Island 2021

Es hatte sich im Frühling bereits abgezeichnet, dass Island in diesem Sommer eine Reisedestination mit einigen Vorteilen für uns werden könnte. Zum einen war davon auszugehen, dass der Besucherandrang auch dieses Jahr aufgrund der unstabilen und unvorhersehbaren COVID Entwicklung bescheidener wäre als vor der Pandemie und andererseits konnten wir als relativ früh geimpfte auf einige Privilegien hoffen.

Im Mai buchten wir ohne Probleme einen Platz auf der Fähre von Dänemark auf die Insel. Vor Ausbruch der Pandemie wären die Überfahrten bereits im Winter ausgebucht gewesen. Es stellte sich heraus, dass Rita und Ueli, Freunde aus Luzern, die wie wir einen Azalai Land Cruiser fahren, ähnliche Pläne hatten, sodass wir uns entschlossen, zusammen zu reisen und anspruchsvollere Strecken gemeinsam zu befahren..


Reiseroute und Etappenorte auf Island


Wir haben uns für die Anreise eine Woche Zeit genommen und den Weg in den Norden Dänemarks weitgehend auf Landstrassen zurückgelegt. Das gab uns Gelegenheit, entlang der Strecke einige Sehenswürdigkeiten zu besuchen und wir konnten so die permanenten Staus auf den deutschen Autobahnen vermeiden.
Island erwartete uns mit herrlichem Wetter und das sollte für fast zwei Wochen weitgehend so bleiben. Entlang der Nordküste gelangten wir in die Westfjorde, von wo aus wir unsere Island Umrundung fortsetzten. Der Abschnitt an der Südküste erforderte etwas Geduld, da das Wetter nun eher isländisch daherkam. Schlussendlich konnten wir aber fast alles wie gewünscht bereisen. Ein Abstecher durch das Hochland und zum Schluss der Besuch der Ostfjorde zählten zu den Höhepunkten unserer Rundreise.
Auch für die Rückfahrt nach Hause wählten wir wieder die Landstrasse, machten einen kurzen Abstecher nach Luxembourg und fuhren anschliessend durch Frankreich in die Schweiz.

Einige Fakten:

Wir legten in den 6 Wochen insgesamt 8000 km zurück

Auf Island selber fuhren wir ca. 4500 km 

Der grösste Ausgabeposten war die Fähre von Hirtshals nach Island und zurück mit 3200 CHF


Anreise Schweiz - Hirthals (DK)

Eine Karte der Hin- und Rückreise ist am Ende der Seite angefügt.

Wir wollten uns für die lange Anfahrt zur Fähre grosszügig Zeit nehmen und gemütlich über Landstrassen anreisen. Durch den Schwarzwald ging es Richtung Norden. In Bad Urach legten wir einen ersten Zwischenhalt ein, um uns das malerische Städtchen anzuschauen und zwischendurch die Füsse zu vertreten.

Auf der Weiterfahrt, meist auf wenig befahrenen Landstrassen, verdunkelte sich der Himmel zusehends und ein Gewitter kündigte sich an. Bei Pfahlbronn hatte uns die Front erreicht und wir wurden erst von heftigen Sturmböen erfasst, bevor wie aus Kübeln zu schüttete begann. Als dann auch noch Hagel einsetzte, suchten wir unter einem mächtigen Baum Schutz und warteten, bis der Spuk vorüber war. Nach wenigen Kilometern wurden wir auf unserer Weiterfahrt zu einer Umfahrung gezwungen, denn in einem Waldstück lag ein mächtiger Baum quer über der Strasse.

In Gaildorf richteten wir uns auf einem ruhig gelegenen Stellplatz ein. Zum Nachtessen wollten wir uns im Ort ein gemütliches Restaurant suchen, leider ohne Erfolg. Wie fast überall in Deutschlands Kleinstädten wurden auch hier an jeder Ecke Döner und Pizza angeboten, die Lokale mit einheimischem Essen waren jedoch alle geschlossen, CORONA lässt grüssen.

Anderntags galt unser erster Halt der wunderschönen Stadt Rothenburg ob der Tauber. Die grosse und gut erhaltene Altstadt mit unzähligen historischen Riegelbauten bot sich für einen ausgiebigen Spaziergang an. Zu normalen Zeiten wäre der Ort wohl von viel mehr Touristen bevölkert gewesen, gehört die Stadt doch zu den Top 10 Destinationen Deutschlands. So konnten wir den Rundgang fast alleine und in aller Ruhe geniessen.

Weiter ging es nach Bamberg, wo ebenfalls eine sehr sehenswerten Altstadt auf uns wartete. Die Quartiere entlang des Rhein-Main-Donau Kanals, die auch Klein Venedig genannt werden, sind äusserst hübsch. Überragt wird der historische Kern vom eindrücklichen Dom, dessen Ursprünge über 1000 Jahre zurückreichen. Viele grosszügige Patrizierhäuser und Stadtpaläste zeugen vom einstigen Reichtum der Universitätsstadt. Mitten im Kanal gelegen befindet sich das alte Rathaus mit mit seinen grossartigen Wandmalereien.

Gegen Abend fanden wir auf einem Hügel einen schönen Übernachtungsplatz. Ganz so ruhig wie wir es an dieser Lage erwartet hatten, wurde es allerdings nicht, denn bis zum Eindunkeln trafen immer wieder Leute ein, die, wie wir, den Abend dort oben geniessen oder die Hunde ausführen wollten. Bis wir schlafen wollten, kehrte jedoch Ruhe ein und niemand störte uns. 

Entlang der nachfolgenden Tagesetappe hatten wir eigentlich im Nationalpark Harz eine kleine Wanderung geplant und wollten die Städte Goslar und Celle näher kennenlernen, aber das Wetter machte uns einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Bis auf ein paar wenige Abschnitte regnete es praktisch den ganzen Tag durchgehend, manchmal mehr, manchmal weniger. So landeten wir schliesslich an der Elbe, unweit der Stadt Stade. Der ausgewählte Stellplatz lag zwar hinter dem Deich, welcher jeglichen Ausblick verwehrte, aber im Restaurant Möwennest, welches auf dem Deich stand, genossen wir einen Apero und die Aussicht auf den Fluss. Auf einem kurzen Spaziergang konnten wir unsere von der langen Fahrt eingerosteten Beine etwas bewegen, bevor wir uns das Nachtessen kochten.

Bis zur Elbfähre nach Glückstadt fehlten nur noch wenige Kilometer. Diese Überfahrt ist, fast 60 km stromabwärts von Hamburg aus, die erste Möglichkeit, die Elbe zu queren. Infolge des recht grossen Andranges verpassten wir die erste Fähre und mussten einige Minuten auf die nächste Gelegenheit warten. Immer öfter entdeckten wir nun die gemütlich aussehenden, schilfgedeckten Häuser entlang der Strasse, die so typisch für Norddeutschland sind. Die Landschaft blieb flach wie ein Brett, nur ab und erhob sich ein Deich aus der Ebene, der aufzeigte, wie die Menschen dem Meer Land abtrotzen konnten. Wir hatten beabsichtigt, in Husum zu übernachten, in der Hoffnung, am Abend das EM-Fussballspiel Schweiz-Spanien in einer Bar verfolgen zu können. COVID bedingt waren jedoch die Sanitäranlagen des Stellplatzes geschlossen und wir wollten gerne eine Dusche nehmen. Wir beschlossen daher weiterzufahren und fanden einige Kilometer weiter einen schönen Platz hinter dem Deich bei den Hamburger Halligen. Das Camp war gut besucht, denn am Abend fand vor Ort ein Mini Triathlon statt, welcher die Athleten bei uns vorbei führte. Die Teilnehmer kamen auf dem Fahrrad vom 10 km entfernten Ort an, hatten über den Deich zur Hamburger Hallig hinaus zu laufen und dort eine kurze Schwimmstrecke im Meer zu absolvieren. Von dort ging das Ganze wieder zurück zum Start. 

Am nächsten Morgen kauften wir uns das Zutrittsticket für die Schranke und fuhren die 4 km hinaus zur Hamburger Hallig. Der ehemalige Bauernhof, welcher heute als Restaurant geführt wird, liegt auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel und ist somit weitgehend vor steigenden Fluten sicher. Nur bei Jahrhundertsturmfluten mussten die Bewohner und ihr Vieh hinter den Deich evakuiert werden. Die ganzen Ebenen in Nordfriesland sind Teil eines Nationalparks und werden von unzähligen Gras- und Wasservögeln bevölkert.

Unsere Tagesetappen wurden nun zunehmend kürzer, denn wir waren bisher gut vorangekommen. Immer der Küste folgend gelangten wir an den westlichsten Grenzübergang nach Dänemark. Lediglich eine Hinweistafel zeigte uns an, dass wir die Grenze passiert hatten, die Station war nicht besetzt. Rita berichtete uns später, dass es am Autobahnübergang weiter östlich hingegen wegen COVID Kontrollen zu stundenlangen Wartezeiten gekommen war.

Wir erreichten Thorsminde Mitte Nachmittag und richteten uns auf dem völlig leerstehenden Stellplatz am Hafen ein. Wir genossen einen Apero in einer kleinen Brauerei im Ortszentrum und liessen uns später ein Nachtessen in einem der gemütlichen Restaurants schmecken.

Weiter der Westküste Dänemarks folgend, mussten wir bei Thyboron eine kurze Fähre nutzen, um über einen Meeresarm zu gelangen. Wie bereits an der Elbe, reichte der Platz auf der Fähre genau für unser Auto das nicht mehr, so dass wir die nächste abwarten mussten. Im Thy Nationalpark fuhren wir zum Strand hinunter, um von dort aus zu einer Rundwanderung zu starten. Der Pfad führte durch die alten, dichtbewachsenen Dünen, zum Teil durch schönen Wald, dann aber auch wieder durch offenes Grasland. Die Aufstiege waren zwar nicht hoch, erwiesen sich im weichen Sand aber doch recht anstrengend. Nach eineinhalb Stunden Fussmarsch waren wir beim Auto zurück. Wir fuhren noch ein paar Kilometer weiter bis ausserhalb von Hanstholm. In der Nähe eines Fischweihers fanden wir einen gut ausgestatteten Campingplatz mit grosszügigem Platzangebot.

Inzwischen hatten wir von unseren Freunden erfahren, dass sie ebenfalls bereits im Norden Dänemarks angelangt waren. Wir trafen uns am Nachmittag, wie zuvor abgemacht, in einem Campingplatz nahe Hirtshals. Bevor wir uns Wiedersehen mit einem Apero feierten,  erkundeten wir auf einem Spaziergang den breiten, kilometerlangen Strand unweit des Campings. Den Sprung ins kühle Wasser wagte jedoch nur der andere Ueli (unser Freund aus Luzern). Wir genossen die Gesellschaft von Rita und Ueli und das warme, sonnige und beinahe windstille Wetter. Wir wir auf der Wetter App feststellten, waren die Temperaturen hier im Norden sogar wärmer als in Rheinfelden.


Überfahrt nach Island

Wie von der Reederei verlangt, fanden wir uns zwei Stunden vor Abfahrt der Fähre am Hafen ein und waren überrascht, wie viele Autos bereits auf dem Parkplatz standen. Zögerlich ging es voran, denn schon beim Check-In wurde geprüft, wer zum COVID Test antreten musste und wer, wie wir, aufgrund der Impfung ohne Test an Bord durfte. Die Beladung war trotz allem rechtzeitig abgeschlossen, so dass das Schiff pünktlich ablegen konnte. Mit einem Infoblatt wurden wir angehalten, uns an Bord auf einer isländischen Webseite zu registrieren, was wir sofort, bevor alle an Bord waren, ohne anstehen erledigen konnten.

