Marokko 2015

Im März 2015 ist uns der umgebaute Landcruisercamper übergeben worden. Nach einigen weiteren Optimierungen und dem Einrichten sollte das Fahrzeug nun ein erstes Mal einem Praxistest unterzogen werden. Marokko bot sich uns aus zwei Gründen an:

  • Myrta war noch nie in diesem wunderschönen Land gewesen
  • Marokko ist vor allem im Frühling sehr schön

Unten nun die Geschichte unseres ersten kleinen Abenteuers im Azalai.


Ein besondere Seite widmen wir den unglaublichen Handwerkern welche wir in den verschiedenen Städten beobachten konnten --> LINK

Reiseroute


Reisebericht

23.4. Donnerstag

Strecke:           Rheinfelden – Genf - Annecy – Sete

Distanz:          Ca.     760 km

Wetter:            Schön, warm  

Übernachtung: Fähre


Um etwa Acht hatten wir gepackt und waren startklar. In Kirchberg legten wir noch einen Zwischenstopp ein, um Myrta’s Enkelin Mayla die Geburtstagsgeschenke abzuliefern. Danach noch ein Spanngummi für die Schaufel auf dem Dach besorgt und schon ging es weiter Richtung Genf. Auf der Autobahn durch die Alpen war wie immer wenig Verkehr und wir kamen gut voran. Um etwa 4 Uhr liefen wir im Hafen zu Sete ein und besorgten unsere Tickets. Dort bekamen wir schon das erste Mal einen kleinen Vorgeschmack auf die Grenze in Marokko. Dicht gedrängt stellte sich eine Traube Passagiere vor den 4 Schaltern an, zwei weitere waren wohl besetzt aber nicht offen.

Bald schon begann das Verladen, aber eben, ein italienisches Schiff in einem französischen Hafen, wieso soll dass denn geordnet von statten gehen. Aber so nach drei Stunden waren dann alle an Bord und das Schiff lief mit nur einer Stunde Verspätung aus. Schon beim Ticket holen wurden wir informiert, dass sich die Reederei aus „meteorologischen" Gründen vorbehalten würde, Mellilla anstatt Nador anzulaufen. Die See war dann zwar spiegelglatt, aber Mellilla wurde sowieso angelaufen, warum auch immer.

Noch vor dem Auslaufen wurde im Restaurant das Nachtessen serviert. Wir hatten die Verpflegung schon vorher gebucht und hatten dafür Essensgutscheine ausgehändigt bekommen. Auf dem Schiff wurden wir über die Details informiert. Da gab es dann nur entweder eine Vorspeise mit Beilage oder aber eine Hauptspeise mit Beilage. Wir hatten irgendwie ein komplettes Menu, also nicht oder sondern eher und erwartet. Nun, satt geworden sind wie sowieso. Bald nach dem Essen zogen wir uns in die Kabine zurück und schliefen bald wie die Steine.  


24.4. Freitag

Strecke:           Auf See

Distanz:          Ca.   0   km

Wetter:            Meist schön, zum Teil dunstig, warm           

Übernachtung:Fähre


Wir hatten Beide wunderbar geschlafen und standen erst gegen neun Uhr auf. Viel gibt es auf einem solchen Schiff nicht zu tun und so gingen wir

nach einem bescheidenen Frühstück wieder in die Kabine und vertrödelten die Zeit mit lesen. Am späten Nachmittag konnte man die Fahrzeugformalitäten beim marokkanischen Zoll schon mal machen. Die Schlange war aber so lang, dass wir diese Aktion verschoben. Tatsächlich war dann zur Nachtessenszeit nicht mehr viel los und wir hatten unseren Zettel in ein paar Minuten ergattert. Auch Heute gingen wir früh zu Bett, denn vor lauter nichts tun wurde man tatsächlich auch müde.


25.4. Samstag

Strecke:           Mellilla – Nador – Segangane – Tizirhine – Midar – Aknoul – Taza – Jebel Tazzeka

Distanz:          Ca.  281   km

Wetter:            Meist bewölkt, warm

Übernachtung: Buschcamp „Camp 01“


Mit einer guten Stunde Verspätung machte das Schiff in Mellilla fest. Wir hatten eine ziemlich gute Position in der Garage und fuhren als eines der ersten Autos von Bord. Da wir uns auf spanischem Hoheitsgebiet befanden und damit in der EU war die Zollkontrolle ein Durchwinken. In der Stadt war noch nicht viel los und es hatte auch kaum Verkehr. Da aber kurz vor uns schon ein Schiff gelandet war, hatte es am der marokkanischen Grenze schon einiges an Betrieb. Wie üblich musste man sich ein wenig durchfragen was man wo an Stempeln und Unterschriften holen musste aber nach etwa 1 ½ h waren wir trotz Chaos durch. In Nador besorgen wir erst mal Dirham und kauften etwas Gemüse und Früchte und auch dem Auto wurde Futter gekauft. Der CHF wurde im Winter auch gegenüber dem Dirham stark aufgewertet, so dass alles nun noch günstiger ist. Einzig die SIM Karte für das mobile Internet konnten wir nicht besorgen, da die Maroc Telecom Geschäfte am Wochenende geschlossen bleiben. Wird uns nicht umbringen wenn wir ein paar Tage ohne Netz leben müssen.

Wir schnitten die Landzunge nördlich von Nador ab und gelangten wieder ans Mittelmeer. Wir folgten der nahezu unberührten Küste nach Westen. Immer wieder hatte man eine Aussicht auf kleine Strände. An einigen hätte man zum Übernachten auch hinunterfahren können. Dazu war es aber definitiv noch zu früh und ein Tag am Strand brauchten wir auch noch nicht. Bei Tizihin bogen wir nach Süden in die Berge ab. Schöne Erosionslandschaften und grüne, mit Blumen übersäte Felder erfreuten das Auge. Hier kommen wohl keine Touris vorbei. Auf einem Pass bogen wir auf eine Bergpiste ab. Diese führt einige Kilometer durch unbewohnte Berge, mit schönen Föhrenwäldern. Wieder hatte es herrliche Plätze zum Übernachten. Auf über 1500 m ü M kletterte die Piste hoch. Zum Teil so steil dass der Landcruiser nur noch im zweiten Gang den Berg hoch krabbelte. Eine wunderschöne und wohl recht unbekannte Gegend. In einem kleinen Ort hielten wir an um einen ersten The a la Menthe zu geniessen. Auf kleinen Strassen ging es immer südwärts bis wir in Taza die N6 überquerten um gleich wieder in die Berge des Jebel Tazzeka zu entschwinden. Einmal mehr stieg das Garmin GPS aus und wollte einfach nicht mehr starten. Schliesslich mussten wir tatsächlich wieder einmal nach Karte navigieren. Die wilde Gegend bietet immer wieder schöne Ausblicke zurück ins Tal bis man schliesslich auf fast 1500 m eine Hochebene erreicht. Unterdessen war es Zeit geworden nach einem Übernachtungsplatz Ausschau zu halten. Der erste Versuch endete bei ein paar Bauernhäusern, der zweite passte aber. An einer kleinen Piste mitten in den Büschen fanden wir ein hübsches Plätzchen. Kaum waren wir richtig eingerichtet kriegten wir Besuch von einer Ziegen- und Schafherde welche von einem Mann mit seiner Tochter begleitet wurde. Leider sprachen sie kein Französisch, so dass die Konversation primär mit einem Lächeln und Händen wie Füssen von statten ging. Bald zogen sie weiter und wir widmeten uns wieder dem Nachtessen. Bald brutzelte ein Chicken Curry in der Pfanne welches wir uns nachdem wir seit dem Frühstück nichts mehr gegessen hatten, schmecken liessen. Nachdem wir abgewaschen und zusammengeräumt hatten machten wir einen Spaziergang in der Umgebung und sahen erst richtig in welch schöner Gegend wir hier gelandet waren.

Auch Heute war es nicht spät als wir zu Bett gingen, aber es war auch ein langer Tag gewesen. Wir müssen uns sowieso noch einigen ob wir Mitteleuropäische und Marokkanische Zeit verwenden sollten, eigentlich egal oder?


26.4. Sonntag

Strecke:           Camp 01 – Merhaoua – Boulmane – Zaida – Boumia – Tunfite – Imilchil –  Lac Tislit

Distanz:          Ca.   405   km

Wetter:            Leicht bewölkt., warm, später kühl und windig      

Übernachtung: Buschcamp Camp 02 (Lac Tisnit)


Die Temperatur war in der Nacht nicht viel weiter gefallen und obschon wir in 1500 m waren war es auch am Morgen früh noch knapp 10 Grad gewesen. Die Sonne kam schon bald hervor und wärmte uns. Allerdings zogen auch immer wieder Hochnebelschwaden vorbei und verdunkelten die Sonne vorübergehend. Schon bevor unser Frühstück auf dem Tisch war, ritt ein Bauer auf seinem Esel vorbei. Ein fröhlicher Gruss und weg war er.

Als wir starten wollten spielte das Garmin schon wieder verrückt und auch mehrmaliges neustarten vermochte das Teil nicht zum Laufen bewegen. Als ich schliesslich das Ersatzgerät mit der Route bestückt hatte, startete das andere wieder ohne mein zutun. Computer ist wenns trotzdem geht….

Durch die Berge führte die Strasse immer südwärts. Entlang der Strecke wurde überall auf kleinsten Feldern Getreide angebaut. Blumen vieler Arten schmückten die Landschaft mit Farbtupfern. Nachdem wir eine Talsohle erreicht hatten, erklomm die Strasse schliesslich eine Höhe von über 2000 m. Auf dieser Höhe gedeiht nun in dieser Gegend kaum mehr etwas. Nachdem wir auf den steilen Bergstrassen nur langsam voran gekommen waren, konnten wir nach einem Abstieg in ein weites Tal etwas öfter Gas geben. Südlich von Boulmane gelangten wir auf die Hauptstrasse welche von Fes her kommt. In der Folge konnten wir auf den schurgeraden, wenn auch rumpligen Strassen einen guten Schnitt fahren. Selbst in der Kilometerlangen Baustelle wo die Strasse verbreitert werden soll, kamen wir gut voran. In Zeida füllten wir den Tank einmal mehr denn von hier bis Imilchil konnten wir nicht mit einer Tankstelle rechnen. Vor Boumia wusste das GPS wieder einmal eine Abkürzung. Auf einer rumpligen Piste schnitten wir ein paar Kilometer Teerstrasse ab und kamen an der Mülldeponie der Ortschaft vorbei. Zwar nicht gerade ein schöner Anblick dafür konnten wir mit wenig schlechtem Gewissen unseren kleinen Abfallsack dazu schmeissen.

Vor Tounfite leistete sich das GPS den selben Spass noch einmal und wieder kamen wir über die Müllkippe in die Ortschaft rein. Im Schritttempo ging es durch die Ortschaft, denn es fand ein Markt statt und die Strassen waren von Hunderten von Leuten bevölkert. Dann ging es in die Berge und zu meiner Überraschung nicht auf einer Piste wie erwartet, sondern schliesslich bis nach Imilchil auf einer Teerstrasse. Durch Täler mit kleinen Orten und grünen Feldern und immer wieder über Pässe führte die Strecke durch den Hohen Atlas. Bis auf 2800 m hoch wand sich die Strecke bevor sie dann nach Imilchil hinunter führte.

