Wie komme ich zum perfekten Reisefahrzeug?

Im Artikel finden sich einige Links zu Produkten. Weder diese noch andere produktbezogenen Informationen basieren auf irgendwelchen Vergünstigungen oder Bezahlungen. Alle gemachten Aussagen sind einzig und allein aufgrund persönlicher Erfahrungen und Kenntnissen erfolgt. Wir haben auch versucht, Aussagen möglichst nicht zu werten, sondern einzig Themen und Fakten zusammen zu tragen welche uns wichtig erscheinen.

Grundsätzliche Überlegungen

Plant man eine grössere Reise im eigenen Fahrzeug stellt sich bald einmal die Frage, was denn das ideale Reisemobil wäre. Um darauf eine Antwort zu bekommen, müssen einige Grundsatzentscheide fallen. Eine Möglichkeit besteht darin, die Anforderungen an das Gefährt zu definieren. Nur kann es dann sein, dass man die „Eierlegende Wollmilchsau“ definiert oder das Budget unter Umständen etwas überstrapaziert wird.

Nun, soviel vorweg: Das perfekte Fahrzeug gibt es wohl nicht. Bestenfalls lassen sich alle persönlichen Ideen und Wünsche erfüllen. Nach der Beschaffung bleibt dann nur noch auszuprobieren ob Erwartung und Erfüllung übereinstimmt.

Das nachfolgende Dokument ist nicht als Anleitung zur perfekten Lösung gedacht, sondern soll vielmehr auf eigenen Erfahrungen basierende Vor- und Nachteile sowie Fakten zu den wichtigsten Kriterien darstellen. Daraus sollte es möglich sein, ein genaueres, auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmtes Anforderungsprofil zu erstellen um dann das Traumgefährt zu suchen oder selber zu bauen.

Unser Heim

Bevor das Thema unten vertieft wird, möchte ich anhand unseres eigenen Fahrzeugs aufzeigen wie Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen werden können.

Wir haben 2015 unseren bestehenden Landcruiser HZJ75 Jg. 1999 trotz seiner damals bereits 220‘000 Km mit einer Azalai Kabine ausstatten lassen. Nach langem Recherchieren hat uns diese Lösung am meisten überzeugt. Ueli hatte zu dem Zeitpunkt schon einiges an Erfahrungen auf langen Reisen gesammelt und konnte daher mögliche Schwachpunkte, wichtige Erfordernisse und „Nice to Have“ abschätzen.

Die Azalai Kabine lässt bei der Grundausstattung wenige Optionen, nur die technische Ausrüstung, d.h. Wasser, Elektrik, Heizung, etc. kann flexibel gewählt werden.

Trotz seiner kompakten Abmasse, man kann das Fahrzeug immer noch in einem (Hicube) Container verschiffen, bietet der Innenraum gut Platz für Mensch und Ausrüstung. Die Raumausnutzung ist clever optimiert und die weissen Kunststoffoberflächen machen hell und sind pflegeleicht.

Im Aufstelldach sind drei grosse, mit Mückennetz versehene Fenster eingesetzt. Bei kalten Temperaturen kann eine Isolationsmatte eingeklettet werden oder aber man schliesst das Dach.

Neben einer Küche mit Zweiflammen Gasherd, Kühlschrank und einem kleinen Waschbecken, findet sogar ein fest eingebautes Kassetten WC Platz. Das Bett wird tagsüber mittels Kurbel und Seilzug unter das Aufstelldach hoch gezogen. Wir (< 170 cm) können quer im Fahrzeug liegen (das Bett misst 130 cm B x 180 cm L). Es ist möglich auch bei geschlossenem Dach mit genügend Kopffreiheit zu schlafen.

Der Esstisch bietet vier Personen grosszügige Sitzmöglichkeiten, er wird bei Nichtgebrauch und nachts verstaut. Unter den Sitzbänken stehen grosse Staukisten zur Verfügung. Die Bänke sind so lang, dass man bequem mit hoch gelagerten Beinen sitzen kann, ein geschätzter Luxus den viele, selbst grössere Fahrzeuge, nicht bieten. Des Weiteren ist ein Kleiderkasten eingebaut und über den beiden grossen Fenstern findet man eine ganze Reihe von kleinen Fächern.

Eine Eberspächer Dieselheizung versorgt den Innenraum mit Warmluft und erwärmt gleichzeitig einen Warmwasserkreislauf.

Die Wasserversogung erfolgt aus zwei Tanks:

Die 45 L Trinkwasser aus einem Kunststofftank im Fahrzeuginnern versorgen einen separaten Hahn mit gefiltertem Wasser.

Ein 80 L Unterflurtank aus rostfreiem Stahl bietet Brauchwasser für WC, Dusche und Lavabo. Warmwasser wird aus diesem Tank erzeugt.

Ein 30 L Grauwassertank ermöglicht das tägliche Abwasser zu sammeln, um anschliessend entsorgt zu werden. Das ist zunehmend wichtig, da man vielerorts nur noch mit Fahrzeugen wild campen darf, wenn sie autark sind. Das heisst folgende Einrichtungen müssen zwingend an Bord vorhanden sein: Küche, WC, Schlafgelegenheit und eben ein Abwassertank. Die Regel gilt bereits auf vielen Stellplätzen in Europa und generell in Neuseeland und Australien. Weitere Länder werden wohl folgen.

Die elektrische Anlage besteht aus einem 125 W Solarpanel sowie einem 105 W Faltpanel. Beide speisen über einen Solarregler die Camperbatterie (90 Ah Lithium) und die Starterbatterie. Ein IBS Batteriemanagementsystem sorgt dafür, dass die Starterbatterie im Stillstand getrennt ist und dass man im Notfall die beiden Batterien, zum Beispiel bei defekter Starterbatterie zum Starten, koppeln kann.

Die Beleuchtung besteht aus drei schlanken LED Leuchten um den Tisch herum (ca. 15 W total) und einer LED Leuchte über der Küche.