Die Überfahrt verlief sehr ruhig und ohne Wellengang. Solange wir in der Meerenge zwischen Dänemark und Norwegen unterwegs waren, sahen wir immer mal wieder andere Schiffe kreuzen. Im offenen Meer angekommen, änderte sich das jedoch und wir waren allein unterwegs. Wir assen in der Cafeteria jeweils Frühstück und Nachtessen. Wie üblich auf Fähren, waren die Mahlzeiten eher teuer und nicht wirklich Gourmetessen. Nach der ersten Nacht auf See passierten wir die Shetland Inseln und zwar nahe genug, um sogar kurz deren Telefonnetz nutzen zu können. Am Nachmittag erreichten wir die Färöer Inseln, wo das Schiff einen Zwischenhalt einlegte. Einige Passagiere und Fahrzeuge gingen von Bord, andere kamen dazu. Nach nur einer Stunde waren wir wieder unterwegs. Wie schon am Vorabend konnten wir in unserer Kabine das Spiel um den EM Halbfinal mitverfolgen. Dänemark schied dabei etwa so unglücklich aus wie bereits zuvor die Schweiz im Achtelfinal.
Bevor wir ins Bett gingen, erledigten wir eine weitere, COVID bedingte Bürokratie. Wir mussten bei Vertretern des isländischen Gesundheitsministeriums antraben, um die Registrierung und den Impfnachweis zu präsentieren. Wir erhielten dafür einen grünen Zettel, welcher uns die verzögerungsfreie Einreise ermöglichte.

 

Nach der ruhig verlaufenen Überfahrt lief das Schiff planmässig und bei schönstem Wetter auf Island ein. Ohne weitere Verzögerungen durch irgendwelche Zoll- oder Passkontrollen konnten wir von Bord fahren und unser Abenteuer starten.


Islands Nordost Küste

Vom Fährhafen aus führte die Strasse steil hoch zu einem Pass. Auf der Hochebene, nur gerade 400 müM, empfingen uns meterhohe Schneefelder und eisbedeckte Seen! In Egilsstadir legten wir einen Zwischenhalt ein, um frische Lebensmittel einzukaufen. Da die Luzerner noch weitere Besorgungen erledigen mussten, fuhren wir voraus, um uns später auf dem Campingplatz in Borgarfjödur wieder zu treffen.

Die Fahrt folgte einem Flusstal mit viel Viehwirtschaft. An einem kultigen, in leuchtendem Grün bemalten Selbstbedienungshäuschen,  hielten wir kurz an, um die mittlerweile weltberühmte Einrichtung zu besichtigen. Bevor die Strasse zu einem Pass hochführte, sahen wir eine erste Herde der bekannten Islandponys weiden. Vom Pass aus bot sich ein herrlicher Ausblick auf die bereits zurückgelegte Strecke.

In Borgarfjödur angekommen, fuhren wir erst hinaus zur Papageientaucherkolonie am Hafen, um uns ein Bild zu verschaffen, wann der beste Zeitpunkt für einen Besuch ist. Gleichzeitig konnten wir die Parkplätze für die geplante Wanderung am kommenden Tag bereits erkunden.

Als wir zum Camping zurückkamen, waren die Luzerner ebenfalls eingetroffen und wir richteten uns ein. Ein kurzer Spaziergang durch den Ort und hoch zum nahen Alfaborg Hügel ermöglichte uns einen Überblick auf die nahe Umgebung. Nachdem der ganze Tag sonnig war, drückte gegen Abend eine dichte Nebelwand von Meer herein und es wurde schnell ungemütlich.

Am nächsten Morgen fuhren wir zusammen zum Hafen hinaus und liessen ein Fahrzeug beim Ziel der heute geplanten Wanderung stehen. Bevor jedoch los marschierten, besuchten wir die Papageientaucher. Die putzigen Vögel mit ihren bunten Schnäbeln lassen sich durch die Besucher offensichtlich nicht stören, halten sie sich doch ohne Scheu in unmittelbarer Nähe der extra angelegten Holzstege auf. Es herrschte ein ständiges Kommen und Gehen in der Kolonie, in welcher bis zu 5000 Paare in ihren Erdhöhlen brüten. Auch andere Seevögel, vor allem Möwen, finden Platz für ihre Nester auf dem grasbewachsenen Felskopf. Die drolligen Tiere boten Fotomotive im Überfluss, einzig das Fotografieren der landenden Vögel war sehr schwierig, denn die eher kleinen Vögel sind sehr schnell. Wir verliessen den Vogelfelsen und stellten das zweite Auto auf dem anderen Wanderparkplatz ab. Wir stiegen erst steil zu einem Pass hoch. Die Vegetation war erstaunlich abwechslungsreich und bot eine reiche Blumenpracht entlang des Weges. Der Aufstieg brachte uns ganz schön ins Schwitzen, denn nach dem dichten Nebel vom Vorabend zeigte sich das Wetter wieder sonnig und warm. Nach erreichen der Passhöhe erblickten wir unser erstes Ziel, die Bucht Brunavik. Der Abstieg war steil und rutschig, aber wir erreichten den Strand schliesslich ohne Schwierigkeiten. Wir gönnten uns eine ausgedehnte Mittagspause, bevor wir einem Bach aufwärts folgend bis zu einer 4x4 Piste hochstiegen. Ausser ein paar wenigen Schafen, die das grüne Tal durchwanderten, waren wir allein auf weiter Flur. Die Piste führte zu einem weiteren Pass hoch, von welchem aus wir den Abstieg zurück zum Auto in Angriff nahmen. 

11 km / 700 Hm / 4h

Um auf die Strasse Richtung Vopnafjördur zu gelangen, mussten wir erst ein gutes Stück zurückfahren und über einige kleine Pisten zur Ringroad gelangen. Danach ging es auf der gegenüberliegenden Flussseite wieder Richtung Meer. Direkt am Fluss fanden wir ein Buschcamp und genossen bei immer noch angenehmer Temperatur einen Apero zusammen. Schnell wurde es aber auch heute kühl und wir zogen uns ins warme Auto zurück.

Nachdem wir das Meer bei nebligem Wetter erreicht hatten, stieg die Piste steil hoch zu einem Pass auf 650 müM. Kurz vor der Passhöhe gelangten wir über die Nebelgrenze und genossen den Blick hinunter auf das flauschige Nebelmeer. Es dauerte jedoch nicht lange, bis wir auf der anderen Seite wieder in dichten Nebel eintauchten.

 

Ein Abstecher führte uns zum Museumsbauernhof Bustarfell. Der grosse, verschachtelte Gebäudekomplex ist komplett möbliert und unzählige Artefakte aus der Vergangenheit geben Einblick in das karge und harte Leben der einstigen Bewohner. Wie früher üblich, sind die Dächer grasbedeckt und die Gebäudewände wurden teilweise aus Torfziegeln aufgebaut.

Nördlich von Vopnafjördur besuchten wir ein Thermalbad und genossen das warme Wasser. Neben dem Schwimmbecken mit einer angenehmen Wassertemperatur von 33 Grad lockte ein Hot Tub mit 40 Grad warmem Thermalwasser und unmittelbar daneben konnten sich die Unerschrockenen in einem eisigen Trog bei 5 Grad abkühlen. Nach einer guten Stunde vergnüglichem Planschen zog es uns weiter.

Die gut ausgebaute Teerstrasse führte uns in der Folge durch relativ flache Hügellandschaft nach Pörshöfn. Ein paar Kilometer vor dem Ort besuchten wir die älteste Holzkirche auf Island. Das schmucke Gotteshaus ist umgeben von einem gepflegten und immer noch genutzten Friedhof. Anhand der Grabsteine konnten wir feststellen, dass viele der Verstorbenen ein hohes Alter erreicht hatten, was offenbar auf eine gesunde Umgebung schliessen lässt.

Auf der kleinen Halbinsel Raudanes unternahmen wir eine kurze Wanderung der Steilküste entlang. Neben den eindrücklichen Felsformationen mit durchlöcherten Türmen und Brücken war es interessant, die unzähligen Seevögel zu beobachten. Auch hier brütete eine Kolonie von Papageientauchern, zudem hatten verschiedene Möwen und Enten ihre Nester in den Felsen angelegt.  

Nach dem ausgedehnten Spaziergang war es spät geworden. Obwohl wir keine Angst haben mussten, von der Dunkelheit überrascht zu werden, suchten wir entlang der Piste nach einem geeigneten Schlafplatz. Nach kurzer Zeit konnten wir uns am Ufer eines Sees für die Nacht einrichten. Der Wind hatte etwas aufgefrischt, sodass es nur im Windschatten der Fahrzeuge einigermassen angenehm war. Wir setzten einmal mehr unsere neue Omnia ein und bereiteten darin eine feine Moussaka zu.

Der Wind hatte in der Nacht gedreht und uns von hinten die kalte Luft ins Auto gedrückt. Dadurch war es sowohl im Inneren des Autos wie auch draussen nur gerade 13°C "warm" beim Aufstehen. Obwohl die Sonne schon bald durchdrückte, blieb vorerst unangenehm kalt und windig. Nach ein paar Kilometern Piste erreichten wir die Teerstrasse kurz vor Raufarhöfn. Etwas ausserhalb des Ortes hat ein kreativer Bauer vor ein paar Jahren angefangen, aus mächtigen Steinblöcken eine Art Stonehenge Kreis aufzubauen. Wohl in Anlehnung an das historische Monument in England wurde dieser moderne Steinkreis Arctic Henge benannt. Die eindrückliche Einrichtung steht gut sichtbar auf einem Hügel, an dessen Fuss ein grosses Feld mit Lupinen in blauer Pracht leuchtete.

Auf recht guten Pisten umrundeten wir die Halbinsel Melrakkasletta. Immer wieder führte die Strasse über Erdwälle von Insel zu Insel. Ausser vereinzelten Höfen, die wir zu Gesicht bekamen, lieferte die vielseitige Vogelwelt die einzigen Lebenszeichen in dieser Landschaft. Auch der Verkehr hielt sich in Grenzen, begegneten wir doch einem einzigen Auto auf der ganzen Strecke. Für kurze Zeit drohte der Himmel mit schwarzen Wolken und für ein paar Minuten fiel leichter Nieselregen. Bald war der Spuk aber vorbei und die Sonne zeigte sich wieder. In Kopasker erreichten wir erneut die Teerstrasse. Interessanterweise war in diesem Ort nebst einem öffentlichen WC eine kostenlose Autowaschstelle eingerichtet. Wir nutzten die Gelegenheit und spülten den angesammelten Staub, nicht etwa wie in Island eher erwartet Schlamm, von den Autos.

Kurz darauf bot ich die Gelegenheit, die Füsse zu vertreten. Ein kurzer Weg über eine Wiese führte zu einem felsigen Hügel. Über einen steilen, rutschigen Pfad erklommen wir den Felsen, auf welchem das Grab eines mystischen Norwegers liegen sollte. Nach einer der unzähligen Sagen und Geschichten in Island soll dieser Mann nach einem Verbrechen von Norwegen geflüchtet sein und sich hier versteckt haben. Vom Grab waren einzig ein paar angeordnete Steinbalken zusehen, die Aussicht auf die Umgebung war den Aufstieg trotzdem wert gewesen.

Bald darauf erreichten wir den Jökulsargljufur Nationalpark, wo wir uns im hübsch angelegten Campingplatz einrichteten. Da es noch früher Nachmittag war, blieb uns genügend Zeit für die kurze Wanderung auf die nahen Klippen. Wie ein Schiffsrumpf ragt eine Felszunge zwischen zwei Tälern aus der Ebene auf. Die Oberfläche des Plateaus weist eine interessante Flora auf, wobei man sich oft wundert, wie es den Pflanzen überhaupt gelingt auf dem kargen Boden zu gedeihen. An der südlichen Spitze angelangt, hat man einen herrlichen Ausblick auf den hufeisenförmigen Talkessel mit seinen senkrechten Lavaklippen.

Wir genossen den sonnigen und sehr milden Abend bis spät. Als wir um halb elf zu Bett gingen, zeigte das Thermometer noch immer 17°C an!

Strahlender Sonnenschein und angenehme Temperaturen liessen uns auch am folgenden Morgen draussen im T-Shirt frühstücken. Anschliessend unternahmen wir eine weitere, diesmal bedeutend längere Wanderung über die Westseite des Tales. Auch hier überraschte uns die vielseitige Landschaft. Nachdem wir oberhalb des Sees am Ende des Talkessels angelangt waren, führte der Pfad nach Osten weiter. Mitten auf der Hochebene tauchten kleine, dunkelsandige Dünen auf. Die Formenvielfalt dieser Sandlandschaft war überwältigend. Verschiedene Vögel begleiteten uns auf dem weiteren Weg. Vor allem ein Goldregenpfeifer und ein Regenbrachvogel blieben längere Zeit in unserer Nähe und unterhielten uns mit ihrem Gesang.

