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Vor etwa 40 Jahren hatte Ueli eine Motorradtour durch die Westalpen hinunter bis zum Mittelmeer und wieder zurück unternommen. Nachdem er sich im Frühling 2023 wieder ein Motorrad gekauft hatte, wollte er eine ähnliche Tour wiederholen. 

Auf der Tour wurde er von seinem langjährigen, und unterdessen auch pensionierten, Freund Dave begleitet. Es sollte eine epische Tour werden.

2400 km, 54'000 Höhenmeter und 59 Alpenpässe sind es geworden. Tagesetappen von 200 bis 400 km, meist auf Nebenstrassen und immer auch wieder auf Schotterpisten verlangten einiges an Ausdauer. Bis acht Stunden sassen sie auf ihren Maschinen, nur unterbrochen von kurzen Pausen und Fotohalten.

Das Wetter spielte mit, auch wenn es in den tiefen Lagen zum Teil unerträglich heiss wurde. Nur am letzten Tag wurde die Fahrt von Regen getrübt.

 

Zur Einstimmung , ein Zusammenschnitt der Tour...

Tag 1 - Auf Landstrassen bis hinter den Grossen St. Bernhardpass

Ich traf mich in Oesingen mit Dave von wo aus wir die Fahrt durch das Mittelland und das Emmental Richtung Alpen starteten. Auf kleinen Nebenstrassen kamen wir zwar nicht allzu schnell vorwärts, aber dafür hatte es kaum Verkehr und die Route war interessant und abwechslungsreich. Vom Simmental gings es zum ersten «richtigen» Pass hoch, dem Jaunpass. Über eine kaum bekannte Strecke erreichten wir Saanen. Das bot Ueli auch die Gelegenheit, weitere Checkpoints des Wetterbewerbs «Pässefahren» zu dokumentieren und abzuhaken. Nach erreichen des Col des Mosses machten wir den Abstecher zum Col du Pillon, wo wir auch eine erste längere Pause einlegten.

 

Um zum Col de la Croix zu gelangen, mussten wir ein paar Kilometer zurückfahren. Grad, weil der Pass nicht ganz so breit ausgebaut ist und zudem kaum Bedeutung für den Transitverkehr hat, ist es interessant ihn zu befahren. Im Rhonetal angekommen, beschlossen wir die Autobahn bis Martigny zu nutzen, nicht zuletzt auch, weil der Himmel ein Gewitter ankündigte. Aber kaum auf der Autobahn, erwischte uns ein erster Platzregen. Dieser war aber kurz und bei den herrschenden Temperaturen auch kein Problem. Eigentlich war geplant gewesen, noch einen weiteren Abstecher über den Col des Planches zu machen, aber die Strasse war leider wegen Bauarbeiten gesperrt. Der Tag war aber unterdessen sowieso auch schon fortgeschritten und von überall her drohten Gewitter. Trotzdem liessen wir uns nicht nehmen, die Strecke über Champex zu fahren, anstatt der Hauptstrasse Richtung Grosser St. Bernhard zu folgen. Und so wurden wir halt noch einmal geduscht und auf der Weiterfahrt im Tal beschlossen wir schliesslich doch, die Regenklamotten anzuziehen. Aber kam geschehen, klarte es wieder auf und auf dem Grossen St. Bernhard hatte sich das Wetter beruhigt. Nun war es nicht mehr weit bis zu unserem Etappenziel in Gignod, an der Südrampe des Passes. Wir bezogen unser Zimmer im Hotel Bellevue und sassen bald darauf mit ein paar Einheimischen zusammen in der nahen Bar.

Tag 2 - Ein Abstecher nach Frankreich und zurück nach Italien

Bei herrlichem Wetter und angenehmen Temperaturen starteten wir in die zweite Etappe. Anstatt nach Aosta hinunterzufahren, führte uns die geplante Route direkt von Gignod hoch über dem Aostatal nach Westen. Diese Strecke ist höchst empfehlenswert, wenn man Richtung Frankreich unterwegs ist. Erst bei Runaz trafen wir auf die Hauptroute im Tal. Aber bereits in Morgex bogen wir wieder ab, um den Colle San Carlo zu queren. Fahrerisch und auch landschaftlich zogen wir diese Strecke der Hauptroute vor. In La Thuile trifft man aber wieder auf die Passstrasse zum Col du Petit Saint Bernard. Der Verkehr war nun deutlich stärker und überholen auf der kurvenreichen Strasse nicht immer einfach. Auf der Passhöhe machten wir eine Pause und genossen das herrliche Wetter und die frische Temperatur. Auf der französischen Seite ging es kurvenreich talwärts. Aber auch hier gibt es die Möglichkeit, auf halbem Weg von der Hauptroute abzubiegen und hoch über dem Tal der Isère zu bleiben, um erst bei Sainte-Foy-Tarantaise auf die Strecke zum Col d’Iseran zu treffen. Jetzt waren wir auf der Route des Grandes Alpes und entsprechend hatte es etwas mehr Verkehr. Aber für uns Motorradfahrer war es einfach, die langsamen Fahrzeuge zu überholen und schon bald standen wir auf der nächsten Passhöhe. Der Col d’Iseran ist wiederum ein sehr schön zu fahrender Pass und er gehört sicher zu den Klassikern in den französischen Alpen.