Das Basisfahrzeug ist robust, hat eine sehr grosse Bodenfreiheit und hat eigentlich immer noch die volle Geländefahrtauglichkeit behalten. Mit seinen 270 L Dieselkapazität kommen wir etwa 2000 Km weit. Mit 2700 Kg Leergewicht und 500 Kg Zuladung kommen wir gut aus. Dasselbe Fahrzeug lässt sich auf über 4000 Kg auflasten, das bedeutet auch wenn wir mal gesetzlich überladen sein sollten, ist das Fahrzeug noch lange nicht an seiner Grenze angelangt.

Wenn nämlich alle Tanks, die Lebensmittelvorräte und der Kühlschrank voll sind und die komplette Langstreckenausrüstung an Bord ist, haben wir auch schon Mal, inklusive Besatzung 3600 Kg auf die Waage gebracht!!

Nach zwei Jahren ununterbrochenem Wohnen in diesem Fahrzeug können wir sagen, es ist für uns das perfekte Fahrzeug. Es gibt nur einen Kompromiss welchen wir aber ohne Problem akzeptieren können: Wenn das Bett unten ist MÜSSEN beide ins Bett, es bleibt kein Platz zum Sitzen. Dieses Konzept ermöglichte es erst eine so kompakte Wohnkabine zu bauen ohne, dass man ansonsten viele Kompromisse eingehen musste.

Etwas störend empfinden wir das recht laute Gebläse Geräusch der Heizung.

Ansonsten haben wir nichts, was wir gerne ändern oder ergänzen würden.

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Wohnteil

Nun, in diesem Kapitel entscheidet sich schliesslich, ob man in einem LKW oder einem kompakteren Fahrzeug unterwegs sein wird. Sind nämlich die Anforderungen bezüglich wohnen unterwegs sehr hoch gesteckt, wird ein 3.5 t Fahrzeug mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht passend sein.

Schlafen

Es gibt Reisende für welche nur ein festeingebautes Bett in Frage kommt. Das wiederum bedeutet, dass man circa 1.5 m zusätzliche Fahrzeuglänge einrechnen oder aber ein Alkovenbett einplanen muss. Ist man aber flexibel in diesem Punkt, kommt auch eine kompaktere Lösung in Frage.

 Festbett (längs, quer oder auch übereinander)

Vorteile

Nachteile

Kein Umbauen am Abend, Bettzeug kann belassen werden

Platzbedarf viel grösser

Eine Person kann schlafen, die andere arbeiten/sitzen

 

Gutes Raumgefühl

 

 

Alkovenbett

Vorteile

Nachteile

Kein Umbauen am Abend

Fahrzeug baut in der Regel höher

Eine Person kann schlafen, die andere arbeiten/sitzen

Wenig Kopffreiheit

Zusätzlicher Stauraum tagsüber

Je nach Bauart nicht optimal belüftbar

 

Bett im Aufstelldach

Vorteile

Nachteile

Ohne grossen Aufwand eingerichtet

Oft limitierte Bettbreite

Eine Person kann schlafen, die andere arbeiten

„Getarnt“ schlafen wegen Aufstelldach nicht möglich

Gut belüftet

Bei Starkwind und Kälte problematisch

 

Hubbett

Vorteile

Nachteile

Einfach zum Einrichten

Wenn das Bett im Gebrauch ist, kein weiterer Arbeitsplatz verfügbar

Benötigt wenig Platz wenn verstaut

Mechanismus kann Fehlerquelle sein

 

Kosten

 

Bett aus Sitzgruppe umgebaut

Vorteile

Nachteile

Benötigt nicht extra Platz

Wenn das Bett im Gebrauch ist, kein weiterer Sitzplatz verfügbar

Aufwendige Einrichtung

Wenig Optionen für eine gute Matratze

 

Abmessungen evtl. limitiert

 

 

Nicht ausser Acht lassen sollte man die Matratze. Wenn man länger und in verschiedenen Klimazonen unterwegs sein möchte, sollte eine bequeme und gut unterlüftete Matratze nicht fehlen. Vor allem im tropischen Klima ist ein angenehmes Schlafklima enorm wichtig. Reisende mit empfindlichem Rücken sollten der Wahl besondere Beachtung schenken. Aber Achtung, eine Matratze wie zu Hause ist nicht nur schwer, sondern auch sehr dick. In kleinen Fahrzeugen daher kaum einsetzbar. Es gibt aber im Handel mehrere gute Lösungen. Wir haben uns für ein massgeschneidertes Fanello Bett entschieden und sind sehr zufrieden damit.

Sitzen

An kalten Abenden und wenn man einige Tage bei schlechtem Wetter stationär ist, wird man viele Stunden im Fahrzeug verbringen. Da ist es vorteilhaft, wenn man bequem sitzen kann und auch genügend Platz zur Verfügung hat. In kleineren Autos kann dies eine einschränkende Anforderung sein. Auch wenn man gerne mal Besuch empfängt sind vier Sitzplätze angenehm. Drehbare Fahrer- und Beifahrersitze sparen Platz, aber sind in der Regel nicht optimal am Tisch platzierbar. Zudem ist die Fahrerkabine in der Regel schlecht isoliert du deshalb viel kälter als der Wohnteil.

Übrigens sollte man auch bei den Sitzen in der Fahrerkabine gut überlegen, bessere Sitze als die originalen zu beschaffen. Immerhin sitzt man oft stundenlang im Fahrzeug wenn man unterwegs ist. Wir haben zum Fahren Recaro Sitze eingebaut, eine teure, aber unserer Meinung nach lohnenswerte Investition. Sie sind unterdessen 15 Jahre alt und haben 250'000 km auf dem Buckel, sitzen tut man aber noch immer wie zu Beginn.