Unterdessen war es schon recht spät geworden, aber in den Bergen fanden wir nirgends einen passenden Übernachtungsplatz. Entweder man kam schon gar nicht von der Strasse weg oder aber es waren Dörfer oder Häuser in der Nähe. So fuhren wir zum Lac Tisnit hinaus und fanden direkt am Strand einen flachen Stellplatz. Der Wind pfiff heftig über die Hochebene, so dass wir uns nach einem Apero draussen bald ins Innere zurückzogen. Ich kochte unsere Spaghetti noch draussen, aber essen taten wir dann in der Wärme des Autos. Als die Sonne dann noch unterging, fiel die Temperatur bald unter 10 Grad und bei dem kräftigen Wind fühlte es sich erst noch kälter an.

Nachdem wieder alles auf und zusammengeräumt war, lud ich einen Teil unserer E-Bibliothek auf Mytras Tablet, so dass sie sich ein neues Buch aussuchen konnte. Noch lange hörten wir die Frösche im nahen See trälllern       


27.4. Montag

Strecke:           Lac Tisnit – Amergui – zurück nach Taguelft – La Cathedrale

Distanz:          Ca.   228   km

Wetter:            schön, warm (Morgens noch 2 °C, nachmittags >25 °C)     

Übernachtung: Camp 03 (La Cathedrale)


Es war ganz schön frisch geworden am Lac Tisnit, kein Wunder auf 2400 m. So liessen wir erst mal die Heizung etwas Wärme ins Haus bringen, bevor wir uns aus den Federn wagten. Sobald die Sonne kam, wurde es bedeutend gemütlicher zumal es auch windstill war und der See wie ein Spiegel dalag. Nach dem Morgenessen fuhren wir erst noch zum zweiten See, welcher ein paar Kilometer weiter östlich in einem Talkessel liegt. Auch dieser See war spiegelglatt, so dass sich die Berge und die grünen Felder spiegelten.

Nördlich des Passes ging es wieder aus talwärts und nach wenigen Kilometern bogen wir von der Hauptstrasse ab auf eine Piste. Strassenarbeiten waren bereits im Gange, so dass wohl auch diese Piste bald verschwunden sein wird. So wunderte es nicht, dass wir auch bald auf eine Teerstrasse trafen, welche schliesslich bis Amergui führte. Vor ein paar Jahren noch war das eine abenteuerliche Fahrt auf kleinen Pisten, welche zum Teil sogar im Flussbett verliefen. Schon damals war die Piste nach Amergui hinunter in Arbeit gewesen. Als wir schliesslich dort ankamen und Ausgangs Dorf auf die Piste durch die Schlucht Richtung La Cathedral trafen, wunderte ich mich, dass es grad gar keine frischen Spuren hatte. Ich fragte einen Einheimischen. Nicht ganz überraschend erklärte er uns, dass die Piste unterbrochen und nicht passierbar war. Uups, das hiess einen ganz schönen Umweg. Zurück im Dorf winkte uns ein Herr und bedeutete uns anzuhalten. Es stellte sich heraus, dass er uns schon beim runterfahren hatte stoppen wollen, da er vermutete dass wir durch die Schlucht wollten. Er lud uns zum Tee ein und erklärte uns, dass er eine Organisation leite, welche sich für die Armen in der Gegend einsetzt. Er zeigte uns auch Bilder von den Schneefällen des vergangenen Winters. Schier unglaubliche Mengen waren gefallen, sehr ungewöhnlich für die Gegend. Wir hinterliessen ein paar Kleidungsstücke, welche wir für solche Gelegenheiten dabei hatten und fuhren dann notgedrungen wieder zurück.

Unterwegs fiel mir eine Piste auf, welche eventuell den langen Umweg verkürzen konnte. Die Karte bewies dies und so bogen wir von der Teerstrasse auf die kleine Piste ab. Viel Verkehr hatte es hier sicher nicht, denn wir sahen nur gerade eine Fahrzeugspur im Staub. Aber die Strasse war zwar etwas ruppig aber gut ausgebaut. Langsam tuckerten wir ein Tal entlang. Tiere hatten, als die Piste weich war, unzählige Spuren hinterlassen. Dies machte die Piste holprig. Ich liess aber noch einmal etwas Luftdruck ab, so dass die Reifen weicher wurden. Ein paar Kilometer vor Taguelft trafen wir auf eine gut ausgebaute Piste auf der wir bis zur Teerstrasse fuhren. Dieser folgten wir durch eine fruchtbare, hügelige Landschaft. Auch hier war alles grün und unzählige Blumen blühten in den Hängen. Bei Ouaouizarth bogen wir wieder in die Berge ab. Das Westende des grossen Staudamms überquerten wir auf einer klapprigen Brücke. Die neue wurde aber bereits daneben gebaut, so dass zukünftig auch Lastwagen in die Täler hochfahren können.

In Tilouggite kauften wir noch frisches Brot und fuhren noch ein paar Kilometer ins Tal hinein. Direkt unterhalb der „La Cathedrale“ einem sehr markanten Berg in Form einer Kathedrale (mit etwas Phantasie) fanden wir direkt am reissenden Fluss einen schönen Platz zum Übernachten. Kaum hatten wir abgestellt zuckelte ein LKW vor unserer Haustür vorbei. Er wurde etwas weiter hinten von ein paar Jungs mit Sand beladen. Mit blossen Händen, wohlgemerkt. Wir warfen die Heizung an um warmes Wasser für eine wohlverdiente Dusche zu machen. Hinter dem Auto genossen wir ein Freiluftbad. Anschliessend erfreuten wir und am warmen Wetter. Sogar den leichten Wind empfanden wir angenehm, denn es war wirklich ziemlich warm geworden.

Wir sammelten Feuerholz, denn es bot sich geradezu an, Heute den Grill anzuwerfen. Zuerst genossen wir aber die warme Sonne bei einem kalten Bier. Danach kümmerte ich mich ums Feuer und den Grill währenddessen Myrta einen Tomaten- und fürs Dessert einen frischen Fruchtsalat machte. Nachdem die Sonne untergegangen war, wurde es zwar etwas kühler aber es blieb immer noch angenehm. Ringsherum begannen nun aber die Frösche in allen erdenklichen Tonlagen zu quaken. Eigentlich tönten sie schon fast wie Spechte, aber vor allem sehr laut. Mal schauen wie wir schlafen werden….


28.4. Dienstag

Strecke:           La Cathedrale – Zaouia Ahanesal – Agouti – Demnate - Marrakesch

Distanz:          Ca.   228   km

Wetter:            schön, warm (Morgens 9 °C, nachmittags >25 °C)  

Übernachtung: Marrakesch Camping Ourika


Die Nacht war wieder einiges milder gewesen und selbst die Frösche mussten offensichtlich hin und wieder eine Pause einlegen. Noch während

des Frühstücks kamen die Sandschaufler zurück an die Arbeit. Der LKW fuhr sehr vorsichtig an unserem Camp vorbei um ja keinen Staub aufzuwirbeln.

Der Piste weiter folgend fuhren wir an der La Cathedrale vorbei immer weiter steigend. Wir hatten noch einen kurzen Schreckmoment, nämlich als wir dem Bachbett folgend ein Stelle passierten wo die Piste weggeschwemmt worden war. Erst sah alles recht harmlos aus, aber plötzlich kippte das Auto nach rechts in einen nicht sichtbaren Graben im Fluss. Ein beherzter Stoss mit dem Gaspedal brachte uns aber wohlbehalten aus der Situation.

Die Piste gewährte immer wieder und noch lange Blicke zurück auf den markanten Felsen der Kathedrale, bis wir schliesslich sogar auf sie herunter schauen konnten. Wunderschöne Föhrenwälder und auch immer wieder Blicke ins tiefe Tal belohnten uns für die rumplige Fahrt auf der Bergpiste. Vor Zaouia Ahanesal erreichten wir wieder die Talsohle und folgten dem tosenden Fluss. Hier war das Tal wieder grün, jeder Quadratmeter Fläche wurde bepflanzt. Im Dorf selber begann dann wieder eine Teerstrasse welche und hinaufführte bis zum Tizi-n-Ilissi auf über 2600 müM. Von dieser Teerstrasse bogen wir aber nach der Passhöhe wieder auf eine Piste ab. Nach einem weiteren Pass hatte man eine schöne Aussicht auf die 4 Tausender des hohen Atlas, welche immer noch tief verschneit eine beeindruckende Kulisse boten. Tief unten im Tal wieder rote und beige Dörfer und grüne Felder in starkem Kontrast zum blauen Himmel.

Durch immer weniger hohe Berge fuhren wir Demnate entgegen, aber es zog sich dann doch noch ganz schön bis wir wieder in stärker bevölkerten Gegenden anlangten. Nachdem wir wieder einmal getankt hatten, brausten wir durch endlose Getreidefelder. Unglaublich aber diese Felder werden tatsächlich noch von Hand mit der Sichel geerntet. Die Halme werden klassisch zu Garben gebunden und dann eingesammelt.

Bald kamen wir in die Vororte von Marrakesch und der Verkehr wurde dichter und hektischer. Etwas ungewohnt nach Tagen in den Bergen auf kleinen Strassen und Pisten. Mitten durchs Zentrum, vorbei am Jemma el Fna  fuhren wir auf der Strasse Richtung Ourika zum gleichnamigen Campingplatz, unserem Übernachtungplatz für die nächsten zwei Nächte. Es stellte sich als sehr schöne und gepflegte Anlage heraus. Der Platz liegt zwar an der Strasse, aber hinter dem Restaurantgebäude hielt sich der Lärm im Rahmen.

Wir richteten uns ein und genossen ein kühles Bier in der warmen Abendsonne. Danach nahmen wir uns ein Taxi ins Stadtzentrum welches etwa 10 Km entfernt liegt. Wir liessen uns in der Nähe des Jemma el Fna absetzen und schlenderten in seine Richtung. Die Restaurants waren bereits aufgebaut und der Platz war wie immer zu dieser Tageszeit dicht bevölkert. Wir machten einen kurzen Abstecher in die Souks hinein, damit Myrta mal einen Vorgeschmack davon bekam. Zurück auf dem Platz der Gehenkten genossen wir einen frischen Fruchtsaft zum Apero. Anschliessend suchten wir uns einen Essensstand aus und assen als Vorspeise eine Suppe. An einem weiteren Stand gab es dann gegrilltes Gemüse und Fleischspiesschen als Hauptgang.

Mit dem öffentlichen Bus fuhren wir bald danach wieder ins Camp zurück wo wir die Gelegenheit nutzten im Internet die neuesten Nachrichten abzurufen. Unterdessen war es schon bald elf Uhr geworden und der Abend war noch immer angenehm warm.   


