wetterbericht für die Schweiz und das Südtirol versprach nichts Gutes. So verschoben wir den Start auf Montag und fuhren bei noch trübem Wetter Richtung Bündnerland. Bei Rapperswil machten wir einen Abstecher zu der Firma LEAB um den Solarregler zu tauschen. Er hatte in den letzten Tagen nicht mehr optimal funktioniert und wir wollten die Gelegenheit packen und ihn noch tauschen. Dank der kompetenten Unterstützung konnten wir nach einer knappen Stunde weiter.

In Chur machten wir eine Pause und besichtigten die nette Altstadt. Beide waren wir schon oft vorbei gefahren hatten aber nie die Stadt besichtigt. Das Wetter hatte sich unterdessen etwas gebessert und es regnete vor allem nicht mehr. Die Fahrt über den Julier brachte uns ins Engadin ohne dass wir bis in die tief hängenden Wolken gekommen waren.

Es war noch früher Nachmittag, so beschlossen wir bis nach Livigno weiterzufahren. Hinter dem Bernina Pass bogen wir nach Nordosten ab und gelangten bald in den zollfreien Skiort. Kaum angekommen, öffnete der Himmel immer wieder die Schleusen. Wir genossen einen Apéro in einer Bar bevor wir uns im nahen Camping einrichteten.

Die Nacht war kalt gewesen, aber die Wetterprognose hatte perfekt gepasst: Ein paar Nebelfetzen am Morgen früh, dann aber strahlend blauer Himmel. In Bormio standen wir unerwartet plötzlich vor der gesperrten Stilfser Joch Strasse. Eine Nachfrage bei einer Polizei Patrouille bestätigte, dass sowohl das Stilfser Joch wir auch der alternative Gavia Pass wegen Erdrutschen vorübergehend gesperrt waren. Für uns bedeutete das einen Umweg von über hundert Kilometer um nach Bozen zu gelangen.

 

In Kastelruth übernachteten wir auf einem Bauernhof und konnten so den gut erhaltenen Dorfkern zu Fuss erkunden. In der warmen Sonne genossen wir ein Feierabendbier und anschliessend ein hervorragendes Nachtessen mit lokalen Spezialitäten.
Anderntags fuhren wir nach Seis zurück und liessen uns von der Gondelbahn auf die Seiser Alm befördern. Eine Rundwanderung vermittelte uns einen schönen Überblick auf die angeblich grösste Alm Europas und gleichzeitig Tiefblicke hinunter auf Kasteruth wie auch das Grödnertal. Eingerahmt wird die Hochebene von einigen markanten Dolomitengipfeln, dem Rosengarten und der Sella Gruppe. Allerdings alleine waren wir nicht unterwegs. Da wir recht früh schon oben waren fiel uns das anfangs nicht so auch, aber als wir unsere Runde beendeten kam uns ein Strom von Wanderern entgegen.

Zurück beim Auto fuhren wir ins Grödnertal hinunter und folgten der Pass Strasse bis auf das Sella Joch hoch. Eine eindrückliche Aussicht in alle Richtungen belohnte uns. Getrübt wurde das Erlebnis auch hier von den unglaublich vielen Besuchern. Wir fuhren noch ein Stück hinunter und fanden auf einer Skipiste, etwas abseits der Hauptstrasse, einen schönen Übernachtungsplatz. Dass die Piste auch von Mountainbikern rege genutzt wird merkten wir schnell. Alle paar Minuten brausten sie an uns vorbei talwärts. Wir genossen ein paar Sonnenstunden, aber kaum war diese weg, wurde es kühl. 

Die erste Gondelbahn brachte uns vom nahen Pordoi Joch hinauf auf den Sass Pordoi. Innert Minuten landet man in einer komplett anderen Bergwelt. Nur noch kahler Fels dominiert auf über 3000 müM die Landschaft. So ausgesetzt und karg zeigte sich die Landschaft, dass es Myrta nicht mehr wohl war. Anstatt der geplanten Wanderung beschränkten wir uns schliesslich auf einen kurzen Spaziergang in der Umgebung der Bergstation und genossen die Weitsicht auf die umliegenden Bergwelt

Nach diesem nur kurzen Ausflug zog es uns weiter. Mitten durch die eindrücklichen Berge fuhren wir zum Pragser Wildsee. Nun, dies auf jedem Fall der Plan. Als wir aber dort ankamen, wurden alle Fahrzeuge schon weit zuvor angehalten und zurück geschickt. Man solle im Tal unten einen Parkplatz suchen und dann mit dem öffentlichen Bus hochfahren. Die Zufahrt zu den Parkplätzen wird wegen Überlastung vom späten Morgen bis 15 Uhr gesperrt. Das deutete natürlich auch klar darauf hin, dass es am See nur so wimmeln musste von Leuten, kurz, wir verzichteten…

An den mächtigen drei Zinnen vorbei gelangten wir nach Misurina. Nun war es bedeutend kühler geworden, aber das hielt uns nicht davon ab, einen Spaziergang um den nahen See zu machen. Tags darauf verliessen wir die Berge, nicht zuletzt, weil ein Wetterumschwung Regen und kalte Temperaturen gebracht hatte. In der grossen Ebene im Hinterland von Venedig besuchten wir das kleine Städtchen Spilimbergo mit seiner hübschen, kleinen Altstadtzone. Nächster Halt war im nachbarlichen San Daniele, berühmt für seine Schinken. Ausser einigen Restaurants mit entsprechenden Spezialitäten bekommt man in der Stadt selber nicht viel von der Schinkenproduktion mit. Grund ist, dass diese alle in grossen Fabriken in der Umgebung fabriziert werden. Wir hielten bei einer Produktionsstätte an und kauften etwas Schinken.

Bald bogen wir in die julischen Alpen ab, Richtung Slowenien. Steil führte die schmale Strasse hoch zum abgelegenen Grenzübergang auf dem Pass Predil. Genau so steil ging es dann hinunter nach Bovec, unserem Etappenziel.


Slowenien

Von den Julische Alpen an die Adriaküste

Am späten Nachmittag entlud sich ein heftiges Gewitter mit starkem Regen. Am Morgen war der Spuk zum Glück vorbei. Das erlaubte uns eine Wanderung steil hinauf zu einem Fort des I Weltkriegs zu unternehmen. Hier bei Bovec hatten die Österreicher eine Abwehrfront gegen die vorrückende italienische Armee befestigt. Neben den Überresten der Artilleriestellung belohnte vor allem der Blick hinunter auf Bovec den heftigen Aufstieg. Wir erweiterten die Runde um im Dorf noch ein paar Einkäufe zu tätigen. Im Laufe des Nachmittags brauten sich wiederum Wolken zusammen und bald regnete es wieder.

Auf dem Weg zur Küste machten wir einen Abstecher zur Burg Predjama. Das eindrückliche Bauwerk ist unter einer überhängenden Felswand richtiggehend in den Berg hineingebaut. Die nackten Felsen wurden zum Teil als Rückwände integriert. Der Preis dafür war ein feuchtes und kaltes Heim, insbesondere für die weniger Privilegierten der Besatzung.

Nun war es nicht mehr weit bis an die Küste, wo wir das hübsche Städtchen Piran besuchten. Das gut erhaltene Zentrum schmiegt sich an einen Felsrücken auf welchem zuoberst auch eine Kirche erbaut worden war. Von dort geniesst man entsprechend eine Aussicht auf das weite Meer. In den engen Gassen reihen sich die Restaurants, Bars und Shop um die vielen Besucher zum Geldausgeben zu verleiten.

Nicht viel weiter südlich überschritten wir die Grenze zu Kroatien. Während es in unserer Fahrtrichtung kaum Fahrzeuge und daher auch nur wenig Zeitverlust gab, musste die Leute in der Gegenrichtung ziemlich viel Geduld aufbringen. Der Eintritt in den Schengenraum verlangt offensichtlich nach strengeren Kontrollen, Fazit davon, ein Kilometer langer Stau…


Kroatien

Istrien und die Plitvicer Seen

Wir kamen in einem der monströs grossen Campingplätzen bei Umag unter. Wild campen ist wie schon in Slowenien gesetzlich verboten. In Kroatien wird das vor allem an der Küste recht restriktiv durchgesetzt. Die Bussen liegen bei 80 CHF, pro Person, wohlverstanden.

Istrien bietet vor allem Meer und einige guterhaltene, alte Küstenorte. Wir peilten als erstes Porec an. Obschon wir recht früh morgens eintrafen, waren wir nicht die einzigen Besucher. Die Parkplätze rund ums Zentrum waren schon gut besetzt und in den Gassen war schon Hochbetrieb. Nebensaison ???  

Rovinj war nicht ganz so überlaufen und auch sehr nett. Um dahin zu gelangen mussten wir den sogenannten istrischen Fjord, den Limski Kanal, umfahren. Der lange Einschritt ist eine Art Kuriosum in dieser Gegend und wird vor allem zur Muschelzucht genutzt. Da der Tag doch schon fortgeschritten war, übernachteten kurz vor Pula und besuchten die Stadt am anderen Morgen. Bekannt ist diese Stadt vor allem für sein guterhaltenes, römisches Amphitheater. Aber auch in der Altstadt trifft man öfter mal auf römische Überbleibsel. Wir folgten der Küste bis Rijeka und fuhren dann in die Berge hoch zum Risnjak Nationalpark. Die Landschaft änderte sich fast schlagartig von kargen Felsen mit etwas Buschbewuchs hin zu saftig grünen, dichten Wäldern in fast 1600 müM. Beim Park wollte man uns erst mal je 7 Euro Eintritt abknöpfen. Da aber in der besuchten Gegend nur ein 3 km langer Wanderweg durch den Wald angeboten wird, verzichteten wir schliesslich. Da auch noch keine gescheite Üernachtungsmöglichkeit zu finden war, streckten wir die Etappe und fuhren noch fast zwei Stunden weiter. Nur noch eine Fahrstunde vor den Plitvicer Seen fanden wir was wir erwartet hatten.