Kochen

In den meisten Fahrzeugen werden Gasherde eingesetzt. Das hat den Vorteil, dass man bei vernünftiger Belüftung auch wirklich drinnen kochen kann. Beim Verbrennen von Gas (Butan, Propan) wird aber viel Wasser freigesetzt (chemische Reaktion beim Verbrennen von Gas). Das kann vor allem bei kalten Wetterbedingungen zu Kondensation führen. Zudem ist je nach Gasanlage das Befüllen/Tauschen von Gastanks in vielen Reiseregionen schwierig. Entweder fehlen die nötigen Anschlussadapter oder es ist gar verboten ausländische Tanks zu befüllen. Festverbaute Gastanks können oftmals an Autogastankstellen kostengünstig befüllt werden, aber auch hier gibt es unterschiedliche Anschlüsse.

Man kann auch mit einem Dieselkocher arbeiten. Aber neben dem Vorteil, bordeigenen Treibstoff nutzen zu können, haben sie aber auch einige entscheidende Einschränkungen. Die Aufwärmzeit ist zum Beispiel gegen zehn Minuten. Das bedeutet mal schnell ein Kaffee zu kochen dauert. Ein weiteres Problem zeigt sich, wenn man über 2500 müM reisen will. In grossen Höhen machen die meisten Modelle Schwierigkeiten. Zudem sie die Kochfelder eher teuer und können einmal unterwegs, nur schwer, wenn überhaupt, repariert bzw. ersetzt werden.

Kochen mit einem offenflammigen Benzinkocher hat einige Vor- aber natürlich auch entscheidende Nachteile. Der grösste Vorteil ist, dass Benzin günstig und überall leicht erhältlich ist. Auch haben diese Kocher eine hervorragende Heizleistung und grosse Höhe und Kälte haben kaum Einfluss. Andererseits darf man sie wegen Kohlenmonoxid Gefahr NICHT in geschlossenen Räumen einsetzten. Zudem benötigen die Geräte etwas Eingewöhnung beim Starten. Druck muss mittels Pumpe erst aufgebaut werden, erst danach kann man sie entzünden.

Spirituskocher sind einfach zu bedienen, haben aber weniger Heizleistung. Zudem ist Spiritus nicht überall einfach und/oder günstig zu beschaffen.

Wir haben eine Kombination an Bord. Ein Gasherd fest eingebaut für den schnellen Kaffee und zum Kochen bei schlechten Wetter, sowie einen Coleman Zweiflammenkocher um draussen zu kochen. Das hat einen weiteren Vorteil. Ist mal die Gasflasche überraschend leer und kann nicht sofort aufgefüllt werden, hat man davon unabhängig eine weitere Kochmöglichkeit. Dazu haben wir einen faltbaren Backofen, eine gute Lösung um mal ein Brot zu backen.

Apropos Backen: Wenn man gerne bäckt oder auch in Regionen mit weniger feinem Brot eine Alterative schaffen will, ist ein Backofen eine tolle Sache. Auch eine verbreitete Lösung ist das Backen mit einem Omnia Topf.

Kühlen

Ein kühles Bier am Lagerfeuer ist schon ein toller Luxus. Um dieses kalt zu kriegen gibt es Kühlschränke welche auf unterschiedlichen Funktionsprinzipien basieren.

Absorber Kühlschrank

Vorteile

Nachteile

Kostengünstig (Peltier Element Modelle)

Kühlt nur max. 15..20 °C unter die Umgebungstemperatur

Kombimodell 230 V / Gas / 12 V erhältlich

Funktioniert nur optimal wenn horizontal

Geräuschloser Betrieb

Nicht sehr energieeffizient

 Kompressor Kühlschrank

Vorteile

Nachteile

Sehr leistungsfähig (auch tiefkühlen möglich)

Benötigt genügend elektrische Energie (50 l ab ca. 30 Ah pro 24h Betrieb)

 

Teurer als Absorber

 

In handelsüblichen Wohnmobilen sind meist Kombiabsorber eingebaut da man davon ausgeht, dass das Fahrzeug am Standort entweder am Landstrom hängt oder aber mit Gas betrieben wird.

Auf Reisen in abgelegene und heisse Länder wird aber wohl ein Kompressor Kühlschrank zum Einsatz kommen. Dabei gibt es Schränke oder Truhen. Erstere sind übersichtlicher zu befüllen, Truhen halten die Kälte in der Regel besser und brauchen entsprechend weniger Strom.
Es gibt (vor allem kleinere) Kühlschränke mit integriertem Eisfach. Das ermöglicht, auch mal einen Drink mit Eis zu geniessen oder etwas Gefrorenes ein paar Tage zu lagern, mehr aber nicht. Im tropischen Klima bildet sich innert Tagen eine dicke Eisschicht um das Kühlfach, was die Kühlleistung markant verschlechtert. Deshalb wird man öfters abtauen müssen. Es gibt aber auch Modelle wo sich das Eisfach nur bei Bedarf einsetzen lässt.

Es gilt zu bedenken, dass der Kühlschrank meist einer der grössten Stromverbraucher ist. Dementsprechend muss Batterie und Solaranlage ausgelegt sein.

Stauraum

Man kann nie genug haben, könnte man meinen. Das mag für einen LKW auch zutreffen, aber bei kleinen Fahrzeugen (<3.5 t) führt viel Stauraum oft zum Überladen.

Sinnvoll ist auf langen Reisen schon, genügend und gut zugänglichen Stauraum zu haben. Wenn man schon Erfahrung mit Langzeitreisen hat, ist es einfacher abzuschätzen wo und wieviel Stauraum sinnvoll ist. Ansonsten sollte man mal die Ausrüstung auslegen und gruppieren (Kleider, Küche, Werkzeug und Ersatzteile, Lebensmittel, Campingstühle und -tisch, etc.) Danach einteilen was schnell zugänglich sein soll und was man auch im „Keller“ verstauen kann. Nun sollte man ein Gefühl bekommen, wo wieviel Stauraum benötigt wird. Wenn sich eine praktikable Lösung gibt, ist das Problem vom Tisch. Ansonsten gilt Ausrüstung abspecken oder ein anderes Fahrzeugkonzept ins Auge fassen.

Grosszügige Aussenstaufächer sind wertvoll um alles was man draussen braucht, Bergematerial, Camping Möbel und allenfalls schmutzige Ausrüstungsgegenstände unterzubringen.