30.4. Donnerstag

Strecke:           Marrakesch – Ourika – Tahanoute – Asni – Iljoukak – Ouadouz – Taroudant – Souk Tnine Toufelazt - Tafraoute

Distanz:          Ca.   376   km

Wetter:            schön, warm (Morgens 12 °C, nachmittags >25 °C)

Übernachtung: Buschcamp 06 (Nähe Tafraoute)


Heute waren wir schon recht früh unterwegs. Richtung Atlas war die Sicht nicht so gut, denn es hatte am frühen Morgen Dunstschleier vor den Bergen. Wir verzichteten deshalb auf einen Abstecher ins Ourika Tal und durchquerten die Felder westlich von Ourika um auf die Hauptstrasse Richtung Tizi-n-Test zu kommen. Dieser folgten wir immer weiteransteigend nach Süden, vorbei am ganz gefüllten Stausee.

Bei Iloukak bogen wir in ein kleines Seitental ab. Am Anfang war die Strasse noch geteert, aber dann erklommen wir auf einer sehr steilen, schmalen Bergpiste den Tizi-n-Oulaoune. Über 1000 Höhenmeter mussten wir bewältigen, oft im ersten Gang. Ich kam dabei ganz schön ins kurbeln und in einigen Spitzkehren musste ich gar zweimal ansetzen. Ab der Passhöhe ging es dann bedeutend weniger steil wieder hinunter. An den Hängen blühten Lavendelbüsche und da diese nun viel stärker dufteten, pflückten wir einen Strauss um diesen im Auto aufzuhängen. Auch für Angi und Chris, welche wir heute noch treffen wollten, gab es noch einen oben drauf.

Ab Ouadouz baute man an der Verbreiterung der Piste, wiederum unverständlich warum, denn hier gibt es kaum Verkehr. Dann trafen wir auf die N10, der Hauptverbindung von Agadir nach Quarzazate. Es hatte entsprechend einiges mehr an Verkehr aber da wir nun dem flachen Talgrund folgten, kamen wir entsprechend gut voran. Links und rechts erstrecken sich Zitrusplantagen aber auch jede Menge Oliven. Um nach Tafraoute zu gelangen mussten wir aber wieder in die Berge. Durch immer kargere Landschaft erklommen wir erneut einen Pass und erreichten ein Hochplateau. In dieser Gegend wachsen die bekannten Argan Bäume. Und es dauerte auch nicht lange, bis wir die ebenso berühmten Ziegen in den Bäumen herum klettern sahen. Die kleinen Dörfer hatten nun auch oftmals die Speicherburgen, sogenannte Agadire. Die meisten sind zwar im Zerfallen, denn sie werden natürlich Heute nicht mehr benötigt. Einige wenige sind aber auch noch intakt.

Gegen fünf Uhr trafen wir schliesslich in Tafraoute ein. Als erstes machten wir ein paar Besorgungen auf dem Markt und fuhren dann an dann Stadtrand hinaus um Angi und Chris zu suchen. Wir staunten nicht schlecht, als uns Chris winkend entgegenkam. Wie es sich herausstellte, hatte er auf unserer Webseite den Reiseverlauf verfolgt und erkannt, dass wir bereits in der Stadt sind. Als wir dann hinausfuhren kam er uns entgegen. Es gab eine herzliche Begrüssung im Camp, welches schön unter Palmen lag. Wir hatten beim Hereinfahren noch einen Deutschen Steyr gesehen, ein ähnliches Fahrzeug wie das der Renz‘es und als wir dies erwähnten, stellte sich heraus, dass es sich um Bekannte handelt welche auch erwartet wurden. Chris holte sie herbei und als alle zusammen waren, gab es mal einen zünftigen Apero. Da Chris und Angi doch schon länger unterwegs waren, freuten sie sich speziell über die frischen Käse und die Wurstwaren. Es gesellte sich noch ein Einheimischer zu uns der erstaunlich gut Deutsch sprach.

Wir beschlossen gemeinsam zum Nachtessen in die Stadt zu fahren. Unser kleiner Camper diente als Taxi. Das Essen im Restaurant Kasbah war hervorragend und wir bekamen sogar Rotwein zum Essen serviert. Wir hatten einen gemütlichen Abend mit Gleichgesinnten…


1.5. Freitag

Strecke:           Tafraoute – Ait Mansour – Akka Goldmine - Buschcamp

Distanz:          Ca.   228   km

Wetter:            schön, heiss (Morgens 14 °C, nachmittags >35 °C) 

Übernachtung: Buschcamp 07

 

Schon nach dem Frühstück machten sich Ute und Thomas auf die Reise, während wir gemütlich noch etwas sitzen blieben. Wir waren aber schon am Morgen früh froh um den Schatten denn es schien ein heisser Tag zu werden.

Nachdem wir einen groben Tagesplan gefasst und die Siebensachen gepackt hatten, fuhren wir in die Stadt da die Damen noch etwas rumschauen wollten. Auch gab es noch ein paar Kleinigkeiten zu besorgen. Ich tanke noch auf und dann trafen wir uns mit Angi und Chris und schlenderten durch die wenigen  Gassen wo für die Touris etwas geboten wird. Tafraoute gilt als Zentrum der Babouche Herstellung, den typisch marokkanischen Schuhen. Man wurde alsbald fündig und kaufte Schuhe als Mitbringsel.

Weiter ging es zu den farbigen Steinen, nur ein paar Kilometer ausserhalb. Ein belgischer Künstler hatte verschiedenen Steingruppen mit grossem Aufwand und noch grösseren Mengen Farbe vor vielen Jahren blau bemalt. Unterdessen gelten die Steine als grosse Touristenattraktion. Allerding war nur gerade eine deutsche Familie und ein fränzösisches Paar anwesend, so dass wir die Steine in Ruhe besichtigen konnten. Die Stelle liegt in einer sehr schönen Landschaft welche geprägt ist von unzähligen grossen, runden Steinen die einzeln und in Gruppen in der Landschaft  liegen.

Über einen steilen Pass gelangten wir ins Tal von Ait Mansour. Der Talgrund ist dicht mit Dattelpalmen bewachsen und bildet einen angenehmen Kontrast zu der kargen, steinigen Gegend drum herum. Wir parkten die Autos und schlenderten ein paar Metter durchs enge Tal. Dabei fiel auf wie viel Schaden und Treibholz der Fluss kürzlich den Tal gebracht hatte. Wir nutzten die Gelegenheit unsere Brennholzvorräte aufzustocken.

Weiter dem Tal folgend gelangten wir ans südliche Ende. Es war hier bei weitem nicht mehr so eng aber dafür hatte man eine schöne Aussicht auf die kleinen Dörfer und die grossen Palmenhaine. Bald bogen wir von der Hauptstrasse ab in Richtung einer Goldmine. Ein weiterer Pass erlaubte Ausblicke auf das ausgedehnte Areal der Mine in welcher Gold im Untertagbau abgebaut wird. Nur ein paar Hundert Meter vor dem Werkstor gelangten wir auf eine sehr gute und neu gestossene Piste. Auf dieser kamen wir gut voran. Wir hatten gedacht, es handle sich um ein kleine, rumplige Piste. Durch steinige Ebenen vorbei an kleinen Dörfern in der Ferne fanden wir schliesslich ein gemütliches Camp an einem Oued und doch etwas abseits der Piste.

Nach einem Apero startete Chris ein Feuer und die Damen rüsteten Salate fürs Nachtessen. Wir konnten Chris einen Chlöpfer anbieten, aber auch von der grossen Bratwurst kriegte er einen Anteil. Auch nachdem die Sonne untergegangen war, blieb es sehr warm, aber auch angenehm. Wie erwartet gingen mit der Sonne auch die unzähligen Bienen in ihr Nest zurück. Diese hatten uns gleich nach Ankunft permanent und in grosser Zahl mit ihrem Summen auf Trab gehalten. Jeder Tropfen Wasser wurde begierig aufgenommen.

Ich wollte eigentlich nur noch ein paar Bilder vom abendlichen Camp machen doch dann kam Chris auf die Idee den Vordergrund  während der Langzeitbelichtung zusätzlich mit einer Taschenlampe aufzuhellen. Nach einigem probieren, bekamen wir alle Spass an der Sache und experimentierten weiter indem wir mit der Taschenlampe Zeichen und Wörter in die Luft schrieben. Der Höhepunkt wurde aber als Chris und schliesslich wir alle, in verschiedenen Positionen sich beleuchten liessen und dann aber während der Belichtung weitere Positionen einnahmen. Wir lachten Tränen ab den Resultaten und hofften, dass uns niemand bei unserem Treiben beobachtente.

Als wir schliesslich recht spät zu Bett gingen war es noch immer 27°C und wir waren froh dass wir ringsherum grosszügig lüften konnten.


2.5. Samstag

Strecke:           Buschcamp – Tata – Tissint – Foum Zguid – Lac Iriki – Buschcamp 08

Distanz:          Ca. 275 km

Wetter:            schön, heiss (Morgens 19°C, nachmittags >40 °C)  

Übernachtung: Buschcamp 08 (am Erg Chegaga)


Schon bevor die Sonne aufgegangen war, hörte man schon wieder das emsige Summen der Bienen. Dutzende umschwirrten die bereitgestellten  Gefässe mit Wasser. Schon bald brannte die Sonne wieder herunter aber wir nahmen das Frühstück im Schatten des Trucks ein wo es noch angenehm kühl war. Bis zur Teerstrasse waren es nur noch ein paar wenige Kilometer und es stellte sich heraus, dass wir einen günstigen Platz zum Übernachten gewählt hatten, denn weitere Gelegenheiten hätten sich nicht mehr gefunden.

Bald erreichten wir auch Tata, einem aufstrebenden Provinzstädtchen. Durch die steinige, relativ eintönige Landschaft gings es nach Osten Foum Zguid entgegen. Vor Tissint hielten wir noch kurz an um ein paar Bilder vom tiefer liegenden Oued mit seinen Palmen zu schiessen. In Tissint selber besuchten wir die Wasserfälle. Es floss noch erstaunlich viel Wasser in den riesigen, blau schimmernden Pool. Einige Frauen waren am Wäsche waschen, eine friedliche Stimmung.

Einige Kilometer weiter fuhren wir noch einmal an das Flussbett hinunter denn wir wussten, dass es dort auch noch ein paar hübsche Wasserlöcher hatte. Die Temperatur war unterdessen auf über 40°C angestiegen und so war es eine herrliche Erfrischung ins kühle Nass einzutauchen. Kleine Wannen mit strömendem Wasser boten sich an sich hineinzulegen und die Kühle zu geniessen. Kaum aus dem Wasser war man auch schon wieder trocken.

Nur noch eine Stunde trennte uns nun noch von Foum Zguid. Dort angelangt gönnten wir uns einen frischgepressten, kühlen Orangensaft und erledigten noch ein paar Einkäufe. Dann machten wir uns auf den Weg Richtung Lac Iriki. Bis wir aber dort anlangten, mussten wir noch etwas Geduld üben, denn die steinige Piste erlaubt keine schnelle Fahrweise. Dann aber besserte sich das Terrain und wir kamen etwas besser voran. Wir wählten eine Variante welche und südlich vom Erg Chegaga vorbei führen sollte. Noch auf dem grossen Salzsee fahrend wurde Chris von einer schlecht sichtbaren Bodenwelle überrascht. Der Truck bäumte sich kurz auf und die Vorderachse war in der Luft. Angi wurde ganz schön durchgeschüttelt und danach war eine ziemliche Unordnung in der Kabine. Zum Glück war aber nicht passiert und auch nichts kaputt gegangen.

