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KARTE FOLGT IN KÜRZE


Auf dem Weg nach Uruguay

Üblicherweise ist unsere Webseite ja nach Ländern organisiert. Da wir aber nun immer nur kurz in Paraguay und Argentinien waren, war es sinnvoller diesen letzten Abschnitt der Reise einfach unter Uruguay zusammenzufassen. Also sind nun die ersten Geschichten und Bilder halt noch von Paraguay und Argentinien, bevor wir dann unser letztes Land, eben Uruguay, besuchen werden.

Über die Grenze nach Paraguay

Wir überquerten die Grenze von Brasilien nach Paraguay bei der Stadt Ponta Pora. Wir als Touristen mussten uns richtig gehend um die Formalitäten bemühen, denn wir hätten die Grenze auch wie die Einheimischen einfach überqueren können. Eine Grenzkontrolle gibt es nämlich nicht. Aber um sicherzustellen, dass wir nicht bei einer allfälligen Kontrolle im Landesinnern in Schwierigkeiten geraten, wollten wir unsere Papiere in Ordnung halten.

Als erstes fuhren wir zum Flughafen hinaus um bei der Brasilianischen Grenzpolizei den Ausreise Stempel zu holen. Dann in die Stadt zurück um unser Auto beim Zoll abzumelden.

Wo die Grenze überhaupt ist, sieht man gar nicht, denn diese verläuft mitten durch die Stadt ohne auch nur einen Zaun. Unser nächstes Ziel war die Immigrationsbehörde der Paraguayer um den Einreisestempel zu holen. Und zuletzt dann auch noch der Zoll um das Auto wieder temporär einzuführen. Aber auch diese beiden Behörden sind einige Hundert Meter voneinander getrennt und nicht ohne weiteres zu finden.

Wie schon an so manchen Grenzübergängen war die App „iOverlander“ sehr hilfreich, denn die notwendigen Behörden lassen sich dort alle bestens finden. Übrigens, der Paraguayische Zoll hat von 1200 bis 1400 Uhr geschlossen, bei uns kam die zuständige Dame dann sogar erst 1420 Uhr vom Einkaufen wieder an die Arbeit zurück….

Unweit unserer Route lag der Nationalpark „Cerro Caro“. Viel bietet der Nationalpark eigentlich nicht, aber immerhin konnten wir dort auf einer schönen Waldlichtung sehr ruhig übernachten. An Infrastruktur bietet der Campingplatz zwar nichts, aber dafür kostet er auch nichts.


„Hasta la Pasta“ zum Zweiten

Am nächsten Morgen starteten wir früh und schafften es ohne Schwierigkeiten bis zum „Hasta la Pasta“ Camping. Da war einiges los und wir trafen auch wieder einige bereits bekannte Gesichter. Die Gufliger’s und Karl-Heinz hatten wir zwar nicht erwartet, aber wir freuten uns umso mehr sie wiederzusehen. Auch Wolfgang und Regine, wir hatten sie bei unserem ersten Besuch hier kennengelernt, waren wieder hier. Zudem lernten wir aber auch eine ganze Reihe neue Overlander kennen. Es ist schon interessant zu sehen, wie viele Reisende meist eine Umweg in Kauf nehmen um ein paar Tage oder gar Wochen hier zu  geniessen. Die Nachricht, dass der Besitzer des Campings ein paar Wochen zuvor einen Schlaganfall erlitten hatte, bekamen wir schon am Vortag von unseren Campnachbarn mit welche eben erst zuvor noch hier gewesen waren. Zum Glück scheint er auf dem Weg zur Besserung zu sein. Wir wünschen ihn auf jeden Fall alles Gute.

Wir mussten an unserem Auto noch wieder einiges erledigen. Erst mal bekam es eine neue Windschutzscheibe, denn mit den drei „Einschüssen“ hätten wir bei der MFK Prüfung keine Chance. Nach einigen Recherchen fuhr Ueli nach Asuncion hinein um die Scheibe tauschen zu lassen. Nur eine Viertelstunde dauerte die Arbeit und 100 CHF kostete der Spass, in der Schweiz kostet dasselbe, allerdings mit einem Original Toyota Ersatzteil, über 1000 CHF, einfach unglaublich.