Als wir an den Klippen über dem Fluss Jökulsa a Fjöllum ankamen, genossen wir eine Mittagsrast mit bester Aussicht hinunter auf das tosende Wasser. Der Rückweg führte uns durch niedrigen Birkenwald, vorbei an saftigen Wiesen hinunter in die Ebene, bevor wir unser Camp wieder erreichten.

 

Auf der Weiterfahrt legten wir einen ersten Halt am Dettifoss ein, dem mächtigsten der vielen Wasserfälle auf Island und dem grössten von ganz Europa. Die tosenden, grauen Wassermassen stürzen in einen schmalen Schlund und die Gischt verpasst dem Besucher je nach Windrichtung eine heftige Dusche. Von verschiedenen Aussichtspunkten aus lässt sich das Spektakel beobachten. Zum fotografieren erwiesen sich die Morgenstunden jedoch nicht als ideal, denn man blickt immer in die Sonne. Nur wenige hundert Meter flussaufwärts liegt der Selfoss. Dieser ergiesst sich breit gefächert, in vielen Einzelfällen über die Felsstufen. Nicht ganz so eindrücklich wie der Dettifoss, aber durchaus sehenswert.

Islands zentraler Norden

Nach wenigen Kilometern erreichten wir die Ringstrasse. Das Strassenschild zeigte auf, dass wir nur gerade 166 km vom Fährhafen in Seydisfördur entfernt waren, tatsächlich hatten wir aber bis anhin über 500 km zurückgelegt.

Ein kurzer Abstecher nach Norden führte uns beim ältesten geothermischen Kraftwerk Islands vorbei zum Kratersee Viti. Der knallblaue, fast kreisrunde See liegt in einem erloschenen Krater und bildet mit seiner Farbei einen verblüffenden Kontrast zu den grauschwarzen Lavaaschehügeln rundherum.

Nicht weit entfernt liegt ein relativ neues Lavagebiet, welches auf einer 5 km langen Rundwanderung erkundet werden kann. Von einem Aussichtspunkt aus erhielten wir einen Eindruck über die riesige Ausdehnung dieses Lava Flusses. Nach wie vor tritt überall Dampf aus Spalten und Löchern und an einigen Stellen haben sich Schwefelablagerungen angesammelt. Schroffe Lavabrocken wechseln sich ab mit Elefantenhaut ähnlichen Oberflächen. Auf den kahlen, 1984 entstandenen Lavafeldern wachsen Flechten und es zeigen sich zaghaft erste Kleinpflanzen und Blumen.

Zurück an der Ringstrasse liegt ein weiteres geothermisches Areal, der Namafjall. Neben ausgedehnten, vielfarbigen Schwefelablagerungen trifft man hier vor allem auf unzählige Schlammtöpfe. Je nach Viskosität des Schlammes blubbern sie nervös und hektisch oder aber sie bilden zähflüssige Blasen, die in klebrigen Eruptionen platzen. Seit wir in Island angekommen waren, war dies übrigens die erste Gegend, wo etwas mehr Besucher anzutreffen waren. Nicht dass die Orte überlaufen gewesen wären, aber nach den zuvor besuchten Regionen, wo kaum Touristen unterwegs waren, ist es uns doch aufgefallen.

Am Myvatn, dem Mückensee, quartierten wir uns am frühen Nachmittag in einem Campingplatz ein. Das Wetter war zwar noch immer meist sonnig, aber ein kühler und kräftiger Wind zwang uns, den Apero im Windschatten des Autos zu geniessen.

Bevor wir zur Wanderung zum Hverfjall Vulkan starteten, besuchten wir die nahgelegenen Höhlen von Grjótagjá. Diese waren durch weitläufige Hohlräume in einem Lavafeld entstanden und füllten sich in der Folge mit warmem Wasser. Als in der Nähe vor ein paar Jahren ein weiterer Vulkan ausbrach, wurde das Wasser so heiss, dass man nicht mehr darin baden konnte. Zudem sind die Gewölbe stark einsturzgefährdet, sodass der Zutritt zu den Höhlen aus Sicherheitsgründen gesperrt wurde.

Nur wenige Kilometer weiter parkten wir beim Dimmuborgir Lavafeld, um von dort aus den Vulkankrater Hverfjall zu besteigen. Der Fussweg zum Ausgangspunkt der Wanderung führte zwischen eindrücklichen Lavatürmen durch, welche sich beim Erkalten des Lavastroms gebildet hatten. Beim Fusse des Vulkans angekommen, starteten wir den steilen Anstieg. Die lose Asche machte das Gehen nicht einfach und sehr anstrengend. Trotzdem standen wir nach kurzer Zeit am Ziel und genossen den Ausblick auf den Krater und über den Myvatn, den Mückensee. Nach dem Abstieg, welcher sich wesentlich schneller und weniger mühsam gestaltete, kehrten wir zurück zum Auto.

Der nächste Morgen startete bedeckt und es schien, als ob wir das erste Mal mit Regen rechnen mussten. Wir legten entlang des Sees mehrere Zwischenhalte ein und bewunderten die vielfältige Vogelwelt und die von den Vulkanen geschaffene Landschaft. Während der Weiterfahrt begann es tatsächlich zu regnen. So gestaltete sich der Besuch beim Godafoss eher trübe und feucht, aber trotz allem boten die rauschenden Wassermassen ein eindrückliches Bild.

In Akureyri, der mit knapp 20'000 Einwohnern 4. grössten Stadt Islands, konnten wir wieder einmal gross einkaufen. Ein kurzer Rundgang durch die Fussgängerzone vermittelte uns einen kleinen Eindruck der Stadt. Neben der recht imposanten Kirche aus den 1940er Jahren und dem modernen Kultur- und Konferenzzentrum fielen uns vor allem die bunten Häuser und gemütlichen Restaurants und Boutiquen auf. Nach dem Spaziergang machten wir uns auf den Weg nach Raudanes, ca. 30 km nördlich von Akureyri. Wir wollten dort übernachten und anderntags eine Waltour unternehmen. Als wir ankamen, stellten wir überrascht fest, dass der Campingplatz praktisch voll und der kleine Ort von Besuchern überschwemmt war. Wir gingen erst davon aus, dass irgend ein Festival im Gange war und erkundigten uns bei einem Einheimischen nach dem Grund für die vielen Leute. Er erklärte uns, dass eine Riesenkarawane von isländischen Wohnmobilisten den Ort für ein Treffen auserkoren hatte. Wir beschlossen daher, nach Dalvik weiterzufahren, wo ein hoffentlich weniger gut besuchter Campingplatz auf uns wartete und ebenfalls Waltouren angeboten wurden.

Der Himmel klarte am nächsten Morgen zwar schnell auf, aber es blies ein kalter, ziemlich starker Wind. Wir beschlossen, die Nachmittagstour zu buchen, da sich der Wind laut Wetterprognose im Laufe des Tages abschwächen sollte. Dieser Entscheid war genau richtig, denn es wurde tatsächlich zunehmend wärmer und weniger windig.

Um ein Uhr trafen wir uns beim Büro des Veranstalters und liessen uns in wetterfeste Overalls einkleiden. Mit einer halben Stunde Verspätung stachen wir auf dem alten, umgebauten Fischkutter in See. Die Fahrt bis zum Eingang des Fjords dauerte eine gute Stunde. Dort begannen der Kapitän und unser Guide nach Walen Ausschau zu halten und wurden bald fündig. Bei den ersten, die wir zu Gesicht bekamen, handelte es sich um eine Gruppe von Zwergwalen, die in der Ferne auftauchten, also noch kein grosser Erfolg. Im Laufe der Tour hatten wir jedoch das Glück, weitere der kleineren Minkwale, aber auch Buckelwale zu sichten, die sich zum Teil aus recht kurzer Distanz beobachten liessen. Einige der Tiere zeigten uns beim Abtauchen ihre eindrücklichen Schwanzflossen und lieferten somit die begehrten Fotomotive. 

Auf dem Rückweg nach Dalvik wurde uns eine kleine Erfrischung gereicht. Da die Fahrt etwas verspätet begonnen und zudem länger gedauert hatte, erreichten wir erst gegen fünf Uhr den Hafen. Wir beschlossen deshalb, eine weitere Nacht in Dalvik zu bleiben.

Ausserhalb von Hofsos schauten wir uns eine alte, winzige, aus Torf gebaute Kirche aus dem 17. Jh. an, wobei wir uns auf eine Besichtigung aus der Distanz beschränkten, denn unterdessen hatte Regen eingesetzt und die vielen Fliegen, die das Auto umschwirrten, machten auch keine Lust auszusteigen. Der kleine Handelsort Saudarkrokur wird im Reiseführer hochgelobt. Ausser ein paar bunten, älteren Holzhäuser fanden wir aber wenig sehenswertes und so fuhren nach einer Runde durch den Ort weiter. Durch die Berge erreichten wir die Kleinstadt Blönduos. Auch hier beschränkten sich die Sehenswürdigkeiten auf eine Kirche und  Einkaufsmöglichkeiten. Generell bekamen wir den Eindruck, dass sich die isländischen Ortschaften alle sehr ähnlich waren. Da die Geschichte Islands nicht von reichen Adligen, sondern von armer Landbevölkerung geprägt war, fehlen prunkvolle Gebäude oder Orte, welche oft den Reiz mitteleuropäischer Städte ausmachen. 

Früh im Nachmittag erreichten wir unser geplantes Etappenziel, Hvammstangi. Der schön angelegte und gut ausgestattete Campingplatz liegt auf einem kleinen Plateau über dem Ort. Da das Internet gut und der Aufenthaltsraum noch kaum genutzt war, machte sich Ueli daran, die vorbereiteten Bilder und Texte auf die Website zu laden.

Später trafen auch unser Freunde ein. Wir waren diese Etappe separat gefahren und beide hatten den Tag mit eigenen Aktivitäten verbracht.

Zum Nachtessen wurden wir von Ueli und Rita zu einem Raclette eingeladen. Die übrigen Camper, die den Aufenthaltsraum nutzten, staunten nicht schlecht, als wir gemütlich unseren Käse brutzelten und stilvoll ein Gals Weisswein dazu genossen.

Die Westfjorde

Wie der Wetterbericht vorausgesagt hatte, war es in Hvammstangi am Morgen noch leicht bewölkt, aber schon nach kurzer Fahrt Richtung Westfjorde machten die nebligen Wolken strahlend blauem Himmel Platz. So konnten wir die Fahrt durch die herrliche, einsame Landschaft in vollen Zügen geniessen. Immer wieder folgte die Strasse einem Fjord entlang tief ins Landesinnere, um an dessen Ende am gegenüberliegenden Ufer wieder hinauszuführen. Die Strecken waren meist gut ausgebaut und wir kamen gut voran. Unser avisiertes Tagesziel lag in Luftlinie nur gerade 126 km entfernt, effektiv legten wir bis zum Abend jedoch über 360 km zurück. Unterbrochen von einigen Fotohalten dauerte die Fahrt fast 6 h bis wir Isafjördur erreichten. Als erstes suchten wir dort die im Reiseführer erwähnte Bäckerei auf, um frisches Brot zu kaufen. Danach warteten wir auf unsere Freunde, die auch bald eintrafen. Wir quartierten uns im stadtnahen Campingplatz ein und genossen einen angenehm warmen Abend. Die Sonne verschwand allerdings im Talboden recht früh und es wurde schnell kühl.

Da wir festgestellt hatten, dass wir oft etwas schneller unterwegs waren als Ueli und Rita, legten wir morgens jeweils ein Tagesziel fest, an welchem wir uns abends wieder treffen wollten.