Bei den ersten Dünenausläufern entschlossen wir uns einen Übernachtungsplatz zu suchen. Ich fuhr voraus in die Dünen hinein und fuhr mich auch schon fest. In der Hitze zu schaufeln wäre nicht so schön gewesen und so war ich froh, dass mich Chris mit dem LKW kurzerhand aus der misslichen Lage befreite. In der Nähe eines Brunnens, der Wasserspiegel lag etwa 8 m unter der Oberfläche, schlugen wir das Camp auf. Gestern waren es Bienen, heute Fliegen die uns das Leben schwer machten. Ein kühles Bier entschädigte für die grosse Hitz die noch immer herrschte. Diese schlug auch ein wenig auf den Appetit. Wir entschlossen uns einen Wurst-Käse Salat zu machen, dass reichte uns gut.

Noch lange sassen wir zusammen und genossen die unendliche Ruhe des Abends. Der Mond war nun fast voll und hing hell wie ein Lampion am Himmel. Als wir schliesslich zu Bett gingen war es noch immer 27°C.


3.5. Sonntag

Strecke:           Buschcamp – M’Hamid - Zagora

Distanz:          Ca.  183    km

Wetter:            schön, heiss (Morgens 13°C, nachmittags >40 °C)  

Übernachtung: Camping Oasis Palmier


Es hatte wiederum schön abgekühlt und wir genossen die kühleren Stunden am Morgen. Nach dem Aufbruch folgten wir der Piste weiter. Oft führte diese durch ausgedehnte Schwemmtonebenen, welche das Fortkommen verlangsamten. Auch hatte es oft viel Fesch-Fesch und ich musste gut Abstand halten. Zeitweise kamen wir aber auch wieder etwas besser voran. Nach dem Mittag sahen wir am Pistenrand eine Gruppe Leute im Schatten sitzen. Wir hielten an und plauderten mit den Leuten. Es handelte sich um ein französisches Paar welches von drei Marokkanern im Landcruiser auf ihrem Quad Trip begleitet wurden. Sie boten uns sogleich einen Tee an, welchen wir bei der Hitze genossen. Einer erzählte uns, dass es vor etwa zwei Monaten enorme Regenfälle gegeben habe und der Draa deshalb bis weit in die Wüste vorgedrungen war. Aber auch die Vegetation war entsprechend grün.

Bald darauf trafen wir auf die Nordroute . Durch die Ausläufer des Oued Draa gelangten wir schliesslich nach M’Hamid wo man auch wieder auf eine Teerstrasse trifft. Früher war das ein verschlafenes und etwas verlottertes Kaff, Heute hatte es viele neue Gebäude und auch viele neue touristische Angebote. Auch die Strasse wird zur Zeit ausgebaut und verbreitert. Das zwang uns dann auch zu einem grösseren Umweg. Dem Draa Tal folgend gelangten wir nach Zagora. Im Stadtzentrum genossen wir einen kühlen Drink. Ich hatte schon bei der Ankunft einem Mechaniker mein Interesse an einem Modellauto geäussert. In Zagora gibt es nämlich einen Typ der auf Bestellung ein Modell des eigenen Autos herstellt. Nur Minuten nachdem wir uns in einem Strassenkaffee niedergelassen hatten, tauchte es auch schon auf und nahm meine Bestellung entgegen. Er machte ein paar Bilder von allen Seiten und er sagte uns wir können Morgen Abend das Modell bei ihm abholen.

 Wir wunderten uns über die vielen Raid Passion Desert Teilnehmer. Wie es sich herausstellen sollte, hatte der Veranstalter den Fahrplan geändert, so dass die Rallye schon Heute und nicht wie wir erwartet hatten Morgen eingetroffen war. Chris wusste in welchem Hotel der Tross unterbracht war und so fuhren wir hin um zu schauen wie es den Leuten die wir kennen so läuft. Kaum dort, kamen Gabi und Marcel Signer ins Ziel. Sie waren ganz schön überrascht uns zu sehen. Auch die Motorradfahrer des CET und des SSRT waren schon im Ziel und arbeiteten bereits an ihren Maschinen. Sie waren von Tata meist auf Pisten bis nach Zagora gefahren. Bei Temperaturen gut über 40 Grad kein Zuckerschlecken. Wir genossen ein kaltes Bier an der Rallye Bar und gingen dann über den Draa zurück in den Camping Oasis Palmier. Die Begrüssung war sehr herzlich und es wurden uns Teppiche ausgerollt und schon bald brachte man einen Tee zur Begrüssung. Dieser Camping ist wirklich einer der schönsten in Marokko und man kommt gerne immer wieder zurück.

Zum Nachtessen kochte ich uns einen Risotto, Angi steuerte einen Salat bei. Wir brieten uns zudem ein feines Stück Lamm aus unserem Vorrat. Auch Heute blieb es lange warm draussen und wir genossen die ruhige Atmosphäre. Spät abends kamen dann noch ein paar Spanier in 4x4’s und störten die Ruhe etwas mit ihrem überschwänglichen Temperament


4.5. Montag

Strecke:           Zagora

Distanz:          Ca. 5   km

Wetter:            schön, heiss (Morgens 13°C, nachmittags >40 °C)  

Übernachtung: Camping Oasis Palmier

 

Heute wird das Tagebuch kurz: Es war ja ein Rasttag eingeplant und bei der Hitze konnte man wirklich nur ruhen. Am Morgen war es noch angenehm kühl , aber schon gegen zehn, als die Sonne hinter den Bergen hoch kam stieg die Temperatur unerbittlich bis sie um den Mittag  rum 44 °C erreichte. Unter den Palmen war noch ein schattiges, auf den Seiten offenes Zelt aufgestellt. Dort verbrachten wir den grössten Teil des Tages mit Lesen und Surfen.

Ich schrieb den Reisebericht der letzten zwei Tage und zwischendurch lud ich Bilder und Text auf die Webseite hoch. Zu viel mehr blieb nicht genug Energie und Motivation. Gegen den Abend füllte ich noch den Wassertank und dann gingen wir in die Stadt.

Im Camp des Raid Passion Desert schauten wir vorbei um zu schauen wie es den Jungs so ergangen war. Natürlich hatten sie unter der grossen Hitze gelitten sind aber doch gut durchgekommen. Einzig Thomas hatte einen Defekt an seinem Motorrad erlitten und musste aufladen.

Danach gingen wir in der Werkstatt des Modellbauers vorbei um unseren Mini Azalai abzuholen. In einem kleinen Verliess im ersten Stock bastelten die Jungs an den Autos. Einige halbfertige Modelle waren noch in Arbeit aber unseres wurde gerade eben noch mit dem Finish versehen. Es ist recht gut herausgekommen, sogar die Schaufel auf dem Dach war gebaut worden.

In einem der vielen Strassenrestaurants setzten wir uns in den Schatten und bestellten das Nachtessen. Ich hatte ein Grillpoulet welches ein wenig zu gut gebraten war und deshalb etwas trocken war. Die anderen hatten unterschiedlich Tajine welche durchwegs gut waren.

Im Camp zurück sassen wir noch etwas draussen bevor wir zu Bett gingen. Noch immer war es ziemlich warm aber in der Regel kühlt es dann doch noch ab. Der Kühlschrank kam bei diesen Temperaturen auch ins Schwitzen und brachte die Temperatur auch auf der höchsten Stufe nur noch auf 10 °C herunter.

 

5.5. Dienstag

Strecke:           Zagora – Tamussint – Remlia – Taouz - Merzouga

Distanz:          Ca.  230 km

Wetter:            schön, heiss (Morgens 16°C, nachmittags >40 °C)  

Übernachtung: Camping Heaven La Chance

 

Um neun Uhr waren wir unterwegs, denn es versprach wieder ein sehr heisser Tag zu werden. Schon um sieben Uhr hatten wir die ersten Motorräder vorbeifahren gehört. Auf der Strecke zur Stadt hinaus begegneten wir dann auch immer wieder einigen Nachzüglern. Erst war die Piste noch breit und gut zu befahren. Wir verliessen diese aber als sie nach Norden wegdrehte. Von nun an bewegten wir uns auf einer schmaleren doch gut befahrbaren Piste. Vorbei an Wassermelonenfeldern und ein paar wenigen Dörfern in der Ferne tuckerten wir durch die Wüste. Vor dem Salzsee bei Tafraoute hielten wir an und genehmigten uns einen Tee. Immer wieder kamen Fahrzeuge der Rallye vorbei. Der Wind hatte unterdessen zugenommen und wirbelte zunehmend Staub auf. Im Fesch-Fesch auf dem Salzsee verschlechterte die Sicht immer wieder. Tafraoute umfuhren wir indem wir eine Route wählten welche über eine lange, sandige Rampe zu einem Pass hochführte. Der Sand war ziemlich weich und als es zunehmend steiler wurde hatte der Landcruiser zu kämpfen. Wir schafften es dann aber ohne grössere Schwierigkeiten auch wenn die Wassertemperatur schnell angestiegen war. Auch der Truck wurde heiss und Chris musste schnell anhalten um Wasser nachzufüllen. Schliesslich kamen wir aber aus dem Sand heraus und durchfuhren ein kleines Tal. Später trafen wir wieder auf die Hauptstrecke.

Vor Remlia mussten wir noch den Oued Rheris queren. Der Wind hatte unterdessen Sturmstärke erreicht und in den Schwemmtonebenen wirbelte der Staub so auf, dass man zum Teil keine 10 m weit mehr sah. Chris wählte eine etwas spezielle und vor allem viel längere Route durch den Oued. Die Maschinen hatten schwer zu kämpfen, denn der Sand ist immer sehr weich. Wir erreichten aber Remlia ohne stecken geblieben zu sein.