Der Reiseführer hatte empfohlen die Altstadt von Slunj, das Quartier Rastoke, zu besuchen. Für uns war es eher enttäuschend, denn primär war es einmal mehr eine Ansammlung von Touristikbetrieben. Die Wasser-durchflossene Landschaft ist zwar ganz nett, aber historisch interessante Gebäude sucht man vergebens.

Nun war es nicht mehr weit zum Nationalpark der Plitvicer Seen. Wir wollten Tickets für den Folgetag besorgen, mussten aber erfahren, dass man diese entweder mindestens zwei Tage im Voraus online oder dann an der Tageskasse, sofern noch welche zu haben sind, beschaffen muss. Eine Recherche auf der Webseite ergab, dass noch ein grosses Kontingent vor Ort verfügbar sein würde.

Um dem erwarteten Ansturm etwas auszuweichen, standen wir bei der Öffnung des Park um 7 Uhr am Eingang und kauften die Tickets. Wir wanderten fast zwei Stunden durch den oberen Teil des Seengebiets ohne dass wir auf viele Besucher trafen. So genossen wir die Wasserfälle und die glasklaren Seen, auch wenn das Wetter nicht wie erwartet aufklarte.

Mit dem park eigenen Bus fuhren wir zum unteren Teil. Dort hingegen waren unterdessen schon viele Besucher eingetroffen. Dicht drängten sich die Leute auf den schmalen Stegen, aber man konnte die herrliche Landschaft natürlich trotzdem bewundern. Schliesslich nutzten wir auch noch die Bootsverbindung zurück zum Eingang 2, wo wir das Auto geparkt hatten. Auf dem Weg zum Parkplatz kamen uns die Besucher nun in Scharen entgegen und wir waren froh dass wir so früh gestartet waren.


Bosnien und Herzegowina

Una Nationalpark und die Region Mostar

Auf der Webseite des Una Nationalparks hatten wir gelesen, dass man den Hauptgrenzübergang besser meide, weil es dort oft zu Stau kommt weil viel gewerblicher Verkehr abgefertigt wird. So fuhren wir einen Umweg durch die schönen Berge an der kroatisch-bosnischen Grenze. Zweimal kamen wir an einer Polizeikontrolle vorbei, aber da wir nicht kroatisch und der Polizist keine Fremdsprache beherrschten, wurden wir bald weiter gewinkt.

An der Grenzstation machte uns ein Zöllner scherzend darauf aufmerksam, dass die Flagge von Bosnien und Herzegowina auf der Autotür fehle. Lachend klebte Ueli diese sofort auf, dass wir uns alle fröhlich und als Freunde verabschiedeten.

Auf einer steilen und schmalen Bergpiste fuhren wir im Una Nationalpark an die Una hinuter um uns dort den eindrücklichen Wasserfall Strbacki Buk anzuschauen. In mehreren Stufen fällt der breite Wasserfall hinunter und kreiert schöne klare Becken. Früher wurden hier zudem viele Getreidemühlen mit dem reichlich vorhandenen Wasser betrieben. Bei Martin Brod fanden wir direkt am Fluss in einem Campingplatz der Parkbehörden einen schönen Übernachtungsplatz, sogar mit warmen Duschen.

Am Morgen war der Himmel nebelverhangen und führte zu herrlichen Stimmungsbildern. Spinnweben in den Bäumen glitzerten im Sonnenlicht. Der Norden Bosnien und Herzegowinas hatte im Krieg stark gelitten. Spuren davon sieht man heute noch. Die kleinen Dörfer sind weitgehend entvölkert, viele Häuser nur Ruinen. Die ganze Gegend wird auch landwirtschaftlich kaum noch genutzt. Ein recht bedrückendes Bild. Je näher man Mostar kommt, desto mehr Verkehr kommt auf. Die Gegend ist wieder besiedelt und viele neue Gebäude zeugen von der Aufbruchstimmung des Landes.

In Mostar liessen wir uns von einem Taxi vom Campingplatz in die Altstadt fahren. Einmal mehr Massenandrang aus allen Herrenländern. Die berühmte Brücke über die Neretva ist schon sehr eindrücklich und auch das Quartier um das Bauwerk herum ist trotz Massentourismus sehenswert. Die Brücke wurde während dem Jugoslawienkrieg durch kroatische Panzer zusammengeschossen und ist erst 1995 mit grossem Aufwand neu aufgebaut worden. Inzwischen hat sich Mostar zu einer sehr bekannten und beliebten Destination entwickelt und hilft die ganze Region zu entwickelt.

Nicht weit von Mostar liegt Blagaj mit dem bekannten Derwisch Kloster direkt an der Quelle der Buna gelegen. Man darf das Kloster besuchen, Frauen müssen aber ein Kopftuch und einen Rock tragen, beides wird aber zur Verfügung gestellt. Auch Männer müssen auf Shorts verzichten. Obschon rings um das Kloster auch Restaurants und Läden im Überfluss hat, ist das Kloster selber noch immer eine Oase der Ruhe. Die mächtige Buna Quelle entspringt hier direkt aus einer Berghöhle.

Bevor wir das Meer bei Dubrovnik wieder erreichten, machten wir einen Mittagshalt in Trebinje. Da Wochenende war, herrschte ziemlich Betrieb, hier aber eher Einheimische Besucher und Kroaten. Mitteleuropäer sah man wenige. Unser letzten Mark investierten wir in ein Cevapcici, ein gern gegessener Fastfood Snack im Balkan.

Der Grenzübergang nach Kroatien war schnell hinter uns und wir richteten uns im netten Kamp Kate ein, nur ein paar Kilometer südlich von Dubrovnik.   


Kroatien

Dubrovnic

Mit dem Bus fuhren wir nach Dubrovnik hinein. Beide waren wir vor Jahren schon mal hier gewesen. Die Stadt war immer schon ein Anziehungspunkt für Touristen gewesen, aber wie sich das in den letzten Jahren entwickelt hat ist schlicht und einfach krank.

Wir waren um halb zehn angekommen und da war alles noch einigermassen im erträglichen Rahmen. Im Laufen von nur knapp zwei Stunden sah es aber in der Hauptgasse aus wie an der Basler Fasnacht. Dichtgedrängt schob man sich durch die Gassen und Strassen. Dazu kommt, dass man sich das alle sehr gut bezahlen lässt. Der Zugang zur Stadtmauer, diese bietet die beste Sicht auf die Stadt selber, kostet zum Beispiel alleine schon 35 CHF pro Person. Ok man kann für 45 CHF auch gleich einen Tagespass kaufen, welcher den Zutritt zu fast allen Sehenswürdigkeiten beinhaltet. Nun, wir beschlossen bald mal zurückzukehren und wählten dazu ein Wassertaxi, welches uns zwei alleine nach Mlini zurückbrachte. Nachdem wir uns umgezogen hatten gingen wir die vielen Stufen nochmal hinunter an den Strand und kühlten uns im klaren Wasser der Adria ab.


Montenegro

Kotorbucht und die Bergregion

Nur ein paar Kilometer entfernt gelangten wir über die nächste Grenze auf unserer Reise nach Montenegro. Bei uns noch nicht so bekannt waren wir gespannt darauf was uns erwartet. Ein erster Eindruck des Landes erhielten wir, als wir den Ferienort Herceg Novi, am Eingang der Kotor Bucht, in seiner ganzen länge durchfuhren. Auch hier herrschte zu unserer Überraschung noch viel Betrieb. Es scheint vor allem für Einheimische und Landesnachbarn ein beliebter Ort zu sein um Ferien zu verbringen.

Wir umfuhren die aus mehreren Becken bestehende Bucht. Sie wird von hohen Bergen umrahmt und ist landschaftlich sehr reizvoll. In Perast am Ostufer schauten wir uns den Ortskern an. Bekannt war der Ort vor allem für seine kompetenten Seeleute, welche weltweit unterwegs waren. Vorgelagert sind zwei kleine Inseln mit einem Kloster beziehungsweise einer Burg drauf.

In Kotor herrschte Ausnahmestimmung. Der Verkehr durch die engen Strassen war chaotisch. Nach einigem Suchen fanden wir einen Parkplatz und besichtigten die Altstadt. Wiederum ein herrliches Städtchen, aber eben wir waren nicht die Einzigen, die das herausgefunden haben. Zum Glück waren die Passagiere der zwei eingelaufenen Kreuzfahrtschiffe nicht auch schon an Land gebracht worden.

Auf einer schmalen Bergstrasse mit unzähligen Serpentinen ging es steil hinauf Richtung Lovcen Nationalpark. Wir hatten bereits gelesen, dass die Busse und andere grosse Fahrzeuge auf dieser Strecke immer wieder zu zeitraubenden Kreuzungsmanövern führen. So kam es, dass alle paar Minuten zurückgesetzt werden musste um andere Fahrzeuge kreuzen zu können. Bald hingen wir hinter einem bergwärts fahren Reisebus fest. Der Vorteil war allerdings, dass jeweils die talwärts fahrenden zurücksetzten mussten um ihn durchzulassen. Schliesslich hatten wir es aber geschafft und waren oben. Wir konnten noch einmal die Aussicht auf die Kotor Bucht geniessen. Wir wollten ein Buschcamp zum Übernachten anfahren. Auf steiniger und schmaler Piste fuhren wir ein paar Kilometer von der Teerstrasse ab. Leider mussten wir feststellen, dass genau an diesem schönen Übernachtungsplatz Nebel aufgestiegen war und nicht nur die Aussicht versperrte sondern auch feuchte und windige Bedingen geschaffen hatte. So zogen wir es vor einen windgeschützten Platz weiter unten und an der Sonne zu suchen.

Früh am Morgen waren wir bereits beim nahen Mausoleum des Dichters Njegosev. Wie man dieses monumentale Bauwerk auf diesem Berggipfel errichten konnte, können wir uns nicht vorstellen. Riesige Steinquader und tonnenschwere Statuen wurden verbaut. Nicht nur das Bauwerk ist sehr eindrücklich sondern vor allem auch die Aussicht rundherum.