Als erstes fuhren wir nach Bolungarvik hinaus, wo die Fischereistation Osvör, welche ursprünglich um 1905 herum erbaut worden war,  originalgetreu wieder errichtet wurde. Da das kleine Freilichtmuseum am frühen Morgen noch geschlossen war, beschränkten wir uns darauf, die Gebäude von aussen zu besichtigen und einen Blick durch die Fenster ins Innere zu werfen. Jedenfalls erhielten wir anhand der Einrichtungen einen guten Eindruck, unter welch einfachen Bedingungen die Fischer damals ihren Lebensunterhalt verdienen mussten. Die Strasse zurück nach Isafjördur führte bereits durch einen ersten Tunnel und kaum hatten wir das Tageslicht wieder erblickt, verschwanden sie wieder in einer kilometerlangen Röhre. Speziell an diesem Tunnel war, dass er mittendrin eine Verzweigung aufwies und anschliessend nur noch einspurig geführt wurde. Auf die Benützung des neu gebauten Tunnels vom Dyrafjördur zum Arnarfjördur verzichteten wir und wählten stattdessen die alte Piste durch die Berge. War es am Morgen noch strahlend sonnig gewesen, tauchten wir nun auf dem Pass in die tief hängenden Wolken ein. Trotz allem war die Fahrt sehr abwechslungsreich und wir wurden immer wieder mit eindrücklichen Ausblicken belohnt.

Am Dynjandifoss, einem der schönsten Wasserfälle Islands, legten wir einen Halt ein und stiegen an mehreren kleinen Kaskaden vorbei zum breit gefächerten Hauptwasserfall auf. Da die Umgebung des Dynjandi seit 1981 unter Naturschutz steht, konnte sich an dessen terrassenartigem Hang eine vielfältige, einmalige Flora ansiedeln, was dem ganzen zusätzlichen Reiz verleiht.

Am Eingang des Reykiafjördur trafen wir mitten in der Landschaft auf ein Schwimmbad mit Thermalwasser. Zwei Bassins mit unterschiedlichen Temperaturen und ein natürlicher Hot Pot luden zu einem kostenlosen, entspannenden Bad ein.

Im Reiseführer hatten wir gelesen, dass in Talknafjördur ein Selbstbedingungsstand mit frischem Fisch existiert. Nach kurzem Suchen fanden wir den einfachen "Laden" und erstanden herrliche Lachsforellenfilets für ein feines Sonntagsnachtessen. 

Da uns der Campingplatz in Patreksfjördur nicht zusagte, fuhren wir ein paar Kilometer weiter und platzierten uns am Strand neben dem ältesten, hier auf Grund gelaufenen Motorschiff Islands. Bis spät kamen immer wieder Leute vorbei, die das Wrack besichtigten. Da wir jedoch von der Strasse abgewandt parkiert hatten, störten die Besucher weder uns noch wir sie. Bei unserer Ankunft wehte der Wind noch mässig, im Laufe des Abends wurden die Sturmböen jedoch so stark, dass wir das Auto drehen mussten. Trotzdem erlebten wir eine unruhige Nacht, denn das wir wurden immer wieder kräftig durchgeschüttelt.

Unser nächstes Ziel war die westlichste Spitze Europas, mit Ausnahme der Azoren Inseln, die noch westlicher liegen. Eine Piste führte noch einmal 50 km auf die Halbinsel hinaus. Die Strasse endete bei einem Leuchtturm am westlichen Ende der Latrabjarg Klippen. Diese 14 km lange Steilküste ist bekannt für die vielen Seevögel, die dort brüten. Ein Wanderweg verläuft direkt oberhalb der Klippen und gewährt immer wieder einen Blick in die Tiefe, wo die Vögel zum Teil aus nächster Nähe beobachtet werden können. Wir waren erstaunt, wie viele Besucher den langen Weg an diesen abgelegenen Ort auf sich nehmen, aber angesichts der grossen Zahl und der Vielfalt an Wasservögeln hatte sich die Anfahrt trotz Wind und nebligem Wetter absolut gelohnt.

Auf demselben Weg, den wir gekommen waren, fuhren wir zurück zur Hauptstrasse, welche der Südküste entlang nach Osten führt. Wir hatten beschlossen, nur bis Flokalundur zu fahren. Dort erwartete uns ein netter Campingplatz und nicht weit davon entfernt eine weitere heisse Quelle, welche in einem natürlichen Pool direkt am Strand gefasst wurde. Erst teilten wir das Bad noch mit ein paar anderen Gästen, nach kurzer Zeit hatten wir jedoch das Becken für uns allein und genossen die entspannende Wärme.

Der Wind hatte sich inzwischen gelegt und der Himmel klarte auf, sodass wir nun das am Vorabend verschobene Fondueessen mit Rita und Ueli nachholen konnten. Um nicht den strengen Käsegeruch im Auto zu haben, waren wir darauf angewiesen, im Freien essen zu können. Wir wärmten den Käse auf dem Coleman Kocher auf und verwendeten auf dem Tisch einen kleineren Trekking Benzinkocher. Dieser hatte zwar fast etwas viel Heizleistung, aber schliesslich fanden wir die richtige Einstellung und konnten das Fondue bei idealen fast winterlichen Temperaturen geniessen.

Islands Südwesten

Die südliche Route entlang der Küste zeigte sich uns nicht ganz so spektakulär wie die nördliche, was jedoch auch damit zusammenhängen konnte, dass das Wetter neblig war und fast durchwegs leichter Nieselregen fiel. Sobald die Strasse auch noch anstieg, landeten wir unweigerlich in den Wolken und die Sicht war gleich null. In Budardalur hatten wir mit Rita und Ueli einen Treffpunkt vereinbart. Da zuvor ein Stück der Strasse nicht asphaltiert und nass gewesen war, war das Auto entsprechend mit Schlamm vollgespritzt. Wir nutzten die Wartezeit, um an der üblichen Gratisautowaschanlage bei der Tankstelle den gröbsten Dreck herunter zu waschen. Wir fuhren bei nun wieder recht freundlichem Wetter in ein herrliches Tal hinein, in welchem das Haus des berühmten Wikingers, der Rote Erik, nachgebaut wurde. Wer mag, kann sich dort von verkleideten Isländern die Sagen und Geschichten der ersten Siedler vortragen lassen.

Wir fuhren zur Hauptstrasse zurück und legten einen weiteren Halt beim Krater Grabrok ein. Dieser Vulkan war vor etwa 3000 Jahren ausgebrochen und hinterliess einen gewaltigen Lavastrom. Die schwarze Lava ist mittlerweile von hellem Moos und Sträuchern bedeckt. Eine kurze Wanderung führt zum Kraterrand hinauf, von wo sich bei schönem Wetter eine gute Weitsicht bietet. Bei unserem Besuch verhüllte jedoch bereits wieder Nebel die Sicht auf die Umgebung. 

Auf kleinen Pisten fuhren wir schliesslich von der Ringstrasse weg, um einen Übernachtungsplatz zu suchen. Schliesslich fanden wir einen kleinen Campingplatz bei einem Kriegs- und Friedensmuseum, welchem ein Thermalbad angeschlossen war. Rita und Ueli nutzten die Gelegenheit, sich dort zu entspannen, wir verzogen uns ins Auto, da das Wetter wieder trüb, regnerisch und windig geworden war.

In Reykjavik besuchten wir die Firma Arctic Trucks. Diese baut Fahrzeuge auf riesige Reifen um, mit welchen die Isländer in der Freizeit gerne über Gletscher und Pisten fahren. Bekannt wurde die Firma aber vor allem, weil sie die erste Fahrzeug-Expedition zum Nordpol ausgerüstet hatte. Inzwischen sind auch in der Antarktis auf verschiedenen Forschungsstationen einige ihrer Extremtrucks im Einsatz. Zudem betreibt Arctic Trucks eine Reiseagentur, welche Fahrten zum Südpol anbietet.

Im Zentrum der Hauptstadt parkten wir in einer Nebenstrasse und schlenderten bei sonnigem Wetter durch die moderne und einladende Fussgängerzone zur berühmten Hallgrimskirche, welche nach langer Bauzeit 1986 eingeweiht wurde. Die beeindruckende Architektur dieses grössten Gotteshauses Islands erinnert an Basaltsäulen und der schlichte und helle Innenraum mit der grossen Orgel wirkt sehr einladend und friedlich.

Auf der Weiterfahrt Richtung Küste kam erneut Nebel und Nieselregen auf. Wir quartierten uns bereits am frühen Nachmittag im Camping von Grindavik ein, denn es war Wäsche waschen angesagt. Während die Maschine ihre Arbeit verrichtete, erledigten wir unsere Einkäufe. Nachdem auch unsere Freunde eingetroffen waren, nutzten wir die Zeit für einen Ausflug zum südwestlichsten Zipfel Islands am Kap Reykjanes. Am Weg besuchten wir den eindrücklichen Graben, an welchem die Eurasische und die Amerikanische Kontinentalplatte auseinander driften. Eine Brücke über den Riss verbindet die beiden Kontinente symbolisch, sodass man mit einem Fuss in Europa und dem anderen in Amerika stehen kann.

Beim Leuchtturm Reykanesviti, dessen Umgebung von einer grossen Kolonie von Seeschwalben bevölkert wird, liegt einer der grössten Vogelfelsen Islands, wo vor allem verschiedene Möwen- und Lummenarten nisten. Aufgrund des Nebels, der die Felsen einhüllte, herrschte eine spezielle, mystische Stimmung, auch wenn dadurch die Weitsicht erheblich eingeschränkt wurde.

Der Rückweg führte uns zudem in ein geothermisches Areal mit mehreren Schlammquellen und dampfenden Spalten. Schwefelablagerungen in allen Gelbtönen lassen die sonst karge Umgebung leuchten. Ein Kraftwerk in unmittelbarer Nähe nutzt auch hier die Geothermie zur Strom- und Wärmeerzeugung.

Auch beim Besuch des berühmtesten Geysirs Islands, dem Strokkur, war das Wetter regnerisch und trüb. Die Wasserfontäne startet alle

5-10 Min. ihre Tätigkeit, aber ein wirkliches Spektakel bietet sie nicht. Nach kurzem Aufwallen der Quelle erfolgte ein kurzer, wenige Meter hoher Ausbruch mit heissem Wasser und eine Dampfsäule und schon war wieder Ruhe. Man musste schon sehr schnell reagieren, um überhaupt ein Bild schiessen zu können. Sehr schön anzusehen waren jedoch die klaren, heissen Quellen mit ihren tiefblau schimmernden Austrittslöchern.

Am Gullfoss trafen wir wieder mit unseren Luzerner Freunden zusammen. Der eindrückliche Wasserfall war mächtig und führte ein grosses Volumen an milchig-grauem Wasser. Die Fluten stürzen über mehrere Stufen in eine 70m tiefe Schlucht, deren Grund durch die aufstiebende Gischt kaum wahrzunehmen ist. Dieser Wasserfall, einer der bekanntesten in Island, ist problemlos mit einem Tagesausflug von Reykjavik aus erreichbar und hatte deshalb wesentlich mehr Touristen als die bisher besuchten Sehenswürdigkeiten.

Wir fuhren weiter über die Piste Richtung Südwesten zur Landmannalaugar, ein bekanntes Geothermalgebiet, welches sowohl bei Geologen als auch bei Wanderern sehr beliebt ist. Auf dem Weg dorthin, hatte Ueli auf der Karte bei Stöng eine warme Quelle ausgemacht. Diese wollten wir suchen und allenfalls dort übernachten. Den entsprechenden Pistenzugang fanden wir zwar, aber die Quelle suchten wir vergeblich. Als wir schliesslich vor einer Furt standen, an welcher weder frische Spuren in den Fluss noch die weiterführende Piste ersichtlich waren, hatten wir nicht den Mut, diese zu durchfahren. Wir drehten deshalb um und erreichten die Hofruinen Stöng über die Hauptpiste. Das ehemalige Gehöft samt Nebengebäude wurde um 1100 bei einem Ausbruch des nahe gelegenen Vulkans Hekla vollständig verschüttet. Inzwischen konnte das Langhaus aus der Wikingerzeit ausgegraben, rekonstruiert und für Besucher zugänglich gemacht werden. Ein kurzer Spaziergang führt vom Parkplatz zur Ausgrabungsstelle, von wo sich ausserdem ein herrlicher Ausblick über das weite Tal bot.