Reisende mit kompakten Fahrzeugen tendieren dazu unnötig viel Ausrüstung mit auf die Reise zu nehmen. Das führt oft zu überladenen Fahrzeugen und die Zugänglichkeit zu wichtigen Ausrüstungsgegenständen leidet. Daher werden zu Beginn der Reise viele versuchen „abzuspecken“. Es gilt besser schon vor der Abreise alles zu optimieren.

Wasserversorgung

Hier gilt es erst mal zu entscheiden wie viel Trinkwasser man bunkern muss bzw. kann. Wir kommen mit 10 L Brauchwasser pro Tag in der Regel aus. Unser 80 L Unterflurtank reicht daher eine Woche, auch wenn kein weiteres Wasser verfügbar ist (nur in der Wüste wirklich der Fall).

Daneben haben wir einen autonomen Trinkwasser Innentank mit 45 L. Dessen Wasser läuft durch einen Filter zu einem separaten Hahn.

Dieses Konzept hat den Vorteil nur zu filtern was man zum Trinken/Kochen/Zähneputzen braucht und das im Autoinnern Wasser nie gefrieren kann. Aussentanks kann man auch elektrisch beheizen, das braucht aber halt wieder Strom und das nicht zu knapp bei tiefen Temperaturen.

Es gibt auch die Lösung alles gebunkerte Wasser beim Befüllen zu filtern. Das macht unseres Erachtens kaum Sinn, denn in vielen Ländern reicht der Leitungsdruck dazu nicht aus. Das Problem ist auch relevant wenn man sehr viel Wasser bunkern will. Da kann es schnell mal 1 h und länger dauern bis der Tank voll ist. Andere Wartende beim Hahn werden das nicht schätzen. Natürlich gibt es beliebig viele technische Lösungen dieses Problem zu lösen (z.B. Boosterpumpe) aber wir persönlich sind der Meinung, man sollte eher zu einfachen Lösungen tendieren. So gibt es weniger Fehlermöglichkeiten und man spart Platz und Gewicht.

Will man in Städten, Campingplätzen oder auf Parkplätzen die bordeigenen Wasserverbraucher nutzen, wird man nicht um einen Abwassertank herumkommen. Dieser muss nicht sehr gross sein, 20-30 L reichen in der Regel bereits. Grauwasser, d.h. Abwasch- und Duschwasser, sowie generell das Wasser vom Spülbecken ist nur schwach belastet und kann im Notfall in kleinen Mengen in die Natur  oder wo vorhanden in die Kanalisation entsorgt werden. Bei einem 200 L Tank in einem LKW wird das zunehmend schwierig. In den meisten Ländern ausserhalb von Europa und Nordamerika sind Entsorgungsstationen, wenn überhaupt, nicht leicht zu finden. 

Noch bedeutender ist dieses Thema bei Schwarzwasser (WC Abwasser). Die einzig praktikable Lösung sind die in Wohnmobilen üblichen Kasetten WC's. Die Tanks sind handlich und können in einem normalen WC entleert werden. Das gilt allerdings nur dann, wenn dem Inhalt keine Chemikalien beigemischt wurden. Das funktioniert wiederum nur wenn die WC Anlage mit einem SOG System ausgerüstet ist. Wir könne das System bestens empfehlen. Nur wenn es sehr warm ist, sollte man die Kassette spätestens nach 2-3 Tagen entleeren um unangenehme Gerüche zu vermeiden.

Eine valable Alternative kann eine Trenntoilette sein. Urin wird in einem separaten Tank aufgefangen, die Feststoffe fallen in einen eigenen Behälter wo sie mit organischem Material gebunden werden. Während der Urintank alle paar Tage entleert werden muss, hält der Feststoffbehälter deutlich länger. Die Vorteile sind: Wenig Wasserverbrauch, Entsorgung im normalen Müll bzw. WC und keine Chemie. Nachteil: Etwas umständlicher in der Handhabung. Wegen dem Platzbedarf eher geeignet für grössere Fahrzeuge. Meist nicht ab Werk lieferbar.

Elektrische Anlage

Das ist ein ganz grosses Thema und es gibt wohl so viele Meinungen/Lösungen wie Leute. Grundsätzlich lohnt sich auch hier der Gedanke: So einfach wie nötig. Man muss bedenken, dass wenn man in weniger entwickelten Ländern reisen will und selber kein Elektrik Spezialist ist, Funktionsstörungen einiges an Kopfzerbrechen verursachen werden.  Eine komplexe Anlage enthält nicht nur mehr Fehlerquellen, sondern es wird auch schwierig sein, hochwertige Ersatzteile dafür zu beschaffen.

Batterie

Wir haben uns beim Umrüsten von Blei- auf Lithiumbatterie auf eine Bauform entschieden, welche einer Standardbleibatterie entspricht. Sollte die Li Batterie je einmal aussteigen, können wir sie ohne grosse Umbauten durch eine herkömmliche Batterie ersetzen.

Bei der Auslegung beziehungsweise Bewertung der Anlage steht im Vordergrund, wo man wie lange autark stehen will. Dazu muss man sich bewusst sein, wieviel Energie die gesamten elektrischen Verbraucher in einem 24 h Zyklus verbrauchen. Daraus ergibt sich die Batteriekapazität die man minimal benötigt.

Lithium Batterien gewinnen zunehmend an Bedeutung. Die Vorteile verglichen mit Bleibatterien sind offensichtlich: Kleines Gewicht, wartungslos, grössere Lebensdauer (Entladezyklen), hohe Ladeströme und Entladeströme möglich. Dem gegenüber stehen folgende Nachteile: Teure Anschaffung, spezielle Ladekennlinie wenn kein eingebautes Batteriemanagement vorhanden, Laden bei sehr kalten Temperaturen eingeschränkt, Neubeschaffung in Entwicklungsländern eher schwierig.