Die ersten Kilometer nach dem Dorf waren ziemlich mühsam, denn die Piste war steinig. Gegen Taouz zu mussten wir immer wieder durch Schwemmton Gebiete des Oued Ziz fahren. Da der Wind von hinten kam und man generell nicht schnell fahren konnte, fuhren wir meist in der eigenen Staubwolke und die Sicht war sehr schlecht. Am Ende waren wir froh bei Taouz auf die Teerstrasse zu gelangen. Auf dieser fuhren wir noch hoch und schlugen das Camp in einem Camping auf welcher sogar einen Swimming Pool hat. Nach dem heissen Tag war es eine regelrechte Erlösung ins kühle Nass zu springen. Der Wind tobte auch im Camping unvermindert, so dass wir den Apero bei Chris und Angi im Truck genossen. Wir hatten Crushed Ice in unserem Gefrierfach gemacht und nun gabs einen feinen Cai Pirinha. Dieser fiel so stark aus, wir füllten auch immer wieder nach bis das Eis geschmolzen war, dass wir bald einmal sehr fröhlich wurden. Nach dem ausgiebigen Apero und der nach wie vor grossen Hitze hatten wir gar nicht Appetit auf ein Nachtessen. Es war schliesslich noch nicht mal neun Uhr als wir uns zurückzogen. Draussen war es noch 35 im Auto 38 °C…

   

6.5. Mittwoch

Strecke:           Merzouga – Erg Chebbi Umrundung – Rissani - Erfoud

Distanz:          Ca. 116  km

Wetter:            schön, heiss (Morgens 20°C, nachmittags knapp 40 °C)     

Übernachtung: Camping

 

Kurz nach Sonnenaufgang zogen wir uns an und spazierten durch die nahen Dünen. Wir genossen die Ruhe, die klare Luft und die noch angenehme Kühle des Morgens. Aber schon bald verlor sich der Zauber der ersten Stunde. Die Sonne stieg und die Kontraste begannen wieder zu verschwimmen. Auch die Temperatur stieg nur rasch wieder an.

Heute hatte Chris Geburi und nach dem Frühstück gratulierten wir ihm. Am Pool schrieb ich noch das Tagebuch nach, danach packten wir unsere sieben Sachen einmal mehr. Das Wetter war wiederum schön und der Wind hatte sich gelegt. Dem Erg Chebbi entlang fuhren wir nach Norden. Wir wollten den Erg umrunden und dabei den zweiten See am Nordende besuchen. Dieser tritt noch viel weniger oft in Erscheinung, aber da es in diesem Winter sehr viele Niederschläge gegeben hat, war er wieder mal vorhanden. 

Chris steuerte das Südufer an und ich wollte schon mal ein paar Bilder schiessen. Als Chris dann wenden wollte, gelangte er in ein sumpfiges Gebiet direkt neben der Piste und schon war der Truck festgefahren und eingesunken. Das sah nach ziemlich Arbeit aus! Es dauerte nicht lange und schon tauchten die ersten Einheimischen auf und nahmen das Zepter der Bergung in die Hand. Ich positionierte den Landcruiser, so dass ich die Winde einsetzen konnte. Mit Umlenkrolle zieht diese etwa 9 T, wohl immer noch etwas knapp für den schweren Truck aber es sollte trotzdem helfen. Erst wurde aber der weiche Schlamm ausgebuddelt damit die Sandbleche unter die tief eingesunkenen Hinterräder gelegt werden konnten. Schritt für Schritt brachten wir mit gemeinsamem Einsatz der Wagen wieder auf festen Grund. Die Aktion hatte gut über eine Stunde gedauert. Als nun Chris den Helfern ein grosszügiges Trinkgeld geben wollte, kam einmal mehr der schon fast unverschämte Geschäftssinn der Marokkaner zum Vorschein. Da wurde eine stattliche Summe verlangt und dann bitte auch noch in Euro. Am Ende zahlte ihnen Chris die stattliche Summe von 400 DH, damit kann eine Familie wohl fast einen Monat ihre Lebensmittel kaufen.

Wir setzten unsere Reise fort und umrundeten die Nordspitze des Ergs. Die steinige Piste verliessen wir schliesslich und folgten einem breiten Oued. Im südlichen Teil wurde dieser zunehmend sandig, es war aber viel angenehmer zu fahren als in der Steinebene. Der Wind hatte inzwischen immer stärker aufgefrischt und schon bald fegte der Sand wieder horizontal durch die Landschaft. Wir gelangten schliesslich wieder auf die Teerstrasse und fuhren zur Tankstelle hoch um unsere Luftfilter auszublasen und den Reifendruck wieder auf Strasse zu erhöhen.

Eingangs Rissani hielten wir bei einer Fabrik welche aus grossen Steinblöcken wunderschöne Gebrauchs- und Dekogegenstände bearbeitet. Es handelt sich um schwarzen oder auch braunen Stein in welchem unzählige vorgeschichtliche Versteinerungen eingebettet sind. Von kleinen Objekten bis zum massiven Doppellavabo bietet man ein grosses Sortiment. Neben der Ausstellung konnten wir auch die Männer bei der harten Arbeit beobachten. Mit eigentlich einfachen Maschinen bearbeiten sie den Stein an der prallen Sonne, immerhin jetzt schon fast 40°C und der Sommer kommt erst noch.

Ein paar Kilometer vor Erfoud checkten wir in einen Camping ein, nicht zuletzt weil auch dieser einen Pool bietet. Da er recht neu ist hat es leider noch nicht allzuviel Schatten aber die Sonne war ja auch schon ziemlich tief. Der Wind war hier auch nicht mehr ganz so heftig. Im Pool kühlten wir uns ab und lernten bei der Gelegenheit unseren einzigen Campnachbar Peter aus Solothurn und den Besitzer des Camps kennen.

Als die Sonne schon im Untergehen begriffen war, kochten wir unser Nachtessen. Den Rotwein, schon fast Glühwein, kühlten wir mit unseren Dauereiswürfeln auf eine vernünftige Temperatur herunter. Bis spät sassen wir noch draussen und plauderten und dem phantastischen Sternenhimmel.   

 

7.5. Donnerstag

Strecke:           Erfoud – Tinerhir. Todra Schlucht – Bush Camp

Distanz:          Ca.   km

Wetter:            schön, heiss (Morgens 16°C, nachmittags  32°C)    

Übernachtung: Bushcamp

 

Es hatte wiederum lange gedauert bis es kühler wurde. Um elf Uhr war es noch immer 30°C gewesen und erst gegen Morgen musste man die Decke über sich ziehen.

Wir waren schon kurz nach neun wieder auf der Strasse. Durch nach wie vor karge Landschaft gelangten wir nach Tinerhir. Tanken, Geldwechseln und ein Gang durch den Gemüsesouk. Noch einen Orangensaft und etwas Leute beobachten, danach fuhren wir zur Todra Schlucht. Die Hotels waren erstaunlicherweise geschlossen. Da eines der Gebäude durch Steinschlag zerstört war, nahmen wir an, dass deswegen der Betrieb eingestellt werden musste. Der glasklare Bach sorgte für kühle Füsse. Noch etwas in den Souvenirständen stöbern (natürlich nur die Frauen) und weiter bergwärts ging die Fahrt. Stetig steigt die Strasse an und die erst enge Schlucht weitet sich und ist auch nicht mehr von steilen Felsen gerahmt. Bei Tamtattouchte bogen wir auf ein Piste ein welche hinüber zur Dades Schlucht führt. Auch diese Piste wurde seit meinem letzten Besuch verbessert und verbreitert. Entlang einer eindrücklichen Schlucht stieg die Strecke steil und stetig an. Dann war Ende der Ausbaustrecke. Zum Teil war die Piste weggeschwemmt worden, so dass man ins Bachbett ausweichen musste.

Kurz nach einer Engstelle konnten wir etwas abseits einen flachen Platz ausmachen welcher sich als Übernachtungsort geradezu anbot. Oft kommt man nämlich nicht von der Strasse weg in diesem Gelände. Wir richteten uns ein und bekamen auch schon Besuch von einer Frau  mit zwei Kindern. Wie üblich bettelte die Frau alles was sie zu Gesicht bekam. Wir gaben ihr etwas Früchte für die Kinder und eine warme Winterjacke. So schnell zog sie sich aber dann doch nicht zurück. Interessiert beobachtete sie unser Treiben. Wir machten Feuer mit dem mitgebrachten Holz denn wir wollten Grillen. Noch vor dem Essen kam auch noch eine andere Frau mit Kindern und zuletzt machte uns auch noch das Familienoberhaupt auf seinem Heimweg die Aufwartung. Schliesslich konnten wir aber das Nachtessen doch noch in Ruhe geniessen. Zuletzt gab es noch einen Fruchtsalat mit Vanillecreme, jam jam.

Durch die Höhe, wir waren immerhin wieder auf weit über 2000 m Höhe, wurde es schnell kühl. Aber wir genossen es, dass nicht einfach alles nur heiss und im Auto drin auch noch stickig war. Noch etwas lesen im Bett und bals schon war Nachtruhe angesagt und das im wahrsten Sinne des Wortes…

 

8.5. Freitag

Strecke:           Bush Camp – Tilmi – Tizi-n-Ouano – Agoudal – Imilchil – Lac Tisnit

Distanz:          Ca.145  km

Wetter:            schön, warm (Morgens 16°C, nachmittags  30°C)   

Übernachtung: Bushcamp Lac Tisnit

 

Direkt an den roten Felsen kam die Sonne noch nicht hin und an diesem kühlen Morgen hätten wir sie geschätzt. Erst als wir schon abfahrbereit waren, erreichten die ersten Strahlen unser Camp. Wir hinterliessen den Nomadenfamilien noch einige Kleidungsstücke und zuckelten weiter auf der Piste. Diese verlief oft im Bachbett, da die Strasse am Rand des Tales immer wieder weggeschwemmt worden war. So kam man nur langsam voran aber es machte auch Spass sich durch das unwegsame Gelände zu bewegen. Nach einer Zeit wurden wir von einem BMW Motorrad eingeholt und kurz darauf tauchte auch sein Begleitfahrzeug auf. Auf dem höchsten Punkt der Strecke hielten war an um auf den Truck zu warten und der Landcruiser mit BL Nummern schloss auf. Ueli und seine Begleiterin Maria plauderten mit uns bis auch der LKW aufgeschlossen hatte. Wir staunten nicht schlecht das Ueli unser Auto bereits kannte, da ihm unsere gemeinesame Bekannte Gabi davon berichtet hatte..

Auch auf der anderen Seite des Passes, war die Piste meist kaputt und man fuhr im Bachbett. Wir hielten immer wieder an um Bilder zu schiessen und wir trafen auch immer wieder auf Ueli welcher auch gemütlich unterwegs war. Kurz bevor wir auf die Hauptstrasse trafen, warteten wir auf Chris und Angi. 4 Stunden hatte dieser erste Teil der Strecke benötigt für gerade mal 30 Km. Erst war die Strasse Richtung Tizi-n-Ouano noch geteert, aber nachdem wir die letzten Dörfer hinter uns gelassen hatten wurde es eine gut befahrbare Piste. Stetig stieg die Passstrasse in unzähligen Spitzkehren an. Auf der rechten Seite hatte man stets eine schöne Aussicht auf einen gewaltigen Canyon. Auf halber Höhe konnten wir weit unter uns den Truck den Berg hochschnaufen sehen. Wir sind vorne weggefahren und hatten auf der Passhöhe wieder einen Treffpunkt abgemacht. Immer wieder begegneten wir zum Teil grossen Ziegen- und Schafherden.

Auf dem Pass angekommen, stiegen wir zum höchsten Punt am Strassenrand auf und begegneten zwei jungen Schäfern welche die grosse Herde im Auge behielten. Freundlich und unaufdringlich begrüssten sie uns in gebrochenem Französisch und zogen dann aber wieder von dannen. Wir genossen die Ruhe, die schöne Aussicht und die vielen blühenden Büsche und Blumen. Als der LKW schliesslich eintraf, plauderten wir noch zusammen und wir fuhren dann wieder voraus. Wir wollten noch bis zum Lac Tisnit fahren und dort übernachten.