 

Nachdem es auf über 2700 müM doch recht kühl gewesen war, stieg die Temperatur bei der Abfahrt nach Bonneval-sur-Arc wieder stetig an und erreichte angenehme Werte. Die angepeilte Piste, welche uns direkt zur Passstrasse des Col de Mont Cenis hätte führen sollen, stellte sich als Fahrverbot heraus. Nun, dann halt über die Hauptstrasse. Auf der Passhöhe machten wir eine verspätete Mittagspause. Eine ältere, kostümierte Dame ging von Tisch zu Tisch und erzählte den interessierten, aber auch allen anderen Gästen, Geschichten und Sagen über die Region. Wir genossen erst mal unser Sandwich und machten uns wieder auf den Weg. Der Plan war gewesen, den Lac du Mont Cenis auf seiner Südseite über eine Schotterpiste zu umfahren. Auf halbem Weg fuhren wir einmal mehr auf ein Fahrverbot auf und mussten umdrehen. Auf der Hauptstrecke gings es dem Nordufer des entlang und bald darauf erreichten wir einmal mehr die italienische Grenze. In Susa wurde es dann richtig heiss und dementsprechend unangenehm war die stockende Durchquerung der Stadt. Bald aber konnten wir wieder frei fahren und der Fahrtwind verschaffte etwas Abkühlung. Da die geplante Assietta Kammstrasse am Mittwoch für Motorfahrzeuge gesperrt ist, hatten wir in Sauze d’Oulx ein Hotel gebucht. Wir trafen schon im Laufe des Nachmittags ein und wurden vom Hotel Du Parc angenehm überrascht. Für unter 100 CHF für uns Beide, inklusive eines reichhaltigen Frühstücks, bot das moderne Haus alle Annehmlichkeiten, die sich ein durchgeschwitzter Motorradfahrer sich nach der Tour wünscht. Nach einer Dusche erkundeten wir den Ortskern und re-hydrierten unsere Körper mit Gerstentee. Der Ort ist typisch für die Alpenregion und zielt vor allem auf Wintertouristen, die hierher zum Skifahren kommen. Es war aber auch jetzt im Sommer einiges los, aber doch waren einige Hotels und Restaurants geschlossen. Das Nachtessen nahmen wir in einem Kellerrestaurant ein in welchem es mit der Zeit unangenehm stickig und laut wurde. Aber am Essen war nichts auszusetzen.

Tag 3 - Schotterpisten Time…

Zum Auftakt des Tages fuhren wir vom Hotel aus direkt hoch zur Assietta Kammstrasse. Kaum ausserhalb des Ortes wechselte die Teerstrasse in eine schmale Schotterpiste und in einigen Kehren führte diese steil und zum Teil auch steinig hoch zum Colle Basset. Es war noch früh am Morgen und deshalb war es angenehm kühl und zudem hatte es noch kaum Verkehr. Jetzt waren wir warm gefahren und genossen die Piste für die nächsten ca. 30 km. Immer weit über 2000 müM führt die Strecke vorbei an mehreren Pässen bis sie schliesslich unterhalb des Colle delle Finestre wieder auf eine Teerstrasse trifft. Bei Depot erreichten wir die Talsohle und folgten der viel befahrenen Hauptstrasse bis wir bei Pinerolo die Poebene erreichten. Das Garmin XT Navi hatte immer wieder unerklärliche Aussetzer gehabt, welche eine gescheite Navigation verunmöglichte. Ich musste deshalb improvisieren und immer wieder in der Nähe liegende Ziele manuell eingeben. So hangelten wir uns südwärts. Ein Teil unserer geplanten Strecke liessen wir aus, denn sie hätte auf kleinsten Strassen durch die Vorgebirge geführt und ohne Navi wäre das etwas mühsam geworden.