Bleibatterien haben eine beschränktere Lebensdauer. Man rechnet diese gerne in "Zyklen", etwa 500 Zyklen sind es im Schnitt. Eine Entladung entspricht einem Zyklus. D.h. 2 Jahre Dauergebrauch und die Lebensdauer ist erreicht. Die Kapazität nimmt danach spürbar ab. Es lohnt sich, die Batteriekapazität grosszügig zu wählen, so dass sie über Nacht nur zu einem kleinen Teil entladen wird. Dies entspricht dann nämlich auch nur einem "Teilzyklus" und somit kann man die Lebenserwartung erhöhen. Auch zu bedenken ist, dass eine Bleibatterie konstruktionsbedingt nur etwa zu 50% entladen werden darf ansonsten droht Lebensdauerreduktion oder gar Defekt. Im Normalbetrieb sollte deshalb die Batterie über Nacht nur bis etwa 80% der Kapazität entladen werden.

Lithium Batterien kann man nicht nur fast vollständig entladen (nutzen) sondern sie haben auch eine  deutlich höhere Zyklenfestigkeit.

Es ist vorteilhaft möglichst nur eine, halt entsprechend grosse, Batterie zu verbauen. Das hat Vorteile beim Laden und falls eine Batterie mal defekt gehen sollte, besteht sonst die Gefahr, dass die andere(n) Batterie(n) ebenfalls zerstört werden. Dies gilt besonders für Bleibatterien. Unbedingt sollten aber zumindest gleichgrosse und gleichartige Modelle zusammengeschaltet werden. 

Solaranlage

Eine Solaranlage muss so gross ausgelegt sein, dass die über Nacht entladene Batterie wieder geladen und den Tagesverbrauch zudem gedeckt werden kann. Dabei spielt es eine entscheidende Rolle in welcher Gegend und Jahreszeit man unterwegs sein wird. An kalten, kurzen Wintertagen wird man nur einen Bruchteil der Sommersolarleistung erzielen und gleichzeitig einen markant höheren Verbrauch haben. Auch in den Tropen hat man weniger Ertrag weil es oft bedeckt ist und die die Tage immer kurz sind. Der Kühlschrank läuft dabei quasi andauernd durch.

Hier ein LINK zu einem EXCEL Tool mit welchem man eine Solaranlage berechnen kann.

Ladebooster

Beim Fahren können Starter- und Camperbatterie(n) ebenfalls geladen werden. Dabei lohnt sich eventuell ein sogenannter Ladebooster um unterschiedliche Batterietypen optimiert und vollständig laden zu können. Bei modernen Fahrzeugen ist das meist sogar zwingend notwendig, da sonst die Lichtmaschine automatisch abgeschaltet wird, sobald die Starterbatterie voll ist, während die Camperbatterie noch geladen werden sollte.

Kabelmontage

Bei der Verlegung von elektrischen Kabeln sollte man grosszügige Querschnitte einsetzen um Spannungsverluste zu minimieren. Zu kleine Querschnitte führen zum Überhitzen der Kabel und im schlimmsten Fall zu einem Kabelbrand. Dazu sollten die einzelnen Kabelstränge am besten auf Verbraucher- und Batterieseite korrekt abgesichert sein. Das ist wichtig beim Selberbauen, aber auch beim Kauf sollte man das prüfen, da an dieser Stelle gerne gespart wird.

Landstrom

In Bezug auf Landstrom, d.h. Versorgung des Fahrzeugs von einer Steckdose, haben wir selber nur ein kleines, mobiles 10A Batterieladegerät an Bord, mit welchem wir bei langer Standzeit und schlechten Wetterbedingungen die Batterieladung erhalten können. Seit wir die Lithium Batterie im Einsatz haben, wird dieses einzig dazu verwendet, alle paar Monate die Batterien vollständig zu laden (erhöht die Lebensdauer und Kapazität). Unterwegs brauchen wir keinen Landstrom.

Entschliesst man sich auch einen Landstromanschluss einzubauen, muss darauf geachtet werden, dass der Eingang korrekt abgesichert ist und eine Vorrangschaltung sicherstellt dass allfällige 230 V Steckdosen nur vom Landstrom versorgt werden. In vielen Ländern sind Stromanschlüsse in Campingplätzen meist nicht sehr leistungsfähig. Oft sind sie auf 6 A abgesichert, so kann man max. 1500 W beziehen, da kann man Kaffeemaschine, Haar Föhn und Klimaanlage vergessen.

Alternative Stromversorgungen

Neben den bereits erwähnten und üblichen Methoden kann man zusätzlich einen Generator oder eine Brennstoffzellenanlage zur Versorgung in Betracht ziehen.

Erstere haben den Nachteil, dass die Lärm verursachen, störend vor allem auch für Campnachbarn, und deshalb in den meisten Campingplätzen verboten sind. Ein Generator kann fest im Fahrzeug verbaut werden und bis hin zu automatischem Start auf Knopfdruck ausgerüstet sein. Alternativ verwendet man ein tragbares Modell mit dem Vorteil das Gerät vom Fahrzeug entfernt platzieren zu können. Insgesamt benötigt ein Generator aber Platz und ist entsprechend auch schwer. In der Regel werden Generatoren aber sowieso eher in grossen Fahrzeugen eingesetzt.

Brennstoffzellen sind zwar fast lautlos, aber dafür (noch) recht teuer in der Anschaffung. Auch der Brennstoff ist in der Regel „exotisch“ (Methanol oder Gas) und entsprechend teuer und unterwegs auch schwierig zu beschaffen.