Auch das notwendige Material für einen weiteren Motorenölwechsel und alle Getriebeöle wurden beschafft, auch diese zu unglaublich günstigen Konditionen. Auch eine ausgiebige Wäsche bekam der Toyota verpasst. Eineinhalbstunden verbrachte das Auto beim Waschen und dann sah es wieder aus wie neu. Nach dem roten Schlamm in Brasilien war es dringend notwendig gewesen, denn wo immer man mit dem Auto in Berührung kam, bleiben rote Schmutzspuren zurück.

In Altos liessen wir schliesslich die Öle wechseln und die Räder einmal mehr rotieren, dass sollte nun reichen bis zu unserer Rückreise.

Wir verlegten unseren Abreisetag auf den Samstag, damit wir uns noch einmal auf dem Markt mit guten Käse, Brot und Wurstwaren eindecken konnten. Danach ging es auch bereits wieder Richtung Grenze, einmal mehr zurück nach Argentinien.


Bei Asuncion hinüber nach Argentinien

Wir nahmen die Brücke über den „Rio Paraguay“ denn die Fähre fährt am Samstag nur bis 1400 Uhr. 20 Km später erreichten wir die Grenze. Hier sind die Formalitäten wieder einfach zu erledigen, denn die Stationen der beiden Länder sind in einem Gebäude untergebracht. Auf eine Lebensmittelkontrolle wurde einmal mehr verzichtet, das scheint wirklich eine Sache zwischen Chile und Argentinien zu sein. In knapp 20 Minuten war der Papierkram erledigt und wir wieder einmal in Argentinien.

Rio Pilcomayo Nationalpark

100 km hinter der Grenze liegt der „Rio Pilcomayo“ Nationalpark. Als erstes fuhren wir zur „Laguna Blanca“ um uns über den Park zu informieren.  

Ein kurzer Spaziergang zur nahen Lagune verschaffte uns einen Überblick. Aufgefallen sind und vor allem die riesigen Schneckenhäuser die überall am Ufer zu sehen waren. Bis 5cm gross waren diese, da müssen ja gigantische Schnecken drin leben.

Etwas weiter geht dann eine Piste von der Hauptstrasse weg welche zum Camping in der Nähe des „Estero Poi“ führt. Wir lernten dort Eduardo und Helena aus Buenos Aires kennen. Sie sind auf einer kurzen Ferienreise und klappern die Nationalparks in der Region ab. Sie übernachteten im Zelt, bei der momentan herrschenden Kältewelle nicht sehr angenehm. Wir luden sie nach dem Essen zu uns in warme Auto ein und verbrachten einen netten Abend zusammen. Ueli braute einen Kafi Lutz, der auch bei den Argentiniern durchaus Anklang fand.

Am Morgen dann eine unangenehme Überraschung! Der Landcruiser wollte einfach nicht anspringen. Er hatte schon in den vergangenen Tage immer wieder etwas Mühe beim Anspringen bekundet und war erst nach mehreren Versuchen stotternd und rauchend angelaufen. Nun, an diesem Tag war es noch eine Spur kälter gewesen und nun ging nichts mehr. Ein Parkranger kam uns aber zu Hilfe und nach ein paar wenigen Metern anziehen sprang der Motor auch willig an. Das Problem schien ein nicht richtig funktionierende Vorglühung zu sein.

Wieder mobil, fuhren wir zum Ende der Piste an den „Rio Pilcomayo“. Eigentlich war sie noch gesperrt aber der Ranger begleitete uns ein Stück um sicherzustellen, dass wir überall gut durchkamen uns liess uns dann alleine weiter fahren. Wir genossen die Fahrt durch die palmenbewachsene Landschaft und unternahem auch noch einen Spaziergang zu einem Aussichtsturm. Viele Vögel und Tiere bekamen wir aber leider nicht zusehen.


Esteros del Ibera zum Zweiten

Uns hatte der „Esteros del Ibera“ Nationalpark sehr gut gefallen und da er wiederum fast am Weg lag entschlossen wir uns, nochmal dort vorbeizuschauen. Da wir die Strecke aber nicht in einem Tag fahren wollten, legten wir eine Nacht in „Resistencia“ ein. Am Morgen dann nochmal dasselbe Problem mit dem Auto. Ein paar kräftige Argentinier halfen uns das Auto anzuschieben und schon sprang es auch wieder an….