Die Piste hinunter nach Agoudal war dann etwas weniger gut. Sie hatte viele Querrinnen und auch viel Fesch-Fesch aber man kam doch immer noch gut voran. In den höheren Lagen kamen wir immer wieder an saftig grünen Ebenen vorbei und in deren Umgebung grasten unzählige Schafe und Ziegen. Aber auch Pferde und Esel sah man nun. In Agoudal trafen wir auf die Teerstrasse und nun ging es wieder flott vorn. Durch eine fruchtbares, grünes Tal gelangten wir schliesslich nach Imilchil, aber da wir nicht zu besorgen hatten fuhren wir direkt zum See.

Der Wind blies zwar noch ein bisschen aber es war doch angenehm warm, im Gegensatz zu unserem letzten Besuch vor ein paar Tagen. Wir genossen die abendliche Stimmung und das weiche Licht bei einem Apero. Dann kochten wir einen Linseneintopf für alle Vier, denn wir dachten das Angi und Chris sicher froh sein würden wenn sie nach der langen Fahrt nicht auch noch kochen mussten. Wir hatten eigentlich extra einen feinen Saucisson im Kühlschrank, aber es stellte sich heraus, dass er schimmelte weil wir ihn in einem Plastiksack aufbewahrt hatten. Schade, aber wir ersetzten ihn durch eine pickante Trockenwurst und das Menu war gerettet.

Gegen 7 Uhr trafen die Beiden dann auch ein. Die Sonne war da leider bereits hinter den Bergen verschwunden, so dass man schon bald eine Jacke überziehen musste. Der Wind legte sich zwar bald aber in über 2000 m Höhe wird es auch in Marokko bald kühl. Dazu kommt, dass wir nach Tagen der grossen Hitze 20 °C bereits als kalt empfanden.

 

9.5. Samstag

Strecke:           Bush Camp (Lac Tisnit) – Aghbala – Khenifra – Aguelmame Agigza

Distanz:          Ca.  245 km

Wetter:            schön, heiss (Morgens 16°C, nachmittags  >35°C)  

Übernachtung: Bushcamp Aguelmame Agigza

 

Vom See fuhren wir wieder das selbe Tal hinunter. Wir hatten beschlossen, das wir und der Truck unabhängig fahren, so dass jeder seine Geschwindigkeit fahren konnte. Einem Tal folgend verloren wir zunehmend an Höhe. Es wurde in der Folge immer trockener und nur entlang des Flusses waren die Felder und Plantagen schön grün. Vor Aghbala bogen wir auf eine Nebenstrasse ab. An einer Reihe von flachen Seen sah es aus als ob sie mit Schnee bedeckt seien. Beim genauen Hinschauen stellte man aber fest, dass es sich um einen Blumenteppich handelte. Kurz vor Khenifra erreicht man die Hauptstrasse Richtung Fes. In der Stadt hielten wir an um einen Orangensaft zu trinken. Danach wollten wir noch Gemüse einkaufen. Da direkt am Markt kein Parkplatz zu finden war fuhren wir daran vorbei und um dann links abzubiegen um zu wenden. In dem Augenblick knallte es und ein Motorradfahrer flog im hohen Boden an uns vorbei und stürzte. Im Nu bildete sich eine Mengentraube. Schnell war klar dass der Fahrer nur leicht verletzt war. Auch wenn wir an diesem Unfall keine Schuld hatten mussten wir in der Folge stundenlang auf der Polizei rumhängen bis die Protokolle endlich geschrieben waren. In Marokko dauert halt alles etwas länger. Ein Schock war für uns, als man uns eröffnete, dass man meinen Pass einbehalten werde, bis ich bei der Staatanwaltschaft vorgesprochen habe. Da Samstag war und am Sonntag auch niemand verfügbar war, würde das frühestens am Montag geschehen, eventuell aber auch erst Dienstags. So bleib uns nichts weiter übrig als spät Abends noch zum Aguelmame Agigza See raus zu fahren wo Angi und Chris auf uns warteten. In der Dunkelheit sah man überhaupt nicht wo man fuhr aber zum Glück hatte Chris das Funkgerät eingeschaltet gelassen und er meldetet sich auch sofort als ich ihn aufrief. Er lotse uns dann zum See herunter. Der ganze Stress hatte uns gehörig auf den Magen geschlagen so dass wir Beide keinen Appetit mehr hatten. Nach einem kühlen Bier gingen war dann auch in die Heia.

10.5. Sonntag

Strecke:           Keine

Distanz:          Ca. 0  km

Wetter:            schön, heiss (Morgens 14°C, nachmittags  >35°C)  

Übernachtung: Bushcamp Aguelmame Agigza

 

Schon früh morgens legte der Wind so stark zu, dass er den Staub um unser Camp aufwirbelte und durch die Gegend blies. Das veranlasste uns das Camp ans Westende zu verlegen wo die Erde mehrheitlich Gras bedeckt war. Die Renzes hatten beschlossen gegen Mittag nordwärts durch die Zedernwälder zu fahren. Sie wollten auch unbedingt noch ein wenig ans Meer. Wir verabschiedeten uns vorübergehend den spätestens am 15. Mai werden wir uns an der Fähre wieder treffen.

Wir verbrachten den Tag mehrheitlich mit lesen und relaxen. Am See war indessen sehr viel los, denn am Wochenende ist der See in der kühleren Höhe ein beliebter Ausflugsort. Auch wurde rings um den See und sogar aus kleinen Schlauchbooten gefischt was das Zeug hält. Wir haben aber keinen beobachtet der einen grösseren Fang an Landgezogen hat. Am Nachmittag spazierten wir einmal um den See rum. So kamen wir auch an den vielen Pick-Nickern vorbei.

Zurück beim Auto setzten wir uns in den Schatten und sahen den Schafen und Eseln beim Grasen zu. Grad die Schafe schienen am liebsten im Schatten zu grasen, anders ist es kaum erklärbar, warum sie sogar unter unseren Tisch durch quetschten und uns auch sehr nahe kamen ohne Scheu zu zeigen. Nach einem Apero beliessen wir es bei einem Salat.

 

11.5. Montag

Strecke:           Aguelmame Agigza – Khenifra – Azrou – Ifrane – Mischliffen – Source Oum er Riba - Buschcamp

Distanz:          Ca. 220  km

Wetter:            schön, heiss (Morgens 10°C, nachmittags  >35°C)  

Übernachtung: Bushcamp im Zedern Wald

 

Man hatte uns empfohlen am Morgen mal bei der Polizei reinzuschauen ob wir eventuell schon Heute einen Termin bekommen könnten. Auch wenn man uns gesagt hatte, dass die Chancen bei 90% liegen, so richtig glauben konnten wir das nicht. Und so wurde uns bei Erscheinen auch gleich gesagt, dass der Termin am Dienstag morgens um 9 Uhr stattfinden soll.

Um den Tag nicht ungenutzt verstreichen zu lassen fuhren wir auf der Hauptstrasse hoch bis Azrou und dann weiter bis Ifrane. Nach einer kurzen Rundfahrt durch die vielen europäisch anmutenden Ferienhäuser der Reichen aus den heissen Städten fuhren wir weiter Richtung Skigebiet Mischliffen. Kaum zu glauben, dass hier im Winter Ski gefahren wird. Auf einer kleinen, unbefahrenen Piste gelangten wir quer durch die Zedern Wälder zur Cedre Gouraud, der angeblich ältesten aller Zedern. Heute steht sie nur noch als Gerippe da. Anscheinend hat man 2004 die letzten grünen Zweige festgestellt.

Kaum angehalten sahen wir auch die ersten Berberaffen durch den Wald toben. Wir beobachteten das wilde Treiben geraume Zeit. Als ich einem kleinen Affen für ihn unbemerkt den Bauch berührte kamen sofort aus allen Richtungen ältere Tiere heran geschossen und fauchten mich an. Die Kleinen wurden von der Herde offensichtlich pauschal beschützt.

An einem der Souvenierstände kaufte sich Myrta noch ein paar Fossilien. Ein Teil des Kaufpreises konnte sie mit den verbleibenden Kleidungsstücken begleichen. In den letzten Tagen würden wir kaum mehr bei Bedürftigen vorbei kommen.

Auf Pisten und kleinen Teerstrassen fuhren wir nun wieder südwärts immer auf 1600 – 2000 m ü M. Zum Teil führte die Strecke durch die wunderschönen Wälder mit Zedern und Steineichen. Immer wieder durchfuhren wir aber auch offene, steinige Senken und Hochebenen. Die Karte zeigt mir eine mögliche Querverbindung zu einer anderen Strasse. Die Piste war in der Ebene kaum zu sehen aber vorhanden. Steil ging es dann einen steinigen Hang hoch von wo es noch etwa 600 m zur Strasse wären. Oben angekommen war aber Ende. Ein schmaler zugewachsener Pfad führte zwar weiter aber zu schmal für den Landcruiser. So fuhren wir halt zurück und folgten der Route Touristique. Bald machten wir aber wieder einen Ausflug auf eine Piste. Diese führte zu einem flachen See. Im Winter sollen sich dort viele Zugvögel niederlassen, jetzt hatte es ausser ein paar Enten keine Vögel. Die Piste führte uns aber weiter durch die Zedern Wälder und kurz südlich von Ain Leuh trafen wir wieder auf eine Teerstrasse.

Weiter ging es immer in südlicher Richtung. Wieder kamen wir in der kargen Gegend an einem See vorbei. Ringsherum war alles grün und grosse Bäume wuchsen. Beim Aussichtspunkt sahen wir auch wieder grössere Gruppen Affen.

Unser nächster Halt galt den Souces Oum er Rbia. Grosse Mengen glasklasres Wasser strömen aus mehreren Quellen direkt aus dem Berg in einen reissenden Bach. Speziell dabei ist, dass auf der einen Bergseite salzhaltiges Wasser entspringt, während auf der anderen Trinkwasser austritt. Am Ende des kleinen Tales trifft man dann auch noch auf einen Wasserfall welcher ebenfalls von einer Quelle gespeist wird welche aber 15 km entfernt liegt . Getrübt wurde das Ganze nur durch die vielen Verkaufsstände und Restaurants, welche so nahe ans Wasser gebaut wurden, dass man den Bach und die Quellen kaum sieht. Jetzt war herzlich wenig los, die meisten Stände waren nicht in Betrieb, aber die Aussicht versperrten sie trotzdem.

Nach einer halben Stunde kamen wir wieder an der Abzweigung zum Aguelmame Azigza. Da aber die gestrigen Nacht von Hundegebell und Froschgequakte dermassen laut gewesen war richteten wir uns in einer Picknick Stelle etwas abseits der Strasse mitten in einem Zedernhain ein. Kaum eingerichtet hörten wir nicht wenig erstaunt einen Kuckuck rufen.

Wir genossen einen ruhigen Abend und waren erstaunt wieviel Wein noch in der angebrochenen Packung enthalten war. Immer wieder dachten wir, nun muss Ende sein und doch gab der Beutel einen weiteren Becher Wein frei. Am Ende konnten wir entsprechend gut einschlafen.     