Laut Eintrag im Park4Night sollte ganz in der Nähe ein Buschcamp zu finden sein. Wie an vielen anderen Orten in Island war jedoch auch hier mittlerweile ein Campingverbot signalisiert. Zudem dürfen die Strassen und Pisten auf der ganzen Insel grundsätzlich nicht verlassen werden, ansonsten drohen hohe Strafen.

In einem stillgelegten Steinbruch fanden wir schliesslich eine gute Alternative.

Ein erster Abstecher ins SW Hochland

Um wieder auf die Ringstrasse zu gelangen, hatten wir die 4x4 Piste F208 durch die Vulkanlandschaft nördlich des Myrdalsjökull ins Auge gefasst. Die ersten Kilometer bis zum Landmannalaugar waren zwar gut ausgebaut, aber ziemlich wellblechig. Das bekannte Geothermalgebiet mit seinen heissen Quellen war, wie erwartet, stark besucht, da dieses u.a. auch mit Hochlandbussen in Tagesausflügen ab Reykjavik erreichbar ist. Das beliebte Thermalbad, welches in der kurzen Sommersaison ca. 15'000 Besucher zu verkraften hat, steht im zweifelhaften Ruf, durch Zekarien-Larven verseucht zu sein, die von Wasservögeln im Wasser landen. Wir verzichteten deshalb auf das Bad und erklommen stattdessen den Lavastrom, um bei inzwischen sogar sonnigem Wetter einen Blick auf die farbigen Berge rundherum zu erhaschen. Bald waren wir erneut auf der F208 weiter südwärts unterwegs. Immer wieder galt es Furten zu queren, die jedoch für unsere Autos überhaupt kein Problem darstellten. Allerdings kamen uns auch Fahrzeuge entgegen, bei welchen wir uns wunderten, wie diese die Flussdurchfahrten bewältigten. Viele Fahrer von Dacia Duster und Suzuki SUVs, welche nur eine geringe Bodenfreiheit aufweisen, hatten sich auf die Strecke gewagt und wir fragten uns, was wohl passieren würde, wenn eines dieser Fahrzeug in einem Fluss steckenblieb. Wir gingen nicht davon aus, dass diese entsprechendes Bergematerial an Bord hatten. 
Die Strecke erwiese sich als landschaftlich sehr schön und abwechslungsreich. Leider wurde die Fernsicht immer wieder durch dichten Nebel getrübt. So blieb uns die Sicht auf den südlich der Strecke liegenden, mächtigen Gletscher Myrdalsjökull leider verwehrt. Als wir die Berge hinter uns liessen, erreichten wir ein breites Tal, durch welches sich gleich mehrere Flüsse ihren Weg suchten. Die Landschaft wurde zunehmend grüner, nachdem zuvor vor allem die schwarze Lava dominiert hatte.
Über die Ringstrasse erreichten wir Kirkjubaerklaustur, ein ehemaliges Klosterdorf mit fast unaussprechlichem Namen, wo wir in einem Kaffee die weiteren Reisepläne diskutierten.
Rita und Ueli wollten zurück fahren bis Vik und anschliessend wieder zu uns aufschliessen, während wir erst mal das Regenwetter an Ort auszusitzen gedachten, um dann nach Eintreffen der angekündigten Besserung die Südküste zu entdecken. Bevor wir uns auf dem örtlichen Camping einrichteten, besuchten trotz anhaltendem Regen den sogenannten „Kirchenfussboden“. Es handelte sich dabei um die Enden freigelegter Basaltsäulen mit ihrer typischen hexagonalen Form, welche durch Gletscher und Meeresbrandung plangeschliffen worden waren. Die mehrere Quadratmeter grosse Fläche sieht auf den ersten Blick tatsächlich aus wie ein gefliester Boden.
Unmittelbar neben dem einfachen Campingplatz, lockte uns ein Wasserfall, welcher zwischen pechschwarzen Lavafelsen in die Tiefe fällt, zu einem weiteren kurzen Spaziergang.
Das Wetter wollte und wollte sich nicht bessern, so dass Ueli in Regenjacke und Kapuze in der Outdoor-Küche im Nieselregen stehen musste, bis die Spaghetti Carbonara endlich fertig waren.

 

Der neue Tag begann wie der vorherige geendet hatte, trüb und regnerisch. Der Scheibenwischer lief pausenlos von der Abfahrt bis zum Ende. Wir hatten geplant, nur bis Skaftafell zu fahren und dort die nächste Trockenperiode abzuwarten. Das erschien uns jedoch angesichts des Wetters bereits auf dem Weg dorthin unsinnig und nachdem wir die weiteren Aussichten angeschaut hatten, beschlossen wir, bis Höfn durchzufahren und von dort aus bei hoffentlich besseren Bedingungen die Gletscherlandschaft zu besuchen. Kaum hatten wir diesen neuen Plan gefasst, meldeten sich Ueli und Rita, welche ihren ursprünglichen Plan wetterhalber ebenso verworfen hatten und vorzeitig zu uns aufschliessen wollten.

Die Gletscher der Südküste

Unser Plan schien diesmal aufzugehen. Bereits am Abend klarte es in Höfn auf und am Morgen war es vom Meer her schon sonnig, nur an den Bergen hingen noch Wolken.

Wir trennten uns einmal mehr von Rita und Ueli, denn wir wollten an der Südküste zurück und durchs Hochland nach Norden fahren, während sie der Küste Richtung Südosten folgen wollten.

Als erstes fuhren wir ein paar Kilometer Piste von der Nr. 1 weg zum Hoffell Gletscher. Obwohl die Wolken noch recht tief hingen, war die Sicht auf die Eisfläche recht gut.

Auf der Weiterfahrt sahen wir nun, nachdem der Nebel vom Vortag weg war, dass praktisch aus jedem Seitental ein mehr oder weniger mächtiger Gletscher zu Tal fliesst. Einige waren von der Strasse aus erfassbar, zu anderen fuhren wir etwas näher heran, um über deren eindrücklichen Ausmasse zu staunen.

Als wir die Gletscherlagune von Jökulsarlon erreichten, zeigte sich diese in ihrer ganzen Schönheit. Im Hintergrund leuchteten die mächtigen Gletscher und in der Lagune schwammen unzählige Eisberge, welche sich zum Ausfluss drängten und schliesslich ins Meer drifteten. Dort wurden sie je nach Windrichtung ins offene Meer oder an den pechschwarzen Lavasandstrand zurückgetrieben, wo sie strandeten und langsam schmolzen. Die angespülten Eisstücke leuchten auf dem dunklen Untergrund wie Diamanten, was diesem Küstenabschnitt nicht unverdient den Namen „Diamantenstrand“ einbrachte.

Je mehr wir uns Skaftafell näherten, desto trüber wurde das Wetter bereits wieder. Unser Plan war eigentlich, dort erst auf einer Wanderung die Umgebung zu erkunden und danach im örtlichen Campingplatz zu übernachten. Beides liessen wir jedoch bleiben, nachdem erneut Nebel und Nieselregen wieder das Zepter übernommen hatten. Wir beschlossen bis Vik durchzufahren und hofften weiter auf nachhaltig besseres Wetter..

Gegen Abend zeichneten sich tatsächlich Aufhellungen ab, allerdings immer wieder unterbrochen durch kurze Schauer. Immerhin zeigte sich ein wunderschöner Regenbogen, der hoffentlich die ersehnte Wetterbesserung ankündigte. 

Bevor wir die Weiterfahrt unter die Räder nahmen, legten wir bei nach wie vor trübem Wetter einen kurzen Fotohalt am nahen Reynisfjara Strand ein. Der starke Südwind peitschte die Wellen hoch auf den schwarzen Sandstrand und nahm uns auf dem kurzen Spaziergang beinahe den Atem. Trotzdem kreisten in den senkrecht aufragenden Felsen unzählige Seevögel, vor allem Möwen, aber auch ein paar Papageientaucher hatten sich den Ort zum Brüten ausgesucht.

 

Das Wetter blieb trüb und regnerisch. Wir beschlossen trotzdem, zur 7 km langen Wanderung zu einer in den 60er Jahren am Strand  notgelandeten DC3 der US Marine aufzubrechen und blieben dabei tatsächlich trocken. Der Weg zum Wrack erschien uns unendlich. Er führt auf einer schnurgeraden Strecke durch eine schwarze Lavawüste, so dass die Distanz sehr schwer abschätzbar ist. Nach etwa 40 Minuten Fussmarsch tauchten die Überbleibsel des Flugzeugs schliesslich auf. Warum der Pilot für seine Notlandung das wellige, unübersichtliche Gelände am Strand gewählt hatte und nicht etwas weiter landeinwärts zu Boden ging, wo das Terrain topfeben ist, konnten wir nicht in Erfahrung bringen. Das Wrack, von welchem nur noch wenige Überreste vorhanden sind, war vom US Militär selber ausgeschlachtet und nur die unbrauchbaren Teile zurückgelassen worden.

Noch einmal ergab sich die Möglichkeit, einen imposanten Wasserfall unweit der Strasse zu besichtigen, den Skógafoss. Da dieser leicht und ohne Mühe erreichbar ist, sammelte sich hier so ziemlich der ganze Touristenstrom, welcher entlang der Ringstrasse unterwegs war. Trotzdem lohnte sich der kurze Zwischenhalt, um auch diesen eindrückliche Wasserfall gesehen zu haben.

Ab ins Hochland

Kurz vor der Abzweigung auf die Strasse Nr. 26 ergänzten wir unsere Lebensmittelvorräte und füllten den Tank des Land Cruisers noch einmal. Je weiter wir in das langegezogene Tal Richtung Hochland vordrangen, desto besser zeigte sich das Wetter. Der dominante, fast 1500m hohe Vulkan Hekla war zum grössten Teil sichtbar, nur der Gipfel verbarg sich im Nebel. Nachdem wir die Teerstrasse hinter uns gelassen hatten, bekam die Strassennummer ein „F“ vor die 26 gestellt, da die Strecke ab dort nur für 4x4 Fahrzeuge empfohlen wird. Durch kahle, leicht hügelige Landschaft führte die Piste nordwärts. Obwohl diese oft etwas Wellblech, jedoch kaum Verkehr aufwies, kamen wir gut voran.
Da es entlang der Route nur wenig Übernachtungsmöglichkeiten gibt, begannen wir früh Ausschau nach Optionen zu halten. Ein Wegweiser wies auf einen Wasserfall abseits der Hauptpiste hin. Wir folgten den Wegspuren und standen nach einigen Kilometern tatsächlich oberhalb eines Wasserfalls. Zum Übernachten erwies sich das Gelände jedoch nicht sehr geeignet, also fuhren wir weiter. Ein Eintrag in P4N erschien uns ebenfalls ungünstig, denn der Parkplatz lag direkt an der Piste und zudem sehr exponiert auf einem Bergrücken. Nach dem Passieren einer Furt sahen wir weit draussen, am Seeufer des Kvislavatn, ein Auto stehen. Als kurz darauf eine Piste in diese Richtung weg ging, nutzten wir diese und fuhren hin. Am See trafen wir auf zwei isländische Brüder, die dort am Fischen waren und zwar, wie sich herausstellte, sehr erfolgreich. Sie hatten bereits dutzende von Lachsforellen in ihrer Styroporbox und während wir sie beobachteten, kamen weitere dazu. Wir luden die beiden Männern zu einem Kaffee ein, welchen sie dankbar annahmen. Im Gegenzug wurde der nächste gefangene Fisch filetiert und uns als Dankschön überreicht. Trotz beinahe stürmischem Wind, der über die Hochebene hinweg fegte, beschlossen wir an diesem herrlichen Ort zu übernachten. Nachdem sich die beiden Fischer auf den Heimweg nach Selfoss gemacht hatten, blieben wir allein in dieser weiten, unberührten Landschaft zurück und genossen den Abend in der Einsamkeit.