Kurz nach dem Mittag erreichten den Campingplatz „San Nicolas“ und stellten fest, dass wir diesmal nicht die Einzigen Gäste waren. Unseren Nachbarn, Ian aus Australien, hatten wir in Cuzco kennengelernt. Seine Frau Penelope war damals bereits nach Australien zurückgeflogen gewesen. Nun hatten wir Gelegenheit die Beiden etwas näher kennenzulernen.

Das Wetter war nun wieder viel wärmer geworden, denn der Wind hatte wieder auch Nord gedreht und brachte tropische Wärme zu uns. Wir fuhren noch einmal zum „Puerto Carambole“ hinaus und wunderten uns wie stark das Wasser bereits zurückgewichen war. Vermutlich deshalb hatten sich auch die Tiere weiter zurückgezogen, wir bekamen diesmal kaum eines zu sehen.


Der Nationalpark Mburucuya

Nur etwa drei Fahrstunden entfernt liegt ein weiterer Nationalpark Argentiniens. Wir hatten beim Herausfahren von unserem Camp in San Nicolas noch einen Schreckmoment, denn das Tor auf der Zugangspiste war geschlossen und der ansonsten vorliegende Schlüssel war nicht zu finden. Auch unsere Australischen Freunde waren ratlos am Tor stehengeblieben. Nun, nach einer Weile erschien ein Gaucho von der nahen Estanzia und brachte den Schlüssel mit. Er erklärte, dass in Zukunft das Tor von 8 Uhr morgens bis um 18 Uhr offen sein sollte, so dass solche Situationen nicht mehr eintreten sollten.

Die Zugangspiste zu unserem Tagesziel war in gutem Zustand und so erreichten wir den Campingplatz schon vor Mittag. Wieder war ein schön angelegter Platz, dieser sogar mit WiFi. Allerdings war die Stromzufuhr unterbrochen, deshalb funktionierte natürlich nichts was am Strom hängt. Wir unternahmen eine Wanderung durch die Umgebung. Vorbei an einer Lagune und durch dichten Urwald erreichen wir ein Gebiet mit Palmenwald. In der Ferne hörten wir Brüllaffen, aber leider bekamen wir sie nicht zu Gesicht. Ansonsten sahen wir eigentlich keine Tiere und nur wenig Vögel. Trotzdem genossen wir es wieder einmal etwas zu Fuss unterwegs zu sein.

Im Camp zurück, hatten wir einmal mehr Besuch von tierischen Nachbarn, diesmal zwei recht zutrauliche Füchse.


Zurück nach Canada de Gomez

Wir wollten Gomez noch vor dem Wochenende erreichen um dieses mit unseren Freunden verbringen zu können. Da lagen aber noch etwa 800 Km dazwischen. Wir wollten die Distanz in zwei Tagesetappen aufteilen. Die Landschaft blieb noch einige Hundert Kilometer dieselbe wie im Ibera Nationalpark. Zunehmend wurde das Land aber landwirtschaftlich genutzt. Die Kühe und Pferde standen zum Teil bis zum Bauch im Wasser und frassen Gras und Wasserpflanzen.

Der angepeilte Campingplatz war aber leider geschlossen und ein weiterer in der Stadt „La Paz“ existierte schon gar nicht mehr. Das zwang uns noch einmal eine Stunde weiterzufahren und in „Santa Elena“ unser Glück zu versuchen. Dort angekommen erwartete uns ein „Camping Municipal“ direkt am „Rio Paraguay“ gelegen. Wir genossen den Sonnenuntergang bei noch angenehmen Temperaturen. Überraschend traten zwei ältere Herren an uns heran und fragten ob sie ein Interview mit uns aufnehmen dürften. Sie waren von einer lokalen Fernsehstation und bald lief die Kamera. Wir beantworteten die üblichen Fragen und in 10 Minuten waren die Beiden wieder verschwunden. Zum Nachtessen gingen wir später in ein nahes Restaurant und genossen eine grosszügige Portion „Dorado“, dem besten und bekanntesten Flussfisch der Region. Zusammen mit einer Flasche Malbec kostete das Nachtessen nicht mal 20 CHF.

Nach einem weiteren „Fahrtag“ erreichten wir Canada de Gomez. Die Freude über das Wiedersehen war auf beiden Seiten gross. Zudem kamen wir gerade rechtzeitig an um den Fussballmatch Serbien gegen die Schweiz am Fernseher verfolgen zu können.