Erst nach einer Mittagspause, bei weit über 30 °C, fuhren wir in Brossasco in das Tal der Veraita ein. Um auf die Strada dei Cannoni, einer weiteren Kammstrasse zu gelangen, bogen wir in Valcurta ab und fuhren bergwärts bis wir in Pian Pietro auf die Route trafen. Diese war dann noch einige Kilometer geteert und ging dann aber in eine Schotterpiste über. Die war gut und einfach zu befahren bis zum Colle Birrone. Danach wurde die Piste schmaler, steiler und vor allem sehr ruppig. Die steinigen Stufen verlangten Fahrer und Maschine einiges ab und wir kamen ganz schön ins Schwitzen. Dieser etwas schwierigere Abschnitt führt zum Collet Rusciera. Dort verlässt die Piste den Wald und führt durch offenes Gelände zum Colle di Sampeyre wo man auf eine Teerstrasse trifft. Bei unserer Tour war die Strecke in der Gegenrichtung wegen Bauarbeiten gesperrt, was wir aber natürlich nicht wussten. Wir fuhren dann auch auf eine Baumaschine auf, die uns aber bald vorbei liess. Bei der Pause auf dem Pass, stellte Dave fest, dass sich sein Gepäcksack auf der Rüttel Piste geöffnet und er sein Necessaire verloren hatte.  

Wir hatten an diesem Tag keine Unterkunft gebucht und überlegten nun, wie weit wir noch fahren wollten. Ein Blick ins Internet zeigte auf, dass in dieser Gegend nicht viele Optionen vorhanden sind. Deshalb wollten wir unten im Tal mit der Suche beginnen, denn noch war es früh im Nachmittag und wir hätten notfalls auch in einen grösseren Ort ausweichen können.
Die geplante Fahrstrecke ins Tal führte über Elva und kurz danach trafen wir auf eine Informationstafel, welche ankündigte, dass die Strecke weiter unten gesperrt war. Uuups! Wir beschlossen, es trotzdem zu versuchen und tatsächlich war die Strecke fahrbar. Die vielen Steine auf der Strasse liessen uns vermuten, dass der Grund der Sperrung die Steinschlaggefahr war. Nun, wir beeilten uns und kamen ohne Probleme zur Hauptstrasse hinunter. In Marmora, einem hübschen, kleinen Dorf erkundigten wir uns nach einer Unterkunftsmöglichkeit und wurden im zweiten der beiden Hotels fündig. In einem uralten Gebäude waren gemütliche Zimmer verfügbar und unseres war in den blanken Fels hineingehauen, kein Nachteil bei den herrschenden Temperaturen.

 

Bei einem Bier bei der Konkurrenz reservierten wir einen Tisch fürs Nachtessen. Dieses stellte sich als Gourmetmenü heraus. Eine Karte gab es nicht, aber das Menü erfüllte unsere Erwartungen voll und ganz.

Tag 4 – Wieder über die Grenze nach Frankreich

Nach einem reichhaltigen Frühstück starteten wir Richtung Colle d’Esischie. Es war noch angenehm kühl, denn wir hatten auf 1200 müM übernachtet und die schmale und sehr holprige Strasse stieg in kurzer Zeit auf weit über 3000 m an. Der Himmel war fast wolkenlos und es war herrlich durch diese kaum besiedelte Bergregion zu fahren. In kurzer Folge erreichten wir drei weitere Pässe, alle um die 2500 m hoch. Dann senkte sich die Strasse ins langgestreckte Tal hinunter und traf dann bei Demonte auf die Hauptstrasse, welche uns zum Colle della Maddalena / Col de Larche brachte. Jetzt waren wir wieder in Frankreich angelangt. Hinunter ging es nach Jausier und dann gleich wieder hoch zum höchsten befahrbaren Transitpass der Alpen, dem Col de la Bonette. Das ist so eigentlich nicht ganz korrekt, denn den höchsten Punkt erreicht man nur, wenn man die kleine Zusatzschlaufe zur Cime de la Bonette beim eigentlichen Pass anhängt. So knackt man die 2800-m-Marke um 2 m und übertrifft damit den Col d’Iseran (2770 müM). Die Aussicht war grandios und man konnte erkennen, dass die Talfahrt viel Spass machen würde.

In markant tieferen Lagen erreichten wir Saint-Sauveur-sur-Tinée auf 500 müM und die Temperatur war auf über 30 °C angestiegen. Wir machten in einer schattigen Gartenwirtschaft Mittagspause und suchten uns ein Hotel für die kommende Nacht aus. Wir buchten das Hotel Blanche Neige im Zentrum von Valberg. Bis dahin mussten wir noch einmal etliche Spitzkehren überwinden und uns wieder auf 1700 m hochschrauben. Das brachte es mit sich, dass die Temperaturen wieder in einen angenehmen Bereich sanken. Booking.com hatte uns beim Buchen einen kostenlosen Zimmerupgrade zugestanden. In der Realität handelte es sich dann aber um ein winziges Dachzimmer, sodass wir von der Rezeption ein Standardzimmer zeigen liessen, welches dann erstaunlicherweise, zwar auch klein, aber doch ein wenig grösser war.