 

 

 

Die Landschaft änderte sich auch bei der Weiterfahrt wenig, lediglich die beiden riesigen Gletscherfelder links und rechts der Strecke rückten immer näher. Bei Nyidalur, einer bewirteten Hütte mit Campingmöglichkeit entdeckten wir zwei Fahrzeuge der freiwilligen Strassenrettung, die auf den Hochlandpisten unterwegs sind. Eines der 4x4 Autos, natürlich ausgestattet mit fetten Rädern, war ein Land Cruiser vom selben Typ wie unserer. Wir knipsten ein Foto der beiden Toyotas und kamen dabei mit dem Fahrer ins Gespräch. Er lobte sein Einsatzfahrzeug, wies jedoch schmunzelnd auf zwei Kritikpunkte hin: der Motor habe viel zu wenig Leistung und die Originalsitze seien unbrauchbar. Geld für bessere Ausrüstung sei jedoch in ihrer Freiwilligen-Organisation nicht vorhanden. Gegen 3000 Helfer besetzen die im Hochland verteilten Stützpunkte in Wochenschichten und werden bei Notfällen ausgesandt, um zu helfen. Die Dienstleistung dieser Organisation sind für alle kostenlos.

Die Furten auf der weiteren Strecke waren alle einfach zu befahren und kaum mehr als 40 cm tief. Auch als wir von der Hauptroute auf die F752 wechselten, blieb die Piste gut befahrbar, obwohl immer öfter sehr steinige Abschnitte auftauchten. Bei der Hütte Laugafell legten wir einen kurzen Zwischenhalt ein. Der wunderschöne, warme Naturpool lockte uns trotz über 30° warmem Wasser nicht, denn anschliessend bei 8° C und starkem Wind aus dem Bad zu steigen, erschien uns wenig angenehm.  

 

Auf der F881 ging es auf weiterhin steiniger Piste und durch karge Landschaft Richtung Akureyri. Nachdem die Sicht bis dahin gut war, tauchten wir am Rand der Ebene in eine dichte Nebelwand ein. Die Sicht auf der steil abfallenden Strecke betrug kaum 10m, so dass  gerade noch der Verlauf der Strasse zu sehen war. Immer wieder querten rauschende Bergbäche die Piste und oft folgten sie dieser sogar, bis sie über die Kante ins Tal fielen. Erst als wir unterhalb der Nebeldecke ankamen, erfassten wir die Schönheit dieses wilden, unberührten Tales. Nach wie vor verlangte die Strasse jedoch volle Aufmerksamkeit und das steinige Terrain liess kaum 20 km/h zu, dennoch genossen wir die Fahrt durch die nach und nach wieder von Schafen bevölkerte Landschaft.
Wieder in der Zivilisation angekommen, nahmen wir mit Rita und Ueli Kontakt auf und verabredeten uns für den Abend des folgenden Tages. Wir fuhren nach Akureyri hinein, um Lebensmittel einzukaufen. Im Einkaufszentrum waren wir überrascht, dass alle Leute wieder Masken trugen. Aufgrund steigender Fallzahlen waren am Wochenende, ohne dass wir etwas mitbekommen hatten, die COVID Massnahmen wieder verschärft worden. Im Camping oberhalb der Stadt mussten wir deshalb auch unsere persönliche Daten angeben und wir wurden angehalten, uns nur im gewählten Sektor des Platzes aufzuhalten.

Zum Nachtessen genossen wir die herrlichen Seeforellenfilets und erinnerten uns dabei an das schöne Erlebnis mit den beiden Fischern. 

Der kommende Tag begann erneut trüb, aber da wir die Strecke Richtung Mückensee bereits kannten, störte es uns wenig. Am Myvatn angekommen, klarte es zwischenzeitlich etwas auf und wir begaben uns auf eine kurze Wanderung über eine Halbinsel am Ostufer des Sees. Laut einer Informationstafel war dieses Gebiet früher in Privatbesitz und Teile davon waren in einen botanischen Garten umgewandelt worden. Heute scheinen die ehemaligen Eigentümer nur noch das Ferienhaus zu besitzen. Vom schön angelegten Pfad, der die Halbinsel umrundet, hatten wir immer wieder herrliche Ausblicke auf den See, vor allem auf interessante Felsformationen und die unzähligen Vögel, welche Land und Wasser bevölkern. Viele der 14 hier anzutreffenden Entenarten hatten Junge, die als flauschige Federbällchen erste Ausflüge auf dem See unternahmen.

 

Der vereinbarte Treffpunkt mit unseren Freunden lag im Krater Hrossaborg, unmittelbar am Beginn der Piste F88, welche uns zur Askja führen sollte. Der Krater weist auf der Ostseite eine Lücke auf, durch welche man ins Innere des erloschenen Vulkans fahren kann. Wir beschlossen, an diesem speziellen Ort zu übernachten, um einmal das Gefühl zu erleben, in einem Vulkankrater zu campieren. Über einen kurzen Weg konnte man den Rand des Kraters erreichen und so die Form und die Dimension des ehemaligen Vulkans erst richtig erfassen.   

Die Piste Richtung Askja war recht gut zu fahren, nicht zuletzt weil der Grader offenbar erst kürzlich die Strasse instand gestellt hatte. Nur beim Queren der grossen Lavafelder war die Piste holprig und kurvenreich. Nach etwa der Hälfte der Strecke erreichten wir die erste von drei nennenswerten Furten. Für unser Fahrzeug stellte sie aber überhaupt keine Herausforderung dar. Die zweite war schon etwas tiefer und vor allem auch viel breiter, bot aber ebenfalls keine Probleme. Die Landschaft wurde nun etwas abwechslungsreicher und auch das Wetter klarte zunehmend auf. Bei der Hütte und Rangerstation Porsteinskali hielten wir kurz an und erkundigten uns vor Ort nach den weiteren Pistenverhältnissen und holten uns generelle Informationen über die Gegend. Die Rangerin war sehr hilfsbereit und gab uns zudem einige gute Tipps für spezielle Unternehmungen in diesem Gebiet. In der Ausgangsstation Dreki checkten wir erst mal im Camping ein und machten Mittagspause. Danach wollten wir einem der Tipps der Rangerin folgen und fuhren etwas weiter nach Süden, um die Quellen des Svartá zu besuchen, welche inmitten eines Lavasandfeldes zu Tage treten. Es mutet beinahe unglaublich an, aber aus dem schwarzen Sand entspringen überall Quellen, die sich in Kürze zu einem recht grossen Fluss vereinen. Das Wasser lässt in diesem sonst eintönigen Schwarz eine üppige Pflanzenpracht spriessen, welche mit ihrem Grün, dem Sand und dem blauen Himmel einen wunderbaren Kontrast schafft.
Wenige Kilometer weiter über sandige Pisten gelangten wir an einen schönen Wasserfall, gebildet vom Svartà bevor dieser sich mit dem Hauptstrom des Tales vereinigt. Auch wenn dieser Wasserfall weder durch seine Höhe noch durch das Volumen beeindruckt, sind es die Kontraste von Schwarz und Grün mit dem kristallklaren Wasser, welches sich dann mit dem graubraunen Gletscherwasser mischt, welche den Reiz der Landschaft ausmachen.

Die Caldera der Askja

Wie die Wetterprognose es vorausgesagt hatte, strahlte die Sonne am nächsten Morgen vom stahlblauen Himmel. Perfekte Bedingungen für die Wanderung durch den Askja Krater zum grossen See im Zentrum der Caldera und dem kleinen Bruder gleich daneben. Der Weg führte meist über schwarze Lavaasche, aber auch einige Schneefelder waren zu durchqueren. Nach gut einer halben Stunde standen wir am Kraterrand des kleineren Viti Sees. Im Gegensatz zum glasklaren, grossen Öskjuvatn weist das schweflige Wasser im Viti See eine fast weisse, milchige Farbe auf. Da dessen Seegrund noch immer von unten geheizt wird, erwärmt sich sein Wasser bis auf ca. 28°. Warm genug für einige abenteuerlustige, den steilen Pfad hinunterzusteigen und ein Bad zu nehmen.

Wieder zurück bei den Autos, fuhren wir ein gutes Stück des Hinwegs zurück, bis wir auf die F910 abbogen. Auch diese Piste war anfänglich noch in recht gutem Zustand. Nachdem wir bei der Brücke über den ersten grossen Fluss Mittagspause gemacht hatten, folgte jedoch ein Abschnitt mit ganz üblem Wellblech. Meist war die Streckenführung zu kurvig, um mit genügend Tempo zu fahren und so ratterte und schepperte eben das ganze Fahrzeug. Um das ganze etwas erträglicher zu machen, beschloss Ueli, den Luftdruck in den Pneus nochmals zu verringern, was eine deutliche Verbesserung zur Folge hatte. Zum Glück besserte sich auch der Zustand der Piste nach und nach wieder, so dass wir die abwechslungsreiche und eindrückliche Landschaft geniessen konnten. Graue Lavafelder, grüne Flusstäler und mehrere kleine Pässe sorgten für Abwechslung.

 

Einige Kilometer vor dem grossen Karahnjukar Staudamm bogen wir von der Hauptpiste ab, hinunter zur Laugarvellier. Dort lockte ein weiterer Naturpool, welcher über einen heissen Wasserfall gespeist wird, zum Entspannen. Unmittelbar neben dem 40° warmen Becken fliesst ein kühler Bach, welchen wagemutige zum Abkühlen nutzen können. Wir beschlossen, gleich auf dem Parkplatz die Nacht zu verbringen. Wir waren zwar nicht die einzigen mit dieser Idee, aber es gab genügend Platz für alle, um ruhig zu schlafen. Die Ruhe hielt jedoch nur an, bis eine isländische Familie mit zwei Kindern um ein Uhr nachts zum Baden kam und beim Aussteigen einen Heidenlärm verursachten. Nach einer guten Stunde kamen sie von der warmen Quelle zurück, natürlich auch diesmal nicht ohne Lärm…

Bevor wir in die Zivilisation zurückkehrten, machten wir einen kurzen Abstecher zum tiefsten Canyon Islands, dem Hafrahvammar. Bis 200 m hohe, senkrechte Wände säumen die Schlucht, welche direkt unterhalb des Karahnjukar Staudamms beginnt. Durch den Bau des Dammes wurde dem Fluss allerdings das Wasser entzogen, sodass die Schlucht trocken liegt.
Das Wasser im riesigen Stausee wird über ein 40 km langes Stollensystem aus verschiedenen Tälern zusammen geführt und versorgt ein Kraftwerk, welches  700 MW Strom erzeugt.

 

Beim Laugarfell, einem Hotel mit einer weiteren warmen Quelle, unternahmen wir eine schöne Wanderung. Der ausgeschilderte Weg trägt den Namen „Wasserfallrunde“ und dieser war kein leeres Versprechen. Einem klaren Fluss entlang gingen wir stromabwärts bis dieser sich mit einem grösseren Gletscherfluss vereinte. Diesem wiederum folgten wir stromaufwärts und gelangten über einen kleinen Pass zurück zu den Autos. Wie der Name versprach, kamen wir an beiden Flüssen an mehreren herrlichen Wasserfällen vorbei. Auch die Landschaft mit dem dominanten Snaefell im Hintergrund und dem grossen Gletscherfeld im Süden bildeten eine eindrückliche Kulisse.

 

Da die angebotene Campingmöglichkeit nur aus einem Parkplatz an der Zufahrtstrasse bestand, beschlossen wir, ins Tal hinunter zu fahren und dort zu übernachten. Die Luzerner hingegen blieben, denn sie wollten eine weitere Wanderung in der Gegend unternehmen.

Die Ostfjorde

Nicht weit vom letzten Nachtlager entfernt besuchten wir am folgenden Morgen den Hengifoss. Den Anblick dieses Wasserfalles mussten wir uns jedoch erst erarbeiten, denn es lagen 250 Höhenmeter und 2,5 km Fussweg vor uns bis zum Ziel. Auf halber Strecke kamen wir bereits am kleineren Litianesfoss vorbei. Dieser wird von hohen, eindrücklichen Basaltsäulen eingerahmt und ist dadurch von der Umgebung her sogar schöner als der mit seiner Höhe von 100m beeindruckende Hengifoss selber.