In der Ferne konnten wir sogar die Durmitor Berge ausmachen, unser Tagesziel. Vorher besuchten wir aber noch die alte Hauptstadt Montenegros, Cetinje. Witzig dort noch alte Villen zu sehen in welchen die früheren Botschaften untergebracht waren. Einige historische Gebäude sind auch noch vorhanden, eine kleine Fussgängerzone lädt zum Spaziergang ein. Dann führte die Strecke hinunter in die neue Hauptstadt Podgorica. Wir umfuhren diese allerdings und machten uns auf den Weg zum Durmitor Nationalpark.

Wir kamen am frühen Nachmittag an um hatten so gut Zeit die Wanderung um den „Schwarzen See“ unter die Füsse zu nehmen. Auf steinigen, zum Teil steilen Wegen umrundeten wir den mit einer schmalen Landbrücke verbundenen Doppelsee.

Die Fahrt durch die Tara Schlucht erfüllte unsere Erwartung nicht ganz. Denn was als einer der tiefsten Canyons der Welt angepriesen  wird, ist eigentlich nur ein enges, bewaldetes Tal. Auf weiten Strecken unbewohnt ist es aber eine wilde Landschaft und auch durchaus auch sehenswert.

Am Weg lag dann noch der Biogradska Gora Nationalpark mit seinen Urwäldern. Ein 3 km langer Wanderweg führt um den See herum mitten durch weitgehend unberührte Wälder mit einigen ansehnlichen Exemplaren. Eindrücklich war dann auch die Fahrt hinunter auf Meereshöhe. Die Strecke führt durch einem wirklich eindrücklichen Canyon. Wir besuchten das Kloster Moraca, eine sehr schöne Klosteranlage, von orthodoxen Christen betrieben.

Bald erreichten wir die Grenze zu Albanien. Obschon es nur wenig Verkehr hatte, dauerte es eine gute halbe Stunde bis wir durch waren. Direkt am Shkodra See checkten wir in einen eleganten und gut besetzten Camping ein


Albanien

Am Tag darauf fuhren wir in die nahe Stadt Shkodr um uns umzusehen. Da herrschte aber ein ziemliches Verkehrschaos und einen Parkplatz zu finden war schier unmöglich. So fuhren wir nochmal zum Zentrum heraus um uns eine nahe, fotogene Brücke anzuschauen. Die elegante Bogenbrücke überspannt das zu dieser Jahreszeit trockene Flussbett.

Beim zweiten Anlauf fanden wir schliesslich einen Parkplatz direkt an der Fussgängerzone. Uns fiel bald auf, dass in den Kaffees und Bars in erster Linie junge, adrett gekleidete Männer mit fetten Handys anzutreffen waren. Dies war nicht das erste Mal, dass uns das auffiel. Es scheint in allen Balkanländern auszudrücken, wie hoch die Arbeitslosigkeit der jungen Bevölkerung ist. Wovon die Leute aber leben und wie sie sich die oft schicken Autos leisten können, blieb uns verschlossen.

Shkodr hat für unseren Geschmack nicht sehr viel zu bieten. Neben und entlang der Fussgängerzone gibt es wenig interessantes zu sehen. Zum „People watchen“ aber eine gute Gelegenheit.

In die Berge Albaniens

Online hatten wir einen Platz auf der Koman See Fähre von Alpin einen Platz reserviert. Diese fährt um 1300 Uhr, sodass wir gut Zeit hatten von Shkodr zur Anlegestelle zu fahren. Zeit braucht man unbedingt, denn die letzten 20 Km bis zum Stausee haben es in sich. Die Strasse ist wohl geteert, aber Schlaglöcher und Absenkungen drücken schwer aufs Tempo. Auch mit unserem robusten Auto brauchten wir schliesslich 1 ½ h für die 60 km.

Die Autos für die Fähre wurden unterhalb der Staumauer geparkt und dort wartet man bis die Fähre zum Verladen bereit ist. Pünktlich legte diese ab und eine herrliche Fahrt über den langgezogenen, oft von hohen Bergen umrahmten See, begann. Gut zweieinhalb Stunden  dauerte die abwechslungsreiche Reise nach Fierze. Bei bestem Wetter genossen wir die immer wieder ändernde Landschaft. Kaum ein Zeichen von Zivilisation auf weiter Bereichen der Route. Nach dem Anlegen fuhren wir hoch nach Valbone auf etwa 1200 müM. Mitten in einer eindrücklichen Bergwelt, den Dolomiten nicht unähnlich.  Ganz ans Ende der Piste konnten wir nicht fahren, denn die „Raid Albania“, eine offenbar recht interessante und anspruchsvolle Off-Road Veranstaltung hatte ihr Biwak rund um ein Hotel angelegt und so die Piste in Beschlag genommen.

Schade war eigentlich nur, dass wie so oft auf dem Balkan, entlang der Strasse und den angrenzenden Orten überall Müll rumlag. Das leider auch in diesem Nationalpark. Wir verbrachten eine ruhige Nacht, auch wenn das Thermometer nachts auf 0 Grad fiel.


Kosovo

Am Morgen fuhren wir wieder talauswärts und gelangten bald an die Grenze zum Kosovo. Obschon nur ein paar Autos vor uns waren, zog sich die Ausreise schon etwas in die Länge. Bei der Einreise mussten wir feststellen, dass der Kosovo nicht auf der grünen Versicherungskarte aufgeführt ist. Das bedeutete,  wir mussten eine Grenzversicherung kaufen. Die kürzeste Dauer ist 15 Tage und da wir nur ein kurzes Stück, quasi im Transit, fuhren, trotz des bescheidenen Preises von 15 Euro (ja der Kosovo hat den Euro als offizielle Währung eingeführt) eine teure Versicherung.

Aufgefallen ist uns sofort, wie viel stärker die Region besiedelt ist und wie viel mehr Gewerbe und Industrie man entlang der Strasse feststellen konnte. Auch die Häuser wirkten gediegener, fertiger als in den Ländern zuvor. Wir hatten die Route durch des Westen Kosovos vor allem aus praktischen Gründen gewählt, weil wir so einfacher in den Nordwesten Nordmazedoniens gelangen konnten.

Vorbei an der Stadt Prizren gelangten wir in den Nationalpark "Malet e Sharrit" an der Grenze zu Nordmazedonien. Davon bemerkt man aber der Strasse entlang wenig. Dörfer und landwirtschaftlich genutztes Land lassen den Eindruck von Natur und Wildnis etwas vermissen. Auf dem Pass, machten wir halt und schauten uns etwas um. Es scheint ein beliebter Platz für einen Ausflug oder Pic Nic zu sein, denn es herrschte Hochbetrieb.

Kaum im Tal unten angekommen, stieg die Strasse wiederum an bis hoch an die Nordmazedonische Grenze.


Nordmazedonien

Die Grenzformalitäten waren schnell erledigt, wenn auch hier die paar Autos Zeit brauchten bis sie abgefertigt waren. Man ist sich das Warten an der Grenze in Europa einfach nicht mehr gewohnt.

In Tetovo wollten wir Brot kaufen, hatten aber noch keine Denar wechseln können. Auf Zeichenspracheanfrage verstanden wir, das wir auch mit Albanischen Lek zahlen können. Da wir aber nur eine Tausendernote (= ca. 10 CHF) hatten, konnte die Verkäuferin nicht herausgeben. Wir wollten schon unverrichteter Dinge abziehen, als uns das Brot „einfachheitshalber“ geschenkt wurde. Grosszügigkeit im Balkan!!

Am Mavrovi Stausee, mitten im gleichnamigen Nationalpark, fanden wir ein schönes Buschcamp. Ein grosser Schäferhund gesellte sich zu uns und fühlte sich offenbar wohl in unserer Gegenwart. Er bekam unser altes Brot, welches er genussvoll verschlang. Seine Zugehörigkeit und Loyalität bewies er später am Abend allerdings nicht zu unserer Freude: Er hielt auch schon nicht vorhandene, aber halt potenzielle Angreifer, durch anhaltendes bellen fern. Zweimal versuchte Ueli den Hund zu beruhigen und dann zu vertreiben, aber erst gegen Morgen verstummte er endlich.

Nicht weit entfernt kamen wir am Morgen am Kloster Sveti Jovan Bigorski vorbei. Es entpuppte sich als eines der eindrücklichsten und schönsten seiner Art. Da wir früh dort waren, hatte es auch kaum andere Besucher, sodass der Eindruck der Ruhe des Ortes noch viel stärker zum Ausdruck kam.

Ein Abstecher führte und in das Bergdorf Vevtschani, unweit unserer Route gelegen. Neben ein paar alten Gebäuden und einer kleinen aber netten Kirche waren vor allem die Quellen zu besichtigen, welche das Dorf mit Wasser versorgen. Noch heute leiten mehrere „Suonen“, offene Wasserkanäle, das Wasser in den Ort hinunter durch die Gärten der Bewohner.

Nächster Halt war Ohrid, am gleichnamigen, riesengrossen See gelegen. Da Wochenende war, herrschte auch hier Hochbetrieb. Es scheint auch bei Einheimischen ein beliebter Ausflugsort zu sein. Ausflugsdampfer hatten Hochkonjunktur und stiessen vollgepackt mit Gästen reihenweise in See. Die kleine Altstadt am See war aufgeräumt und recht nett. Die vielen Strassenrestaurants und Kaffeehäuser waren gut besetzt, an der Uferpromenade wimmelte es von Spaziergängern.

Am Südostufer des Sees kann man eine nachgebaute Pfahlbauersiedlung besichtigen. Das sehr gut rekonstruierte Dorf vermittelt einem eine Idee wie die Leute dazumal gelebt haben müssen. In der Nähe hatten Taucher die Überbleibsel eine Siedlung entdeckt. Darauf wurde der Fundort archäologisch untersucht und auf den Resultaten basierend eben diese Replik erstellt.

Am Südufer überquerten wir die Grenze zurück nach Albanien. Auch hier wieder die „übliche“ halbe Stunde Geduld bis alles erledigt war.