Am Sonntag waren wir alle bei Tio Omar und Tia Elida zum „Asado“ eingeladen. Wiederum gekonnt gebraten genossen wir das komplette Fleischprogramm welches zu einem typisch argentinischen „Asado“ gehört. Dazu gehören neben dem üblichen Schweine- und Rindfleisch, dieses immer am Stück langsam gebraten, auch „Trippa Gorda“ (gefüllte Därme) und „Chinchuline“ (knusprig gebratene Därme ohne Füllung). Es zeigte sich einmal mehr, dass in Argentinien von den geschlachteten Tieren kaum etwas nicht verwertet wird. Wir sind auch für diese etwas exotischeren Grillvarianten sehr wohl offen und mussten dies auch gar nicht bereuen.

In „Canada de Gomez“ zeigte sich dann auch einmal mehr, wie wichtig es ist wenn einem gut vernetzte Freunde helfen. Silvio half Ueli nicht nur die vermutete Ursache für die Startprobleme zu diagnostizieren, sondern half auch dabei neue Vorglühkerzen zu besorgen. Die Glühkerzen waren tatsächlich in einem schlechten Zustand  und es sah aus, als ob eine nach der anderen schliesslich den Geist aufgegeben hatte. In Kombination mit den kalten Temperaturen war der Motor ohne vorglühen dann nicht mehr angesprungen. Wieder einmal war ein Generalstreik im Gange und deshalb neben vielen anderen Geschäften auch der Autoersatzteilladen geschlossen. Silvio erfuhr aber von einem Freund, dass dessen Frau im Laden arbeitet. Ein kurzer Anruf und schon war organisiert, dass die Teile in der Mittagspause zu Hause privat abgeholt werden konnten. Eine halbe Stunde Arbeit und der Toyota startete ohne rauchen und spuken und lief wieder wie ein Uhrwerk.

Der Abschied von unseren Freunden fiel uns wiederum sehr schwer und wir hoffen stark, dass wir die Familie als nächstes bei uns zu Hause wieder sehen werden......         

  


Nach Uruguay

Nun nahmen wir die letzte Etappe in Argentinien unter die Räder. Viel gibt es in dieser Region nicht mehr zu sehen. Landwirtschaft dominiert einmal mehr die Gegend. In diesen Tagen erlebten wir fast jeden Abend einen schönen Sonnenuntergang welcher uns die ansonsten sehr kurzen Tage etwas versüsste. Morgens geht die Sonne nun erst um acht Uhr auf und bereits um sechs Uhr abends setzt die Dämmerung ein. Auch waren die Temperaturen eher auf der kühlen Seite.

Wir übernachteten ein letztes Mal in Argentinien am Stausee „Salto Grande“. Auf einer schmalen Halbinsel hat es unzählige, schöne Stellmöglichkeiten direkt am Ufer des Sees. Nachts war es sehr ruhig und nach einem weiteren spektakulären Sonnenuntergang erfreuten wir uns am aufgehenden Vollmond.


Über die Grenze von Concordia (ARG) nach Salto (URY)

Wir hatten nur wenige Kilometer vor der Grenze übernachtet. Die Grenzformalitäten waren einmal mehr schnell und locker erledigt. Man kann diese noch auf der Argentinischen Seite für beide Länder im selben Gebäude erledigen.

- TIP des Autos beim Argentinischen Zoll abgeben

- Bei der Immigration Uruguay den Einreisestempel abholen

- Den neuen TIP  bei Uruguayischen Zoll ausstellen lassen

- Es erfolgte eine Fahrzeug Kontrolle erst durch den Argentinischen dann durch Uruguayischen Zoll, aber sehr oberflächlich, keine Frage nach Lebensmittel obschon offiziell keine frischen Lebensmittel eingeführt werden dürften

 

Einen Argentinischen Ausreisestempel wird nicht gemacht. Keine Formulare und keine Kosten. Wenn das Fahrzeug höher als 2.4m muss an einem Schalter ein kostenloses Ticket beschafft werden um die Barriere in der LKW Spur zu öffnen. Der Zeitbedarf für alles zusammen war etwa 20 Min.

Nach Salto hineingefahren um Geld abzuheben. Bei Santander und Scotiabank war das nur mit der VISA Karte möglich und beschränkt auf 5000 UYU (Gebühren etwa 200 UYU).