 

12.5. Dienstag

Strecke:           Bushcamp – Khenifra – Azrou – Fes

Distanz:          Ca. 197  km

Wetter:            schön, heiss (Morgens 14°C, nachmittags  >40°C)  

Übernachtung: Camping International Fes

 

Pünktlich um neun waren wir wieder an der Behörde. Einer der Mitarbeiter begleitete uns zur Staatsanwaltschaft wo die Anhörung stattfinden sollte. Noch waren kaum Leute in den Gebäuden und wir dachten schon, das sei eine Formalität einer Stunde wie uns von allen versichert wurde. Am Ende wurden es halt dann doch deren vier bis wir nach Bezahlung einer Kaution unsere Papiere wieder erhielten und weiter reisen konnten. Es soll dann im Juni eine Verhandlung geben an welcher über die Schuld und Strafe endgültig beschlossen werden soll. Uns wurde versichert, dass wir selbstverständlich die Kaution nach der Verhandlung ganz oder teilweise zurückfordern können. Allerdings erwartete man dann auch, dass wir anwesend sein würden, ha ha ha.

Auf der Hauptstrasse fuhren wir noch einmal nach Norden Richtung Fes. Vorbei und Azrou und Ifrane gelangten wir schliesslich in die tiefer gelegene Stadt Fes. Es war entsprechend einiges heisser als noch in den Bergen. Der Camping Diamond Verte war leider wegen (dringend notwendigen) Renovierungsarbeiten geschlossen. Deshalb mussten wir die zweite Option in Fes, den Camping International in Anspruch nehmen. Dieser ist bei weitem nicht so schön und auch hat man noch immer nicht den Eindruck, dass sich jemand um das Wohl der Gäste bemühen mag.

Wir richteten uns ein und marschierten dann hinüber zum Hospital weil man dort am ehesten ein Taxi erwischen kann. Die paar Hundert Meter an der prallen Sonne waren ganz schön heiss auch wenn es unterdessen gegen sechs Uhr war. Mit einem vollen Grand Taxi liessen wir uns ins Zentrum fahren. Vom Place Rsif aus schlenderten wir planlos durch die Souks und wollten eigentlich nur ungefähr die Richtung halten. Fes ist im Gegensatz zu Marrakesch schon weniger touristisch und bietet einen authentischeren Eindruck. Am Ende landeten wir etwas ungeplant wieder am Ausgangsort. Wir nahmen uns ein Petit Taxi welches uns ans westliche Ende der Medina chauffierte. Dort drangen wir wieder in das Getümmel ein und suchten nach einem Restaurant fürs Nachtessen. Wir wurden bald fündig und genossen ein gutes Mahl auf einer gemütlichen Terrasse. Es war zwar immer noch brütend heiss dort oben aber zwischendurch verschaffte ein Lufthauch etwas Erleichterung. Ach einem Weiteren Rundgang durch die schmalen Gassen erreichten wir einmal mehr den Place Rsif.

Von dort aus konnten wir wieder ein Taxi zum Camping zurück auftreiben.    

 

13.5. Mittwoch

Strecke:           Fes – Mekens – Sidi Kazem – Buschcamp gegenüber Moulay Bousselham

Distanz:          Ca. 226  km

Wetter:            schön, heiss (Morgens 18°C, nachmittags  >45°C)  

Übernachtung: Bushcamp gegenüber Moulay Bousselham


Nach einem frühen Start, wir wollten die etwas kühleren Stunden nutzen, fuhren wir auf der Autobahn nach Meknes. Vor der Medina stellten wir das Auto in den Schatten um von dort aus die Altstadt zu erkunden. Wir stellten aber bald fest, dass neun Uhr definitiv zu früh war um das Leben der Stadt zu erleben. Wir gingen deshalb zurück zum Place el Hedim und tranken erst mal etwas. So gegen zehn Uhr versuchten wir es noch einmal. Noch waren viele Geschäfte geschlossen aber langsam kam Leben in die Gassen. Bei der Besichtigung einer Manufaktur in welcher die einmaligen Stahlarbeiten mit Silbereinlage hergestellt werden, wurde uns die Technik und Geschichte dieses Kunsthandwerks erklärt. Ein anderer Herr bot uns an, die nahe gelegenen Bandweber zu zeigen. Er wusste natürlich als Einheimischer genau wer wo was macht und so genossen wir am Ende eine vierstündige Stadtführung welche uns so ziemlich jedes Kunsthandwerk und einige wohl weniger bekannte Dinge und Geschichten näher brachte.

Wir wurden auf wichtige Persönlichkeiten und deren Mausoleen aufmerksam gemacht. Wir kamen an den Schreinern, den Holzschnitzern und den Schmieden vorbei. Jedes Handwerk hat sein eigenes Quartier und die Werkstätten sind im vorbei gehen kaum zu erkennen. Etwas weniger appetitlich war der  Besuch der Ledergerber. Zwar wir hier in Meknes ohne Ammoniak gearbeitet, aber der Geruch den nicht immer frischen Häute war dann halt doch nicht so angenehm. Alle Schritte der Lederherstellung wurde uns gezeigt. Sehr angenehm war auch dass alle Handwerker sich über unser Interesse freuten und uns meist sogar ermunterten Fotos zu schiessen. Eine wahre Wohltat nach Orten mit mehr Touristen. Am Ende des Rundgangs zeigte unser Guide den Weg zu unserem Parkplatz zurück und wollte sich ohne etwas zu fordern verabschieden. Das hatte ich nun wirklich noch nie erlebt. Gerne gab ich ihm deshalb ein angemessenes Trinkgeld welches er schon fast widerwillig akzeptierte. Er habe uns doch nur seine Stadt zeigen wollen….

Auf gut ausgebauten Landstrassen fuhren wir nun Richtung Küste wo wir uns wieder mit Angi und Chris treffen wollten. Am Anfang kamen wir gut voran und konnten die trockenen aber auch fruchtbaren Landwirtschaftsgebiete geniessen. Als wir dann aber vom GPS quer durch die Landschaft geführt wurden, gelangten wir in Dörfer wo man das weniger schöne Marokko zu Gesicht bekam. Sehr ärmlich, alles vermüllt und katastrophale Strassenzustände. Ein Verbindung zwischen zwei Teerstrassen war so sandig, dass ich befürchtete den 4x4 noch mal zuschalten zu müssen.

Schlussendlich erreichten wir wie abgemacht das Nordende einer Halbinsel gegenüber von Moulay Bousselham. Der Ort liegt nur durch einen schmale Wasserstrasse getrennt gegenüber. Wir trafen auf unsere Freunde und tauschten uns kurz aus. Es war aber so brutal heiss, das Thermometer mass über 45°C im Schatten, dass wir uns schnell ans Wasser begaben um uns abzukühlen. Kaum war man aber wieder aus dem Wasser raus trocknete einem der Backofenwind innert Minuten. Der heisse Wind vom Landesinnern liess die Temperaturen eher noch heisser erscheinen. Wir verlegten deshalb den Standort in den Schatten des nahen Eukalyptuswaldes. Dort kam der Wind auch über die Lagune und war deshalb etwas erträglicher.

Später tauchte noch ein weiterer 4x4 Camper auf. Es stellte sich heraus, dass es eine Schweizer Familie mit zwei Kleinkindern handelte. Ein ausgedehnter Apero mit Prosecco für die Damen und kaltes Bier für die Herren liess sich auch die Hitze ertragen. Zum Nachtessen beschlossen wir auf Grund der grossen Hitze,  uns mit einem Salat zu begnügen. Lange sassen wir noch zusammen und fachsimpelten mit unseren Campnachbarn über Reisen und die Vehikel welche sich dafür am besten eignen.

 

14.5. Donnerstag

Strecke:           Gegenüber Moulay Bousselham – Larache – Assilah - Tanger

Distanz:          Ca. 154  km

Wetter:            Morgens Nebel, dann schön, sehr warm (Morgens 18°C, nachmittags  >30°C)     

Übernachtung: Camping Miramonte

 

Als wir aufwachten, zeigte sich die Sonne als trübe Scheibe um Horizont. Kurz darauf verschwand sie gänzlich, da urplötzlich ein dichter Nebel entstand. Das hatte aber den Vorteil, dass die Sonne nicht schon zu früher Stunde uns auf den Pelz brannte. Sowieso war es angenehm kühl geworden und ein leichter Wind vom Meer her liess uns schon fast ein wenig erschaudern. Kein Wunder, war doch die Temperatur von gut über 45°C auf 18°C gefallen.

Beim Abschied von unseren Nachbarn erwähnte er beiläufig dass wir uns ja Morgen Nachmittag spätestens am Hafen wieder treffen würden. Durch nachhaken erkannten wir, dass wir fälschlicherweise gemeint hatten, die Fähre lege erst am späten Abend ab. Das wäre ja peinlich gewesen, wenn wir das Schiff verpasst hätten.

Wir und die Renzes fuhren separat, wollten aber beide in Assilah reinschauen und wir nahmen an, dass wir uns dort sicher wieder treffen würden. Auf der selben Strecke mussten wir wieder auf der Halbinsel zurückfahren. Danach kamen wir noch einmal durch sehr unschöne Gebiete. Es sieht so aus, dass trotz den fruchtbaren Böden und den riesigen Gemüseplantagen hier niemand so richtig reich werden kann. Das zeigte sich vor allem wieder an den verlotterten Dörfern und dem unbeschreiblichen Müll überall.

Als wir schliesslich auf die N1 trafen besserte sich die Situation. Wir kamen nun auch besser voran. Larache durchquerten wir ohne Halt denn die Stadt bietet eigentlich nicht was zu verweilen ermuntern würde. Anders in Assilah. Dieses kleine Küstenstädtchen ist schön herausgeputzt und zeigt sich in seinem typischen weiss-blau. Es ist auch entsprechend touristisch wenn auch zu dieser Jahreszeit kaum noch Besucher anzutreffen sind. Wir machten einen Spaziergang durch die kleine Medina und nicht unverhofft trafen wir dann wieder auf unsere Freunde. Sie waren wieder auf einen Maler getroffen dem sie letztes Jahr ein paar Bilder abgekauft hatten. Nun lud er uns alle ein sein Haus um sein Atelier zu besuchen. Er malt auf alte Zementsäcke. Zum Teil in braunen oft auch weiss-blauen Farben. Chris und Angi liessen mich ein Bild als Geburtstagsgeschenk auswählen und so hatte der Künstler wenigstens einen kleinen Verkauf getätigt. Die Beiden wollten noch etwas Essen in der Stadt, wir fuhren direkt nach Tanger, da ich im Tagebuchschreiben etwas in Rückstand geraten war und aufholen wollte.

Mitten im Stadtzentrum wird zur Zeit an einer strategisch wichtigen Kreuzung ein riesiges Bauprojekt realisiert, so dass der übliche Weg zum Hafen blockiert ist und man immer wieder ausweichen muss. Die Tankstelle wo ich in der Vergangenheit jeweils das Auto waschen liess ist abgerissen worden. Aber eine nahe gelegene Tanke bestätigte mir, dass auch morgen am Freitag  gewaschen werde. So werde ich wohl Morgen früh vor der Fähre noch einen kleinen Service machen lassen.   