Direkt am Ohridsee richteten wir uns im sehr schön angelegten Abri Camping ein. Im dazugehörigen Restaurant genossen wir eine feine Ohrid Forelle, ein beliebter Speisefisch welcher nur hier zu fangen ist. Da wir unsere verbleibenden Denar nicht wie geplant in Diesel umwandeln konnten, waren wir froh die restliche Mazedonische Währung für Camping und Nachtessen loszuwerden.


Albaniens Süden

Durch die Berge führte unsere Route nun Richtung Küste. Um nach Berat zu gelangen nahmen wir einen kleinen Umweg in Kauf. Die Stadt ist bekannt für seine alten, osmanischen Gebäude. Die Stadt liegt am Fluss Lumi i Osumit und die zwei Stadtteile werden durch eine elegante Bogenbrücke verbunden. Auch wenn die Altstadt durchaus Besuchens wert ist, viele Ausländer haben das offenbar noch nicht bemerkt. Nur wenige nicht Albanische Besucher trifft man heute.

Für die Küste hatten wir von Campnachbarn einen Buschcamping Tip erhalten. Bei Vlora fuhren wir deshalb hinaus zur äusseren Begrenzung der grossen Lagune. Wegen des starken Windes suchten wir uns einen Platz direkt am Strand, wo wir uns hinter ein paar Bäumen in den Windschatten stellten.

Direkt vor unserer „Haustür“ schnatterte eine grosse Gruppe Flamingos im seichten Wasser.

Der Morgen begrüsste uns mit einem fantastischen Lichtspiel. Die goldenen Sonnenstrahlen guckten hinter den dunkeln Wolken hervor und spiegelten sich im Wasser der Lagune, Kino direkt vom Bett aus beobachtet.

Der Küste entlang ging es nun weiter südwärts. Bis auf 1000 müM hoch schraubte sich die Strasse um in vielen Kehren wieder ans Meeresufer hinunter zu gelangen. Die Strasse bis Saranda schien nicht enden zu wollen. Kaum einmal 200 m gerade Strasse, verlangte die Strecke stetiges kurbeln am Lenkrad. Zwischendurch kamen wir durch einen kleinen, noch bescheidenen Badeort, ansonsten kaum bebaute Küstenlandschaft.

Der Nationalpark Buntrit bietet vor allem eine sehr interessante, archäologische Stätte. Auf einer Halbinsel kann man die Ruinen einer Stadt besichtigen welche von mehreren Kulturen immer wieder aus- und umgebaut worden ist. Ob Römer, Osmanen, Griechen oder Byzantiner, alle haben ihre Spuren hinterlassen. Grosse Teile der Stadt inklusive Teile der umfassenden Stadtmauer sind zumindest teilweise erhalten geblieben. Der Besucheransturm machte die Wichtigkeit dieser Fundstätte deutlich. In Sprachen aller Herren Länder hörte man die Kommentare der unzähligen Reiseleiter, welche ihre mehr oder weniger fiten Besucher über die steinigen Wege scheuchten.

Eine primitive Fähre brachte uns und unseren Camper ans andere Ufer des nahen Kanals. Auf dem Weg nach Gjirokastra machten wir noch einen kleinen Abstecher zum „Blauen Auge“. Dabei handelt es sich um eine kristallklare Quelle welche in einem grünen Tal einfach so aus der Erde drückt und einen regelrechter Fluss kreiert. Saisonal bis 9000 l/Sek treten hier an die Oberfläche. Ein herrliches Farbenspiel und eine eindrückliche Wasserpflanzenwelt erfreuen das Auge .

Gjirokastra ist auch einer der Orte die gerade erst für den Tourismus „entwickelt“ wird. Die alten osmanischen Paläste werden zunehmend restauriert und oft auch umgenutzt. Noch ist vieles im Entstehen begriffen, aber man bekommt schon heute einen guten Eindruck von den Ursprüngen der Stadt welche von reichen, osmanischen Händler  zur Blüte gebracht worden war.

Wieder war eine Grenze in Sicht: Griechenland. Hier dauerten die Ausreiseformalitäten die übliche halbe Stunde, hingegen wurden wir auf der griechischen Seite bei der Einreise bevorzugt abgefertigt, 30 Sekunden.  


Griechenland

Wir machten uns auf den Weg zum Pindov Nationalpark. Dieser ist einerseits für seine wilde Berglandschaften mit tiefen Schluchten bekannt, andererseits befinden sich im Bereich des Naturschutzgebiets unzählige alte Bergdörfer mit ihrer typischen Architektur.

Nach knapp einer Stunde erreichten wir die westliche Parkgrenze und fuhren hoch ins Dorf Papingo. Am Ende der Strasse liegt dann noch Micro Papingo, ein zugehöriger Weiler. Dort im Nationalpark Infocenter holten wir uns Informationen zum Park. Die Dörfer waren lange Zeit völlig von der Umgebung abgeschottet, denn lange führten nur Saumpfade in die Berge. Dem ist es zu verdanken, dass viele Dörfer noch weitgehend authentische Dorfkerne haben. Lange waren sie aber auch verlassen und erst durch den einsetzenden Tourismus fanden einige Bewohner wieder ein Auskommen und kehrten zurück. Unterhalb des Dorfes liegen in einem kleinen Tal ein paar Wasserlöcher und Felsformationen. Die künstlichen Becken waren aber bereits entleert, sodass nur noch die Landschaft blieb.

Um näher an die Vikos Schlucht zu gelangen fuhren wir noch hinüber nach Monodendri und fanden abseits der Strasse ein ruhiges Camp. Der Bauer fuhr zwar noch zwei drei Mal vorbei, grüsste uns aber freundlich. Am Morgen fuhren wir noch hinaus zum Aussichtspunkt Oxia von wo man eine der besten Aussichten auf die mächtige Schlucht geniesst.

Nach einem kurzen Rundgang durch Monodendri fuhren wir an den Fluss hinunter und machten diesem entlang eine kurze Wanderung von der Kokorris zur Misiou Brücke, zwei der vielen alten Brücken in der Region. Die zwei bis drei Hundert Jahre alten Brücken sind beeindruckend. Schmale, zierliche Bogenbrücken mit ein bis drei Bögen überspannen den im Sommer wasserlosen Fluss an vielen Stellen. Viele der Brücken sind erhalten geblieben, das spricht für deren Qualität. Bei der Misiou Brücke ist auch einer der vielen Treppen, diese führt nach Vitsa hinauf.

Zurück beim Auto fuhren wir weiter durch die Berge und besichtigten noch einige der imposanten Brücken und Dörfer. Eigentlich hatten wir geplant, am Aoos Stausee zu übernachten. Das Wetter hatte aber in den Bergen zu gemacht und die Temperatur auf 1400 müM war merklich kühler geworden. Das bewegte uns noch bis zu den Meteora Klöstern weiter zu fahren.

Die Meteora Klöster

Wir fanden direkt unterhalb und in Sichtweite der Klöster ein nettes Buschcamp auf einem kleinen flachen Plateau und genossen das warme und sonnige Wetter.

 Am Morgen waren wir dann auch innert Minuten beim grössten und meistbesuchten Kloster, den Metamorphosis. Obschon wir bereits zur  Öffnungszeit um  neun Uhr eintrafen, waren bereits einige Busse und viele Autos vor Ort. Der anfängliche Andrang legte sich aber bald und in der grossen Anlage verteilten sich die Leute auch gut. Fast schon ein Dorf, so gross ist die Klosteranlage mit mehreren Gebäuden, Werkstätten und Kirchen. Sehr eindrücklich was die Mönche da geschaffen haben. Ursprünglich war der Zugang zu den Klöstern nur mittels Seilwinden möglich. Erst vor kurzer Zeit hat man für die vielen Besucher Treppen und Brücken gebaut um bequemer in die Anlagen zu gelangen.

Das Kloster Rousanou war im Gegensatz sehr viel kleiner und sitzt auf einem Felsturm. Im Laufe der Zeit hatte man am Fusse des Klosters Erweiterungsbauten zugefügt. Nur ein kleiner Teil der Anlage auf dem Fels ist für Besucher zugänglich. Als letztes Kloster besuchten wir noch Triada. Dieses Kloster sitzt wie ein Adlernest auf einer 500 m hohen Felsennadel. Auf der Plattform hat es aber immerhin genug Platz um auch einen kleinen Park und Garten anzulegen. Auch hier waren wir beeindruckt und zugleich verwundert, wie man es vor so langer Zeit geschafft hatte, solche Anlagen in so exponierter Lage zu Bauen und zu Betreiben.

Auf kleinen Landstrassen fuhren wir schliesslich durch die karge Bergwelt, vorbei am Olymp an die Küste.

 

Der Olymp

Nun, den fast 3000 m hohen Olymp haben wir nicht bestiegen, aber in den östlichen Abhängen genossen wir eine interessante Wanderung durch die Enipeas Schlucht. Nach der Konsultation des Besucherzentrums in Litachoro parkten wir das Auto beim Kloster Dionysios und stiegen erst mal zur Grotte Dionysios ab. Hier war die erste kleine Kapelle errichtet worden, bevor das grosse Kloster 1 km Schlucht aufwärts schliesslich gegründet wurde. Wir folgten der Schlucht aufwärts bis Prionia wo man auf den Parkplatz am Ende der Strasse trifft. Von hier aus kann man, nebst anderen Routen, der Olymp besteigen, noch gut 2000 Höhenmeter weiter.

Wir machten uns aber wieder auf den Rückweg und besichtigten das Kloster noch bevor wir an die Küste zurückfuhren.

Thessaloniki

Eigentlich mögen wir ja Grossstädte nicht besonders, aber Thessaloniki lag einfach an unserer Route, sodass wir einen kurzen Zwischenhalt einlegten. Wir konnten trotz des Verkehrschaos ganz in der Nähe des weissen Turms in einem Parkhaus parken. Von dort schlenderten wir durch das nahe Zentrum der Stadt. Neben dem Wahrzeichen der Stadt, dem weissen Turm, sind wenig historische Bauten zu bestaunen. Verstreut und eingebaut in moderne Gebäude findet man die Überreste eines römischen Stadttors, einige alte Moscheen und Paläste. Wir hatten uns auf den grossen Markt gefreut, mussten aber feststellen, dass dieser zurzeit oder auch für immer geschlossen war. Der Uferpromenade entlang gingen wir zum Auto zurück.