Das Kraftwerk von „Salto Grande“

1946 unterzeichneten die beiden Nachbarn eine Absichtserklärung welche die Nutzung des „Rio Uruguay“ definierte. Erst 1974, nicht zuletzt als Folge der damaligen Ölkrise, wurde der Bau eines gemeinsamen Wasserkraftwerks begonnen. Rund 25 m wurde der Fluss zu einem riesigen Stausee eingestaut, fast 800 km2 gross. Im Durchschnitt fliessen 4640 m3/s durch das Kraftwerk. Bei voller Last produzieren die 2 x 7 Turbinen fast 2 Gigawatt Strom, etwa gleichviel wie zwei Atomkraftwerke. Der Strom wird zwischen den beiden Ländern halbehalbe aufgeteilt und reicht in Uruguay um mehr als 50% des Landesbedarfs zu decken. Auch in Argentinien ist der Anteil am Gesamtverbrauch immerhin noch 8%.

Die Anlage kann mit einer kostenlosen Tour besichtigt werden. Erst  wird einem ein Video über die Geschichte und Entstehung der Anlage gezeigt. Anschliessend fährt man mit einem Bis zur Staumauer hinaus und kann dort das Maschinenhaus und die gigantischen Schleusen besichtigen.


Die Liebigs Fleischkonzentrat Fabrik

Nach einem trüben Ruhetag an den Termen San Nicoras, einer der weniger besuchten Termen der Gegend, machten wir uns wieder auf den Weg Richtung Süden. Viel gibt es eigentlich nicht zu sehen in dieser Gegend, aber beim Planen sind wir auf ein Industriemuseum gestossen welches sogar auf die UNESCO Weltkulturerbe Liste geschafft hat. Das wollten wir uns anschauen…

Die riesige Anlage in Fray Bentos diente der Verarbeitung von Rindern in unterschiedliche Endprodukte. Sie ist seit 1979 nicht mehr in Betrieb und wirkt auf den ersten Blick verfallen. Mit einer geführten Tour kann man einzelne der vielen Gebäude besuchen und erfährt einiges über diese einmalige Anlage..

1863 hatte ein risikofreudiger Deutscher Ingenieur eine Idee umgesetzt nämlich die vom Chemiker Liebig, auch ein Deutscher, erfundene Methode aus Frischfleisch hochwertigen Fleischextrakt herzustellen. Die billig produzierten Rinder erlaubten es, den Extrakt viel günstiger herzustellen. Die Anlage wurde mit der Zeit soweit ausgebaut, dass man pro Stunde bis zu 200 Rinder verarbeiten konnte. 180‘000 Tonnen Kapazität hatte das angegliederte Kühlhaus, bis 4500 Arbeiter waren im Einsatz. Neben dem Hauptprodukt Fleischkonzentrat wurde auch Corned Beef und andere Fleischkonserven erzeugt. Vor allem in den beiden Weltkriegen florierte das Geschäft, mussten doch Hundertausende von Soldaten energiereich ernährt werden. Auch heute noch sieht man die gewaltigen Dimensionen der Fabrik und der umliegenden Einrichtungen für die Arbeiter und ihre Familien. Die interessante Geschichte der Projekts kann man in folgendem Buch etwas vertiefen, sehr lohnenswert und interessant.  

Download
Die Geschichte des Fleischextrakts und der Fabrik in Fray Bentos
Eine interessante Zusammenfassung der Geschichte Liebigs und seiner Methode Fleischextrakt herzustellen wie auch die Hintergründe der Fabrikanlage sind in diesem Aufsatz übersichtlich dargestellt.
Das Buch wird von der Uni Giessen zur Verfügung gestellt ( http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2004/1381/ )
Liebig Geschichte.pdf
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Nueva Helvecia