Wechselrichter

Hat man keinen Landstrom und benötigt trotzdem 230 V an Bord, muss ein Wechselrichter verbaut werden. Dieser wandelt die Batteriespannung auf 230 V AC. Man muss bedenken, dass die maximalen Ströme im 12V Netz sehr schnell gross werden können. Will man z.B. eine Kaffeemaschine ab Batterie betreiben, benötigt diese schnell mal 1500 W. Daher muss der Wechselrichter, mit etwas Reserve, 2000 W liefern können. Dies wieder bedeutet, dass der Strom ab 12 V Batterie (2000W : 12V = ) 170 A betragen wird! Nicht nur ist eine Batterie mit zu kleiner Kapazität schnell leergesogen, auch der Kabelquerschnitt muss entsprechend ausgelegt sein.
Hier kann man den berechnen LINK

 Will man die komplette Anlage selber aufbauen, sollte man sorgfältig recherchieren, insbesondere wenn die notwendigen Fachkenntnisse und Erfahrung noch fehlen sollten. Der hier vorliegende Artikel hat nicht den Anspruch eine Anleitung zum Bau eines Fernreisemobil zu sein. Es soll einzig Gedankenanstoss für die Auswahl eines passenden Fernreisefahrzeugs sein!

Kabinenform

Klassische Wohnmobile werden an dieser Stelle nicht explizit behandelt obschon man viele Reiseregionen durchaus auch mit einem solchen bereisen kann. Allerdings sollte man dann ein hochwertiges Modell wählen, da viele der günstigeren Fahrzeuge nicht für den Dauergebrauch konzipiert sind.

Es gibt mehrere klassische Bauformen für Wohnkabinen. Wählt man einen LKW ergibt sich fast automatisch ein Kofferaufbau. Dieser containerartige Aufbau sitzt beweglich auf dem Chassis und kann einen Durchstieg in die Fahrerkabine beinhalten. Weniger üblich sind Aufbauten mit Alkoven.

Bei Fahrzeugen der <3.5 t oder knapp darüber Klasse gibt es schon mehr Varianten:

Kastenwagen/Van/Geländewagen

Dabei wird die Originalkarossiere des Fahrzeugs zum Ausbau verwendet. Will man Stehhöhe wird bei einem Kastenwagen eine entsprechende Karosserie Variante gewählt. Auch bei den Radständen gibt es je nach Modell von kurz und kompakt bis sehr lang mehrere Möglichkeiten.

Vorteile sind die oft kompakten Abmessungen und der kostengünstig mögliche Selbstausbau. Diese Bauform kann ohne Stehhöhe, dafür mit Aufstelldach, ausgebaut werden. Will man auch abseits von mitteleuropäisch guten Teerstrassen unterwegs sein, sollte man darauf achten, dass robuste (Off-Road) Reifen in möglichst grossen Dimensionen (Durchmesser, nicht Breite), möglichst viel Bodenfreiheit und wenig Überhang an der Hinterachse vorhanden sind. Bleibt das Fahrzeug unter 2.5 m Gesamthöhe, kann man im Hicube Container verschiffen! Im Auge behalten muss man bei dieser Bauform das Gesamtgewicht. Vor allem kleine Vans haben von Grund auf wenig Zuladung, während z.B. Mercedes Sprinter auch hoch belastbare Varianten bieten. Unterdessen sind mehrere Kastenwagenmodelle auch mit Allradantrieb erhältlich. Es gilt aber zu bedenken, dass nicht in erster Linie die fehlende Traktion das Hauptproblem ist, sondern mehr die Robustheit eines Fahrwerks, vor allem auch der Reifen, und Bodenfreiheit. So sollte man prüfen ob auch Geländereifen und eine Fahrwerkserhöhung angeboten werden. 

Auch grosse Geländewagen wie Land Rover, Toyota Landcruiser  oder lange Mercedes G können nach diesem Konzept zu einem Camper ausgebaut werden. Die Platzverhältnisse werden aber auch mit Aufstelldach recht beengt bleiben. Dafür hat man ein robustes und kompaktes Gefährt, welches auch Reisen abseits von Teerstrassen erlaubt.

Pick-Up Camper

Dabei handelt es sich um ein Geländefahrzeug auf dessen Ladebrücke eine Camperkabine aufgesetzt werden kann. Da die Ladefläche bereits recht hoch ist, wird die Gesamthöhe wie auch der Schwerpunkt dadurch eher hoch zu liegen kommen. Zudem ist das Platzangebot meist bescheiden, es sei denn man entscheidet sich für eines der amerikanischen Modelle. Es gibt aber auch Kabinen mit Aufstelldach welches die genannten Nachteile etwas verringert. Anstatt die Kabine auf die Ladefläche zu stellen, kann man diese auch komplett entfernen und die Kabine mittels einem Hilfsrahmen direkt auf das Chassis montieren. Dadurch gewinnt man Platz, spart Gewicht und Höhe. Allerdings lässt sie die Kabine so nicht mehr mal schnell absetzten.

Erfahrungen anderer Reisenden mit dieser Art Kabine haben aufgezeigt, dass es bei nicht so robusten Pick-Up Fahrzeugen (Nissan, Mazda, etc.) gerne zu Chassis Brüchen kommen kann. Das scheint daher zu kommen, dass die hohen und oft auch schweren Kabinen auf schlechten Strassen und Pisten starke Nickbewegungen und Verwindungen verursachen, was in der Folge zur Überlastung des (dafür nicht konzipierten) Chassis führt. Das Problem ist umso grösser wenn die Kabine hoch und schwer ausfällt. Alkoven Bauformen sind auch stärker belastet.

Fahrzeuge wie Land Rover, Mercedes G und Landcruiser sind davon nicht betroffen, einfach weil sie für schwere Belastungen entwickelt worden sind.

Teilintegrierter Camper

Bei Wohnmobilen sehr beliebt, kann man aber auch Geländewagen entsprechend ausbauen. Unser Landcruiser Azalai gehört in diese Kategorie. Vom Trägerfahrzeug werden nur das Chassis und die Fahrerkabine weiter verwendet. Hinter der Kabine wird dann der Wohnaufbau fest oder mittels Hilfsrahmen mit Chassis und auch mit der Fahrerkabine verbunden. Vorteil ist, dass man eine etwas breitere und höhere Wohnkabine bauen kann. Dadurch werden das Raumgefühl und die Innenabmessungen markant verbessert. Will man unter 3.5 t bleiben muss das Gewicht beim Ausbau immer beachtet werden. Viele dieser Art sind oft schon bei der Abfahrt massiv überladen. Auflasten ist bei den meisten Modellen möglich, aber das Gewicht bleibt und das beeinflusst die Geländetauglichkeit merklich. Vor allem Alkoven Kabinen mit permanenter Stehhöhe bauen schnell mal 3 und mehr Meter hoch und sind oft entsprechend schwer, sicher kein Vorteil. 