 

Valberg ist ebenso eine Wintertourismusdestination und wie so oft in Frankreich eine Ansammlung von Hotels, Restaurants und Sportgeschäften. Da wir aber nur für eine Nacht hier waren, störte uns das nicht besonders. Das Nachtessen nahmen wir im hervorragenden, italienischen Restaurant l’Italiano ein. Die Hütte war voll, das aus wohl guten Grund.

Tag 5 – Ins heisse Südfrankreich

Ursprünglich hatten wir eine Routenoption geplant, welche uns bis an die Mittelmeerküste geführt hätte, in Betracht gezogen. Da aber Temperaturen bis gegen 40 °C vorausgesagt worden waren, beschränkte sich unsere Motivation sich durch die verstopften Küstenorte zu quälen sehr.

Wir durchquerten als Erstes die sehenswerte Gorges de Daluis. Kurvenreich schlängelt sich die Strasse durch die roten Felsen, dabei auch immer wieder durch kurze Tunnel. Dem Tal des Var entlang erreichten wir Villars-sur-Var wo wir einmal

Mehr auf eine schmale Bergstrasse abbogen, um die «Abkürzung» ins Val de Tinée zu nehmen. Fast erreichten wir Saint-Sauver-sur-Tinée wieder, wo wir am Vortag noch die Mittagspause gemacht hatten. Aber kurz vor dem Ort bogen wir in die Berge ab, um über den Col Saint Martin nach Saint-Martin-Vésubie zu gelangen. Hier waren die unglaublichen Zerstörungen einer Hochwasserkatastrophe noch deutlich zu sehen. Die Talsohle war richtiggehend ausgeschwemmt worden und riesige Geröll- und Schuttmassen waren zurückgeblieben.

Nur wenige Kilometer südlich bogen wir erneut ab, um den in der Rallye-Szene berühmten Col du Turini zu bezwingen. Bevor es aber richtig losging mit der Kurvenorgie, machen wir in La-Bollène-Vésubie Mittagspause. Da die Route nun kaum noch über 1500 müM führte, war die Temperatur durchwegs heiss bis sehr heiss. Solange wir in Fahrt bleiben konnten, war das erträglich, aber jeder Halt trieb uns den Schweiss aus den Poren.

Der Col du Turini und auch die Strecke hinunter nach Sospel ist für Motorradfahrer ein Leckebissen. Meist ist man im Wald unterwegs, aber auf der Westseite geniesst man auch immer wieder schöne Aussblicke, wenn man sich denn die Zeit nimmt. Wir hatten in Comps-sur-Artuby, kurz vor den Gorges de Verdon, ein Zimmer reserviert. Aber bis dahin zog es sich ganz schön in die Länge, denn die Strassen waren zwar schön zu fahren, aber die Durchschnittsgeschwindigkeit fiel unter 35 km/h. Dazu kam indessen die Temperatur, welche bis 40 °C erreichte. So kurvten wir gefühlte Stunden durch die trockene, mediterrane Landschaft und erst die letzten 20-30 km liessen wieder höhere Geschwindigkeiten, und damit etwas Kühlung durch den Fahrtwind, zu. So waren wir schliesslich froh, unser Etappenziel erreicht zu haben.

 

Das Grand Hotel Bain blickt auf eine Jahrhunderte alte Tradition als Etappenort zurück und ist eine entsprechend altmodische Unterkunft. Aber die dicken Mauern haben den Vorteil gut zu isolieren, sodass es trotz der herrschenden Hitze ganz angenehm war im Zimmer. Das Hotel bietet zwar ein Restaurant an, aber ansonsten hat es im Ort wenig Alternativen. Generell hat es in der ganzen Region in der Hauptreisezeit wenig spontan buchbare Unterkünfte, auf unserem Trip eigentlich die einzige Ausnahme.