Im Südwesten von Uruguay liegt eine weitere der vielen Schweizerkolonien Südamerikas. Bereits 1862 wurde der Ort gegründet und zog in der Folge auswanderungsfreudige Schweizer aus dem ganzen Land an. Ein Rundgang durch den Ort offenbart die Nähe zur Schweiz auch wenn diese hier kaum touristisch ausgeschlachtet wird wie in anderen Orten üblich. Besucht man den protestantischen Friedhof des Städtchen fallen vor allem typische Schweizer Familiennamen auf den Grabsteinen auf. Auch sonst trifft man Schweizer Namen auf Firmenschildern und Strassennamen. Auch der Besitzer des Hotel Suizo stammt von Schweizer Grosseltern ab, ist aber in Uruguay geboren. Nebst seinem Hotelbetrieb beherbergt er im Hotelgarten auch gerne Overlander und bietet ihnen auch an, Reisefahrzeuge während eines Heimaturlaubs zu „hüten“. Bevor wir den Ort wieder verliessen, kauften wir in einem der Läden nochmal richtig Käse ein. In der ganzen Region findet man einige Käsereien welche recht gute Hartkäse produzieren. Im „Los Fundadores“ Laden werden sogar lokal produzierte Schokoladespezialitäten verkauft.


Colonia del Sacramento

Als wir in der Region ankamen, war das Wetter trüb und kalt gewesen. Wir verschoben daher den Besuch bis wir bessere Bedingungen hatten. Von Nuevo Helvecia aus ist man in einer knappen Stunde Fahrt dort. Colonia gilt als eine der sehenswertesten Städtchen in Uruguay. Tatsächlich bietet der Ort nebst seiner Lage am Meer auch einige alte Kolonialbauten. Jetzt im Südwinter war allerdings nicht viel los und viele der Restaurants und Läden waren gar geschlossen. Der kalte Wind und die eisigen Temperaturen trugen nicht dazu bei diese Empfindung abzuschwächen. Vor hier besteht übrigens eine schnelle Fährverbindung über den Rio de la Plata hinüber nach Buenos Aires.


Eine kleine Runde durch Uruguay

Nun hat uns das Regenwetter wieder mal eingeholt. Kalte Temperaturen und sonnig ist ja OK, aber wenn es dann noch regnet wird es sehr ungemütlich. Im Camping La Chcra Holandesa „wetterten“ wir erst mal das schlimmste ab und konnten bei der Gelegenheit auch die aktuellen Spiele der Fussball WM mitverfolgen. Die ganze Belegschaft des Campings war bei den Besitzern in die Stunde eingeladen um die Spiele gemeinsam zu verfolgen.

Da wir noch gut drei Wochen bis zum Verladen hatten, machten wir uns auf den Weg Richtung brasilianische Grenze. Wir stellten aber bald fest, dass es in Uruguay nicht so viel zu sehen gibt. So kommt denn auch der Grossteil der Besucher im Sommer um am Meer ihre Ferien zu verbringen. Nun, dafür waren wir definitiv in der falschen Jahreszeit hier gelandet. 


Militärfestungen in der Grenzregion

An der Grenze besuchten wir das schön restaurierte Fort San Miguel. Die Anlage hat verschiedene Ausstellungen mit interessanten Artefakten, vor allem Uniformen aus der damaligen Zeit. Das Fort war im 18. Jahrhundert durch die Spanier erbaut worden und wurde in der Folge mehrmals um beziehungsweise ausgebaut. 1933, nachdem die Festung lange Zeit ungenutzt gewesen war, wurde sie nach den Originalplänen wieder hergestellt und schliesslich zu einem nationalen Monument erhoben. Bis 100 Mann stark war die Besatzung jeweils gewesen, aus heutiger sich kaum vorstellbar unter welchen Bedingungen die Soldaten damals hausen mussten.

Die Grenzstadt Chuy ist ein weiteres Kuriosum was die Grenzregelung betrifft. Fährt man in die Stadt hinein, ist auf der nördlichen Strassenseite Brasilien und auf der südlichen Uruguay. Das aber die Strasse überhaupt die Grenze markiert, ist für einen Besucher nicht ersichtlich. So konnten wir dann auch auf der linken Seite Diesel in Brasilien zum halben Preis tanken wie auf der uruguayischen Seite, natürlich wieder in Real, aber man sagte uns auch gleich, dass wir auch mit Pesos, Dollar oder auch jeder Kreditkarte bezahlen könnten. Auch speziell war, dass einem als Kunde währendem getankt wird kostenlos ein Kaffee und ein „Schoggistängeli“ serviert wurde.

Erst beim Hinausfahren aus der Stadt kommt man schliesslich an einer Zollstation vorbei. Wir wurden gefragt woher wir kommen und als klar wurde dass wir Uruguay nicht verlassen hatten, wurden wir nach einem kurzen Blick ins Auto durchgewinkt.   