Chalkidiki

Südwestlich von Thessaloniki ragen drei Halbinseln wie Finger ins Meer hinaus, Chalkidiki. Zum Übernachten fuhren wir auf die westlichste Halbinsel, Kassandra, hinaus. Beim Leuchtturm von Possidi wollten wir uns am Strand einrichten. Allerdings wurden wir von einem Weichsandfeld überrascht und bevor Ueli zurückschalten konnte, sassen wir fest. Erst nachdem wir den Reifendruck auf 1 bar abgelassen hatten, konnten wir uns rückwärtsfahrend befreien. So übernachteten wir halt 50 m vom Ufer entfernt. Die Sonne ging über dem Olymp unter und wir genossen eine sehr ruhige Nacht.

Am Morgen fuhren wir zu einem Naturschutzgebiet hinauf. Dieses ist bekannt für seinen kleinen See, welcher gleich drei Arten von Wasserschildkröten beherbergt. Da es noch früh morgens war und die Temperaturen entsprechend kühl, zeigten sich erst wenige der scheuen Tiere, aber ein paar konnte wir dann doch sichten.

Der Nordostzipfel Griechenlands

Um auf dem Landweg in die Türkei zu gelangen, mussten wir den schmalen Landstreifen im Osten Griechenlands durchqueren. Dieser Landstrich ist touristisch kaum erschlossen, nicht zuletzt weil die Gegend nicht allzu viel Sehenswürdigkeiten bietet und von der Landwirtschaft dominiert wird. Deshalb beschränkten wir uns darauf die Autobahn zu vermeiden und der Küstenstrasse zu folgen. Schon im Bereich des Nationalparks des Nestos Deltas fanden wir am Strand einen netten Übernachtungsplatz. Ein etwas exzentrischer Mann der in der Nähe in einer Hütte lebt, hatte uns empfohlen etwas dem Strand entlang zu fahren, auch wenn es nahe der Strasse einen schönen Platz hat. Ein naher Campingplatzbesitzer habe auch schon die Polizei gerufen, wenn er Wildcamper beobachtet hatte. Grundsätzlich ist ja wildcampen in ganz Griechenland verboten.

Bis zur türkischen Grenze nutzen wir schliesslich doch noch die Autobahn um nicht durch Alexadroupoli fahren zu müssen. Da es kaum Verkehr hatte auf diesem Abschnitt erwarteten wir einen schnellen Grenzübertritt. Allerdings stauten sich die Lastwagen auf mehr als 6 Km. Wir konnten aber ohne Probleme an diesen vorbeifahren. Ein paar Autos waren zwar vor uns, aber auf griechischer Seite waren wir bald abgefertigt. Auf der Brücke des Grenzflusses waren auf beiden Seiten bewaffnete Militärwachen, welche wohl zu verhindern haben, dass illegale Immigranten die Grenze überqueren. Immerhin handelt es sich um eine Schengen Aussengrenze.

Die Türken benötigten dann etwas länger für die Abfertigung, aber nach einer weiteren halben Stunde waren wir auch hier durch. Die Wartezeit nutzten wir denn auch gleich um am Bancomaten türkische Lire zu beziehen. Der Kurs war zwar schlecht, die Gebühren mit 10 CHF hoch, aber was will man machen.


Türkei

Der Nordwesten des Landes

Wir fuhren zur Fähre welche uns nach Canakkale bringen sollte. In der Wartezone ist ein interessantes Display eingerichtet welches die tragische Schlacht von Gallipoli thematisiert. Im 1. Weltkrieg war es in der Gegend zu einer der blutigsten Kämpfe gekommen. Um türkische Truppen zu binden, hatten australische und neuseeländische Armeeeinheiten den Auftrag erhalten, sich bei Gallipoli den Türken entgegenzusetzen. Die Schlacht währte Monate und bei Seiten bluteten in den Grabenkämpfen mehr und mehr aus. Tausende starben, nur um Truppen zu binden, sodass die Engländer es leichter hatten an ihrer Front. Noch heute pilgern Neuseeländer und Australier an diesen Ort der schrecklichen Erinnerungen.

In einer halben Stunde waren wir mitten im Verkehrschaos von Canakkale. Nicht mehr weit und wir richteten uns in einem Camping direkt an der viel befahrenen Wasserstrasse ein. Bei der Weiterfahrt machten wir einen Abstecher auf kleinen Landstrassen zur Spitze einer Halbinsel wo sich das Fischerdorf Babakale befindet. Ausser einem alten Fort und einer schönen Lage gab es für uns in dem verschlafenen Nest nicht viel zu sehen. In Assos machten wir erneut Halt um die sehenswerten Ruinen zu besuchen. Auf einem Bergrücken liegen die Überreste einer einst bedeutenden Stadt. Die grandiose Aussicht entlang der Küste entschädigt für den steilen Aufstieg durch die vielen Restaurants und Souvenirläden. Abends fanden wir einen schönen Stellplatz in einem Naturreservat.

Die Ruinen von Bergama und Sardes

Nur eine Stunde Fahrzeit benötigten wir danach um eine weiteres Zeugnis alter Kulturen zu erreichen. In Bergama liegt wiederum auf einem Berg eine imposante Anlage. Zu einem grossen Teil sind nur noch die Fundamente erhalten, aber am höchsten Punkt steht eine Tempelanlage mit mächtigen Marmorsäulen und herrlichen Steinmetzarbeiten. Auch das Amphitheater welches in den steilen Berghang integriert worden war, ist durchaus eindrücklich.

Durch ein breites Tal mit viel Landwirtschaft, eben hatte die Melonenernte begonnen, ging es weiter südwärts. Da die Ruinen von Sardes an unserer Route lagen, machten wir einen weiteren Stopp. Viel hatten wir nicht erwartet denn viele Informationen hatten wir nicht. Umso überraschter waren wir von der Qualität der Anlage. Auch hier hatten so ziemlich alle vergangenen Kulturen ihren Stempel aufgedrückt. Römer, Griechen, Byzantiner und natürlich die Osmanen hatten hier ihre Spuren hinterlassen. Die gut erhaltenen Badeanlagen und Tempel sind sehr beeindruckend. Noch hat es wenig Besucher und der Eintrittspreis ist bescheiden, das könnte sich bald ändern.

Pamukkale

Mangels Übernachtungsmöglichkeiten fuhren wir noch bis Pamukkale. Am Morgen war es leider stark bewölkt, aber es klarte während unseres Besuchs zunehmend auf. Die schneeweissen Sinterterrassen waren schliesslich eine ziemliche Enttäuschung. Nicht die schneeweissen Formationen waren der Grund, sondern weil auch hier einmal mehr die Geldmacherei dem Naturschutz vorgezogen wurde. Nur noch wenig Wasser steht natürlicherweise zu Verfügung und das bisschen wird dazu genutzt mit Schläuchen und künstlichen Kanälen das Wasser regelmässig über die Formationen zu leiten damit sie weiss bleiben und vor allem die künstlichen Pools zu Vergnügen der Zehntausenden Besucher zu füllen. Das bedeutet die natürlichen Becken sind deshalb meist trocken, nicht mehr mit türkisblauen Wasserteichen mit schneeweissen Kalkablagerungen. Schade und eine Schande was man mit diesem UNESCO Weltnaturerbe gemacht hat….

Auf nach Kappadokien

Unser nächstes grosses Zwischenziel war nun Kappadokien. Um dahin zu gelangen mussten wir aber erst ein paar Hundert Kilometer ostwärts fahren. Ausser ein paar landschaftlichen Höhepunkten, meist fährt man durch Landwirtschaft, und ein paar weniger bedeutenden Sehenswürdigkeiten gab es nicht sehr viel Spannendes zu erleben.

Einige Dinge lohnten aber durchaus einen Zwischenhalt. So fanden wir am Burdur See einen schönen Übernachtungsplatz welcher uns einen dramatischen Sonnenuntergang erleben liess. An einigen zum Teil sehr grossen Seen entlang, der Salda See überraschte gar mit türkisfarbenem Wasser und schneeweissen Stränden, gelangten wir nach Koya. Das dortige Derwischkloster Mevlana ist sehr eindrücklich, aber auch der Rest der Stadt, vor allem der Bazar, hat uns gut gefallen.

Auf dem weiteren Weg besuchten wir die Ausgrabungsstätte von Catalhöyük. Das ist eine neolithische Siedlung welche zwischen drei und acht Tausend Bewohner gezählt haben musste. Noch ist erst ein kleiner Teil ausgegraben, aber schon jetzt zeigt sich wie bedeutend der fast zehntausend Jahre alte Ort ist. Damit sich der Besucher besser vorstellen kann wie die Häuser damals gebaut waren, hat man ein Gebäude rekonstruiert. Der Eingang war grundsätzlich immer über das Flachdach gewesen. Einfachheitshalber hat man aber beim Nachbau kleine Durchsteige angebracht.
Nur wenige Kilometer neben unserer Route konnten wir einen erloschenen Vulkan besichtigen. Im riesigen Krater haben sich im Laufe der Zeit immer wieder neue Kegel gebildet. Um diese herum bildet sich je nach Jahreszeit ein Salzsee, welcher viele Zugvögeln vorübergehend Heimat ist.

 

Im Ihlara Tal

Das Ihlara Tal ist bereits in Kappadokien und bot uns Gelegenheit wieder mal zu wandern. In der 15 Km langen Schlucht befinden sich einige Felskirchen und vor allem bietet der Canyon eine herrliche Landschaft. Zwar wir das Tal stark besucht, aber wir waren am morgen früh bereits unterwegs und genossen das Tal ganz alleine. In Belisirma, einem kleinen Dorf in der Schlucht, lud uns einer der Restaurantbesitzer ein seine jungen Hunde zu besichtigen. Erst ein paar Tage alt waren die schnuckligen Welpen und ihre Mutter schien mächtig stolz auf sie zu sein. Anschliessend wurden wir noch zum Tee im Restaurant eingeladen, bevor wir uns auf den Rückweg machten.