Basisfahrzeug

Das Gewicht und die Gesamtabmessungen sind ein ganz entscheidender Einflussfaktor auf das Gesamtprojekt. Wenn es gross und damit zwangsläufig auch schwer wird, schliesst das fast automatisch ein Fahrzeug der 3.5 t Kategorie aus. Auch auf die Verschiffungsoptionen hat es einschneidende Einflüsse. Auf der anderen Seite ergeben sich natürlich ganz andere Möglichkeiten bei der Autonomie, bei der Zuladung und dem Komfort. Aus diesem Grund sollte man sich erst darüber im Klaren sein, bevor man sich für ein Modell entscheidet.

Abmessungen

Es gibt eine wichtige Abmessung beim grundsätzlichen Entscheid über das gewünschte Fahrzeug: Die Gesamthöhe. Ist diese über 2.5 m ist eine Verschiffung in einem geschlossenen Container nicht möglich. Je nach geplanter Reiseroute kann das eine erhebliche Einschränkung der Transportmöglichkeiten, ein erhöhtes Einbruchrisiko während der Verschiffung oder einen grossen Kostenfaktor bedeuten.

Ist keine Verschiffung geplant, spielt die Höhe weniger eine Rolle, wenn auch zu hoch bauende Fahrzeuge immer wieder mit Problemen wie tiefhängende Kabel oder Brücken und Tunnel mit Höhenbeschränkungen konfrontiert werden.

Eine Länge > 6m schränkt beim Parken auf normalen Parkfeldern ein und sind auf Fähren oft markant teurer. Wichtig ist auch ein kurzer Überhang welcher bei Rampen und beim Durchfahren von Senken ein Aufsetzen und damit verbundene Schäden verhindert. 

Auch die maximale Breite kann auf schmalen Bergstrassen im wahrsten Sinne des Wortes einengend sein. Da aber meist auch Busse und LKW verkehren, ist das ein weniger grosses Problem.

Gewicht

Hier gilt es zu entscheiden ob man in der Kategorie <3.5 t bleiben oder man darüber gehen will.

In vielen Ländern gelten für Fahrzeuge über 3.5 t zusätzliche Einschränkungen und Regeln. Meist sind Strassengebühren und Transportkosten auf Fähren markant teurer. Zum Vorteil gereicht hingegen, dass man in der Regel mehr Zuladung hat und daher grösser bauen kann und weniger auf das Gewicht achten muss. Je nachdem wie schwer das Fahrzeug schliesslich ist, muss auch ein LKW Führerschein gemacht werden.

Wir haben mehr Overlander getroffen welche von grossen auf kleinere Fahrzeuge gewechselt haben als umgekehrt.

Basismodell

Bleibt man auf Teerstrassen in gut entwickelten Ländern ist die Frage nach dem Basisfahrzeug weniger wichtig. Auf einer Route abseits der Hauptstrassen ist es von grossem Vorteil, zumindest ein robustes Fahrzeug mit guter Bodenfreiheit zu haben. Auch ist es ein Vorteil, kein allzu modernes Modell zu wählen, da dieses oft eine Technik verwendet, welche nicht oder nur schwer zu reparieren sind. Dies insbesondere in weniger gut entwickelten Ländern oder wo immer das Modell nicht verkauft wurde, wichtig.

4x4?

Muss es ein 4x4 sein? Jein, auch wenn man auf der Reise nicht unbedingt „hard core“ Off-Road Strecken sucht, bietet ein Geländewagen zusätzliche Sicherheit, zum Beispiel wenn sich die Strassenbedingungen überraschend verschlechtern, sei es wegen Regen und Schnee oder weil die Strassenkarten die eigentlichen Strassenverhältnisse nicht offenbaren. Auch die „letzten 200m zum Traumübernachtungsplatz am See“ sind oft mit nicht geländegängigen oder grossen Fahrzeugen unerreichbar. Geländewagen sind vor allem auch robuster und sind mit robusten Reifen ausgestattet, ein nicht zu verachtender Vorteil.

Treibstoff

Je nach bereister Region muss man mit schlechter Treibstoffqualität rechnen, etwas womit moderne Motoren eher Probleme haben. Gleiches gilt für sehr grosse Höhen wie in den Anden und anderen Hochgebirgen. Moderne Motoren sind optimiert bis ca. 2500 müM, darüber funktioniert das Standard Motormanagement weniger optimal und schlimmsten Falls führt es z.B. zum Verstopfen des Partikelfilters und der Motor läuft, wenn überhaupt noch, im Notprogramm. Ein weiteres "Dieselproblem" kann in Regionen auftauchen wo Treibstoff mit Eurodiesel Schwefelgehalt noch nicht erhältlich ist. Moderne Motoren kommen damit nicht oder nur mit Einschränkungen klar, da gilt es ebenfalls im Vorfeld zu klären ob die geplante Reiseregion  betroffen ist und das erwünschte Fahrzeug damit klarkommen würde. Gleiches gilt für die Verfügbarkeit von AdBlue auch wenn dieses zumindest in Grossstädten auch in weniger entwickelten Ländern immer öfter verfügbar ist.

Es lohnt sich vor einem Entscheid entsprechende Fachforen zu konsultieren um zu sehen wo Probleme zu erwarten sind und wie sich diese allenfalls vermeiden lassen.

Benzin oder Diesel?