Eine halbe Stunde weiter südlich liegt ein weiteres Fort aus derselben Zeitepoche. Wenn auch ähnlich aufgebaut ist es jedoch einiges grösser in seinen Abmessungen. Innerhalb der Festungsmauern hatte es gar Platz gehabt für die Armeepferde gehabt. Die Schmiede und die Küche wie auch weitere Räume sind originalgetreu mit zeitgenössischen Gegenständen ausgestattet. So schön restaurierte Anlagen hatten wir in Südamerika bislang noch nicht gesehen. In der ehemaligen Truppenunterkunft, einem langen Gebäudeflügel, sind mehrere Modelle von uruguayischen Militäranlagen ausgestellt. Man kann sich so gut verstellen, was in der Geschichte Uruguays noch mehr an Militäranlagen vorhanden gewesen war.


Cabo Polonio

Das kleine Dorf an der Küste liegt im gleichnamigen Nationalpark. Besucher dürfen nicht mit dem eigenen Fahrzeug in der Ort fahren. 7 km entfernt, an der Hauptstrasse gelegen, ist das Besucherzentrum. Von dort kann man sich mit einem Gelände LKW über sandige Pisten hinausfahren lassen oder man geht zu Fuss. Da das Wetter erst nach dem Mittag aufgeklart hatte, entschlossen wir uns mit dem LKW rauszufahren und dann zurückzuwandern.

Wir waren erstaunt, dass es doch ein gutes Dutzend Besucher hatte, welche auch mit uns zusammen hinausfuhren. In der Hauptsaison muss es allerdings sehr viel mehr Touristen haben, denn der Parkplatz beim Besucherzentrum hat Raum für ein paar Hundert Autos. Durch schönen Naturwald schlängeln sich mehrere Pisten Richtung Küste. Die letzten 2 Km fuhr der LKW dann noch dem Strand entlang mitten ins Dorf. Weitherum verstreut liegen kleine Ferienhäuschen, oft mit einer originellen Architektur und liebevoll dekoriert. Im Dorfzentrum hat es dann mehrheitlich Restaurants, Souvenirläden und einfache Unterkunftsmöglichkeiten. Die meisten waren allerdings bei unserem Besuch geschlossen. Wir wanderten an den Strand und der Küste entlang zum Leuchtturm hinaus. Glattgeschliffene Felsen unterbrechen die Sandstrände am Ostende der Halbinsel. Bald hatten wir einen unangenehmen, uns aber sehr bekannten Geruch in der Nase. Bald darauf sahen wir dann auch die Ursache: Eine grosse Seehund Kolonie, direkt unterhalb des Leuchtturms. Schon auf den Galapagos Inseln und in der Antarktis hatten wir diesen Gestank erlebt. Sicher gegen Hundert Tiere lagen in den Felsen herum oder balgten miteinander.

Eindrücklich war auch der 27 m hohe Leuchtturm. Seine elegante, flaschenartige Form und die allgemein gut erhaltenen Gebäude waren eine Augenweide. Ob es Zufall ist, dass alle Einrichtungen unter der Regie der Armee so gut in Schuss sind?

Fährt man auf der Küstenstrasse weiter Richtung der Hauptstadt, verläuft die Strasse oft direkt am Meer entlang. Ausserhalb von Ortschaften und Städten sind die Strände meist auch noch unverbaut. Allerdings sieht man das Wasser trotzdem meist nicht, denn hinter dem Strand liegen oft bewachsene Sanddünen.

Viele der Küstenorte sind heute meist nur noch eine grosse Ansammlung von Ferienhäusern, viel zu sehen gibt es für uns nicht. Der Leuchtturm von Jose Ignacio ist von der Architektur her sehr ähnlich gebaut wie der in Cabo Polonio und liegt auf einer Halbinsel mitten im Ort.

Punta del Este ist wieder einmal eine typische Massentourismus Stadt. Schon weit vor dem Zentrum fährt man schon kilometerweit nur an Appartementhäusern entlang. Im Zentrum selber werden die Gebäude höher, aber auch hier sind die Rollladen in den Wohnungen meist geschlossen. Wir machten einen Fotostopp bei „Los Dedos“, den Fingern. Die Betonskulptur ist vom selben Künstler gestaltet worden wie die bekannte Hand in der Atacama Wüste Chiles. 



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