In der Schlucht sind unzählige Felsenkirchen zu bewundern. Einige sind zwar bereits verfallen aber einige sind noch gut erhalten und sind mit eindrücklichen, religiösen Fresken geschmückt.

Kappadokien

Nur noch eine kurze Etappe und wir erreichten das touristische Zentrum Kappadokiens, Göreme. Wir quartierten uns für die nächsten Tage im etwas ausserhalb gelegenen, aber dafür wunderschönen Kaya Camping ein. Bei Sonnenaufgang konnten wir quasi vom Bett aus das Spektakel der Ballone beobachten. Über hundert Ballone starten jeweils bei Tagesanbruch sofern die Windverhältnisse es zulassen. Bis vierzig Passagiere fassen die Körbe. Wie Rindviecher werden die Leute in enge Gatter gepfercht. Wenn der Wind perfekt passt, starten die Ballone und schweben dann tief in den engen Tälern und lassen sich vom Wind treiben. Nach acht Uhr gehört der Himmel wieder den Vögeln alleine. Wieder mal in der Nähe einer grösseren Ortschaft, organisierten wir für unseren Landcruiser einen Service im nahen Ürgüp. Auf Empfehlung des Campingangestellten hatten wir eine, wie sich herausstelle, gute Garage gefunden. Für 70 CHF wurden 11 Liter Öl und der Filter gewechselt  sowie das Chassis geschmiert. Bei einem nahen Reifenhändler liessen wir den Reservereifen flicken und die Räder rotieren. In der Stadt liess auch noch Ueli den Service an den Haaren machen, bevor wir uns in einem kleinen Restaurant zum Nachtessen einfanden. Eine lokale Spezialität ist das „Testi Kebab“ eine Art Gulasch welches portionenweise und einem Tonkrug langsam gekocht wird. Beim Servieren wird das Gefäss in einer brennenden Schale zum Tisch gebracht und diesem dann  der Boden mit einem grossen Messer Abgeschlagen.

Wir unternahmen eine herrliche Wanderung durch die Erosionslandschaft in der Umgebung. Der Weg führte uns durch enge, farbenfrohe Schluchten, vorbei an Bimssteintürmen, oft ausgehöhlt wie Emmentaler und durch einen dunklen Slotcanyon. Das besondere war aber auch, dass wir kaum auf andere Leute trafen. Der Grossteil der Touristen kommen mit Bustouren, da bleibt keine Zeit für Wanderungen, zum Glück für uns.   

Die weitere Umgebung erkundeten wir dann mit dem Auto. Im Umkreis von ein paar Kilometern gibt es in der Gegend einiges zu sehen. Wir fuhren zu einem 1000 Jahre alten Kloster, wie vieles in den weichen Felsen geschlagen. In Avanos, das Zentrum für Töpfereien, spazierten wir dem Fluss entlang und durch die kleine Altstadt. Unweit davon liegt an der heutigen Hauptstrasse eine uralte Karawanserei. Sie liegt an einer der wichtigsten, alten Handelsrouten wo im Abstand von etwa 20 Kilometern solche Herbergen für Reisende und Händler eingerichtet worden waren. Das trutzige Gebäude wurde vor dreissig Jahren stilgerecht renoviert und man kann sich richtig gut vorstellen wie der Betrieb früher hier abgelaufen war.

Schliesslich besuchten wir auch noch eines der Freiluft Museen in der Region. Dort konnte man in drei kleine Täler eingebettet, alte Felsenkirchen und Wohnanlagen besichtigen. Allerdings verfallen die ausgehöhlten Felstürme zusehends und schon heute mussten einige Bereiche aus Sicherheitsgründen abgesperrt werden. Zu guter Letzt gelangten wir ganz in der Nähe zu den wohl spektakulärsten Felsformationen. Dutzende von Felstürmen, allesamt mit eine steinernen Kappe, sind zu bewundern. Wie Fabelwesen stehen sie einzeln und in Gruppen in der Landschaft. Sehr beeindruckend.

Tanz der Ballone


Die unterirdische Stadt Derinkuyu

Wir waren nicht lange Richtung Südküste losgefahren, legten wir unseren ersten Halt ein. In Derinkuyu findet man eine riesige unterirdisch angelegte Stadt. Die Entstehung ist nicht vollständig geklärt. Einige Forscher glauben die Ursprünge seien bis zu 4000 Jahre alt. Die Heute noch erhaltene Form spricht man Christen zu, welche sie im 6. Bis 10. Jahrhundert gebaut, beziehungsweise erweitert hatten um Schutz vor Verfolgern zu haben. Bis acht Stockwerke tief haben sie sich in das weiche Tuffgestein gegraben. Gänge, Treppen und Räume wurden geschaffen. Komplexe Lüftungsschächte und tiefe Brunnen sorgten für akzeptable Lebensbedingungen. Nutztiere hatten ihre Stallungen unmittelbar unter der Oberfläche, zu eng wären die Gänge gewesen um sie weiter unten in der Festung unterzubringen.

Das Felsenkloster Gümüsler

Nicht weit von eine weitere interessante Sehenswürdigkeit: Das Kloster Gümüsler. Es handelt sich um ein in die Tufffelsen gegrabenes Kloster, welches oben offen ist. Das Alter konnte auch in diesem Fall nicht eindeutig ermittelt werden, wird aber in das 8. Bis 12 Jahrhundert datiert. 14 Meter tief ist der viereckige Hof von welchem verschiedene Räume und Kirchen in die Seitenwände gegraben wurden. Der Zugang erfolgt durch einen Tunnel der in die Felswand geschlagen wurde. Die Anlage ist eine der grössten in Kappadokien und sowohl die Gebäude wie die Fresken in der Kirche sind recht gut erhalten.

An die Südküste der Türkei

Auf kleinen Nebenstrassen fuhren wir durch die trockene Gebirgslandschaft. In den Tälern hingegen war es durch die Bewässerung grün. Vor allem Äpfel werden dort angebaut und die Bauern waren bei unserem Besuch mit der Ernte beschäftigt.

Ein Abstecher brachte uns in den Aladagler Nationalpark. In einem engen Tal mitten in den Bergen ist ein herrlich gelegener, einfach ausgestatteter Campingplatz welchen wir ansteuerten. Von dort aus kann man ausgedehnte Wanderungen unternehmen. Wir beschränkten uns auf eine kurze Variante ins angrenzende Emli Tal. Eine erstaunliche Berglandschaft, welche genauso gut irgendwo in den Alpen liegen könnte. Nur hier ist die Natur noch weitgehend sich selbst überlassen und so verwundert es nicht, dass Bär und Wolf hier heimisch sind, zu sehen bekamen wir diese aber leider nicht. Nun, in der Nebensaison hatte es nur gerade eine Familie welche nebst uns im einfachen Zelt übernachtete. Nicht mal der Parkranger kam vorbei um den bescheidenen Betrag für die Übernachtung einzufordern.

Die Fahrt an die Küste war abwechslungsreich und fast ohne Verkehr. Das änderte sich an der Küste, denn wir kamen in den Bereich grosser Städte. Das Durchfahren von Tarsus und Mersin wurde zur Geduldsprobe und viel zu bieten hatten die grossen Städte auch nicht für uns. Erst weit hinter der Agglomeration wurde es wieder ruhiger und die Strasse verlief zum Teil am Meer. Auf einer Halbinsel suchten wir uns am unverbauten Strand einen Übernachtungsplatz und trafen überraschend auf ein holländisches Paar welches wir in Göreme auf im Camping bereits kurz kennengelernt hatten. Wir genossen die Abendstimmung, mussten uns dann aber ins Auto zurückziehen, da ein sehr starker Wind aufgekommen war.

Bevor wir wieder auf zur Hauptstrasse zurückfuhren, besuchten wir die nahe Lagune Akgöl. Es schien aber, dass gerade keine Saison für Vögel war, denn es waren nur wenige zu sehen. Wir machten einen Abstecher von der Küste weg in die Berge. Durch den mächtigen Göksu Canyon und auf schmalen Pass Strassen fuhren wir von Meereshöhe bis auf über 1200 m hoch. Unberührte Föhrenwälder und karge Felslandschaft belohnten uns. Von Gülnar aus ging es dann genau so steil wieder ans Meer hinunter.

Die Küstenstrasse bot uns nicht sehr viel Abwechslung und auch mit einsamen, naturbelassenen Stränden wurden wir nicht fündig. So machten wir bald mal wieder einen Abstecher ins Landesinnere.

Sapadere Canyon

Dieser schöne, enge Canyon liegt im Hinterland von Alanya, einer der Hochburgen des Massentourismus. So zahlte es sich aus, dass wir früh unterwegs waren, bevor die Ausflügler in Bussen und 4x4 Konvois einfielen. Auf einem Laufsteg gelangt man hinein in die Schlucht, vorbei an klaren Pools und schäumenden Wasserfällen. Die Pools luden zum Baden ein, aber uns war das Wasser aus den Bergquellen dann doch zu kalt, zudem war es im schattigen Canyon sowieso angenehm kühl.

Wir drangen weiter in die Berge vor und wollten schauen, ob wir am Dimcayi Stausee eventuell einen schönen Übernachtungsplatz finden würden. Dem war dann aber nicht so, denn der See war fast leer, sodass die Uferzonen steile Geröllhalden bildeten. Keine Chance auch nur in die Nähe des Wassers zu gelangen. So fuhren wir halt an die Küste zurück und fanden im Garten eines kleinen  Hotels einen angenehmen Campingplatz und erlebten einmal mehr einen herrlichen Sonnenuntergang.

Das Aspendos Amphitheater

Eines der grossen römischen Amphitheater konnten wir in Aspendos bewundern. Bis zu 20‘000 Zuschauer hatten im guterhaltenen Theater Platz. Sogar eine „Wetten dass“ Sendung wurde hier schon produziert und immer wieder treten Konzertgrössen hier auf, denn die Akustik soll hervorragend sein. Drum herum findet man noch spärliche Überreste der ehemaligen Stadt, aber die Hauptattraktion ist das Amphitheater. 