Im Camping Miramonte angekommen richteten wir uns ein und ich nutzte die ruhigen Minuten um das Tagebuch nachzuführen. Wir hatten einen interessanten Nachbar, nämlich den Grossvesir von Azrou, ein angeblich sehr reicher und einflussreicher Mann. Er muss allerdings auch ein wenig skurril sein, denn er reist in seinem Mercedes 4x4 Reisemobil und einer Entourage von etwa 10 jungen Leuten. Natürlich hat er für die Fahrt in die Stadt auch noch einen Mercedes ML 500 dabei.

Nachdem Chris und Angi eingetroffen waren, genossen wir bei nun wieder sehr angenehmen Temperaturen einen feinen Apero. Danach liessen wir uns von einem Taxi in die Altstadt fahren. Wir bummelten durch die engen und verschlungen Gassen und genossen die abendliche Atmosphäre. Da die Stadt an einem Hügel liegt, ist es ein stetes hoch und runter. Wir schauten beim Lebensmittelmarkt herein wo frisches Gemüse kunstvoll aufgeschichtet präsentiert wird. Durch die Gassen ging es hinunter zum Hafen. Dort kenne ich das Restaurant Africa wo ich meine Freunde zu einem vorgezogenen Geburtstagsessen einladen wollte. Dort angekommen stellte sich heraus, dass die französische Madame welche das Restaurant in der Vergangenheit geführt hatte, seit meinem letzten Besuch verstorben war. Konsequenz davon war, dass es leider keinen Wein mehr im Angebot hat. Das Essen hingegen war noch genauso gut und die Preise nach wie vor sehr moderat.

Wieder oben in der Stadt angekommen suchten wir eine Patisserie auf, wo wir uns ein Dessert genehmigten. Das Angebot und die Ausstattung des Ladens kann durchaus auch mit Europäischen Geschäften mithalten. Chris und ich bestellten eine Cremeschnitte die Ladies knabberten an einem Corne de Gazelle. Einmal mehr gingen wir zum Hafen runter um ein Taxi zurück in den Camping zu suchen. Dabei kam es zu einem typisch Marokkanischen Zwischenfall: Ein Fahrer eines Mercedes Grand Taxis, die kleinen dürfen nämlich nur drei Passagiere mitnehmen, schmiss kurzer Hand die bereits eingestiegenen Marokkaner mit samt Gepäck wieder raus um uns aufnehmen zu können. Während die Gäste das relativ locker wegsteckten gingen seine Berufskollegen nur verbal und physisch auf ihn los. Ein riesen Geschrei und Gezeter nahm seinen Lauf während wir tatenlos im Auto sassen. Nachdem sich die Szene etwas beruhigt hatte konnte es losgehen.

Im Camp sassen wir noch etwas draussen und genossen den verpassten Wein aus eigenen Vorräten. Die Nachbarn wurden auch dazu eingeladen, denn das Französische Paar war auf der Hinfahrt auf demselben Schiff wie die Renzes gewesen. Schliesslich wollten meine Freunde unbedingt noch Mitternacht abwarten, damit sie mir zum Geburtstag gratulieren konnten. Als es dann soweit war, sangen sie mir ein Happy Birthday. Bald aber gingen wir dann doch noch zu Bett.

 

15.5. Freitag

Strecke:           Tanger – Tanger Med

Distanz:          Ca. 45 km

Wetter:            Schön, warm (Morgens 18°C, nachmittags  >30°C)

Übernachtung: Fähre

 

Wir hatten gut geschlafen und nahmen das Frühstück bei angenehmen, nach den heissen Tagen eher sogar kühlen Temperaturen ein. Anschliessend fuhren wir alle zusammen in die Stadt. Wir Männer organisierten das Waschen der Fahrzeuge bei einer Tankstelle unsere Damen nahmen ein Taxi und gingen nochmals in die Altstadt zum Lädele.

Mit Vollgas stürzten sich die Jungs auf den Truck, während mein Auto erst mal einen Ölwechsel verpasst bekam. Ich hatte einen neuen Filter mitgebracht, da solche Dinge nur bedingt lagerhaltig sind in Marokko. Für etwa 5 CHF/Liter ist ein Ölwechsel einiges günstiger als zu Hause und das Öl ist auch nicht schlechter. Als der LKW sauber war, kam meiner an die Reihe. Die Kabine wurde erst mal entstaubt und dann die Carosserie von Hand gewaschen. Wenn es zu hoch wurde, stellte man eine Leiter an um auch an die oberen Partien zu gelangen. Da die Marokkaner etwas weniger koordiniert arbeiten, wurden halt immer wieder dieselben Stellen gewaschen aber am Ende war alles einwandfrei sauber. Zuletzt fuhr ich noch einmal über die Arbeitsgrube damit das Fahrzeug noch abgeschmiert werden konnte. Waschen/Schmieren: 15 CHF!!!

Die verbleibenden Dirham wandelte ich an der Tankstelle in Diesel um. Damit können wir noch gut in die Schweiz zurück fahren und wahrscheinlich reicht es sogar noch für den Pfingst Raid am nächsten Wochenende. Gerade als wir mit dem Tanken fertig waren, kamen unsere Partnerinnen zurück: Perfektes Timing.

Wir verliessen die Stadt nordwärts entlang der Küste um zum Hafen zu gelangen. Witzig war noch, dass genau beim letzten Kreisel vor der Hafeneinfahrt, die Polizei noch ein letztes Mal eine Radarkontrolle durchführte. Ein Problem hat dann wer seine letzten Dirham schon ausgegeben hat. Wir checkten ein und erhielten unsere Tickets. Das lokale Geld reichte dann auch noch für ein feines, knusperiges Sandwich. Anschliessend stellten wir uns bei der Passkontrolle an und gaben unsere Zolldeklaration fürs Auto beim Zoll ab. Als letzter Akt war das Durchleuchten des Autos mit dem Hitech Spielzeug noch zu absolvieren. Dann konnten wir zur Fähre fahren wo wir nach einer letzten, manuellen und optischen Kontrolle auch gleich an Bord fahren konnten.

Unsere Freunde hatte ihre Kabine fast neben der unseren erhalten, so dass wir die nächsten Schritte einfach planen konnten. Der nächste Schritt war dann bei uns in der Kabine die letzten zwei Bier, immer noch kalt aus dem Kühlschrank, beziehungsweise die Proseccos zu leeren um dabei noch einmal auf meinen Geburtstag anzustossen. Die fast zwei Stunden verspätete Abfahrt genossen wir vom Heck des Schiffes. Die Fähre steuerte direkt in die Meerenge von Gibraltar und fuhr vorbei am berühmten Felsen und an Ceuta ins Mittelmeer ein.

Zum Nachtessen trafen wir uns im Restaurant. Anschliessend spielten wir in einer Bar noch etwas Karten, gingen aber dann relativ früh zu Bett.

 

16.5. Samstag

Strecke:           Aus See

Distanz:          --

Wetter:            Schön, warm  

Übernachtung: Fähre

 

Die See war ruhig geblieben und obschon wir unsere Kabine ganz vorne im Schiff hatten, war kaum eine Bewegung zu spüren. Wir hatten so gut geschlafen, dass wir das Frühstück verpassten. Das ist aber kein Drama, denn das vorbestellte Frühstück besteht sowieso nur aus einem Kaffee und einem Croissant. Eigentlich wären wir noch länger im Bett geblieben, aber dann wurde eine Notfallübung ausgerufen an welcher man obligatorisch teilnehmen sollte. Also machten wir uns fertig und wollten uns anweisungsentsprechend an unsere Sammelstelle begeben. Unser Fluchtweg sollte über eine nahegelegene Treppe hinunter auf das nächste Deck führen. Wir wurden auch einwandfrei hinunter gelotst standen dann aber vor einer verschlossenen Tür. Kurzerhand wurden wir wieder zurück geführt und gelangten schliesslich über eine andere Treppe an den richtigen Ort. Nach einer guten halben Stunde war dann die Übung vorbei und wir konnten wieder frei verfügen.

Bis zum Mittagessen vertrieb ich mir die Zeit mit dem Sortieren der Bilder und Myrta las . Da wir das Frühstück verpasst hatten gingen wir mit gutem Appetit zum Essen. Den Nachmittag verbrachten wir mit lesen, relaxen und Tagebuch schreiben. Und schon bald wurde unsere Ankunft in Barcelona ausgerufen. Leider können Passagiere welche weiterreisen nach Sete nicht von Bord. Wäre noch schön gewesen in der Stadt das Nachtessen oder wenigstens einen Drink einzunehmen.

 

17.5. Sonntag

Strecke:           Sete - Rheinfelden

Distanz:          Ca. 750  km

Wetter:            Schön, warm (Morgens 18°C, nachmittags  gut 20°C)        

Übernachtung: Zu Hause

 

Mit nur einer Stunde Verspätung kamen wir vom Schiff. Die Zollformalitäten waren im Nu erledigt, Europa lässt grüssen, und schon waren wir auf dem Heimweg. Der Verkehr durch Südfrankreich war dicht aber wir kamen gut voran. Man merkte aber bereits hier, dass es für einen Sonntagmorgen bedeutend dichter war als üblich. Die Verkehrsnachrichten liesssen uns wenig Hoffnung einfach nur so heimfahren zu können. Bei Orange, wo die Autobahnen von Spanien und Marseille kommend zusammen treffen, hatte es schon mehrere Kilometer zähfliessender Verkehr mit zeitweiligem Stillstand. Da sich in der Folge die Autobahn in Schritten von fünf auf drei Spuren verengt, brauchte es über 10 Km bis sich die Situation etwas entschärft. Aber bis vor Valence kamen wir nur stockend voran. Erst Richtung Grenoble entspannte sich der Verkehr, aber auch auf dieser, normalerweise leeren Autobahn, hatte es bedeutend mehr Verkehr.

Als wir dann Grenoble  westlich umfuhren, piepste es auf einmal im Cockpit. Bei so viel Elektronik an Bord brauchten wir einen Moment um zu erkennen, dass das Reifendrucküberwachungssystem einen Alarm hatte. Bei genauem hinsehen erkannte ich dass vorne rechts nur noch 1.1. bar Druck vorhanden war. Behutsam lenkte ich das Auto auf den Pannenstreifen. Dort bestätigte sich der Druckverlust. In knapp 15 Minuten war das Rad gewechselt und weiter ging es.

Vor Genf wurde noch einmal ein Stau an der Zahlstelle und danach am Schweizer Zoll gemeldet. Wir umfuhren die beiden Problemstellen indem wir über Annemasse und durchs Genfer Stadtzentrum fuhren. So sah ich zum erstem Mal im Leben den berühmten Jet d’Eau.

In Kirchberg machten wir nochmal einen kurzen Halt um Myrta‘s Enkelin zum Geburtstag zu gratulieren. Dann aber ging es endgültig heim zu.

 

ENDE