Zurück beim Auto fuhren wir erstmal bis nach Egilsstadir, um von dort weiter an die Küste zu gelangen. Über eine Bergpiste erreichten wir den Fjord, an dessen Eingang Djupivogur liegt und liessen uns im schönen Campingplatz Fossardalur nieder. Wir kamen bald mit unseren isländischen Campnachbarn ins Gespäch, denn wir beobachteten Björg dabei wie sie flink wie eine Maschine an einem Pullover strickte. Im Gespräch erwähnte sie, dass sie eine kleine Auswahl fertiger Pullover dabei hatte und wie der Zufall so spielt, fand sich einer der farblich und in der Grösse genau zu Myrta passte. So waren wir das Problem des überschüssigen Bargeldvorrats auch bald los.

Für den nächsten Tag hatte sich Lukas, Myrtas Neffe angekündigt. Er war auf seiner Tour bis Höfn gefahren und dadurch nur noch eine gute Fahrstunde von uns entfernt. Wir wollten am Vormittag in Djupivogur etwas für das Nachtessen einkaufen, standen jedoch vor verschlossener Tür, da wegen des langen Wochenendes der Laden erst um 12 Uhr öffnete. Wir vertrieben uns die Zeit mit dem Besuch der grossen Steineiersammlung am Hafen. Ein lokaler Künstler hat aus verschiedenen Steinarten die Eier von 34 lokalen Vogelarten überdimensional nachgebildet und diese auf Betonsockeln aufgestellt.
Auch die kleine, aber eindrückliche  Mineraliensammlung im Ort war eine Besichtigung wert, denn die Region ist eines der besten Fundgebiete für Zeolith, ein Mineral, welches in einer unglaublichen Farbenvielfalt auftritt. Von aussen ziemlich unscheinbar, leuchten die Steine aufgeschnitten und poliert in allen Regenbogenfarben.
Es blieb danach noch genügend Zeit, Teigarhorn, etwa 5 km ausserhalb zu besuchen. Der ehemalige Bauernhof wurde 2013 vom Staat erworben und in ein Naturschutzgebiet umgewandelt. Das schön gelegene Grundstück an der Küste zählt offenbar zu den besten Fundorten für Zeolith und bietet sich für einen kurzen Spaziergang an. Unzählige Enten, vor allem die in ganz Island verbreiteten Eiderenten leben und brüten am Ufer. Diese Entenart liefert die feinsten und wärmsten Daunen, die es gibt und die entsprechend teuer sind. Die Enten polstern mit den Federchen ihre Nester aus und, nachdem die Küken ausgeflogen sind, sammeln die Isländer diese ein. In einem Schuppen in Teigarhorn entdeckten wir einige dieser grossen flaumigen Nestballen, die darauf warteten, von Gras und anderen Fremdstoffen gesäubert zu werden.

 

Am Nachmittag erschien wie vereinbart, Lukas auf dem Campingplatz. Wir hatten uns natürlich viel zu erzählen. Eines seiner Highlights war wiederum der im Frühjahr ausgebrochene Vulkan bei Grindavik. Bei unserem Besuch in dieser Gegend war ja leider keine Aktivität zu verzeichnen, was uns natürlich etwas frustriert hatte. Als Lukas ein paar Tage später dort war, konnte er unglaubliche Bilder vom erneut ausgebrochenen Lavastrom schiessen. Immerhin konnten wir uns nun an seinen eindrücklichen Fotos erfreuen. Nach einem gemeinsamen Nachtessen verabschiedete er sich von uns, denn er wollte noch ein Stück Richtung Reykjavik fahren, da er bereits für Donnerstag seinen Flug zurück in die Schweiz gebucht hatte.

Bei der Weiterfahrt entlang den östlichen Fjorden meinte es das Wetter wieder einmal nicht sonderlich gut mit uns. Von der Landschaft bekamen wir nur wenig mit, denn die Wolken hingen tief und zum Teil fuhren wir durch dichten Bodennebel. Wir hatten geplant, noch einmal ein einsames und ruhiges Camp in der Natur zu suchen. Obwohl das Wetter dafür nicht optimal war, fuhren wir auf einer 4x4 Strecke zu einer Halbinsel hinaus und dort zu einer Bucht. Wie anhand der Karte zu erwarten, hatten wir den Ort für uns alleine. Das Camp lag direkt hinter den schwarzen Dünen des Strandes. Trotz wenig Sicht machten wir uns auf einen kurzen Strandspaziergang und genossen immerhin die frische Luft. Am folgenden Morgen hob sich der Nebel endlich, so dass wir auf der Rückfahrt doch noch in den Genuss der einmaligen Landschaft kamen. 

 

In Egilsstadir deckten wir uns nochmals mit dem wunderbar aromatischen isländischen Lammfleisch ein, welches wir nach Hause nehmen wollten und besorgten frischen Fisch für das Nachtessen. Zudem bekam der Land Cruiser eine Miniwäsche, was reichte, denn so richtig schmutzig war er nicht. Beim Einchecken in den Campingplatz trafen wir wieder auf Rita und Ueli. Sie wollten allerdings weiter nach Seydisfjördur zum Übernachten, während wir hofften in Fellabaer, eine halbe Stunde vom Hafen entfernt, eine ruhige letzte Nacht zu verbringen.


Was uns in Island sonst noch so aufgefallen ist....

Camping

Entlang der Ringstrasse und bei den touristischen Hotspots waren die Campingplätze auch 2021 immer stark belegt. Aufgefallen ist uns, dass viele ausländische Touristen abends sehr spät ankamen und früh wieder weg waren. Das war an und für sich kein Problem. Da jedoch die ganzen Lowcost Camper praktisch alle mit Schiebetüren ausgestattet waren, nervten wir uns oft, wenn diese 2m neben uns standen und die Türen bis spät in die Nacht auf und zugeschlagen wurden. Generell fiel uns in Island auf, dass viele dieser Touristen offenbar wenig Erfahrung  mit Camping haben und deshalb bestimmte Verhaltensregeln nicht kennen oder diese einfach ignorieren. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass es in Island ein Brandschutzgesetz gibt, welches zwischen Zelten, Wohnwagen und Campingfahrzeugen einen Mindestabstand von 4 m verlangt. Nur in einem einzigen Campingplatz wurden wir aber darum gebeten, diesen Abstand einzuhalten. In der Regel werden die Leute unkontrolliert und unbeschränkt reingepackt, sodass es zum Teil zu unangenehm naher Nachbarschaft  kommt.
Gut zu wissen ist, dass Personen über 67 in den allermeisten Campingplätzen 10-30% Ermässigung erhalten. Meist wird dies sowieso angeboten, andernfalls lohnt es sich zu fragen.

Wildcamping

Eigentlich ist es unterdessen grundsätzlich verboten, ausserhalb von etablierten Campingplätzen zu übernachten. In touristisch stark frequentierten Regionen sind auch meist Verbotsschilder an möglichen Standplätzen zu finden. Ob und wie konsequent das Verbot durchgesetzt wird ist uns nicht bekannt.
In anderen Regionen findet man aber durchaus schöne Plätze, wo man niemanden stört. Zu beachten ist jedoch ein Gesetzt, welches das Fahren abseits von Strassen und Pisten grundsätzlich verbietet. Wird man dabei erwischt, wird es richtig teuer. In Nationalparks und Naturreservaten werden beide Gesetzte konsequent durchgesetzt!
Leider ist es auch in Island so, dass bei den meisten Buschcamps WC Papier herumliegt, sicher mit ein Grund, warum man wildcampen verbietet. Warum man sein Geschäft nicht wenigstens vergraben und das Papier verbrennen kann, ist uns schleierhaft. Keiner freut sich an diesen „Tretminen“. Leider gibt es überall und immer wieder Leute, die sich darum nicht kümmern.

Treibstoff

Island gehört sicher zu den teureren Ländern bezüglich Treibstoffpreise. Diese sind auf der ganzen Insel ähnlich, nur in der Region Reykjavik gibt es einige Tankstellen die gut 15% günstiger sind. Hat man einen grossen Tank, lohnt es sich voll anzureisen und wenn möglich in der Hauptstadt aufzufüllen.
Entlang den Hauptrouten ist es selten sehr weit zur nächsten Tankstelle und wenn, wird man oft darüber informiert. Nur im Hochland gibt es keine Tankstellen, aber die Distanzen sind auch dort nicht riesig. Trotzdem sollte man mit grosszügiger Reserve auf diese Pisten starten.

Lebensmittel

Aufgrund der isolierten Lage und der dünnen Besiedlung sind vor allem Früchte und Gemüse nicht immer so frisch wie man es von zu Hause gewohnt ist. Das Angebot ist aber im grossen und ganzen gut und vielseitig, aber auf Island sind die gut sortierten Supermärkte nur an wenigen grösseren Orte anzutreffen. Auch kleiner Läden bieten einiges an, Abstriche muss man hier allenfalls bei Frischwaren und bei der Brotauswahl machen.
Das Preisniveau liegt in etwa ähnlich wie in der Schweiz, wobei es durchaus auch Produkte gibt die günstiger sind. Wer Lammfleisch mag, ist in Island gut bedient, denn hier bekommt man ausschliesslich lokale Produkte und diese sind hervorragend.

Etwas ungewohnt sind die Öffnungszeiten. Vor 10 Uhr morgens öffnet kaum ein Laden, oft sogar erst um 11 oder 12 Uhr. Abends sind die Geschäfte auch nicht allzu lange offen und darum muss man die Einkaufszeiten etwas im Auge behalten.

Alkoholische Getränke

Ausser Schwachstrombier kauft man Alkohol ausschliesslich in den staatlichen „Vinbudin“. Diese sind in der Regel in der Nähe der Supermärkte zu finden.
Generell sind die Getränke recht teuer im Vergleich zum mitteleuropäischen Preisniveau.

Wetter

Wie man weiss, ist Island weder für warmes noch für sehr sonniges Klima bekannt. Wir hatten vor allem am Anfang des Trips viel Glück mit dem Wetter. Meist war es sonnig und bis die Sonne verschwand auch angenehm warm. Aber auch wir wurden vom Regen nicht verschont, dazu kam immer wieder Nebel, der uns oft die Aussicht auf die Landschaft vergällte.

 

Sehr kalt wurde es nie, aber vor allem im Hochland muss man immer mit kalten Temperaturen rechnen. Selbst Schneefall im Sommer ist nicht unüblich. Zu schaffen machte uns auch der zum Teil starke Wind, denn dadurch fühlte es sich schnell sehr kalt an.
Die Heizung brauchten wir jedenfalls öfter als dies sonst der Fall ist. Alles in allem war das Wetter jedoch recht gnädig mit uns.

 

Beobachtet man die Wetterprognose des isländischen Wetterdienstes aufmerksam und ist man bereit, die Route dem Wetter entsprechend anzupassen, kann man durchaus auch von regionalen Schönwetterphasen profitieren. Das bedeutet zwar, dass man unter Umständen Umwege fahren oder wieder zurückreisen muss, aber dafür geniesst man das Land bei besseren Bedingungen. Das Wetter ist und bleibt wechselhaft und weder Regen noch Sonnentage halten in der Regel lange an. Auch die Wetterprognosen ändern laufend und können durchaus am folgenden Tag wieder ganz anders aussehen.

Strassenverhältnisse

Die Ringstrasse und viele weitere Hauptstrassen sind meist geteert und in gutem Zustand. Weicht man aber auf Nebenstrassen aus, sind diese meist nicht asphaltiert, jedoch auch mit normalen Fahrzeugen und Campern problemlos zu befahren.
Nur die Strassennummern, die mit einem „F“ beginnen, sind ausschliesslich geländegängigen Fahrzeugen vorbehalten. Vor allem die dreistelligen Strassennummern sollten nur von Geländewagen mit guter Bodenfreiheit in Angriff genommen werden, denn auf diesen gilt es immer wieder auch Furten zu queren, welche oft zu tief sind für normale SUV’s. Trotzdem sieht man vor allem die sehr beliebten Dacia Duster immer wieder an Orten, wo man sich fragt, wie die das geschafft haben. Dies obwohl es gerade bei Mietwagen Einschränkungen gibt, welche bei Nichtbeachtung und daraus resultierenden Schäden ungedeckte Folgekosten nach sich ziehen können.