Nun Diesel hat ganz klar seine Vorteile. Der Treibstoff ist in der Regel günstiger, weniger feuergefährlich und der Verbrauch gleichzeitig kleiner, ein nicht unerheblicher Vorteil für das Reisebudget. Auch ist Diesel mindestens so gut verfügbar wie Benzin, mit wenigen Ausnahmen, z.B. im Nahen Osten. Auch bei der Reichweite wirkt sich der Minderverbrauch positiv aus, je nach Reiseroute ein wichtiges Argument. Grosse Kälte kann für Dieseltreibstoff (inkl. Heizung) ein Problem darstellen, das vor allem, wenn man kein Winterdiesel getankt hat. Unter -25°C ist dann ohne beheizte Tanks, Filter und Leitungen meist Schluss, der Treibstoff "geliert" und lässt sich nicht mehr fördern. Mit entsprechenden Zusätzen kann man Sommertreibstoff wintertauglich machen.

Die meisten Reisenden werden aber sehr kalte Temperaturen zu meiden versuchen, so dass das Problem meist nicht relevant ist. Will man aber die Nordlichter in der Polarregion besuchen, gilt es entsprechende Vorkehrungen zu treffen (gilt dann aber auch für Wasser/Abwasser, Strombedarf und Heizung)

Alte Modelle

Ein sehr altes Fahrzeug ist nur Leuten zu empfehlen welche das Gerät sehr gut kennen und selber Hand anlegen können, auch wenn alte Fahrzeuge meist mit Technik ausgestattet sind, welche auch im Busch reparierbar ist. Ideal scheinen guterhaltene Modelle von etwa 1990-2010 zu sein.

LKW

Wählt man einen LKW, muss man sich im Klaren sein, dass der Betrieb und Unterhalt um einiges teurer wird als bei einem 3.5 t Fahrzeug. Der Treibstoffverbrauch kann gut und gerne doppelt so hoch sein. Reifen sind einiges teurer und Geländereifen oft unterwegs nur schwer zu beschaffen. Aber auch Betriebsmittel wie Öle sind teurer, da die benötigten Mengen meist viel grösser sind und auch Ersatzteile kosten meist einiges mehr.

Vor allem wenn man dann pro Jahr viele Kilometer abspult,  50‘000 Km sind je nach Route und verfügbarer Zeit nicht unüblich, schlagen sich die Kosten zu Buche. Reist man hingegen sehr langsam, sprich kleine Strecken pro Jahr, sind diese Argumente weniger gravierend. Auf jeden Fall sind LKW's langlebiger. Daher kann man auch ein älteres Fahrzeug mit viel Laufleistung noch in Betracht ziehen.

Neu oder gebraucht kaufen oder grad selber bauen?

Eine schwierige Frage. Bestimmte Varianten lassen sich aber gar nicht selber bauen, also bleibt kaufen. Nur, findet man überhaupt was man sucht? Kann man sich ein fabrikneues Fahrzeug leisten? Hat man das Geschick und die Zeit den Ausbau selber zu wagen? Wie lange ist die Lieferfrist?

Viele Fragen und keine pauschale Antwort. Aber es macht sicher Sinn, die Suche nach einem Fahrzeug möglichst früh zu starten und zu versuchen, noch vor der grossen Reise, eine Probereise von mindestens ein paar Wochen zu unternehmen. Es gibt wohl nichts schlimmeres, als wenn man endlich unterwegs ist, sich schon zu Beginn die Probleme häufen und Nerven wie Reisebudget strapaziert werden.

Auch wir hatten, und das obschon das Basisfahrzeug schon länger in unserem Besitz war, nach dem Umbau eine ausgedehnte Reise nach Marokko und danach auch noch nach Sardinien gemacht, bevor wir dann die zweijährige Panamericana Reise starteten. Bei uns gab es keine Überraschungen, nicht zuletzt weil Azalai Kabinen auch zusammen mit Landcruiser damals schon seit 15 Jahren gebaut wurden. Da gab es natürlich keine Kinderkrankheiten zu befürchten.

Anders sieht das aus, wenn man sich ein Unikat selber baut oder bauen lässt. Es kann schon einiges nicht funktionieren oder versagen, wenn man sich ohne Erfahrungen an ein solches Projekt wagt. Auch Profifirmen haben nicht immer die die notwendigen Erfahrungen in allen Fahrzeugbereichen, umso wichtiger ist es sich schon im Vorfeld Referenzen einzuholen, so z.B. auf der jährlich stattfindenden Messe in Bad Kissingen. Nicht nur auf dem Messegelände bei den Anbietern, sondern vor allem auf den Campingwiesen sollte man hereinschauen und mit den Besitzern reden. Auch auf Treffen von Overlandern/Weltreisenden bieten sich viele Möglichkeiten sich mit Leuten über ihre Erfahrungen auszutauschen. Kauft man ein fertiges Fahrzeug, ist es von grossem Vorteil, wenn man auch die Details des Ausbaus kennt. Wo sind die Leitungen und Kabel verlegt? Was ist wo und abgesichert? Welche Komponenten (Elektrisch, Wasser, Gas) sind verbaut und sind deren Bedienungsanleitungen und Ersatzteile bekannt?

Generell sollte man darauf achten, dass man die verbaute Technik einigermassen versteht und bestenfalls auch prüfen und reparieren kann, denn in den meisten Ländern ohne "Campinginfrastruktur" sind wenig Fachleute und oft auch kein Material vorhanden, um ein komplexes Weltreisefahrzeug zu warten und zu reparieren.

Checkliste

Die folgenden Fragen sollte man sich beantworten bevor ein Entscheid fällt:

  • Wie gross ist mein Budget?
  • In welcher Region will ich wie lange Reisen?
  • Welche Topografie, Art von Strassen und welches Klima erwarten mich?
  • Wo und wie will/muss ich übernachten (Campingplatz, Wildnis, Parkplatz)?
  • Was habe ich für Ansprüche bezgl. Kochen und Sanitäreinrichtung?
  • Kann/will ich unter 3.5 t bleiben?
  • Will ich auch verschiffen, wenn ja wo/wie?
  • Auf welche Einrichtungen an Bord will ich auf keinen Fall verzichten?
  • Was sind die Ansprüche an die Autarkie (Treibstoff, Wasser, Strom, Ausrüstung)?   

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