Tag 6 – Mehr Berge, mehr Schotter…

In Anbetracht der wiederum heissen Temperaturen hatten wir einen frühen Start. Ein schnelles Frühstück in einem nachbarschaftlichen Café und schon bald waren wir wieder unterwegs. Eine kurze Fahrt nach Norden brachte uns auf die Hauptroute, welche entlang der eindrücklichen Verdon Schlucht führte. Vor La-Palud-sur-Verdon lohnt sich der Abstecher über die Route des Cretes, denn nur so kommt man direkt an den mächtigen Canyon und die Aussichtspunkte. Das ist landschaftlich auch der Höhepunkt der Fahrt. Zurück auf der Hauptroute kam bald einmal der Stausee Lac de Sainte Croix in Sicht. Der See staut sich bis weit in die Schlucht hinein und so kann man auch ganz einfach mit einem Boot hineinfahren. Den hübschen Ort Moustiers-Sainte-Marie liessen wir rechts liegen, wir hatten noch einiges zu erledigen an diesem Tag. In Digne les Bains verliessen wir die Hauptroute und bogen in ein parallel verlaufendes Tal ein. Durch eine eindrückliche Schlucht erreichten wir den Abzweiger zum kleinen Col de Fanget um dann durch eine langgezogene, aber nicht sehr spektakuläre Schlucht, den Lac de Serre Poncon zu erreichen. Nun mussten wir für einige Kilometer für einmal einer Hauptstrasse folgen, aber bereits in La Condamine Chaterlard verliessen wir diese, um der Col du Parpaillon zu befahren. Am Anfang ist die schmale Strasse noch geteert, dann aber geht sie in eine Schotterstrasse über. Über der Baumgrenze wird die Strecke dann immer steiler und entsprechend ausgewaschen und steinig. Solange man die Geschwindigkeit hochhalten kann, geht es recht gut voran, aber viel Zeit um die Landschaft zu geniessen hat man nicht. Nach einigen Kehren erreicht man das südliche Tunnelportal und wir legten eine wohlverdiente Pause ein. Die meisten Leute befahren die Strecke von Norden her, denn dort ist die Piste in einem viel besseren Zustand. Durch das «schwarze Loch» gelangten wir auf die andere Bergseite. Der Tunnel ist schmal und stockdunkel. Immer wieder muss man grosse Pfützen durchfahren, kurz nach der Öffnung im Frühsommer ist oftmals mit vereisten Abschnitten zu rechnen. Von 2640 m ging es nach dem Tunnel auf 800 m hinunter und es wurde wieder sehr warm. Das störte uns nicht weiter, denn unser Hotel Le Lac bot uns nicht nur ein kühles Bier im schattigen Garten, sondern sogar einen Swimmingpool. Nachher spazierten wir zum See hinunter, wo ganz schön Betrieb herrschte. Der schöne Strand aber auch die vielen Gartenwirtschaften waren gut besucht, kein Wunder bei dem Wetter.

Tag 8 – Ab nach Hause

Es war ja eigentlich nicht geplant gewesen schon an diesem Tag bereits bis nach Hause zu fahren, aber das Wetter spielte nun nicht mehr mit. Aber von vorne...

Es regnete nicht mehr am Morgen, nur die Wolken hingen noch tief in den Bergen. Aber schon während dem Frühstück klarte es zunehmend auf, sodass wir die geplante Route über den Cormet d’Areches unter die Räder nahmen. Direkt im Ort startet die Strecke, erst noch geteert, dann aber geschottert. Mein GPS hatte wieder einmal eine Abkürzung gefunden, was uns ein paar extra Kilometer ruppige Piste bescherte. Die Strecke war, obschon sie noch recht nass war, problemlos zu befahren. Die lohnenswerte Route war erst ab dem Lac de Saint Guérin wieder geteert, aber noch immer nass. Ein Blick in die Richtung, in welche wir fuhren, offenbarte, dass wir nicht mehr lange trocken bleiben würden. Bis weit hinunter waren die Berge trüb verhangen und bald mussten wir das Regenzeug überziehen. So kam es, dass wir immer wieder einen Regenschauer abbekamen und sich das Regenzeug bewähren musste. Wir blieben der geplanten Route treu und kamen auch gut voran. Der ursprüngliche Plan war gewesen, noch vor der Schweizer Grenze zu übernachten und anderntags auf einer abwechslungsreichen Strecke nach Hause zu fahren. Da wir aber schon früh im Nachmittag bei schlechten Wetterbedingungen am Pas de Morgins ankamen und die Wetterprognose für den nächsten Tag auch nicht besser war, beschlossen wir bei einem Kaffee, bei Monthey die Autobahn zu nehmen und durchzuziehen. Das war zwar nicht so spassig, aber wir hatten ja bis anhin wirklich Glück gehabt mit dem Wetter. So meldeten wir uns beide zu Hause an und machten uns "ans Kilometer fressen".

 

Am Morgen noch auf Schotterpisten, am Ende auf der Autobahn, kamen an diesem Tag über 400 km zusammen.




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