Die Pisten im Hochland sind meist erst im Hochsommer für den Verkehr freigegeben. Je nach Schneeverhältnissen kann es auf einigen Strecken bis Mitte Juli dauern bis sie geöffnet werden. Um sich über die Strassenverhältnisse und Pistenzustände zu informieren, betreibt der Staat eine informative und tagesaktuelle Webseite die man unbedingt konsultieren sollte, bevor man sich auf Pisten in abgelegenen Regionen begibt. Auf der Webseite ist auch ersichtlich, welche Hochlandstrecken allenfalls geschlossen sind.

 

Für interessierte Reisende welche in Island einen 4x4 mieten möchten, aber noch keine Erfahrungen mit solchen Fahrzeugen haben, können wir das Buch „Reisen im 4x4“, welches wir auf unserer Downloadseite kostenlos anbieten, empfehlen. Insbesondere die Kapitel wo es um die Fahrtechnik geht, können vor den grössten Fahrfehlern bewahren und so helfen, teure Schäden am Mietfahrzeug zu vermeiden.


Rückfahrt

Wir hatten ja nur eine halbe Fahrstunde vom Hafen in Seydisfjördur übernachtet und waren deshalb ohne Stress zeitig vor Ort. Anders als bei der Ankunft hatte es auf dem Pass nun keinen Schnee mehr und der See war eisfrei. Allerdings sahen wir davon nicht allzu viel, denn es herrschte wieder einmal dichter Nebel.

Nachdem wir im Hafen die Checkin Formalitäten erledigt hatten, liessen wir uns gemütlich das Frühstück schmecken. Inzwischen waren auch Ueli und Rita eingetroffen, die in Hafennähe die letzte Nacht verbracht hatten. Pünktlich wie geplant, begann das Verladen und auch die Abfahrt erfolgte genau nach Fahrplan.

Die Überfahrt war erneut weitgehend ereignislos, nur der Seegang war zeitweise etwas unruhig, jedoch durchaus im grünen Bereich. Den Zwischenhalt auf Färöer, diesmal Mitten in der Nacht, nahmen wir nur wahr, weil die Vibrationen der Maschinen uns weckten.

Nach Ankunft in Hirtshals dauerte es eine ganze Weile bis wir endlich von Bord kamen. Als wir uns von unseren Freunden verabschiedeten, die der Westküste entlang fahren wollten, wurden wir von einem heftigen Regenschauer überrascht und ungewollt schnell getrennt.
Wir hatten bereits in Island mit den Portmanns korrespondiert, denn sie waren ebenfalls auf dem Weg nach Hirtshals, allerdings von Norwegen aus. Da sie kurz nach uns ankamen, hatten wir beschlossen, einen gemeinsamen Abend zu verbringen und so lotsten wir sie zu einem Stellplatz an der Ostküste, nur eine Stunde vom Hafen entfernt, wo sie gegen Abend eintrafen.
Sie beiden hatten auf einer Tour durch Skandinavien ihre Jungfernfahrt im Land Cruiser Azalai erlebt und sind, wie wir selber ja auch, komplett begeistert von ihrem Camper.
Wir luden sie spontan zum Apéro und Nachtessen ein und verbrachten einen netten Abend zusammen.

 

Ein weiteres Rendezvous mit Svea, die Ueli vor Jahren auf der Wüstenrallye Grand Erg als Navigator begleitet hatte, drohte erst zu platzen. Nachdem sie jedoch wegen Staus auf der geplanten Route schliesslich auch über Flensburg fahren wollten, klappte es doch und wir trafen uns in einem Campingplatz fast auf die Minute genau.
Svea war mit ihrer Mutter und ihrem Hund in einem Mietcamper nach Schweden unterwegs und wir genossen das Wiedersehen nach den vielen Jahren.

Wir beschlossen, wieder die Fähre über die Elbe zu nehmen, anstatt uns durch das Autobahnchaos von Hamburg zu quälen. Danach fuhren wir wie schon auf dem Weg nach Hirtshals auf Landstrassen mehr oder weniger südwärts und zielten dabei auf einige Orte die auf unserer Google Maps Bucketlist markiert waren.

Hier die erwähnenswerten Zwischenhalte auf der Heimfahrt:

Stade

Der Ortskern und der alte Hafen sind sehr schön erhalten und boten uns eine gute Gelegenheit, unsere Füsse etwas zu vertreten. Das Wetter hatte sich unterdessen auch zum Guten gewendet und so war es nicht verwunderlich, dass die Gartenrestaurants gut besucht waren.
Ein Spaziergang durch den Ortskern offenbarte auch viele witzige Details, wie zum Beispiel die Cartoons an den Hafenwänden, welche lustige Szenen darstellten.

Schloss Corvey und Fritzlar

Die riesige Anlage ist ein UNESCO-Weltkulturerbe und eine Mischung aus Schloss und Kloster. In seinen Gemäuern befinden sich Ausstellungen zur Geschichte des Ortes. Auch sind einige zeitgemäss ausgestattete Räume zu besichtigen und ein ganzer Gebäudeflügel enthält die auf mehrere Räume aufgeteilte Bibliothek.

 

Noch am selben Tag besuchten wir das Städtchen Fritzlar. Auch hier dominierten wunderschöne Fachwerkhäuser, wobei die eindrücklichsten Gebäude rund um den Marktplatz zu sehen waren.

Entlang der Mosel

Bei Koblenz fliessen Rhein und Mosel zusammen. Wir folgten der Mosel flussaufwärts. An den Südhängen wächst der beliebte Moselwein und immer wieder schmücken kleine Orte das Flussufer. Tourismus und Weinbau sind die wichtigsten Erwerbszweige in der Gegend und wir waren überrascht wie viele Besucher wir antrafen. Die vielen Campingplätze entlang des Flusses waren allesamt gut besucht.
Wir machten einen Abstecher auf das nördliche Plateau, um die Burg Eltz zu besichtigen. Schon bei der Anfahrt zeigte sich jedoch, dass die Burg ein sehr beliebtes Ausflugsziel ist. Als wir vor dem Parkplatz auf einen lange Warteschlange trafen, drehten wir wieder um und verzichteten auf den Besuch.
Weiter der Mosel entlang fahrend besuchten wir das kleine Weindorf Beilstein. An die steilen Hänge des Moseltals gebaut, zieht auch dieser Ort viele Besucher an. Vor allem die Restaurants waren sehr gut besetzt und die Parkplätze stark belegt. 

Luxembourg

Wir beschlossen, den Weg Richtung Luxembourg einzuschlagen, nicht zuletzt, weil wir beide noch nie in diesem kleinen Land gewesen waren. Auf unserer Bucketlist war das bekannte Müllertal markiert und so suchten wir einen Übernachtungsplatz in dessen Nähe. Durch die kürzlichen Überschwemmungen waren einige Campingplätze verwüstet worden und so konnten wir mit viel Glück den letzten Stellplatz auf dem Campingplatz la Pinede ergattern. Der Platz ist für eine Wanderung durch das nahe Müllertal ideal und da wir schon früh angekommen waren, starten wir zur 3 h Rundwanderung.
Vom Camping führt eine Treppe hinunter auf den gut markierten Wanderweg. Bekannt ist das malerische Tal für seine eindrücklichen Felsformationen. Der Weg führt immer wieder an bizarren Felsgebilden vorbei und man kann der Fantasie Raum geben bei der Deutung der Formen. Die Wanderung durch das herrliche schattige Tal brachte uns dank dem nun warmen, aber auch sehr schwülen Wetter ganz schön ins Schwitzen. Beim Schiessentümpel erreichten wir den Wendepunkt unseres Marsches.
Der Weg führte uns auch an einem der Campingplätze vorbei, die vom Hochwasser Schaden genommen hatten. Es machte nicht den Anschein, dass der Besitzer diesen wieder in Ordnung zu bringen und eröffnen wollte, was angesichts der Verwüstungen nicht verwunderlich war. Dem Osthang entlang, hoch über dem Talgrund, ging es wieder Richtung Ziel.

 

Auf der Weiterfahrt planten wir eigentlich, der Hauptstadt einen Besuch abzustatten. Aber einmal mehr stellte sich die Suche nach einem geeigneten Parkplatz als Problem heraus. Wir kreisten mehrmals durch das Zentrum, ohne fündig zu werden und so wurde aus dem Stadtbummel eben  eine Stadtrundfahrt. Wir profitierten von den günstigen Dieselpreisen in Luxembourg und füllten unsere Tanks bis zum Rand. So waren wir bis in die Schweiz mit Sicherheit versorgt und hatten auch Vorrat für weitere Ausflüge.

Verdun

Die Grenze nach Frankreich war kaum als solche zu erkennen, und der Übergang entsprechend problemlos. Über kleine Landstrassen fuhren wir Richtung Verdun. Die Dörfer an der Strecke machten durchwegs einen eher armseligen Eindruck, offenbar gehört diese Gegend nicht zu den gut gestellten Regionen Frankreichs.
Einige Kilometer nördlich von Verdun hatte die schreckliche Schlacht im ersten Weltkrieg stattgefunden. In einem ewig andauernden Stellungskrieg standen sich die Franzosen und die Deutschen Soldaten auf Sichtdistanz gegenüber. Hin und her verschob sich die Front, wobei keine der beiden Parteien eigentliche Gewinne erzielte. Zehntausende von Toten waren am Ende des Krieges zu beklagen.
In Erinnerung daran und hoffentlich als Mahnmal, dass sich eine solche Tragödie nie mehr wiederholt, sind einige Stätten zu besichtigen. Im Soldatenfriedhof sind über 15‘000 Kreuze aufgereiht und im Beinhaus liegen die Knochen unzähliger Opfer.
Im nahen Fort Douamont, welches auf der höchsten Erhebung der Region liegt, konnte man sich ein Bild darüber machen, wie die einfache Verteidigungsanlage der Franzosen ausgesehen hat. Die tiefen Granattrichter zeigen zudem auf, wie der Boden immer wieder durch Einschläge durchgepflügt worden war, bis kein Strauch mehr überlebt hatte.
Auch die kaum mehr erkennbaren Überbleibsel des Dorfes Fleury zeigen auf, wie schrecklich das Artilleriefeuer gewütet haben musste, nachdem die Bewohner zwischen die Fronten geraten waren. Nur eingeschlagene Pflöcke und Infotafeln erinnern daran, wo die einzelnen Häuser damals gestanden hatten.

 

Der Stadt Verdun selber statteten wir auf einem kurzen Rundgang einen Besuch ab. Trotz des imposanten Stadttores und der schönen Kathedrale wirkt auch Verdun eher bescheiden und nicht von grossem Reichtum gesegnet.

Durch die Vogesen nach Hause

Alle Campingplätze an den Seen im Naturpark Lorraine waren für unseren Geschmack zu stark belegt und wir zogen es vor, ein abgelegenes Buschcamp zu suchen. Beim Fort de Liouville, auf einem Hügel gelegen, wurden wir fündig. Ganz legal kann man auf dem Parkplatz übernachten. Witzig ist, dass im Park4Night die Zufahrt nur für 4x4 deklariert ist. Das trifft zwar zu, wenn man von Süden her anfährt, die ausgeschilderte Zufahrt von St. Agnant ist zwar nicht geteert, aber für alle Fahrzeuge problemlos zu befahren. So kam es, dass noch zwei WoMo’s aufkreuzten, was uns jedoch angesichts des grosszügigen Platzes nicht störte.

Unser nächster Halt war das Schiffshebewerk bei St. Louis in den Nordvogesen. Die eindrückliche Anlage wurde in vier Jahren gebaut und 1968 in Betrieb genommen. Davor mussten die Kanalboote den Höhenunterschied mittels 17 Schleusen überwinden. Heute transportiert das Hebewerk die Schiffe innert kürzester Zeit über einen Schrägaufzug 45 m in die Höhe und bietet über 8000 touristischen Booten pro Jahr ein einmaliges Abenteuer.

 

Wir fuhren über Route des Crêtes, eine Panoramastrasse, welche uns auf den Höhen der Vogesen bis nach Cernay führte. Ein letztes Mal übernachteten wir an einer unbefahrenen Strasse mitten im Wald und genossen die Ruhe und Kühle auf fast 1000 müM. 


Karte der Hin- und Rückfahrt Schweiz - Dänemark - Schweiz