Çıralı

Südlich von Antalya befindet sich einige Kilometer abseits des Küstenstrasse ein „bekannter Geheimtip“: Çıralı. Der kleine Ort sollte eigentlich gar nicht existieren, denn die meisten Gebäude und Einrichtungen sind illegal erstellt worden. Allerdings ist die Zufahrt eine gute Teerstrasse, alle haben Wasser- und Stromanschlüsse und auch sonst funktioniert dieser Ort wie jede andere Gemeinde. Allerdings gibt es keine protzigen Hotels und andere grosse Infrastrukturbauten. Und es ist wohl genau das, was diesen Ort ausmacht. Man hat den Eindruck, alles sei ein wenig provisorisch und daher auch einfach gehalten. Uns hat dieses Ambiente recht gut gefallen.

In der Nacht zog, nach Wochen schönen Wetters ein Gewitter auf und es regnete bis nach Mittag immer wieder kräftig. Der Campingplatz war bald ein grosser See und wir waren froh in unserem trockenen Häuschen zu sitzen.

Als es aussah als ob es etwas aufklarte, wagten wir uns hinaus und spazierten dem Strand entlang zu den nahen Olympos Ruinen. Aber kaum dort, öffnete der Himmel die Schleusen noch einmal grosszügig und bis wir wieder zurück beim Auto eintrafen, waren wir bis auf die Unterwäsche nass.

Abends aber besserte sich das Wetter doch noch und wir besuchten die nicht weit ausserhalb des Dorfes gelegenen Feuer von Chimarea. Es ist dokumentiert, dass seit über 1000 Jahren hier an einem Abhang einige Erdgasflammen brennen. Wir erreichten den Ort beim Eindunkeln, denn bei Tageslicht sieht man die gelblichen und bläulichen Flammen kaum. Vielleicht haben wir hier eine Quelle der Klimaerwärmung entdeckt, denn es müssen hier schon tausende Tonnen CO2 produziert worden sein. Schon interessant, wie so eine Laune der Natur entstehen kann.

Entlang der Süd Ägäis

Völlig unbebaut und naturbelassen zeigt sich die Lykische Küste bis Iskele. Dies ist wohl nicht zuletzt den fehlenden Stränden geschuldet und zudem bietet die Steilküste auch gar keinen Platz für menschliches Wirken. Wo immer die Hänge flacher sind oder gar eine Ebene vorhanden ist, werden Bananen angepflanzt. Nach unserer Südamerikareise war es das erste Mal, dass wir wieder einmal so richtig aromatische Bananen geniessen konnten.

In Demre wollten wir der Sankt Niklaus Kirche einen Besuch abstatten. Als wir allerdings die Menschenmassen, meist Russen für welche diese Pilgerstätte eine besondere Bedeutung hat, sahen, drehten wir wieder um. Zum Schutz des Gebäudes ist es mit einer hässlichen Konstruktion überdacht und dazu sollte man auch noch 10 Euro Eintritt bezahlen, nein Danke.

Die Felsengräber im nahen Myra stammen aus der Lykischen Zeit, sind also über 2500 Jahre alt. Myra war eine der bedeutendsten Städte dieser Kultur. Das Amphitheater gleich daneben hingegen wurde von den nachfolgenden Römern erstellt.

Nun verlief die Route durchs Landesinnere. Vom bergigen Hinterland konnte man nur hin und wieder einen Blick auf das ferne, tiefblaue Meer erhaschen. Bei Kas trifft die Strasse schliesslich wieder auf die Küste. Das schmucke Städtchen ist zwar sehr touristisch, aber es fehlen zum Glück grosse, hässliche Hotelanlagen, sodass der Charme doch etwas erhalten geblieben ist.

Die Suche nach dem angepeilten Schlafplatz entpuppte sich zu einer kleinen Odyssee, denn es stellte sich heraus, dass die angepeilten Koordinaten sich auf der anderen Flussseite befanden. Um dahin zu gelangen mussten wir ein gutes Stück zurück fahren um nach einigen Kilometern festzustellen, dass der erwartete Campingplatz auch dort nicht zu finden war. Schliesslich suchten wir uns einen netten Platz in den Büschen und genossen eine sehr ruhige Nacht.

Der kleine Abstecher nach Fethiye lohnte sich vor allem, weil dort ein grosser Markt im Gange war. Wir deckten und mit Früchten und Gemüse ein, alles frisch und zudem sehr günstig. Aber auch im Städtchen selben machten wir einen kurzen Spaziergang um uns die Füsse zu vertreten.

Die Halbinsel Resadyie

Westlich der Stadt Marmaris erstreckt sich eine Halbinsel fast hundert Kilometer weit ins Meer hinaus. Die gebirgige Landzunge endet schliesslich bei der antiken Stadt Knidos. Der 2000 Jahre alte Naturhafen wird auch heute noch gerne von Yachten genutzt. Generell ist die Gegend nur spärlich besiedelt und wird gerne für Olivenzucht genutzt. Datca ist ein kleines Örtchen welches vom Fischerdorf zu einer bescheidenen Touristendestination mutiert ist.

Auf dem Weg nach Turunc, Myrta hatte vor langer Zeit hier die Ferien verbracht, füllten wir unsere Wassertanks an einer der Quellen an der Strasse auf. Man sieht diese überall im Bergland der Türkei und die Einheimischen füllen bei diesen gerne ihre Trinkwasserkanister auf.

Turunc hat sich nicht allzu sehr entwickelt, denn es liegt in einer kleinen Bucht direkt an den Berghängen. Dadurch ist zum Glück einfach auch kein Platz zum Ausdehnen. Der Ort wird vor allem von Engländern besucht, welche gerne ihre rosaroten, sonnenverbrannten Luxuskörper zur Schau stellen. Die meisten wären aber wohl besser bedient, wenn sie sich etwas zurückhaltender präsentieren würden. Schon Mittags herrschte in den Strassenbars Ballermann Stimmung…

Bodrum

Auf dem Weg nach Bodrum folgten wir der Küstenstrasse, welche oft direkt dem Ufer folgt. Auch hier ist wenig los, den nur wenige Buchten warten mit kleinen Stränden auf. Wir fanden einen Kiesstrand welcher aber nur mit einem 4x4 mit guter Bodenfreiheit zu erreichen ist. Dafür hatte es entsprechend weniger Abfall. Unter prallvollen Olivenbäumen und bei sanftem Meeresrauschen verbrachten wir einmal mehr eine ruhige Nacht.n

In einer Werft entlang der Strasse werden noch Holzschiffen von beachtlicher Grösse gebaut und restauriert. Diese werden gerne als Ausflugsboote in den touristischen Zentren eingesetzt, sodass das Handwerk hoffentlich noch lange Bestand hat.

Bodrum ist eine umtriebige Stadt welche vom Tourismus lebt. Im Hafen liegen Hunderte von Segel- und Motorjachten, neben dutzenden von Ausflugsbooten. Noch immer herrschte reges Treiben, aber es war offensichtlich, dass sich die Saison dem Ende zuneigte.

Die Festung am Ende der Landzunge war bei unserem Besuch nur zu einem kleinen Teil zugänglich, da sie einer umfangreichen Renovation unterzogen wird. In den engen Gassen finden sich vor allem Souvenirläden und Restaurants, aber generell gefiel und der Ort.

Ephesos

Wir hatten unweit der Ruinenstadt übernachtet und wurden am Morgen von dichten Bodennebel überrascht. Er löste sich aber bald auf und so genossen wir die riesige Anlage bei blauem Himmel. Wieder waren wir zum Glück früh dran, denn am oberen Eingang hatten die Busse bereits begonnen ihre Ladung auszuspucken. Im unteren Teil, dort wo wir geparkt hatten, war noch nicht viel los, aber je weiter wir in die Anlage eindrangen, auf umso mehr Besucher stiessen wir. Nur in den Terrassenhäusern, man muss für diese extra Eintritt bezahlen, waren wir alleine. Offensichtlich haben die Tourgruppen zu wenig Zeit oder die Veranstalter wollten sich den Eintrittspreis ersparen. Für uns waren die Terrassenhäuser allerdings der Höhepunkt, denn keine andere archäologische Anlage die wir bis anhin besucht hatten konnte mit so prachtvollen Mosaiken und Wandmalereien aufwarten. Als ob die Bewohner erst kürzlich ausgezogen waren, präsentierten sich die verschachtelten Paläste. Man konnte sich für einmal gut vorstellen wie es dazumal hier zu und her gegangen war.

Zurück nach Griechenland

Der Plan war eigentlich gewesen von Cesme zum griechischen Chios überzusetzen und dann die Fähre nach Piräus zu nehmen. Erst hatten wir aber Probleme die Ticket zu besorgen und schliesslich fanden wir heraus, dass wir mehrere Tage hätten warten müssen. Wir beschlossen deshalb unsere Pläne zu ändern und durch Nordgriechenland nach Igoumenitsa zu fahren und dort die Fähre nach Ancona zu buchen. Das bedeutete zwar, zusätzliche 1500 Km fahren, aber dafür hatten wir die Gelegenheit noch einige Orte zu sehen welche bei der Hinfahrt nicht an der Strecke gelegen hatten.

Also fuhren wir der Westküste entlang nach Norden, nahmen einmal mehr die Fähre nach Gallipoli und überquerten die Grenze zu Griechenland wieder am selben Übergang. Diesmal war noch weniger Betrieb und die Formalitäten auf türkischer Seite waren auch viel schneller erledigt. So waren wir nach einer halben Stunde bereits in Griechenland unterwegs.


Griechenland

Der Nordgrenze entlang

Unsere Route führte nun nahe der Nordmazedonischen und Albanischen Grenze entlang. Am Kerkini See fanden wir ein sehr schönes Buschcamp und lernten ein Paar aus Lörrach kennen welche in einem Landrover und mit ihrem grossen Hund unterwegs waren. Tausende von Vögeln, Möwen, Reiher, Pelikane und vor allem Kormorane besiedeln das Gewässer. Dass es darin viele Fische haben muss, belegen wohl auch die vielen Fischer die ihr Glück versuchten. Vor dem Eindunkeln zogen dann tausende Kormorane in grossen Schwärmen zu ihren Schlafplätzen, ein unglaubliches Spektakel. Es wurde zwar nach dem Sonnenuntergang bald kühl, aber die Nacht war angenehm und sehr ruhig. Am Morgen konnten wir den Sonnenaufgang vom Bett aus geniessen. Eine herrlich friedliche Morgenstimmung erfreute uns beim Frühstück.

Edessa

Edessa gilt als eine der schönsten Städte Nordgriechenlands. Dies ist vor allem der Lage auf einem Felsplateau geschuldet. Zudem wird die Stadt von mehreren Bächen durchflossen welche schliesslich über die Kante des Felsplateaus hinaus in die Tiefe stürzen. Ein schöner Obst und Gemüse Markt bot regionale Produkte an und die Fusswege entlang den Bächen luden zu Spaziergängen ein.

Am kleinen Prespa See

Über einen 1500 m hohen Pass, hier gibt es sogar ein Skigebiet, gelangten wir an den kleinen Prespa See. Auf einem herrlichen Stellplatz hoch über dem See, genossen wir die warme Abendsonne und die schöne Aussicht auf den See. Nachts strahlten Millionen von Sternen um die Wette. Aufgrund der Höhenlage wurde es zwar empfindlich kühl, aber die Heizung erleichterte uns das Aufstehen am Morgen.

Wir fuhren hinunter zum See und erstmal zum kleinen Dorf Agios Germanos. Die Ebene rund um den See wird zum Anbau von Bohnen genutzt. Im kleinen Dorfladen kauften wir verschiedene Sorten, für Salat, Eintöpfe oder Suppen,  für jede Zubereitung sind entsprechende Sorten verfügbar. Man erklärte uns, dass der Boden um den See für nichts anderes gut geeignet ist, für Bohnen dafür perfekte Bedingungen herrschen.

Wir fuhren danach zur Klosterinsel Agios Achilleios. Über einen langen Schwimmsteg gelangten wir zur Insel. Auf dieser ist eine kleine Siedlung und mehrere Kirchen, Kapellen und Klöster zu besichtigen. Viele der Gebäude sind nur noch Ruinen, aber einige werden auch heute noch religiös genutzt. Vom Hügel hatte man auch eine schöne Aussicht auf den See und seine Schilfgürtel. Schilf wurden in Vergangenheit rege genutzt, als Brennstoff, zum Flechten und Dachdecken. Seit dieses Rohprodukt nicht mehr benötigt wird, wächst der See immer weiter zu und so gehen wichtige Ökosysteme verloren. Um dem entgegenzuwirken hat die Nationalparkverwaltung begonnen, die Schilfgürtel gezielt zurückzuschneiden. Das anfallende Schilf wird zur Wärmeversorgung des Dorfes genutzt.

Kastoria

Eine gute Fahrstunde südlich trifft man am gleichnamigen See auf die Stadt Kastoria. Diese hatte ihre Hochblüte vor gut hundert Jahren als sie zur Weltmetropole der Pelzrestenverarbeitung aufstieg. Nicht wenige Bewohner wurden dabei sehr reich. Einige ihrer Paläste zeugen noch heute von diesem Wohlstand. Auch in der Gegenwart hat die Pelzverarbeitung eine grosse Bedeutung. Und noch immer scheint man gutes Geld damit zu verdienen, denn in der Region trifft man immer wieder auf zum Teil pompöse Firmengebäude. In der Stadt selber ist davon aber kaum mehr etwas zu sehen und viele Gebäude sind dem Verfall preisgegeben. Auch wenn der See viele Wasservögel, vor allem Gänse, beherbergt, die Wasserqualität ist in einem bedauerlichen Zustand. Grasgrüne Algen bedecken die Seeoberfläche, eine stinkige Brühe…

Wir waren schon einmal am Stausee Pigon Aoou auf 1400 müM vorbeigekommen. Damals wollten wir schon dort übernachten, aber ein drohendes Gewitter und kalte Temperaturen hatten uns weiter gedrängt. Nun, diesmal hatten wir strahlend blauen Himmel obschon, wegen der Höhenlage, die Nacht kühl werden sollte. Direkt am See fanden wir einen Stellplatz und genossen die Abendsonne.

Ioannina

Eine weitere Stadt an einem See ist Ioannina. Auf einer Halbinsel liegt die Altstadt hinter einer dicken Stadtmauer. Auf drei Seiten wird der alte Ortskern vom See umschlossen. Einmal hinter der Mauer wird es ruhig und nichts ist vom hektischen Verkehr in der Neustadt zu hören. Das Quartier wird hauptsächlich als Wohngegend genutzt. In der Nordecke befindet sich die Aslan Pasha Moschee aus dem 16. Jahrhundert. Heute ist darin das städtische Museum untergebracht in welchem interessante Relikte der unterschiedlichen Kulturen die die Stadt belebten ausgestellt. Auch des Gebäude selber ist sehr schön erhalten und unbedingt einen Besuch wert. Alte Kleider und Waffen aber auch Silberwaren für welche die Stadt bekannt ist, finden sich in der Ausstellung. 

Die Archeron Quelle

Wir hatten den Tip erhalten die Quelle des Archaron Flusses zu besuchen. Kommt man aus dem Norden muss man entweder einen grossen Bogen nach Süden machen oder aber über kleinste Bergstrasse hoch und runter mitten durch die Bergwelt fahren. Wir entschlossen uns für den direkten Weg. Das bedeutete zwar zwei Stunden am Lenkradkurbeln und hoch und runter Schalten. Die Fahrt führt dann aber durch eine weitgehend unbewohnte Berggegend. Mehrere Pässe waren zu überqueren, bis 1400 m hoch führte uns die Strasse.

Schliesslich erreichten wir aber den Eingang zur Schlucht, in welcher der Fluss entspringt. Ein Spaziergang führt weiter ins Tal hinein, durch schöne Auenwälder mit riesigen Platanen. Dann steht man am kristallklaren Fluss und kommt nur noch weiter wenn man bereit ist im knietiefen, recht kalten Wasser weiter flussaufwärts zu gehen. Uns war es dann doch etwas zu kalt und deshalb blieb und der Blick auf die eigentliche Quelle verschlossen.

Parga

Um nach Igoumenitsa zu gelangen hätten wir nun der Hauptstrasse folgen können und wären in einer knappen Stunde am Fährhafen gewesen. Wir wählten aber den Umweg über Parga. Dieses nette kleine Städtchen am Meer ist ein kleines Bijou. Farbige Häuser kleben am steilen Hang und reihen sich entlang einer Bucht mit türkisfarbenem Wasser. Vorgelagert dann auch noch eine Inselgruppe mit einem Kloster darauf. In den engen Gassen war es nun recht ruhig geworden, auch hier ist die Sommersaison zu Ende gegangen.

Nun war es der Küste entlang nicht mehr weit bis zum Hafen. Erst wollten wir aber die Tickets abholen und einige Besorgungen machen. Im Hafen trafen wir überraschend auf das holländische Paar welches wir in Konya bereits kennengelernt hatten. Nach einem kurzen Schwatz zogen sie weiter denn sie wollten noch zwei Tage am Strand verbringen, ihre Fähre ging erst später. Uns wurde bei Minoan Lines mitgeteilt, dass die Fähre verspätet ablegen würde. Anstatt Mitternacht sollte es erst um 2 Uhr losgehen.

Nun wir hatten sowieso noch einiges zu erledigen und wollten dann auch noch in der Stadt essen gehen. Als wir uns schliesslich am Anleger eingefunden hatten, hielt ein Mercedes G Camper hinter uns. Bald waren wir mit den beiden Insassen im Gespräch. Es war ein japanisches Paar welches mit Unterbrüchen seit drei Jahren in Asien und Europa unterwegs war. Ihre nächste Destination soll dann Südamerika sein. Da wir ja erst kürzlich dort gereist waren, hatten wir ein abendfüllendes Thema. Lustig war auch, dass die Beiden Chris und Angi in Marokko kennengelernt haben. Auch Jürg Sollberger haben sie dort getroffen, also alles Leute die wir auch gut kennen. It’s a small world!!!


San Marino

Die Überfahrt war sehr ruhig verlaufen, aber die Verspätung des Schiffs hatte sich noch erhöht. So war es schon dunkel als wir vom Schiff kamen. Wir hatten mit den Beiden aus Japan abgemacht, dass wir zusammen zum Trubel rausfahren und in Morro d’Alba auf einem städtischen Stellplatz übernachten wollten. Dort gingen wir zusammen Nachtessen und verbrachten einen gemütlichen Abend.

Am Morgen hiess es Abschied nehmen. Wir fuhren quer durch die schöne Landschaft auf Nebenstrassen nach San Marino. Da wir ja von allen besuchten Ländern die Landesflagge aufs Auto kleben, haben wir uns gesagt, dass wir wohl nicht gleich wieder so nah an San Marino vorbei kommen werden.

Wir fuhren bis ans historische Zentrum heran und konnten dort problemlos parken. Zu Fuss machten wir einen kurzen Rundgang durch die gut erhaltene Altstadt mit seinen grosszügigen Stadtpalästen. Ganz oben hatte man eine schöne Aussicht in alle Richtungen. Wie ein Adlernest thront die Stadt über der Umgebung. Die hohen Stadtmauern hatten es Angreifern zusätzlich schwer gemacht einzudringen. So hat sich das kleine Land seine Unabhängigkeit bewahrt.

Nun waren es noch 700 Km bis nach Hause. Da das Wetter nun definitiv sehr herbstlich geworden war, Nieselregen und Nebel dominierten in der Po Ebene, übernachteten wir bei Parma noch einmal, fuhren aber andern Tags direkt nach Hause….